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Nr. 34 / 3. Jahrgang
Sonntag, 3. Februar
Einzelpreis is Npf.
Neuer Llnionsvertrag zwischen Hapag und Lloud
Freie Hand in der Großschiffahrt
Gemeinschaftliche Detätigung nur noch auf großen Derkchrsgebieten
Die Aufsichtsräte von Hapag und Lloyd haben in ihrer in Hamburg abgehaltenen Sitzung am 1. Februar 1938 dem zwischen den beiderseitigen Vorständen vereinbarten neuen llnionsvertrag ihre Zustimmung erteilt.
Der neue Vertrag übernimmt die Bestimmungen des alten llnionsvertrages, soweit sie sich auf den Ausschluß ungesunden Wettbewerbes durch Fahrplan-, Schiffseinsatz- sowie Passage- und Frachtwerbungs-Verständigung und die gegenseitige Förderung der Hafeninteressen Hamburgs und Bremens beziehen.
Im Interesse einer notwendigen, beweglicheren Geschäftsführung, gröberen Entschlußfreudigkeit und eines verstärkten Verantwortungsbewußtseins jeder der beiden Gesellschaften wird sich die gemeinschaftliche Betjitigung beider Linien jed h auf die großen Verkehrsgebiete beschränken, während die kleineren Dienste zwischen beiden Gesellschaften als Einzeldienste aufgeteilt sind.
Diese Einzeldienste werden von jeder der beiden Gesellschaften völlig selbständig betrieben werden. Demgemäß bleiben in Zukunft Ee-
meinschaftsdienste von Hapag und Lloyd die Passagier- und Frachtdampferdienste nach und von der Ost- und Westküste Nordamerikas und Australien, sowie die Frachtdampferdienste der Westküste Mittel- und Südamerikas, Kuba/ Mexiko sowie Ostasien.
Im Gegensatz dazu werden zukünftig als Einzeldienste betrieben werden: Von der, Hapag die Passagier- und Frachtdampferdienste nach und von Westindien und Niederländisch-Jn- dien/Südafrika, die Passagierdampferdienste nach und von Kuba/Mexiko und der Westküste Süd- amerikas sowie der Frachtdampferdienst Ham- burg/Santos Golf. Der Lloyd erhält dagegen als Einzeldienste: Die Passagier- und Frachtdampferdienste nach und von den Kanarischen Inseln, Nordbrasilien, den Südsee-Einzeldienst, den Frachtdampferdienst zwischen Südamerika/Südafrika sowie den Passagierdampferdienst nach und von Ostasien, in dem der Dampfer „P 0 tsda m" Verwendung finden wird, während das bisher für den Norddeutschen Lloyd im Bau befindliche Motor-Frachtschiff „Hannover" in den Südame-
rika-Westküsten-Frachtdienst der Hamburg-Amerika Linie übergehen wird.
Im Sinne der Verselbständigung der zukünftigen Einzeldienste unter Auflockerung des Ee- meinschaftsverhältnisses wird sich die Gemein- schaftsrechnung auf die Ergebnisse der Eemein- schaftsdienste beschränken. Die Poolung beschränkt sich dabei aus die reinen Erträgnisse der Betriebsgemeinschaft, um jeder Gesellschaft ein unmittelbares Interesse zu möglichst sparsamer Vetriebs- fllhrung zu geben. Der Vertrag sieht schließlich eine Bereinigung der aus dem bisherigen Poolabrechnungsverhältnis entstandenen Verpflichtungen der Hapag vor.
Die Vorstände beider Gesellschaften werden wiederum getrennt werden, indem die wechselseitige Zugehörigkeit, soweit sie noch besteht, aufgehoben wird. Dagegen wird als gemeinsames Bindeglied der Aufsichtsrat personengleich bleiben. Die Vertragsdauer ist auf 18 Jahre, beginnend mit dem 1. Januar 1935, bemessen.
Wie System-Bonzen wirtschafteten
Erhebliche Schädigung der Vreußenkafse durch Klepper und Schmidt
Berlin, 2. Februar.
Die Justizpressestelle teilt mit: Ende März
1933 wurde gegen den früheren preußischen Finanzminister und ehemaligen Präsidenten der preußischen Zentralgenossenschaftskasse Otto Klepper sowie gegen den früheren Direktor der Deutschen Pächterkreditbank Dr. Hans Walter Schmidt die Voruntersuchung eröffnet. Klepper war dringend verdächtig, in mehreren Fällen sich der Untreue zum Nachteil der Preußenkasse schuldig gemacht zu haben. Bei Dr. Schmidt bestand der Verdacht, Klepper bei einigen dieser Untreuehandlungen Beihilfe geleistet und zum Nachteil der Domänen- kasse gehandelt zu haben. Nach umfangreicher Ermittlungsarbeit ist die Voruntersuchung abgeschlossen worden. Schon bei Eröffnung der Verhandlung hatten die Angeschuldigten Deutschland verlassen. Da ihre Rückkehr »ach Deutschland nicht zu erwarten ist, ihre Auslieferung aber nicht zu erreichen war, hat die Strafkammer des Landgerichts Berlin auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen.beide Angeschuldigte wegen Abwesenheit vorläufig eingestellt.
Die Voruntersuchung hat in mehreren Fällen ergeben, daß bezüglich beider Angeschuldigter dringender Tatverdacht vorliegt. So hat in einem Falle der Angeschuldigte Klepper als Präsident der Preußenkasse 269 999 Mk. aus Mitteln der Preußenkasse abgezweigt und die Gelder in verschleierter Form bei der Domiinenbetriebsgesell-
schast, einem von der Domänenbank beherrschten Unternehmen auf einem Sonderkonto angelegt.
Dieses Konto ließ Klepper von dem Augeschül- digten Dr. Schmidt verwalten. Die aus diese Weise der Preußenkasse zu Unrecht entzogenen Gelder sollten offenbar der Stützung der Politik der damaligen preußischen Regierung dienen. Sie sind auch zum größten Teil für diese Zwecke verwendet worden. Die mangelhafte Kontrolle dieses Fonds hat der Angeschuldigte Klepper dazu ausgenutzt, um aus diesen Mitteln einen Betrag von 30 669 Mk. einem verschuldeten Pächter zuzuwenden, dem er persönlich zu Dank verpflichtet war. Ein weiterer Betrag von 36 666 Mk. wurde demselben Pächter durch Klepper und Schmidt aus den Mitteln der Domänenbank schenkungsweise überlassen, wodurch auch die Domänenbank durch die Angeschuldigten erheblich geschädigt worden ist.
Der Angeschuldigte Klepper hat weiterhin die Preußenkasse dadurch geschädigt, daß er aus ihren Mitteln an hochbezahlte Angestellte der Kasse hohe Unterstützungssummen zur Auszahlung bringen ließ. So erhielt ein Hilfsarbeiter Kleppers, der ein monatliches Gehalt von über 2666 Mark bezog. Unterstützungen in Höhe von mehreren tausend RM. Einer Angestellten wurden neben ihrem Monatsgehalt von 1666 RM. Unterstützungen in Höhe von 6666 Mark durch Klepper bewilligt. Ein
weiterer dringender Tatverdacht einer Untreue auf Kosten der Preußenkasse ergab sich im Falle i des inzwischen abgeurteilten Ausländers Raphael Vernfeld. Klepper hat unter Beihilfe des Angeschuldigten Schmidt an Bernfeld einen völlig , ungesicherten Kredit von ungefähr 156 666 Mark auszahlen lassen. Irgendwelche Rückzahlungen durch Bernfeld erfolgten nicht, so daß der Eesamt- schaden der Preußenkasse in diesem Falle über 171666 Mark beträgt. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens sowie der gerichtlichen Voruntersuchung haben sich auch sonst noch weitere Verdachtsmomente strafbarer Handlungen der Angeschuldigten ergeben.
Schicksal der Saar-Emigranten
Saarbrücken, 2. Februar.
Für die Behandlung der aus dem Saargebiet nach Frankreich flüchtenden Emigranten sind nunmehr Richtlinien festgesetzt worden: Sämtliche Saai-flüchtlinge müssen über die beiden Erenz- orte Forbach oder Saargemünd nach Frankreich einreisen. Dort werden sie genau kontrolliert und in drei- verschiedene Gruppen, jüdische, Le- mittelte und unbemittelte Flüchtlinge, eingeteilt. Die reichsdeutschen Flüchtlinge kommen zunächst in ein Sammellager nach Straßburg, die übrigen werden in Sammeltransporten in die Gegend von Toulouse gebracht.
Londoner Konferenz kurzfristig unterbrochen
London, 2. Februar.
Wider Erwarten wurden die englisch- sranzSsischen Verhandlungen am Sonnabend bis in die späten Abendstunden ausgedehnt. Punkt 21 Uhr wurden die Besprechungen unterbrochen. Mit der Veröffentlichung einer amtlichen Verlautbarung wurde für den Sonnabend nicht mehr gerechnet. Es war ausfallend» datz die englischen Unterhändler und die französischen Minister nach der Unterbrechung der Sitzung das Haus Downingstreet 10 getrennt und offenbar nicht allzu befriedigt verließen. Als erster betrat der englische Außenminister Sir John Simon die Straße, um sich in das gegenüberliegende Foreign Office zu begeben. Pressevertretern gegenüber beschränkte er sich auf die Erklärung: „Die Verhandlungen sind noch nicht ganz beendet, aber die Dinge nehmen einen befriedigenden Verlauf."
*
Wenn man den neuesten Auslassungen Glauben schenken darf, scheint nur wenig Neigung zu bestehen, den weitgespannten französischen Forderungen nach einer englischen Sicherheitsleistung in einem Maße entgegenzukommen, das erheblich über die im Locarno-Vertrag niedergelegten britischen Verpflichtungen hinausgeht.
Für den Fall einer Ablehnung verstärkter vertraglicher Sicherheitsbürgschaften durch England schlagen die französischen Unterhändler nunmehr als Alternative den Abschluß eines Luftbünd- nisses vor, daß die Militärluftflotte des einen Staates dem anderen im Ernstfall zur Verfügung steht.
Ehina verföhnungsberelt
Schanghai, 2. Februar.
Der Präsident des chinesischen Staatsrats, Marschall Tschiangkaischek, veröffentlicht in der Zeitung „Schenpao" eine Erklärung, die für die fernöstliche Politik von größter Bedeutung ist. Der Marschall tritt für die Einstellung der japanfeindlichen Bewegung in China ein und deutet an, daß die Zeit für eine Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen gekommen sei. Er sei überzeugt, daß die Erklärungen, die der japanische Außenminister Hirota vor dem Reichstag über eine Verständigungspolitik mit China abgegeben habe, aus ehrlichem Herzen komme. China und Japan sollten gegenseitig ihre Haltung ändern: China hinsichtlich seiner früheren bitteren Gefühle gegenüber Japan und Japan hinsichtlich seiner Angriffspolitik gegen China, die zu weit gehe.
Eingeborenen-Unruhen in Algerien. In der algerischen Stadt Setif wurden im Eingeborenen- Viertel ein algerischer Schütze und ein französischer Polizist von der Menge niedergeschlagen. Das Ueberfallkommando mußte vor der Menge flüchten. Die Eingeborenen schlugen die Schaufenster mehrerer Läden ein
Rund um Rigas
Warum st« „Rote Speicher" heißen, weiß der Fremde nie. Denn mit rot und mit Speichern haben diese Markthallen eigentlich wenig Aehn- lichkeit. Mögen früher dort einmal rotgemauerte Ziegelspeicher gestanden haben, die Markthallen von heute haben eine historische Jugend hinter sich. Sind vor ihrer 26 oder 21 Jahre in Südkurland von deutschen Soldaten als Luftschiffhallen erbaut worden. Drei Jahre haben sie treue Dienste getan, haben immer wieder die Rußland- zeppeline unter ihre schützenden Fittiche genommen; da kam der Rückzug. Die Hallen konnte man nicht mitnehmen. Lettland nannte sich der Staat, der in Kurland das russische Erbe antrat. Was nützten die herrlichen Luftschiffhallen in Kurland. Da gab es Gemüse und Fleisch in Hülle und Fülle, Markthallen brauchte man dazu nicht. Und so riß man die Hallen nieder, baute sie in Riga unweit des Bahnhofs wieder auf. Höchst modern, mit Eisenbahnschienen, die zu- und abführen, mit sauberen Ständen. Gleich fünf Hallen nebeneinander, der Platz reicht, wenngleich auch Riga seine 466 666 Einwohner zählt. 16 666 davon sind Deutsche. Deutsche, die sich allen Agrarreformplänen trutzend im Lande gehalten haben.
Die Agrarreform war eine rein lettische Angelegenheit, sagen die Letten. Darum wurde zunächst einmal 3,1 Millionen Privat-Eroßgrund- besitz enteignet. Ileberwiegend waren es Deutsche, die auf diesen Gütern saßen. Man fand sie mit einem Gebiet von 46 bis 56 Hektar ab, ein kaum lebensfähiges Gut. 16 666 Deutsche Hausen jetzt noch aus diesen Restgütern, darben und schuften, nur um nicht zu verhungern. Sie geben die Scholle nicht auf, die sich ihre Ahnen als Vorposten deutscher Kultur erobert haben. Das enteignete Ackerland wurde nun jungen Männern übergeben, die gerne Bauer werden wollten Von
„Rote Speicher"
einer Lehrzeit Lei Bauern, von Schulen und auf die „Bauernwirtschaft vorbereiten" war natürlich keine Rede. Die Jungwirte rekrutierten sich zum großen Teil aus Arbeiterkreisen; mit Mut und Hoffnung begannen sie ihr Werk, zäh und fleißig arbeiteten die jungen Letten, aber es wollte doch nicht aufwärts gehen. Zu ungewohnt war die neue Arbeit, zu schlecht gebaut die Häuser und Höfe. Hätte man die Wälder nicht gehabt, wahrlich, manch einer hätte schon nach fünf oder zehn Jahren den Hof verlassen müssen. Aber die Wälder lieferten Holz. Und Holz braucht Lettland, denn es muß seine Kohle ja auch von England einführen. Wälder halten nicht ewig, wenn man Raubbau an ihnen treibt, einmal wird es zu Ende sein mit den etatausgleichenden Forsten der Bauerngüter. Dann wird der lettische Staat eben eine neue Methode anwenden müssen, Bauernelend zu verhüten. Der Ministerpräsident Ull- manis wird sich schon.zu helfen wissen, er führt seit dem Frühjahr die Nation, seit der Vertreibung von Sozialdemokratie und Kommunismus aus allen Aemtern und Behörden.
Wie gesagt, durch die übereilte und unwirtschaftliche Reform des Vauernstande's wurde das Deutschtum in Lettland seiner wichtigsten wirtschaftlichen Grundlage beraubt, manch ein unersetzliches Kulturzentrum wurde zerstört, die vielen unselbständigen Jungwirte lettischer Herkunft mußten durch große staatliche Kredite gestützt werden, es gelang nicht einmal die frühere Eigen- cinährung des Landes sicherzustellen. Die rein landwirtschaftlich genutzte Fläch« sank von 66 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Areals auf 55 Prozent.
Lettland kann die deutsch« Kultur nicht verleugnen. Schon weil von der Ostsee her sieht fier Seefahrer die frommen Türme der Rigaei
Gotteshäuser aufragen in den fast immer wölken- verbrämten Himmel. Hoch schwingt sich die deutsche St. Petrikirche mit den drei Galerien, ein wenig.niedriger lugt jener Kirchturm über Tüna und Meerbrandung, der den Dom zu eigen ist. Um diesem Dom, in dem lange Jahrhunderte das deutsch« Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott" gesungen wurde, schleiert nunmehr ein Drama. Der Dom wurde enteignet. Lettische Geistliche predigen jetzt dort, wo viele deutsche Geschlechter das Wort Martin Luthers bekennend vernahmen.
Wir schreiten vorüber an deutschen Schulen, heute sind sie enteignet, in der ehemaligen Hypothekenbank» der Teutschen fühlt sich heute das lettische Außenministerium sehr wohl, nebenan im ehemaligen deutschen Schützenhaus versammeln sich die lettischen Offiziere . . .
Am Post- oder Bahnschalter muß man zuerst seinen Paß vorzeigen, ehe der Beamte deutsch mit uns spricht. Täte er's sonst, er müßte dies mit dreihundert Lat Geldstrafe bereuen. Keine deutsche Inschrift lesen wir auf den Straßenbahnen, in den Banken, vor Gericht, überall lettisch.' Aber die 46 666 Deutschen lassen sich nun mal nicht verheimlichen. Auf der Straße, in den Familien, überall hört man deutsch, auch in den Läden kennt jeder unsere Muttersprache und weiß sie gut anzuwenden . . .
Man schikaniert die Deutschen, man zwingt ein Kind in die lettische Schule, wenn nur ein Elternteil lettisch ist. Letten sind sie ja der Staatsangehörigkeit nach alle, nur bezeichnen die Deutsch-Balten ihr Volkstum als deutsch . . .
Draußen, weit vor der Stadt, breitet sich in einer wunderschönen kiefernbewachsenen Dünen- landschaft -der Bruderfriedhof. Propellerflügel auf den Gräbern der abgeschossenen Flieger. Verstreut und soldatisch die Grabhügel der tapferen freiwilligen Deutschen von-der baltischen Landwehr. Unter Stoßtruppkommandeur Hans Baron Manteuffel haben sie den Bolschewikenspuk aus Riga verjagt. Um den Lohn sind sie betrogen
worden. Hatte doch der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, August Winnig, mit Lettland einen Vertrag unterzeichnet, wonach für die Befreiung von den Bolschewiken 46 666 Bauern im Lande als Siedler verbleiben dürften. Der Vertrag wurde von Lettland-nicht eingehalten.
Lebhaft gehts im Rigaer Hafen zu, Flaggen deutscher, englischer, dänischer, norwegischer, schwedischer und finnischer Herkunft sieht man, daneben die Flaggen der Nachbarländer Estland und Litauen. Was führt nun Lettland ein, was kann es exportieren. Als wir mit unserm Stettiner Dampfer nach einer Sturmfahrt bei Windstärke 11 in Riga anlegten, luden wir Ballons mit Schwefelsäure aus, Eisenstangen, Rohre, Halbfabrikate und Fertigfabrikate. Lettlands Außenhandel zeigt in den letzten neun Monaten eine durchaus günstige Entwicklung, die
Äus dem Inhalt
der heutigen Ausgabe unserer Zeitung
Die große Sportpalastrede des Neichspro- pagandaministers Dr. Goebbels.
Deutschland gewinnt den „Preis der Nationen". (Ausführlicher Bericht im Sportteil)
Bremische Kaufleute zur Zinssenkung. (Siehe Handelsteil)
Das Urteil im Bremer Schlachthof-Prozeß
Der Mann, der den Weg nach Zentral- Afrika wies. (Zum Gedächtnis von Adolf Bastion, dem Altmeister'der Völkerkunde).
Fünf Jahre Llnions-Dertrag
Bremen, 2. Februar.
Unter dem 22. März 1930 wurde zwischen der Hamburg-Amerika Linie und dem Norddeutschen Lloyd ein Vertrag abgeschlossen, der in außerordentlichen Generalversammlungen am 15. April 1930 zur Annahme gelangte und beide Gesellschafter verpflichtete, „ihre gesamte wirtschaftliche Betätigung unter Verzicht aus jedwegen Vorrang in gegenseitiger Unterstützung und Förderung nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter einheitlichem Zusammenwirken" auszuüben.
Mit zu oberflächlichem Beifall begrüßt, der infolgedessen an den Kern der Dinge nicht herankam, hat sich später nagende Kritik an das Uebereinkommen herangemacht, ohne jedoch aufzeigen zu können, nach welcher Richtung hin das Unionsoerhältnis verbesserungsbedürftig, ausbaufähig und rich- tungweisend für die Zukunft sein könnte.
Der Vertrag an sich war — das kann man rückblickend mit aufrichtiger Zustimmung feststellen — der Mühe der Edlen wert. Männer, wie Glässel, um nur einen hervorragenden Sachkenner der internationalen Seeschiffahrt zu nennen, haben es immer schmerzlich empfinden müssen, wie die innere Kraft der deutschen Großreedereien sich an nutzlosen Kämpfen um oen vermeintlichen Vorrang aufrieb, im Wettbewerb mit anderen seefahrenden Nationen nachstand und Gefahr lies, sich zu zersplittern. Der alte Unionsvertrag beseitigte diese Hemmungen, indem er klar und unzweideutig das Führerprinzip in der Großschiffahrt aufrichtete, ein Gesichtspunkt, der bisher — ob geflgissentlich oder unwissentlich, sei dahingestellt — übersehen worden ist, und durch klare Ordnung der Dienste beider Gesellschaften unter einheitlicher Leitung und mit einer auf den Gemeinschaftsbetrieb hinweisenden Bezeichnung ein Zusammenwirken beider Linien zum Besten der Hansestadt Bremen und Hamburg, nicht , zuletzt aber zur Stärkung des Ansehens der deutschen Flagge im Ausland ermöglichte. Bon vornherein sah der Vertrag, das sei ausdrücklich festgestellt, durch Abmachungen und Abreden vor, daß er keine endgültige Form darstellen, sondern dazu dienen sollte, die zukünftige Marschrichtung im Gegensatz zu dem bisherigen Konkurrenzkampf gemeinsam festzulegen, und, aus den gewonnenen Erfahrungen schöpfend, eine spätere innere Umstellung, die als notwendig erkannt war, einzuleiten. Insofern kann man von einer Großtat zielklaren und sachverständigen Strebens sprechen. Der alte Vertrag wollte und konnte nicht anders geweitet werden als ein Ruf-zur Sammlung, Geschlossenheit und Durchführung gesunder Grundsätze im Wettbewerb der heimischen Flagge und deutschen Seestädte.
Heute ist er nicht mehr. Die Aufsichtsräte von Hapag und Lloyd haben, wie wir an anderer Stelle berichten, am 1. Februar in Hamburg dem zwischen den beiderseitigen Vorständen vereinbarten neuenUnions- vertrag ihre Zustimmung erteilt, der, zumal unter Anlehnung an die früheren Vereinbarungen, die gemeinsamen Aufgaben und Ziele betont werden, allen Zertrümmerungs
Handelsbilanz ist aktiv und die Ausfuhr zeigt eine stetig steigende Entwicklung. Vor allem steigert sich der Vutterexport, ferner die Fleischausfuhr und der Holzexport.
Schon sind in Lettland gegenüber dem Vorjahr für etwa eine Million Lats weniger Nahrungsmittel eingeführt worden, schon scheint sich das Land mehr und mehr der Eigenernährung zu nähern, baut. schon eigene Jndustriewerke, stellt eigene Erammophonplatten beispielsweise her, dreht eigene Filme und baut seine Textil- werke aus. Reis führt es weniger ein, Obst und Beeren, Häute und Felle braucht es für eine halbe Million weniger, Farben nimmt es gerade uns weniger ab, leider auch Medikamente, was von den lettischen Aerzten als sehr rückschrittlich beurteilt wird. Ueber Lettland schwebt auch eine Devisenbewirtschaftung. Alles im eigenen Lande erzeugen ist dort Leitwort geworden. Teilweise ist schon ein rechter Tauschhandel im Gange, so kann man in Riga recht billig ausgezeichnete englische Anzugsstoffe bekommen, da England für den von Lettland nach England exportierten Schinken sich mit Wollstoffen revanchiert . . . Deutschland nimmt den Letten in erster Linie Butter aber und hier und da Schmalz. Trotzdem ist die Ausfuhr der lettischen Butter wertmäßig von 16 Millionen Lats auf-16,5 Millionen - Lats gesunken, dies hängt aber mit den schlechten Preisen zusammen, die: der Abnehmer England zahlt...
Lettland ist mit seiner Vuttererzeugung von Deutschland abhängig, die Letten wissen, daß es ihre eigene innerpolitische Angelegenheit ist, welche Gesetze sie gegen das in Lettland lebende baltische Deutschtum erlassen, sie mögen aber auch gelegentlich bedenken, daß es vielleicht für Deutschland eine ebenso rein innerpolitische Angelegenheit sein könnte, woher das Reich Adolf Hitlers seine Butter bezieht . . .
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