Ausgabe 
(15.1.1935) Nr. 15
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8as amtliche Organ öes Senats

Extra-Ausgabe

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Dienstag, den 12. Januar 1922

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Die erdrückende Mehrheit -er Saar- Bevölkerung bekennt sich zum Reich

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... ^ ^ ^ ^ ^ Uhr.

Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12^-13 Uhr. der Schristleitung werktäglich von 1817 Uhr.

Einzelpreis is Rps.

Bei der Volksabstimmung im Gaargebiet am 13. Januar wurden abgegeben für

Deutschland. 47608 S

Frankreich. 2083

Ltstusquo ... . . 46613

Ungültig waren 901 und weiß 1236 Stimmzettel Don rund 240 000 Abstimmungsberechtigten haben 228704 abgestimmt

Vvrantvortlivd: liuckolk lilüllvr, Lrvwvv.

Lokalen und Kaffeehäusern muffen die Kapellen das Saarlied vier- und fünfmal wiederholen, und das Publikum singt mit heißer Liebe:Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar".

Beim Mittagessen in unserem Hotel sitzen wir mit der Frau eines holländischen Bürgermeisters zusammen, der Vorstand eines Wahllokales ist urU> den ganzen Tag über schon in der Wartburg zu tun hat. Sie und ihr Mann sind zum ersten Mal im Saargebiet. Ihr Mann hat ihr heute morgen von dem Verlauf der Abstimmung erzählt und gesagt, an dem Ergebnis dürfte nicht zu zweifeln sein.Es würde sein ein schweres Un­recht, wenn Deutschland nicht bekäme zurück das Saargebiet. Hier ist doch alles so deutsch!" Wir haben uns gefreut über dieses Urteil der Holländerin und noch mehr darüber, daß sie mit Abscheu auf einen großen Teil der holländischen Presse sieht, deren verlogenen Charakter sie aus den Lügenmeldungen über das Saargebiet er­kannt hat.

Um 4 Uhr beginnt die Auffahrt der Wagen vor der Wartburg, zunächst die Auffahrt der Presse­

dung der Saar" zu hören!

Berlin, 14. Januar.

Das Ergebnis der Abstimmung im Saar­gebiet wird im Laufe des Dienstagmorgen durch den Präsidenten der Abstimmungs- kommission, Rodhe, der Weltöffentlichkeit bekanntgegeben.

Genauer Zeitpunkt dieser Bekanntgabe richtet sich nach dem Abschluß der Aufzählung.

Im Anschluß daran wird der Saarbevoll­mächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, dem Führer über alle deutschen Sender das Ergebnis melden.

Dann spricht der Führer selbst.

Zum Schluß gibt Reichsminister Dr. Goebbels eine Erklärung bekannt.

Alle deutschen Behörden, Schulen usw. werden aus diese Sendungen ausdrücklich hingewiesen.

Da, um 17.09 Uhr erhebt sich der Präsident. Drei Hammerschläge ertönen. Tiefe Stille im Saal. Präsident Rodhe weist mit harter Stimme in deutscher Sprache darauf hin, daß die Abstim­mung in vollständiger Ordnung und Ruhe statt­gefunden habe. Er hebt die Disziplin der Be­völkerung hervor und ruft dann nach einem Hin­weis auf die Bedeutung dieser Stunde mit er­hobener Stimme in den Saal:Die Stimmen- zählung beginnt!" Der denkwürdige Augenblick ist gekommen. Die Plomben und Siegel der Urnen werden entfernt, der Inhalt wird auf den Tisch geschüttet. Die Zählung beginnt.

Wenn diese Zeilen durch die Rotationsmaschine laufen, dann ist die Zählung immer noch im Gange. Die Augen der Welt sind in diesen Stun­den auf das Abstimmungslokal in Saarbrücken gerichtet. Voll Spannung wird das Ergebnis er­wartet.

Auch im Saargebiet hat die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Das Saarvolk aber bangt nicht etwa um sein Schicksal, nein, es wartet nur auf die Bekanntgabe der Größe seines Sieges.

stschen Sieges

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Der riesiZv ^uäravZ vor äsn Ltimmlolralev lliv ärastisobss Plakat malmt äis ^bstiwimmgsborsolitiZtsn 2ur Disciplin

Saarbrücken, 14. Januar.

Nach Beendigung des Wahlgeschäftes wurden die Urnen aus allen Wahllokalen in den Bürger­meistereien zusammengebracht, begleitet von den Vertretern der politischen Parteien. Es muß je­doch leider festgestellt werden, daß in einzelnen Fällen die zugesicherte Begleitung durch die poli­tischen Parteien nichthinreichend gewähr­tet stet war. So waren in einem Falle für 14 Urnen nur zwei Mitglieder der Deutschen Front zugelassen. Gerade im Grenzkreise Merzig gestal­tete sich die Mitwirkung der Einheitsfront oft zu einer Groteske, sind doch dort teilweise nicht einmal die erforderlichen separatistischen Beisitzer aufzutreiben gewesen. Die Ueberführung der Urnen in die Bürgermeistereien konnte überall reibungslos bewerkstelligt werden.

Der nächtliche Transport der an vier Stellen gesammelten Wahlurnen aus den von Saarbrücken weiter entfernt liegenden Kreisen durch Sonderzüge war mit einer gewissen Mystik und Geheimnistuerei umgeben. Draußen am Eüterbahnhof in Saarbrücken sind die breiten Gittertore fest geschlossen. Anordnung durch eng­lische Kommandos: Es darf niemand in den

Güterbahnhof. Unterwegs schon an den Brücken und auf den Straßen sieht man überall berittene Polizei, die die Straßen bewacht. Dazu hier und da Kriminalbeamte. Fährt man am Eüterbahnhof entlang, dann entdeckt man plötzlich bei einer wei­teren Einfahrt große dreiachsige Geländelast­wagen der englischen Truppen. Also hier wer­den die Urnen aus den Zügen in die Lastwagen

umgeladen. Der ganze Eüterbahnhof ist mit englischem Militär besetzt, Schließlich läuft um 2,08 Uhr.der erste,Sonderzug, bestehend aus vier Packwagen mit den Urnen und je vorn und hinten einen Personenwagen mit dem militärischen Be- gleitkommando ein. Die Urnen werden in neun Geländelastkraftwagen umgeladen, in denen außer den englischen Posten auch die Begleiter der politischen Organisationen Platz neh­men. Ein großer Lastkraftwagen voll Militär setzt sich an die Spitze, ein zweiter an das Ende, und dann beginnt der erste Urnentransport durch die Stadt mit einer gewissen Feierlichkeit und einem Eifer, über den der Zuschauer zuweilen etwas lächeln muß. Die Straßen zwischen dem Eüterbahnhof und derWartburg" sind mit Aus­nahme dieser Leiden Punkte fast überall menschen- leer. Während der erste Transport abrollt, ist in­zwischen der zweite Sonderzug um'2.Z5 Uhr ein­gelaufen, der aus drei Packwagen und je zwei Personenwagen für das Begleitkommando am Be- ginn und am Schluß des Zuges besteht.

Zu mitternächtlicher Stunde treffen die ersten Urnen in derWartbur g" in Saarbrücken ein, dem Ort, wo Montagnachmittag 5 Uhr die Auszählung der Stimmen beginnt. Last­wagen auf Lastwagen rollt herbei. Urnen um Urnen, zunächst hauptsächlich aus den 140 Wahl­lokalen Saarbrückens, werden herangebracht, scharf bewacht von Militär. DieWartburg" ist hell erleuchtet, bereit zur Aufnahme von 860 graugrünen Büchsen, die als kostbaren Inhalt die Entscheidung des Saargebiets

Hinter Bajonetten...

Starker militürlscher Schutz her Wahlurnen in derWartburg

Wenn -Le Türken fasten...

RamaM, der fastenmonat der Mohammedaner / Von Charlotte Spaeter

Am 18. Dezember. Zwanzig mächtige Detona- tionen bringen die Fensterscheiben in den leicht- gebauten Häuser Jstambuls zum Klirren!

Das ist nachmittags um 5 Uhr. Am nächsten Morgen um die gleiche Zeit beginnt der Ramazan, die große Fastenzeit der Mohammedaner. Sie dauert genau 30 Tage.

Es mochte gegen 4 Uhr am anderen Morgen sein, als in allen Straßen und Gassen der Stadt dumpfe Paukenschläge ertönen. Die Gläubigen werden geweckt, um zu essen. Punkt 5 Uhr donnert ein Kanonenschuß durch das Stadtviertel, Sonnenaufgang! Von jetzt an darf nichts mehr genossen werden, kein Tropfen Wasser, keine Zigarette nichts! Bis zum Abend, zum Sonnen­untergang um 5 Uhr.

Still und zurückgezogen ist das Leben der Gläubigen in diesen 30 Tagen. In gesundheitlicher Beziehung stellt diese Zeit eine Kraftprobe dar, daher sind Kranke, Kinder und das Militär von der Fastenzeit befreit. Auffallend verändert ist natürlich das Leben und Treiben in der Nähe der Moscheen.

In den Vorhäfen derselben entwickelt sich eine Art Markt. Die hohen Wandelgänge sind dicht be­setzt mit kleinen Verkaussständen und es sind be­sonders Lebensmittel und Süßigkeiten, die hier angeboten werden. Die schlauen Händler rechnen mit den ausgehungerten Magen ihrer Kunden und wirklich ergießt sich Schlag 5 Uhr am Abend ein Strom von Käufern aus der Moschee. Als erstes genießt man nach dem zwölfstiindigen Fasten etwas recht Scharfes, Pikantes. Ich kann den Wunsch nicht unterdrücken, auch ein Stück jener braunen, zu- sammengedörrtenPaste" zu probieren. Oh, häiic ich es lieber nicht getan! Sie schmeckte wu

sämtliche Pfeffer- und Zwiebelsorten der Welt und brannte wie Feuer. Nein, dazu gehörte allem An­schein wirklich ein orientalischer Magen!

Mit freundlicheren Augen besehe ich mir daher die Stände der Obsthändler. Auf immergrünem Blattwerk und buntem Seidenpapier bieten sie ihre herrlichen Früchte dar. Zigarettenspitzenverkäufer stehen an allen Ecken. Farbenprächtige Teppiche werden dem Passanten vor die Füße gebreitet, Kelims entfaltet man auf der Straße und bringt dadurch den Verkehr zum Stocken. Ein bunter Trubel spielt sich hier vor den Eingängen zum Eotteshause ab!

Die Mitte des Vorhofes wird von einem großen Brunnen eingenommen. Herrliche Marmorkunst­werke findet man unter ihnen. Hier ist jetzt ein dauerndes Kommen und Gehen. Arm sitzt neben reich! In streng vorgeschriebener Reihenfolge wäscht man sich die Hände, den Mund, die Nase, den Kopf und den Nacken. Jede Bewegung wird dreimal ausgeführt. Kein Gläubiger würde unge­waschen vor seinen Gott treten!

An einem der Tore, die in das Innere der Mo­schee führen, gibt man seine Schuhe ab an einem Stand, oder man trägt sie in den Händen, um sie dann beim Beten auf die dafür angebrachten Gestelle zu legen. Dabei ist zu empfehlen, sie nicht unbeobachtet zu lassen. Die Not ist groß, und Schuhe ohne Löcher sind nicht zu verachten!

- Der schwere Ledervorhang, der alle Türen wäh­rend der kalten Zeit verhängt, ist hinter mir wie- der zugefallen. Dämmerige Stille umfängt mich.

Lautlos gehen die Menschen auf nackten Sohlen oder in Strümpfen über die wundervollen Tep­piche, die den riesigen Raum ganz bedecken und sie mit dicken Bastmatten unterlegt sind.

Wo es jeden beliebt, läßt er sich nieder. Die Köpfe der Betenden sind bedeckt. Mancher hat sich in Ermangelung eines kleinen weißen Mützchens ein Taschentuch über das Haar gebunden. Der farbige Fez, der seit Jahren streng verboten ist, hat entsetzlichen, gewöhnlichen Schirmmützen Platz gemacht. Diese dreht man beim Beten einfach mit dem Schirm nach hinten. Ein Mützenschirm ist einewestliche Errungenschaft" und gehört nicht vor das Antlitz Allahs.

Die Frauen sondern sich ab und suchen die Seitenteile der Moschee auf. Ich kniee mitten un­ter ihnen! Manche Türkin, deren höchster Wunsch es sonst ist, einer Europäerin so ähnlich wie nur möglich zu sein, hat für den Gang zum Eottes­hause wieder den Tschartschaf angelegt. Dieses schöne, vornehme Kleidungsstück verhüllt die Ge- sta.lt ganz und das Gesicht bis auf die Augen. Aus schwerer, schwarzer Seide ist das der reichen Frau, aus bescheidenem, aber auch dunklem Stoff das Gewand der Frau aus dem Volke. Ich sehe auch total verschleierte Köpfe!

Es ist erstaunlich, mit welcher Behändigkeit auch schwere Gestalten die tiefen, sich oft wieder­holenden Verbeugungen ausführen. Sehr schön sind die Bewegungen der Hände. Die Frauen halten sie in Brusthöhe leicht gewölbt, mit den Handflächen nach oben wie Opferschalen. Jetzt führt man sie einen AugenbliF vor das Gesicht! Leise und fein klirren die vielen Armreife, die das Handgelenk jeder Türkin umschließen, teils kostbar getrieben aus Gold, teils bescheiden und schmal aus Silber. Kleine Kinder, dick in Decken verpackt sitzen geduldig auf den Teppichen, rühren sich nicht und schauen aus großen, dunklen Au­gen in die Welt, die ihnen noch fremd ist. An­dere schlafen an der Seite der betenden Mutter ein.

Ein Hodja (Priester) hat auf der schmalen Treppe, die zu einer der Kanzeln hinaufführt. Platz genommen und spricht aus dem Koran.

Ernste Ermahnungen klingen gedämpft durch den Raum,Meidet die Kaffeehäuser, laßt euch nicht zu Spiel und Nakkitrinken verführen!" so wettert er.Allah ist überall, nichts auf der Welt geschieht ohne seinen Willen!!"

Andächtig lauscht die Menge. Droht er mit den Strafen, die Gott den Menschen für Misse­taten auferlegt, so geht Gemurmel und Kopf- schütteln durch die Reihen der Gläubigen. Es ist wie ein Erschauern!

-l-

Der höchste Tag des Ramazan ist derKadir". Er bedeutet die Uebergabe des Korans durch Allah an den Propheten.

Zum Abendgebet setzt eine Völkerwanderung ein nach allen Moscheen der Stadt. Die Aya Sofia aber, die auf einem großen Plateau mit­ten in Stambul liegt und die in ihren Dimen­sionen ihresgleichen sucht, ist das Ziel der mei­sten Gläubigen und Fremden!

Schon von außen macht der mächtige Bau heute einen festlichen Eindruck. Durch alle Fenster dringt das Licht, die schmalen Türme der Mina­rette tragen Lichterkränze und die Silhouette hebt sich fast plastisch vom nächtlichen Himmel ab.

Sämtliche Eingänge sind durch Polizei stark besetzt. Dieses Aufgebot dient weniger dem Schutze des Publikums, als der Beobachtung der^ Gläubigen und der Kontrolle der geistlichen Re­den. Der große Kemal Pascha hat wenig Ver­ständnis für die Strenggläubigkeit seiner Unter­tanen und findet, daß sie mit Beten zuviel ihrer Zeit verbrauchen. Das kann sich ein Volk. das im Rhythmus der modernen Zeit mitgehen will. nicht länger leisten! Die strenge Gläubigkeit ist jedoch ein Machtfaktor, mit dem gerechnet wer­den muß. daher betet man heute in der Türkei unter polizeilicher Bewachung!!

Alle Sprachen der Welt schwirren 7 n meinem Ohr vorüber, alle Botschaften sind ve> reten. Re­porter und Photographen machen sich oen Platz

streitig. Endlich darf ich das Tor passieren! Durch einen unheimlich langen Wandelgang, der steil aufwärts führt, gelange ich auf die Galerie im Inneren der Moschee. Es ist schwer, sich einen Vorderplatz zu erkämpfen, schließlich gelingt es aber doch. Ein überwältigender Anblick bietet sich dar!

Unter mir kniet eine vieltausendköpfige Menge in schnurgeraden Reihen. Man ist mitten im Gebet! Der Hodja kniet vor dem Altar und betet vor. In langen, klagenden Tönen klingt es durch den Raum. Die Gläubigen beten nach und es macht den Eindruck eines wogenden Meeres, wenn sich alle gleichmäßig verbeugen, erst halb. dann tief, mit der Stirn den Boden berührend. Das wiederholt sich in kurzen Ab­ständen und dauert fast eine Stunde lang.

Sämtliche Lichter brennen, alle Galerien und Kuppeln sind illuminiert. Es wirkt phantastisch. Plötzlich erhebt sich alles und strömt ungeordnet dem Altare zu. Dort hat sich auf einem Stuhl ein anderer Hodja niedergelassen. Er spricht in schönen getragenen Worten zur Gemeinde.

Da erhebt sich mitten im Gedränge eine vor Erregung zitternde Stimme:Gläubige Mo­hammedaner! Man will uns unseren Glauben verbieten, man will uns unseren Koran nehmen, unseren Kindern versagt man den Religionsun­terricht in den Schulen. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen!!!"

Aufregung bemächtigt sich der Menge. Eemur- mel wird laut. Polizei drängt sich rücksichtslos durch die Gläubigen und nimmt den Aufwiegler fest. Es wimmelt auch hier bis in die höchsten Kuppeln hinauf von Uniformen.

Die Gemüter beruhigen sich wieder. Ein grei­ser Hodja beginnt zu sprechen. Die Endsilben läßt er singend verklingen. Jetzt steht das Volk und nur zuweilen geht es wie ein mächtiges Brausen durch den mächtigen Raum.Jmen!" (Amen) antwortet die Gemeinde. Mit schönen,