Ausgabe 
(10.2.1935) Nr. 41
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Nr. 41 / 3. Jahrgang

Sonntag, io. Februar

Einzelpreis is Rpf.

Wieder ein Schritt zur Vertiefung des Gemeinschaftslebens

Erholunaswerk -es deutschen Volkes

Schafft Ferienplätze für hilfsbedürftige Kinder. Frauen und Männer!

LtGA-FloNenstützpunkt in Hawaii

London, 9. Februar

Auf einer gemeinsamen Sitzung des amerika­nischen Armeeoberkommandos und des Militär­ausschusses des Repräsentantenhauses wurde ein Plan erörtert, der auf Errichtung eines Flug­zeugstützpunktes auf Hawaii mit einem Kosten­aufwand von 11 Mill. Dollar abzielt. Der Vor­sitzende des Militärausschusses, der Abgeordnete McSwain, betonte, daß jede Maßnahme, die unternommen werden sollte, nur dem Zwecke der Verteidigung dienen werde. Der Eeneralstabschef empfahl dem Ausschuß noch den Ankauf von 809 gepanzerten Flugzeugen für 99 Mill. Dollar.

Spannung Vrag-Warschau

Neue tschechoslowakische Maßnahme gegen die polnische Minderheit

Warschau, 9. Februar.

Das scharfe Vorgehen der tschechoslowakischen Behörden gegen die polnischen Minderheiten, das in Warschau viel Erregung hervorruft, wird nach Meldungen der polnischen Presse an zwei neuen Beispielen sichtbar: Das Polizeikommissariat in Karwin, gegen dessen Entscheidung es keine Ein­spruchsmöglichkeiten gibt, hat den Polen Tward- zyk bei einer Frist von drei Tagen aus der Ts'chechoslowakei ausgewiesen, ob­gleich er seit seiner Geburt, d. h. seit 28 Jahren, in dem heute tschechischen Gebiet lebt. Er stand aber an der Spitze des polnischen Pfadfinder­wesens und einer Reihe anderer polnischen Ver­bände. In Teschen streiken die polnischen Schüler der tschechisch-polnischen Landwirtschaftsschule, weil die Ernennung eines polnischen Lehrers abgelehnt wurde. Di'e Schule besitzt zwei polnische Klassen mit 32 Schülern und eine tschechische Klasse mit 19 Schülern, aber keinen polnischen Lehrer.

Zwei Todesurteile in Innsbruck

Wien, 9. Februar.

Vor dem Jnnsbrucker Schwurgericht hatten sich am Freitag Max Wild und Hildegard Eötzl we­gen Beteiligung an einem Sprengstoffan­schlag auf den Schutzkorpsmann Strele zu verantworten. Der geflüchtet« Neu- barth hatte in dem Bett des Strele eine Bombe angebracht, die aber nicht explodierte. Wild und die Eötzl sollen dabei Hilfe geleistet haben. Nach fünfstündiger Arhandlung wurden beide An­geklagten wegekl der entfernten Mitschuld am Verbrechen des Mordversuchs und des Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang verur­teilt. Dies ist in Oesterreich das erste politische Todesurteil gegen eine Frau. Strele war der Schutzkorpsmann, der im Sommer v. I. den deut­schen Reichswehrsoldaten Schuhmacher erschossen hatt«.

Die französische radikalsozialistische Kammer- sraktion hat beschlossen, von der Regierung bis spätestens zum 1. März die Beratung der Spar- verordnung zu fördern. Sie droht bereits, bei Nichterfüllung ihrer Forderung der Regierung die Gefolgschaft zu versagen.

Der Hauptamtsleiter des Hauptamtes für Volks­wohlfahrt erläßt folgenden Aufruf:

Wiederum tritt die NS.-Volkswohlfahrt an die Oeffentlichkeit und ruft Männer und Frauen aller Schichten und Stämme unseres Volkes zur Mit­arbeit an einem Erholungswerk des deutschen Volkes auf. Bereits im Hilfswerk „Mutter und Kind" ist vieles geschafft worden — sehr, sehr viel muß noch geleistet werden. An­nähernd 209 099 Kinder und rund 19 000 Mütter konnten bisher in Erholungsheimen Stärkung und Gesundung finden, und 393 822 Kinder verlebten eine herrliche Ferienzeit als Pflegekinder bei unseren deutschen Bauern und Siedlern, bei unse­ren Volksgenossen auf dem Lande und in der Kleinstadt.

Rom, 9. Februar.

Ueber die Stellungnahme Italiens zu den Lon­doner Besprechungen zwischen den französischen und den englischen Staatsmännern wird folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht:

„Die verantwortlichen italienischen Kreise haben mit großer Aufmerksamkeit die Besprechungen ver­folgt, die unlängst in London stattgefunden haben und über die die italienische Regierung in den Einzelheiten auf dem laufenden gehalten worden ist. Diese Kreise betrachten die Gesamtheit der ab­schließenden Erklärung über die Besprechungen mit Sympathie und sind der Ansicht, daß in ihr die Möglichkeit einer Verständigung mit Deutschland und damit der Beginn einer Pe­riode der Zusammenarbeit zwischen den interessier­ten Mächten gegeben ist. Was des näheren den Pakt für gegenseitigenLuftschutz be­trifft, so wird die Sellung Italiens demnächst im Sinne einer grundsätzlichen Zustimmung festgelegt werden, wobei die besondere Lage Italiens gegen- über England und umgekehrt noch zu erörtern bleibt. Die verantwortlichen Kreise Italiens ha­ben mit Genugtuung von der Stellungnahme Eng­lands betreffend die Unabhängigkeit Oesterreichs und die französisch-italienischen Vereinbarungen oom 7. Januar d. I. Kenntnis genommen."

London, 9. Februar.

In Londoner diplomatischen Kreisen ver­lautet, der italienische Vorschlag zum Lustabkom- men besage im wesentlichen folgendes: Da Groß­britannien nicht wünscht, die Luftgarantie auf den Fall eines Angriffs einer Macht auf Italien auszudehnen, beabsichtigt auch Italien nicht, seine eigenen Verpflichtungen auf entsprechende Hilfe­leistung auf Großbritannien auszudehnen. Da in-

Eine solche Erholungszeit in ländlicher Ruhe, fern der Hast und Unrast der Großstadt, soll in diesem Jahre aber nicht nur den Müttern und Kindern, sondern auch allen übrigen erholungs- und hilfsbedürftigen Volksgenossen möglich ge­macht werden. Dabei werden Gegensätze über­brückt werden, Verständnis zwischen Stadt und Land, zwischen Nord und Süd wird geschaffen.

Der rheinische Bergarbeiter soll die Bodenstän- digkeit des Bauern in Pommern, Bayern oder einem anderen Teile unseres Vaterlandes kennen und achten lernen. Aus einem solchen Kennen­lernen erhoffe ich nach den Erfahrungen des ver­gangenen Jahres, daß sich die Verbunden­heit aller deutschen Volksgenossen immer mehr vertiefen wird zu einer begeisterten

Bejahung der deutschen Zukunft. Dann werden alle guten Kräfte in unserem Volke wachgerufen und nutzbar gemacht für den Wiederaufstieg unse­res Volkes. Auch der letzte Deutsche wird sich in dem Gemeinschaftserlebnis wiederfinden als lebendige Zelle im Organismus des Volkes und frei werden von allen egoistischen Regungen.

Daher rufe ich alle deutschen Volksgenossen auf dem Lande und in den Kleinstädten auf, einen Ferienplatz für ein deutsches Kind oder einen hilfsbedürftigen Volksgenossen zur Verfügung zu stellen, damit das Erholungswerk des deutschen Volkes zu einem überragenden Erfolge geführt wird.

Hilgenfeldt,

Hauptamtsleiter des Hauptamtes für Volks­wohlfahrt.

Nachklänge zur Londoner Konferenz

Amtliche Stellungnahme Italiens / Das deutfch-fowjeti-ufflfche Problem im englischen Licht

dessen vorgeschlagen wird, daß Großbritannien eine Garantie Frankreichs, Deutschlands und Bel­giens gegen einen Angriff einer dieser Mächte erhalten soll, wird Italien seinerseits erwarten, daß die drei Länder ähnliche gegenseitige Earan- tieabmachungen mit ihm abschließen.

Der Berliner „Times"-Korrespondent weist dar­auf hin, daß das Londoner Protokoll, wie in po­litischen Kreisen in Berlin verlaute, besonders auch oom Standpunkt der deutschen Sicherheit geprüft werde, und daß eine der Hauptüberlegungen Deutschlands, in Verbindung mit der geplanten Luftkonvention, das sow­ie trussische Problem sei. Man gebe in Berlin zu verstehen, daß die rapide militärische und industrielle Entwicklung Sowjetrußlands mit der weltrevolutionären Doktrin im Hintergrund nach deutscher Auffassung ernste Gefahren mit sich bringe, denen man vielleicht schon in verhältnis­mäßig wenigen Jahren gegenüberstehen werde. Sie dürften besonders von einem Lande in der geographischen Lage Deutschlands nicht unberück­sichtigt bleiben. '

Schikane gegen Memek-Deutsche

Vier Mitglieder des Kulturverbandes verbannt Kowno, 9. Februar

Auf Grund einer Verfügung des Komman­danten von Kowno sind am Sonnabend vier Mit­glieder des Hauptvorstandes des deutschen Kul­turverbandes mit sofortiger Wirkung auf die Dauer eines Jahres von Kowno nach der Provinz (in ihre Geburtsorte) verbannt worden. Es han­delt sich um den stellvertretenden Vorsitzenden Kaspereit, den Geschäftsführer des Kulturver-

Obgleich der Gedanke, daß die britischen Minister über kurz oder lang Deutschland zweckmäßiger­weise einen Besuch abstatten könnten, — besonders im Hinblick auf Englands Stellung als eine Art Vermittler, — in London begrüßt wird, ist man der Meinung, daß ein derartiger Besuch sorg­fältig vorbereitet werden sollte.

Paris, 9. Februar

Im Zusammenhang mit dem Pariser Besuch des englischen Außenministers Sir John Simon weist der Außenpolitiker der Zeitung „Echo de Paris" darauf hin, daß man diesem Besuch keine beson­ders politische Bedeutung beizumessen habe. Die ersten amtlichen Schritte der französischen Regie­rung nach den Londoner Vereinbarungen würden wahrscheinlich in Moskau und in den Haupt­städten der Kleinen Entente erfolgen, die alle aus den Abschluß des Ost Paktes drängten und sich dabei auf die Vereinbarungen vom 5. De­zember und 18. Januar beriefen.

Landes und Redakteur der Wochenschrift „Deutsch« Nachrichten für Litauen", Koßmann, und die Mit­glieder Schwandt und Schmidt.

Begründet wird diese Maßnahme des Komman­danten damit, die Betreffenden hätten in Ver­dacht gestanden, die Zeugen im Prozeß gegen die Memelländer beeinflußt zu haben.

Man ist offenbar auf litauischer Seite unan­genehm überrascht, daß die Zeugen im Memel- länder-Prozeß jetzt sämtlich umfallen und damit alle belastenden Momente der Anklage hinfällig werden.

Auktionshammer

Vreslau, 9. Februar.

Auflösung von Schloßhaushaltungen, Auktion und Abwandern wertvoller Kunstschätze in nicht immer wünschenswerten Auslandsbesitz — wie oft ereignete sich das in den unerfreulichen Nach- kriegsjahren. (Von den zahllosen Nötschritten kleinen Privatbesitzes ganz zu schweigen!) In der letzten Zeit jedoch gehörte ein „großer Schlag" zu den Ausnahmen, und so erregt eine Schloß­haushaltsauflösung in Schlesien weit über die Grenzen der Provinz hinaus berechtigtes Auf­sehen. Ob in Berlin, Leipzig oder München, sicherlich auch in den Kunstkreisen der Hansestädte, ist das Schlagwort der Kenner „Auflösung von Sybillenort", dem Besitz der sächsischen Königs­erben, zwischen Breslau und Oels.

Sybillenort wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Herzog Wilhelm von Braun­schweig aus einem kleinen Landbesitz zu einem da­mals wunderschönen Schloß umgebaut. Heutzu­tage lehnen wir historische Stilnachahmungen ja gern ab, doch das Miniatur-Windsor inmitten des englisch gehaltenen großen Parks weiß auch uns zu fesseln. Der Geist des „Merry Old England" ist innen von seinem Neuschöpfer vermählt mit dem fröhlichen Einbau des Barock und Rokoko. Aus Frankreich, aus Italien kamen damals Son- derstücke hierher, die sich zusammen mit dem eng­lischen Außen zu einer auch uns nicht unsympathi­schen lüntsnts eoräials verschmolzen. Die da­zwischen häufig auftauchenden Zimmer — vor allem der kleinen Privaträume — im Stil der späten Viktoria, sind wohl mehr auf das Konto der Erben des Herzogs zu buchen. Sie entspre­chen jedenfalls in ihrer ganzen Art der Lebens­einstellung des ächsijchen Königshauses, das unter König Albert in den Besitz des Hauses gelangte.

über Aybülenort

In diesen Tagen wird nun der Auktionshammer über das alles geschwungen. Mit Ausnahme der persönlichen Dinge des verstorbenen Königs Au­gust von Sachsen und anderer wertvoller Fa- milienandenken gelangt der Inhalt der meisten Räume, der Hofhaltung wie z. T. der ange­schlossenen Hofwirtschaft zur Versteigerung. Zwei Tage Vorbesichtigung ab Mittwoch waren ange­setzt, für Gründliche eine knappe Zeit, sich trotz des Kataloges durch die 623 aufgeführten Kauf­nummern durchzusehen. So schoben sich auch am ersten Vesichtigungstage schon — bei jammer­vollem Schlackerwetter und manchen Straßenumlei- tungen — Kraftwagen an Kraftwagen aus allen Teilen der Provinz, aus Sachsen und Berlin heran. Auch ein besonderer Autobusverkehr mit Breslau mutzte eingerichtet werden. Fast sah es auf dem Parkplatz an der Schloßhofmauer aus, als ob das Haus Festgäste erwarte. Und unter den Erschienenen bemerkte der Eingeweihte viele, die wohl auch sonst diesen Räumen regelmäßig Besuch abgestattet hatten. Ihnen mag die ein­reihende Veränderung wohl manche nachdenkliche Minute beschert haben, doch auch die — und das war die überwiegende Mehrzahl —, die Schloßluft bisher nur bei Besichtigungen geatmet haben, konnten sich einiger lleberlegungen nicht erwehren. Ganz gleich ob man die großen Repräfentations- räume durchwanderte oder den dem engeren Kreis vorbehaltenen ersten Stock, bei aller Wür­digung und Anhänglichkeit an die Tradition tauchte doch häufig das Bewußtsein des Zeit- abstandes und der Lebensauffassung unserer Gene­ration im Verhältnis zum Damals auf. Ob man sich — sogar mit den nötigen Elücksgütern ge­segnet — in einem solchen Rahmen und seiner mitverbundenen Sorglosigkeit froh fühlen würde?

Doch auch als Nichtsammler freut man sich an dem Hochstand der Kunsthandwerke, die diese wundervollen Dinge zustande brachten. Man be­wundert gleichermaßen Güte der Ausführung und Reichtum der schöpferischen Phantasie. Aller­dings — ohne schnodderig zu sein — fällt einem beispielsweise bei der hochangesetzten Num­mer 168, dem berühmten „Voule-Vett", unwill­kürlich ein, daß das geradezu Mittelpunkt einer historischen Lever-Szene bilden könnte, so wie amerikanische Filme sie ihrem Publikum in über­großer Aufmachung zu zeigen lieben. Anderer­seits, es dürfte sich tatsächlich prachtvoll darin schlummern, so eine Federung schmiegsam nach­giebig und so eine Daunendecke (die ein knappes Pfund wiegt)! Wie erholsam vor allem in der Sommerfrische mit oft fremdenfeindlichen Bett- gehäusen. Auch das ganz große Stück der Auktion, „der venezianische Speisesaal", das wäre etwas für einen Filmregisseur. Um so mehr, als tatsächlich Stück für Stück, Decke, Wände, Türen, Fensternischen abwandern soll, allerdings in eine Hand. Die Decke aus facettierenden Spiegeln sah auf manche Gastlichkeit herab, die auf Schweinsleder gemalten goldgrundierten mytho­logischen Götterbilder der Wände gaben in ihrer Symbolhaftigkeit wohl manche Anregungen zu sonst schwerer herbeizuführenden Tischgesprächen. Dieser ganze Raum, wie ein Gruß aus Casano­vas Venedig anmutend, wird verschwinden und nichts als leere Mauern zurücklassen.

Hier gehen die meisten Bestchtiger als Sehleute herum, denn wer ist heutzutage noch ein Binde­strichamerikaner aus der Inflation oder ein öst­licher Erwerbsmann, daß er so nebenbei auch diese Kleinigkeit für sich vormerken kann? So­weit man Gerüchten trauen mag, ist die diploma­tische Vertretung eines südländischen Staates an dem Bieten interessiert, doch auch zwei gewichtige Liebhaber aus Norddeutschland werden genannt. Diese Vermutungen werden dann wohl am zwei­

ten Auktionstag, dem Tag der Saalversteigerung, gelöst werden.

Gespannte Aufmerksamkeit und sportliche Kampfstimmung (denn auch Sammeln ist ein Sport) liegt allenthalben von Anfang an in der Luft. Kundige sagen daraus interessante Auk­tionsereignisse voraus. Nicht allein die Samm­ler, nicht nur die, die sich gern diese oder jene große oder kleine Sache sichern wollen (aller­dings geht das nicht, man kann nur höher vor- limitieren als die angegebenen Taxen), auch die „Zweckmäßigen" beobachten sich gegenseitig scharf. Sie sind vor allem Anwärter an besonders aus­wertbaren Sachen. Beispielsweise die vor­züglichen Bodenbelege aus Velours, die dick­seidenen Fenstervorhänge und die Hunderte von Metern aufgehängte seidene Wandbespannung, das ist ihr Gebiet. Wer mag wohl dabei an dem

Äus dem Inhalt

der heutigen Ausgabe unserer Zeitung

Romantisches Gebirge im unromantischen Land (von Herzog D. von Leuchtenberz- Kanada)

Nordsleswi an'n 1V. Februar 1929

Ich gehe als Eliicksmann Nr. 111 (im lokalen Teil)

Grünes Bremen in Gefahr? (im lokalen Teil)

Wer wird Fußball - Jungligameister in Niedersachsen? (im Sportteil)

Geschlossene Ausfuhrfront: Thüringer Exportindustrielle tagen in Bremen (im Handelsleil)

Zwei Kundgebungen

Partei und Presse

Bremen, 10. Februar.

Zwei Kundgebungen grundsätzlicher Art sind es, die wir zu Ende der jetzt vergan­genen Woche zu verzeichnen hatten: Die

Rede des Reichs- und Propagandaministers Dr. Goebbels und die Veröffentlichung des Präsidenten der Reichspressekammer, Max Amman n. Hat die eine zum In­halt, die Partei werde ewig als Trägerin des nationalsozialistischen Gedankens be­stehen, so betont die andere den Füh­rungsanspruch der NS.-Presse im nationalsozialistischen Reiche.

„Die Partei darf niemals verschwinden," sagte Dr. Goebbels in Münster, und er sagte damit bewußt eine Selbstverständlichkeit für alle, die auch nur annähernd mit dem Ur­sprung, Wesen und den Aufgaben der natio­nalsozialistischen Partei vertraut sind. Ist es doch nicht allein jedem Parteigenossen klar, daß die Partei als Trägerin des Staa­tes für diesen unentbehrlich ist, sondern es hat sich seit den zwei Jahren der Macht­übernahme auch so ziemlich schon bei den Nichtmitgliedern herumgesprochen, daß ohne die nationalsozialistische Partei der natio­nalsozialistische Staat nicht möglich gewor­den wäre. Nur die Partei mit ihrem ziel­bewußten und kompromißlosen Totalitäts­anspruch konnte den Systemstaat zur Strecke bringen und an Stelle des verlotterten, schwächlichen Regierungssystems von gestern den neuen starken und sauberen Staat von heute setzen. Was er ist und sein wird, dieser Staat, das ist er und wird er sein durch die Partei, wobei natürlich die Partei wiederum das, was sie ist, nur wurde durch den Führer.

„Die organisatorische Erfassung einer Weltanschauung kann ewig nur auf Grund einer bestimmten Formulierung derselben stattfinden, und was für den Glauben die Dogmen darstellen, sind für die sich bildende Partei die Parteigrundsätze. Damit muß also der völkischen Weltanschauung ein In­strument geschaffen werden, das ihr die Möglichkeit einer kampfesmäßigen Vertre­tung gewährt", schreibt der Führer in „Mein Kampf", und indem er am Schluß des ersten Teils seines Buches der von ihm geschaf­fenen nationalsozialistischen Arbeiterpartei die Aufgabe zuweist, die siegreiche Turch- fechtung der nationalsozialistischen Welt­

anschauung zu erreichen, ist ohne weiteres auch schon der sieghaften Partei die Aufgabe gestellt, Trägerin dieser Weltanschauung zu sein und sie unter allen Umständen zu

wahren.

Wie die Partei die vom Führer gestellte Aufgabe löste, braucht hier nicht noch beson­ders erwähnt zu werden. Es weiß die ganze Welt, so wie auch die Welt weiß, daß alles, was seit der Machtübernahme in die­sen. Staate geschah, im Einklang mit

dem nationalsozialistischen Gedanken, der

nationalsozialistischen Weltan­schauung geschehen ist. Es ist überflüssig, an dieser Stelle noch einmal alles .der Reihe nach aufzuzählen, was der von der natio­nalsozialistischen Partei getragene national­sozialistische Staat in den zwei Fahren sei-

seidenen Ausschlag eines Frühstückszimmers In­teresse haben, das aus reinseidenem Schotten be­steht? Eine gut schneidernde Hausfrau mit vielen Kindern oder sonst jemand Stoffverwer- tendes? Jedenfalls ist hier auch erheblich vorlimitiert.

Bei den kostbaren antiken Möbeln wird der große Kunsthandel ein gewichtiges Wort mit­sprechen, vielleicht wird er in einzelnen Fällen den Beauftragten einiger Museen jedoch weichen müssen, die weitgehend mitzubieten beabsichtigen. Um die Kupferstichsammlung wird es ebenfalls eine Art Schlacht geben. Die Einzelliebhaber dürften hier einem Großverkäufer gegenüber viel Geduld und Findigkeit aufwenden müssen, da eine zahlenmäßig nicht zu unterschätzende Auf­merksamkeit für die Stiche als Ganzes besteht.

Wer wird den Kinderwagen des Königs von Rom heimfahren? Ein als Ealakutsche zum Spielen hergerichtetes Gefährt, das dem unglück­lichen Napoleonsohn sicher weniger Spaß machte als unseren Jungen irgendein einfaches Tret- automobil. — Ein anderes historisches Möbel jedoch — der Feldschreibtisch des Königs Albert von sachsen — könnte wegen seiner Zweckmäßig­keit fast zur Nachahmung anregen. — Ueberhaupt, dos wirklich Zweckmäßige und dementsprechend einfach geformte Möbel, das zeigt sich auch hier wieder deutlich, ist stets schön und verwendungs- fähig. So die beqüemen Polsterstühle des frühen 18. Jahrhunderts, die breiten Sessel und die schlichten Holzstühle von 1800 an. Was jedoch aus den siebziger und' achtziger Jahren vertreten ist

— wohlgemerkt, seinerzeit doch Sondererzeugnisse

— das mutet uns nicht gerade geschmackvoll an. Diese Zeit der falschen Renaissance, der Troddel­sessel und des „Zinkguß statt Bronze" — kaum zu fassen, daß sie so viele bedeutende Persönlichkeiten vereinte. Ihr Möbelbild jedenfalls ist wie ein Anfang vom Abstieg.

Unter den Bildern ist das 19. Jahrhundert in