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Nr. 22 / 3. Jahrgang
reise: Die SS-wo».Zeile im Anzeigenteil 18 Rps.. di, 70-mw.Zeile im Tertteil 7b Rps. -preise (für kleine Anzeigen, Familienanzetgen n. a.» sowie sonstige Bedingungen laut ichlaßstassel 0.» Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annohmeschlutz l« Uhr.
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Freitag, 25. Januar
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Dank des Führers an öle GaarbevMerung
Reichsresorm im Vormarsch
Umfangreiche Gefetzesarbeit des Kabinetts / Neue Gemeinbeordnung / Zjnssenkung
Amtlich wird mitgeteilt: Es handelt sich dabei um das Reichsstatthaltergesetz, wonach der
In der Donnerstagssihung des Reichskabinetts gedachte der Reichsstatthalter in Zukunft grundsätzlich an der Spitze der Lan- Führer und Reichskanzler zunächst mit tiefempfundenen Worten desregierung stehen soll und die Stellung des Reichsstatthalters des Dankes und der Freude des überwältigenden deutschen Sie- derjenigen der preußischen Oberpräsidenten angepaßt wird, ferner ges bei der Saarabstimmung, auf dessen politische Bedeutung er um die neue deutsche Gemeindeordnung, die sich auf die gegen- kurz hinwies. Das ganze deutsche Volk sei den Saardeutschen für wältigen Grundsätze des bisherigen Landesrechtes gründet, aber . ihre große Treue und Beharrlichkeit tiefsten Dank schuldig. — eine weitgehende Mitwirkung der Partei in der Gemeindever- Alsdann nahm der Führer und Reichskanzler die offizielle Ein- waltung vorsieht.
führung des neuen Reichsministers ohne Geschäftsbereich, Diese umfangreiche und weittragende Gesehesarbeit, die nach Dr. Laus Frank vor. einer eingehenden Aussprache vom Reichskabinett gebilligt wurde,
Das Reichskabinett verabschiedete hierauf das dritte Gesetz wird am 30. Januar der Öffentlichkeit übergeben werden. Zum zur Lleberleitung der Rechtspflege auf das Reich. Nachdem die gleichen Termin werden die ebenfalls beschlossenen Gesetze über Leitung der Justizverwaltung der Länder in der Hand des Reichs- die vorläufige Verwaltung des Saarlandes und über die Vertre- ministers für Justiz vereinigt worden ist, übernimmt das Reich tung des Saarlandes im Reichstag veröffentlicht werden, als Träger der Iustizhoheit die gesamte Justiz mit allen Zustän- Schließlich nahm das Reichskabinett das von den mit der digkeiten. Rechten und Pflichten, mit allen Justizbehörden und Führung des Reichswirtschaftsministeriums beauftragten Reichs- Iustizbediensteten. bankpräsidenten Dr. Schacht vorgelegte Gesetz über die Durchfüh-
Den Hauptinhalt der Kabinettssitzung bildeten die von dem rung einer Zinsermäßigung bei Kreditanstalten an, durch das die Reichsminister des Innern Dr. Frick vorgelegten Gesetze, die seit langem angestrebte und vorbereitete organische Zinssenkung einen wesentlichen weiteren Schritt zur Neichsreform bedeuten, nunmehr in die Tat umgesetzt wird. (Weiteres im Handelsteil)
Kreisappell -er NGOAP. in Bremen
Gtelwertrelener Saulelter Soel und öle Gauamtslelter über die Ausgaben der starte! lm Zähre 193s
Am gestrigen Abend veranstaltete die-NSDAP,, Kreis Bremen, im Casino einen großen Appell, zu dem alle vereidigten politischen Leiter, Warte und Walter erschienen waren und auf dem die Redner der Eauleitung die Aufgaben der Partei für das kommende Jahr klar umrissen.
Nach der Begrüßung der Vertreter aller Gliederungen und des Stellvertretenden Gauleiters Joel gab Kreisleiter Blanke einen Rückblick über die Arbeit des vergangenen Jahres, die bewies, daß alle Gliederungen der Partei sich der Größe ihrer Aufgaben voll bewußt gewesen waren. Im Anschluß daran sprachen der Gauorganisationsleiter Walkenhorst, der Eau- propagandaleiter Schulze, der Eauschulungs- leiter Buscher und der stellvertretende Gauleiter Joel.
Eauorganisationsleiter Walkenhorst führte aus: Schon immer hat der Deutsche seine Organisationstalente wirken lasten in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht, aber der Fehler war, daß die geschaffenen Organisationen nicht einem Ziele zustrebten, sondern sich gegenseitig befehdeten. Im neuen Staat hat nun die Organisationsleitung der Partei die große Aufgabe, die Gemeinschaften des Volkes und des Staates sicherzustellen und einzuschalten in die große Linie der einheitlichen Zielstrebigkeit. Neben der Erziehung des Menschen, zu nationalsozialisti
schem Denken soll die Organisation auch eine Führerauslese schaffen, die fest und' sicher steht auf dem anvertrauten Posten, und die Verbindung ist zwischen Führer der Bewegung und den unteren Staatsstellen und der Bevölkerung. Unsere Aufgabe ist groß, doch unser Wollen ist größer, die Einheit zu schaffen, ein Deutschland zu bauen. Zum Schluß seiner Rede erörterte Pg. Walkenhorst verschiedene organisatorische Fragen.
Gaupropagandaleiter Schulze sagte u. a.: Die Propaganda ist ein Gebiet der Praxis. Mit ihr haben wir die Macht erkämpft. Sie ist Mitteilung der Idee an den Volksgenossen. Die guten Ideen zur Macht zu bringen, bedingt Macht. Die Organisation hat unsere Macht errungen, und die Propaganda ist die Vollstreckerin der nationalsozialistischen Weltanschauung. Sie ist das Gebiet, das zwischen Idee und Organisation liegt. Unsere alte Propaganda ging gegen den Marxismus als schlimmsten Feind; alles, was zwischen unserer Idee und den Marxschen Theorien lag, wurde in diesen Zweikampf hineingerissen. Das Gute sonderte sich vom Schlechten. Heute ist unser Ziel so gestaltet, daß wir das sagen müssen, was im Interesse des Staates notwendig ist und was ihm fehlt. Und hier ist die Partei Mittel zum Zweck, soll sie doch den Willen der Regierung im Volke verankern und das Volk mit der Regierung verbinden. Die Propaganda des Staates und der Partei ge
währleisten durch ihren Aufbau die gleiche Formulierung der Ziele und Aufgaben. Ueber die Aufgaben des Rundfunks, der Presse und der Aktiv-Propaganda kam der Redner auf die notwendige Erkenntnis zu sprechen, daß ein jeder Nationalsozialist Propagandist zu sein hat, insbesondere der Propagandaleiter, der gewissermaßen der Regisseur der öffentlichen Meinung ist. Am Anfang der Propaganda stand dieJdee.amEndestehteinnational- sozialistisches Volk im nationalsozialistischen Staat.
Eauschulungsleiter Vuscher führte aus: Ein Schulungsleiter ist kein
Schulmeister. Der Typ des Schulungsleiters, den wir geschaffen haben, muß die nationalsozialistischen Eedankengänge an die politischen Leiter und an die Parteigenossen heranbringen. Er muß die nationalsozialistische Erkenntnis, in die Seele hineintragen als ewiges Lebensziel. Das können nur beste und allerbeste Kräfte, die selbst durchdrungen sind vom Glauben, die andere Ideen kennen, sie aber durch die Macht der einen und großen Idee bezwingen. Die beste Schulung und die beste Erfassung der Gedankengänge unseres Führers gewährt das kameradschaftliche Leben in einer treuen Gemeinschaft, die zum Erlebnis wird. Dieses Erlebnis führt zum Glauben und zerbricht alles, was einst Ziel gewesen und setzt an seine Stelle den Nationalsozialismus. Fortsetzung auf Seite 2
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Jubiläum im Vremer Schauspielhaus
Wir wollen die Feste feiern, wie sie fallen. Im Schauspielhaus ist die offizielle Feier des fünf- undzwanzigjährigen Bestehens dieses Instituts auf den 25. Januar gefallen. Wohlan, feiern wir — denn wir sind ja mit dem Herzen dabei, wenn es gilt, ein Vierteljahrhundert Dienst an deutscher Schauspielkunst zu würdigen.
Was war vor fünfundzwanzig Jahren, was war am 25. Januar 1910?
Am 25. Januar 1910 spielte man im Thalia- Theater draußen ani Neustadts-Wall, den Technischen Staatslehranstalten gegenüber, in demselben Hause, das noch heut als Thalia-Theater den Musen-Stiefschwestern eine Stätte bietet, L'Arronges Lustspiel ..Hasemanns Töchter". Der Mann. der dieses Theater leitete, ein gewisser Emile Evrard, ein Mann mit Ehrgeiz im Kopf und Theaterblut im Herzen, hatte litera- rische Geltungstriebe. In das „Spezialitäten"- Theater, ein Haus vorstädtischer Vergnügungs- Jndustrie mit Akrobatik, Vaudevilles. Sketches, Couplets, Rummel und etwas Talmi, ließ Eo- rard frische Luft! Die Kleinkunst-Bühne, die die lieben Vorstädter ihren „Bums" genannt hatten, erhielt von ihm einen literarisch-rn Anstrich. Evrard riß die Fenster auf. Sudermann und „Flachsmann als Erzieher" ließ er herein, dazu Dumas, Scribe, und alles, was damals ging. Du liebe Zeit, es war keine außerordentliche Tat! Ueber die Geschichte die Wahrheit...!... Es bestand gewiß keine Notwendigkeit, das zu machen. Das „Revolutionäre" war ja schon bürgerlich anerkannt. 1894 hatte man im Stadttheater schon Hauptmanns „Einsame Menschen" aufgeführt. Der erste Shaw — und Shaw war ein Knallroter, sogar mit mondänem Stempel, er brauchte keine Vorstadt der Welt mehr! — ist im
Mai 1905 im Stadttheater aufgeführt. Wenn's Evrard wirklich um die literarische Revolution in Bremen zu tun war, Geschäfte wollte er auch machen. Und dabei erwies sich dann, daß die Sache im fidelen „Bums" Thalia zog. Ja, man begann von Thalia zu reden. Die Jugend ging hin. Eines Tages war das Ansehen da. Und wenn man nun bedenkt, was daraus geworden ist, dann zeigt sich wieder einmal, daß es mit der Kunst so bestellt sein kann: manchmal wird aus einem Geschäft — eine Mission.
Mit dem Sommer 1910 ging Evrards Tätigkeit im Thalia nach rund zwei Jahren ihrem Ende entgegen. Außer den Benefiz-Vorstellungen für sein Ensemble und ihn selbst aber gab es noch allerhand Sensationen in diesem Hause. In der ganzen Vorstadt sprach man von nichts anderem als dem „verlängerten Gastspiel der berühmten Haremstänzerin und Favoritin des Sultans Ab- dul Hamid, Mademoiselle Hagino". („Der Künstlerin gelang es" — so lauteten die Ankündigungen! — „bei der Auflösung des Harems Abdul Hamids über die türkische Grenze zu fliehen")
So ging das natürlich nicht weiter in einem Haus, das literarisch ernst genommen werden wollte. Demoiselle Hagino war keine Pawlowa, und wenn es Sensationen sein mußten in Bremen, die gab es auch wo anders: aus dem Theaterberg sang Caruso! Wohl hatte Evrards Unternehmen gezeigt, daß neben den bestehenden Theatern in Vremen ein Schauspielhaus existieren konnte, aber um zu wachsen, brauchte die Schauspielstätte einen künstlerischen Leiter — und dann los und weg von diesem Haus mit der schlechten Akustik, mit den bühnentechnischen Mängeln und den noch immer zweifelhaften Vorstößen zum literarischen Theater, das ein Bildungs-Jnstitut sein und werden sollte.
Evrard hatte Mut — und gute Ratgeber. Einer dieser Ratgeber war der Lehrer Johannes Wiegand, der seit 1898 auch einen Teil der Theaterkritiken für die „Bremer Nachrichten" besorgt hatte. In dem berühmten Nachschlagebuch „Wer ist's?" wird Wiegands Arbeit mit den Worten gekennzeichnet: „Er setzte die Literatur-
Moderne mit in Bremen durch." Er war ja selbst einer der „Modernen". Er hatte, am 27. Juli 1874 in Bremen geboren, das Seminar besucht, war Lehrer geworden und hatte bis 1910 außer seinen Kritiken rund ein halbes Dutzend Theaterstücke in
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I'ot. ürika IVsx- ei, Nremen
der Nachfolge der Naturalisten geschrieben. Einige Stücke hatte auch das Stadttheater Bremen, das heimische Talente immer förderte, aufgeführt. Johannes Wiegand ging also mit Evrard, und um die Zeit, da zwischen L'Arronges Lustspielen und Demoiselle Haginos Gastspielen die dem Thalia- Theater benachbarte „Neustädter Tonhalle" umgebaut wurde, 1935 vor fünfundzwanzig Jahren also, da organisierten Wiegand und Evrard ein richtiges Schauspielhaus.
Nun stand das Thalia bereits im Schalten der Tonhalle. Der Architekt I. W. Ostwald und der Dipl.-Jngenieur W. Eörig bauten die Halle um und aus. Die Tonhalle wurde ein Schauspielhaus. An der Fassade standen die Worte: „Im Spiel das Leben". Mit Gustav Esmanns Lustspiel „Vater und Sohn" wurde dieses Schauspielhaus am 13. August 1910 eröffnet. Wenn man das Haus, das heute wieder „Kientopp" ist und „Modernes Theater" heißt, als den Anfang des Bremer Schauspielhauses preist, dann ist der 13. August 1935 das nächste -Jubeldatum.
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Nun brauchen wir nur noch in großen Zügen und mit einigen Daten die Erinnerung an die Ereignisse heraufzubeschwören, die zu der Tatsache geführt haben, daß Bremen sein „Schauspielhaus am Ostertor" bekam.
Vom 13. August 1910 bis zum 15. August 1913 ist um den Entschluß zu diesem Schritt gerungen worden. Johannes Wiegand, der 1910 beim Senat der Stadt Bremen um Beurlaubung von seinem Dienst als Lehrer eingekommen war, damit er sich der Leitung seines Schauspielhauses widmen könne, Wiegand. Generalsekretär des Goethebundes, zeichnete für die „Verantwortliche und künstlerische Leitung" des Hauses am Neustadtswall Emile Evrard ging mit als Geschäftsführer Als Dramaturg amtierte der „Direktions-Stellver- treter": Dr. Eduard Jchon. Beide führen heute das Haus, wie wir wissen. Der heutige
Oberinspektor C,hristianCngelh ar8t war damals ihr „Leiter des technischen Personals".- Er war vom Stadttheater gekommen. r
Das Arbeitsprogramm war „auf der nach dem Muster Reinhardts eingerichteten Bühne" , zeitgemäß: man spielte Björuson. Strindberg, Shaw, .Hauptmann, Halbe. Sudermann, Shakespeare, Mokiere, Goethe, Schiller, Kleist, Aebbel, Ludwig, Anzengruber. Man hatte auch Kräfte im Ensemble, die Eindruck machten. Julius Donat, Karl Jönsson. Paula Wirth . . . ihre Namen sind heute noch geläufig in Bremen. Künstlerischer Wille muß, nach den Theaterkritiken jener Zeit, das Haus beherrscht haben. Man. hatte das Wagnis gewonnen. Man konnte dem Wagnis einen Sinn und dem Unternehmen eine Losung geben. Bremen hatte drei Theater — und alle drei Theater lebten, gediehen und blühten.
Nach Evrards Ausscheiden aus der Leitung des Hauses weckten Wiegand und Jchon den Wunsch, der Stadt im Zentrum „ein zeitgemäßes, schönes, modernes Kammerspielhaus" zu geben. Damals, bei den wirtschaftlichen Verhältnissen, konnte das weitere Wagen wieder nur „Minnen" bedeuten. Das Neustädter Schauspielhaus hatte einen festen, stetig wachsenden Freundeskreis und Glück mit seinen Verpflichtungen begabter Schauspieler. Die Theaterleiter hatten auch Erfolg. Theaterfreunde hat es in Bremen immer gegeben. So fanden sich denn auch kapitalkräftige Männer, die „das nötige Kapital für die Errichtung des geplanten neuen Theaters zur Verfügung stellten". Abbe- husen und Blendermann haben dann das Haus am Ostertor gebaut, von dem man bald auch jenseits der Grenzen Bremens zu sprechen begann, weil aus diesem Hause tüchtige Theatermänner hervorgegangen sind, wie Otto Kustermann. der Intendant der Bayerischen Landesbühne, oder Detlef Sierck, später Direktor des Alten Theater»
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