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Nr. 14 /1. Vierteljahr
Ersatz.
Teeren 6-8 / Fernruf: Roland 825.
Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr. der Schristleitung werktäglich von 16—17 Uhr.
Montag, 14 . Januar
Einzelpreis 1Z Rps.
Ruhiger Verlauf der Abstimmung im Gaargeviet
Mustergültige Disziplin der Deutschen Front / Außerordentliche, zum Teil hundertprozentige Wahlbeteiligung Ueber 100000 Volksgenossen reisten zu ihren Wahlorten / Bekanntgabe der Ergebnisse Dienstag früh
Wie gewählt wurde
Die Saarbevölkerung hat ihre Pflicht getan änd. Saarbrücken, 13. Januar.
Um 19 Uhr war der Ansturm in den Wahllokalen fast vollkommen abgeflaut. Im Abstimmungslokal I, im Rathaus Saarbrückens, fanden sich kurz vor 20 Uhr eine Reihe von Journalisten und Bildberichterstattern ein, um dem denkwürdigen Augenblick des Schlusses der Wahl beizuwohnen. Der Wahlvorsitzende, Johann Peter Martin, Gerichtssekretär in Luxemburg, schloß Punkt 20 Uhr die Wahl, indem er durch einen Polizeibeamten weiteren Personen den Eintritt in das Wahllokal verwehren ließ.
- Wie er selbst erklärte, ist jedoch von 18.55 Uhr niemand mehr im Wahllokal erschienen. Die Leute hätten mustergültige Disziplin gehalten, kein Murren habe man gehört, obwohl manche bis zu einer Stunde hätten warten müssen. Von den 629 Wahlberechtigten in seinem Bezirk hätten nur 17 nicht abgestimmt. Da die Wahlberechtigten nach dem Alphabet auf die Abstimmungslokale verteilt waren und die Abstimmungsausweise ebenfalls alphabetisch numeriert wurden, so erhielt die Nummer 1 bei der Volksabstimmung im Saargebiet der am 9. 8. 63 in Bingen am Rhein geborene Oberlokomotivfllhrer i. R. Franz Nach. Die Zahl der ungültigen Stimmen ist ebenfalls in seinem Wahllokal außerordentlich gering. Auch die Beobachtungen in allen anderen Bezirken berechtigen zu der Feststellung, daß die ganze Saarbevölkerung restlos ihre Pflicht getan hat.
Gleich nach Schluß der Wahl erschien im Wahllokal das holländische Mitglied der Abstimmungskommission Blehr, um sich über den Verlauf der Wahl zu informieren. Er ermähnte den Wahlvorstand, die Urne wie ihre eigene Frau oder ihr Kind zu betrachten und zu behandeln. Der Wahlvorsitzende und seine Beisitzer machten sich dann an die Fertigstellung des Protokolls.
Nachdem gegen 19 Uhr der Verkehr in der Stadt etwas abgeflaut war, setzte er um 20 Uhr, als die Wahl geschlossen wurde, mit großer Kraft wieder ein. Vor dem Rathaus, wo sich die ersten drei Abstimmungslokale befinden, sammelte sich eine große Menschenmenge. Ein Filmwagen fuhr vor, um den Augenblick des Heraufbringens der Urnen, die bekanntlich vom Wahlvorstand begleitet werden, zu filmen. Vor den Schaufenstern zahlreicher Geschäfte, in denen Bilder des Führers und Bilder aus der Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung ausgestellt waren, sammelten sich ebenfalls große Menschenmengen, und hier und da wurden Heil-Rufe auf den Führer oder auf Deutschland laut. An einzelnen Stellen sang die Menge auch begeistert das Horst-Wessel- Lied.
Im Laufe des Nachmittags hatte der Präsident der 'Abstimmungskommission Rodhe, eine Rundfahrt durch das Saargebiet gemacht und eine Reihe von Wahllokalen inspiziert. Er hat dabei auch kleine Mißstände abgestellt. Im allgemeinen ist es, von Ausnahmen abgesehen, zu irgend welchen Zwischenfällen bei der Wahl nicht gekommen. Die Leute haben alle in geradezu wundervoller Weise Disziplin gehalten und sind den 18 Abstimmungsgeboten der Deutschen Front restlos gefolgt. So stand als Parole über dem Tage das Wort auf den Mahn- plakaten vor den Wahllokalen: „Maul halten!" Sprechen aber werden die Stimmzettel, auf denen die Saarländer ihren unumstößlichen Willen vermerkt haben.
Bei der 8tatus-c,uo-Front ist man, je weiter der Tag vorschreitet, desto nervöser geworden. Selbst ausländische Journalisten erzählen, wie man im Gebäude der „V o l k s st i m m e" mit bleichen Gesichtern herumlaufe, wie dort in vielen Zimmern bereits gepackt und auch eine Reihe von Räumen bereits ausgeräumt sei. Man gebe dort die Schlacht längst verloren und bereite sich auf die Abreise nach Elsaß-Lothringen vor.
In den Straßen der Stadt Saarbrücken und der anderen großen Städte herrscht am Abend reges Leben. Alle Lokale sind überfüllt. Es ist kaum ein Platz zu bekommen. Und durch die in ihrer Lichterpracht glänzenden Straßen fluten dichte Menschen ströme auf und ab, und das trotz des nassen Wetters, da der am Sonnabend gefallene Schnee in den engen Straßen der Städte getaut ist und nun ein richtiges Matschwetter herrscht. Immer noch sieht man die Autos des Motordienstes der Teutschen Front hin und her flitzen, die letzten noch Säumigen zu holen oder die letzten angemeldeten Kranken und Gebrechlichen in ihre Wahllokale zu befördern. Schon jetzt ist eine ungeheure Spannung zu spüren, und das Gespräch des Abends ist überall der vermutliche Ablauf der Wahl. Es werden Prozentzahlen für die Wahlbeteiligung genannt und Mutmaßungen für das Abschneiden der beiden Richtungen aufgestellt. Es ist aber müßig, vorher irgendeine Prophezeiung machen zu wollen. Nur eins ist unbedingt sicher: Der Sieg der Deut-
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Letzte Teerorversuche
Kommunistischer Bombenanschlag in Reunlirche»
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Saarbrücken. 13. Januar.
Die Volksabstimmung im Saargebiet ist beendet. Der 13. Januar ist im ganzen Abstimmungsgebiet ruhig verlausen. In der Hauptstadt Saarbrücken ist es zu keinem nennenswerten Zwischensall gekommen; auch aus den übrigen Teilen des Saargebiets liegen keine beunruhigenden Meldungen vor. Somit ist festzustellen, datz sich die Saarbevölkerung außerordentlich diszipliniert verhalten hat. Die Wahlbeteiligung hat einen außerordentlich hohen Prozentsatz erreicht.
Der Beginn der Abstimmung war auf 8 Uhr morgens festgesetzt. Bereits eine Stunde vorher fanden sich die ersten Abstimmungsberechtigten vor den Wahllokalen ein, und um 8 Uhr, als die Türen geöffnet wurden, zählte man schon Hunderte von Menschen. Die Wahlhandlung selbst ging ziemlich langsam vor sich. In dem Abstimmungsraum waren nur drei Isolierzellen; außerdem nahmen Namensaufruf, Einsicht in den Paß und sonstige Formalitäten recht viel Zeit in Anspruch. Hatte jemand in der langen Schlange der anstehenden Menschen wegen des endlosen Wartens die Geduld verloren und begann zu murren, so wurde er von den übrigen Anwesenden sofort zur Ruhe ermähnt.
So standen Hunderte von Menschen stundenlang. ohne ein Wort zu sagen, in Doppelreihen hintereinander und warteten, bis sie an der Reihe waren, um ihre Stimme ab-
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zugeben. Kranke und ältere Personen wurden ohne weiteres bevorzugt zur Stimmabgabe zugelassen.
Nichts deutete rein äußerlich in Saarbrücken darauf hin, daß heute hier und im übrigen Saargebiet mit dem Stimmzettel die vielleicht wichtigste politische Entscheidung des Jahrhunderts gefällt wird In den Hauptstraßen der Innenstadt ist kein übermäßig starker Verkehr — wahrscheinlich die Folge des schlechten Wetters. Der starke' Schneefall. der in der Nacht zum Sonntag plötzlich einsetzte und den ganzen Tag über andauerte, hat am Abend aufgehört. Wenn auch noch der Frost anhält, so ist doch die weiße Decke langsam verschwunden und hat sich in Schmutz und Dreck verwandelt.
Nur auf der Zugangsstraße zum Bahnhof herrscht lebhafterer Verkehr. Abstimmungsberechtigte, die mit Sonderzügen in Saarbrücken eingetroffen waren, aber ihre Stimme in anderen Orten des Saargebiets abgeben müssen, weil sie dort am Stichtag wohnten, fahren nach St. Ingbert, Ludwei- ler, Homburg usw. Auf den Bahnsteigen selbst kann kein Apfel zur Erde fallen. Bahnsteigkarten werden nicht ausgegeben. Die Eisenbahndirektion hat für diese Tage einen ziemlich umfangreichen Sonderfahrplan herausgegeben. Alle paar Minuten rollt ein Zug aus der Halle. Polizeibeamte sind nicht sehr viel in der Stadt zu sehen. Man hat den Eindruck, daß nur die zur Aufrechterhaltung des Verkehrs
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unbedingt notwendigen Beamten auf die Straße geschickt worden sind, während der übrige Teil in Alarmbereitschaft liegt. Desgleichen vermißt man in dem Gewühl des Verkehrs das bunte Tuch der ausländischen Militärs, die ebenfalls in ihren Kasernen zusammengezogen sind. Ab und zu, aber im Verhältnis zu den vorhergehenden Tagen recht wenig, taucht mal hier, mal dort ein Ueberfallwagen auf und durchstreift die Straßen. Alles in allem: ein Wahltag ohne Radau, Plakatträger und Sprechchöre.
Die Spannung, die bis heute morgen einer Fieberkurve gleich angestiegen war, ist abgeflaut. Die Bevölkerung hat ihre Stimmzettel in die Urne geworfen. Man nimmt mit großer Freude und Befriedigung davon Kenntnis, datz der Volksentscheid an der Saar durchgeführt ist und weiß, datz die Entscheidung über das zukünftige Schicksal des Saarlandes nun endlich gefallen ist. Zwar liegt das Ergebnis noch nicht vor. Am Montagabend erst beginnt die Zahlung der Stimmen; dann wird erneut die Spannung ansteigen. Sie wird bis ins Unermeßliche gehen, um am Dienstagmorgen, wenn der Präsident der Abstimmungskommission, Rodhe. durch den Aether der Welt davon Mitteilung machen wird, datz sich der überwiegende Teil der Bevölkerung für eine Rückgliederung des Saargebiets an Deutschland ausgesprochen hat, unbeschreiblichem Jubel, Freude und Begeisterung Platz zu machen. Tann ist die Heimkehr ins Reich gesichert, nach der man sich 15 Jahre lang gesehnt hat.
Sperrung -er Lothringer Grenze
Französisches Einreise-Visum für alle Saarländer nötig
Saarbrücken, 13. Januar.
Wie die Regierungskommission des Saargebietes, Direktion des Innern, mitteilt, hat die französische Regierung beschlossen, daß vom 13. Januar, 15 Uhr, ab die Inhaber von saarländischen Reisepässen für deutsche Staatsangehörige (es gibt keine saarländische Staatsangehörigkeit!) zur Ueberschreitung der Grenze im Besitz eines besonderen Visums sein müssen. Infolge dieser Maßnahme sind sämtliche von der Regierungs- kommission erteilten Einreisegenehmigungen für Frankreich, ungeachtet ihrer Geltungsdauer, hinfällig und müssen durch ein Visum des französischen Konsulats ersetzt werden.
Bisher brauchten Saarländer ein französisches Visum nicht, sondern konnten ohne weiteres die Grenze überschreiten. Jeder Saareinwohner, der sich künftig nach Frankreich begeben will, ist verpflichtet, sich in seinen saarländischen Reisepaß (der rote Personalausweis genügt nicht mehr) ein Visum beim französischen Konsulat eintragen zu lassen. Es heißt in der Mitteilung weiter, daß jede Person, die die Grenze ohne dieses Visum zu überschreiten versuche, sich der Gefahr einer Zurückweisung aussetze. Lediglich die augenblicklich noch in Kraft befindliche Regelung für
Erenzkarten wird durch diese Bestimmung der französischen Regierung nicht berührt.
Das plötzliche Inkrafttreten dieser Verordnung, die erst bekanntgegeben wurde, nachdem sie bereits in Kraft gesetzt war, zeigt, daß Frankreich sich über den Ausgang der Saarabstimmung vollkommen klar ist und nunmehr die Grenze zwischen dem Saargebiet und Lothringen als seine Grenze betrachtet. Bisher herrschte zwischen Lothringen und dem Saargebiet völlige Freizügigkeit, so daß praktisch als französische Paßgrenze die Zollgrenze des Saargebietes gegen Deutschland zu betrachten war. Man will sich zweifellos durch diese Verordnung vor dem Emigranten ström retten, der nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses aus dem Saargebiet nach Frankreich fluten wird. Frankreich hat kein Interesse an den Emigranten, und es sind in Frankreich bekanntlich in den letzten Tagen bereits zahlreiche Stimmen laut geworden, die sich gegen die zuwandernden Emigranten und Separatisten energisch zur Wehr setzen.
Es ist nunmehr auch klar, weshalb die französischen Grenzwachen an der saarländischen Grenze, die bisher nur sehr schwach besetzt waren, plötzlich so außerordentlich verstärkt worden sind
und warum auch die Grenzkontrolle plötzlich so streng gehandhabt wird.
Hungermarsch aus Varis
Paris, 13. Januar.
Der Hungermarsch der sozialdemokratisch-kom- munistischen Einheitsfront auf Paris ist nicht ohne Zwischensall verlaufen. An der Porte d'Jtalie stieß ein großer Trupp auf eine starke Polizeiabteilung. Als die Arbeitslosen der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht nachkamen, griffen die Beamten rücksichtslos durch. Bei den Zusammenstößen sind mehrere Demonstranten und einige Polizisten verletzt worden. Ein Bildberichterstatter des „Paris Soir", der angeblich seinen Presseausweis vorgezeigt hätte, befindet sich unter den Verletzten. Auch ein Mitglied des Generalrates des Seine-Departements, das vermittelnd einzugreifen versuchte, soll dabei übel zugerichtet worden sein. Die Linkspresse ist über das Vorgehen der Polizei sehr aufgebracht und fordert Aufschluß von der Regierung. Die Pariser Polizeidirektion erklärt dagegen, datz die Zwischenfälle als bedeutungslos bezeichnet werden müßten.
Saarbrücken, 18. Januar.
Die Kommunisten und Separatisten haben im Laufe des Abends, nachdem ihnen Aar geworden ist, datz sie nichts mehr zu gewinnen haben, versucht, durch Terror eine Art Katastrophen» stimmung zu entfesseln und noch irgend etwas für sich zu erreichen. Interessant ist dabei, datz schon am Nachmittag vor der Wohnung des Herrn Heimburger, des Direktors des Innern, ein ziemlich reger Verkehr herrschte. In der Dämmerung kamen sie aus ihren Schlupfwinkeln heraus, um zu versuchen, irgendwie Unruhe zu stifte«.
Es wurde dann in den Abendstunden gegen das Verkehrsbüro der Deutschen Front in Neunkirchen eine Bombe geworfen, wodurch aber glücklicherweise niemand verletzt wurde. Die Polizei wurde hier sehr schnell eingesetzt und konnte den Mob bald auseinander sprengen und schnellstens Ruhe schaffen.
In Saarbrücken versuchten die Kommunisten, nach 21 Uhr abends einen Demonstrationszug zustande zu bringen, der aber infolge der zahlenmäßigen Unbedeutendheit der Separatisten scheiterte. Nur etwa ISO Menschen (!) zogen trotz des Demonstrationsoerbotes unter dem Gegröhl der Internationale die Bahnhofstraße entlang, bis an der Ecke Friedrich Ebert-Straße das Publikum in lautes Gelächter ausbrach. Daraufhin schlugen die Kommunisten auf das Straßenpublikum ein. Das Publikum wehrte sich sehr kräftig u^> es kam zu einer Schlägerei. Gleich darauf erschienen einige Polizeibeamte und trieben mit dem Gummiknüppel die Ansammlung auseinander. Die Kommunisten fluteten hastig in die Friedrich Ebert-Straße und in die dunklen Seitenstraßen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie noch weitere derartige Schlägereien zu entfesseln versuchen werden. Das wird aber zweifellos an der Disziplin der Deutschen Front scheitern, deren Angehörige auch weiterhin nicht auf die Straße gehen, sondern zu Hause bleiben, um den Separatisten jegliche Angriffsmöglichkeit zu nehmen. Es darf erwartet werden, datz die Polizei, ebenso' in Neunkirchen und Saarbrücken auch sonst separatistischer Terrorversuche schnell Herr wird.
Lächerlich wirkt es dabei, daß die Separatisten nunmehr, nachdem sie restlos verloren haben, eine Art Pogromstimmung zu entfesseln versuchen, indem sie immer wieder der Auslandspreise beteuern, sie stünden unter dem Terror der Deutschen Front und würden verfolgt. Es handelt sich um eine Art Verfolgungswahn; diese Herren glauben, daß ihre Beteuerungen dadurch glaubhafter werden, datz sie sie, wie nun schon seit Wochen, täglich wiederholen, ohne auch nur den geringsten Beweis geben zu können.
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In Neunkirchen konnten heute nacht bei dem Kommunisten Witte fünf Zentner Flugblätter beschlagnahmt werden. Es handelt sich bei dem beschlagnahmten Material ausnahmslos um gefälschte Mitteilungen und Erlasse der Deutschen Front, die als von der Kreisleitung Neunkirchen stammend bezeichnet wurden. Dieser Vorfall ist ein neuer Beweis für die vielen Vorkommnisse der letzten Tage, bei denen die Separatisten durch Fälschungen und mißbräuchliche Verwendung des Namens der Deutschen Front die Bevölkerung zu beunruhigen und die Behörden gegen die Deutsche Front aufzuhetzen versuchten. Glücklicherweise aber schenkte niemand mehr diesen lügnerischen Machenschaften der Verzweifelten irgendwelchen Glauben.
scheu Front. Denn das hat der ganze Tag eindeutig bewiesen. Nirgends sah oder bemerkte man noch etwas vom Status guo. Er war vollkommen in der Versenkung verschwunden.
Mehrere Mitglieder und Beamte der Abstimmungskommission äußerten sich außerordentlich anerkennend über die musterhafte Lrganisations- arbeit und die von ihnen immer erneut als bewunderungswürdig gepriesene Disziplin der Teutschen Front, durch die ihnen die Arbeit in den letzten Tagen, insbesondere aber auch die Arbeit in den Wahllokalen am heutigen Tage so außerordentlich erleichtert worden sei. Langsam und stockend ging die Arbeit nur dort, wo die Wahlvorsitzenden der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Aber auch dort ist es zu nennenswerten Zwischenfällen irgendwelcher Art nicht gekommen.
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Die Abstimmungsbestimmungen sehen bekanntlich vor, daß jeder an dem Ort abstimmen muß, au dem er am Stichtag im Jahre 1919 wohnte. Und so erlebt man es, daß ganze Familien nach
den verschiedensten Orten unterwegs sind. Da treffen wir auf eine Saarbrücker Beamtenfamilie; der Mann muß nach Merzig, die Frau nach St. Wendel und die fünf ebenfalls schon wahlberechtigten Kinder nach fünf weiteren Orten des Saargebietes, in denen sie geboren sind. Ganze Familien werden auseinandergerissen, und manche Leute haben bei den schlechten Verkehrsverbindungen fast eine Tagesreise zurückzulegen, um ihrer Wahlpflicht genügen zu können. Aber sie scheuen diese Mühe nicht. Der Wille zu Teutschland ist so mächtig, datz sie jede Strapaze aus sich nehmen, um unbedingt von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen zu können.
Wir haben Arbeiter aus dem tiefen Waldgebiet des Saarlandes getroffen, die neun Kilometer zu Fuß im Schnee gehen mußten, um das Wahllokal zu erreichen. Der Schlepperdienst war von der Deutschen Front mustergültig organisiert worden. Die Einwohnerschaft von Hunderten von Orten mußte zu ihren Wahlorten transportiert werden, und es gab Stunden, in denen sich in manchen Dörfern nur wenige Personen aufhielten, da alles andere zur Wahl gefahren war. Gegen Mittag hatten in den Dörfern des Warndt- Eaues im Kreise Merzig, im Kreise St. Wendel und im Blies-Gebiet schon fast sämtliche Wahl
berechtigten abgestimmt. So hatten z. B. von 255 Wahlberechtigten in Karlsbrunn mittags schon 252 ihr Stimmrecht ausgeübt, darunter auch der 86jährige ehemalige Pfarrer von Karlsbrunn, der den weiten Weg aus dem Ruhrgebiet nicht gescheut hatte. Zum Transport wurden außer den sämtlichen Autobussen und Personenwagen des Saargebietes auch 200 Postautobusse aus Deutschland benutzt. Von einem Schlepperdienst der Einheitsfront war nirgends etwas zu bemerken.
Eigenartig war das Wahlsystem in Saarbrücken. Dort wurde alphabetisch abgestimmt. So mutzten sämtliche Müller aus Saarbrücken fast quer durch die ganze Stadt zu einem in einem Vorort gelegenen Wahllokal fahren. Im Rathause stimmten die Einwohner von Adam bis Lohn ab, in einem Wahllokal sämtliche Schmidt, und Verwechselungen konnten bei dieser großen Fülle gleichlautender Namen natürlich nicht ausbleiben. Im Kreise St. Wendel machte die Zahl der Wahllokale einen besonders umfangreichen Schlepperdienst erforderlich. 23 000 Leute mutzten hier befördert werden. (Siehe auch Seite 2)
Bei dem Juden Paul Levy in Saarlouis wurde heute nacht durch eine polizeiliche Haussuchung ein umfangreiches Munitionslager französischen Ursprungs entdeckt. Die Polizei konnte acht Sprengbomben, zweihundert Schuß Para- bellum-Munition und dreißig Kilogramm Ekrasit beschlagnahmen. Levy wurde sofort verhaftet.
Es ist ganz offensichtlich, daß diese Funde auf die schon verschiedentlich beanstandete mangelhafte Abschließung der Grenze nach Lothringen zurückzuführen sind. Ueber die Herkunft des Materials besteht kein Zweifel. Um größere Beunruhigungen in der Bevölkerung zu vermeiden, muß nochmals allen Ernstes verlangt werden, daß die Negierungskommission die erforderlichen Maßnahmen zur hermetischen Erenzschließung ergreift, damit unter allen Umständen die Grenzüber- querungen durch unerwünschtes Gesinde! und gemeingefährliche Gegenstände verhütet wird.
Der im Zusammenhang mit den gemeldeten Waffenfunden in Saarlouis im Sonnabend verhaftete Paul Levy ist im Laufe des Sonntags in das Gefängnis in Saarbrücken eingeliefert worden. Gleichzeitig wurde der Emigrant Ries verhaftet, der ebenfalls am Zustandekommen des geheimen Waffenlagers beteiligt ist.