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Üas amtliche Drgan des Senats
-er Freien Hansestadt vremen
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Nr. 304 / 4. Vierteljahr (
Sonnabend, 3. November
Einzelpreis 15 Rpf.
Ein telefonischer „SOS-Ruf" genügt...
Frankreichs Versuchsballon
Äntrigen an der Saar / Die falsch ausgelegten Völkerbundsratsbeschlüffe
Knox am Pulverfaß
(Orsktdsrioüt unssrsr Bsrlinsr LeüriktlsttullK)
II. Vil. Berlin, i. November.
In maßgebenden politischen Kreisen der Reichshauptstadt hält man angesichts des empörenden Intrigenspieles, über das im ganzen Reich, besonders aber im Saargebiet selbst, helle Empörung herrscht, die Weiterbelassung des Herrn Knox in seinem verantwortungsvollen Amt kaum noch für tragbar. Ein Mann, der mit Streichhölzern am Pulverfaß spielt, gehört nicht an die Spitze einer Regierungskommission. Man erblickt in der nackten Gewaltandrohung den letzten Versuch des Saargewaltigen, seine Politik der offenbaren Mißerfolge und des unabwendbaren Fiaskos nun mit dem letzten Mittel, mit dem Terror der Waffen, aufrechtzuerhalten. Es ist nicht mehr abzuleugnen, daß Herr Knox mit der französischen Regierung konkrete Verhandlungen geführt hat und daß darauf von Paris aus das „Erforderliche" veranlaßt worden ist.
Man fragt sich vergebens, wie Herr Knox dazu gekommen ist, in so ungeheuerlicher Weise sein Amt als Treuhänder zu verletzen und als Amt swalter der krasse st en französischen Jnterventionspolitik mitzuwirken. Es heißt, er lebe in einem ständigen Angstzustand wegen der Drohbriefe, die er bekommt. Solche Drohbriefe werden aber vor allen Dingen leicht geschrieben von solchen Kreisen, die ein Interesse daran haben, auf die ihnen bekannte Psychose des Herrn Knox einzuwirken. Es ist untragbar, daß einem solchen Mann, wie es sich anscheinend die Franzosen denken, die Entscheidung über Wohl und Wehe eines ihm überantworteten Gebietes, ja über die Ruhe Europas; anvertraut bleibt. Herr Knox hat schon früher gezeigt, daß es ihm mit Neutralität, ja mit Vertragstreue, nicht übermäßig ernst ist.
Wie steht es übrigens mit jenen vernünftigen Ideen, die seinerzeit in Genf ausgesprochen wurden, und die darauf hinausgingen, daß zunächst ein Franzose, dann ein Neutraler und schließlich für die Abstimmungsperiode ein Saarländer den Vorsitz in der Regierungskommission zu übernehmen hätte?
Für gesunden Warenaustausch
Newyork, 2. November.
Präsident Roosevelt sandte an den Vorsitzenden des „Nationalen Rotes für den Außenhandel" ein Telegramm, in dem es heißt: „Wir suchen den internationalen Handel in einer Art und Weise wiederherzustellen, der nicht einer Anzahl Nationen, sondern allen Nationen und nicht nur einer Gruppe von Nationen, sondern der ganzen Welt zugute kommt." Zu dem schlechten Stand des Welthandels sagt der Präsident, die Ursachen des Niederganges seien mehrfacher Art, aber zu den schlimmsten gehörten die unnötigen und künstlichen Schranken, die den gesunden Warenaustausch hemmten.
Erhöhter Fremdenverkehr
Berlin, 2. November.
Nach Mitteilungen des, Statistischen Rsichs- amtes hat die günstige Entwicklung des Fremdenverkehrs auch im September angehalten. In 247 wichtigeren Fremdenverkehrsorten des Deutschen Reiches waren gegenüber dem September 1833 die Fremdenmeldungen um 28 v. H. auf 1,30 Millionen und die Fremdenübernachtungen um 32 v. H. auf 4,33 Millionen gestiegen, darunter für Auslandsfremde um 63 und 60 v. H. Im ganzen Sommerhalbjahr (April bis September 1934) haben die Fremdenmeldungen in 227 Berichtsorten, von denen vergleichbare Angaben für beide Sommerhalbjahre vorliegen, um über ein Fünftel (20,8 v. H.) auf 7,3S Millionen und die Fremdenübernachtungen in 207 Berichtsorten, die schon im Sommerhalbjahr 1933 die Aufenthaltsdauer der Fremden feststellten, um rund ein Viertel (28,2 v. H.) auf 26,75 Millionen zugenommen.
Berlin, 2. November.
Vor dem in Berlin gegenwärtig stattfindenden HJ.-Presseschulungskurs, der von der Reichsjugendführung gemeinsam mit der Reichspressestelle der NSDAP. durchgeführt wird, sprach der Reichspressechef der NSDAP., Dr. Dietrich. 2n seinen Ausführung hob Dr. Dietrich einleitend die enge Verbundenheit der Jugend mit der nationalsozialistischen Idee überhaupt hervor. Der Nationalsozialismus sei letzten Endes nichts anderes als organisierter Jugendwille. Aus dem Fronrgeist und dem Feuer jugendlicher Begeisterung sei die nationalsozialistische Bewegung emporgewachsen und in beiden liege die Wurzel ihrer Kraft.
London, 2. November.
Der Reuter-Vertreter in Paris hat zur Saarsrage von „sehr maßgebender Seite" folgende Erklärung erhalten: Die französischen Motor
trappen sind jenseits der Grenze des Saar- gebietes in Bereitschaft: sie können augenblicklich in das Gebiet einrücken, falls der Vorsitzende der Saar-Regierungskommission einen telefonischen SOS.-Rns sendet, wenn die lokale Gendarmerie der Lage nicht mehr gewachsen sein sollte. Schnelligkeit würde ein entscheidender Faktor sein. Einige tausend Mann, die aus Kraftwagen ins Saargebiet geworfen würden, könnten unter Umständen im Laufe einer einzigen Nacht Herr der Lage werden.
Wie der Reuter-Vertreter dazu weiter meldet, sei hervorgehoben worden, Frankreich hoffe lebhaft, daß ein solches Vorgehen nicht erforderlich sein würde. Frankreich glaube, daß schon eine rechtzeitig geäußerte „Warnung in diesem Sinne" ihre Wirkung tun werde. Der Völkerbundsrat habe bestimmt, daß im Notfalle die Regierungskommission „Truppen, die außerhalb des Gebietes st ehe n", zu Hilfe rufen könne. Dies könne sich natürlich auch auf belgische oder sogar britische Truppen beziehen. Ihre Beteiligung würde allerdings infolge des Zeitfaktors nur geringfügig sein können. Von französischer Seite werde noch auf zwei Gesichtspunkte besonders hingewiesen, erstens würde hie, Entsendung einer beschränkten Truppenzähl nur auf Gründ des Beschlusses des Völkerbundsrates von 1926 erfolgen; keineswegs würde sie bezwecken, die Stimmabgabe zu beeinflussen. Zweitens würde eine etwaige Besetzung nur vorübergehenden
Berlin, 2. November.
Am Montag kommender Woche beginnt in Berlin der große Rundfunkprozetz, der unter dem Rubrum „Magnus und Genossen" läuft. Es ist unter dem 16. Juni 1934 Anklage erhoben worden gegen folgende Personen:
1. den früheren Rechtsanwält Dr. Kurt Magnus, der sich seit dem 17. September 1938 in Untersuchungshaft befindet;
2. den Staatssekretär a. D. und früheren Reichsrundfunkkommissar Dr. Hans Bredow, der sich gleichfalls in Untersuchungshaft befindet;
3. den früheren Rundfunkintendanten Dr. med. Hans Flesch, der zunächst in Frankfurt/Main und dann in Berlin Rundfunkintendant war; Flesch war bis zum. 23. August d. I. in Untersuchungshaft und ist gegen Sicherheitsleistung mit der weiteren Untersuchungshaft verschont worden;
4. den Rechtsanwalt und Notar Hans Otto,
der zum Fall Mirag-Leipzig, gehört,. ' ; -
5. den Kaufmann-Dr. Fritz K ohl,. Mirag--
Leipzig; '
8. Dr. Erwin Jäger (Fall-Leipzig);
7. den Schriftsteller Ernst Hart (Fall-Köln);
8. den Direktor Paul Korto (Fall Köln); -
9. den Schriftsteller und Intendanten Fritz V i - schaff, der zum Fall Vreslau gehört; Bischofs ist amnestiert worden, weil eine höhere Strafe als sechs Monate bei ihm nicht zu erwarten war;
10. den Vankdirektor Emil Zorek, Fall Vreslau, und
Die NSDAP. wisse, was sie an der Jugend habe, aber auch die Jugend wisse, was die Partei für sie bedeute. Die Partei habe erst der deutschen Jugend ihre großen Entwicklungsmöglichkeiten erschlossen, und durch die Partei allein wirke die Jugend jetzt und in der Zukunft für die Nation. Die NSDAP. in der Einheit aller ihrer Gliederungen sei das Schicksal Deutschlands, sie sei es jetzt und werde es nach dem Willen des Führers für alle Zukunft sein.
Die Jugend aber sei das Krastreservoir der Partei, aus dem sie sich verjünge und ständig genährt werde. Deshalb sei sich die Hitler-Jugend auch stets ihrer engen Verbundenheit mit der Partei bewußt, denn sie selbst werde ja einmal
Charakter haben. Sobald die Ordnung wiederhergestellt sei, würden die Truppen wieder zurückgezogen werden.
An diesen französischen Erklärungen ist bemerkenswert/ daß die zuständigen französischen Stellen auch heute noch glauben, an der Berufung auf die Beschlüsse des Völkerbundsrats von 1925/26 festhalten zu können. Demgegenüber sei noch einmal die tatsächliche Lage festgestellt, wie sie in der Deutschen Diplomatisch-Politischen Korrespondenz vom 1. November d. I. erläutert worden war. Hier wurde ausdrücklich auseinandergesetzt: Die Ratsbeschlüsse von 1925 und 1926 gingen ihrerseits von. dem Grundgedanken aus, daß es völlig unerträglich sei, ein Abstimmungsgebiet längere Zeit hindurch von den Truppen einer am Ergebnis
Deutsch-niederländischer Elearing-Dertrag gekündigt
Berlin, 2. November.
Die niederländische Regierung hat heute den Vertrag über den deutsch-niederländischen Verrechnungsverkehr vom 21. September 1934 gekündigt. Der Vertrag tritt mit Ablauf des 18. Novembers außer Kraft. Bis zum Tage des Außerkrafttretens vollzieht sich der Zahlungsverkehr, in der bisherigen Weise mit der Maßnahme, daß auf deutscher Seite Devisenbescheinigungen bis zur Hülste der für den ganzen Monat November vorgesehenen Beträge erteilt werden. — (Näheres im Handelsteil.)
11. den früheren Rechtsanwalt Dr. E Frey, der sich zurzeit im Auslande befindet und dem in diesem Zusammenhang Parteiverrat an dem Schriftsteller Scharnke zur Last gelegt wird. Wegen der Abwesenheit deises Angeklagten ist durch Beschluß der Strafkammer das Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt worden.
Bei diesem ganzen Prozeß ist wesentlich, daß die örtlichen Sendegesellschasten seinerzeit als reine Privatgesellschaften gegründet wurden. Die erste deutsche Sendegesellschaft war die Funk- stunde A.-G., die am 29. Oktober 1923 ihren Betrieb aufnahm. Es folgten dann die anderen Gesellschaften. Die Ueberwachung dieser Unternehmen erfolgte durch das Reichsministerium des Innern, und zwar durch die sogenannten Kulturbeiräte und Ueberwachungsausschüsse.. Lediglich die technische Einrichtung wurde damals dem Rundfunk vom Reich, d. h. von der Reichspost, zur Verfügung gestellt.
> Am 18. Mai 1925 wurden diese örtlichen Sende- gesellschaften in Deutschland in einer einheitlichen Dachgesellschaft, nämlich der Reichsrundfunkge- fellschaft zusammengefaßt, deren Geschäftsführer Dr. Kurt Magnus und der frühere Mitangeklagte Ministerialrat Eiesecke waren. Die Reichsrundfunkgesellschaft hatte die Aktienmajorität und die Stimmenmehrheit bei allen deutschen Rundfunk- gesellschaften. Dadurch ergab sich auch ihr maßgeblicher Einfluß aus die Sender außerhalb Berlins. Die Einflußnahme des Reiches auf die deutschen Sender ging im Jahre 1926 dadurch
die Partei sein und damit auch die Presse der Partei.
Dr. Dietrich entwickelte sodann in eingehenden Ausführungen die Grundlagen und Grundsätze der pressepolitischen Arbeit der Partei. Er zeigte die Aufgaben und die Ziele auf, die der heranwachsenden Journalistengeneration gestellt sind und gab den Teilnehmern des Kursus Ratschläge für ihre Berufslaufbahn mit auf den Weg.
Eebietsführer Staebe brachte den Dank der Jugend mit dem Versprechen zum Ausdruck, daß die aus der HJ. heranwachsenden jungen Journalisten sich mit dem Ernst und dem Verantwortungsbewußtsein für ihren Beruf vorbereiten, die der großen Aufgabe würdig sei.
der Abstimmung interessierten Macht besetzen zu lassen. Deshalb regelten sie die Zurückziehung der damals noch — vertragswidrig — im Saargebiet stehenden französischen Truppen. Da das linke Rheinufer in jenem Jahr noch besetzt war — es wurde bekanntlich erst 1930 vollständig geräumt — handelte es sich damals um die rein strategische Frage der Sicherung der durch das Saargebiet führenden Etappenlinie der Besatzungstruppen. Die Besetzung hat aufgehört, und auch der sogenannte Bahnschutz im Saargebiet ist dadurch hinfällig geworden und mit ihr verschwunden. Damit ist das Kapitel der Ratsbeschlüsse von 1925 bis 1926 endgültig abgeschlossen.
Man hatte schon damals im Völkerbundsrat eingesehen, daß eine weitere Aufrechterhaltung militärischer Maßnahmen mit den klaren Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht in Einklang zu bringen war. Mit der allgemeinen Frage der Sicherung der Ruhe im Saargebiet hat sich der Völkerbundsrat erst im Juli 1934 befaßt. Er hat beschlossen, daß in erster Linie die Abstimmungspolizei im Lande selbst zu rekrutieren sei. Wenn dies nicht befriedigend gelingen sollte, könnten neutrale Polizeiorgane angeworben werden. Es bestand aber Einverständnis darüber, daß auch die Neutralen nur durch Einzelanwerbung, nicht durch Ueberführung geschlossener Abteilungen herangezogen werden sollten. Dementsprechend war man auch völlig einer Meinung darüber, daß niemals deutsche oder französische Truppen für eine solche Aufgabe in Frage kommen dürften.
einen Schritt weiter, daß im Juni des Jahres der Rundfunkkommissar des Reichspostministers, Dr. Bredow, in sein Amt eingeführt wurde.
Dieser Rundfunkprozetz ist durch den Selbstmord des Geschäftsführers der Funkdienst G. m. L. H. (so hieß der Verlag der Zeitschrift für die „Funkstunde"), Knöpfke, im September 1933 ins Rollen gekommen. Bei einer Haussuchung bei der Reichsrundfunkgesellschaft wurden Quittungen von Knöpske vorgefunden, aus denen hervorgeht, daß er in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Funkdienst G. m. b. H. lausend Zahlungen von insgesamt 200 000 Mark als Vestechungsgel- der der Firma Preuß (die die „Funkstunde" druckte) erhalten hat.
Im Verlauf der Untersuchung fiel auf, daß sich der Angeklagte Staatssekretär a. D. Bredow sehr für seinen Freund Knöpfte eingesetzt hatte. Die persönlichen Beziehungen, die sich hier angebahnt hatten, machten überhaupt erst den. ganzen Korruptionssumpf möglich.
Der Prozeß ist deswegen so groß geworden, weil man die beiden Geschäftsführer der Reichsrundfunkgesellschaft und den Reichsrundfunkkommissar gleichzeitig in die Aufsichtsräte jeder einzelnen Gesellschaft hineinschickte, womit man anscheinend glaubte, den Interessen des Reiches und der Rundfunkhörer am besten dienen zu können. Die Staatsanwaltschaft kommt bei der Anklageerhebung zu dem Schluß, daß in der Hauptsache für die Verfehlungen bei den Sendegesellschasten außerhalb Berlins Magnus und Bredow strafrechtlich verantwortlich sind.
Bei dem Prozeß hatte man ursprünglich mit einer Dauer von sechs Monaten gerechnet. Um diese phantastische Zeit abzukürzen, ist ein Teilkomplex, und zwar der sogenannte Fall Knöpfte mit dem Hauptangeklagten Radzijewski, dem Geschäftsführer der Firma Preuß, abgetrennt worden, der vor einer für diesen Zweck zu bildenden besonderen Hilfsstrafkammer abgeurteilt wird. Mit dem Beginn dieses Prozesses ist in etwa drei Wochen zu rechnen.
Da es der Staatssekretär a. D. Bredow verstanden hat, sich für seine Tätigkeit im Rundfunk einen Privatdienstvertrag zu verschaffen, offenbar in der Absicht, möglichst viel und unkontrolliert nebenbei verdienen zu können, so ist in der Anklageerhebung die Beamtenqualität für Bredow verneint worden. Dadurch fallen einige ihm zur Last gelegte Delikt« (vor allem der Fall Beamtenbestechung) für die Hauptverhandlung fort.
Auch für den Intendanten Flesch ist die Beamteneigenschaft verneint worden. In ihm dürfte man eine der interessantesten Persönlichkeiten dieses Prozesses zu erblicken haben. Flesch war I zuerst Intendant in Frankfurt/Main und ist aus 1 Vorschlag Bredows nach Berlin gekommen.
2m Palais Bourbon
Die Herrschaft des Kompromisses — Der Kinderschreck des 13. Januar
(Von unserem Lariser 14.-3.-Aitarbsiter)
Paris, 1. November.
Langsam erwacht die Behausung der französischen Kammer der Deputierten, das Palais Bourbon, nach ausgedehntem Sommerschlaf zu neuem parlamentarischen Leben. In einigen Kommissionszimmern haben schon die ersten Beratungen begonnen. Die Wandelgänge füllen sich des Nachmittags mit Abgeordneten, die eifrig die verzwickte innenpolitische Lage Frankreichs erörtern. Am 6. November sollen dann die Vollsitzungen im Palais Bourbon beginnen.
Es war schon nicht ganz leicht, sich über dieses Datum des Zusammentritts der Kammer zu einigen. In dem letzten vor den Sommerferien verabschiedeten Finanzgesetz war bestimmt worden, daß die inzwischen erlassenen Notverordnungen vor dem 31. Oktober dem Parlament zur nachträglichen Billigung vorgelegt werden müßten. Das schien der Regierung die Verpflichtung aufzuerlegen, die Kammer mindestens schon zum 30. Oktober einzuberufen. Da dieser Zeitpunkt aus verschiedenen Gründen denkbar ungeeignet war, man andererseits die ausdrückliche Bestimmung des genannten Fi- nanzgesetzes nicht aus der Welt schaffen konnte, griff eine allgemeine Ratlosigkeit Platz. Ein besonderer Ministerrat wurde einberufen, um dieses ernste Problem zu studieren. Folgender Orakelspruch wurde schließlich verkündet: Wenn an der Bestimmung des Finanzgesetzes auch nicht zu rütteln ist, so steht doch in der Verfassung, daß die Regierung in der Auswahl des Zeitpunktes für den Zusammentritt der Kammer freie Hand hat; demnach wird es genügen, wenn die in Frage stehenden Notverordnungen auf dem schnellsten Wege dem Parlament zur Billigung vorgelegt werden, nachdem dieses zu einem Zeitpunkt, der nach freiem Ermessen der Regierung festgesetzt wurde, zusammengetreten ist. Demgemäß wurde verfahren — und Frankreich war wieder einmal gerettet.
Die parlamentarische Weisheit ist in der Tat unerschöpflich in der Erzeugung von Kompromissen. In der Frage des Rechts der Kammerauflösung stehen die Ansichten der Regierung zu denen der radikalsozialen Partei, welche den Hauptbestandteil der Regierungskoalition bildet, in krassem Gegensatz. Nach der Verfassung von 1875 bedarf die Exekutive, d. h. Staatspräsident und Regierung, zur Auflösung der Kammer der Zustimmung des Senates, die bisher noch niemals erteilt worden ist. Aus Drängen Tardieus hat nun Doumer- gue in den Mittelpunkt seiner Staatsreformpläne den Vorschlag gestellt, das Genehmigungsrecht des Senates aufzuheben. Die Radikalsozialen wittern Staatsstreichabsichten der Rechtsparteien
Werder darf wieder spielen
Wie wir zu der Tisqualisizierung des SB. Werder erfahren, hat der Bundesführer des DFB. aus Grund der eingelegten Berufung des SB. Werder von einer weiteren Sperre des Spielverkehrs der Futzballabtei- lung und ihrer Mannschaften bis zur endgültigen Entscheidung abgesehen.
Unter diesen Umständen ist es zu bedauern, daß der Niedersachsenmeister in dem Repräsentativkamps Niedersachsen — Baden nicht vertreten ist. — Werder bemüht sich, für seine 1. Mannschaft am Sonntag ein Freundschaftsspiel zu sichern.
und protestieren auf dem Parteitag in Nantes stürmisch gegen die Zuweisung des uneingeschränkten Auflösungsrechtes an die Regierung. Heftige Vorwürfe gegen Dou- mergue werden laut, und die schlimmsten Diktatur-Gefahren werden an die Wand gemalt; sie finden einmütigen Beifall und ein ängstliches Echo. Die Gegensätze scheinen unüberbrückbar zu sein. Doch die parlamentarischen Pfade sind verschlungen und wunderbar. Wenn schon die Bedingung der Genehmigung durch den Senat aufgehoben werden soll, so möge man diesen doch ermächtigen, gegen Auflösungsdekrete der Regierung ein Veto einlegen zu dürfen. Also lautete der Gegenvorschlag Herriots, der mit Doumergue zu verhandeln hat. Der Weg zu einer Einigung scheint offen zu stehen. Es lebe das Kompromiß! — Doch nun tritt als böser Geist T a r d i e u auf den Plan. Seit dem Regierungsantritt ist sein Einfluß im Ministerrat ständig gewachsen. Er beeinflußt den Ministerpräsidenten, sich auf kein Kompromiß mit Herriot einzulassen. Er drängt zum Bruch. Warum? In den Wandelgängen der Kammer raunt man sich zu, er arbeite auf den Sturz Doumergues hin und auf die Ein-
Organisierter Jugendwille
Dr. Dietrich spricht zum Vressenachwuchö der HZ.
Magnus und Genossen
Am Montag Beginn des groben Runbsunk-Vrozesfes in Berlin