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Nr. 321 / 4. Vierteljahr
Dienstag, 20 . November
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Wahlsieg der NGDAP. in Danzig
LLeberwültigenöe Mehrheit der nationalsozialistischen Stimmen / Eine
Kundgebung des Gauleiters Förster
Danzig, 19. November.
Ueber die Kreistagswahlen Danziger Niederung liegt folgendes vorläufiges amtliches Endergebnis vor: Von 15942 Wahlberechtigten wurden 14 814 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten:
Die NSDAP. 1161V, die Christlichnationalen (Zentrum und Deutschnationale) 956, die Sozialdemokrraten 1575, und die Kommunisten 473 Stimmen.
Die Wahlbeteiligung betrug 93,2 Prozent. Von den abgegebenen Stimmen erhielt die NSDAP. 79,1 Prozent gegen 82 Prozent bei den Volkstagswahlen im Mai 1933.
Die Sitze im Kreistag verteilen sich wie folgt: NSDAP. 18,
Christlich-Nationale 1 Sozialdrmokraten 2,
Kommunisten (durch Reststimmen) 1.
Bei den gleichzeitig erfolgten Gemeindewahlen im Kreise Danziger Niederung erhielt die NSDAP. mit 12128 von 13171 Stimmen 92 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Ueber die Kreistagswahlen Danzig-Wer- der liegt folgendes amtliches Gesamtergebnis vor: Von 25618 Wahlberechtigten wurden 23 452 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten die NSDAP. 181V2, die Christlich- nationalen (Zentrum und Deutschriationale) 2188, die Sozialdemokratsn 2V79, die Kommunisten 830 und die Polen 255. Die Wahlbeteiligung betrug fast 32 Prozent. Von den abgegebenen Stimmen erhielt die NSDAP.
78 Prozent gegen 6V,8 Prozent bei der Volkstagswahl im Mai 1933.
Bei den Gemeindewahlen im Kreise Tan- ziger-Werder erzielte die NSDAP. mit 18 737 von 215VV abgegebenen Stimmen sogar 86 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Der Danziger Gauleiter Förster richtet an die Volksgenossen und Volksgenossinen der beiden Danziger Wahlkreise folgende Kundgebung : „Ihr habt am gestrigen Tage der nationalsozialistischen Bewegung Euer Vertrauen in überwältigender Art und Weise ausgesprochen. Ihr habt euch dadurch zur deutschen Sache in Danzig bekannt. Als Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Danzig danke ich Euch für Euer Vertrauen und verspreche, genau so fleißig und selbstlos wie bisher auch in der Zukunft zu sein. Unser Deutschtum in Danzig verpflichtet uns zu immer neuer Arbeit." 2n einem weiteren Aufruf dankt der Gauleiter den Parteigenossen in beiden Wahlkreisen für ihre erfolgreiche Arbeit.
Der große Sieg der NSDAP. wird in Sonderausgaben aller Danziger Zeitungen in einmütiger Begeisterung gewürdigt. „Indem sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung", so schreibt das nationalsozialistische Organ „Der Danziger Vorposten", in den beiden Kreisen zur NSDAP. bekannt hat, hat sie zugleich ein erneutes Bekenntnis zu ihrem unbedingten Deutschtum abgelegt und damit den Anspruch der NSDAP. als einzige maßgebliche Vertreterin des Deutschtums zu gelten, bestätigt. Das unabhängige Danziger Tageblatt hebt die außenpolitische Bedeutung des Wahlergebnisses hervor. Es sagt: „Die vom Aus- lande vielleicht erwartete und erhoffte Renaissance der anderen Parteien ist ausgeblieben und das ist eine Tatsache, die weit über Danzigs Grenzen Beachtung finden wird, die nicht nationalsozialistischen Parteien werden sich nach dem gestrigen Tage darüber klar geworden sein, daß die
nationalsozialistische Idee in der Danziger Bevölkerung fest verankert ist.
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Wenn bei den Wahlen in Danzig sich 79,4 Przt. der gesamten Bevölkerung zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bekannt haben, so zeitigt dieses Wahl- ergebnis nicht nur das übliche Plus an Mandaten, sondern gewinnt eine weit höhere Bedeutung durch die Tatsache, daß dem immer noch skeptischen Ausland gegenüber einmal wieder eindeutig zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Totalität der natio- nalsozialistischen Weltanschauung im neuen Deutschland nicht auf einer zw'angsmäßigen Ausrichtung der Staatsbürger auf die absolute Autorität der Ctaatsführung beruht, oder auch seine Begründung in dem Fehlen anderer Parteigebilde seine Begründung findet, sondern daß die Bewegung in ihrer elementaren Kraft heute wie früher auch unter den Voraussetzungen eines demokratisch-parlamentarischen Regimes sich gegen andere Weltanschauungen durchzusetzen in der Lage ist. Für alle jene ausländischen Kreise, die gehofft hatten, einen Rückgang der nationalsozialistischen Stimmen unter Umständen auch diplomatisch gegen das neue Deutschland auswerten zu können, bedeutet der absolute Wahlsieg eine große Enttäuschung. — Auf der anderen Seite ist das einmütige Bekenntnis des vom Reich getrennten Danzigs Aum nationalsozialistischen Deutschland auch in Anbetracht der bevorstehenden Saar- abstimmung von ganz besonderem Interesse, da es bestimmte Schlüsse aus das Abstimmungsergebnis am 13. Januar zuläßt. Und wir sind der festen Ueberzeugung, daß das Bekenntnis, wenn es sich um die Frage „Deutsch oder nicht Deutsch" gehandelt hätte, noch eindeutiger und überzuegender gewesen wäre.
GA.-TmppMl'er von Einbrechern erschossen
Oppel», 19. November.
Am Sonntagabend gegen 9 Uhr versuchte ein Einbrecher in die Wohnung des Pächters eines Lichtspieltheaters in Oppeln, Moczko, einzudringen. Ein Bewohner des Nachbarhauses bemerkte den Einbrecher und machte Moczko aus diesen aufmerksam. Der Pächter begab sich in den Hof seines Hauses und sah den Einbrecher auf dem Dach eines Schuppens liegen. Als der Einbrecher aus mehrmalige Aufforderung nicht herunterkommen wollte, rief Moczko, man solle ihm seine Pistole bringen. In diesem Augenblick zog der Einbrecher eine Schußwaffe und gab mehrere Schüsse ab, von denen Moczko am rechte» Arm verletzt wurde. Der ihm zu Hilfe eilende SA.- Truppsührer Flore! aus Czarnowanz wurde durch einen Kopfschuß tödlich verletzt.
Die durch die Schüsse entstandene Verwirrung benutzte der Einbrecher zur Flucht und entkam unerkannt in der Dunkelheit. Die Verfolgung des Täters wurde sofort aufgenommen.
Ohne Genehmigungen keine NSDAP.-Kundgebungen
Berlin, 19. November:
Der Reichspropagandaleiter der NSDAP. gibt bekannt: Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers erlasse ich folgende. Anordnung:
Oeffentliche Versammlungen und Kundgebungen der NSDAP., alle ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände bedürfen der Genehmigung des, zuständigen Hoheitsträgers, der über ihre Durchführung im Einvernehmen mit dem jeweiligen Propagandaleiter entscheidet. Diese Veranstaltungen werden genehmigt:
1. Durch den zuständigen Ortsgruppenleiter, wenn die Bedeutung der Veranstaltung nicht über den Ortsgruppenbereich hinausgeht,
2. durch den Kreisleiter, wenn die Bedeutung der Veranstaltung über den Ortsgruppenbereich hinausgeht,
3. durch den Gauleiter, wenn die Veranstaltung eine allgemeine politische Bedeutung für das Gaugebiet besitzt.
Die schlagartige Veranstaltung von Versammlungen für ein Gebiet, das mehrere Gaue umfaßt, ist nur mit meiner Genehmigung zulässig.
(gez.I: Dr. Goebbels
Reichspropagandaleitung der NSDAP.
Kreuzer „Cmden" in Las Palmas. Kreuzer „Emden" ist Montag vormittag in Las Palmas eingetroffen.
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Vor Ltsllvsrtrstei' d63 k'üiirsi's BuduB Bei! srnmektiAt dlm Vorigster' der „Bremer AeitiinZ", der Kssamiev Bevölkerung Bremens seine Oruke riu üüsrmiiüsiri. (Biiiks neben dem Bsiebsminister BsÜ der Beg. Bürgermeister Beider; gnn2 links ant dem Bilds Boliseisenator Baue.)
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Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, weilte in Bremen. Nur kurz war der Aufenthalt, den. der Reichsminister nach der Kundgebung der deutschen Seeleute, die am Sonntag in Bremer- haven stattfand, in unserer Vaterstadt verbringen konnte.
Wie ein silberner, riesenhafter Vogel steht auf, dem Bremer Flughafen eine große dreimotorige Junkersmaschine. Ueber dem weiten Rasen liegt noch ein seiner milchiger Nebelstreifen. Schon sind aus den anliegenden Werkstätten und Kontoren deutsche Männer und Frauen herbeigeeilt. Sie stehen hinter den Schranken, die den eigentlichen Flugplatz von dem umliegenden Gelände trennen, und warten aus den Stellvertreter des Führers. Wagen auf Wagen nähert sich jetzt dem Platz. Zunächst treffen Wagen der staatlichen und parteiamtlichen Dienststellen ein. Wenig später sind der vollständige Senat der Freien Hansestadt Bremen sowie mehrere Vertreter der Kreisleitung zugegen. Auf dem weiten Feld stehen die schneidigen Sportflugzeuge der Verbandsfliegerschule. Alles erwartet den Stellvertreter des Führers. Immer neue Wagen treffen «in. Polizei, SA., SS., weitere Unter- gliederungen der Partei sind vertreten.
Endlich trifft der Reichsminister ein. In seiner Begleitung befinden sich u. a. Reichsleiter Vormann sowie der frühere Kreisleiter des Kreises Bremen der NSDAP., Pg. Paul Wegener. Der Stellvertreter des Führers begrüßt mit Handschlag die Spitzen der Behörden und der Partei. Photographen stürzen vor. In den wenigen Minuten seines Aufenthalts findet der Reichsminister Gelegenheit, mit allen maßgeblichen Stellen einige freundliche Worte zu wechseln. Nach kurzer Begrüßung schreitet der Stellvertreter des Führers, bekanntlich selbst ein begeisterter Flieger, die Front der angetretenen Besatzungen der Flugzeuge der Verbandsflieger-
schule ab. Bei einem Gespräch mit einem Redaktionsmitglied der „Bremer Zeitung" erteilt der Stellvertreter des Führers diesem die Vollmacht, der Bevölkerung Bremens gegenüber seine herzlichen Grüße zum Ausdruck zu bringen.
Die Zeit eilt. Schon werden die Motoren der Junkersmaschine angeworfen. Der Reichsminister wechselt mit den Erschienenen kurze Abschieds- worte. Die Anwesenden haben, Spalier gebildet. Durch ihre Reihen schreitet Rudolf Hetz, noch einmal seinen Dank über den herzlichen Abschick zum Ausdruck bringend. Begeistert erhebt alles die Rechte zum Gruß. Lauter brausen die Propeller auf. Bald rollt die schwere Maschine an, erhebt sich vom Boden. Schon nach kurzer Zeit entschwindet sie den Blicken der Anwesenden.
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Wimpel der Wehrmacht
Laut Verfügung des Reichswehrministers führen Kraftfahrzeuge der Wehrmacht Lei Dienstfahrten folgende Hoheitszeichen:
Wenn sich oberste Wehrmachtvorgesetzte, die eine Kommandoflagge bzw. «in Rangabzeichen führen, in dem Wagen befinden, aus der linken Seite des Fahrzeugs die Kommandoflagge bzw. das Rangabzeichen, auf der rechten Seite einen dreieckigen Wimpel mit eingewebtem Wehrmachtshoheitszeichen.
Wenn sich Offizier«. und Beamte im Offiziersrang im Wagen befinden, nur den Wimpel, und zwar Heereskraftwagen einen feldgrauen Wimpel mit weißem Hoheitszeichen, Marinekraftwagen einen blauen Wimpel mit gelbem Hoheitszeichen.
Kraftwagen, die im Truppenverband an Uebungen beteiligt sind, führen kein Hoheitszeichen.
Angehörige der Wehrmacht; die einen eigenen Kraftwagen besitzen, dürfen an diesem den feldgrauen bzw. blauen Wimpel sühren.
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Wenn bald nach Beginn der Aufführung beim ersten Auftreten dem beliebten Künstler der Beifall des übervollen Schauspielhauses entgegen- brandet, so hat diese spontane Eunstbezeugung verschiedene Bedeutung und Ursache. Einmal gilt sie dem gefeierten Schauspieler Otto Gebühr, ebenso aber auch dem in ihm wiederverkörperten N>ol. Es wird Gebührs unvergängliches Verdienst bleiben, durch seine vollendete, aus Natur und Kunst geborene, meisterhafte Nach- schaffung und Wiedererweckung des großen Preußenkönigs, ihn unserer Zeit erst zu einem wahren Volkshelden gemacht zu haben. Und das zu einer Zeit, als wir Teutsche dieses Symbols nötiger als je bedurften, als die Seele unseres Volkes aus bitterer Not nach diesem großen Vorbild schrie, um so lauter danach verlangte, als es sich von seinen Nachfahren enttäuscht fühlte. Otto Gebühr ist dadurch über seine persönliche Leistung hinaus gleichsam zum Symbolträger für uns geworden!
Müßig zu untersuchen, ob diese symbolhaft« Wirkung des Künstlers vielleicht stärker war im Film, in jener stummen F r id e r icus-Film- folge, die damals auf jeden für nationale Größe und Vergangenheit seines Volkes noch empfänglichen Teutschen ihren Eindruck nicht verfehlen konnte, als auf der Bühne. Sie ist auf jeden Fall auch auf der Bühne gegeben. Vielleicht hat der Film noch größere Möglichkeiten durch isein« Technik - Großaufnahme — Bildausschnitt - malerische Licht- und Schattenwirkung — zu solch symbolhafter Wirkung als die Bühne, da auf ihr die Träger solcher Rollen uns gewissermaßen menschlich zu nahekommen. Die beste und größte Filmdarstellung dagegen bleibt doch stets wie durch
eine dünne unsichtbare Schicht gleich einer Eello- phanhaut vom Zuschauer getrennt. Durch diese zu große menschliche Nähe des Bühnendarstellers, die sonst die ewige Ueberlegenheit des Theaters dem Film gegenüber ausmacht, kommt es doch, Latz nur mittelmäßige oder mitunter sogar gute Schauspieler als Verkörperung großer, in der Volkserinnerung festumrissener historischer Gestalten so oft unbefriedigend, ja geradezu peinlich auf uns wirken. Denn der hier vorliegende Fall, daß sich Idealbild und Wiederverkörperung fast restlos decken, ist eben der — Jdealfall.
Ueber Gebührs schauspielerische Leistung in ihrer vollendeten Ausgeglichenheit zwischen Geste, Wort und Spiel noch etwas zu sagen, hieße nur oft Gesagtes wiederholen. Genug, er war auch hier der, der er sein wollte und sollte. Um ihn herum ein ebenso ausgeglichenes Ensemble, das im Gegensatz zu sonstigen Gastspielgepflogenheiten (das letzte Heinz-Rühmann-Eastspiel ist ein Beispiel dafür) durchaus nicht über Gebühr gelobt zu werden braucht, um neben ihm bestehen zu können. Eine feine herzerquickende Charakterstudie dieser Landpfarrer von Josef Dischner, erinnernd an Melchior Meyrs „Erzählungen aus dem Ries" oder Ottilie Wildermuths schwäbische Pfarrergestalten. Andere Schauspieler vermögen diesen Pfarrer anders darzustellen, aber nicht besser. —
Eine preußisch-deutsche Frauengestalt die Christine von Horoschau der Ilse Baerwald. Ihr ebenbürtiger Gegenspieler der gerade, mannhafte Hauptmann Pernitz des Walter Pittschau. Man freut sich unwillkürlich, wenn auch auf der Bühne zwei äußerlich und innerlich sür einander bestimmte Menschen schließlich zusammenkommen. — Daneben, im Abstand, den Höflinge wahren,
Ernst Pittschau als Kammerherr. Und zum Schluß, da ohne sie der Bühnenhaushalt ins Stocken käme, die drastisch-derbe, Könige auch nur als Menschen behandelnde, tolpatschige Magd der Doris Krüger.
Wie erfreulich ist doch dieses Schauspiel „Zwischen Abend und Morgen" von Zdenko von Krafft gegenüber dem kürzlich «rstausgeführten und hier besprochenen Werk von Zoheltitz. Gewiß auch keine große Dichtung, aber um wieviel gesünder die ganze Atmosphäre. Keine künstlich aufgepfropfte „Idee", eins entwickelt sich zwanglos aus dem anderen. Wenn auch die komischen Wirkungen häufig durch das drastische Aufeinanderplatzen von Ernst und Naivität erzielt und ein Schuß Sentimentalität nicht verschmäht werden, das Ganze bleibt aber ein durchaus volkstümliches Bühnenstück. Der große König bleibt ein König und wird uns doch menschlich nahegebracht durch die humorvollen Lichter, die der Verfasser seinem Werk aufzusetzen weiß. (Die Regie allerdings sollte ihre Lichter auf den Tisch und nicht gleich auf den Kamin stellen, denn der Große Friedlich hat vermutlich auch lieber bei Licht als im Dunkeln gegessen.) Wie menschlich.gütige Züge trägt Preußens großer Fritz als guter sparsamer Landes- und Hausvater und wie erquicklich, wenn er auch manchmal eine kleine Lehre einstecken mutz, über deutschen Wein oder über den Unterschied zwischen französischer amour und deutscher Liebe. — Der zweite Akt wirkt insgesamt etwas ermüdend, zumal er auch zu breit ausgespielt wird.
Nicht endenwollender Beifall beschloß diesen erfreulichen Abend aus der „königlich-preußischen Porzellan-Manufaktur" im Schauspielhaus. 8.8.
Zu der Kulturtagung im Rathaus. Es wird dem Bericht auf verschiedene Anfragen nachgetragen, daß das von einem Mädchcnchor als Abschluß gesungene Lied „Dich ruft der Führer' nach Worten von Will Eilers von Pros. Eduard Nößler-Bremen in Musik gesetzt worden ist und Professor Nößler den Chor selbst dirigierte.
Das Schauspielhaus setzt die Reihe seiner Gastspiele mit Lucie Höslich in der weiblichen Hauptrolle deS Schauspiels „Die Heimkehr des Matthias Bruck" von Sigmund Grafs fort.
Wo die Natur am bezaubernsten ist, ist sie es dadurch, daß sie uns etwas schier Kunstvoll-Absichtliches vorsetzt, was in Wahrheit aber doch etwas ganz Zufälliges ist.
Den Zauber der Kunst macht es aus, daß sie ganz natürlich und zufällig erscheint, während sie im Grunde doch etwas durch und durch Absichtliches ist.
Natur ist Substanz: Kunst entsteht durch die Form.
Natur ist Ileberfluß: Kunst ist Auswahl.
Natur ist entwicklungsbestimmt, Kunst zweck- bestimmt.
Natur will sein: Kunst will wirken.
Darum hat sie immer eine „Tendenz". (Zum mindesten die, zu interessieren.)
In beiden — in Kunst und Natur — stehen sich Mensch und Gott gegenüber. Denn der Mensch, der die Kunst will, ringt immer mit Gott.
Als Teil und Glied der Natur ringt er mit Gott, indem er mit sich selbst ringt . . .
Wo er Sieger bleibt über sich selbst, hat er die Natur — hat er Gott bezwungen.
Darum ist die Natur heilig, aber die Kunst heiliger als die Natur. 2m Leben, d. h. in der Natur, staunt der Mensch über das Außergewöhnliche, über das „Wunderbare" . . . 2n der Kunst über das „Natürliche": über das, was ihn unmittelbar immer umgibt, was ganz und gar gewöhnlich und selbstverständlich erscheint. Das Natürliche „wunderbar" zu machen, ist die ewige Aufgabe der Kunst.
Dadurch wird sie zur großen Trösterin.
Weil der Mensch dem (wunderbar organisierten) Chaos der Natur hilflos und ratlos gegenübersteht, appelliert er an die Kunst. Er fordert den „Sinn" von ihr. Sie hat ihm Antwort zu geben — so wie er seit tausend und tausend 2ahren den Sinn und die Antwort (die Antwort nach dem Sinn) von der „Religion" fordert, der älteren und primitiveren Parallel- erscheinung der Kunst, deren Ursprung der gleiche: die Verzweiflung und die Sehnsucht ist . . .
Darum ist Kunst wohl Form, aber Form nur Kunst, wenn sie zugleich Deutung ist.
Deutung durch Form: ewiges Haupt- und Grundgesetz der Kunst. Form, die nichts deutet, und Deutung, die nicht geformt ist, haben gleichermaßen nichts mit ihr zu tun.
Die Kunst typisiert, die Natur verallgemeinert. Die Kunst drückt sich durch das Individuum aus, die Natur durch die Gattung. Die Natur „variiert" die Welt, dke Kunst „thematisiert" sie. Natur ist Nebeneinander, Kunst Uebereinander.
Natur ist Unendlichkeit. Kunst ist „Ordnung". (Und deshalb „Beschränkung".) —
Natur ist 2ndifferenz.
Kunst ist Bekenntnis.
Es kommt nicht darauf an, ob man die „Natur" vor der Wartburg in Thüringen oder in einem Sausgarten von Neukölln oder „im Angesicht der 2ungfrau" bei 2nterlaken in der Schweiz „erlebt" — sondern es kommt darauf an, wie n^an sie erlebt. Es kommt nicht darauf an, dsß man in den Bergen die Erhebungen, am Meer das Wasser, in Dingsda das — grüne Gras „erlebt". Sondern es kommt darauf an, was man darin