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-er Freien LanMM vremen
Nr. 10 /1. Vierteljahr
Donnerstag, 10 . Januar
Ermäßigte Grundpreise lsür kleine Anzeigen. üamMeiEizeige , - Gewähr. Ännahmeschluß lv Uhr.
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Die große Nede des Gauleiters Bürckel vor der in- und ausländischen stresse
Der Eaar-Bevollmächligle rechnet
„Am 13. Januar ist der Weg zur Verständigung frei!"
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politische Äugend
Zur Bremer Arbeitstagung der HJ.-Fiihrer
HAB. An dem Tage, da in Bremen die gesamte Führerschaft der Jugend Nordwestdeutschlands zusammen mit dem Iugendfüh- rer des Teutschen Reiches zu einer ernsten Arbeitstagung zusammentritt, ist es am Platze, sich einmal grundlegend mit dem Wesen und der oft mißverstandenen Haltung der neuen deutschen Jugendbewegung zu befassen.
Will man den Geist, der die jungen Menschen der Hitler-Jugend beseelt, richtig verstehen, so darf vor allem die ältere Generation nicht aus einer Perspektive schauen, die zu ihrer Jugendzeit vielleicht richtig gewesen ist, als Kaisersgeburtstagsfeiern oder glänzende Paraden entscheidende Erlebnisse darstellten. Tamals konnten die jungen Menschen mit vierzehn Jahren schon ihre Berufsausbildung auf weite Sicht hin festlegen, bvauchttzp sich nicht um das Morgen zu sorgen, weil sie die Gegenwart zufriedenstellte. Die Jugend der Nachkriegsjahre mußte einen schwereren Weg gehen, der unerhörte Anforderungen an diese jungen Menschen stellte und oer sie darum reifer, härter und entschlossener werden ließ, als das in der Epocye der Kaisergeburtstagsseiern so üblich
An die bremische Bevölkerung !
x Der Reichsjugendführer weilt am 1v. Ia- nuar in Bremen. Flaggen heraus!! Bezeugt 7 eure Verbundenheit mit der Jugend Adolf E Hitlers durch reichen Flaggenschmuck.
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war. In einer Zeit, als der dem wirtschast- Ä lichen Niedergang parallel lausende Borgang sittlicher Zersetzung gerade in der Jugend gefährlichsten Ausdruck fand, stellte sich der ^ gesunde Teil dieser Jugend mitten hin- ? ein in die Front des politischen Geschehens, ^ ebenso selbstverständlich, wie jene in den ^ Krieg zogen, die vor Langemark fielen . . . ^ In gläubiger Opferbereitschaft suchte sich k die Nachkriegsgeneration allein ihren Weg aus den Irrnissen und Wirrnissen ihrer Zeit, , bekannte sich, dem kategorischen Imperativ ihres Blutes folgend, zur Fahne der natio- r nalsozialistischen Revolution, zur Fahne, die das forderte, was als unbestimmtes Sehnen t die Seelen der jungen Kämpfer wie ein S Ahnen um den Weg, die Richtung in eine s bessere Zukunft erfüllte. Eine eiserne Kame- li radschaft wuchs in jenen Jahren in den j Reihen der Hitler-Jugend heran, als die
- jungen Menschen ohne Unterstützung, zum
: Teil gegen Elternhaus und Schule, sich ihr
k Teutschlanü suchten . . .
z Das unbedingte Ausleseprinzip dieser harten Kameradschaft war zugleich Ausdruck i der sozialistischen Haltung der neuen Jugend,
- die den Menschen ausschließlich nach seiner Leistung bewertete. Das ist, auf einen Nenner gebracht, das wesentlichste Ergebnis des
k Ringens der Nachkriegsgeneration, die in ihren Reihen den Entscheidungskampf zwi- : schen den Weltanschauungen „Liberalismus"
, und „Sozialismus" auszutragen hat, daß sie , an Stelle der Tradition die Leistung der Ge- , aenwart als Grundlage einer allgemeinen Wertmessung anerkennt. Damit versetzt sie ^ dem „Bürgertum" den entscheidenden Stoß und stellt den Typ des neuen deutschen Menschen heraus, den Arbeiter und politischen Soldaten, wobei der Begriff „Arbeiter" keine Standes- oder Klaffendesinierung, sondern der Ausdruck einer neuen geistigen und sittlichen Haltung sein soll.
Eine Jugendbewegung, die in der Lage ist, Entscheidungen von diesen Ausmaßen in ihren Reihen herbeizuführen, hat sich ihre Daseinsberechtigung selber erkämpft.
Was würde es aber nützen, nur Begriffe gegeneinander abzugrenzen, gegen eine alte Welt Sturm zu laufen, Neues zu proklamieren, wenn man nicht in demselben Augenblick, da man die Möglichkeit hat, selber Neues zu schaffen, in der Lage ist, das Proklamierte zu verwirklichen! Die Hitler- Jugend hat es verstanden, sich aus der Front der Opposition heraus auf die positive Aufbauarbeit umzustellen, was um so leichter fiel, als sie auch in der Opposition schon die aufgezeichnete positive Arbeit in ihrer OrM- nisation geleistet hatte und diese Arbeit nach der Umstellung nur zu vertiefen und auf eine 6 mal 100 stärkere Mitgliederzahl aus- ^ zurichten brauchte. (Fortsetzung auf Seite 2)
Kaiserslautern, 9. Januar.
„Am 13. Januar : Den Weg frei zur Verständigung!" war der Leitspruch der Rede des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, vor der in- und ausländischen Presse. Er führte dabei u. a. aus:
Die Welt stellt am kommenden Sonntag die Frage: Wer ist Sieger? Wer ist Besiegter? Gibt man dieser Frage einen außenpolitischen Charakter, dann könnte sie, ganz gleich, wie der 13, Januar sie beantwortet, die Ursache neuer Konflikte werden. Aber nur dann, wenn man Deutschland und Frankreich als die beiden sich bekämpfenden Parteien herausstellt. Bei gewissenhafter Betrachtung des Problems, noch mehr aber bei Berücksichtigung der diesen Kampf austragenden Parteien, wird man erklären müssen, daß die Saarfrage außenpolitisch keine Konfliktsfrage, sondern eine reine Liquidationsfrage darstellt.
Sobald die Saarsrage aus dem Rahmen internationaler Erörterungen herausgehoben wirb, ist sie eine rein deutsche Angelegenheit, weil sie nur von Deutschen unter sich gelöst wird. Jnnerpolitisch gesehen wird das Treuebekenntnis am 13. Januar zeigen, daß es an der Saar nur einen starken deutschen Bolkscharakter gibt, jenen deutschen Charakter, der die alleinige Kraftquelle darstellt, aus welcher die deutsche Nation ihre Lebensbehauptung seit je herleitet: Aus der Tiefe seiner ewigen deutschen Seele. Nur der deutsche Bolkscharakter ist das Entscheidende. Und wenn man die Saarsrage unter diesem einzigen richtigen Gesichtspunkt betrachtet, dann kann man sagen: Der Versailler Vertrag hat einen deutschen Volksteil auf feine deutsche Charakterqualität vor die Geschichte zitiert.
Mit dieser Prüfung hat der Versailler Vertrag zugleich eine grundsätzliche Frage aufgerollt, die durch ihre Klärung den Lebensraum zweier Nationen für alle Zukunft festlegen müßte. Zwischen die beiden Thesen, zwischen die französische, nach welcher eine Willenskundgebung genügt, um Glied einer anderen Nation zu werden, und zwischen die deutsche, nach welcher die innere Zugehörigkeit zum angestammten Volkstum entscheidet, schob man aber noch eine dritte Lösung: Das Kompromiß des Ztatus quo!
Jene Lösung nämlich, welche vorsieht, daß das Saarvolk, wenn es sich aus völkischer Scham vielleicht nicht mehr für Frankreich und aus irgendeiner Spekulation heraus auch nicht für die Rückkehr zum angestammten Vaterlande entscheiden würde, daß sich das Saarvolk dann von seinem Deutschtum separieren kann, um seine Zukunft der Obhut des Völkerbundes anzuvertrauen. Daß diese Lösung weder völkisch noch kulturell noch wirtschaftlich lebensfähig ist, war den französischen Politikern ebenso klar, wie es allen Saarländern von den Kommunisten bis zu den Nationalsozialisten klar war. Diese Lösung war von vornherein undiskutierbar. Separatismus war noch nie die Sehnsucht des Saarvolkes. Die Franzosen haben deshalb auch von vornherein durch ihre ganzen Maßnahmen unzweideutig erkennen lassen, daß das Saargebiet reif gemacht werden sollte für eine Entscheidung für Frankreich. Die deut- fchen Parteien des Saargebietes erklärten ausnahmslos immer wieder: „Wir sind nichts
alsdeutsch!" Für uns alle gibt es ohne Rücksicht auf Weltanschauung oder Parteizugehörigkeit und unabhängig davon, welche Regierung in Deutschland herrscht, nur ein „Zurück zum Reich".
Nun aber vollzog sich in Deutschland der große innerpolitische Umbruch. Das Parteiensystem wurde abgelöst durch ein neues nationales Lebensprinzip, das Prinzip der Volksgemeinschaft und des Treueverhältnisfes zwischen Führer und Gefolgschaft. Damit war für den Marxismus und seine Partei keine Lebensmöglichkeit mehr gegeben. Sie mußten verschwinden. Im Saargebiet jedoch hatte diese Weltanschauung die Möglichkeit, sich weiter zu behaupten. Sie konnte insbesondere von hier aus in eine parteipolitische Opposition zu ihren politischen Gegnern in Deutschland gehen.
Diese Opposition mußte aber zu einem Kamps gegen das ganze Volk werden, nachdem das deutsche Volk zu einer einigen Volksgemeinschaft zu- fammengeschweißt war. Damit wurden die marxistischen Parteien und die in ihr stehenden Menschen vor die Frage gestellt: „Geht dir das deutsche Vaterland über alles oder entscheidest du dich für die Partei?"
Der Mamsmlis als Verräter
Der historische Augenblick war gekommen, wo der Marxismus bekennen mußte, ob er wirklich nationalpolitische Qualitäten hat, oder ob er sich lediglich international gebunden fühlt. Die Entscheidung des offiziellen Marxismus lautet nun: Partei gegen Volk. Seine früheren Bekundungen hat er in diesem Augenblick Lügen gestraft und demaskiert als das, wofür er vom Nationalsozialismus längst erkannt worden ist: Verräter am eigenen Volkstum! Man suchte den Verrat zu tarnen, indem die marxistischen Parteien aus der nationalsozialistischen Frage eine innerdeutsche Parteifrage zu machen suchten. Nun wurde klar, daß sie alle früher nur deshalb zum Reich zurück wollten, weil ihnen Deutschland als der geeignete Boden erschien, auf dem sich der Marxismus auswirken konnte, und daß sie heute nicht zu Deutschland zurück wollen, da es hier ein für allemal mit der marxistischen Zersetzungs- feuche vorbei ist. Damit hat der Marxismus in feinem Sinne den Begriff „Volk und Vaterland" definiert. Sind zur Auswirkung des Marxismus in einem Lande die Voraussetzungen gegeben, so wird er dieses Land sein Vaterland nennen. Fehlen aber die Voraussetzungen, so wird der internationale Charakter durchschlagen.
Der Marxismus hat sein eigenes, besonders geartetes Vaterland. Es liegt nirgends und überall, wir seine Väter nirgends zu Zause sind und doch überall die Völker in ihren Klauen halten. Wo der Versuch gemacht wird, dieser Schmarotzerpflanze den Boden zu entziehen, da beginnt der Haß, der keine Grenzen kennt und der das Gesetz des Blutes verleugnet. Auf unsere Saarfrage angewandt, wird der Marxismus, d. h. seine ihm mit Haut und Haaren verfallenen Träger, sich gegen das heutige Deutschland entscheiden müssen. Und würde das Saarstatut keine 8ts,tus-quo» Lösung vorsehen, so würd« er sich sofort und unmittelbar für Frankreich erklären.
Der Status quo ist und bleibt eine unaufrichtige Angelegenheit, denn er bietet die Möglichkeit, den Sinn der Abstimmung zu verbergen und zu ver
schleiern, um was es bei der Abstimmung geht. In Wirklichkeit stellt sich bei der Abstimmung die Frage: Charakter oder Egoismus — Vaterland oder Verrat?
Das ist allerdings nur die eine Seite des Problems. Vom Standpunkt des französischen Kapitalismus aus gesehen, hat das Problem auch ein nationalpolitisches, allerdings rein französisches Gesicht. Es braucht nur auf die tatsächliche Haltung der französischen Politik im Saargebiet hingewiesen zu werden.
Die Vertreter Frankreichs an der Saar, insbesondere die französische Bergwerksverwaltung, verbündeten sich mit jenen, die sich gegen Charakter und Vaterland entschieden hatten. Angebliche Arbeiterführer und angebliche Sozialisten- fllhrer verbündeten sich gegen Deutschland. Die einen als „Vertreter französischer kapitalistischer Interessen", die anderen angeblich als Kämpfer der Arbeiterschaft. Sie sagten: Lieber gegen Volk und Vaterland, lieber gegen Hitler und den deutschen Sozialismus als gegen die Vertreter des französischen Kapitalismus. Es kümmerte sie nicht, daß die Mehrheit des deutschen Volkes sich zum Nationalsozialismus bekannte und vom Abschluß dieses Bündnisses an bezeichnen sich die Marxisten als die „besseren Deutschen". 4V Millionen Deutsche aller Stände, die sich im Reich zu Hitler bekannten, gelten ihnen hassenswerter als eine französische Kapitalistengruppe - diese „besseren Deutschen"! Diese „besseren Deutschen" verwahren sich dagegen, als Separatisten bezeichnet zu werden.
Der Saarbevollmächtigte ging dann aus die hauptsächlichsten Propagandamethoden und auf vorgespiegelte Tatsachen ein, die das Volk von der wahren Einsicht der Dinge bisher abhalten sollten.
Er widerlegte dann schlagend den Separa - tistenschwindel von der zweiten Abstimmung. Hätte der Völkerbund eine zweite Abstimmung beschloßen, führte der Saarbevoll- mächtigts aus, so würde ein solcher Entschluß einen glatten Bruch des im Saarstatut normierten Rechtes bedeuten. Es soll nicht bestritten werden, einem solchen Rechtsbruch die notwendigen Folgerungen ziehen. Es soll nicht bestritten werden, daß die Staatsmänner Litwinow, Benesch und Laval für ihre Person eine für die Saarbevölkerung wohlwollende Behandlung der Verzichtsrage zugesagt haben. Ein Beschluß des Völkerbundsrates aber liegt nicht vor. Er wäre auch, wenn er vorliegen würde, selbstverständlich unverbindlich und vertragswidrig. Aber auch die Aeußerungen der Staatsmänner, die sich grundsätzlich für den Verzicht ausgesprochen haben, sind weder durch ein entsprechendes Gesetz ihres Landes, noch durch eine völkerrechtliche Vereinbarung gedeckt.
Der 8tstus quo und feiste Lebensdauer, so betonte Gauleiter Bürckel, hängen nicht ab von dem Willen des Saarvolkes, sondern vom Willen fremder Regierungen, vom politischen Geschehen außerhalb Deutschlands, von beherrschenden Weltanschauungen und der Stellungnahme anderer Mächte zu Deutschland. Niemals wird das deutsche Saar- volk sein Schicksal freiwillig in die Hände fremder Männer und Regierungen legen. Staatspolitisch betrachtet ist dazu folgendes zu sagen:
. (Fortsetzung im Innern des Blattes)
Reist Laval nach Berlin?
Man spricht von einer Aenderung Frankreichs in der Abrüstungssrage
Paris, 9. Januar.
Auf Grund des am Dienstag in Rom veröffentlichten amtlichen lleberblicks über das Ergebnis der französisch-italienischen Verständigung gewinnen die Blätter den Eindruck, daß die erste im Rahmen der neu geschlossenen Freundschaft zu unternehmende Aktion der Abrüstungsfrage gelten werde. Man scheint nicht daran zu zweifeln, daß die Kleine Entente beitreten wird. Man weise in Rom darauf hin, daß das französisch-italienische Abkommen darauf abziele, Deutschland wieder für die europäische Zusammenarbeit zu gewinnen.
Deshalb habe man Berlin loyal über den Fortgang der Verhandlungen unterrichtet. Da die Abrüstungssrage das Haupthindernis für die Mitarbeit Deutschlands sei, habe man sich über eine gemeinsame Haltung in dieser Frage ausgesprochen. Deshalb sei der Konsultativpakt auch aus die die Rüstungsbeschränkung betreffenden Fragen ausgedehnt worden. Die unter Bezugnahme aus die Gleichberechtigungserklärung vom Dezember
1932 getroffenen Vereinbarungen würden den Ausgangspunkt der Verhandlungen Flandins und Lavals in London bilden.
Daß Laval aus seiner realistischen Einstellung heraus nicht für die strenge Einhaltung der Auffassung der französischen Note vom 17. April sei, deutet die Außenpolitikerin des „Oeuvre" an. In Rom glaube man, so berichtet sie, daß der französische Außenminister mit Mussolini eine Deutschland abzugebende Erklärung ins Auge gefaßt habe, wonach unter Hinweis auf die Entschließung vom Dezember 1932 Deutschland nicht unWschränkt seine Aufrüstung fortsetzen dürfe, ohne die Unterzeichnermächte in Kenntnis zu setzen. Letztere würden sich dann bereitfinden, die Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Gebiete der Rüstung anzuerkennen, sobald sich Deutschland durch ein internationales Abkommen zur Uebernahme der Pflichten und Verpflichtungen der übrigen Nationen bekenne. In Rom glaube man, daß Laval auf dieser vernünftigen Grundlage in London verhandeln könnte, bevor er in den kommenden Monaten nach Berlin reise.
London, 9. Januar
Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt, der nächste Abschnitt der europäischen Verhandlungen, der mit den französisch-italienischen Vereinbarungen eröffnet worden ist, dürfte eine völlige Schwenkung in der Haltung Frankreichs in der Frage der deutschen Rüstungen offenbaren. Anscheinend sei die Regierung Flandins bereit, eine andere Haltung in dieser Frage einzunehmen, wenn Deutschland seinerseits bereit sei, befriedigende politische Bürgschaften für die Aufrechterhaltung des Friedens zu geben. Außerdem bleibe Frankreich dabei, daß, wie es vor einem Jahre bereits bekanntgegeben habe, ein gewisses Maß allgemeiner Kontrolle hergestellt werden müsse. Ferner bestehe es, wie verlautet, nachdrücklichst darauf, daß Deutschland die geforderten Bürgschaften für ein Regime der Sicherheit geben solle. Auch falle es in den Völkerbund zurückkehren. Großbritannien vertrete diese Ansichten nicht weniger entschieden.
Eineinhalbes Jahrzehnt „Friedens"-Bertrag
k. IM. Heute vor 15 Jahren, am 10. Januar 1920, trat der Versailler Schandvertrag in Kraft. Offiziell trägt er den Namen „Frie- densvertrag, in Wirklichkeit aber handelt es sich um ein Deutschland aufgezwungenes Diktat zur Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. In seiner Gesamttendenz stellt das Vertragswerk, verglichen mit den 14 Wilson- Punkten und den im Waffenstillstandsabkommen festgelegten Bedingungen, den solgen- fchwersten Rechtsbruch der Weltgeschichte, die unerhörteste Nichtachtung des Grundsatzes von Treu und Glauben dar. Die Grundlage, auf der seine wesentlichsten Paragraphen fußen, ist eine skrupellose Lüge, die unhaltbare Behauptung nämlich von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege, und seine wirtschaftspolitische Auswirkung bildet ein Musterbeispiel für die naturnot- wendige Zerstörungskraft der Unvernunft. Völkerpolitische Verblendung und blinder nationaler Haß haben sich im Versailler Dokument das traurigste Denkmal aller Zeiten gesetzt, das Denkmal einer Recht und Pflicht knechtenden rohen Gewalt.
..Deutschland wurde bewußt Unrecht getan, Völker wurden verschachert von einer Souveränität zur anderen, gerade, als ob sie bloße Gegenstände oder Steine in einem Spiele wären", — das sind die treffenden Worte des neutralen schwedischen Diplomaten Montgomery, der sogar von „illegalen Bestimmungen" des Versailler Diktats spricht. Schon ein flüchtiger Streifzug durch den Inhalt und die Geschichte des Vertragswerks genügt, um seinen friedensfeindlichen Geist zu erkennen. Die Begriffe „Sieger" und „Besiegte" wurden, wie es der Führer in seiner großen Reichstagsrede am 17. Mai 1933 formuliert hat, „förmlich zum Fundament einer neuen internationalen Rechtsund Gesellschaftsordnung gemacht". Drei Tatsachen stehen heute unwiderlegbar fest: 1. Die territoriale Umgestaltung
Europas wurde ohne Berücksichtigung der Volksgrenzen und deshalb ohne Befriedung der betroffenen Völker vorgenommen. 2. Die sich von Tributsklaverei nicht unterscheidende finanzielle Belastung Deutschlands führte zu einer (nicht zuletzt die sogenannten Siegerstaaten treffenden) schweren Weltwirtschaftskrise. 3. Die einseitige Entwaffnung des Deutschen Reiches bei fortdauernder Nichterfüllung des Abrüstungsversprechens der anderen Staaten brachte keinem die begehrte Sicherheit.
Den zehnten Teil seiner Bevölkerung mußte Deutschland trotz heldenmütigen Ringens gegen eine Uebermacht von Gegnern hergeben. 13 Prozent seines Bodens, mehr als die Hälfte seiner Eisenerze, der vierte Teil seiner Steinkohlenlager, die gesamten Kolonien wurden ihm geraubt (auch hier mußte eine Lüge das Unrecht bemänteln). Auf den weitaus größten Teil seiner Handelsflotte mußte es Verzicht leisten. Bei der späteren Festsetzung des Endbetrages der „Wiedergutmachungsschul d", für die zunächst phantastische Milliardensummen genannt wurden, zeigte man nicht die geringste Rücksicht auf die wirtschaftliche Lei- stungsfähigkeit des Reiches. Wir alle kennen die Stationen, die an dem steil abwärts führenden Weg zu Not und Elend, zu wachsender Erwerbslosigkeit und tiefster Verzweiflung lagen: Londoner Zahlungs- pch"' Besetzung des Ruhrgebiets, Dawes- plan Youngplan. auswärtige Verschuldung. Bankenkrach ... wieviel unsagbares Leid hat jede dieser „Leistungen" der Erfüllungspolitik über unser Volk gebracht!
Auch die vorübergehende Trennung des Saarlandes vom Reich, der Verzicht Deutschlands auf die Ausübung der Regierungsgewalt im Saargebiet zugunsten des Völkerbundes und die Festsetzung einer freien und geheimen Volksabstimmung nach Ablauf von 15 Jahren — auch das ist mit dem Versailler „Friedens". Vertrag diktiert worden. Es mutet uns wie ein Symbol für die Vergänglichkeit alles Unwahren und Vernunftwidrigen an, daß gerade in diesen Tagen die treue deutsche Saarbevölkerung die in den Artikeln 45 bis 50 des Vertrages verankerten Ketten zerreißen wird. Die Väter des Saarstatuts hatten vor fünfzehn Jahren gehofft, die Ab-