Ausgabe 
(20.11.1934) Nr. 321
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

M°n»ts-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2,30 einschließlich 30 Rps. ZnstellnngZgebühr; durch die Post RM, 2>30 e,n,ch ,eßl,ch Ueber^ Postbestellgeld, Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich­

te^ " Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

NS.-Eauverlag Weser-Ems E.m.b.H., Zweigniederlassung Bremen, Eeeren 8-8/Fernruf: Roland 825.

19 3 4

Anzeigen.Grundpreise: Die 22-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps.. die rv.mm.Zcile im Textteil 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste 1. (Nachlaßstafsel O.s Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 1213 Uhr. der Schriftleitung werktäglich von 1817 Uhr.

Nr. 321 / 4. Vierteljahr

Dienstag, 20 . November

Einzelpreis 15 Rpf.

Wahlsieg der NGDAP. in Danzig

LLeberwültigenöe Mehrheit der nationalsozialistischen Stimmen / Eine

Kundgebung des Gauleiters Förster

Danzig, 19. November.

Ueber die Kreistagswahlen Danziger Niederung liegt folgendes vorläufiges amt­liches Endergebnis vor: Von 15942 Wahl­berechtigten wurden 14 814 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten:

Die NSDAP. 1161V, die Christlichnationalen (Zentrum und Deutschnationale) 956, die Sozialdemokrraten 1575, und die Kommunisten 473 Stimmen.

Die Wahlbeteiligung betrug 93,2 Prozent. Von den abgegebenen Stimmen erhielt die NS­DAP. 79,1 Prozent gegen 82 Prozent bei den Volkstagswahlen im Mai 1933.

Die Sitze im Kreistag verteilen sich wie folgt: NSDAP. 18,

Christlich-Nationale 1 Sozialdrmokraten 2,

Kommunisten (durch Reststimmen) 1.

Bei den gleichzeitig erfolgten Gemeindewah­len im Kreise Danziger Niederung erhielt die NSDAP. mit 12128 von 13171 Stimmen 92 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ueber die Kreistagswahlen Danzig-Wer- der liegt folgendes amtliches Gesamtergebnis vor: Von 25618 Wahlberechtigten wurden 23 452 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten die NSDAP. 181V2, die Christlich- nationalen (Zentrum und Deutschriationale) 2188, die Sozialdemokratsn 2V79, die Kom­munisten 830 und die Polen 255. Die Wahl­beteiligung betrug fast 32 Prozent. Von den abgegebenen Stimmen erhielt die NSDAP.

78 Prozent gegen 6V,8 Prozent bei der Volkstagswahl im Mai 1933.

Bei den Gemeindewahlen im Kreise Tan- ziger-Werder erzielte die NSDAP. mit 18 737 von 215VV abgegebenen Stimmen so­gar 86 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Der Danziger Gauleiter Förster richtet an die Volksgenossen und Volksgenossinen der beiden Danziger Wahlkreise folgende Kund­gebung :Ihr habt am gestrigen Tage der nationalsozialistischen Bewegung Euer Ver­trauen in überwältigender Art und Weise aus­gesprochen. Ihr habt euch dadurch zur deutschen Sache in Danzig bekannt. Als Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Danzig danke ich Euch für Euer Vertrauen und verspreche, genau so fleißig und selbstlos wie bis­her auch in der Zukunft zu sein. Unser Deutschtum in Danzig verpflichtet uns zu immer neuer Ar­beit." 2n einem weiteren Aufruf dankt der Gau­leiter den Parteigenossen in beiden Wahlkreisen für ihre erfolgreiche Arbeit.

Der große Sieg der NSDAP. wird in Sonder­ausgaben aller Danziger Zeitungen in einmütiger Begeisterung gewürdigt.Indem sich die über­wiegende Mehrheit der Bevölkerung", so schreibt das nationalsozialistische OrganDer Danziger Vorposten", in den beiden Kreisen zur NSDAP. bekannt hat, hat sie zugleich ein erneutes Bekennt­nis zu ihrem unbedingten Deutschtum abgelegt und damit den Anspruch der NSDAP. als ein­zige maßgebliche Vertreterin des Deutschtums zu gelten, bestätigt. Das unabhängige Danziger Tageblatt hebt die außenpolitische Bedeutung des Wahlergebnisses hervor. Es sagt:Die vom Aus- lande vielleicht erwartete und erhoffte Renaissance der anderen Parteien ist ausgeblieben und das ist eine Tatsache, die weit über Danzigs Grenzen Beachtung finden wird, die nicht nationalsoziali­stischen Parteien werden sich nach dem gestrigen Tage darüber klar geworden sein, daß die

nationalsozialistische Idee in der Danziger Be­völkerung fest verankert ist.

»

Wenn bei den Wahlen in Danzig sich 79,4 Przt. der gesamten Bevölkerung zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter­partei bekannt haben, so zeitigt dieses Wahl- ergebnis nicht nur das übliche Plus an Man­daten, sondern gewinnt eine weit höhere Be­deutung durch die Tatsache, daß dem immer noch skeptischen Ausland gegenüber einmal wieder eindeutig zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Totalität der natio- nalsozialistischen Weltanschau­ung im neuen Deutschland nicht auf einer zw'angsmäßigen Ausrichtung der Staatsbürger auf die absolute Autorität der Ctaatsführung beruht, oder auch seine Be­gründung in dem Fehlen anderer Parteigebilde seine Begründung findet, sondern daß die Bewegung in ihrer elemen­taren Kraft heute wie früher auch unter den Voraussetzungen eines demokratisch-parla­mentarischen Regimes sich gegen andere Weltanschauungen durchzusetzen in der Lage ist. Für alle jene ausländischen Kreise, die gehofft hatten, einen Rückgang der national­sozialistischen Stimmen unter Umständen auch diplomatisch gegen das neue Deutsch­land auswerten zu können, bedeutet der ab­solute Wahlsieg eine große Enttäuschung. Auf der anderen Seite ist das einmütige Be­kenntnis des vom Reich getrennten Danzigs Aum nationalsozialistischen Deutschland auch in Anbetracht der bevorstehenden Saar- abstimmung von ganz besonderem Interesse, da es bestimmte Schlüsse aus das Abstim­mungsergebnis am 13. Januar zuläßt. Und wir sind der festen Ueberzeugung, daß das Bekenntnis, wenn es sich um die Frage Deutsch oder nicht Deutsch" gehandelt hätte, noch eindeutiger und überzuegender gewesen wäre.

GA.-TmppMl'er von Einbrechern erschossen

Oppel», 19. November.

Am Sonntagabend gegen 9 Uhr versuchte ein Einbrecher in die Wohnung des Pächters eines Lichtspieltheaters in Oppeln, Moczko, einzudrin­gen. Ein Bewohner des Nachbarhauses bemerkte den Einbrecher und machte Moczko aus diesen aufmerksam. Der Pächter begab sich in den Hof seines Hauses und sah den Einbrecher auf dem Dach eines Schuppens liegen. Als der Einbrecher aus mehrmalige Aufforderung nicht herunter­kommen wollte, rief Moczko, man solle ihm seine Pistole bringen. In diesem Augenblick zog der Einbrecher eine Schußwaffe und gab mehrere Schüsse ab, von denen Moczko am rechte» Arm verletzt wurde. Der ihm zu Hilfe eilende SA.- Truppsührer Flore! aus Czarnowanz wurde durch einen Kopfschuß tödlich verletzt.

Die durch die Schüsse entstandene Verwirrung benutzte der Einbrecher zur Flucht und entkam unerkannt in der Dunkelheit. Die Verfolgung des Täters wurde sofort aufgenommen.

Ohne Genehmigungen keine NSDAP.-Kundgebungen

Berlin, 19. November:

Der Reichspropagandaleiter der NSDAP. gibt bekannt: Im Einvernehmen mit dem Stellvertre­ter des Führers erlasse ich folgende. Anordnung:

Oeffentliche Versammlungen und Kundgebun­gen der NSDAP., alle ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände bedürfen der Ge­nehmigung des, zuständigen Hoheitsträgers, der über ihre Durchführung im Einvernehmen mit dem jeweiligen Propagandaleiter entscheidet. Diese Veranstaltungen werden genehmigt:

1. Durch den zuständigen Ortsgruppen­leiter, wenn die Bedeutung der Veranstaltung nicht über den Ortsgruppenbereich hinausgeht,

2. durch den Kreisleiter, wenn die Bedeu­tung der Veranstaltung über den Ortsgruppen­bereich hinausgeht,

3. durch den Gauleiter, wenn die Veran­staltung eine allgemeine politische Bedeutung für das Gaugebiet besitzt.

Die schlagartige Veranstaltung von Versamm­lungen für ein Gebiet, das mehrere Gaue umfaßt, ist nur mit meiner Genehmigung zulässig.

(gez.I: Dr. Goebbels

Reichspropagandaleitung der NSDAP.

KreuzerCmden" in Las Palmas. Kreuzer Emden" ist Montag vormittag in Las Palmas eingetroffen.

-> Ä-

Vor Ltsllvsrtrstei' d63 k'üiirsi's BuduB Bei! srnmektiAt dlm Vorigster' derBremer AeitiinZ", der Kssamiev Bevölkerung Bremens seine Oruke riu üüsrmiiüsiri. (Biiiks neben dem Bsiebs­minister BsÜ der Beg. Bürgermeister Beider; gnn2 links ant dem Bilds Boliseisenator Baue.)

AlttioA Aeß E Sceme»

Lktyr AiccU/ltA ÄecAtt gestartet

Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, weilte in Bremen. Nur kurz war der Aufenthalt, den. der Reichsminister nach der Kundgebung der deutschen Seeleute, die am Sonntag in Bremer- haven stattfand, in unserer Vaterstadt verbringen konnte.

Wie ein silberner, riesenhafter Vogel steht auf, dem Bremer Flughafen eine große dreimotorige Junkersmaschine. Ueber dem weiten Rasen liegt noch ein seiner milchiger Nebelstreifen. Schon sind aus den anliegenden Werkstätten und Kontoren deutsche Männer und Frauen herbei­geeilt. Sie stehen hinter den Schranken, die den eigentlichen Flugplatz von dem umliegenden Gelände trennen, und warten aus den Stellver­treter des Führers. Wagen auf Wagen nähert sich jetzt dem Platz. Zunächst treffen Wagen der staatlichen und parteiamtlichen Dienststellen ein. Wenig später sind der vollständige Senat der Freien Hansestadt Bremen sowie mehrere Ver­treter der Kreisleitung zugegen. Auf dem weiten Feld stehen die schneidigen Sportflugzeuge der Verbandsfliegerschule. Alles erwartet den Stell­vertreter des Führers. Immer neue Wagen treffen «in. Polizei, SA., SS., weitere Unter- gliederungen der Partei sind vertreten.

Endlich trifft der Reichsminister ein. In seiner Begleitung befinden sich u. a. Reichsleiter Vormann sowie der frühere Kreisleiter des Kreises Bremen der NSDAP., Pg. Paul Wegener. Der Stellvertreter des Führers begrüßt mit Handschlag die Spitzen der Behörden und der Partei. Photographen stürzen vor. In den wenigen Minuten seines Aufenthalts findet der Reichsminister Gelegenheit, mit allen maß­geblichen Stellen einige freundliche Worte zu wechseln. Nach kurzer Begrüßung schreitet der Stellvertreter des Führers, bekanntlich selbst ein begeisterter Flieger, die Front der angetretenen Besatzungen der Flugzeuge der Verbandsflieger-

schule ab. Bei einem Gespräch mit einem Redaktionsmitglied derBremer Zeitung" erteilt der Stellvertreter des Führers diesem die Voll­macht, der Bevölkerung Bremens gegenüber seine herzlichen Grüße zum Ausdruck zu bringen.

Die Zeit eilt. Schon werden die Motoren der Junkersmaschine angeworfen. Der Reichsminister wechselt mit den Erschienenen kurze Abschieds- worte. Die Anwesenden haben, Spalier gebildet. Durch ihre Reihen schreitet Rudolf Hetz, noch einmal seinen Dank über den herzlichen Abschick zum Ausdruck bringend. Begeistert erhebt alles die Rechte zum Gruß. Lauter brausen die Propeller auf. Bald rollt die schwere Maschine an, erhebt sich vom Boden. Schon nach kurzer Zeit entschwindet sie den Blicken der Anwesenden.

wz-.

Wimpel der Wehrmacht

Laut Verfügung des Reichswehrministers füh­ren Kraftfahrzeuge der Wehrmacht Lei Dienst­fahrten folgende Hoheitszeichen:

Wenn sich oberste Wehrmachtvorgesetzte, die eine Kommandoflagge bzw. «in Rangabzeichen führen, in dem Wagen befinden, aus der linken Seite des Fahrzeugs die Kommandoflagge bzw. das Rangabzeichen, auf der rechten Seite einen dreieckigen Wimpel mit eingewebtem Wehrmachts­hoheitszeichen.

Wenn sich Offizier«. und Beamte im Offiziers­rang im Wagen befinden, nur den Wimpel, und zwar Heereskraftwagen einen feldgrauen Wim­pel mit weißem Hoheitszeichen, Marinekraftwagen einen blauen Wimpel mit gelbem Hoheitszeichen.

Kraftwagen, die im Truppenverband an Uebun­gen beteiligt sind, führen kein Hoheitszeichen.

Angehörige der Wehrmacht; die einen eigenen Kraftwagen besitzen, dürfen an diesem den feld­grauen bzw. blauen Wimpel sühren.

»» I »I

vm UNO uvsr vsvunr

/Iksncil unri Morgen '

üatur un«I XunsK

Von 5iginun«> Orokk

Wenn bald nach Beginn der Aufführung beim ersten Auftreten dem beliebten Künstler der Bei­fall des übervollen Schauspielhauses entgegen- brandet, so hat diese spontane Eunstbezeugung verschiedene Bedeutung und Ursache. Einmal gilt sie dem gefeierten Schauspieler Otto Gebühr, ebenso aber auch dem in ihm wiederverkörperten N>ol. Es wird Gebührs unvergängliches Verdienst bleiben, durch seine vollendete, aus Natur und Kunst geborene, meisterhafte Nach- schaffung und Wiedererweckung des großen Preußenkönigs, ihn unserer Zeit erst zu einem wahren Volkshelden gemacht zu haben. Und das zu einer Zeit, als wir Teutsche dieses Symbols nötiger als je bedurften, als die Seele unseres Volkes aus bitterer Not nach diesem großen Vor­bild schrie, um so lauter danach verlangte, als es sich von seinen Nachfahren enttäuscht fühlte. Otto Gebühr ist dadurch über seine persönliche Leistung hinaus gleichsam zum Symbolträger für uns geworden!

Müßig zu untersuchen, ob diese symbolhaft« Wirkung des Künstlers vielleicht stärker war im Film, in jener stummen F r id e r icus-Film- folge, die damals auf jeden für nationale Größe und Vergangenheit seines Volkes noch empfäng­lichen Teutschen ihren Eindruck nicht verfehlen konnte, als auf der Bühne. Sie ist auf jeden Fall auch auf der Bühne gegeben. Vielleicht hat der Film noch größere Möglichkeiten durch isein« Technik - Großaufnahme Bildausschnitt - malerische Licht- und Schattenwirkung zu solch symbolhafter Wirkung als die Bühne, da auf ihr die Träger solcher Rollen uns gewissermaßen menschlich zu nahekommen. Die beste und größte Filmdarstellung dagegen bleibt doch stets wie durch

eine dünne unsichtbare Schicht gleich einer Eello- phanhaut vom Zuschauer getrennt. Durch diese zu große menschliche Nähe des Bühnendarstellers, die sonst die ewige Ueberlegenheit des Theaters dem Film gegenüber ausmacht, kommt es doch, Latz nur mittelmäßige oder mitunter sogar gute Schauspieler als Verkörperung großer, in der Volkserinnerung festumrissener historischer Ge­stalten so oft unbefriedigend, ja geradezu pein­lich auf uns wirken. Denn der hier vorliegende Fall, daß sich Idealbild und Wiederverkörperung fast restlos decken, ist eben der Jdealfall.

Ueber Gebührs schauspielerische Leistung in ihrer vollendeten Ausgeglichenheit zwischen Geste, Wort und Spiel noch etwas zu sagen, hieße nur oft Ge­sagtes wiederholen. Genug, er war auch hier der, der er sein wollte und sollte. Um ihn herum ein ebenso ausgeglichenes Ensemble, das im Gegensatz zu sonstigen Gastspielgepflogenheiten (das letzte Heinz-Rühmann-Eastspiel ist ein Beispiel dafür) durchaus nicht über Gebühr gelobt zu werden braucht, um neben ihm bestehen zu können. Eine feine herzerquickende Charakterstudie dieser Land­pfarrer von Josef Dischner, erinnernd an Melchior MeyrsErzählungen aus dem Ries" oder Ottilie Wildermuths schwäbische Pfarrerge­stalten. Andere Schauspieler vermögen diesen Pfarrer anders darzustellen, aber nicht besser.

Eine preußisch-deutsche Frauengestalt die Chri­stine von Horoschau der Ilse Baerwald. Ihr ebenbürtiger Gegenspieler der gerade, mannhafte Hauptmann Pernitz des Walter Pittschau. Man freut sich unwillkürlich, wenn auch auf der Bühne zwei äußerlich und innerlich sür einander bestimmte Menschen schließlich zusammenkommen. Daneben, im Abstand, den Höflinge wahren,

Ernst Pittschau als Kammerherr. Und zum Schluß, da ohne sie der Bühnenhaushalt ins Stocken käme, die drastisch-derbe, Könige auch nur als Menschen behandelnde, tolpatschige Magd der Doris Krüger.

Wie erfreulich ist doch dieses SchauspielZwi­schen Abend und Morgen" von Zdenko von Krafft gegenüber dem kürzlich «rstausgeführten und hier besprochenen Werk von Zoheltitz. Gewiß auch keine große Dichtung, aber um wieviel gesünder die ganze Atmosphäre. Keine künstlich aufgepfropfte Idee", eins entwickelt sich zwanglos aus dem anderen. Wenn auch die komischen Wirkungen häufig durch das drastische Aufeinanderplatzen von Ernst und Naivität erzielt und ein Schuß Senti­mentalität nicht verschmäht werden, das Ganze bleibt aber ein durchaus volkstümliches Bühnen­stück. Der große König bleibt ein König und wird uns doch menschlich nahegebracht durch die humor­vollen Lichter, die der Verfasser seinem Werk auf­zusetzen weiß. (Die Regie allerdings sollte ihre Lichter auf den Tisch und nicht gleich auf den Kamin stellen, denn der Große Friedlich hat ver­mutlich auch lieber bei Licht als im Dunkeln ge­gessen.) Wie menschlich.gütige Züge trägt Preußens großer Fritz als guter sparsamer Landes- und Hausvater und wie erquicklich, wenn er auch manchmal eine kleine Lehre einstecken mutz, über deutschen Wein oder über den Unterschied zwischen französischer amour und deutscher Liebe. Der zweite Akt wirkt insgesamt etwas ermüdend, zu­mal er auch zu breit ausgespielt wird.

Nicht endenwollender Beifall beschloß diesen er­freulichen Abend aus derköniglich-preußischen Porzellan-Manufaktur" im Schauspielhaus. 8.8.

Zu der Kulturtagung im Rathaus. Es wird dem Bericht auf verschiedene Anfragen nachgetragen, daß das von einem Mädchcnchor als Abschluß gesungene LiedDich ruft der Führer' nach Worten von Will Eilers von Pros. Eduard Nößler-Bremen in Musik ge­setzt worden ist und Professor Nößler den Chor selbst dirigierte.

Das Schauspielhaus setzt die Reihe seiner Gastspiele mit Lucie Höslich in der weiblichen Hauptrolle deS SchauspielsDie Heimkehr des Matthias Bruck" von Sigmund Grafs fort.

Wo die Natur am bezaubernsten ist, ist sie es dadurch, daß sie uns etwas schier Kunstvoll-Ab­sichtliches vorsetzt, was in Wahrheit aber doch etwas ganz Zufälliges ist.

Den Zauber der Kunst macht es aus, daß sie ganz natürlich und zufällig erscheint, während sie im Grunde doch etwas durch und durch Ab­sichtliches ist.

Natur ist Substanz: Kunst entsteht durch die Form.

Natur ist Ileberfluß: Kunst ist Auswahl.

Natur ist entwicklungsbestimmt, Kunst zweck- bestimmt.

Natur will sein: Kunst will wirken.

Darum hat sie immer eineTendenz". (Zum mindesten die, zu interessieren.)

In beiden in Kunst und Natur stehen sich Mensch und Gott gegenüber. Denn der Mensch, der die Kunst will, ringt immer mit Gott.

Als Teil und Glied der Natur ringt er mit Gott, indem er mit sich selbst ringt . . .

Wo er Sieger bleibt über sich selbst, hat er die Natur hat er Gott bezwungen.

Darum ist die Natur heilig, aber die Kunst heiliger als die Natur. 2m Leben, d. h. in der Natur, staunt der Mensch über das Außerge­wöhnliche, über dasWunderbare" . . . 2n der Kunst über dasNatürliche": über das, was ihn unmittelbar immer umgibt, was ganz und gar gewöhnlich und selbstverständlich erscheint. Das Natürlichewunderbar" zu machen, ist die ewige Aufgabe der Kunst.

Dadurch wird sie zur großen Trösterin.

Weil der Mensch dem (wunderbar organi­sierten) Chaos der Natur hilflos und ratlos gegenübersteht, appelliert er an die Kunst. Er fordert denSinn" von ihr. Sie hat ihm Ant­wort zu geben so wie er seit tausend und tausend 2ahren den Sinn und die Antwort (die Antwort nach dem Sinn) von derReligion" fordert, der älteren und primitiveren Parallel- erscheinung der Kunst, deren Ursprung der gleiche: die Verzweiflung und die Sehnsucht ist . . .

Darum ist Kunst wohl Form, aber Form nur Kunst, wenn sie zugleich Deutung ist.

Deutung durch Form: ewiges Haupt- und Grundgesetz der Kunst. Form, die nichts deutet, und Deutung, die nicht geformt ist, haben gleicher­maßen nichts mit ihr zu tun.

Die Kunst typisiert, die Natur verallgemeinert. Die Kunst drückt sich durch das Individuum aus, die Natur durch die Gattung. Die Naturvari­iert" die Welt, dke Kunstthematisiert" sie. Natur ist Nebeneinander, Kunst Uebereinander.

Natur ist Unendlichkeit. Kunst istOrdnung". (Und deshalbBeschränkung".)

Natur ist 2ndifferenz.

Kunst ist Bekenntnis.

Es kommt nicht darauf an, ob man dieNatur" vor der Wartburg in Thüringen oder in einem Sausgarten von Neukölln oderim Angesicht der 2ungfrau" bei 2nterlaken in der Schweizer­lebt" sondern es kommt darauf an, wie n^an sie erlebt. Es kommt nicht darauf an, dsß man in den Bergen die Erhebungen, am Meer das Wasser, in Dingsda das grüne Graserlebt". Sondern es kommt darauf an, was man darin