Ausgabe 
(9.1.1935) Nr. 9
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Senats

der Freien LanMM vremen

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Das linke Gaaeufee non allen Sicherheltskeäften entblößt

Französische Grenzposten verstärkt

Großes Mißtrauen der Gaarbevölkerung gegen das zwiespältige Verhalten Heimburgerö

Die Vorabstimmung

Mangelhafte technische Wahlvorbereitungen Saarbrücken, 8. Januar.

Auch am Dienstag noch ging die V o r a b st i m - mung im Saargebiet nur unter sehr mäßiger Beteiligung vor sich. In einigen Teilen des Ge­bietes haben fast ausschließlich die dazu ver­pflichteten Landjäger und die blaue Polizei ab­gestimmt. So meldet man aus dem Kreise Ott- weiler eine sehr schwache Beteiligung.

Als reichlich unverständlich und wenig glücklich fiel überall auf, daß in dem zur Vorbereitung für den Landkreis Saarbrücken bestimmten Wahl­lokal, der Kreissparkasse, die Wahlurne vollständig fehlte, was naturgemäß das Vertrauen in die Geheimhaltung der Stimm­abgabe und die sonstige Sorgsältigkeit der tech­nischen Vorbereitungen der Abstimmungskom­mission nicht gerade sonderlich stärkte. Die Ab­stimmungskommission hat jedoch bald zu der An­ficht kommen mühen, wie unpsychologisch dieses Versäumnis in der Kreissparkasse war und ließ bereits Montag nachmittag auch dort eine Wahl­urne ausstellen. Vorher wurden die Stimmzettel lediglich in Umschlägen gebündelt und offen auf den Tisch gelegt.

Man sucht sich allerdings darauf zu berufen, daß für die Vorwahl Urnen nicht unbedingt er­forderlich seien, mußte sich jedoch angesichts des an sich schon sehr geringen Zuspruches zu der Vor­abstimmung dazu bequemen, soweit wie möglich das mangelnde Vertrauen einigermaßen durch vernünftige Handhabung der technischen Maßnah­men wiederherzustellen. Es kann jedenfalls von den Landjägern, denen nur jetzt die Gelegenheit ztrr Stimmabgabe geboten ist, nicht verlangt wer­den: daß sie ihre Stimmscheine einem unge­wissen Schicksal preisgeben müssen.

Neue Flottenkonferenz in Paris

Tokio, 8. Januar.

Starke Beachtung findet eineNitschi-Nitschi"- Meldung, die'von gutunterrichteter Seite stammen soll und die sich mit der Fortführung der Flot- tenbesprechungen beschäftigt. Um einen vertrags- losen Zustand zu verhindern, sei die japanische Regierung darauf vorbereitet, mit den Signatar­mächten einzeln zu verhandeln. Japan werde allen Signatarmächten die Notwendigkeit der Ein­berufung der Hauptkonferenz nochmals nahelegen. Die japanische Regierung bezweifle aber, daß eine gemeinsame Verständigung der fünf Mächte erreicht werden könne, selbst wenn die Flotten­konferenz noch während dieses Jahres zusammen­trete. Trotzdem werde die japanische Regierung alles versuchen, um einen vertragslofen Zustand zu vermeiden.

Japan wolle deshalb Sonderverhand- lungen in Anregung bringen, etwa zwischen Japan und England, zwischen England und den Vereinigten Staaten, zwischen Japan und den Vereinigten Staaten oder zwischen England, Frankreich und Italien. Allerdings werde Japan niemals seine Forderung auf Gleich­berechtigung aufgeben. Was den neuen Konferenzort betreffe, so halte die japanische Re­gierung einen neutralen Ort.für geeignet, wie z. B. Paris.

Saarbrücken. 8. Januar.

Im Saargebiet kam es am Dienstag zu außerordentlich beunruhigenden Vorgängen. An der ganzen lothringischen Grenze entlang sind auf Anordnung des Direktors des In­nern, Heimtmrger, die Landjägerposten zu­rückgezogen und auf das rechte Saaruser ge­legt worden. Da aus der linken Saarseite auch keine Truppen liegen, die ausländischen Truppen vielmehr alle rechts der Saar statio­niert sind (mit Ausnahme von IM Italienern in Saarlouis), ist also der Teil der Kreise Saarlouis und Saarbrücken auf dem linken Saaruser von allen Sicherheitskräften ent­blößt. Gleichzeitig hat die Bevölkerung fest­gestellt, daß die französischen Grenzposten der Garde Mobile verstärkt worden sind. Ferner ist in den letzten Tagen bei Oberesch franzö­sische Kavallerie mehrfach, so auch heute, an der Grenze aufgetaucht.

Bei ber Aufhebung der Landjägerposten handelt es sich um die ständigen Landjäger, die in den be­treffenden Ortschaften wohnen und dort seit Jah­ren Dienst tun. Im Landkreis Saarbrücken sind folgende Landjägerposten eingezogen worden: Emersweiler, Naßweiler, St. Nikolaus, Karls­brunn, Lauterbach, Eroß-Rosseln, alles Orte, die im Warndt liegen, und zwar überall dort, wo dichtester Wald die'Grenze besonders unübersicht-

Dienstag mittag gegen 1t Uhr traf der Sonder- zug aus Berlin mit den abstimmungsberechtigten Amerikadeutschen in Saarbrücken ein. Zum Empfang hatte sich vor dem Bahnhof eine riesige Menschenmenge eingefunden, die die Dsutsch-Ame- rikaner mit großer Begeisterung begrüßte. Die Ankommenden wurden zunächst in ein Kaffee ge­bracht, wo sie verpflegt wurden. Die Bevölkerung sang spontan das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied und brach immer wieder in Heilrufe auf Deutschland und den Führer aus. Die Polizei setzte ein Ueberfallkommando ein und versuchte die Menge zu zerstreuen Es bildete sich ein die ganze Bahnhofstraße füllender Demonstrations­zug. der die Polizeikette einfach überrannte und unter Absingung des Deutschland-Liedes, des Horst-Wessel-Liedes und des Saarliedes und im­mer erneuten Heilrufen auf Deutschland und den Führer die Bahnhofstraße entlangzog. Die Polizei versuchte immer wieder, den Zug zu zerstreuen, der sich fast eine Stunde lang fortsetzte bis zum Stadtteil St. Johann und in alle Nebenstraßen.

lich macht. Ferner sind südlich von Saarbrücken ebenfalls auf dem linken Saarufer die Posten Han- weiler, Klein-Blittersdorf und Schönecke eingezo­gen worden.

Im Kreise Saarlouis, im sogenannten Gau, sind eingezogen worden die Posten Bieringen, der Posten gegenüber dem lothringischen Erenz- ort Waldwiesen und der Posten in Ober- e s ch. Auf dem rechten Saarufer sind in der Ver­teilung der Landjäger keinerlei Aenderungen er­folgt, da es sich um eine einseitige Maßnahme auf dem linken Saarufer handelt. Es ist dabei zu bemerken, daß die hochgelegenen Teile der ge­nannten beiden Kreise der Warndt und der Gau von französischer Seite in den letzten Jahren mehr­fach als strategisch für Frankreich außerordentlich wichtig bezeichnet worden sind, weil man von hier aus eine Ueber­sicht weit in das Saarland hinein hat. Es ist nicht verwunderlich, daß die Bevölkerung hieraus sowie aus den heutigen Vorgängen Schlüsse zieht, die eine gespannte Lage schaffen, ohne daß schon eine akute Gefahr für das Saargebiet zu bestehen brauchte.

In Lauterbach und in Dudweiler sind die Land­jägerposten durch Polizeiposten ersetzt worden, die sich aus Elementen rekrutieren, die seinerzeit von der Regierungskommission im wesentlichen aus Emigranten angeworben worden sind. Die Bevölkerung steht diesen Polizeiposten mit schärf­stem Mißtrauen gegenüber. Die Tatsache der Zu­rückziehung der Landjägerposten und der Verstär­kung der französischen Grenzwachen sowie des vielleicht durchaus zufälligen Auftauchens fran-

Es herrschte eine Begeisterung, die fast keine Grenzen kannte. An allen Fenstern und allen Balkons erschienen die Menschen und hoben den Arm zum Gruß. Geschäftsinhaber und Personal liefen auf die Straßen und begrüßten den De­monstrationszug. Lediglich am Gebäude der fran­zösischen Vergwerksdirsktion versuchten etwa fünf­zehn bis zwanzig Separatisten ihrer Meinung durch Freiheitsrufe Ausdruck zu geben. Sie wurden aber sofort durch die Polizei zurückge­drängt, die offenbar trotz der außerordentlich disziplinierten Haltung der deutschen Bevölkerung für die Sicherheit der Separatisten fürchtete. Auch «ine große Menge von Ausländern, unter anderem Angehörige der Abstimmungskommission, die sich gerade zu einer Pressesttzung in das evangelische GemeindehausWartburg" begaben, wurde Zeuge dieses spontanen Ausbruches der Begei­sterung.

Anläßlich des Empfanges der Amerika-Deutschen kam es zu einem Zwischenfall. Als die große Menschenmenge den Bahnhofsvorplatz und die Bahnhofstraße füllte, um die Deutsch-Amerikaner zu erwarten, forderte ein Beamter der französi-

zösischen Militärs an der Grenze haben eine ganz außerordentliche Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Dazu kommt, daß auf dem rechten Saarufer von den 3050 Mann aus­ländischen Militärs 2950 Mann untergebracht sind, auf der linken Seite aber nur 100 Mann.

Eine Nachfrage bei dem Direktor des Innern der Regierungskommission, Herrn Heimbur- ger, war ungewöhnlich aufschlußreich. Einmal behauptete Herr Heimburger, die Landjäger auf der linken Saarseite seien zurückgezogen worden, weil sie anderwärts gebraucht würden. Einige Minuten später behauptete Herr Heimburger, er habe von allen diesen Maßnahmen gar keine Ahnung, er müsse seine Referenten fragen. Dazu kommt als dritte Lesart, daß die Landjäger zum Schutze des rechten Saarufers gebraucht würden" aber gegen wen, konnte nicht gesagt werden.

Es erhebt sich hier die Frage, Wer ist mit wem im Bunde? Die Bevölkerung hat das Recht, Klarheit zu verlangen über Maßnahmen, die sie von jedem polizeilichen Schutz entblößte und die sogar die Möglichkeit geben wie dies vor einiger Zeit schon einmal geschehen ist, daß kommunistische Rollkommandos aus Lothrin­gen ungehindert die Grenze überschreiten und die deutsche Bevölkerung terrorisieren. Auch die Regierungskommission müßte endlich erkennen, daß die Saarbevölkerung in einer solchen Zeit der Spannungen besonderer Rücksichtnahme be­darf in einem Grenzgebiet, in dem selbst harm­lose Vorgänge ganz anders geweitet werden.

(Siehe auch Seite 2)

scheu Bergwerksdirektion die aus der Treppe ste­henden Menschen auf, die Stufen zu verlassen. Die Menge tat das widerspruchslos und grüßte dabei mit Heil Hitler. Daraufhin machte der Beamte eine beleidigende, gemeine Geste. Im gleichen Augenblick gab der unverständlicher und auch vertragswidriger Weise mit der Führung des am Bahnhof anwesenden Ueberfallkomman- dos beauftragte Emigrant Hauptwachtmeister Erumbach das Kommando:Los mit dem Gummiknüppel, auch auf die Sani­täter!" Daraufhin schlugen die Angehörigen des Ueberfallkommandos, besonders der Emigrant Grumbach, mit ihren Gummiknüppeln auf die Bevölkerung ein. Zwei dort stehende Sanitäter wurden von der Polizei zusammengeschlagen. AIs schließlich ein ausländischer Polizeioffizier er­schien und feststellen mußte, daß nicht der geringste Grund zu einem Einschreiten vorlag, ließ er durch ein Pfeifensignal das Ueberfallkommando zurück­ziehen und veranlaßte das Abrücken des Ueber­fallkommandos. Die Menschenmenge, die sich außerordentlich diszipliniert verhielt, gab ihrer Empörung dann durch das Absingen von deut­schen Liedern Ausdruck.

> Noch Vier Tage

Nur wenige Tage trennen uns noch von dem Befreiungstag, an dem die deutschen Männer und Frauen des Saargebiets das fünfzehn lange Jahre verschlossene Tor zu ihrem großen Vaterland aufstoßen und die Be­freiungsstunde schlagen hören werden. Sinn­voller konnte das Wahlplakat der Deutschen Front in Saarbrücken nicht geschaffen wer­den. Es wird wieder in eine lichtere Zu­kunft hineingehen. Die Sklavenketten wer­den zerbrochen Am Vorabend werden auf den preußischen Bergen, die das Saargebiet umkränzen, die Feuer auflodern und ihren flammenden Schein in ein gequältes Land Hineinsenden, werden die Glocken aller Kirchen läuten und die Wiedervereinigung eines Teiles der uralten deutschen Westmark mit der Heimat ankündigen. Eine Welle der Liebe und Begeisterung durchbebt ganz Deutschland. Diese Stimmung wächst von Tag zu Tay. Es sind wahrlich heilige Stun­den. sie wir durchleben dursten!

Wir empfinden, daß sich im Schoß der Völker etwas regt, das nach Gestalt ringt und zur Wirklichkeit drängt. Die Völker haben es satt, ihr Schicksal in das Joch po­litischer Intrigen und geschäftlicher Ambitio­nen zwingen zu lassen. Sie wollen keine Ausbeutungsobjekte mehr für die Taschen weniger Geldvampire sein, die kein Vater­land und keine Heimat kennen, deren Kul­turbewußtsein nur noch an der Höhe der Kanten und Dividenden gemessen werden kann, denen das Leben der Nation nichts gilt, wenn man mit ihrer Vernichtung Milli­arden verdienen kann. Das vielgetretene Selbstbestimmungsrecht der Völker, zu einer widerlichen Fratze herabgewürdigt, beginnt sein wahres und notwendiges Dasein geltend zu machen.

In vier Tagen wird das Saarvolk vor der ganzen Welt hierfür den Beweis an­treten. Mit einer überwältigenden Einheit und Geschlossenheit wird es aufstehen und sich zu seinem Vaterlande bekennen und den Nachweis fiihren, daß es kein größeres völ­kerrechtliches Verbrechen als den Versailler Friedensvertrag gegeben hat. Stück für Stück dieses Vergewaltigungspaktes beginnt abzubröckeln. Und der Prozeß vollzieht sich um so schneller, je länger Deutschlands Ver­tragsgegner glauben, diesem Gewaltdiktat durch Nichterfüllung ihrer heiligen Verpflich­tungen zusätzliche Gewalt antun zu können. Druck erzeugt Gegendruck. Deutschland ist noch immer aus der grausamsten und bitter­sten Not am stärksten hervorgegangen. Ge­rade dann zeigt sich die unerhörte Lebens­kraft dieses Volkes unö der unbeugsame Wille, seines Schicksals Herr zu werden.

Das wissen unsere deutschen Brüder und Schwestern dort unten an der Saar. Kein

Sam-Ergebnisse am 14 . Zanuar

Saarbrücken, 8. Januar.

Wie auf einer von der Abstimmungskommisfion veranstalteten Pressekonferenz mitgeteilt wurde, ist mit der Bekanntgabe des Ergebnisses der Saar­abstimmung in den späten Abendstunden des 14. Januar gleichzeitig in Saarbrücken und in Genf zu rechnen.

Riesenkundgebung in Saarbrücken

Empfang ber Deutsch-Amerikaner EmigrantenpoliZei knüppelt Sanitäter nieder

Saarbrücken, 8. Januar.

Ein Museum des Heldenmutes

Die Polarschsu auf Holmenkollen bet Oslo / Don Larl Lutke

Die Schau des Heldenmutes auf Frognerseteren heißt schlicht Ski-Museum; sie ist in einem rot­braunen Holzhaus, in dem Hügelgebiet mit dem idealsten Skibetrieb der Welt, untergebracht. Als Holmenkollen trägt das stattliche Hügel­bereich einen weit in der skilustigen Welt klin­genden Namen.

An Fritjof Nansen, an Amundsen, Byrd, Scott und andere große Polarforscher bis Nobile, deren Lebensgeschichte, Taten und Erfolge wir aus Bü­chern und Berichten kennen, wird jeder erinnert, wenn er dies Museum besucht. Selbst die üppigste Phantasie muß hier beschämend Phantasiearmut eingestehen!

Eindringlich und ergreifend kündet alles, was da ausgestellt ist, wie entbehrungsreich das Lkben der kühnen Entdecker verlief, als sie um ihr Leben in den eisigen, unbekannten Gebieten zähe kämpften. Alle die z. T. höchst primitiven Werk­zeuge, Geräte und Beförderungsmittel, die sie benutzten und von denen ein geringer Teil er­halten blieb und nun hier in der Abteilung Polarforscher-Museum pietätvoll aufbewahrt wird, gewinnt Leben. Der Beschauer hat das Gefühl, Mitakteur in vielen spannenden, zutiefst packenden Dramen zu sein, wenn er durch die Schau geht.

Grausig das Segeltuchboot von Frit­jof Nansen! Mit diesem unerhört zerbrech­lichen Fahrzeug kreuzte Nansen und sein Be­gleiter Sverdrup sechs qualvolle Tage bei einer Erönlandfahrt im Eismeer. Das Boot ist nichts weiter als ein mäßig großes Stück Segeltuch, das mit dünnen Achten und Skistöcken zu einer Art Boot in aller E'le hergestellt worden war, eng und unb. p! w i,,id unerhört zerbrechlich in seiner

fatalen Primitivität. Die beiden Grönlandfahrer steuerten in diesem erbarmungswürdigen Gefährt durchs Eismeer vom 27. September bis 3. Oktober 1888 und fanden mit ihm Rettung.

In einem anderen Raum beherrschen den Blick zwei schmale, geteerte Grönländer Kajaks. Sie sind nach Nansens eigenem Entwurf von ihm selbst und seinen Leuten hergestellt worden, und er hat mit ihnen vom 14. März bis zum August 1895. die denkwürdige Fahrt zum 86. Grad, dem Franz-Josefs-Land, unternommen. In den Kajaks sitzt der Fahrer eng eingezwängt und hat nur die Hände frei für Ruderbewegungen und um bei günstigem Wind das kleine Segel setzen zu können. Ueber Land wurde jedes Kajak aus einem Schlitten (dieser aus Skiern und Skistöcken her­gestellt) befördert; die Kajaks ruhen in der Schau aus diesen primitiven Schlitten. Das Kajakseil, das daneben gezeigt wird, besteht aus gedrehten Zeltleinen. Die sechs Paar Skier, die da unschein­bar an den Wänden lehnen, haben die Expedition über das Eis und den ewigen Schnee getragen, und die Flagge daneben wehte damals am End­punkt des erreichten Festlandes über den Häup­tern der arktischen Helden. ,

Und dann hängen da als Dokumente mensch­licher Aufopferungsbereitschaft die schweren Felle und sonstigen Bekleidungsstücke Nansens und anderer und sind irgendwie erregend und grausig. Eine erschütternde Schau!

Von der Südpolfahrt RoaldAmund- sens konnte man ein komplettes Lager (aus den historischen Gegenständen) an anderer Stelle der Schau aufbauen: das windige Zelt, die Wohnung

Das Polar-Museum reiht dann noch Skier der verschiedensten Art auf, die Entwicklung dieses uralten nordischen Verkehrsmittels, Zubehör zu Skiern usw.

Das Museum steht mitten in hochentwickelter Zivilisation, am Ausgangspunkt zweier sieben

Kilometer langer Rodelbahnen und ungezählter Skipfade. Von Oslo aus läßt es sich mit der flinken elektrischen Bahn, die anfangs als Unter­grundbahn aus der norwegischen Hauptstadt her­ausführt, in etwa 30 Minuten in seiner Höhe von 450 Metern über Meer erreichen.

Harald Spitzer

Ächtung: srchneebrettl

der Polarforscher im Winter des Polargebietes! Es ist kläglich winzig, nur 95 Zentimeter hoch. etwa 1.80 Meter im Durchmesser; sechs Menschen wohnten in ihm. Der HundOberst" steht ausge­stopft vor dem Zelt. Kochkisten mit Konserven­büchsen und sonstiges primitives Gerät versuchen, das Gesamtbild dieser kühnen Expedition zu ver­vollständigen, ohne doch ihre wirkliche, unfaßbare Kühnheit erkennen zu lassen. In einer Vitrine finden wir die Eßgeräte dieser und anderer Po­larreisen; z. T. aus Knochen hergestellt: Fisch­haken, Werkzeuge, daneben Tagebücher, Ee- brauchsgegenstände.

Skier und Geräte der Helden des Südpols zeigt man sodann mit ausführlichen Erklärungen in dieser einzigartigen Schau. So ist da Amundsens Südpolfahrt 1911 in einigen erhalten gebliebenen Gegenständen verlebendigt. Da steht als bemerk- lichstes Erinnerungsstück einer der primitiven Schlitten, mit dem 2800 Kilometer (d. i. Berlin Mittelafrika!) zurückgelegt worden sind Und die Skier sind vorhanden, die Roald Amundsen über die gleiche Strecke, darunter 99 Tage allein im Polargebiet, trugen, weiterhin Zelt, Hundekoppel usw.

Die Erforschung der nördlichen und südlichen Gebiete der Erdkugel, die schon im Altertum ver­sucht und z. T. durchgeführt wurden, verzeichnet als erste geschichtlich bekannte Fahr: bereits eine solche von 325 o. Chr. Allein erst sehr spät wurden greifbare Erfolge erzielt, bekanntlich erst 1725 die Entdeckung, daß Asien und Amerika getrennt sind und damit die Feststellung der hochwichtigen Beringstraße und später anderer Wasserstraßen Seitdem sind bis zum heutigen Tage große, z. T. abschließende Erfolge zu verzeichnen, und bis in die jüngste Zeit ziehen sich die erregenden Ent­deckerfahrten der Polarforscher, von denen uns Andree aus der letzten Zeit und Amundsens tragisches Ende im Zusammenhang mit der No- bile-Expedition noch lebhaft in der Erinnerung sind.

Wenn Rundfunk und Zeitung die sachliche Mel­dung eines Lawinenunglücks bringen, kann man sich Wohl kaum eine Vorstellung machen von dem, was oben in der Bergeinsamkeit geschieht.

Die folgende Schilderung beruht auf einer wirklichen Begebenheit; wie durch ein Wunder wurden wir beide gerettet.

Das Dachsteinplateau ist erreicht: ein unend- liHes Schneemeer, aus dem die Spitzen und Kuppen, wie Wellenberge in erstarrter Gebärde, hervorragen.

Winterfrieden der Natur.

Nur das millionenfache Glitzern des Schnees und das weiche Geflimmer der ozonigen Luft erzeugen in der andächtigen Eebirgsstille leises Leben.

In majestätischer Größe thront der Berg, einsam und schweigend

Abfahrt!

In Saus und Schuß, mit leicht wippL^dem Körper, locker gespannt gleiten wir pfeilschnell hinab.

Ueber schimmernde Flächen, in beschattete Mul­den, mit jäher Wendung, vorbei an golden leuch­tenden Felsen, der Sennhütte zu.

Ekstase der Abfahrt.

Tempo. Kraftbewegung und Schwung.

Etwas von Sturm und Sieg braust in unserem Blut.

Die Entfernungen des Aufstieges erscheinen nun gering; der Berg ist kein Hindernis mehr; mühe­los-jubelnd sausen wir hinunter

Jetzt wird in eins riesenhafte Hangmulde ein­geschwenkt.

Mein Freund fährt voran.

Ich warte einige Sekunden, um seine Spur zu benützen.

Dann stoße ich mich ab.

Da stürzt er, vielleicht 60 Meter unter mir dreht sich arbeitet aufgeregt herum rutscht ab und verschwindet plötzlich-

Im nächsten Augenblick erfolgt ein dumpfes Krachen, ein unheimlich dunkles Brechen und Schieben ein weites gedämpftes Dröhnen-

Der ganze Hang strömt mit zunehmender Ge­schwindigkeit ab!

Lawine!

Durch die von allen Seiten auf mich losdrän­genden Schneetrümmer bin ich im Nu bis an die Brust verschüttet und werde mit furchtbarer Macht nach unten gezogen.

Werfe instinktiv die Stöcke weg. führe mit den Armen Schwimmbewegungen aus und trachte aus Leibeskräften, an den Rand des Hanges zu ge-