Ausgabe 
(26.1.1935) Nr. 26
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Zeitung

öer Freien Hansestadt vremen

Nr. 26/ 3. Jahrgang

Anzeigen - Grundpreise: Die 22.mm.Zeile tm Anzeigenteil >2 Rp,. vie Tertteit ^b Rpf

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Sonnabend, 26 . Januar

Einzelpreis is Npf.

Dir NG.-Vrrffe bleibt eine tragende Gäule der Bewegung"

Der Gauleiter besucht dieB4"

Anerkennende Worte des Gauleiters Rover und des Regierenden Bürgermeisters Herder

über die nationalsozialistische Leitung Bremens

Die Leistungswoche der deutschen NS.-Preffe neigt sich ihrem Ende zu. Allenthalben im Reich stand sie im Mittelpunkt der Er­örterungen, und das Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit, die die hervorragendsten Persönlichkeiten des Staates und der Par­tei ihr in betontem Maße schenkten, erhellte den Kampf, den sie um den ihr gebührenden Platz mit den Schwierigkeiten ihrer Ju­gend ausficht.

Ehedem Presse, die in ihrer zähen, angreifenden Opposition ein System vernichten half, das das Vaterland an den Rand des Abgrundes trieb, stellen sich heute ihre Aufgaben, als Tages­presse eines weltanschaulich geeinten Volkes der Spiegel des politischen wie unpolitischen Zeitgeschehens zu sein, als nicht minder kämpferisch dar. Die laufende Woche, die ihr und mehr noch dem noch nicht gewonnenen Zeitungsleser schlechthin gilt, der sich von ihrer Güte und ihrer geraden nationalsozialistischen Linie überzeugen und nach ihr greifen möchte, will der Bevölkerung eine Mahnung zurufen: Liebt Treue um Treue! Sammelt euch um den Hort nationalsozialistischer Willensäußerung, dessen Aufstieg euch aus schwerster Gefahr emporgeriffen hat, lest die Presse eures Führers und folgt mit ihr seinem und des Reiches Weg!

Dieser Mahnung verlieh auch der gestrige Besuch des Gauleiters imBetriebe unsererB remer Zei­tung" demonstrativen Ausdruck. Der Gauleiter, in dessen Be­gleitung sich u. a. Gauinspekteur Meyer, Gau-Presseamtsleiter Aßling, Kreisleiter Blanke befanden, betrat gegen elf Llhr das Verlagsgebäude am Geeren, um sich sogleich in den großen Setzersaal, wo die Belegschaft versammelt war, zu begeben. Gleich darauf erschien auch, der Einladung derBremer Zeitung" fol­gen-, der Regierende Bürgermeister Heider, um an dem Akte teilzunehmen.

Nach kurzem Gruß, der dem Gast im Namen der Gefolgschuft dargeboten wurde, nahm Gauleiter Röver das Wort zu einer Ansprache. Er führte u. a. aus:

Der Sinn des heutigen Tages, an dem ich in diesem Kreise und in diesem Hause weile, möge sein, die Bevölkerung daraus hinzuweisen, daßesdieNationalsozialisten und dienationalsozialistischePressegewesensind, denen sie es zu danken hat, daß eine neue Zeit des Umbruchs, Aufbruchs und der Wohlfahrt ihren für Volk und Vaterland segensreichen Beginn nehmen konnte. Es möge aber auch weiter ein Ausdruck des unerschütterlichen Willens bedeu­ten, weiterzukämpfen, wenn nicht in der Form, so doch aber erst recht in dem Geist, der uns zum Siege verhalf. Wir sind die Alten geblieben und bekunden feierlichst. daßwirdieHitlerpresse,diemitunsimvorder- sten Graben unseres zähe vorgetriebenen Frontabschnittes gelegen hat, nicht vergessen haben.

Die Zeit, die nach dem Siege der nationalsozialistischen, nun deutschen Weltanschauung verstrichen ist, ist noch zu kurz, als daß schon eine vollendete Lösung all der brennenden und mit dem der jungen Bewegung eigenen Schwung in Angriff genommenen Probleme erwartet werde« könnte. Darum gilt es, weiter zu mar­schieren im Glauben und Wirken. Haltet Kameradschaft und Treue, seid allen Volksgenossen Vorbilder, so wird uns und euch und auch unserem Führer der Kampf leichter fallen.

Nach diesen Worten zeichneten sich die Gäste in das Gästebuch derBremer Zeitung" ein, um dann mit einem Rundgang durch den Betrieb, über dessen mustergültige Anlage man sich sehr an­erkennend äußerte, ihren Besuch zu beschließen.

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Besichtigung -erNG-presseirr Oldenburg und Emden

Am gleichen Tage besuchte Gauleiter Rover auch die anderen Betriebe des NS.-Gauver- lages Weser-Ems in Oldenburg und Emden. Folgende Berichte gingen uns zu: Bei seinem Besuch derOldenburgischen Staatszeitung" wurde der Gauleiter von dem Verlagsdirektor Hugo Köhler begrüßt. Er unternahm einen Rundgang durch den Be­trieb und sprach sich lobend über den Auf­bau und Ausbau aus. Ein Betriebsappell war nicht möglich, da man sich in der leb- haftest größten Arbeitszeit befand. Gauleiter Carl Röver trug sich auch hier in das Gäste- buchderOldenburgischen Staatszeitung" ein.

Am gestrigen Tage besichtigte der Gau­leiter zum ersten Male den Betrieb der OTZ.", zu dem er vor noch nicht einem Jahre den Grundstein gelegt hatte. In der Maschinenhalle wurde er zunächst von dem Hauptschriftleiter herzlich willkommen ge­heißen. Anschließend ergriff der Gauleiter das Wort zu einer kurzen Ansprache an die Betriebsangehörigen und an die zahlreichen Gäste derOTZ.", Spitzen der Behörden und der Bewegung, die anläßlich des Besuches des Gauleiters aus ganz Ostfries- land herbeigekommen waren, um auch ihrerseits ihre Verbundenheit mit der

parteiamtlichen Zeitung zu bekunden. Es folgte dann eine eingehende Besichtigung des Betriebes. Der Gauleiter sowie alle übrigen Gäste sprachen sich sehr lobend über die mustergültigen Anlagen aus. Dann trug sich der Gauleiter in das Gästebuch mit folgen­den Worten ein:Eine treue Waffe unseres herrlichen Führers ist die NS.-Presse. Ver­giß das nie!" Der Gauinspekteur schrieb: Die ,OTZ.' war und ist das einzige heimat­liche Kampfblatt der ostfriesischen National­sozialisten. Ihrem Werke Heil und Sieg." Und der Regierungspräsident Refarth: Der ,OTZ.' alles Gute für die Zukunft!"

Walter Julius Sloem

Sammeln i

Wir wandern durch die Straßen. Drei Mann.

Der Wind reißt um die Ecken. Es ist kalt. Wir haben dicke Mantel an.

Drei Mann haben drei verschiedene Gemüts­arten. Einer von uns ist schüchtern, der trägt die Pappschachtel. Der Zweite ist lebhaft von Ge­bärden, aber ein wenig mundfaul: er hält den Leuten seine beiden Hände voll Abzeichen unter die Nase. Dagegen der Dritte hat eine große Klappe: der bekommt die Büchse und redet die Leute an. Ohne Scham sei hier gestanden, der Dritte bin ich.

Wir trampeln uns die Beine warm. Unsere Mäntel sind mit ein paar Abzeichen besteckt. Viel­leicht denkt da ein lauriger Mensch, die hätten wir uns aus Fülle nur so angesteckt. Oh nein: wir fangen erst mal bei uns selber an und tun für jedes zwei Groschen in den Schlitz.

Zwei Groschen sind nicht viel. Gemessen an dem, was das Leben kostet, summieren sie sich nicht an zehn Sonntagen.

Hübsches Fräulein," halte ich ein Mädelchen an, das in festlicher Aufmachung die dunkle Straße dahineilt,mit diesem Plakettchen haben Sie heute abend Glück beim Schatz". Man sieht ihr an der Nase an, viel hat sie nicht, und um die beiden Zehnerl hätte sie sich gern gedrückt, aber auf den Schmerz lacht sie und zerrt zwei Münzen hervor.

Sammeln ist schön. Der Staat sind wir. Ge­sammelt haben wir auch früher schon für private Wohltätigkeit oder für eine Partei, für den Zep­pelin oder sonst etwas. Das war eine lenden­lahme Sache, es mochte geben, wer wollte. Jetzt

t -Le Parole

aber stehen wir nicht mehr bittend an der Ecke und warten geduldig, ob jemand uns ein Kupfer­stück in die Büchse zu werfen geruht. Vollstrecker der Volksgemeinschaft sind wir in unsern braunen Mänteln, das Rasseln und Scheppern in unserer Büchse besagt: du mußt geben!

Außerdem stehen wir drei unter besonderem Gesetz. Wir wurden weder gesagt noch ungesagt zu besonderem Wohlverhalten verpflichtet. Nie­mand veranlaßt uns, in vornehmem Schweigen dahinzuwandeln. Wir sind drei einfache, knorrige SA.-Männer.Unter dem warmen Mantel steckt gewiß doch ein warmes Herz?" frage ich einen breitschulterigen, gediegen angezogenen Herrn, der mir entgegenkommt. Ohne eine Miene zu verziehen, ohne zu antworten, geht er mit eisigem Gesicht an uns vorüber.So, so," rufe ich ihm schallend nach, daß die ganze Straße es hört, kein warmes Herz? Tut mir leid für Sie."

Der vornehme Mann dreht sich wütend um und begegnet unserm Gelächter. Aber: der Staat sind wir. Amtsgewalt haben wir nicht, Krach sollen wir natürlich auch nicht machen. Nur ein Ge­fühl verleiht uns die Sicherheit.

Man könnte aus Versehen an einen Ausländer geraten, den unsere Winterhilfe nichts angeht meint der schüchterne Kamerad. Das stimmt nicht. Fremde sind überall verständig und hän­gen sich für zwanzig Pfennige ein Plakettchen ins Knopfloch, dann läßt man sie in Ruhe. .

Zwei Groschen kostet das gute Gewissen. Schepp schepp: zahlt! Die meisten, die uns entgegen­kommen, ziehen einsichtig die Börse und zahlen, ob gern oder nicht. Das geht uns wenig an.

Hübsch schwer scheppert.die Büchse. Es wird doch nichts verlangt, als daß jeder, der irgend kann, seine zwei Groschen hergibt. Manche, die warm und gutgenährt daherkommen, trennen sich nur unter Ach und Weh von diesem lächerlichen Kleingeld, dem fünfzigsten Teil des Betrages, den sie an diesem Abend unbesehen für Vergnü­gen und Essen ausgeben werden. Wir lernen jegliche Klage kennen, wieviel den Unglücklichen anderswo abgeknöpft wird. Ganz gewiß, es ist viel: aber ist es noch viel, gemessen an der Not? Wir lernen in jedem Gesicht lesen, in den ver­kniffenen Mienen und in den spitzen Fingern, die zwei Zehnerl hervorsuchen, um künftige Be­lästigung zu vermeiden.

Volksgemeinschaft ist doch eine verdammt schwere Sache!

Aber dazwischen kommt immer mal wieder ein Helles Gesicht, die Finger kramen unbedenklich ein Häufchen Münzen hervor und stecken es unab- gezählt in den Schlitz. Oder ein Kindchen, das ein paar Kupferstücke im Fäustchen bringt. Oder ein Arbeitsloser, den es wurmt, weil er nur 10 Pfennige entbehren kann. Aber das macht gar nichts, wir handeln ja nicht mit unsern Abzeichen und wo guter Wille offensichtlich opfert, zählen auch wir den Betrag nicht ab. Aber jeder von diesen bekommt seinen besonderen Dank, ein paar Herzlichkeiten, einen Wunsch, nur für ihn gesagt und ich glaube wohl, diese Wünsche gehen alle in Erfüllung.

Ein alter würdiger Herr steckt ein blankes Fllnfmarkstück in unsere Büchse.

Zwei Damen, bis an die Nase in Pelz. erklären nichts geben zu wollen.Man weiß nicht, wo­hin dieses Geld geht," wagt die Tochter sich vor. Ein kleines böses Schweigen breitet sich aus. Ich erwidere mit gespannter Höflichkeit, sie sähe ge­nau so aus, als ob sie berechtigt wäre, über die Ehre des Dritten Reiches zu richten. Die Dame

errötet über das ganze Gesicht und stiftet zwei Groschen.

Wir trampeln uns,-die Füße warm. In den sechs Stunden lernen wir sie alle unterscheiden, diese Volksgenossen mehr oder minder. Mancher trägt sein Abzeichen wie einen Freibrief vor sich her, damit man ihn jetzt ungeschoren läßt. Es gibt keine Ausreden, die wir nicht kennenlernen. Um zwei Groschen zu sparen, lügen Leute, denen es ganz offensichtlich gut geht, sich von Sammel- posten zu Sammelposten durch!

Habe schon!''

Richard Euringer

Gleichnisse

Es gab einen Weltkriegsgeneral, der für stolz, für hochmütig, galt: denn er sprach nie einen Mann an. Er sprach auch keinen Offizier an. Er nahm Meldungen entgegen, aber völlig unpersön­lich ohne auf den Mann zu achten. Er schien nie den Wunsch zu haben, einen Oberst oder Haupt­mann, einen Unteroffizier oder Leutnant kennen­zulernen. Er gab Befehle an Organe, an Dienst­stellen und Truppenteile, überwachte den Vollzug, blieb sonst aber unzugänglich.

Nur wenn sich im Befehlsbereich ein Mann hervorragend bewährte, ließ er ihn kommen und dankte ihm Ob es denn ein schlichter Mus­kot war oder ein Divisionär: er lud ihn zu Tische und kragte ihn nach allem, was ihn menschlich an­ging oder was ihm menschlich anhing.

So lernte er nur d i e Männer kennen, ohne An­sehen des Ranges, die durck hohen Mut und Treue seinesHochmuts" würdig wären.

Viele genießen die Natur eigentlich erst auf den Lichtbildchen, die sie vom Urlaub heimge­bracht.

Es scheint, das raunt sich auf den Straßen durch,Habe schon!", dann kommt man frei.

Wer hat, der zeigt vor. Und wer lügt, dem darf man grob kommen. Uns dampft eine hoch- busige Person entgegen mit allen Anzeichen der äußersten Wohlhabenheit,Habe schon," lächelt sie uns herablassend zu.

Bitte, wo?"

Das ist meine Sache!" faucht sie mich an.

Was meinen Sie," erwidere ich,wieviel Aus­reden es geben mag, die wir heute noch nicht zu hören bekamen!"

der Politik

So sind viele und dies ohne Hohn gesagt ihres Soldatentums eigentlich erst inne gewor­den, seit es ihnen in Dokumenten der Welt­kriegsdichtung vor Augen rückte.

K

Es läßt sich mir ein Leser melden, der mir vorhält, die Stadtbücherei führe ein gewisses Buch, noch einenauszumerzenden Erenzfall",

Darauf schlage ich ihm auf, was er in neuy langen Jahren nach der Leihliste verschlungen, anstandslos und ohne Skrupel. Und sage:Sie sind schon neun Jahre da. ich knapp seit zweien, und hab doch all das schon ausgemistet, was Sie sonst sich ausgebeten. Gönnen Sie uns noch sie­ben Jahre. Sie davon zu überzeugen, daß das Buch am rechten Fleck steht, das Sie heut ver­brennen möchten!"

Es gibt Leute, die sehen nur, was die deutsche Revolution nach ihrer Meinung zu unrecht verschont hat, Sie verstehen nicht, warum. Sie hätten am liebsten all dasvernichtet", was sie früher .... nie gestört hat. Sie sollten lernen sich führen zu lassen!

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