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Nr. 12 /1. Vierteljahr
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Sonnabend, 12. Januar
Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr. der Schriftleitung werktäglich von 18-1? uyr.
Einzelpreis is Rpf.
Gaargebiet geschlossene Einheit im neuen Reich
Berlin, 11. Januar Amtlich wird mitgeteilt: „Das Saar- gebiet wird bei der Rückgliederung in der geschlossenen Einheit übernommen werden, in der es in den Zähren des Kampfes um sein Deutschtum zusammengestanden hat.
Saar und Vfalz werden ferner zu einem einheitlichen Gau der RSDAP unter dem Gauleiter des Gaues Rheinpfalz, Joses Bürckel, zusammengefaßt werden. Gauleiter Bürckel, der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, ist zugleich zum Relchskommissar für die Rückgliederung des Saargebiets bestellt worden."
Völkerbunöörat tagt
Gens, 11. Januar.
Der Völkerbundsrat hat heute vormittag unter Vorsitz des türkischen Außenministers Rüschtü Aras zunächst in geheimer Sitzung getagt. Bei dieser Gelegenheit kam die abessinische Beschwerde gegen Italien zur Sprache. Abessinien behält sich vor, die Frage noch im Laufe der jetzigen Tagung vor den Rat zu bringen, besteht aber nicht darauf, daß seine Beschwerde schon jetzt auf die Tagesordnung gesetzt wird.
Im Anschluß an die geheime Tagung versammelt« sich der Völkerbundsrat zu einer öffentlichen Atzung. Sir John Simon, Baron Aloisi, Litwi- now und für Frankreich Massigli waren als Vertreter der Großmächte anwesend. Im übrigen fehlen noch der polnische Auhenminister Beck und die drei Außenminister der Kleinen Entente.
Die öffentliche Sitzung wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden zu Ehren des verstorbenen Mitgliedes des Haager Gerichtshofes und früheren Völkerbundsdelegierten Japans, Adat- schi, eröffnet.
Im weiteren Verlauf seiner Sitzung hörte der Rat den Bericht Litwinows über die Verunreinigung der Meere durch Oelrück- stände an. Die Frage hat deshalb eine Bedeutung, weil man einen schädigenden Einfluß dieser Oelrückstände auf den Fischbestand festgestellt hat. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt werden mit dem Ziel, ein internationales Abkommen abzuschließen, das diese Verunreinigung einschränkt. Außenminister Simon gab dem großen Interesse seines Landes an dieser Frage Ausdruck.
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Ueberraschenderweise ist für Sonnabend mittug doch noch eine Ratstagung anberaumt worden, die, wie verlautet, dem einzigen Zweck dient, die Vollmachten des Dreier-Komitees über die Saarabstimmung hinaus zu verlängern. Das Dreier- Komitee wird also an den Entscheidungen über die Saar auch weiterhin mitwirken.
Richard Suringer
Gleichnisse
1.
Ein Kind fiel in den Mühlenbach. Da stürzte alles, was da war und Mann war, sich köpflings ins Wasser, es zu retten.
Nur einer blieb am Ufer stehen, verschränkte die Arme, und sagte: „Ja, sein Vater war ein Säufer."
Und während die Männer in Angst sich plagten, das Kind zu finden, und selbst schier ertranken, stand er mit verschränkten Armen und sagte: „Ja, der Vater war ein Säufer".
Und er sagte sogar die Wahrheit; denn der Vater war wirklich ein Säufer.
Aber es galt nicht, dies festzustellen, jetzt, da ein Rettungswerk zu tun war, sondern es galt, das Kind zu retten.
Und die Männer fischten es auch, knapp genug vorm Mühlenwehr, und hoben es keuchend aus den Fluten und retteten es und betteten es und erweckten ihm die Geister.
Der Mann mit den verschränkten Armen aber nickte und stand dabei als einzig Trockener und sagte: „Und nun seid ihr naß geworden."
Und er sagte auch da die Wahrheit; denn sie waren tropfnaß geworden, und ihr Anzug blieb verdorben.
Aber es ging nicht darum, daß sie naß geworden waren, sondern daß sie das Kind gerettet.
Davon aber sagte der Mann nichts.
Und so gibt es heute Leute, die lügen nicht, bewahre, nicht! Aber sie sagen lauter Wahrheit, die jetzt nicht am Platze ist. Sie stellen lauter Dinge fest. unbeteiligt und unmenschlich, um die es nicht geht beim Rettungswerk. Und während die Männer ihr Leben wagen, das zu tun, was eben not tut, holen sie Tatsachen hervor, die zwar nicht zu leugnen sind, die aber ganz belanglos sind für die Taten, die zu tun sind.
Letzte Schikanen an der Saar
Absperrung des Bahnhofsplatzes beim Eintreffen der Gonderzüge / Zwei deutsche
Bergwerksbeamte wegen des Hitlergruhes entlassen
(vrabtderielit unseres ins 8sarxeb
Saarbrücken, 11. Januar.
In ganz Saarbrücken zeigt sich eine fieberhafte Spannung. Die nervöse Stimmung ist durch eine zwecklose und an sich auch wenig gerechtfertigte Maßnahme der saarländischen Polizei noch weiter gesteigert worden. Kurz vor dem Eintreffen der Sonderzüge mit Abstimmungsberechtigten am Freitagmorgen waren berittene Polizei und mehrere Abteilungen der Saarlandjäger vor dem Bahnhof aufmarschiert und sperrten in weitem Umkreis den ganzen Bahnhofsvorplatz ab, so daß die Bevölkerung die zur Abstimmung ins Saargebiet geeilten deutschen Briider nicht so feierlich wie sonst empfangen konnte.
Der Bahnhofsvorplatz war von den frühen Morgenstunden bis etwa gegen 14 Uhr, als der
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letzte für heute angemeldete Sonderzug in Saarbrücken eingelaufen war, von der Polizei abgeriegelt. Für den Zugang in die Stadt war nur eine einzige Straße freigehalten worden. Die Angehörigen der Reisenden durften nicht zum Empfang auf den Bahnsteig. An eine herzliche Begrüßung auf der Straße war nicht zu denken, da die Polizei strenge Anweisung hatte, sofort und unnachsichtlich einzuschreiten, wenn jemand auf der Straße stehenbleiben sollte.
Da der Hauptgrund für diese Maßnahme darin zu suchen ist, daß das Bekenntnis der Saarländer zu Deutschland in den Heil-Rufen und im Absingen des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes gewissen Kreisen nicht genehm ist, hat sich der Bevölkerung über diesen neuerlichen Unter- drückungsversuch der Regierungskommission eine
große Empörung bemächtigt. Sie steigerte sich noch, als im Lauf des Tages bekannt wurde, daß die französische Bergwerksdirektion zwei in ihren Diensten stehende deutsche Beamte fristlos entlassen hat.
Als Grund für diese rechtswidrige fristlose Entlassung wird angegeben, daß diese zwei Deutschen anläßlich des gestrigen Empfanges der Saarländer aus Südamerika beim Singen der Nationalhymne — so wie es sich für jeden Deutschen aus deutschem Boden gehört — den Arm zum Schwur erhoben hätten. Die Entlassungen sind ein Zeichen für das Rachegefiihl der französischen Bergwerksdirektoren, die von ihrer sicheren Niederlage am Sonntag bereits hundertprozentig überzeugt find» aber nun noch einmal die letzten Stunden ihrer Herrschaft zur Befriedigung ihrer Machtgefühle benutzen wollen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Appell an -as Volksbewußtsein
Der letzte Aufruf der Deutschen Front / Freiheit und Friede an der Gaur
Saarbrücken, 11. Januar.
Die Landesleitung der Deutschen Front erläßt zum letzten Male vor der Abstimmung einen großen Schlußruf, in dem sie noch einmal an das Volksbewußtsein aller Saarländer appelliert. Die Saar will die Freiheil und den Frieden, und darum gebe die Deutsche Front jedem Saarländer in dieser denkwürdigen Stunde die Hand.
Der Aufruf lautet:
„Deutsche Männer und deutsche Frauen an der Saar. 18 lange bittere Jahre der gewaltsamen Trennung vom Vaterlands gehen zu Ende. Ein gewaltiger opfervoller und siegreicher Kampf für das deutsche Volkstum steht vor seiner Vollendung und Krönung.
Menschen wollten sich unterfangen, uns, die die göttliche Vorsehung zu Deutschen werden ließ, unserem Volkstum zu entfremden, ja sogar zu entreißen. Alle Versuche mußten kläglich scheitern. Denn: was Gott zusammenfügt, kann der Mensch nicht trennen!
Männer und Frauen der deutschen Eidgenossenschaft!
Uns ist in diesen 15 Jahren wahrhaftig nichts erspart geblieben. Das deutsche Volkstum an der Saar hat in seiner harte» Prüfung den Kelch bis zur Neige geleert. Wer so in der Schmiede des Kampfes gestählt wurde, den können nun auch die letzten jämmerlichen und tollsten Auswüchse der Unwahrhaftigkeit der Gegner Deutschlands nicht irremachen.
Aus unsagbarem Haß einen volksfremden Egoismus werden die Gegner nichts unterlassen, um mit Lüge und Verleumdung, mit Niedertracht und Gemeinheit alles, was uns unantastbar und heilig ist, bis in die
letzte Stunde der Abstimmungshandlung zu besudeln. An euch, an eurer festgefügten Front, an eurer Treue zu Volk und Vaterland müssen und werden stets Judasse scheitern. Im Kampf und DWplin bewährt, habt ihr für die verantwortlichen Schürer des Bruderhasses, die das Kainsmal ewig auf ihrer Stirn tragen, nicht einmal mehr einen Blick übrig.
Aber du, deutscher Bruder, der du durch Verhetzung und deshalb in Verblendung die Faust heute noch ballst, denk an deine Kameraden, die geblieben sind für Deutschland und damit auch für dich und unser aller Freiheit!
Kannst du und willst du abseits stehen? Willst du vielmehr nicht lebender Erbe des Vermächtnisses der Bannerträger der Freiheit aller Deutschen sein?
Wir wollen nicht, daß du, deutscher Arbeiter, und du, gläubiger Christ, als Opfer der Verhetzung unseren Toten untreu wirst und deine Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum damit aufgibst. Nein, erst dann wird unser Glaube seine Vollendung, unser Sehnen seine Erfüllung finden, wenn sich auch die letzte schwielige Faust geöffnet hat und der letzte Zweifler an der gottgewollten unlösbaren Verbundenheit zwischen Religion und Volkstum sich in unsere Eidgenossenschaft eingliedert.
Ihr alle, die ihr innerlich euer Vaterland nicht verraten konntet, seid eingedenk, daß eine deutsche Mutter euch geboren hat, die, wie die kommenden Geschlechter, nur in deutscher Erde ihre letzte Ruhe finden kann.
In dieser denkwürdigen Stunde reichen wir alle» deutschen Brüdern und Schwestern an der Saar im Bewußtsein unserer Zusammengehörig
keit die Hand. Wir schlage» ein. Wir fühlen den Pulsschlag des gleichen Blutes. Wir empfinde» und wissen, was es heißt, daß nur in der Volksgemeinschaft Freiheit und Friede einer Nation verbürgt sind.
Das ist unser geschichtliches Bekenntnis» das wir mm 13. Januar ablegen wollen vor aller Welt.
Wir wollen die Freiheit, wir wollen den Frieden. Die Freiheit der großen deutschen Nation ist der Friede der Welt."
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Gleichzeitig erläßt der Landesorganisations- leiter der Deutschen Front, Karl Brück, an die Mitglieder der Deutschen Front einen Aufruf, in dem er dankt für die beispiellose Disziplin, in der alle bisher ihre Pflicht getan haben. Es sei unter den gegebenen Umständen sehr schwer gewesen, zu zeigen, daß man Deutscher sei, trotzdem aber hätten alle Zeugnis abgelegt. Am Abstimmungstage, den die deutschen Saarländer seit 15 Jahren mit glühendem Herzen herbeigesehnt hätten, gelte es ganz besonders. Disziplin zu halten. „Und nicht nur morgen, sondern auch über das Morgen hinaus für die nächste Zeit müssen wir uns stets bewußt bleiben, daß wir hier auf dem Vorposten für Deutschland stehen und alles einzusetzen haben, um den Frieden zu fördern."
Es wird dann an jedes Mitglied der Deutschen Front noch einmal appelliert, alles einzusetzen und alle Kraft anzuspannen und allen Anordnungen Folge zu leisten. Die Geschichte werde es einmal als das Höchste anrechnen, daß die deutschbewußten Saarländer in dieser bewunderungswürdigen Weise ihre Pflicht getan hätten.
der Politik
Und sie verschränken die Arme dabei und nicken und lächeln, und bleiben trocken. Und so fühlen sie sich weise.
Und sie sind doch nur Narren der Wahrheit; denn sie verwechseln Tatsachen mit den Taten, die zu tun sind. Und obendrein sind sie doch noch Lügner; denn sie leugnen, auch wo sie nicht lügen.
Man müßte sie an den Pranger stellen, mit der Zunge aus dem Hals!
*
Es gibt Sterne, die Klinkern prächtig, die flimmern und blinzeln und spielen mit Lichtern wie nur irgendein Himmelsgestirn. Und doch sind sie längst erloschen.
Ihr Leben ist tot. Sie senden nicht mehr. Es reist nur ihr Licht noch, es rieselt nieder bis der letzte Strahl vergleist ist.
So gibt es Mächte und Institutionen und glänzende „Sterne erster Größe", die gleißen noch und blitzen und blinzeln und sonnen sich noch. Und sie sind doch längst erloschen. Sie sind tot, sind nicht mehr da, sind schon aufgelöst ins Ganze, nur ihr Glanz verglitzert noch.
Tatsächlich, sie glitzern noch. Wahrheit bleibt nur, daß sie tot sind.
*
Ein Fluß geht durch ein Trichterloch. Nur braucht er Zeit, hindurchzufließen.
Ein Meer geht durch ein Trichterloch. Nur braucht es Zeit, hindurchzuströmen. Es muß sich bequemen, wie ein Fluß, nein wie ein Bach, nein wie ein Büchlein, wie ein Rinnsal hindurchzu- rinnen.
Da hilft alles Drängen nichts. Das Drängen wirft Wirbel, der Trichter verschluckt sich, der Strahl setzt aus; denn so ein Trichter faßt nicht mehr im Augenblick, als denn ruhig rinnend durchrinnt.
Und da drängen nun die Leute, an allen Stellen, an den Arbeitsbeschaffungsstellen, an den Wohlfahrts- und Prüfungsstellen, an den Sichtung?- und Schlichtungsstellen, überall drängen sie — unvernünftig — und meinen, es könnte ein Strom von Arbeit, ein Meer von Arbeit, auf einen Andrang bewältigt werden.
Und so halten sie nur den Fluß, den ruhigen Fluß der Arbeit auf mit ihrer wilden Ungeduld, und verwirren nur den Ablauf.
Da der Krieg verloren war, hockten wir, jeder in seinem Winkel, und dachten der Zeit, da wir Männer gewesen, Kameraden und Soldaten, und seufzten und sagten: „Das ist nun hin. Krieg ist schrecklich und entsetzlich. Und doch war der Kampf das beste."
Und so hockten wir im Winkel, hingen unsern Taten nach, ganz als ob nichts mehr zu tun sei.
Und die Schieber waren rührig. Die Verschachere! waren rührig. Die Verräter waren rührig. Und sie räuberten das Land aus. Und sie plünderten die Aecker und verhetzten Menschenmassen und zerstörten alles Leben.
Und wir hockten in unserm Winkel. Und träumten vom Kampf und sagten seufzend: „Ach, der Kampf war doch das beste."
Bis uns Adolf Hitler weckte. Und dann tat er, was zu tun war.
Und nun nach dem großen Sieg hockt da wieder solch ein Kämpfer und macht schlapp und seufzt und sagt: „Ach, der Kamps war doch das beste." Und er murrt in seinem Winkel.
Und er sieht nicht, was zu tun ist. Und er denkt an seine Taten und er pocht auf seine Kämpfe, statt nun Kamerad zu sein und Soldat für alle Zeiten, und ein Mann im Volk der Mannschaft, wachsam, wie der Führer wacht, und so strebsam, wie die Streber.
Kulturelle Streiflichter
Vb Shaw bald auswandert?
Die „Prawda", eines der führenden Blätter Rußlands, veröffentlichte in ihrer Neujahrsnummer die Antwort, die Vernarb Shaw aus eine Frage nach den Aussichten der kulturellen Weltentwicklung im Jahre 1935 gegeben hat: „Die Kultur hat hier überhaupt keine Zukunft mehr. Wir leben von der Reputation der Vorkriegszeit. Die Rettung der Zivilisation erwarten wir von Rußland." — Was kann man von einem Mann mit solch schönem Bart anders erwarten?
Skandal in einem Parijer Theater
Im Theater Albert I. kam es am Donnerstag abend zu einem Skandal. Der Vierakter des belgischen Dramatikers Hermann Gregoire „Haya" sollte uraufgeführt werden. Die Hauptdarsteller
und der Autor hatten um eine Verschiebung dieser Ausführung gebeten, weil die Rollen noch nicht genügend einstudiert seien. Nichtsdestoweniger hatte die Theaterleitung das Stück auf den Spielplan gesetzt. Als der Vorhang aufging, gaben der Hauptdarsteller und der Autor vor dem zahlreich erschienenen Publikum und der Kritik Erklärungen ab, die zu einem heftigen Rededuell mit dem Theaterdirektor führten und fast in Tätlichkeiten ausgeartet wären. Nur mühsam konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Das Stück wurde nicht gespielt. Die Angelegenheit wirb nicht nur ein gerichtliches Nachspiel haben, sondern wahrscheinlich auch zu einem Duell zwischen dem belgischen Autor und dem Theaterdirektor führen, die auf der Bühne ihre Karten austauschten. - Mehr Theater kann man gar nicht verlangen! (Die Red.)
Völkerrecht
Aufgaben und Ergebnisse der deutschen Forschung
S. S. Berlin, im Januar.
Eine besonders wichtige Aufgabe auf dem Gebiete der geistigen Kultur ist die wissen- schaftliche Erforschung des Staats, und Völkerrechts. Es hat sich heraus- gestellt, daß solche rein wissenschaftliche Aufgabe auf den Universitäten allein nicht ge- lost weroen kann, denn dort ist die Heranbildung des juristischen Nachwuchses und dessen'Einführung in das praktische Rechts- leben so dringlich, daß die stetige tiefer grei- sende Arbeit darunter leidet. So hat man im Dezember 1924 in Berlin das Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht unter Leitung des bekannten Völkerrechtlers Viktor Bruns gegründet, und es hat in den verflossenen zehn Jahren bereits an vielen Stellen unseres Rechts- lebens seine Existenzberechtigung erwiesen.
Das Hauptmotiv für seine Gründung war die unübersichtliche und in vielem gerade für uns Deutsche so schwierige Lage der Nachkriegszeit: viele Verträge, besonders die Friedensverträge und alles, was sie mit sich zogen, alle aber voller Widersprüche, Auslegungsschwierigkeiten, ja Tücken und Fußangeln. Zu ihrer Bearbeitung, die unmittelbar aufs Gebiet des Politischen führt, bedarf es einer ständigen wissenschaftlichen Beobachtung. Dabei ergab sich die Schwierigkeit, daß es bei der großen Beanspruchung unseres Iuristenstandes und auch bei dem gefühlsmäßigen Widerstand gegen eingehende Befassung mit ausländischem Recht und Völkerrecht an geschulten Kräften mangelte.
Unter öffentlichem Recht versteht man „im engeren Sinne" das Staatsrecht» und das Institut beschränkt sich im wesentlichen
Gaarergebnisse Dienstag
Saarbrücken» 11. Januar.
Die Abstimmungskommisfio» teilt mit: Aus technischen Gründen wird die Stimmzählung erst am Montag um 17 Uhr anfangen. Es ist vorgesehen, daß die Bekanntmachung des Ergebnisses frühestens am Dienstagmorgen 7 Uhr erfolgen wird. Es ist wahrscheinlich, daß das Ergebnis durch Rundfunk um 8 Uhr bekanntgegeben wird.
Sinne darauf. Aber es mutz freilich ständig die Nachbargebiete, das öffentliche Recht „im weiteren Sinne" heranziehen. Im weiteren Sinne gehört zum öffentlichen Recht auch das Strafrecht. Straf- und Zivilprozeßrecht -und Kirchenrecht. Diese Gebiete werden jedoch im Institut nur so weit berücksichtigt, wie sie völkerrechtliche Fragen mit klären helfen, also etwa wenn das Strafrecht eines Landes dessen staats- und völkerrechtlichen Auffassungen widerspiegelt.
In der Persönlichkeit des Leiters des Instituts, Pros. Viktor Bruns, ist in seltener Weise wissenschaftliche Theorie und praktische völkerrechtliche Tätigkeit vereinigt. In seiner Schrift „Der internationale Richter" schreibt er: „Das Tragische am Richterberuf
Gieseking über Marianne Kraßinsnn
(Eine wertvolle Ergänzung unseres kürzlichen Bericht?)
Vor etwa drei Jahren war es, als ich von einigen Bremer Musikfreunden gebeten wurde, eine junge Klavierspielerin anzuhören und ihre Leistungen zu begutachten. Diese Bitte, die wohl jedem konzertierenden Künstler unendlich oft vorgetragen wird, war nichts Außergewöhnliches — wie oft schon hatten mir in den verschiedensten Ländern mehr oder weniger zitternde Klavierstudenten mehr oder weniger (leider meist letzteres!) gut vorgespielt.
Sobald ich also von einer Reise zurück war, wurde eine Zeit vereinbart, und ein langer, schüchterner und natürlich lampenfieberbefallener Backfisch erschien zum Vorspielen. Meine Erwartungen waren demgemäß auf ein gutbürgerlichwohlerzogenes Klavierspiel von norddeutscher Kühle eingestellt. Doch beim ersten Kreszendo kam die Ueberraschung. Ein Sturm brach über meinen Flügel herein, die scheinbar so sanfte Bremerin entwickelte ein Temperament, das freilich noch sehr ungebändigt war, aber eine ganz seltene musikalische Begabung erkennen ließ.
Heute freue ich mich. daß, nachdem Marianne Kras- mann unter der meisterlichen Anleitung von Karl Leimer einige Jahre eifrig gearbeitet hat, meine günstigen Voraussagen voll in Erfüllung gehen und die junge Künstlerin auf dem besten Wege ist, sich einen Platz in der ersten Reihe der deutschen Pianistinnen zu erringen.
Nach geradezu iensationellen Erfolgen in Bremen und Hamburg wird sie am 7. Januar im Abonnementskonzert in Hannover das Klavierkonzert S-Moll von Tschaikowsky spielen, das ihr Gelegenheit geben wird. ihr musikalisches Temperament und ihre virtuose Technik voll zu zeigen.
Ich wünsche meiner jungen Kollegin herzliches Hals- und Beinbruch und den hannoverschen Musikfreunden viel Vergnügen»
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