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Nr. 2» / 3. Jahrgang
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Montag. 28 . Januar
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Auf dem Wege zum deutschen Nationalstaat
Dr. Frick über die Reichsreform
Der Neubau des Neiches die innenpolitische Hauptaufgabe unserer Zeit
Der stellvertretende Hauptschriftleiter der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz, Dr. Gerhard Krüger, hat führende Männer des Staates mitten in der Arbeit aufgesucht, um sich Antwort auf die Frage geben zu lassen: „Welche Probleme beschäftigen Sie heute, am zweiten Jahrestage der nationalsozialistischen Revolution, am meisten?" Wir veröffentlichen heute zunächst den Bericht über den Besuch beim Reichsminister des Innern Dr. Fri ck.
Das Neichsmintstertum des Innern am historischen Königsplatz ist die Gehirnzelle des größten Planes der nationalsozialistischen Staatsführung: der Reichsreform. Das Denkmal Moltkes ganz in der Nähe des Ministeriums weist bereits darauf hm, daß dieses Gebäude einst der Sitz des Großen Eeneralstabs war. Ein historisches Zimmer hält gleichfalls die Erinnerung daran wach. Aber darüber hinaus spürt jeder Besucher, daß in allen Räumen dieses Hauses seit dem Einzug des Reichsinnenministers Dr. Frick wieder der gleiche schlichte, strenge Geist herrscht, der einst unter Moltke Kennzeichen preußisch-deutschen Sol- datentums war und durch den Nationalsozialismus heute in das ganze Volk hineingetragen wird.
Reichsminister Dr. Frick, eingespannt in das Arbeitstempo, das gegenwärtig gerade in diesem Hause besonders groß ist, ging in seiner knappen sachlichen Art sofort auf das wesentlichste Arbeitsgebiet ein:
,Zm Mittelpunkt der Arbeit meines Ministe
riums steht die Reichsie form. Sie ist bereits mit dem Ermächtigungsgesetz, dem Gleichschaltungsgesetz und dem Reichsstatthaltergesetz vom März und April 1933 eingeleitet und mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches, das am 39. Januar 1931 vom Deutschen Reichstag beschlossen wurde, entscheidend fortgeführt worden.
Was Jahrhunderte ein frommer Wunsch großer Patrioten war, was selbst zu Bismarcks Zeiten noch nicht reif gewesen ist und die Parlamentarier der Systemzeit nicht durchzuführen wagten, ist aus den Gluten der nationalsozialistischen Revolution hervorgegangen: die Errichtung
des deutschen Nationalstaats.
Die Voraussetzung für diese Neugestaltung des Reiches in einer großen Volksbewegung geschaffen zu haben, ist das unvergängliche Verdien st des Führers und Reichskanzlers.
Bon der zweckmäßigen und kompromißlosen Errichtung des Neubaues des nationalsozialistischen Reiches wird letzten Endes seine Widerstandskraft und Stärke abhängen.
Mich beschäftigt daher dieses Problem gegenwärtig am meisten, zumal ich der Ueberzeugung bin, daß es die innerpolitische Hauptaufgabe unserer Zeit ist."
Auf die Frage nach den Schwierigkeiten, die sich der Durchführung des Neubaus des Reiches entgegenstellen, erwiderte Dr. Frick:
„Es ist klar, daß eine staatliche Neugliederung, die auf Jahrhunderte die Einteilung und Verwaltung des Reiches festlegen soll, nicht überstürzt melden darf. Das Zwischenreich war ein Bundesstaat, der die Erbschaft der alten Königreiche und Fürstentümer noch sehr deutlich an sich trug.
Das Dritte Reich hat mit allen Separatisten und Sonderbestrebungen restlos ausgeräumt. Es kennt keine „besonderen Interessen" und Ländcrhoheiten mehr, es hat sich nur die einzige Ausgabe gestellt: ein einheitliches Reich zu schaffen, das seine großen geschichtlichen Ausgaben lösen kann.
Daß sich dabei hie und da gewisse Schwierigkeiten ergeben, ist kaum vermeidbar. Die Reichsregierung ist überzeugt davon, daß alle Hindernisse dank der nationalsozialistischen Grundhaltung des deutschen Volkes leichtüberwunden werden. Wenn auch nicht alle Wünsche werden erfüllt werden können, so wird doch bei der Eebiets- abgrenzung der neuen Reichsgaue auf die wirtschaftlichen, volklichen und geopolitischen Beziehungen der einzelnen Gaugebiete jede mögliche Rücksicht genommen werden."
Der Minister schloß die Unterredung mit einer Kennzeichnung des vergangenen zweiten und des beginnenden dritten Jahres der nationalsozialistischen Staatsführung.
„Das Jahr 1934 hat mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches die Grundlage zum nationalsozialistischen Freiheitsstaat geschaffen. Durch die Zusammenlegung der Reichs- und preußischen Ministerien wurde ein weiterer wichtiger Schritt in dieser Richtung getan. Das Jahr 1932 hat uns zum Jahrestag der nationalsozialistischen Revolution die neue Reichsgemeindeordnung gebracht, der voraussichtlich auch die territoriale Neugliederung des Reiches folgen wird. Damit wird grundsätzlich das Wichtigste für den Neubau des Reiches entschieden sein.
Saarkinder kommen
Gauleiter Rover stellt 10 000 Mark für Saarkinder zur Verfügung
In wenigen Wochen werden Kinder der Saar zu uns kommen in den Gau Weser- Ems. Sie sollen eine herzliche Ausnahme bei uns finden; sehen wir doch hier eine Möglichkeit, unseren Kameraden an der Saar einen Dank abzustatten für die herrliche Treue, die sie während der schweren Jahre der Trennung vom Vaterlands und insbesondere am 13. Januar bewiesen haben.
In einem Schreiben an Gauleiter Joseph Bürckel, Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes, teilt Gauleiter Carl Rover mit, datz er den Betrag von zehntausend Mark für die Unterbringung von Saarkindern im Gau Weser-Ems zur Verfügung stellt.
Verlagsdirektor Overdieck gestorben. In Düsseldorf starb an den Folgen eines Unfalls im Alter von 37 Jahren der Direktor des „Völkischen
Verlages", Fritz Overdieck. Der Verstorbene gehörte seit 1925 der Partei an. 1930 übernahm Pg. Overdieck die Leitung der nationalsozialistischen „Volksparole". Als erste NS.-Sonntags- zeitung gründete er die „Braune Post".
Fuhballfieg über die Schweiz
Stuttgart, 27. Januar.
Unter den Sportereignissen des Sonntags ist am bemerkenswertesten der Fußball-Länderkampf Deutschland—Schweiz. Das erste Länderspiel dieses Jahres brachte Deutschland den ersten Sieg. In der überfüllten Stuttgarter Adolf Hitler-Kampfbahn siegte die deutsche Nationalmannschaft sehr eindrucksvoll mit 4:0 (2:0). Dieser Erfolg ist der 13. Sieg über die Eidgenossen. Die Schweizer konnten bisher nur vier Siege erringen, während zwei Begegnungen unentschieden endeten. Nicht weniger als 60 000 Zuschauer hatten sich eingesunken, um das schöne, schnelle und ritterliche Spiel zu sehen.
v. Gramm Hallenmeister
Abschluß der Internationalen Tennismeisterschaften in Bremen
Neben dem Fußball-Länderkampf haben die Entscheidungsspiele um die Internationale Hallentennis-Mei st erschüft von Deutschland, die in Bremen in der Tennishalle an der Scharnhorststraße unter großer internationaler Vetätigung stattfanden, besondere Bedeutung. Im Herreneinzel verteidigte Gottfried von Cramm den Meistertitel mit Erfolg. Hilde Sperling/Krahwinkel sicherte sich erneut den Titel im Dameneinzel. Das Herrendoppel gewann v. Cramm/Henkel II, das Damendoppel Hilde Sperling Krahwinkel/Frl Horn. Im Gemischten Doppel siegte die Dänin Sperling zusammen mit dem Franzosen Bernard. (.^uskUIirlioks Lsriokto im Lporttsil äisssr ^asZabs)
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(Von unrsrsm norcjirchsn 0. ö.-KorrsLponäsntsn)
Kopenhagen, Ende Januar.
Tie Rollen in der dänischen Politik sind vertauscht worden. Noch bei den letzten Wahlen sahen die Konservativen ihre Ausgabe darin, die rote Sturmflut möglichst einzudämmen. Jetzt sind es die Konservativen, die zum Angriff übergegangen sind, und sie haben bereits die Sozialdemokratie in die Defensive gedrängt. Die sozialdemokratisch-en Regierungsmänner wissen am besten, daß ihre Partei als Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hat. Ihre Drohungen mit einer Reichstagsauflüsung und Neuwahlen als Druckmittel in den politischen Auseinandersetzungen haben ihre Wirkung verfehlt.. Nur, die Konservativen akzeptieren die Neuway-, len mit aufrichtiger Freude; deshalb werden' sie auch nicht verwirklicht. Im nächsten Jahre werden sie aber nicht zu umgehen sein. Tann wird es zu einer Kraft-. Messung zwischen dem nationalen und internationalen Glaubensbekenntnis kommen. Was dazwischen steht, die bäuerliche Linke und die bürgerlichen Radikalen, dürfte vernichtet werden. Schon jetzt sind die bürgerlichen Radikalen ein Anhängsel der Sozialdemokratie geworden, und das Ansehen der bäuerlichen Linken ist unter ihren bisherigen Wählern bereits stark im Sinken begriffen. Die dänischen Bauern sind mehr und mehr zu der theoretisch unpolitischen, aber in Wirklichkeit der nationalsozialistischen Anschauung sehr nahestehenden LS.-Bewe- gung übergegangen. Diese Bewegung wird zwar ihren Grundsätzen gemäß keine eigenen Kandidaten aufstellen, aber dafür sorgen, daß ihre Mitglieder nur für solche stimmen, die das LS.-Programm sich zu eigen gemacht haben.
Bei den kommenden Wahlen werden auch die dänischen Nationalsozia- listen als politische Partei zum ersten
Male um die Stimmen der Wähler werben. Die bisherigen Parteien stellen sich so, als ob sie mit dieser Partei nicht als politischen Faktor zu rechnen brauchen. Sie meinen, daß in Dänemark für die neue Weltanschauung kein geeigneter Boden wäre. Diese Ansichten sind ohne Zweifel irrig. Daß die nationalsozialistische Weltanschauung eine große werbende Kraft besonders unter der Jugend hat, läßt sich sehr leicht feststellen. Schon daß die nationale Jugendbewegung der konservativen Partei viele der tragenden Gedanken des Nationalsozialismus aufgenommen hat und an ihnen festhält, vb- rvshl dies zu-starken Spannungen, mit der Mutterpartei geführt that, durste ein Beweis hierfür sein. Das Eingehen der kleineren nationalsozialistischen' Parteigruppen ist ein Zeichen dafür, daß die Bewegung über die Zeit der Kinderkrankheiten Hinausgekommen ist. Die Mitglieder der eingegangenen Gruppen sind ausnahmslos zu der unter der Führung von Dr. Fritz Clausen stehenden dänischen nationalsozialistischen Arbeiterpartei übergegangen, die in der letzten Zeit zahlenmäßig außerordentlich zugenommen hat.
In Dr. Clausen hat die nationalsozialistische Bewegung in Dänemark einen Führer von großer Autorität. Er ist ein fesselnder Redner und guter Organisator. Unter seiner Führung ist die Bewegung stark vorgedrungen, nicht nur auf Iütland, sondern auch auf den Infeln. Besonders, auf Seeland hat die Partei jetzt festen Fuß gefaßt, trotz terroristischer Abwehrversuche von marxistischer Seite. Auch in der Hauptstadt hat Dr. Clausen die Partei zum Angriff auf die Hauptfeste der Sozialdemokratie geführt. Bezeichnend für das große Interesse der akademischen Jugend für den Nationalsozialismus ist, daß bei einer Kundgebung der Bewegung im Kopenhagener Studentenver-
Wo sind die Interpunktionen?
Line Geschichte vom Starost von Alexinac / Von franz Spunds
In Alexinac befindet sich wie in vielen anderen serbischen Dörfern noch aus der Kriegszeit ein Waffenlager, in einem Stall. Den Schlüssel dazu hat der Starost Duschan Jewdjenovic, das heißt, er sollte ihn haben, er hat ihn verloren. Nun, das macht nichts, niemand kümmerte sich darum.
Aber Ende 1931 kam ein neuer Zug ins Belgrader Kriegsministerium, wo man sich auf einmal in den Kopf gesetzt hatte, alle im Lande befindlichen Waffen zu registrieren. Wahrscheinlich sollten wieder einmal einige Protektionskinder der Regierung mit einem einträglichen Posten beglückt werden, und da es kein Amt für sie gab, schuf man eben eines. Anders konnte man sich diese kriegerische Maßnahme nicht erklären, denn man mußte doch wissen, daß das alte verrostete Zeug doch keinen militärischen Wert haben konnte.
So kam es, datz einige Monate darauf ein gedrucktes Rundschreiben an den Starost von Alexinac eintraf, in dem er aufgefordert wurde, unverzüglich eine Liste der seiner Obhut anvertrauten Waffen, Munition und sonstiger Heeresartikel vorzulegen. Da wurde nun, nachdem man alle Schlüssel vergeblich ausprobiert hatte, das Tor des Arsenals aufgesprengt, und der Starost übernahm persönlich die Abfassung der Liste, nachdem man die Ratten und Fledermäuse, die sich hier eingenistet hatten, vertrieben hatte. Die Aufstellung sah so aus:
„Wir haben in Alexinac folgende Sachen Armeegewehre (französische) 226 Kisten Patronen dazu (Sollen wir sie aufmachen ob es wahr ist?) Armeegewehre (deutsche) 214 Ki- L sten Patronen dazu (ditto) Bajonette 491461
^ Scheiden dazu Säbel aller Art 211 (sind alle
verrostet) Revolver 2427 Pistolen Patronen dazu (keine) Zündschnüre (unbrauchbar haben die Mäuse gefressen) Sonstiges Zeug 281 Hoch- achtungsvolle Ergebenheit vom Bürgermeisteramt Alexinac."
In Belgrad konnte man mit dieser Aufstellung nichts anfangen. „Hat der Idiot keine Beistriche gemacht! Also, wieviel französische Armeegewehre haben wir, 2 oder 22? Wieviel Patronenkisten dazu, 26 oder 6?"
Kam nach einigen Stunden ein Telegramm nach Alexinac: „Wo sind die Interpunktionen?"
Dem Starost schwoll das Gesicht puterrot an. Er rief nach dem Amtsdiener Djordje und brüllt ihn an: „Du Hund und Hundesohn! Was ist mit den Interpunktionen? Wo hast du denn deine Augen gehabt? Die Interpunktionen sind doch das Wichtigste im Arsenal! Marsch, zurück und schreib auf, wieviel Interpunktionen wir haben!"
Nach zwei Stunden kam Djordje käsebleich und schlotternd zurück: „Herr ich habe olles durchsucht aber keine Interpunktionen gefunden. Nur einen zerbrochenen Säbel."
Da machte sich der Starost selber auf und brachte zwei Lampen. Tie Bauern Andjelooic brachte zwei Lampen. Die Bauern Andjelovac und Svetosar Pribic halsen ihm beim Suchen. Nichts war zu finden. „Wenn ich nur wüßte, was Interpunktionen sind!" stöhnte der arme Starost.
Gerädert und erschöpft diktierte er dem Amtsdiener bei Morgengrauen „Wir haben das ganze Arsenal von oben bis unten durchsucht, aber keine Interpunktionen gefunden." Alle vier bekräftigten es mit ihrer Unterschrift.
„Dieser Starost ist wohl das größte Rindvieh Alt- und Neuserbiens", sagte der Abteilungschef, nachdem sich das wiehernde Gelächter der Kanzlei gelegt hatte. „Man muß mit ihm wie mit einem kleinen Kind sprechen. Voja, schreiben Sie ein Vlankett." — „Interpunktionen sind Beistriche. Schickt nochmals den Bericht ein, aber mit Beistrichen versehen!"
In Alexinac ging jetzt das Donnerwetter auf den Amtsdiener los. „Wie kannst du Esel einen Bericht ohne Beistriche abschicken? Schreib alles nochmals ab und setze Beistriche hinein, du Esel!"
Darauf ging der Starost in die Schenke, um sich mit seinen Freunden von seinem Schrecken zu erholen. Djordje aber, gehorsam wie immer, kopierte mit seiner schönsten Handschrift den Bericht, ein pfiffiges Schmunzeln im Gesicht. Es ist wahr, es fehlten die Beistriche, es war seine Schuld. Aber diesmal sollten die Herren in Belgrad mit ihm zufrieden sein, jetzt gab es geradezu eine Ueberschwemmung an Beistrichen. Der Bericht sah nun so aus:
Armeegewehre (französische), 2,2,6, Kisten, Patronen dazu, Armeegewehre (deutsche), 2,1,4, Kisten dazu, Vorderlader, 82, 1,7, Kisten dazu, Bajo, Nette — llndsoroeiter.
Die Wirkung dieses Schreibens war in Belgrad niederschmetternd. In die Klinik wurden an diesem Tag mehrere Fälle von Zwerchfellrissen eingeliefert.
Mein Kind ist keine Blume
Häuschen wird von seiner Mutter sehr unsauber gehalten, kommt jeden Tag ungewaschen zur Schule und wechselt seine Wäsche gewiß nicht sehr oft. La gibt ihm die Lehrerin einen Brief nach Haufe mit mit der Bitte, ihn zu waschen und ihm andere Unterwäsche anzuziehen, da er nicht gut rieche.
Am nächsten Tage erhält die Lehrerin folgendes Antwortschreiben: „Mein Kind ist keine Blume. Sie sollen ihm nicht riechen, sondern lernen."
Sold Körner Srün-gens
„Wie willst du weiße Lilien zu roten Rosen machen? Küß' eine weiße Ealathee: sie wird errötend lachen." — Dieses Rezept des guten Logau hat ausgerechnet der alte Junggeselle uno Hagestolz vom Zürchersee schon vor vielen vielen Jahren in allen Tonarten ausprobiert, aber wenn er hätte wissen wollen, wie aus Wasser, diesem uralten Stoff, Wein zu machen wäre — bei Gründgens hätte er Goldkörner zu diesem Thema finden können. (Nach dem Festmahl der „Herren aus Verona" noch Champagner: wer will da nicht in Laune kommen, auch wenn er gar keinen Grund hätte!)
Für solch ein Wunder braucht man: Souveräne Schauspielkunst der Souveräne der Schauspielkunst. Dazu eine Regie, die nicht nur einen Einfall hat. Dann müssen Bonmots, geistreiche Apercus, Wortspiele und Stichworte gleich Fangbällen durch die Luft wirbeln. Wenn dann noch Auffänger nicht Anfänger am Werk sind. braucht man nicht mehr Tempo, Tempo zu rufen: es bleibt einem auch so schon der Atem weg. Nicht nur die Türen springen von alleine auf, sondern auch die Herzen. Selbst ein eiserner Vorhang bleibt kein Panzer mehr!
Es gehört aber das kultivierte Können eines solchen Ensemble dazu. um die geistig-überlegene Ironie aufzubringen, die gleichzeitig in und über dem Stoff steht, denn nur dann kann man ihn so vollendet meistern, Sonst langweilige Monologe werden nun zu amüsanten Zwiegesprächen — mit dem Publikum. Soll man noch Worte verlieren, wo keines verloren ging? — Ein Trio der Virtuosen (Käthe Gold, Hermine Körner, Gustav Gründgens). Meister ihrer Instrumente, machte die Leitmusik zu Romev und Julia am Hose (FranzNicklisch und L o t t e Betge) und kein falscher Ton war dabei.
Entfesseltes Theater entfesselte Ovationen über Ovationen des brechend vollen Schauspielhauses. Ein einziger solcher Theaterabend und wir wissen wieder: das Theater ist ewig! — Und das alles nur durch „Ein Glas Wasser"! Da können nicht einmal die Leute des naturgemäßen Lebens etwas dagegen haben. L. 8.
Äus dem rheinischen Kunstleben
Der Dortmunder Oberspielleiter Dr. Gerhard Stvrz hat die Theaterleitung gebeten, ihn von seinem Posten zu befreien, da er sich wissenschaftlichen Arbeiten widmen möchte.
Julius Katona, lyrischer Tenor an der Essener Oper. ist an das Wiesbadener Staatstheater verpflichtet worden.
Der bekannte Meistertänzer Jens Keith. Ballettmeister am Essener Stadttheater, scheidet mit Ablauf der Spielzeit dort aus und betätigt sich in Berlin künstlerisch.
Maria Motz verläßt ihren Wirkungskreis, am Oderhausener Stadttheater, um von >935 bis 1937 einer Verpflichtung an die Münchener Kammerspiele zu folgen.
Die Komödie „Der Musterknabe", von Fritz Mack, fand als Uraufführung des München-Gladbach- Rheydter Theaters ireundlichen Beifall.
Hans Wvcke vom Stadttheater Bielefeld wurde nach mehreren Gastspielen als lyrischer Bariton an das Deutsche Opernhaus Eharlottenburg verpflichtet.
Im Verlaus der inneren Neuordnung der Duisburger Oper durch Operndirektvr Scheel wurde» Else Fieberg (Wuppertal). Ha n S Schwarz (Kiel) und Loty Kaundtnya (Mainz) für die kommende Spielzeit verpflichtet.
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