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Fmnzöfischer Gaar-Gpitzeldienst
Aufsehenerregende Veröffentlichungen der „Deutschen Front" Ober die Druckmittel der
Bergwerksdirektion
Saarbrücken, 5. Januar. Die Tageszeitung „Deutsche Front" veröffentlicht heute auf 12 Zeitungsseiten aufsehenerregende Schriftstücke. Es handelt sich um, zum gröhlen Teil im Faksimil veröffentlichte politische Akten der Bergwerksdirektion, die den lückenlosen Beweis dafür erbringen, dah die französische Bergwerksdirektion alle ihr zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Machtmittel in der brutalsten und rücksichtslosesten Weise im Sinne der französischen Lösung, des stsius quo, einsetzte.
Zu diesem Zwecke hat sie einen bis ins kleinste organisierten schnell und zuverlässig arbeitenden Nachrichtendienst — richtiger gesagt: Spitzel- dienst — geschaffen. Er überwacht, wie aus dem gleichfalls veröffentlichten Aufbauplan dieser Organisation hervorgeht, nicht nur alle Arbeiter und Angestellten der Gruben. Der von der Eene- raldirektion der französischen Gruben aufgezogene Spihelapparat ersaht das ganze öffentliche Leben des Saarvolkes.
Nach den Vorschlägen des sattsam bekannten Herrn Rossend eck, eines Spezialisten im Spitzelwesen, ist dieser Apparat eingerichtet worden. Im Frühjahr 1934, als die französische Status-quo-Propaganda ihre Aktivität steigerte, wurde der Spitzeldienst auf Grund einer Geheimverfügung des Eeneraldirktors Euillaume überall einheitlich organisiert. Es wurde eine genaue WMkratur mit der Einleitung: Politik, französische Schule und Gruben eingerichtet, die in dinier Änmasse von Unterabteilungen die gesamte Saarbevölkerung erfassen sollte. So forderte die französische Grubendirektion durch ihre Geheimverfügung genauen Bericht über Versammlungen und Aufmärsche an, interessierte sich ganz besonders für die „nationalsozialistische Bewegung in unserem Abschnitt". Die franzosenfreundlichen Einwohner wurden ganz besonders berücksichtigt. Besonderes Augenmerk richtete man auf die Verstöße gegen das Uniformoerbot sowie auf den Freiwilligen Arbeitsdienst und das Winterhilfs- werk. Die französische Grubendirektion forderte ein besonderes Spitzeljournal an, in das jeder Arbeiter eingetragen wurde, um den über ihn angestellten Erhebungen entsprechend behandelt zu werden. Ueber jeden Angestellten der Grubendirektion, der in irgendwelchem besonderen Verdacht stand, wurde eine Personalakte angefertigt. Als Beispiel dieser Akte möge ein derartiges Schriftstück genannt werden:
„Eggers, Emil, beschäftigt Magazin Camphausen, wohnhaft Fischbach, besonders hervor- getan beim Eauturn-Fest, setzt momentan die Propaganda weiter fort für die Turnerschaft und ihre Gleichschaltung mit der Hitlerpartei."
Diese Aufzeichnung ist von der vorgesetzten Behörde mit der handschritlich angefügten Bemerkung: „Usnvo^s" — entlassen, versehen. Es lassen sich eine Unzahl derartiger Fälle anführen, die heute sämtlich von der Deutschen Front veröffentlicht werden. So wird Beschwerde darüber
geführt, wenn ein Beamter der Bergwerks- direktion einen vorbeifahrenden Kraftwagen, dessen Insasse mit „Heil Hitler" grüßte, ebenfalls mit Handerheben wiedergrllßte. Es werden regelrecht besondere Briefköpse für die Arbeiterentlassungen hergestellt, für die dann gleichfalls nur politische Gesichtspunkte maßgebend waren. Sehr eng ist die Zusammenarbeit der Spitzelorganisation der Grubcnverwaliung mit den verschiedenen Ltatus-guo-Organisationen.
Ein sehr starkes Druckmittel der französischen Erubenverwaltung aus die Arbeiter und Angestellten ist ferner die Vergebung oder vielmehr der Entzug von Grubenwohnungen. Sie erfolgen nach rein politischen Gesichtspunkten. Der deutsche Saarbergarbeiter wird, wenn er von einem Spitzel wegen seiner deutschen Ve- tätigung oder auch nur wegen seiner deutschen Gesinnung denunziert wird, rücksichtslos aus feiner Gruöenwohnung hinausgesetzt, um den Günstlingen der französischen Bergwerksdirektion Platz zu machen.
Kowno, 5. Januar.
Am Sonnabend, dem 16. Verhandlungstage 'm großen Memelländer- Prozeß, wurde mit dem Verhör der in diesem Prozeß am schwersten beschuldigten Angeklagten, des Vankprokuristen Priest und des Gutsbesitzers Horn, begonnen. Diese Gruppe der Angeklagten wird des Mordes an dem Justizoberwachtmeister Ienuttis beschuldigt. Dieser Mord wird in der Anklageschrift als Fememord bezeichnet.
Priest gab eins längere Erklärung ab, in der er die Beschuldigung entschieden zurückwies' er sei in der Lage, ein lückenloses Alibi beizubringen. Geradezu sensationelle Erklärungen gab dann der zweite Angeklagte dieser Gruppe, Gutsbesitzer Horn, ab. Nach einleitenden Bemerkungen, daß er niemals gegen Litauen illoyal gewesen sei, und alle Beschuldigungen, die in der Anklageschrift gegen ihn erhoben seien, zurückweisen müsse erklärte Horn mit erhobener Stimme, daß er einen Protest gegen die unfaire Art der Voruntersuchung durch den Untersuchungsrichter einlegen müsse.
Obwohl er ein ärztliches Attest über sein Nervenleiden dem Untersuchungsrichter vorgelegt habe, sei er von diesem mit Standgericht und Erschießen bedroht worden, um Aussagen zu erzwingen. Er habe dadurch einen völligen seelischen und körperlichen Zusammenbrach erlitten, zumal er noch von der gräßlichen Ermordung des Reichsdeutschen Rimkus im litauischen Gefängnis erfahren habe. Durch falsche Beschuldigungen sei
Die französische Bergwerksdirektion hat diese offenkundige Tatsache stets abzuleugnen versucht. Aus den gleichfalls veröffentlichen Schriftstücken geht jedoch eindeutig hervor, daß sie französische Bergwerksdirektion nach derartigen Gesichtspunkten Wohnungskündigungen vornahm.
So liegt ein Schriftstück über den Arbeiter Ludwig Hoffmaun in Hühnerfeld vor, der mit einem Sonoerzug zur Saarkundgebung am Niederwald-Denkmal gefahren war. Da er außerdem wie seine Personalakte besagt, „als ein großer Hitlermann bekannt ist und öffentliche Propaganda für dieses System treibt", hat die Bergwerksdirektion sein Aktenstück mit dem Bemerken versehen' „Wohnung ist zu kündigen" Mit gleicher Brutalität ging man gegen diejenigen Leute vor, die bei irgendwelchen nationalen Anlässen flaggten.
Von großer Freundlichkeit erweist sich die französische Bergwerksdirektion denjenigen Arbeitern gegenüber, die sich im Sinne des Status quo be- tätigen. So wird über einen Arbeiter ein lo-
nicht nur er selbst zusammengebrochen, sondern das Herzeleid und die seelische Depression habe seinen Vater zu einem Freitod getrieben. Er selbst sei wirtschaftlich ruiniert worden. Sein Grundstück stehe unter Zwangsverwaltung.
Im übrigen kam es in dieser Verhandlung wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Staatsanwalt und Verteidigung über die Bezeichnung der Jugendorganisation im Memelgebiet. In der Anklageschrift ist dauernd die Rede davon, daß im Memelgebiet „Sturmtrupps" bestanden hätten. Vielfach komme es vor, daß Schriftstücke, die ausdrücklich die Bezeichnung „Wandervogel" trügen, in der Anklageschrift als Schriftstücke der „Sturmtrupps" zitiert werden. Der Staatsanwalt erklärte auf die Beschwerde der Verteidigung und den Hinweis auf die falsche sinnentstellende Uebersetzung, daß er den „Wandervogel" als Sturmtrupp betrachte und deshalb auch diese Bezeichnung in die Anklageschrift aufgenommen habe. Er werde diese Bezeichnung auch ferner vertreten.
Das Verhör im Großen Memelländer-Prozeß wurde am Sonnabendnachmittag abgeschlossen. Bis auf den Angeklagten Molinnus haben alle 120 Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Beschuldigungen einmütig und eindeutig zurückgewiesen und sich erboten, den Wahrheitsbeweis für ihre Aussagen anzutreten. Auch die Sonnabend verhörten neun Angeklagten widerriefen ebenfalls die in der Voruntersuchung gemachten
bendes Schriftstück geführt, daß er als ruhiger und fleißiger Mann bekannt sei, beim Erscheinen des separatistischen Generalanzeigers diesen sofort abonnierte, und darum von seinen Nachbarn heute schon als franzosenfreundlich angesehen werde. Es wird daher geraten, ihm baldigst eine freiwerdende Erubenwohnung zur Verfügung zu stellen Die veröffentlichten Schriftstücke erbringen ferner den Beweis dafür, daß sich auch Eewerkschafts- sekretäre der freien Gewerkschaften als Franzosenspitzel betätigt haben. «
Diese Schanddokumente der Drahtzieher des Status quo zeigen der ganzen Welt und besonders der davon betroffenen saardeutschcn Bergbaubevölkerung mit letzter Offenheit und Klarheit, was sie von einer Status-quo-Lösung zu erhoffen und zu erwarten hätten. Es wird ihr eindeutig klar gemacht, was besonders diejenigen Arbeiter in einem Status-quo-Saargebiet zu erwarten hätten, die heute in den Schwarzen Listen der französischen Bergwerksdirektion stehen.
Aussagen. Sie erklärten, mit dem Fall Jesuttis nichts zu tun zu haben. Die Geständnisse, die sie vor^ dem Untersuchungsrichter gemacht hätten, seien ihnen durch schwereMißhandlungen und durch Androhung mit Erschießen und Standgericht abgepreßt worden. Der Angeklagte Voll erklärte, nicht nur von der Polizei sondern auch vom Dolmetscher und sogar vom Untersuchungsrichter selbst geschlagen worden zu sein. Der Angeklagte Wanagat sagte aus, daß während des Verhörs ein Herr mit einer Brille (gemeint ist wohl der Staatsanwalt, der die Voruntersuchung beaufsichtigte) die Aeußerung getan habe, er habe noch zu wenig abbekommen. Die Mißhandlungen seien in der Weise vor sich gegangen, so sagt der Angeklagte, daß nach einem längeren Verhör der Untersuchungsrichter sich entfernt habe. Er, der Angeklagte, sei dann Polizeibeamten überlasten worden, die ihn auf das schwerste mißhandelt hätten. Die Polizei habe ihm unter Mißhandlung vorgeschrieben, was er vor dem Untersuchungsrichter aussagen solle. Es sei ihm eine Landkarte vorgelegt und ihm genau gezeigt worden, auf welchen Stellen und auf welchen Wegen er mit seiner Hand Vermerke einzuzeichnen hätte. Falls er das nicht tue, werde er weiter geprügelt. Er habe schließlich, um weiteren Mißhandlungen aus dem Wege zu gehen, alles gesagt und in die Landkarte eingezeichnet, was man von ihm verlangt habe.
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k. IM. Nicht das Caargebiet ist es, das für den Generalangriff am nächsten Sonntag noch sturmreif „geschossen" werden müßte. Das Bild einer im Vormarsch zu nehmenden Festung ist, auch in übertragener Bedeutung, auf die deutsche Westmark gar nicht anwendbar: Die treuen Volksgenossen an der Saar haben im Gegenteil ihr Deutschtum fünfzehn Jahre lang mit Unerschrockenheit, Beharrlichkeit und Opfermut gegen den Ansturm ihrer Gegner selbst verteidigt. Sturmreif sind die Stellungen der stsius-quo- Anhänger, der Landesverräter, der ehrlosen Emigranten, der aus dunklen französischen Quellen finanzierten Marxisten. Sturmreif sind die Lügenzentralen der Hetzer- Cliquen, die ängstlich bewachten Werkstätten der politischen Giftmischer. Allen diesen Volksschädlingen wird in sieben Tagen — mit durchaus friedlichen Mitteln, aber deshalb nicht weniger deutlich — zu verstehen gegeben werden, daß sie während der ganzen Zeit ihrer verwerflichen Tätigkeit auf verlorenem Posten standen. Daß ihr schamloses Treiben den Ansturm der Wahrheit nicht auszuhalten vermochte.
Der jahrelange Kampf der Saardeutschen gegen Fremdländisches, gegen Verrat, Hinterlist und Irreführung wird am kommenden Sonntag sein Ende finden. Die vorgetäuschten Kräfte der Gegenspieler, im Saarlande längst entlarvt, werden endlich auch vor der übrigen Welt schachmatt gesetzt. Vor allem aber: Die Unzerstörbarkeit deutschen Volkstums wird mit dem Bekenntnis der Saarbevölkerung zu Adolf Hitler einen Triumph feiern, der alle seelischen Leiden der Knechtschaft ausgleichen wird. Unsere Herzen und unsere Gedanken ind in diesen letzten Tagen vor dem End- ieg mehr als je bei den aufrechten, unbe- techlichen Volksgenossen an der Saar^ Die zur Heimkehr rüstenden deutschen Männer und Frauen haben, obschon sich jetzt die Terrorakte der Emigranten geradezu überstürzen. das Schwerste bereits hinter sich. Die rohen Gewalttaten zügelloser Rowdies offenbaren viel mehr noch als die Pamphlete der sistus-auo-Presse die innere Schwäche der Verleumder. Und der Aerger der Besiegten findet besonders in der Tatsache immer wieder neue Nahrung, daß die „Deutsche Front" in musterhafter Disziplin allen Provokateuren nicht die geringste Aktionsmöglichkeit bietet. Es hilft alles nichts: Matz Braun und seine sauberen Helfer müssen sich rechtzeitig mit Devisen und Reiseschecks eindecken — wollen sie nicht Gefahr laufen, daß sich der Pleitegeier noch auf ihre eigenen Schultern setzt.
Schon am heutigen Sonntag wird im Saarland gewählt: Die Eisenbahner sowie die Post- und Polizeibeamten werfen ihre Stimmscheine eine Woche vor der allgemeinen Volksbefragung in die Urne, um am Tage der Entscheidung selbst ganz für ihren Dienst zur Verfügung zu stehen. Vergebens haben die antideutschen Drahtzieher und Lügner versucht, in den Reihen der Eisenbahner Verwirrung zu stiften- sie haben das Gerücht in Umlauf gesetzt, die Eisenbahn- direktion Saarbrücken würde nach Trier verlegt werden. Von amtlicher deutscher Seite
Mit Erschießen bedroht...
Sensationelle Erklärungen des Angeklagten Horn im Memelprozeß
Die Stadt der heiligen Drei Könige
Abenteuerliche Romantik vor den Kordilleren / Von Hans Serlach.Valparaijo
Am 6. Jan. 1535 wurde Lima gegründet
Ein feiner Regen rieselt herab. So fein, daß niemand den Regenschirm benutzt. Tag für Tag, monatelang. Was in den Tropentälern der Kor- dillere als Wolkenbruch herunterstürzt, großartig und furchterregend, läßt sich in Lima leise und fast unbemerkt herab. Nach wenigen Tagen kommt es einem schon nicht mehr zum Bewußtsein, daß es regnet.
Zwischen den Brechern des Großen Ozeans und den Vergriesen der Hochkordillere liegt Lima eingebettet. Wer von Callao, der Hafenstadt Limas, die breite Anfahrtsstraße nach dem Stadt- innern benutzt, glaubt in einer modernen Weltstadt angelangt zu sein. Steigt man dann im Hotel ab, sieht man den Luxus und die Preise, so zweifelt man nicht mehr, daß die Hauptstadt Perus zu den Millionenstädten der Neuen Welt gehört. In Wirklichkeit aber hat es 260 000 Einwohner, und trotz seiner modernen Anfahrtsstraße ist es eine der altertümlichsten Städte Süd- amerikas.
Denn inmitten der Stadt erinnern noch immer die malerischen Straßen und die Gassen mit romantischen Namen an die Zeiten, als die spanischen Vizekönige in Lima Hof hielten. Im berühmten Palast des erloschenen Geschlechtes der Margueses de Torre Tagle, zwischen holzgeschnitz- ten Brüstungen und den Blumengärten leuchtender Mosaiken, wirft ein Springbrunnen den Seufzer seiner Sehnsucht nach der Vergangenheit gen Himmel. In der Kathedrale, deren Hochaltar aus dem Silberschatz geschmiedet ist, den der letzte Inka Atahualpa für seine nie erlangte Freiheit zahlte, liegen einbalsamiert im Glassarg die Gebeine Don Francisko Pizarros, des
Gründers der Stadt, mehr vom Glänze seines Ruhmes erleuchtet als von dem düsteren Schein einer flackernden Kerze.
Wo Pizarro siel
Vom holzgeschnitzten Erker des erzbischöslichen Palastes blickt man auf den Palmenhain der Plaza de Armas. Die Hauptfront nimmt das alte, einstöckige Regierungsgebäude ein, das Pizarro erbaute, in dem die Vizekönige residierten und in dem auch heute noch der Präsident der Republik wohnt. Der geräumige Patio mit schmucklosem Säulengang unterscheidet sich in nichts von dem eines Gutshauses im Innern des Landes. In einem der Gemächer dieses Palastes fand Pizarro seinen Tod, als er von den rebellischen Anhängern Almagros eines Sonntags nach der Messe überfallen wurde. Es blieb ihm keine Zeit, den Panzer umzuschnallen. Wie ein Held der alten Sage griff er das Schwert mit beiden Händen und tötete mehrere seiner Gegner, bis er der Uebermacht erlag. Die klaffenden Wunden, die sie ihm schlugen, sind notdürftig mit Watte verstopft in dem Leichnam im Glassarg der Kathedrale.
Warum nennt man Lima „La Ciudad de los Reyes", frage ich einen, der es hätte wissen sollen.
„Weil hier die Vizekönige gewohnt haben", war die einleuchtende Antwort.
Und doch war sie falsch. „La Ciudad de los Reyes" heißt zwar in wörtlicher Uebersetzung: Die Stadt der Könige, gemeint sind aber die Heiligen Drei Könige der biblischen Geschichte. Es war am 6. Januar 1535, als Franzisko Pizarro die Stadt gründete und sie nach den Schutzheiligen des Tages, den Heiligen Drei Königen,
nannte. Doch von Anbeginn war unter den Ansiedlern der Name Lima gebräuchlich. Er leitet sich von dem Fluß Rimac her, der die Stadt durchstießt. Denn die Eingeborenen konnten das scharfe „r" der Kastilianer nicht aussprechen, und wenn sie Rimac sagten, verstanden die Eroberer Limac, wobei nur der im Spanischen ungewöhnliche Endkonsonant zu verschwinden brauchte, um ein vollgültiges spanisches Wort daraus zu machen.
Die Gründung Limas und sein Ausbau ist das Werk des Eroberers Don Franzisko Pizarro. „Ich will mir eine neue und prächtige Hauptstadt bauen", hatte er nach der Eroberung Kuzkos gesagt, denn das Bergnest der Inkas war keine Hauptstadt für einen Staat, der auf Verbindung mit Uebersee angewiesen war. Mit der ihm eigenen Energie setzte er seinen Plan in Wirklichkeit um, preßte die Indianer in hundert Kilo- meter Umkreis zu Frondiensten und schuf in kurzer Zeit die schönste Stadt an der Westküste Süd- amerikas.
Wem gehört die schönste Stadt Südamerikas?
Fast möchte es scheinen, daß der verstorbene Präsident Leguia das Wort Pizarros aufgegriffen hätte, denn zur Verschönerung und Modernisierung Limas hat er viel getan. Nur. dah er nicht die Frondienste der Indianer, sondern nord- amerikanisches Kapital dazu in Anspruch nahm. So kam es, daß dieses Land bei Pizarros Tod sein Vermögen um eine wichtige, vielversprechende Stadt vermehrt sah, bei Leguias Sturz dagegen eine ungeheure Schuldenlast vorfand.
„Sie sind stolz auf Ihre asphaltierten Straßen, auf Ihren Country Club und auf Ihr neue^ Justizgebäude", sagte ich zu einem mir befreundeten Peruaner, „aber genau betrachtet gehört das alles ja nicht Ihnen, sondern den Nordamerikanern. Was gehört Ihnen eigentlich in Peru? Die Bergwerke, die Eisenbahnen, die Baumwollpflanzungen, die Zuckerrohrfelder, das
Petroleum . . . gehört nicht alles den Bankiers der Wallstreet?"
Der andere lächelt ein wenig spöttisch. Es war ein angesehener Kaufmann, der verschiedene Ehrenämter bekleidete und in Deutschland den Titel Geheimrat gehabt haben würde.
Nach einer Pause meinte er: „Es stimmt schon; sie haben die Aktien unserer Kupferminen, unserer Petroleumquellen, ja, sogar unserer Schulen und Wasserleitungen. Aber die Kupferminen,
die Petroleumquellen, die Schulen und die Wasserleitungen liegen in Peru, nicht in USA. Verstehen Sie mich, Senhor?"
Mehr sagte der vorsichtige Peruaner nicht. Es war, als ob er das Staatsmoratorium vorausgeahnt hätte.
So optimistisch denken jedoch nicht alle Peruaner. Sie sehen nur die jetzige Schuldenlast und verwünschen den zweiten Gründer Limas, der sie ihnen hinterließ. Vielleicht zu Unrecht . . .
Die Palme küßte die Rose
Ein Schicksal in drei Briefen / Von Heinrich Rumpfs
I.
Profestor Clas Andrck Hogner, Minister für
Auswärtige Angelegenheiten, Lima, Peru,
an Frau Kammersängerin Elena Eerhardt- Manzell, Berlin
Lima, den 14. Juli.
Sehr verehrte Frau!
Ihr Bild, das ich heute in einer hiesigen Zeitschrift finde, zaubert so mächtig die Vergangenheit vor mir herauf, daß ich mit meinen weißen Haaren mich wie ein begeisterter Student hinsetzen muß, um an Sie zu schreiben!
Nun, etwas anders ist es wohl doch- Der Student dürfte ja lediglich seine Verehrung ausdrücken — ich aber habe in gewisser Weise mehr Anrechte an Sie! Erschrecken Sie bitte nicht: es ist nur eine gemeinsame Erinnerung, die uns verbindet, die Erinnerung an eine Rose, eine vergessene Rose!
Im allgemeinen habe ich mir zur Gewohnheit gemacht, Vergangenes ruhen zu lassen Es hat seine Zeir gehabt, seine Aufgabe erfüllt (auch wenn das Ergebnis, wie in unserem Falle, ein negatives war!), und man sollte nicht einmal
daran rühren, denn das allein wirbelt Staub auf. Staub aber — um in dem Vergleich zu bleiben — reizt entweder zum Nießen, und das wirkt unfehlbar komisch, oder er dringt in die Augen und macht sie feucht, und dann sieht es verdächtig nach Tränen aus. Beiden Möglichkeiten geht man in meinem Alter besser aus vem Wege. Heute jedoch zwingt mich Ihr Bild von dieser Regel abzuweichen. Aus einem ganz besonderen Grunde. Ich bin tief von der Gewißheit durchdrungen: Nicht Zufall, sondern Schicksal hat es mir gerade heute in die Hände geführt!
Wie Sie vielleicht aus den Zeitungen ersehen haben, rast augenblicklich wieder eine Revolution über dieses arme reiche Land. das ich mit großer Liebe meine zweite Heimat nennen darf. Ich sitze mit einigen Herren im belagerten Regierungsgebäude; von allen Ecken der Stadt tönt unaufhörlich das Knattern der Maschinengewehre herüber, und die Meldungen, die unser Funker hereinbekommt, widersprechen sich so sehr. daß wir überhaupt nicht wissen: rührt der Geschützdonner, den wir seit Stunden näher und näher kommen hören, von regierungstreuen Entsatztruppen her -oder find es Aufrührer, die die Reste unserer