Ausgabe 
(20.1.1935) Nr. 20
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Nr. 20 / i. Vierteljahr

Zeitung

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Sonntag, 20. Januar

Einzelpreis is Npf.

Dramatisches Nachspiel zu den römischen Abkommen

„Schütze mich vor meinen Freunden!"

Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und seinen Verbündeten

Vor japanisch- ! chinesischen Kämpfen

' Peiping, 19. Januar.

Die Gerüchte über bevorstehende militärische Operationen einer japanischen Armee an der ' chinesisch-mandschurischen Grenze verdichten sich ^ immer mehr. Meldungen aus der Mandschurei zu­folge hat das japanische Oberkommando einen 1 ' Feldzug zu Luft und zu Lande gegen die im ' festen der chinesischen Provinz Dschehol stehenden N" Truppen angekündigt. Die japanischen Militär- > kreise behaupten, daß der chinesische General Sung k trotz wiederholter Warnungen den westlichen Teil !s Dschehols widerrechtlich besetzt habe. Seine Trup- s pen machten eine geordnete Verwaltung der Pro- öinz unmöglich. Die chinesischen Behörden dagegen ^ betonen, daß im Grenzgebiet von Tschachar und in Dschehol völlig friedliche Zustünde herrschten.

l; Die militärischen Vorgänge führten sofort zu !?> Beratungen zwischen General Sung und dem chine- V fischen Kriegsminister. Gleichzeitig gab der chine- ! fische Vizeaußenminister in Schanghai eine Er- s: klärung ab, wonach die chinesische Regierung die Lage im östlichen Teil ihrer Provinz Tschachar als sehr gespannt ansieht. Banditen sollen die -i chinesischen Truppen im Ostteil der Provinz .s Tschachar angegriffen haben. Man vermutet, st' haß es sich bei den „Banditen" um mandschurische ! Truppen handelt und daß die japanischen Maß- nahmen auf diesen Vorfall zurückzuführen sind. !- Man glaubt weiter, daß Japan den nach chinesi- ^ scher Auffassung zur Provinz Tschachar gehörigen Kreis Kuyuan für sich beansprucht.

Bei den Besprechungen zwischen dem französi­schen Außenminister Laval und dem italienischen Staatschef Mussolini in Rom hat man sich auf einen Nichteinmischungspakt im Do­naubecken geeinigt Mit diesem Pakt, dem auch andere Staaten beitretcn können, soll nach fran­zösischer und italienischer Auffassung die öster­reichische Frage gelüst werden.

Aus London und Paris kommen jetzt Meldun­gen, wonach es in der Frage jenes Nichtein­mischungspaktes zu ernsten Meinungsverschieden­heiten zwischen dem französischen Außenminister und den Vertretern der Kleinen Entente gekom­men ist. Sowohl die Kleine Entente wie der Balkanbund, d. h. also sämtliche südcuropäische

Staaten außer Bulgarien, haben bisher den römi­schen Abmachungen ihre Zustimmung versagt.

Die drei Außenminister der Kleinen Entente (Tschechoslowakei, Rumänien und Südslawien) fordern, daß Frankreich zuvor einen gegensei­tigen Beistandspakt mit Rußland unter­zeichne. vor allem für den Fall, daß Deutschland und Polen den Ostpakt erneut ablehnen sollten Damit nicht genug: Die Kleine Entente und der Balkanbund behalten sich sogar noch die Art und Weise ihres etwaigen Veitritts zum Donau-Ver­trag vor.

Nach einer Genfer Meldung des Pariser Blattes „O>.vre" glaubt man, auf diese Weise Schwierig­keiten zu verhindern, denen der französische Außen­

minister bei seiner bevorstehenden Londoner Reise und später bei Verhandlungen in Berlin begegnen dürfte. Der sowjetrussische Außenminister Litwi- n o w hat sich dem Standpunkt der kleineren Staaten angeschlossen. s

Interessant ist demgegenüber die Haltung des französischen Außenministers. Er habe, wie iH Pa­ris berichtet wird, die Mitglieder der Keinen. Entente beruhigt und daraus hingewiesen, düß er in seiner letzten Note an Berlin Deutschlands Bei­tritt zum Ostpakt zur unerläßlichen Bedingung der Aufrüstungsanerkennung gemacht habe. Mali rech­net damit, daß Laval diese seine Haltung: nicht ändern und das bisherige französisch-russische Ab­kommen nicht erweitern werde.

Frankreich ruft -en Völkerbund an

Die Unterbringung der Saarflüchtlinge soll von Genf aus finanziert werben

I Amtliche japanische Stellen in Nordchina geben » zu, daß japanische und mandschurische Truppen in - Dschehol zusammengezogen werden. Sie begriin- 1 den diese Maßnahme mit der Notwendigkeit, die k. Kontrolle über das strittige Gebiet zu übernehmen.

Kampf gegen fremdsprachige Familiennamen in Estland. In Estland wird die Bevölkerung ver­anlaßt, die nichtestnischen Familiennamen (meist deutschen, russischen oder schwedischen Ur­sprungs) in estnische Namen abzuändern.

Hände weg von

Wichtige Erklärungen i

Die frühere deutsch« Kolonie Südwest- . afrika ist im Versaillrr Vertrag bekanntlich als . sogen. C-Mandat unter die Verwaltung der Süd- afrikanischen Union gestellt worden. Die Ver- jR waltung erfolgt also lediglich im Auftrage des M Völkerbundes. In letzter Zeit ist das Bestreben st in die Erscheinung getreten, das südwestafrikani- . .sche Mandatsgebiet der Südafrikanischen > Union zu übereignen. So hat vor einiger Zeit die Gesetzgebende Versammlung von Südwest­afrika den juristisch unhaltbaren Beschluß gefaßt, das Mandatsgebiet als fünfte Provinz der Süd­afrikanischen Union anzugliedern. Wir haben seinerzeit mit aller Deutlichkeit diese Bestrebungen zurückgewiesen. Sie sind mit dem Mandats- syftem des Völkerbundes nicht in Ein- - klang zu bringen und laufen auf eine widerrecht- s liche Aneignung früherer deutscher Gebiete i hinaus.

Gestern hat sich nun der Völkerbundsrat mit

Gens, 19. Januar.

Der französische Außenminister Laval hat dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Denk­schrift der französischen Regierung überreicht, die sich mit der Frag« der Saarflüchtlinge besaßt. Es heißt in der Denkschrift, die französi­sche Regierung habe von Anfang an Wert darauf gelegt, diese Frage auf einen internationalen Boden zu verlegen. Die von der deutschen Regie­rung übernommenen Verpflichtungen seien unter eine doppelte Garantie gestellt worden: die des

Gü-westafrika!

sr dem Völkeebunbsrat

dieser Frage eingehend beschäftigt. Wir verzeich­nen mit Genugtuung eine Erklärung des italieni­schen Vertreters zur Frage der Vereinigung Süd­westafrikas mit der Südafrikanischen Union. Die italienische Regierung, so versicherte ihr Sprecher, hält eine Verschmelzung der beiden Gebiete für unvereinbar mit dem Geiste des Mandatswesens. Der Völ­kerbundsrat werde zu gegebener Zeit unbedingt zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen müs­sen. Auch der Vertreter Spaniens äußerte Be­denken. Er sprach von einer „fortschreitenden Neigung der an Mandatsgebiete grenzenden Ko­lonien, sich den Mandatsmächten anzugliedern". Auch kritisierte er die dem Mandatsausschuß des Völkerbundes zugemutete Einengung fei­ne r A r be i t. Es sei dem Ausschuß nicht mög­lich, sich in den erwähnten Mandatsfragen an Ort und Stelle zu unterrichten, weil ihm hierfür keine Gelder zur Verfügung gestellt werden.

Völkerbundsrates und die des Haager Gerichts­hofes. Nichts könne Befürchtungen besser wider­legen als die genaue Befolgung dieser Verpflich­tungen, die jede Vergeltungsmaßnahme verdammey. Es müsse eine Auswanderung ver­mieden werden, die bei dem gegenwärtigen Stand des Arbeilsmarktes schwierige Probleme auswer­fen würde.. Der Völkerbund habe das Saargebiet 15 Jahre lang verwaltet. Ein großer Teil der­jenigen, die unter Umständen gezwungen sein würden, auszuwandern, habe sich für die Aufrecht­erhaltung dieses Völkerbundsregimes ausgespro­chen. Der Völkerbund habe daher gegenüber diesen Menschen nicht nur die allgemein mensch­liche, sondern eine unmittelbare Verantwor­tung. Daraus müßten die nötigen Folgerun­gen gezogen werden.

Die Kosten für den Unterhalt der Saarflücht­linge müßten in den Haushalt des Völkerbundes aufgenommen werden. Es handele sich aber auch um die Unterbringung der Flüchtlinge, ein sehr schwieriges Problem, das ohne internationale Zu­sammenarbeit unlösbar sei. Man habe in Frank­reich besondere Räumlichkeiten bereitgestellt, um die Emigranten aufzunehmen und ihnen sogar Vergütungen zugestanden. Die französische Re­gierung könne aber nicht diese Kosten auf sich nehmen; sie könn« die Türen nicht offenlassen für eine Einwanderung, wenn sie sich nicht der tatsächlichen Mitarbeit des Völkerbundes vorher versichert habe.

Gaartruppen vor dem Abzug

Genf, 19. Januar.

Der Bölkerbundsrat hat, wie in Genf ver­lautet, in Aussicht genommen, mit der Zu­rückziehung der internationalen Truppen

aus dem Saargebiet Ansang Februar zu be­ginnen. Die italienischen Truppen-Abtellun- gen sollen zuerst das Saargebiet verlassen.

*

Mit dem Abzug der internationalen Trup­pen aus dem Saargebiet findet eine Völker­bundsmaßnahme ihren Abschluß, die wir von Anfang an als überflüssig bezeichnet haben. Der durchaus ruhige Verlauf der Volks­abstimmung hat bewiesen, daß die vorbild­liche Disziplin der in der „Deutschen Front" organisierten Saarbevölkerung zur Aufrecht­erhaltung von Ruhe und Ordnung völlig aus­reichte. Diese Feststellung werden vor allem die fremden Truppenabteilungen selbst ge­troffen haben.

Frankreichs neuer Vanzerkreuzer

Paris, 19. Januar.

Nach dem Pariser „Journal" hat die franzö­sische Regierung die feste Absicht, in den nächsten Abschnitt des Flottenbauprogramms einen Pan­zerkreuzer von 38 000 Tonnen aufzunehmen. Frankreich verfügt gegenwärtig über drei Pan­zerkreuzer von je 22 189 Tonnen („Bretagne". „Provence" und „Lorraine"). Zwei Panzerkreu­zer von je 26 500 Tonnen („Dünkirchen" und „Straßburg") sind auf Kiel gelegt.

Aus den neuesten französischen Flotten- bauplänen geht klar hervor, daß das italie­nisch-französische Wettrüsten zur See durch das viel besprochene Rom-Abkommen der beiden Staaten keineswegs beseitigt worden ist. Die „Flottenrivalen des Mittelmeeres" gehen nach wie vor ihre eigenen Wege.

Rückkehr

zum Völkerbund?

Wie immer, wenn der Führer spricht, hat er auch jetzt wieder der Welt bei seiner Unterredung mit dem englischen Journalisten Ward Price zur Frage der Rückkehr Deutsch­lands in den Völkerbund in unübertrefflicher Klarheit den deutschen Standpunkt aufge­zeigt. ,

Bedingungen für Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund? Bedingungen, nein. die Zibt es nicht. So wenig wie Deutschland Bedingungen annehmen würde, wenn ihm durch solche erst der Weg in den Völkerbund eröffnet werden sollte, ebensowenig ist es willens, selber Bedingungen zu stellen, wenn es für richtig hält, wieder dem Völkerbünde beizutreten. Das eben ist ja der Unterschied zwischen nationalsozialistischer und liberalisti- scher Staatsführung, daß die national­sozialistische Staatsführung die lebens­wichtigen Belange der Nation nicht als Schachergegenstände betrachtet, die man je nach Belieben, sobald genügend dafür ge­boten wird, — also unter sogenannten Be­dingungen — preisgeben kann, sondern, daß dieser Staatsführung solche Belange unver­äußerlich sind, zumal wenn sie den nationalen Ehrenstandpunkt berühren.

Vom Standpunkt der nationalen Ehre Deutschlands aus ist aber die uneinge­schränkte deutsche Gleichberechtigung eine un­abdingbare Selbstverständlichkeit und nie­mand könnte das noch prägnanter aus­drücken, als es der Führer tat, indem er sagte, daß schon die Unterscheidung in der Theorie zwischen moralischer und sachlicher Gleichberechtigung vom Standpunkt der Nationalehre Deutschlands aus als Be­leidigung empfunden werde.

Wenn die internationale Welt dieses bis­her immer noch nicht begriffen hat, so muß sie es wohl jetzt begreifen lernen, ansonst ihr Wunsch, Deutschland wieder im Völker­bund zu sehen, eben unerfüllt bleibt. „Die deutsche Gleichberechtigung ist die Voraus­setzung für jede Beteiligung Deutschlands an internationalen Abmachungen", sagte der Führer; und an den Mächten des Völker­bundes ist es nunmehr, zu prüfen, ob das bisherige Gebilde, das sich da Völkerbund nennt, weiterhin bloß als Garantieverband der Siegermächte von Versailles betrachtet werden will, oder aber, ob es wirklich auch einmal zum Bund der Völker werden möchte, in dessen Gesellschaft jeder Beteiligte völlig gleichberechtigt ist. Im ersteren Fall bleibt Deutschland dem Völkerbund schon darum fern, weil es unter keinen Umständen durch seine Gegenwart dort den Eindruck erwecken will, als ob ihm — Deutschland als der ja nur moralisch gleichberechtigten Macht — in dem Völkerbund ein Kuratorium vorgesetzt sei, das über Deutschlands lebenswichtigste außenpolitischen Belange zu entscheiden hätte. Im zweiten Fall kann Deutschland, wenn es der Führer als zweckdienlich er­achtet, dem Völkerbund betreten, falls der Völkerbund durch die vorausgehende Anerkennung der Gleichberechtigung Deutsch­lands schlechtweg bekundet, daß er ein wirk­licher Bund der Völker sein will, in dessen Rahmen jede Nation bei völlig gleich ge-

Luls Trenker

sckÜÄUf und Sckrsprung

Man hat oft den Sprunglauf als die Krönung des sportlichen Skilaufs bezeichnet. Es ist ein mitreißender, einzigartiger Anblick, einen guten Skispringer von hoher Schneeschanze herab, fast bis zur waagerechten Körperlage vorgeneigt, in riesigem Bogen durch die Luft in die Tiefe fliegen zu sehen. Das zündet und begeistert, besonders wenn die Ergebnisse an der Weitentafel einmal über die 60-Meter-Grenze Hinausgreifen oder wenn man gar Augenzeuge eines phantastischen Sprunges von 70 Meter geworden ist.

Der Skisprung, ein Tiefwertsprung, dessen Weiten stark von der Anlage der Schanzen ab­hängen, ist eigentlich eine akrobatische Kunst, ein ganz besonderes Gebiet der Beherrschung des weißen Elements, das besondere Bahnen, beson­dere Skier (schwere, lange, mehrrillige Bretter) und auch besonderen Schneid und nichtalltägliches Können voraussetzt. Zwar kennt auch der Tou- renläufer den Sprung als Fahrthilfe, jedoch in ganz anderer Art, vornehmlich als richtungs- ändernden Quer- und llmsprung, der meist mit Stützhilfe der Stöcke ausgeführt wird.

- Der eigentliche Sprunglauf stammt ebenfalls aus Norwegen, wo er eine nationale, festliche An­gelegenheit ist. Am Tage des Holmenkollsprin- :gens in der nächsten Umgebung von Oslo. zu dem auch schon wiederholt Deutsch« als leidlich (etwa in den Mittelklassen) abschneidende Konkurren­ten entsandt wurden, sind nicht nur die Schulen und Geschäfte geschlossen, die ganze Stadt beflaggt und geschmust, nein, ganz Oslo ist auf den Beinen, und 30000 und mehr Zuschauer um­rahmen den weltbekannten Hügel und füllen mit dem König und dem ganzen Hofstaat die großen Tribünen. Der Konprinz selbst war wiederholt unter den konknrrftrendc» Springern.

Der Holmenkollhügel, die berühmteste Ski- sprungbahn der Welt, ist aber kein Rekordhügel. An der alten Schanze lagen die größten Weiten um dreißig Meter; erst nach dem Umbau des noch immer sehr „schweren" und, wie man sagt, .hruckveichen Bakkens" halt Tulin Tams, die glänzendste Springererscheinung Norwegens, 57,5 Meter „vorgelegt".

Der Sprunglauf hat sich ziemlich langsam ent­wickelt. 1879 sprang einer der Bruder Hemmes- toeit, einer der „Väter des Skilaufs", ein Tele- märker Bauernbursch, 23 Meter weit. Die ersten Sprungleistungen in Mitteleuropa waren sehr kläglich. Hier ansässige Norweger sprangen 1893 in der Steiermark von einem als Sprungschanze verwendeten Dunghaufen ganze drei Meter weit, am Taubenberg bei München 1894 erst vierzehn Meter. Erst im Jahre 1904 erreichten bei der Schweizer Skimeisterschaft in Glarus der Frei- burger (Dr.) Karl Eruber und der Voralberger Viktor Sohm die angestaunte Weite von 19 Meter.

Nur langsam entwickelte sich das Können weiter. 1909 stand Harald Smith, der Norweger, an der Tavoser Schanze den kaum. glaubhaften Satz von 45 Meter. Noch größeres Aufsehen er­regte aber der 41-Meter-Sprung des Vorarl- bergertz Sepp Bildstein 1911 in Aussee. mit dem die Mitteleuropäer ihren Vorbildern ziemlich gleichkamen, und knapp vor dem Kriege stellte von der Planitz in Earmisch mit 41,5 Meter in klassisch-schönem Flug einen neuen deutschen und mitteleuropäischen Rekord aus.

Der Bau besonderer Schanzen in Norwegen (Fluhberg) und Amerika (hier mit stählernen Anlaufgerüsten und Sprungtürmen) schuf mit den steigenden Weiten den neuen Sprungstil, und nun schnellt Jahr für Jahr die Weitenziffer

hinauf um — nach Amerika (1918 mit 65 Meter) in den Jahren 1925 und 1926 auf verschiedenen mitteleuropäischen Schanzen, Pontresina, Keilberg usw., von Springern fast aller Nationen 60 und 70 Meter zu erreichen. Tulin Tams, Birger und Sigismund Ruud, die Norweger, Adolf Vadrutt und der Grindelwalder Kaufmann, die Schweizer, der Italiener Zardini und andere sind die neuen Rekordleute, die bei 76,5 Meter (Birger Ruud) ihre einstweilige Grenze fanden, wenn auch schon 80 und 82 Meter, allerdings nicht oder nicht mehr einwandfrei „gestanden" (das Stehen und Weiter­fahren ist nämlich sportliche Bedingung), er­reicht worden sind. Um eine Vorstellung von der Wucht eines solchen Sprunges und der Leistung solcher ohne Flügel fliegenden Menschen — stor- boppsrs, Eroßhüpfer, nennt man sie im Norden — zu gewinnen, stelle man sich vor, daß die Sprungschanze, an deren Kante der Absprung in noch steigender Parabel erfolgt, auf der Höhe der Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes (75 Meter) läge, und daß der Aufsprung etwa vor dem Brandenburger Tor oder vor der Siegessäule erfolgen würde.

Die heutige Einstellung der maßgebenden Fach­leute und Verbände (die in der FJS-, dem In­ternationalen Skiverband, zusammengefaßt sind) wendet sich gegen eine weitere Forcierung dieser Richtung, die ins rein Artistisch-Akrobatische aus­zuarten droht, was dem Geist des Skilaufs, seiner Naturgebundenheit, widersprechen würde; dem hat man ja schon immer dadurch vorgebeugt, daß einesteils bei der Beurteilung der Sprünge nicht nur die Weite, sondern auch die Haltung, der Stil maßgebend war und andernteils, daß man Meisterschaften nur in zusammengesetzter (kom­binierter) Wertung, d. h. im Sprung- und Lang­lauf, vergab.

Auch im Lang- Und Dauerlauf, zwei verschie­denen Disziplinen, sind die Norweger, schon be­günstigt durch das charakteristische, leicht hügelige

Gelände ihres von verschneiten Seen durchsetzten Landes, von jeher und immer poch die Meister, doch stehen ihnen die Schweden und auch die Finnen, namentlich auf längeren Flachstrecken, kaum nach, und auch unter den mitteleuropäischen »Läufern (einschließlich Polen und Tschechoslowa­kei) ist mancher, der es mit den skandinavischen Meistern aufnehmen kann. Allerdings, den qua­litativ hohen Durchschnitt, wie er in Norwegen erzielt wird, vermögen wir noch nicht zu stellen. In Lake Placid, wohin Norwegen eine sehr wohl vorbereitete starke Mannschaft entsendet, werden wohl wieder die Norweger triumphieren; schade, daß Deutschland aus geldlichen Gründen als ein­zige Nation die Teilnahme an diesem Winter­olympia abgesagt hat.

Langlauf und Dauerlauf sind nun keineswegs ein wildes Drauflosrennen auf „Teufelkomm- raus", sondern ein zielbewußtes, durch hartes und exaktes Training und durch einen wohlgepflegten Laufstil erzieltes Können, dessen Kennzeichen gute Stockarbeit. Gleichmäßigkeit, kräftig gesto­ßene, von den im Paßgang geschwungenen Stöcken unterstützte Gleitschritte und «ine spezielle Wachs­technik sind. Langläufe gehen meist über eine vorgespurte, mit Fähnchen ohne besondere Hinder« Nisse markierte wellige Strecke von 15 bis 18 Ki­lometer Länge. Tie „Loipe" (Laufstrecke) wird gewöhnlich nach „norwegischem" Muster in gleich­mäßig verteiltem Auf und Ab und zwischengeleg- ten ausgesprochenen Flachstrecken ausgesteckt. Die durchschnittlichen Zeiten bewegen sich bei 15- bis 16-Kilometer-Strecken um eine Stunde herum.

Für Dauerläufe ist die 30- und vor allem die 50-Kilometer-Strecke das beliebteste Maß ge­worden. Auch die Militärläufe, vielfach mit vollem Pack- und Rüstzeug, und die Staffelläufe gehen über ähnliche Strecken. Das längste Dau- erlaufrennen der Welt wird alljährlich in Mittel­schweden als Gustaf-Wasa-Lauf, der an ein histo­

risches Skiereignis erinnert, ausgetragen. Die Strecke führt über 90 Kilometer, die u. a. von Heglund, Schweden, in fünf Stunden, 36,07 Min. absolviert wurde, also mit einem Stundendurch­schnitt von 16 Kilometer. Von älteren, berühmt gewordenen Dauerlauflerstungen mag jener groß­artige Lauf des siebenunddreißigjährigen Lappen Tuorda hervorgehoben werden, der im Jahr« 1884 im Flachlauf 220 Kilometer in 19 Stunden 22 Min. absolvierte.

Die allerjüngste Einstellung geht dahin, in der Abfahrt die Krone skiläuferischen Könnens zu sehen, eine Ansicht, die aus eigener Erfahrung gern jeder Skilänfer teilt, denn auch ihm wird als Summe des Genusses und des beschwingten Könnens, die rasche, unterbrechungslose, sturz- sichere, exakte Abfahrt vor Augen stehen, wenn sie auch ein Ziel ist, das schwer zu erreichen ist.

Nach jüngeren Verbandsbeschlüssen werden nunmehr auch diese Läufe in die großen Meister­schaftskämpfe mit einbezogen, so daß in Zukunft der Sieg «in« Meisterleistung in dreifacher Kom­bination (Sprung, Langlauf, Abfahrt) voraus­setzt. Diese Abfahrtsläufe, früher häufig „Sla­lom" bezeichnet, werden z. T. auf raffiniert aus­geklügelter,: mit verschiedenartigen Toren . und „Gassen" versehener Bahn, z. T. aber auch-aus freieren Strecken mit nur wenigen: Richtungs­punkten gelaufen und verlangen eine außerordent­liche Beherrschung der Skier, d. h. eigentlich schon eine ganz spezielle Technik, deren Hochstand dar­aus hervorgeht, daß die besten Läufer einer Klasse, oft eine große Zahl. nur um Sekunden oder gar Bruchteile von Sekunden auseinander sind. Im Alpengelände werden auch „freie" Ab­fahrtsläufe in normaler Streckenmarkierung aus­getragen, wobei z. V. in der Schweiz einige sen- sationelle Zeiten erzielt wurden, die zu den ski­läuferischen Höchstleistungen überhaupt zählen.