Ausgabe 
(8.2.1935) Nr. 39
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Osrvlsisill, mstsm. Id»rj,«« Oorns, H» Ä « slss.

vts OUvig,

^»rknnä- stS>

VossiiiL, gt? Orilloeo.

--°s kanob^

turnm, 8L,,° ?>

-tknavor. zS"

mmdsrs'

Vcraliio

Lrswsll. ^

sksn

>t

ekrusr

;,L

sL-U-H

^llnärrvs. 8^.: >

^U.. L?sL°tz

"., von

v "0° 8avoi>/°K tsod., von oosn 10,

6i-, Osrl aodsn, ätsvl,^

°«' rusr:

!»rl 8°dolls 8tii«t Rsd. L

-ttsra»m. K

llSLl, AuII, g> ^

tt-ok-. a«°d N Lstsits, (1.2'

'«r L c!°., D

^7°' ü U ^ImssLbe»

naek 8suxtzkn,s

°»°d LÄsßA

rnar

E,>. ^adal, 8tN ^,iv. Lsz^s j V k7io. Lax« L M tdsiiliiirs. vö»^ 8kivs. o^rüg

sekifftz

8Ak«a

h ksllss l otrs 1«, L

8 Lsldso ^rrplstr). llldls). ksuk, xio

Ltts), I-<j LKL» <1

d«, 6sos itSNL. gt

Obsnmiti

ksnpolitik?

sr dlssss d,j Ortss Luok M üxportwöxlich > übsroomweL look beste!» ivalsvstVeied rlikjLbiswssA sieb in äs»

dollsväiscli«» isxsväsv M iwwllvK. lli« iovsn, Rsiolu- 7IS LUS Lo!' ii Ltsllsn iwi eZ

IS 2uss.wlvöl>- kollLväiscksr

7 notleiäeu^ tsvben llake> Lelsbung ö« iusbesouckm i WirtsobM nrauk riebt«» 8" cker ,,«»t g öebörS«^ r kür llusei! so wedr >b >Vettbes«ü !- unä 6ütek

gen

s

iobtrostsii>!el

mxtsaobs äii liodtrosteoi! ?ks UwkLÜt

je ks ^

betrügt i»

o in I'rs?« . Von öe» üingsr zväs lteo, uw tsnäs 8t»b>! ^Vsttbsvtti is auk 2ii können begrüml^ ür äis kso, iwä l!7 rsnrübgelie» 'etsii wiiN' üüso IröiüE'

öremn

das amtliche tlrgan Ses Senats

)MN-

s er Freien SanfestM vremen

Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2.Z0 einschl. 30 Rps. ZusteNungsgebühr- durch die Post RM. 2.30 einschl. Neberweisungsgebnhr. ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

NS.-Eauverlag Weser-Ems E. m. b. H., Bremen. Am Eeeren 6—8 / Fernsprecher: Roland 625.

1

9 3

5

Anzeigen. Grundpreise: Die S2.ww-tteile im Anzeigenteil IS Rpt.. vie 7V.mw.Heile tw Lertteil ?t> Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen. Familienanzeigen u. a.l sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste l. iNachlciftltaNel 0.» Kür Anzeigen durck Fernsprecher keine Gewähr Annahmelchluft W Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 12—13 Uhr; Schriftleitung Dienstag bis Freitag von 12^/-—13*/r Uhr.

Nr. 39 / 3. Jahrgang

Freitag. 8. Februar

Einzelpreis is Rps.

LlnmMelbares Zusammenarbeiten zweier großer Nationen

DeuW-japanWe Freundschaft vertieft

Der Führer und Reichskanzler empfängt den neuernannten japanischen Botschafter

Berlin, 7. Februar

Der Führer und Reichskanzler «mpsing am Donnerstag den neuernanntsn kaiserlich-japani­schen Botschafter Grafen Kintomo Mushakoji zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschrei­bens und des Abberufungsschreibens seines Vor­gängers. Der Botschafter wurde nach dem übli­chen Zeremoniell durch den Chef des Protokolls, Gesandten Graf Basse witz, abgeholt und im Wagen des Führers zum „Hause des Reichspräsi­denten" geleitet. Das Personal der Botschaft folgte in besonderen Wagen. Im Vorhof des Reichspräsidentenhauses erwies eine Ehrenwache des Heeres dem Botschafter die vorgeschriebenen militärischen Ehrenbezeugungen durch Präsen­tieren des Gewehrs und durch Trommelwirbel. An dem Empfang nahmen außer den Herren der Umgebung des Führers und Reichskanzlers der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr von Neu rath, teil. Der Botschafter hielt eine Rede in seiner Landessprache, die in Uebersetzung wie folgt lautete:

„Herr deutscher Reichskanzler! Es ist mir eins besonder« Ehre und lebhafte Freud«, Eurer Ex­zellenz das kaiserliche Handschreiben überreichen zu dürfen, . durch Welches Seine Majestät der Kaiser, mein allergnädigster Herr, mich als außer­ordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei Eurer Exzellenz zu beglaubigen geruhen.

Freundschaftliche Beziehungen zu der großen deutschen Kulturnation sind in Japan gewisser­maßen Tradition. Als Beispiel führe ich meine Familie an. Mein Vater wurde im Jahre 1870 von unserer damaligen Regierung nach Berlin entsandt und hat sich hier vier Jahre hindurch als einer der ersten japanischen Studenten auf deutschem Boden dem Studium der Rechtswissen­schaft gewidmet. Ich selbst bin zum erstenmal im Jahre 1909 als Botschaftsattache nach Berlin ge­kommen und bis 1913 geblieben: ich habe damals bei dem hohen Stand des deutschen Geisteslebens, der deutschen Kunst und der deutschen Musik unauslöschliche Eindrücke gewonnen: die jugendlichen Erlebnisse bleiben bei jedem Menschen immer in frischer und schöner Erinnerung, und so habe ich auch später immer gern an Berlin zurückgedacht. Eure Exzellenz werden danach ermessen, mit welcher Freude ich nunmehr dem Befehl meines kaiser­lichen Herrn gefolgt und zum zweiten Male hier­hergekommen bin.

Ich bin um so lieber hierher gekommen, als ich hier Gelegenheit habe, unmittelbar zu beob­achten, wie Deutschland sich unter der klugen und energischen Leitung seines großen Führers auf seine alte Kraft besinnt und nach Jahren schwe­rer Not und leidvoller Prüfung wieder neuen Lebensmut gewonnen hat.

Wir leben in einer schwierigen Zeit, und kein Volk ist von der allgemeinen Weltdepression, welche den Wohlstand zerstört sowie Unruhe und

Unfrieden im Gefolge hat, verschont geblieben. Die einzige Möglichkeit, diese Schwierigkeiten zu überwinden, sehe ich durch ein einträchtiges, ver­ständnisvolles, auf gegenseitige Achtung gegrün­detes Zusammenarbeiten der Natio­nen gegeben. Ich erachte es als meine vor­nehmste Aufgabe, in diesem Sinne an dem weite­ren Ausbau der beiderseitigen.Be­ziehungen, insbesondere auch des Handels­verkehrs zwischen Japan und Deutschland, zu meinem Teil nach Kräften mitzuwirken und werde mich glücklich schätzen, wenn ich hierbei aus das Wohlwollen Eurer Exzellenz und auf Un­terstützung durch die maßgebenden deutschen In­stanzen rechnen darf. Gleichzeitig beehre ich mich, Eurer- Exzellenz das allerhöchste Handschreiben zu behändigen, durch welches die Abberufung mei­nes Herrn Vorgängers notifiziert wird.

Der Führer und Reichskanzlei antwortete ihm mit folgenden Worten: Herr Botschafter! Ich h^be die Ehre, aus den Händen Eurer Exzellenz zu­gleich mit dem Abberufungsschreiben Ihres Herrn Vorgängers das Schreiben entgegenzunehmen,

durch das Seine Majestät der Kaiser von Japan Sie zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei mir beglaubigt.

Es erfüllt mich mit großer Freude, daß Sie, ^ Herr Botschafter, in Erinnerung an Ihre frühere Tätigkeit in Berlin und im Gedenken an den Studienaufenthalt Ihres verewigten Herrn Va­ters in Deutschland so herzliche Worte der An­erkennung für das Deutsche Reich gesunden haben. Ich danke Ihnen auch für die Würdigung, die Sie den Leistungen des deutschen Volkes gezollt haben, und bitte Sie, versichert zu sein, daß Ihre Worte in Deutschland dankbarenWiderhall finden wer­den, Voll Anerkennung gedenk« ich der verdienst­vollen Tätigkeii Ihres geschätzten Vorgängers der iür den Aufbau des neuen Deutschland stets reges Interesse und großes Verständnis gezeigt hat.-

Das deutsche Volk bringt der großen japanischen Nation, ihrer altehrwiirdigen Kultur und hren hervorragenden Leistungen uneingeschränkte Be­wunderung entgegen. Ich sreue mich, feststellen zu

können, daß auf der Grundlage geistiger Verbun­denheit auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen unserer beiden Nationen im Zeichen aufrichtiger Freundschaft sich entwickelt haben, einer Freundschaft, die, wie Sie hervorheben, schon zur Tradition geworden ist.

Ich begrüße es, daß Eure Exzellenz es als Ihre vornehmste Aufgabe betrachten, durch ein verständ­nisvolles, auf gegenseitiger Achtung gegründetes Zusammenarbeiten an dem weiteren Ausbau der beiderseitigen Beziehungen nach Kräften mitzu­arbeiten. Seien Sie überzeugt, daß ich und die Reichsregierung von dem gleichen Bestreben ge- leitet sind und alles tun werden, um Ihnen die Aufgaben Ihres hohen Amtes zu erleichtern. Im Namen des Deutschen Reiches heiße ich Sie, Herr Botschafter, herzlich willkommen.

Hieran schloß sich eine längere Unterhaltung. Alsdann stellte der Botschafter dem Führer und Reichskanzler die 12 Mitglieder seiner Botschaft vor. Beim Verlassen des Hausep erwies die Ehren­wache dem Botschafter die gleichen milit'irischen Ehrenbezeugungen wie bei seiner Ankunft.

Berlin-Tokio

„Freundschaft traditionell"

Bremen, 7. Februar.

Es trifft sich zeitlich gut, daß an dem Tage, da der neu beglaubigte außerordentliche ja­panische Botschafter in Berlin, Graf Kin­tomo Mushakoji, in seiner Ansprache an den Führer die traditionelle deutsch-japa­nische Freundschaft hervorhob, die neue drahtlose unmittelbare Fernsprechverbindung Berlin—Tokio vor der Inbetriebnahme steht. Wenn man will, kann man diese Tatsache symbolisch deuten insofern, als eine unge­störte Verbindung Berlin—Tokio doch wohl mehr für den allgemeinen Weltfrieden be­deuten dürfte, als manche denken.

Durch die neue drahtlose Fernverbindung Berlin—Tokio wird nicht allein die Verstän­digung zwischen den beiden Nationen durch das bloße Wort, sondern auch das gegensei­tige Verständnis der beiden Nationen zu­einander und der fruchtbare Gedankenaus­tausch über ihre nationalen Interessen unbe­dingt gefördert. Und das ist wichtig. Denn wenn schön einmal eine traditionelle deutsch- japanische Freundschaft besteht, wie der neu beglaubigte außerordentliche japanische Bot­schafter soeben hervorhob und wie wir selber gerne wahr haben, dann ist es ebenso natür­lich. daß man es in gleicher Weise in Deutsch­land wie in Japan begrüßt, wenn die Ueber- mittlung des deutsch-fapanischen Gedanken­austausches zu allen wichtigen Fragen un­mittelbar und störungsfrei gesichert ist. Und es ist schon richtig, was Graf Kintomo Mus­hakoji von der deutsch-japanischen Freund­schaft sagte: Sie ist einmal ein sehr starker Faktor in der Welt gewesen und kann es jeden Tag wieder werden.

Japan ließ nicht allein seine besten Söhne mit Vorliebe in Deutschland studieren — der neue außerordentliche Botschafter war selbst einstmals mit unter den auf Deutsch­lands hohen Schulen eingeschriebenen Studenten —, sondern Japan nahm sich auch deutsche Lrganisationskraft auf dem Ge­biete der Wirtschaft und der Landesverteidi­gung vielfach zum Vorbild und . ist zweifel­los voll uneingeschränkter Bewunderung für deutsche Schöpferkraft und deutsche Kultur. Es ist ja, wie der neue Botschafter selbst betont, nicht das erste Mal, daß Graf Kin­tomo Mushakoji in der japanischen Botschaft zu Berlin tätig ist: denn er war bereits 1909 bis 1913 dieser Botschaft zugeteilt, und es war ihm vergönnt, dann nicht mehr der japanischen Botschaft anzugehören, als die eisernen Würfel des Krieges 1914 Japan in die Front unserer Gegner führte. Es soll hier wahrhaftig nicht mehr gerechtet werden, inwieweit die Gegnerschaft Japans bei etwas geschickterer diplomatischer Einstellung Deutschlands zu vermeiden gewesen wäre: das jedenfalls steht fest, daß Japan sich da­mals nicht ohne diplomatische Bedenken dem Kriege gegen Deutschland anschloß und daß es — das darf man wohl heute noch nach­träglich feststellen — immerhin mit einer gewissen Ritterlichkeit den Krieg gegen die weit unterlegenen deutschen Streitkr'äfte im fernen Asien geführt hat.

So können denn heute, wo feststeht, daß sich

Außenpolitische Schulung tut not

Rosenberg eröffnet das Gchulungshaus des Außenpolitischen Amtes der NGDAV.

Berlin, 7. Februar.'

In Gegenwart des Stellvertreters des Führers, Reichsministers Rudolf Heß,. des: Staatssekretärs Lammers, des Reichsführers SS. Himmler und des Berliner stellvertretenden Gauleiters Eör- litzer fand am Donnerstagmittag die feierliche Einweihung des Schulungshauses des Außenpoli­tischen Amtes der NSDAP statt. Dieses Haus, das sich in der Rheinbaben-AIlee in Verlin-Dah- lem befindet, wird als Internat zunächst etwa 80 Personen aufnehmen, und zwar in der Hauptsache Studenten, die schon im Ausland waren oder die Absicht haben, ins Ausland zu gehen. Das Außen­politische Amt sowie das Auswärtige Amt werden Lehrpersonal entsenden. Deutsche Wissenschaftler sollen Vortrüge halten.

Der Leiter des Außenpolitischen Amtes ner NSDAP-, Reichsleiter Alfred Rosenberg, erinnerte in seiner Eröffnungsansprache daran, daß vor dem Kriege ein tiefergehendes Interesse der breiten deutschen Volksschichten an außenpoliti­schen Fragen kaum vorhanden gewesen sei. Erst seit 1918 habe jeder Deutsche erkennen gelernt, daß die Außenpolitik für sein ganzes Leben bc- stimmend sei. Es gelte daher, etwas gutzumachen. Dieses Schulungshaus habe bestimmte sachliche Aufgaben: die Geschichte und die Entstehung oer Weltstaaten sowie die geographische Bedingtheit der verschiedenen Lebensräume kennenzulernen,

:um von innen heraus die Gesetze der ver­schiedenen Staaten begreifen zu können. In diesem . Hause solle tieferes.Verständnis dafür angestrebt werden, wo ein Volk oder eine. Rasse lebensnot- ^ wendige Bedingungen vorfänden, die zu durchkreu­zen gegen das Lebensinteresse dieses Volkes ver­stoßen würde, aber auch zu begreifen, wo Willkür- liche Machtbestrebungen das Lebensinteresse des deutschen Volkes durchquerten. Rosenberg sprach dem Stellvertreter des Führers Dank dafür aus, daß er bei dieser neuen Einrichtung fördernd tätig gewesen sei, und übergab die Leitung des Schu-

Abmattch der Gaartruppen

Beginn am 16. Februar

Saarbrücken, 7. Februar.

Der Saar-Dreier-Ausschuß des Völkerbundes hat dem Hauptquartier der internationalen Trup­pen im Saargebiet die endgültige Weisung sür den Abtransport der Truppen erteilt. Es be­stätigt sich, daß die Holländer am 18. Februar, die Schweden am 18. Februar abrücken werden. Die englischen und italienischen Truppen werden in gleicher Stärke nnd in gleichen Abständen in der Zeit vom 19. bis 28. Februar das Saargebiet verlassen. Die englischen Tanks treten am 28. Fe-

lpngshaüses dem Parteigenossen Dr. Walter Schmitt mit der Bitte, alle Kräfte für Führer , und Volk einzusetzen. , .

r Dr. Walter 'Schmitt, außenpolitischer Schriftlei­ter des „Völkischen Beobachter", übernahm die Leitung des außenpolitischen Schulungshauses mit der Erklärung, daß er sich der hohen Verantwor­tung bewußt sei. Er wolle dieses außenpolitische Schulungshaus zum Mittelpunkt einer Gemein­schaft machen, deren Einzelglieder vom Führer der Nation jederzeit zu notwendigen Ausgaben einge­setzt werden könnten.

bruar die Rückreise an. Am 26. Februar wird das Hauptquartier der englischen und italieni­sche» Truppen in Saarbrücken aufgelöst. Am Tage der llebergabe des Saargebiets an Deutschland werden also, wie vorauszusehen war, keine inter­nationalen Truppen mehr im Saargebiet weilen.

Letzte Gaarvechandlung in Nom

Rom, 7. Februar.

Die deutschen und die französischen Saar-Sach­verständigen sind, von Basel kommend, am Don­nerstagvormittag in Rom eingetroffen. Sie sind zur Berichterstattung an den Dreier-Ausschuß des Völkerbundsrates am Nachmittag zu einer Sitzung zusammengetreten.

Römisches Umformgewrmmel

Don unserem Korrespondenten Dr. Gustav Lberleln

Rom, im Februar

Wieder ist eine hohe Säule der Romantik geborsten, wiederum Italien, das einstige Land der Sehnsucht, um ein charakteristisches Bild ärmer geworden. Das, was dem Fremden zuerst in die Augen stach und ihm ein halb staunendes, halb gutmütig überlegenes Lächeln zu entlocken pflegte: die ebenso farbenprächtige wie anachroni­stische Zwillingspracht der Earabinieri hat ihr Ende gefunden. Malerisch standen die beiden Un­zertrennlichen, steif und korrekt im Straßen- gewiihl, sie gingen nicht, sie schlenderten nicht, nein, wenn sie sich in Bewegung setzten, dann war es ein würdevolles Schreiten. Der Aus­länder witterte gleichwohl instinktiv hinter der pompösen Uniform die Polizeigewalt und da die Polizisten, man weiß nicht recht warum, im Ge­ruch« stehen, eine Art unentgeltliches Anskunfts- amt zu sein, wurden sie nach der und jener Straße gefragt. Und dann kam, so behauptete einmal eine ungarische Reiseschriftstellerin, mit Sicherheit der lapidare Satz: blon lo so. Ich weiß es nicht! So lernte man das erste Italie­nisch. Das Weißichnicht kriegte man in Mailand wie in Palermo, in Perugia genau so wie in Genua zu hören, und da diese eigenartigen Kö­nige der Straße auch niemals den Arm hoben, um den Verkehr zu regeln, und sich überhaupt etwas statistenhaft benahmen (immer nach Mei­nung der Uneingeweihten), wurden sie in den Apgen vieler zu einer Operettenfigur, wozu der Dreispitz, dieser Napoleonshut, die breiten roten Generalsstreifen und nicht selten ein hoher Feder­busch wesentlich beitrugen. Ein Rätsel blieb es aber allen ohne Ausnahme, warum man sie immer nur paarweise itraf.

In Wirklichkeit behielten die Earabinieri ihre wirklich etwas unzeitgemäße Uniform deswegen so lange bei, weil sie ihre historischen Verdienste hat, weil sich ihre Träger, das auserlesene könig­liche Gendarmeriekorps, oft hervorgetan haben. Sie trugen in der Uniform ein betontes Ehren­kleid, das für das Volk unantastbar war.

Das „dlon lo so" und das zwillingshafte Auf­treten hat auch seine Gründe. Die Earabinieri sind nämlich keine Auskunftspersonen, der Stra­ßenverkehr geht sie überhaupt nichts an, mit dem Verkehrspolizisten haben sie nichts gemein. Sie können sich deshalb auf das Recht berufen, im Stadtplan weniger zu Hause zu sein als auf dem Kasernenhof, sie wissen oft nicht einmal näher, in welchem Quartier sie sich befinden, weil sie kein ständiges Revier haben. Ebensogut könnte man also den nächstbesten Soldaten fragen. Und mit der ständigen Platzverschiebung hängt auch ihr Zwillingstum zusammen, das übrigens ein täglich wechselndes ist. Die beiden sollen ein­ander möglichst wenig kennen und sie sollen immer zu zweien sein aus den gleichen Gründen, wes­halb die Richter auf mindestens zwei Zeugen Wert zu legen pflegen. Wer bedenkt, daß die Geschichte Italiens durch Jahrhunderte hindurch die Geschichte von Eeheimbiinden ist, wer sich an Mafia und Camorra erinnert, wird den tieferen Sinn der Einrichtung leicht erkennen. Junge Männer, die sich zu den Earabinieri melden, werden einer strengen Auslese unterworfen und müssen sich Zeit ihres Lebens oder ihres Dienstes des Gedankens entschlagen, etwa mit einem Kol­legen Kippe machen zu können. Die Earabinieri .sind für die öffentliche Sicherheit da.

Auch auf dem Lande treten sie natürlich paar­

weise auf, dort trugen sie aber schon immer eine zweckmäßigere Uniform und einen Karabiner (daher ihr Name). Sie sind der Schrecken des lichtscheuen Gesindels und in den kleineren Ort- , schaften ist der warssvialio, der Feldwebel der Earabinieri, der Inbegriff der Obrigkeit.

Und nun also, am 1. Februar, .sind die Cara- binieri, die prächtigsten Farbtupfen der grauen Städte, ins Nichts versunken! In eine alltägliche Uniformierung. Ja, sie tragen einen weißen Kragen mit einer schwarzen Krawatte, eine breit- schirmige Mütze, eine offene Jacke und einen Allerweltsumhang. 8io travsit gloria wuncki. Was ist ein Gendarm ohne Uniform? Er ist ein Apollo ohne Schönheit.

In Rom fallen die Earabinieri nun überhaupt nicht mehr aus, denn in der Hauptstadt wimmelt es von Uniformen aller Art, die aber nun durch­weg militärischen Zuschnitt ausweisen. Noch vor zehn oder zwölf Jahren beklagte man die zer­schlissenen bürgerlichen Kleider der Briefträger und Depeschenboten, jetzt kommen die Herren von der Post wie Offiziere daher, feldgrün, mit Auf­schlägen und Abzeichen. Sogar die Straßenkehrer mußten sich in einheitliches Blau werfen und auf ihrer Mütze prangt das zweitausendjährige 8. ?. 0. 8. der Quiritenstadt. Die Kutscher, die Taxi­chauffeure oder Autisti, wie sie nun heißen, denn Italien hat entschlossen dem Fremdwort nicht bloß den Krieg erklärt, sondern überall sofort, oft über Nacht, eigene neue Wörter geschaffen, müssen sich genau so wie die Verkehrspolizisten, die Metropolitani oder kurzweg Metro, zur öi- visia bekennen, wobei eine Sommer- und eine Winteruniform vorgeschrieben ist. In den heißen Tagen strahlen die Derkehrsregler in blendendem Weiß nnd tragen einen ebensolchen Tropenhelm. Verschwunden ist die schöne Zeit, wo sie sich, sowie es regnete oder der Verkehr unbequem aro wurde, seitwärts in die Osterie schlugen.

Hält Mussolini schon unten, in den mehr häus­lichen Graden seines Millionenheeres strenge

Zucht, um wie viel mehr bei der Miliz und beim Heer! Auch bei diesen beiden Waffengattungen sind die Uniformunterschiede verblaßt, man muß oft scharf hinschauen, um unter dem Militärrock das Schwarzhemd zu bemerken. In der Haupt­stadt strömt wie im alten Rom alles zusammen, was Dienst oder Urlaub hat, Flieger und Ma­trosen mischen sich unter das Feldgrün, der schwarze Fes troddelt neben dem Stahlhelm, zu­weilen tauchen die roten turmhaften Kopfbeda­chungen der Kolonialtruppen auf, die Wüste schickt ihre braunen Söhne, die meisten so lang und schlank wie des Königs Grenadiere. Achilles- helme funkeln, Rotzschweife wehen, bei den Pa­raden gehen einem die Augen über vor so viel kriegerischer Pracht und Herrlichkeit — und an solchen Festtagen dürfen auch die Napoleonshüte der Earabinieri vorübergehend erscheinen.

Wer nun aber glaubt, daß dieses Wasfen- gewühl typisch sei für eine Nation, deren Führer

das Wort prägte, was für die Frau die Mutter­schaft, das sei für den Mann der Krieg, wer in der militärischen Uniform schon ein Liebäugeln mit dem Schrecken der Menschheit erblickt,' der braucht nur über die Tiberbrücke zu gehen und sich im Vatikan umzusehen: dort wimmelt es noch weit mehr von Männern, die sich in der Stadt des Himmelsfrieden durch ein Kämpfergewand auszeichnen, und um so feierlicher den Degen um­schnallen, je feierlicher die Glocken der Peters­kirche hallen. Schweizer in ihrer zwiefarbigen Landsknechtstracht schultern nicht bloß die Helle- barde, sondern haben am Einlaß zur souveränen Kirchenstadt das Bajonett aufgepflanzt. In den Höfen des Vatikan kann man regelrechte Bajo­nettübungen bewundern. Dann sind da die Pa­lastgarden, die Nobelgarden, die päpstlichen Ca- rabinieri — der Ring schließt sich. Es ist etwas Eigenartiges um die Freude am bunten Tuch der Männer.

Ein Schauspieler der Soethe-Heit

Zum 150, Geburtstag Heinrich Änschüh (8. Februar 1785)

Heute kennt man kaum noch seinen Namen, aber einst muß Heinrich Anschütz sehr berühmt gewesen sein: denn ihm ist an äußeren Ehren widerfahren, was noch nie vor ihm einem Schauspieler wider­fahren war. Er ist der erste Schauspieler ge­wesen, der den Kaiser-Franz-Joseph-Lrden erhal­ten; was das bedeutet, versteht m .n erst, wenn man daran denkt, daß vor 100 Jahren ein Schau­spieler gesellschaftlich nur wenig galt. Er hat auch sonst manches vor anderen Schauspielern voraus gehabt. Auch ist noch nie einem Schau­spieler passiert, was er bei Gelegenheit der Feier des 100.: Geburtstages Goethes erlebte: als An­schütz den „Zauberlehrling" vortrug, war das

Publikum so hingerissen, daß er den „Zauberlehr­ling" noch einmal sprechen mußte. Und als er bei der hundertjährigen Geburtstagsfeier von Haydn bei Eröffnung des Haydn-Hauses in Eum- pendorf sprach, ist das ganze Publikum in Weinen ausgebrochen. Heinrich Anschütz war also ein ganz Besonderer, den aber auch die Fachwissenschaft als solchen ansah. Heinrich Laube sprach ihm das große Verdienst zu, die beiden wichtigen Richtun­gen jener Zeit, die deklamatorische Weimarische Eoetherichtung und die realistische Schröder- Jffland'sche, in Einklang gebracht zu haben. An­schütz war dazu besonders befähigt, denn er hatte