Ausgabe 
(21.11.1934) Nr. 322
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Nr. 322 / 4. Vierteljahr

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Mittwoch. 21. November

Einzelpreis is Npf.

Ein Äa und ein Nein

Stimmungsbarometer Danzig und Gens

k. IAÜ. Das Ausland hat sich, soweit es dem Nationalsozialismus nicht freundlich ge­sonnen ist, wieder einmal verspekuliert. Die Wahlen in Danzig sollten ein „erstes An­zeichen" dafür liefern, daß sich der National­sozialismus auf dem Rüchzuge befindet, daß die Bewegung im Rahmen eines parlamen­tarischen Systems, wie es im Gegensatz zum Deutschen Reich im Freistaat Danzig noch existiert, „schon jetzt" vor anderen Parteien die Waffen strecken muß. Und nun ist vor aller Welt das Gegenteil Tatsache geworden: „Der Nationalsozialismus er­oberte Boden, statt ihn zu verlieren", wie die Londoner Daily Mail offen zugibt. Mehr noch: die Stimmenverluste der Deutsch­nationalen, des Zentrums und der Marxisten haben diese Parteien auch in Danzig zu völliger Ohnmacht verurteilt und die NE- DAP. zur allein maßgebenden Vertreterin des Deutschtums der Ostsee-Hansestadt aus­rücken lassen. Da bei der Sicherung und Kontrolle der Danziger Wahlen bekanntlich auch der Völkerbund mitwirkte, der in kei­nem Falle einzugreifen brauchte, müssen die internationalen Verleumder diesmal von den „Entdeckungen unerhörten Wahlterrors und Gesinnungszwanges" in unfreiwilliger Zurückhaltung Abstand nehmen. Im

überwältigenden Stimmenzuwachs, den die Nationalsozialisten Danzigs für sich verbuchen können, drückt sich das Vertrauen der zur Wahlurne gerufenen Bevölkerung nicht nur zur Danziger Regierung, sondern zum

Nationalsozialismus überhaupt aus.

Zu gleicher Zeit wie in Danzig wurden die Marxisten noch in einem anderen Staat ver­nichtend geschlagen: Der Schweizer Kanton Genf lehnte in einer Volksabstimmung das has g umstrittene Finanzgesetz der Regierung Nicole eindeutig ab und brachte damit den Chef einer scharf bekämpften marxistischen Bürokratie ins Hintertreffen. Die Niederlage des Herrn Nicole ist um so offensichtlicher, als er sich in staunenswerter Ueberschätzung seiner Beliebtheit stets gern auf die „hinter ihm stehende Mehrheit der Bevölkerung" be­rief. — Eineinhalb Jahre nationalsoziali­stischer Regierungsarbeit, in Danzig wur­den mit einer endgültigen Absage der Volks­genossen an Parteienstreit und Bruderzwist beantwortet: ein Jahr sozialistischen Regimes im Genfer Kanton genügten, um den Schweizern die Augen für die von links dro­henden Gefahren zu öffnen. In der alten, schönen deutschen Stadt wird man nun­mehr an einen Volksentscheid für die längst fpruchreife Aenderung der Danziger Ver­fassung denken können. Herr Nicole da­gegen muß auf dem Genfer See verzwei­felt zwischen der Szylla des Regierungsrllck- tritts und der Charybdis der Kreditverweige­rung seitens des Bundesrats manövrieren. Schöne Aussichten der marxistischen Emi­granten für' die Saarabstimmung . . .!

Matuschka zum Tode verurteilt

Budapest, 20. November.

Das Vudapester Strafgericht hat den Eisen- bahnattentäter Matuschka wegen vorsätzlicher Tötung, begangen in 22 Fällen, zum Tode ver­urteilt.

Einheitliche Preisüberwachung

Vreiskestsetzungen in Zukunft nur durch den Reichskommlsfar

Berlin, 20. November.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat unter Aushebung oder Abänderung aller bis­her getroffenen abweichenden Bestimmungen über die llevertragung von Aufgaben und Befugnissen des Reichskommissars für Preisüberwachung be­stimmt, daß Preise, Preisspannen oder Zuschläge aller Art in Zukunft nur noch durch den Reichs­kommissar für Preisüberwachung festgesetzt wer­den. Allen anderen Stellen wird jegliche Preis­festsetzung verboten.

Soweit Preise nur begrenzte räumliche Aus­wirkung haben, kann die Festsetzung im Einver­ständnis mit dem Reichskommissar auch durch die obersten Landesbehörden, in Preußen durch die Oberpräsidenten, in Berlin durch den Staats­kommissar erfolgen.

Die Preisüberwachung wird in Preußen von dem Regierungspräsidenten (in Berlin vom Polizeipräsidenten), in Sachsen von den Kreis­hauptleuten, sonst von den obersten Landesbe­hörden oder den von ihnen bestimmten Stellen der allgemeinen Landesverwaltung durchgeführt.

Die Befugnisse zur Schließung von Be­trieben wegen Zuwiderhandlungen oder ^ aus sonstigen wichtigen Gründen steht auch dem Re­gierungspräsidenten zu. Selbstverständlich hat sich

Genf» 20. November.

Das Präsidium der Abrüstungskonferenz - ist heute kurz vor 11 Uhr unter dem Vorsitz Hendersons unter Ausschluß der Oeffentlich- keit zu einer Tagung zusammengetreten. Außen­minister Laval, der am Vormittag in Genf an­kam, ließ sich dabei zunächst durch Massigli ver­treten.

Allgemein gilt es als feststehend, daß die Ta­gung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz im wesentlichen doch wieder den Charakter einer Verschiebung der Konferenz tragen wird. So gilt es als sicher, daß die Kom­mission, die sich von neuem mit einem Teil der Abrüstungsfragen befassen soll, nicht vor Januar oder Februar nächsten Jahres zusammentreten wird, da man offenbar die Volksabstimmung im Saargebiet erst abwarten will. Jedenfalls soll von englischer und amerikanischer Seite sehr stark in dieser Richtung gearbeitet werden.

Die Tagung fand ihre Eröffnung durch eine Rede Hendersons, die mit einem kurzen Nach­ruf für König Alexander, Barthou und Dollfuß eingeleitet wurde. Nachdem Henderson noch den Tod des sowjetrussischen Bot­schafters Dowgalewski erwähnt hatte, begann er zunächst mit der Verlesung einiger Einwände, die er von pazifistischen Organisationen erhalten habe. Dann erinnerte Henderson an seine Vor­schläge vom 5. November, deren Hauptinhalt er nochmals bekanntgab. Falls das Präsidium

der Reichskommissar diese Befugnis auch selbst vorbehalten.

Im übrigen sind künftig auch Ordnungsstrafen gegen Unternehmungen, in deren Geschäftsbetrieb eine Zuwiderhandlung gegen die allgemeinen Vorschriften begangen worden ist, oder gegen die schuldigen Personen bis zu 1000 RM. für jeden Fall der Zuwiderhandlung vorgesehen.

Die Preisüberwachungsbehörden sind vom Reichskommissar gebeten worden, bei der Preis­überwachung mit den Gau- und Kreisleitern der NSDAP. Fühlung zu halten.

An die Gau- und Kreisleiter hat der Reichs­kommissar die Bitte gerichtet, bestimmte Amts­leiter zu bezeichnen, deren Aufgabe es ist, die bei den Gau- und Kreisleitungen etwa eingehenden Beschwerden zu sammeln und nach Sichtung der nächsten zuständigen Ueberwachungsbehörde der allgemeinen Landesverwaltung zuzuleiten. Fol­gende Gebiete sind zur Preisüberwachung zusam­mengefaßt: Lippe-Detmold und Provinz West­falen, Schaumburg-Lippe und Provinz Hannover, Kreis Birkenfeld (Oldenburg) und Rheinprovinz, Altona, Wandsbek, Harburg-Wilhelmsburg und Hamburg. Weitere Veränderungen der Eebiets- zuständigkeit hat sich der Reichskommissar vorbe­haltend

seinen Vorschlägen zustimme, werde er sich mit den verschiedenen Vorsitzenden der betreffenden Ausschüsse für Waffenhandel, Osfenlegung der Wehrhaushalte und für allgemeine Bestimmun­gen in Verbindung setzen, um den Zeitpunkt fest­zulegen, zu dem ihre Arbeiten wieder aufgenom­men werden können; er werde ihnen, wie er hinzufügte, dafür Mitte Januar vorschlagen.

Nach der Eröffnungsrede Hendersons im Prä­sidium der Abrüstungskonferenz sprach der ameri­kanische Vertreter Wilson. Er kündigte dabei die Vorlage eines bis ins einzelne gehenden Ent­wurfes zur Regelung der Frage des Waffenhandels und der Massenher­stellung an. Gleichzeitig gab er die wesent­lichen Richtlinien dieser amerikanischen Vorschläge bekannt. Sie lehnen sich, wie schon vermutet wurde, sehr eng an die Beschlüsse des im Juli dieses Jahres tagenden Sonderausschusses an. Neu ist hauptsächlich die ausdrückliche Feststel­lung, daß ein autonomer Sondervertrag über Massenherstellung und Waffenhandel abgeschlossen werden soll, ohne Rücksicht auf ein später abzu­schließendes allgemeines Abkommen. Der ameri­kanische Entwurf sieht ein System der Kontrolle für die Waffen-Herstellung und den Waffenhandel in den betreffenden Ländern selbst vor, verstärkt durch eine zweite Kontrolle, die von Genf selbst ausgeübt wird. Hierfür soll der zu bil­dende ständige Abrüstungsausschuß zuständig sein. Ein Unterschied zwischen staatlicher und privater

Die durch den Erlaß getroffenen Bestimmungen werden vom Reichskommissar für Preisüber­wachung wie folgt begründet: Die starke Zen­

tralisierung ist erforderlich, um zunächst einmal die in den letzten Monaten aus dem Dränge der Ereignisse heraus entwickelte starke Zersplitterung in der Preisüberwachung wieder zu beseitigen. Diese Zersplitterung trug die Gefahr der Ent­wicklung zu wirtschaftlichen Sondergebieten in sich und könnte zu unerwünschten wirtschaftswidrigen Warenbewegungen führen. Auch in der Preis­überwachung muß die Wirtschaftseinheit des Reiches gewährleistet bleiben.

Aus dem gleichen Grunde ist davon Abstand genommen, die Festsetzung von Preisen und Spannen den preußischen Regierungsbezirken und den ähnlichen Verwaltungsbezirken in den anderen Ländern zu überlassen. Die Dezentrali­sation an die obersten Landesbehörden und die Oberpräsidenten in Preußen (für Berlin an den Staatskommissar) ist zunächst aus diejenigen Fälle, in denen zweifellos Wirkungen über den Landes- (Provinzial-i bezirk hinaus nicht zu besorgen sind beschränkt werden. Zur Sicherstellung einheit­lichen Vorgehens ist eine vorherige Fühlung­nahme mit dem Reichskommissar vorgesehen.

Massenherstellung wird nicht gemacht. Schließ- lich sehen die amerikanischen Vorschläge noch die Veröffentlichung aller Staatshaushalte über Wehrangaben vor.

Wilson stellte sich im übrigen auf den Stand­punkt, daß die Arbeit der ständigen Abrüstungs­kommission sich nicht nur auf die Kontrolle der Waffenherstellung und des Waffenhandels be­schränken könne. Der ständige Abrüstungsaus­schuß würde die Aufgabe haben, alle Auskünfte, die er erhalte, zu sammeln, zu prüfen und zu ver­öffentlichen und, soweit möglich, auch die ent­sprechenden Fragen an die Regierungen zu stellen.

Zur Abrllstungsfrage selbst sagte Wilson noch kurz, daß seine Regierung fest davon überzeugt sei, daß ohneAbrüstung keine gesunde Grundlage für den Frieden geschaffen werden könne.

Im weiteren Verlaus der Tagung gab der Ver­treter Oesterreichs, Baron Pflüg!, die Erklä­rung ab, keinem Abrüstungsabkommen zustimmen zu können, ehe nicht auch Oesterreich die Gleich­berechtigung wenigstens hinsichtlich der Verteidigungswaffen erhalten habe.

Das Präsidium beschloß, den „Ausschuß für ver­schiedene Bestimmungen" sowohl mit der Frage der Errichtung eines ständigen Abrüstungsausschusses entsprechend dem Vorschlag Hendersons, wie auch mit dem Vorschlage Litwinows zu befassen. Gleich­zeitig wurden alle übrigen Vorschläge Hendersons angenommen.

Dle Flottenkonferenz

Zu der Flottenkonferenz des kommenden Jahres wird uns von besonderer Seite ge­schrieben:

Die Flottenkonferenz des Jahres 1935 ist ohne Zweifel das wichtigste weltpolitische Ereignis, und obwohl Deutschland an den Verhandlungen nicht unmittelbar beteiligt ist, ist es notwendig, daß sich die deutsche Öffentlichkeit mit den zur Diskussion stehen­den Problemen beschäftigt. Im Gegensatz zu den rein theoretischen Erörterungen der Genfer Abrüstungsverhandlungen, besitzen zurzeit die in London zwischen den drei gro­ßen Seemächten England, Japan und Amerika stattfindenden Vorbesprechun­gen die reale Grundlage von zwei wichtigen Verträgen, die seit dem Jahre 1922 für die beteiligten Mächte eine starke Bindung dar­stellten. Die Vorgeschichte dieser beiden Ver­träge und der im nächsten Jahre stattfinden­den Flottenkonferenz geht auf die Nach- kriegsjahre und deren geistige Haltung zu­rück.

Nach dem Weltkriege besaß England die unbestrittene maritime Ueberlegenheit gegen­über jeder anderen Macht, ja gegenüber je­der möglichen Kombination von Mächten. Während des Krieges waren in England 2)4 Millionen neue Kriegsschissstonnage gebaut worden und am Tage des Waffenstillstandes wehte die britische Kriegsflagge über 1345 Schüssen und Fahrzeugen mit fast 3)< Mil­lionen Tonnen. Darunter befanden sich nicht weniger als 42 Schlachtschiffe, 109 Kreuzer, 527 Zerstörer und Torpedoboote und 137 U-Boote. Die natürliche Folge der Unterhal­tung eines derartig großen Apparates war das Anschwellen des Marinebudgets 1919/20 auf 3,14 Milliarden Mark.

. Aber diese unbestrittene Ueberlegenheit war im Begriffe, durch die Vereinigten Staaten gestört zu werden. Mit Eintritt der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg war von ihnen ein Schiffbauprogramm von unge­heuren Ausmaßen eingebracht worden, dessen Verwirklichung das Gleichgewicht zur See gestört haben würde. Die Vereinigten Staa­ten standen im Begriff, die stärkste Seemacht der Welt zu werden. Zu der unerträglichen Belastung der Staatshaushalte, unter der namentlich England zusammenzubrechen drohte, kam als Reaktion auf den Weltkrieg eine pazifistische Welle, die auch die Geistes­haltung der Nationen umgestaltete und un­ter dem Eindrucke dieser Stimmung traten 1921/22 die fünf großen Seemächte in Washington zu einer Konferenz zusammen. Noch nie im Leben der Völker sind derartig weittragende Beschlüsse auf einer Konferenz gefaßt worden, wie damals in Washington. Sie hat auf viele Jahre hinaus stärksten Einfluß auf die Marinepolitik der beteilig­ten Mächte ausgeübt. Neben den vielen tech­nischen Einzelheiten war das Hauptergebnis von Washington die Festlegung des bekannten Stärkeverhältnisses von 5:5:3 zwischen England, den Ver­einigten Staaten und Japan, also die Ab- stempelung Japans als Macht minderen Rechtes, die bei den augenblicklichen Vorver­handlungen in London eine so wichtige Rolle spielt. Washington hatte aber auch eine hoch­politische Bedeutung, indem durch Vertrag die politischen Gegensätze im Stillen Ozean

Kür Kontrolle über den Waffenhandel

Vertrauliche Tagung des Vräsiöiums der Abrüstungskonferenz

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In einem der zahlreichen Pariser Wochenschau- Kinos wurde vor einiger Zeit ausnahmsweise ein etwas längerer Bildstreifen aus Deutschland vor­geführt und zwar von der spielenden, turnenden und sonnenbadenden deutschen Jugend. Herrliche Aufnahmen zeigten hervorragend durchgebildete Jünglingsgestalten, prächtige kleine Kinder und frische Mädels, die wie der Sturmwind durch die Landschaft tollten und von schwindelnden An­höhen in hohem Bogen in sandige Gruben hinab- sprangen, daß die Haare wild um den Kopf flat­terten. Man konnte so recht seine helle Freude haben über diese Bilder von Kraft und Schön­heit einer kerngesunden, übermütigen Jugend.

Neben mir saß ein auffallend gut angezogener, älterer Franzose. Er mußte schon zu der führen­den Eesellschaftsschicht der Hauptstadt gehören, denn der französische Privatmann, auch der wohl­habende, pflegt sich ausgesprochen nachlässig und salopp zu kleiden. Er vermochte sich über den herzerfrischenden Film anscheinend nicht zu freuen. Mit mißmutiger Miene verfolgte er die einzelnen Bilder. Bis er schließlich ungeduldig aufsprang und mit den Worten: „blaivtsvant s'sn ai osssrl", (Auf gut deutsch: Jetzt hab ich die Nase voll!) das Kino verlieh.

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Was mochte diesen Franzosen an dem deutschen Film so mißfallen haben? Gelangweilt hatte er sich wohl kaum; wie wäre sonst dieser heftige Zornesausbruch zu erklären. Gegen Körperpflege und Körpergymnastik konnte er auch nichts ein­zuwenden haben, denn dieser Franzose war be­stimmt kein Puritaner. Trotzdem hatte er „genug davon". Er konnte es nicht länger mit ansehen. Was denn? Nun, daß ihm das deutsche Volk in

seiner ganzen überschäumenden Jugendkraft und seiner unbekümmerten Lebensfreude vor Augen geführt wird, während er selbst wohl weiß, daß sein eigenes Volk alt und ruhebedürftig ist und einem erneuten Wettstreit mit jungen, unver­brauchten Nationen nicht gewachsen sein würde. Daran in so augenfälliger Weise erinnert zu werden, verletzte ihn tief, und deshalb wandte er sich ab und ging hinaus.

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Jeder französische Patriot empfindet Deutsch­land gegenüber in ähnlicher Weise. Er ist stolz, mit Recht stolz auf die große Vergangenheit seines Landes. Mit vielen schöpferischen Ideen hat Frankreich die Welt beschenkt. Glänzende Wasfentaten haben unvergänglichen Ruhm an die Fahnen geheftet. AIs Frankreich schon längst zu einem in sich gefestigten Einheitsstaat.zusammen­geschweißt war, herrschte in Deutschland noch völ­kische Zersplitterung und die Zwietracht der Dy­nastien. Doch die Stunde des deutschen Volkes hat geschlagen. Das einheitliche große Reich ist im Werden. Daß es als ebenbürtige Nation im den Kreis der anderen eintritt, ließe sich mit dem französischen Selbstbewußtsein allenfalls noch ver­einbaren. Der Gedanke, aber, daß Frankreich von seinem deutschen Nachbarn überflügelt wird, daß diese Entwicklung gar nicht aufgehalten werden kann ist für jeden französischen Patrioten, vor allem für den stark chauvinistisch eingestellten Pariser, einfach unerträglich.. Krampfhaft ver­scheucht er solche Gedanken und klammert sich an alle möglichen Merkmale und Zeugnisse, die das Gegenteil zu beweisen scheinen, sich aber in der Regel nur zu bald als hinfällig und falsch heraus­

stellen und dann den Aerger und die Skepsis des Enttäuschten noch verschärfen.

„Invasionen Zsr korkorsn"

Vor dem Kriege lebte der französische Patriot nur seiner Hoffnung auf Revanche für die Schmach von Sedan. „Immer daran denken, nie davon reden!" hatte Eambetta geprägt. PoincarS hatte es sich nach dem Frankfurter Frieden als zehn­jähriger Junge beim Anblick der neuen Grenze geschworen. Mit Hilfe der halben Welt hat Frankreich sein Ziel erreicht. Es ist dabei selbst oft hart genug am Wgrund entlang getaumelt. Noch heute hat es sich, hinsichtlich der Gesundheit und Lebenskraft des Volkes, nicht wieder erholt. Der Weltkrieg war Frankreichs äußerste, in dieser Form letzte Anstrengung. Llemenceau hatte schon in diesem letzten Waffengang nicht mehr auf einen Sieg zu hoffen gewagt. Dabei konnte sich Frankreich aus eine derartig günstige Konstella­tion der Mächte stützen, wie es sie kaum jemals wieder antreffen wird. Der französischen Nach- kriegspolitik letzter Schluß ist es demnach, die in Versailles begründete eigene Uebermacht mit letzter Kraft zu sichern, um dadurch die lleberflü- gelung durch Deutschland solange wie möglich hintanzuhalten. Und sollte dann eines Tages der Damm brechen, so sind es die rohen und unzivi- lisierten Kräfte der Nachbarn gewesen, welche die „westliche Kultur" zerstört haben. Von vier .Deutschen Invasionen" ist Frankreich bereits heimgesucht worden, wobei die Zurückschlagung der napoleonischen Weltherrschaft in den Befrei­ungskriegen von 1813 und 1815 kurzerhand mit­gezählt wird.

Dos Oitsil clss jungen ^roncois-^oncst

So etwa malt sich in dem Hirn eines chauvini­stischen Franzoftn das deutsch-französische Ver­hältnis. Vor dem Kriege waren es angeblich die Hohenzollern, die sich die Herrschaft über Europa

anmaßten und Frankreich zu einer „Zweit- rangigen Nation Herabdrücken" wollten. Bezeich­nend ist das Urteil eines Mannes, der heute im Brennpunkt der deutsch-französischen Beziehungen steht, des Botschafters Francois-Poncet.

In einem Buch, betitelt „0s gus .xsvso In jsuvssso sllswanäs", äußerte er sich über die Aussichten einer Verständigung mit dem Deutschen Reich. Schon als junger Student hatte er Deutschland mehrfach bereist, beherrschte die deutsche Sprache und hatte in vielen deutschen Familien Eingang gefunden. Obgleich Nationalist war er doch kein Chauvinist und Deukschenfeind. „Ich habe gelernt, Deutschland zu achten", heißt es zu Beginn seines Buches von 1913, „und das werde ich niemals verleugnen können. Ich werde auch niemals darauf verzichten, ihm gegenüber eine gewisse Sympathie zu hegen". Und auf den Deutschen selbst eingehend, schreibt der junge Francois-Poncet dann weiter: „Er jst keines­wegs kriegslüstern, sondern der Mann des Familiensinns und der aufrichtigen Freund­schaften. Seine ganze Zufriedenheit besteht darin,

Rouen —, das ist die Stadt, die einst den Flammentod der Jungfrau von Orleans sah. Aber dieses Geschehen liegt Jahrhunderte zurück. Heute hat man aus dem Marktplatz' der Stadt andere Sensationen.

Hier in Rouen veranstaltete man dieses Jahr wieder einen Wettbewerb, der in der ganzen Welt so leicht nicht seinesgleichen.hat, das große Fest der Esser oder — wahrheitsgetreuer ausgedrückt — der Fresser.

Das Volk von Rouen drängte, sich und ver­folgte mit sportlichem Eifer den heißen Kampf um die Entscheidung. Das Freßrennen ging über fol­gende Hindernisbahn: Zwei Pfund Seefisch in

zu arbeiten und für sich und die Seinen einen gewissen Wohlstand zu erringen. Nirgendwo auf der Welt wird der Ausländer offener und herz­licher aufgenommen."

Aber das deutsche Streben nach Vorherrschaft in Europa verhinderte seiner Ansicht nach jede Verständigung mit Frankreich. „Wir Franzosen wollen keinen Krieg, wir wollen aber auch keinen Frieden, der uns auf eine untergeordnete Stellung herabdrückt, und sei es auch nur die An­erkennung unserer llnterlegenheit. — „Deutsch­land bedeutet für uns eine Gefahr. Das ist nicht feine Schuld. Die Hohenzollern . . .", so lautet die Schlußfolgerung eines jungen nationalistischen Franzosen, der das Vorkriegs-Deutschland gut kannte und ihm, wie er selbst betonte, sympathisch gegenüberstand. — Uick wenn heute der Nationalsozialismus vor französischen Zuhörern als besonders gefährlich und verwerflich hinge­stellt werden soll, so behauptet man, er sei der Steigbügelhalter der schlimmsten Reaktion, näm­lich der Hohenzollerndynastie.

holländischer Tunke, eine ganze Poularde, darauf eine Hammelkeule mit weißen Bohnen, zum „Ma- genschlutz" einen Käse von gigantischen Ausmaßen und dann noch eine Apfeltorte. Burgunderweine und Apfelwein machten das erkleckliche Menü rutschfähiger.

Nun —, dieser Ausscheidungskampf brachte keine rechte Entscheidung, nur einem Teilnehmer gab die fette Hammelkeule den Rest. er schied aus und konnte auch durch mehrere Gläser Kog­nak nicht wieder kampffähig gemacht werden.

Sieger des grotesken Wettkampfes wurde schließlich ein zweiunddreißigjähriger Winzer aus St. Georges namens Charles Viennot, der durch

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