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Nr. 4/1. Vierteljahr
Freitag, 4. Januar
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Kundgebung der deutschen Führerschaft
Gin beispiellos imposantes Bekenntnis der Treue zum Führer und Reichskanzler legt den ausländischen Lügnern
das Handwerk / Adolf Hitler spricht
, Berlin. 3. Januar.
Die NSK. teilt mit: In feierlichem Rahmen, in der festlich geschmückten preußischen Staatsoper Unter den Linden fand Donnerstag nachmittag eine denkwürdige Kundgebung der gesamten deutschen Führerschaft statt, die in eindrucksvoller, einzigartiger Weise die Einheit und Geschlossenheit in der Führung der deutschen Nation gegenüber den neuerlichen Lügen und Verleumdungen im Auslande dokumentierte. Das Führerkorps der Partei, des Staates und der Wehrmacht war zu dieser Stunde in Berlin zusammengekommen, um dem Führer die Gesolgschaststreue und dem ganzen deutschen Volk und der Welt die unerschütterliche Einigkeit all derer zu bekunden, die zur Führerschaft der deutschen Nation berufen sind.
Diese feierliche Demonstration zeigte schon rein äußerlich ein imposantes Bild: Im Parkett und in den Rängen des festlichen Raumes die Führerköpfe sämtlicher Gliederungen und Organisatio- nen des neuen Deutschland vereint! Ein einziger geschlossener Eindruck der unter der Führung Adolf Hitlers konzentrierten Kraft der deutschen Ration!
. In den ersten Reihen neben dem Führer und seinem Stellvertreter die Reichsminister, die Reichsleiter der Partei, die Reichsstatthalter, die Führer und Befehlshaber der deutschen Wehrmacht. Dahinter und auf den Rängen die Gruppenführer der SA., der SS. und des nationalsozialistischen Kraftfahrkorps und Amtsleiter der Reichsleitung der Partei, die hohen Offiziere der Wehrmacht und der Polizei, die Führer der Teutschen Arbeitsfront, des Deutschen Arbeitsdienstes, der Hitler-Jugend und all der zahlreichen anderen Gliederungen.
Das ganze deutsche Volk war hier in diesem Raum in seiner Führerschaft vor seinem obersten Führer versammelt, um in einer überwältigenden Kundgebung angesichts der bevorstehenden Saarabstimmung der Liigenhetze gegen das nationalsozialistische Deutschland und seine Führung entgegenzutreten.
Denn die Skrupellosigkeit dieser Liigenhetze, die von Emigrantenzentralen im Auslande organisiert und von ihnen systematisch genährt wird, ist nicht zu überbieten. Tag für Tag werden Führerkämpfe aller gegen alle, Putschaktionen, Massenhinrichtun- gen und Revolten angekündigt. Einmal heißt es, Himmler gegen Blomberg, dann Blomberg und Himmler gegen Lutze, Göring gegen Goebbels und Göring gegen Wehrmacht und umgekehrt. Kurz es gibt nichts an Blödsinn und Dummheit, was von ihnen in ihrem Haß gegen Deutschland nicht erfunden würde. Es wird über Deutschland von
diesen berufsmäßigen Lügnern das Bild eines TollHauses zusammenphantasiert.
Die heutige gewaltige Kundgebung der deutschen Führerschaft, diese imponierende Demonstration der Einheit, hat mit einem einzigen Griff das Lügengewebe zerrissen und mit einem einzigen Schlage die Hoffnungen derer zerstört, die in der Lüge gegen Deutschland die Befriedigung ihrer Haß- gesühle sehen. Den Erfolg ihrer Kämpfe erhielten sie heute in einer Demonstration der Geschlossenheit, wie wir sie in dieser unerhört wirkungsvollen Form in Deutschland noch nicht gesehen haben.
Der Stellvertreter des Führers, Pg. Rudolf Hetz, unter dessen Leitung die Kundgebung stand, eröffnete sie mit folgender Ansprache: Die Kundgebung der deutschen Führerschaft ist eröffnet. Die Spitzen der Partei und des Staates sind hier versammelt, um gegenüber den im Auslande verbreiteten Lügen und Gerüchten, die wohl vor allem die Saarabstimmung beeinflussen sollen, Ihnen, mein Führer, unsere an sich so selbstverständliche Ergebenheit vor aller Oeffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen.
Als dem Oberbefehlshaber der-Wehrmacht sind Ihnen der Dank und die Wünsche der hier an-
Velgrad» 3. Januar.
Die neue Regierung Jeftitsch-Zivkowitsch stellte sich am Donnerstagnachmittag der Skupschtina vor. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Ministerpräsident und Außenminister Jeftitsch verlas die Regierungserklärung, die mit Rücksicht auf die außen- und innenpolitischen Vorgänge mit großer Spannung erwartet wurde.
Er führte u. a. aus: Der Schutz Südslawiens, und zwar sowohl der Einheit des südslawischen Volkes als auch der Unversehrtheit des Staates muß das höchste Gesetz für jeden sein. Dieses Gebot stellt auch der Regierung in innen- und außenpolitischer Hinsicht klar umrissene Aufgaben. Südslawien muß die Außenpolitik des verblichenen Königs Alexander, der das Ansehen des Staates gehoben und sich verläßliche Freunde und Verbündete geschaffen hatte, fortsetzen. Entschlossen, eine Politik des Friedens, der Verständigung und der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit zu verfolgen, wird die Regierung immer bestrebt sein, besonders mit den Nachbarstaaten Beziehungen zu unterhalten, die am besten den Interessen des allgemeinen Friedens dienen. Grund,
wesenden Reichswehr zum Jahreswechsel bereits überbracht worden, Als dem Führer der nationalsozialistischen Bewegung bring« ich Ihnen den tiefempfundenen Dank ihrer alten politischen Kampftruppe, der NSDAP-, und die leidenschaftlichen Wünsche Ihrer alten politischen Mitstreiter.
Möge ihre Arbeitskraft auch im kommenden Jahre in alter Energie zum Segen des jungen Deutschland wirken! Um Sie, mein Führer, sind die Männer versammelt, die nach ihren Willen das neue Deutschland mit aufbauen durften. Insbesondere die Männer, die in der von Ihnen geschaffenen Bewegung die Grundlagen für dieses neue Deutschland erkämpften. Männer, zusammengeschweißt in langen Jahren harten undschweren Ringens um die Macht, verbunden in grenzenloser Liebe und Verehrung zu Ihnen, der Sie uns längst vor der Machtergreifung zum Inbegriff des Führers schlechthin geworden waren. Voller Ergriffenheit sehen wir auf die Verwandlung Deutschlands in den zwei Jahren Ihrer Kanzlerschaft.
Wir stehen zu Ihnen in der inneren Verbundenheit, welche gemeinsam getragenes Leid, gemeinsam erlebte Freude und gemeinsam errungene Erfolge erzeugen — und die Ihnen die Gewißheit gibt» daß ihre Führer in unerschütterlicher Treue auch in ver kommenden Zeit für Sie und ihr Werk, d. h. für das neue Deutschland
an ihrem guten Willen zu zweifeln, wird niemand haben. Andererseits muß aber die Regierung auch von den Nachbarn unerbittlich dasselbe Maß von Aufrichtigkeit und Loyalität verlangen.
Terroristische Aktionen und Verschwörungen dürfen keinesfalls ein Mittel der zwischenstaatlichen Politik sein. Südslawien hat infolge solch unerlaubter Unternehmungen schon die schwersten Opfer bringen müssen. Es kann ihm daher niemand übelnehmen, wenn es keine Opfer mehr bringen will.
Indes konnte Südslawien mit Hilfe seiner Verbündeten und Freunde, die unerschütterlich hinter ihm standen, und durch seine mit Beweisen belegte Beschwerde ein Urteil erwirken, das klar und bestimmt lautete. Dieses Urteil läßt keine zweideutige Auslegung zu. Seine wirkungsvolle und bereitwillige Anwendung wird die Vorbedingung für den Frieden und für die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zwischen den Völkern schaffen. Das Marseille! Verbrechen muß vollständig geklärt werden. Im Zusammenhang mit den festgestellten Verantwortlichkeiten, müssen
der Ehre und Größe ihre Befehl zu Taten werden lasten.
Zu Ihren alten Getreuen treten als ebenso feste Stützen des Staates die Führer der Wehrmacht. Die Gemeinsamkeit unserer Arbeit für Deutschland und unserer Liebe zu Deutschland — einst schon gemeinsam bewährt in der Front des Weltkrieges, vereint uns alle in gegenseitigem Vertrauen und in treuer Kampsverbundenheit. Und gemeinsam grüßen die Spitzen der Partei und des Staates — Ihre Paladine, Ihre Generale, Ihre Minister — Sie als den Führer Deutschlands in Dankbarkeit und Verehrung. Adolf Hitler Sieg-Heil!
Nach dem Sieg-Heil auf den Führer erteilte Pg. Rudolf Heß dem preußischen Ministerpräst. denken Pg. Hermann Eöring das Wort, der in seiner Eigenschaft als Hausherr den Führer und die Versammelten begrüßte und dem Führer die Neujahrsglückwünsche für die Reichsregierung, die Reichsstatthalter, die Vertreter der Länderregierungen, die Befehlshaber und Offiziere der Landespolizei, die Führer des Arbeitsdienstes und des Feldjägerkorps überbrachte.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Sanktionen erfolgen. Die Regierung wird in dieser Hinsicht alles Notwendige veranlassen.
In der Innenpolitik, so fuhr Jeftitsch fort, wird die Regierung die Richtlinien befolgen, die von König Alexander aufgestellt und in der Verfassung vom Jahre 1931 festgelegt worden sind. Die Verfassung bietet alle Möglichkeiten zur Entfaltung des nationalen und sozialen Lebens.
Auf wirtschaftlichem Gebiete betrachtet die Regierung die Bauernschaft als den wichtigsten Stand. Sie ist bereit, durch die Unterstützung der Genossenschaften der Landwirtschaft so weitgehend als möglich zu helfen. In ihrer Finanzpolitik wird sie bestrebt sein, das Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben, sowie die Beständigkeit der Währung zu bewahren. Schließlich will die Regierung ihre besondere Aufmerksamkeit der körperlichen Ertüchtigung der Jugend zuwenden. Auch das H ee r wird Gegenstand ihrer aufmerksamen Sorge sein, daß es der beste Bürge für den Frieden ist. Ein starkes und gutausgeriistetes Heer wird am besten die nationale Ehre und die zwischenstaatlichen Verträge zu verteidigen wissen.
Der Dvrn
X. D. Wenn rückgratlose und charakterschwache Leute für den selbst gewählten Zickzackkurs ihres Lebens eines schönen Tages den verdienten Lohn empfangen haben und sie merken, daß es an denen, die ihnen ein Dorn im Auge sind. herzlich wenig herumzukritisieren und zu bemängeln gibt, dann greifen sie zu den letzten und verwerflichsten Mitteln: Zu Lüge und Verleumdung. Das kann man im täglichen Leben sehr oft beobachten, und wir alle haben wohl schon selbst solche „Charaktere" kennengelernt. Diese Leute können aber versichert sein: Lügen haben kurze Beine, und fast in jedem Falle hat sich bis heute noch das so bekannte Sprichwort „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein", bewahrheitet.
Der Nationalsozialismus ist seit seinem Bestehen gewissen Kreisen des In- und Aus- landes ein Dorn im Auge gewesen. Erinnern wir uns an die Jahre vor der Machtergreifung, wo Lüge und Verleumdung das einzige politische Kampfmittel unserer Gegner war. Systematisch wurden in der damaligen Zeit Hetzkampagnen über Hetzkampagnen eingeleitet, und es gab gar nicht soviel Kübel, um den ganzen Dreck zu fassen. Das Blaue vom Himmel wurde herunter- gelogen, aber zum Entsetzen der Verleumder nahm von Tag zu Tag, ja, von Stunde zu Stunde, der nationalsozialistische Gedanke an Stärke un'd Größe zu.
Ende dieses Monats feiert nun diese in der gemeinsten Art und Weise bekämpfte nationalsozialistische Bewegung die zweite Wiederkehr des Tages der Machtübernahme. Nun können die Gegner nicht mehr mit den alten Lügen arbeiten, daß der Nationalsozialismus wohl Versprechungen mache, aber nichts davon halte, denn die Erfolge zweijähriger Staatsführung sind eoen nicht wegzuleugnen. Die Aufbauarbeit hat den innenpolitischen Gegner verschwinden lassen. Deutschland ist eine einige Nation geworden.
Und jetzt entfachen gewisse Kreise des Auslandes wiederum eine Hetzkampagne gegen das neue Deutschland, die in ihrer skrupellosen Verlogenheit sehr stark den Lügenmeldungen der Kampfzeit ähnelt. Und wie in jener Zeit der Nationalsozialismus an sich dem Marxismus ein Dorn im Auge war, so ist heute für gewisse ausländische Kreise die Einigkeit des deutschen Volkes dieser Dorn. Da treten die blödsinnigsten Erfindungen über Uneinigkeiten zwischen maßgebenden Stellen von Partei uno Staat zutage. Ein Teil der Auslandspresse weiß zu , berichten, daß Hitler und v. Blomberg m > vielen Fragen entgegengesetzter Meinung I seien, Göring und Dr. Goebbels sollen sich
Die Politik Südslawiens
Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Jeftitsch
Von ur-eutscher Wissenschaft
Jakob Grimm zum 150. Geburtstag am 4. Januar 1yZ5 / Von Theodor Henker
Von dem unzertrennlichen Brüderpaar Grimm war erst gegen Ende des gerade verklungenen Jahres Verdienst und Würde des Märchen- und Sagenerzählers Wilhelm an seinem 75. Todestag achtungsvoll hervorgehoben worden. Heute nun gilt es des älteren Bruders Jakob in treuer Dankbarkeit zu gedenken. Vor 150 Jahren wurde er in dem hessischen Städtchen Hanau geboren; und was der unermüdlich-eifrige Gelehrte in seinem fast achtzigjährigen Leben geschaffen, geleistet hat, das reicht so bedeutsam und unentbehrlich in unser deutsches Geistesleben, unsere gesamte Deutschwissenschaft, daß wir gerade in unserer bewußten und tätigen Zeit bewundernd dabei verweilen müssen.
Die romantischen Wellen und Strömungen, aus denen in Musik und Dichtung manche Kostbarkeit hervorgegangen ist, waren in ihren Bestrebungen auch für die Wissenschaft sehr anregend und befruchtend, vor allen Dingen für die alle völkischen Belange erfassende Deutsch- kunde. Was einzelne Geister angeregt (z. B. Lessing, Herder), andere wieder (z. B. L. Tieck, A. W. Schlegel) bruchstückweise und zusammenhanglos begonnen hatten, das hat Jakob Grimm mit aller Vielseitigkeit und ganzer, planvoller Hingabe erfüllt: Die einzelnen Zweige dieser vaterländischen Wissenschaft (Dichtung, Sprache, Recht, Geschichte) zu ihren Ursprüngen und Anfängen hin, ihre Entstehung und Entwicklung erforschend zu verfolgen und zu erhellen, um dadurch reichere und sichere Schritte im Wissen und tieferen Verstehen der Gegenwart wie auch des Zukünftigen vorwärtszugehen.
Auf dem gewaltigen, noch unbebauten Feld konnte es nicht seine Aufgabe sein, ein einzelnes Gebiet vollständig und erschöpfend zu bearbeiten
— wozu er als vielberufener Forscher und lebhaft-vielseitiger Gelehrter auch nicht geschaffen war —, sondern durch ernsthafte, zielbewußte Tätigkeit in allen tragenden Teilen des unab- grenzbaren Planes festen Untergrund zu legen, richtenden und führenden Anstoß zu geben und notwendig-hochgestecktes Ziel zu weisen, nach denen die folgenden Geschlechter weiterstreben konnten.
Im Anfang und Ende seiner Wirksamkeit finden wir ihn mit dem geliebten Bruder Wilhelm gemeinsam am Werk. Zu Beginn vereinten sie sich zu den schönsten Märchen- und Sagensamm- lungen; und zum Beschluß übernahmen sie die wohl unübersehbare Arbeit des „Deutschen Wörterbuches", an dem Jakob der Hauptbeteiligte war, und das nach seinem Tod bis zur endgültigen Vollendung noch an viele tüchtige Männer gehörige Anforderungen stellte. Die Zwischenzeit, in der die selbständigen Werke der Brüder entstanden, sieht sie jedoch mit nur wenigen Ausnahmen in engster persönlicher und beruflicher Gemeinschaft; keiner von beiden konnte ohne den anderen sein: ein herrliches und schöpferisches, menschlich selten-verbundenes und vertieftes Ge- schwistertum.
Schon die Namen seiner Werke geben auch dem Laien Kenntnis von Jakobs Werken; seine gelehrten Bücher sind zu einem großen Teil nicht nur für Wissenschaftler oder Bewanderte, sondern gerade auch für Nichtfachleut.- und Unkundige geschrieben, was ihnen breite und nachhaltige Wirkung gab.
Das Hauptfeld seines Bruders — die altdeutsche Dichtung, ihre Erforschung, Wiedererweckung und geschichtliche Ergründung — hat er nur anfänglich und vorübergehend bestellt. Er
war in erster Linie Sprachforscher und wandte sich nach der brüderlich-gemeinsamen Wirksamkeit einer sehr wichtigen und umfangreichen Arbeit zu: der „Deutschen Grammatik", deren Erscheinen sich verständlicherweise über viel Jahre erstreckte, leider aber auch unvollendet blieb. — Man muß sich die Zustände und Verhältnisse der damaligen Zeit vergegenwärtigen, um die Schwierigkeit und Bedeutung gerade dieses Werkes zu erkennen: Es ist nicht nur eine umfassende Sprachlehre, sondern zugleich auch eine schöpferische „Geschichte der deutschen Sprache", die damals in eine sprachlich regel- und fast gesetzlose Zeit hineingestellt wurde. Ein Werk dieses Namens zeigt ihn später (1848) als zusammenfassenden und vervollständigenden Führer auf seinem ureigensten Gebiet, der, wie in allen seinen Werken, auch hier den Weg weiterzeigt und deutet, den er anderen tätig zu gehen überlassen muß. Und endlich krönt er als Sprach- meister mit dem schon erwähnten „Deutschen Wörterbuch" sein einzigartiges Lebenswerk: Von Luther bis Goethe den unendlichen Reichtum unserer Sprache, alle Wörter mit ihren Bedeutungen, alle Redensarten und Sprichwörter mit den Quellen in sich zu bergen — das war seine übermenschliche Aufgabe, sein einmaliges, großartiges Ziel!
Nicht minder wertvolle und wichtige Beiträge gab er mit den „Deutschen Rechtsaltertümern" (1828) und mit der „Deutschen Mythologie" (1835). Die erste Schrift, ein Schritt auf das Rechtsgebiet, vor dem die deutschen Altertumsforscher als außerhalb der Grenzen ihrer Wissenschaft liegend zumeist auswichen, war ihm, der in Marburg die Rechtswissenschaften studiert hatte, kein fremder und von der Deutschkunde schlechthin abgetrennter Weg; das zweite Buch handelt von dem Glauben, dem „Mythos", unserer „heidnischen" Vorfahren und geht wie das erste hauptsächlich forschend den geschichtlichen Urzuständen. den ersten unverbildeten, „unschuldi
gen" Kinderjahren" der gegenwärtigen Gestalt zu. Dieses „Im Anfang war..." fand und findet nicht allein überall regste Anteilnahme, sondern ist für jede wissenschaftliche Forschung dieser Art von ungeheurer, grundlegender Bedeutung.
Und zu all diesen wissensvollen und bahnbrechenden Werken, die allein ein Menschenleben ausfüllen könnten, gesellen sich noch acht Bände verschiedener kleinerer Schriften: Welch ungeheure Arbeitskraft und -leistung, wo doch neben dem mehr oder weniger privaten Eelehrtentum noch praktisch-berufliche, oft sogar sehr in Anspruch nehmende Pflichten einhergingen.
Nach beschlossenem Universitätsstudium lebte er viele Jahre in Kassel, wo er an der Stadtbibliothek angestellt war und außerdem als Mitglied des hessischen Staatsrates und Legationssekretär in damals allerdings traurigen politischen Diensten stand („napoleonische Zeit!"). Von 1830 bis 1837 war er Professor in Eöttingen
Worte von I
Zum 150. Mal jährt sich am heutigen 4. Januar der Geburtstag des Mannes, der — allen Politikern weit voraus — an die Einheit des deutschen Volkes und an die Größe seiner arteigenen Kultur geglaubt hat. Was Jacob Grimm oft gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm, arbeitete — ob sie Deutschlands Sprache, seine Märchen, seine Götterlehre, seine Sagen, seine Gedichte, sein altes Recht sammelten und ausschrieben — es galt dem einzigen Ziel: den deutschen Menschen zur Besinnung aus seine eigene Vergangenheit zu sichren ...
Ueber seine Tätigkeit
Alle meine Arbeiten wandten sich auf das Vaterland, von dessen Boden sie auch ihre Kraft entnehmen, mir schwebte unbewußt und bewußt vor, daß es uns am sichersten führe und leite, daß wir ihm zuerst verpflichtet seien. Alle meine Arbeiten haben sich dabei wohl befunden oder sind
und wurde als einer der sogenannten „Göttinger Sieben" — ein für die seinerzeitigen vaterländischen Verhältnisse bezeichnender Fall! — seines Amtes enthoben und sogar des Landes verwiesen. Preußen machte unter Friedrich Wilhelm IV. das ihm und seinem Bruder widerfahrene Unrecht wieder gut und berief sie nach Berlin, dem Mittelpunkt und Hochsitz des geistigen deutschen Lebens.
Jede Frucht, die wir auf diesen deutschen Eeistesgebieten pflücken und die zum Verständnis und zur Reife von Gegenwart und Zukunft beiträgt, ist zutiefst und unlösbar verbunden mit dem Ursächlichen und Ursprünglichen ihrer Art, die Jakob Grimm meisternd erforschte und ist erfüllt von seinem Blut und Geist. Sein Name ist unsterblich, solange es diese deutsche Wissenschaft und Lehre geben und solange der deutschen Menschen Anteilnahme, Liebe und Hingabe zu ihnen leben und wachsen werden.
ckob Grimm
vielmehr nur daran erstarkt, daß ich ein früher unscheinbares und übersehenes vaterländisches Element hervorzuheben und zu befestigen geflisten gewesen bin. Mögen diese Studien überhaupt manchem unergiebig geschienen haben und noch scheinen; mir sind sie jederzeit vorgekommen als eine würdige, ernste Aufgabe, die sich bestimmt und fest auf unser gemeinsames Vaterland bezieht und die Liebe zu ihm nährt. Weil ich lernte, daß seine Sprache, sein Recht und sein Altertum viel zu niedrig gestellt waren, wollte ich das Vaterland erheben. Vielleicht werden meine Bücher in einer stilley frohen Zeit, die auch wiederkehren wird, mehr vermögen. Sie sollen aber schon der Gegenwart gehören, die ich mir nicht denken kann, ohne daß unsere Vergangenheit auf sie zurückstrahlte und an der Zu-