Ausgabe 
(18.11.1934) Nr. 319
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Nr. 319 / 4. Vierteljahr

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Sonntag, 18. November

Einzelpreis 15 Rpf.

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Die Hauptkundgebung des Kreisparteitages

„Was hat Deutschland von Dir?"

Richtunggebende Ansprachen des ReichöftatthMers Röver und des Krersleiters Blanke

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L.-li. Bremen, Isi. November.

Nachdem - am gestrigen Sonnabend sämtliche l Eliederungen der Partei ihre Arbeitstagungen s aögehalten. hatten, vereinigte. eine große Kreis- ' parteitagung sämtliche Amtsträger- der Partei und viele auswärtige Gäste im großen Saal der „Glocke". U. a. sah man Gauleiter Carl Rover, Kreisleiter Blanke, an,der Spitze des gesam­ten Senats Regierenden Bürgermeister Pg. Hei­den, sowie Vertreter der SA., SS., des NS.-Ar- bsitsdienstes und verschiedener anderer Glieder der Bewegung.

Von dem mit rotem Tuch ausgeschlagenen Hin­tergrund hob sich markant das Hoheitszeichen und das Wahrzeichen unserer Vaterstadt, der Bremer Schlüssel, hervor, mahnte unser Bekenntnis: „Wir glauben!", unser Schwur: „Wir kämpfen!" jeden zur höchsten Pflichterfüllung.

Unter den Klängen des Hohenfriedbergers, des , Marsches unseres großen Preußenkönigs, mar­schierten die Fahnenabordnung sämtlicher Gliede­rungen der Partei, voran die Standarte der Standarte 75, dahinter die beiden Blutfahnen der Bremer SA., die Fahnen, die den Namen unserer gefallenen SA.-Kameraden Wilhelm Decker und Johann Gössel tragen, in drei langen Schlangen in den Saal ein und nahmen pyra­midenförmig auf der Bühne Aufstellung. ^

Mit einem Vorspiel zu „Coriolan" von L. van Beethoven, gespielt vom Bremer Lehrer- Lrchester, Abt. des NS.-Lehrerüundes,. Kreis Bre­men, nahm die Tagung ihren würdigen Auftakt.

Auch die folgenden musikalischen Darbietungen fanden unter der geschickten Stabführung von Ka­pellmeister Friedr. Blankenburg durch das harmo­nische Zusammenspiek und die. klangreiche Wilder- gabe den vollen Beifall der Tagungsteilnehmer.

Kreisleiter Blanke

hielt sodann eine Ansprache, die wir im Innern des Blattes wiedergeben.

Nach weiteren musikalischen Darbietungen und dem gemeinschaftlichen Gesang des Liedes: „Frei­heit, die ich meine .." ergriff unser

Gauleiter Carl Rover

das Wort und führte etwa folgendes aus: Meine Aufgabe am heutigen Tage kann nur die sein, wieder den Alltag mit seinen Nöten und Sorgen zu überwinden, den Höhenflug unserer -Welt­anschauung anzutreten. Nur im tiefen Gedanken auf die unbestimmbare Zukunft gesehen, liegt im Kommen und Gehen auf dieser Welt unser Schick­sal. Ein Mensch, der keine Zielsetzung kennt, kommt im Leben unter die Räder. Was hier für den einzelnen gilt, gilt für jedes Volk aus dieser Erde und auch für Deutschland. So soll die heu­tige Stunde eine Weihestunde sein, um uns aus der Gemeinsamkeit heraus wieder die Kraft zu holen zur Arbeit des neuen Tages, des neuen Abschnittes unseres Kreises Bremen.

Gauleiter Carl Rover ging dann auf die noch heute in den versteckten Winkeln sitzenden Kri­tiker und Nörgler ein, denen er entgegen­hielt die Erfolge innerhalb der kurzen hinter uns

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öllcle In clls notionolsoriolirtisZis V/srlestott / Von Dr. julius V/oltsr öiosm

Im Hinblick auf die gestrige NS.-Erzie- hertagung im Rahmen des Kreispariei- tages ist der nachstehende Aussatz beson­ders bedeutsam, da er auszeigt, wie gründ­lich sich der Nationalsozialismus mit Fra­gen der Menschenbildung und Erziehung auseinandersetzt.

Die Zahl der deutschen Abiturienten hat sich feit der Jahrhundertwende verfünffacht. Dies enthüllt die ganze Fragwürdigkeit unseres bis­herigen Vildungswosens, welches zwar keinen Be­gabten von der Hochschule fernhielt, ihn aber dort Zwischen je vier minder wertvolle Köpfe klemmten; jeder Wissenschaftler klagte darüber, wie sehr diese Beschränkten den Unterricht hinderten, und daß sie sich doch im späteren Leben allzu oft mit Beziehungen und mit ihrer ausgeprägten Fähigkeit zum Liebedienern durchsetzten. Schon im ersten Jahr des neuen Reiches hat ein Machtwort des Reichsinnen­ministers Frick die Hochschulberechtigung auf knapp ein Drittel eingeschränkt: nur noch

sünszehntausend junge Menschen dürfen die : Universitäten besuchen. Wohl jeder, dem das kul­turelle Schicksal unseres Volkes am Herzen liegt, legte sich schon die Frage vor, wie denn nun künf­tig die akademisch« Auswahl vor sich gehen soll, wenn man jede billig« Lösung vermeiden will. '. Billig wäre zum Beispiel, wenn die Jmmatriku- lationslisten dem Fünfzehntausendeinten vor der Ras« zugemacht würden. Kaum weniger unglück­lich wär« der Ausweg, es vollständig der Einsicht einiger weniger Lehrer und dem Ergebnis einer rein wissenschaftlichen Prüfung zu überlasten, ob emem Werdenden der Weg zur Hochschule offen- gemacht oder versperrt werden soll.

Der Liberalismus überließ es den Dingen

selbst, sich zurechtzustoßen. Von der Art, wie der Nationalsozialismus die Schwierigkeiten meistert, hat jetzt der sächsische Kultusminister Hartnacke (seit langem bekannt als Schulmann, der neue Wege sucht) einen im Umfang geringen, an Be­deutung überaus wichtigen öffentlichen Bericht er­stattet. Seine Schrift „Geist und Torheit auf Pri­manerbänken", die er gemeinsam mit dem nicht minder bekannten Erzieher „Erich Wohlfahrt her­ausgibt, verdient die Aufmerksamkeit aller an der akademischen Zukunft Beteiligten. Man kann sie zugleich, und das ist viel Ruhm, als einen der stärksten Gegenbeweise dort handhaben, wo un­serm Staate Mißbrauch am Menschentum vor­geworfen und wo versucht wird, anderen, dem Zwang und Verbot abholden Kultursystem jeg­lichen Vorzug zuzusprechen. Hartnacke hat zu Ostern dieses Jahres von sämtlichen 3213 Abitu­rienten beider Geschlechter an den sächsischen Schu­len drei Prüfungsarbeiten anfertigen lassen, die sich von den rein wissenschaftlichen Schulprüsun- gen erheblich unterscheiden. Die insgesamt vier­zehn Aufgaben, deren Beantwortung er verlangte, wollen nicht das schulmäßige Wissensgut der Prüf­linge untersuchen, sondern ihr Wesen, ihre Denk­art, kurzum ihre Persönlichkeit.

Er geht dabei von der Ueberzeugung aus, daß dem akademischen Leben mit Nur-Kenntnißen nicht gedient ist: er verleiht der Hochschule wieder den Rang der nnivei-sitas, zu der nur Menschen von Ueberblick Zutritt haben sollen. Ferner meint er, daß ein junger Mensch, unvorbereitet vor eine sofort zu beantwortende Frage gestellt, im allgemeinen nichts anderes sagen kann als seine eigene Denkart. Die gestellten Aufgaben bewegen sich von einfachen Begriffsbestimmungen

liegenden Zeit seit der Machtergreifung Aeolf Hitlers.

Wenn Adolf Hitler, nicht gekommen wäre,- dann wäre Deutschland im vergangenen März unter­gegangen. Deutschland wäre dahin. Es kann noch nicht alles vollendet und vollkommen sein. Ver­gleiche aber mit der vergangenen Zeit und der des Dritten Reiches sind geradezu absurd, denn zwischen diesen beiden Dingen liegt ein Abgrund, d«r unüberbrückbar ist. Wir lehnen, so betonte der Gauleiter mit Nachdruck, es ab, uns zur De­batte und zur Kritik zu stellen. Wenn wir De­batten ugd Kritiken zulassen, würden wir be­weisen, daß wir uns unsicher fühlen. Wir gehen jeden Tag mit neuem Mut an die Arbeit und wir wissen, es wird im deutschen Vaterlands ein abso­luter Ausgleich zwischen den Schaffenden der Faust und der Stirn geschaffen werden, wenn erst einmal die hauptsächlichsten Trümmer beseitigt sind. Dann erst kommt die Stunde, wo wir Stein auf Stein zusammentragen werden zu dem Neu- bau, in dem wir uns dann gemeinsam die Hand reichen werden. Dieser Neubau stellt die deutsche Heimat dar, die jeder empfinden soll und empfin­den muß.

Wir haben uns zu prüfen, ob wir noch auf dem rechten Wege sind, haben immer zu über­legen, wenn das Tagewerk beendet ist, ob unser Glaube an Adolf Hitler und sein Wollen in un­serem Herzen fest verankert ist. Gelingt es uns, beim deutschen Volke, bei jedem einzelnen den Grundsatz dieses Denkens aufkommen zu lassen,

(„Was ist ein Schmuck?") bis zu den schwierigen weltanschaulichen Fragen (nicht, was naheliegend wär«, der Partei). Die Antworten, welche die Schüler niedergelegt haben, bewegen sich zwischen einer geradezu unerhörten Spanne von Hellem Geist und engstirniger Dummheit; und sie be­weisen, was das Leben selbst längst weiß: daß die schulmäßige Ableistung des Abiturs in der Mehr­zahl der Fälle noch keinen Beweis für die Hoch- schulfähigkeit des Prüflings liefert. Es ist nicht möglich, hier in Einzelfällen aufzuzeigen, nach wie warmherziger Methode dieser Schulmann des neuen Deutschland vorgeht. Es genügt zu erklären, daß an jeder einzelnen Frage sich die jungen Gei­ster überzeugend geschieden haben: in solche von weitem Horizont, — und in andere, deren be­schränkter Kopf sich nicht minder deutlich erwies. Man möge lesen, wie hier niemals das absolute Wissen geweitet wird und in wie großartiger Weise das Bestreben herrscht, Blender zu ent­larven.

Hartnacke wendet nun eine großartige Selbst- bescheidung an. Er kann an Hand seiner Ergeb­nisse nachweisen, daß die einzelnen Schulen (oder Klassen der Oberprima) sich in ihrer geistigen Haltung himmelweit unterscheiden. Je nach dem Ergebnis teilt er der Gemeinschaft dieser be­stimmten Oberprima eine entsprechende Zahl von Hochschulplätzen zu und überläßt es unein­geschränkt dem Lehrerkollegium selbst, nach bester Ueberzeugung den geeigneten Schülern die Hoch­schulberechtigung zu erteilen. Dies bedeutet: Hart­nacke wertet das Ergebnis nicht für den einzelnen aus, sondern für die Klasse. Bei diesem Verfah­ren stellt sich heraus, daß in 70 von 100 Fällen Lehrer und Kultusministerium dieselbe Wahl ge­troffen haben. Fühlte sich aber ein Abiturient ungerecht von der Hochschule ferngehalten, so konnte er das Ministerium selbst anrufen, und dieses erteilte nach gewissenhafter Erwägung noch eine begrenzte Anzahl von Hochschulplätzen.

der als eni ewiger Grundsatz stehen bleiben muß für alle Zukunft, dann wird über Not und Kum­mer und Elend der Glaube an das ewige Deutschland niemals erschüttert.

Es leben noch Zehntausende, die selbst den Glauben an den Herrgott im Himmel nicht ge­funden haben und die auch den Glauben an Deutschlands Zukunft noch nicht finden konnten. Wir, so betonte der Gauleiter, haben diesen Glau­ben, wir müßen diesen Glauben uns aber auch jeden Tag wieder neu erringen. Das ist nur möglich, wenn man die 25 Thesen Adolf Hitlers als etwas Zeitloses betrachtet und sich klar macht, daß auch dereinst der Staat Adolf Hitlers ein zeitloser sein wird. Das sind Hochziele, die wir uns jeden Tag wieder

vor Augen halten müssen. Treulosigkeit ist das, was wir zu verdammen haben. Wir geben unsere Bewegung nicht dazu her, damit andere ihr un­sauberes Handwerk damit treiben.

Gauleiter Röver forderte die Parteiangehöri­gen auf, jedem einzelnen ehrlichen Deutschen die Hand zum Bunde zu reichen, denn wenn Deutsch­land leben will, müssen wir alle zusammenstehen. Wir wollen durch die neue Gesellschaftsordnung den charaktervollen Menschen erziehen, damit auch der letzte die Ehrlichkeit unseres Wollen? aner­kennt. In diesem Zusammenhang unterstrich der Redner, daß unser Friedensappell an die Welt untermauert ist mit der Anständigkeit und Ehrlichkeit eines Adolf Hitler.

(Fortsetzung auf Seite 2)

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Ik. älü. Die Kölner llniversitätsrede des Reichs­pressechefs der NSDAP. Dr. Otto Dietrich über die philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus hat, wie es nicht anders zu erwarten war, in der gesamten wissen­schaftlichen Welt eine nachhaltige Wirkung hinter­lassen. Die öffentliche Diskussion über den Vor­stoß Dr. Dietrichs ins Reich der Wissenschaft ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber es läßt sich schon heute sagen, daß der revolutionäre Grund­gedanke der Rede überall richtig verstanden wor­den ist. Der „Westdeutsche Beobachter" hat mit Recht hervorheben können, daß Dr. Dietrichs Vortrug in der „kristallklaren logischen Fassung, seiner philosophischen Formulierung und in der Kühnheit seines Angriffes gegen die philosophi­schen Systeme der Vergangenheit und Gegenwart" außer den Werken Alfred Rosenbergs die beste bisher vorhandene Deutung unserer Idee ist. Wenn das Blatt betont, die deutsche Wissenschaft stehe, falls sie den Nationalsozialismus bejahe, vor einer neuen Blüte in Forschung und Lehre, so darf die Kölner Universität den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, den von Dr. Dietrich gewiesenen Weg zur Wiedergeburt der deutschen Wissenschaft sofor t beschritten zu haben.

Aber auch an anderen Stätten wissenschaftlicher Arbeit ist der „Ruf zu den Waffen deutschen Geistes" nicht ungehört verhallt. Das „Hambur­ger Fremdenblatt" erklärt, daß der Reichspresse­chef „zur Anregung der Geister viel beigetragen" hat und hält es angesichts der hervorragenden Stellung der Philosophie Kants in den angel­sächsischen Ländern für bedeutsam, die englische und amerikanische Wissenschaft auf die natürliche Verwandtschaft hinzuweisen, die zwischen der nationalsozialistischen Gemeinschaftsethik und der Pflichtmoral Kants besteht. Es gebe „keine Frei­heit, die nicht aus innerster Erkenntnis heraus Volks- und gemeinschaftsverbunden ist".

Hartnackes Darstellung wird im, deutschen Schul­wesen eine Revolution einleiten. Sie bedeutet nicht mehr und nicht minder als den ersten ge­glückten Versuch, dem „Schwachsinnigen mit höhe­rer Schulbildung" den Weg zum akademischen Beruf zu versperren. Dieser Erzieher sieht klar, von welchen Seiten man sein Verfahren angreifen kann. Es ist auf jeden Fall ein heikles Unter­fangen, die persönlichen Eigenschaften besonders eines jugendlichen Menschen nach. Punkten zu werten; und was der Einwände mehr sind. Hart­nacke begnügt sich mit drei großen Gruppen: Spitzenleistungen, Durchschnitt, Minderwertigkeit; man möchte spontan wünschen, daß künftig das Ergebnis 'solcher Prüfungen wenigstens in den Spitzenleistungen persönlich geweitet werde, doch dies scheint mir in der natürlichen Entwicklung zu- liegen, die das Verfahren in Zeiten der Ver­feinerung nehmen wird.

Im übrigen finden wir nicht ein einziges Blatt, das der von Dr. Dietrich in Angriff genommenen exakten Widerlegung des Individualismus und seiner philosophischen Systeme nicht grundsätzlich zustimmt. Daß jeder Mensch Glied einer Gemein­schaft ist und daß sein Leben nur aus dieser Er­kenntnis heraus einen Sinn gewinnt, ist nunmehr auch wissenschaftlich anerkannt. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" bleibt allerdings, was die Auswertung jener Wahrheit betrifft, auf halbem Wege stehen, indem sie schreibt: „2n einem philosophi­schen System lassen sich die Grenzen zwischen uni­versalistischem und individualistischem Denken nur in der Tendenz abstecken. Diese Tendenz hat Dr. Dietrich in klarer Form widerlegt." Nein, nicht nur in der Tendenz, sondern in jeder Beziehung laßen sich die Grenzen zwischen beiden Denkformen abstecken! Die „Berliner Börsen-Zeitung" weist darauf hin, daß es sich beim universalistischen Denken um kein abstraktes, son­dern um ein tätiges Denken handele. Man wird dem Blatt auch zustimmen können in seinem Urteil über den Universalismus des Mittelalters, der als „übervölkischer Universalismus mit einer metaphysischen Grundhaltung" (Dualismus Kai­ser—Papst!) gekennzeichnet wird. Der neue Uni­versalismus dagegen sei innervölkisch; allerdings findet er (möchten wir hinzufügen) auf alle Volksgemeinschaften Anwendung.

Zu den Blättern, die sich besonders eingehend mit dem Vortrag des Reichsleiters beschäftigten, gehört auch die „Kölnische Zeitung", die im Ver­such Dr. Dietrichs einen „fruchtbaren Anfang" sieht, weil er „bisher abseits stehende Wissen­schaftler in den Bannkreis der neuen wissenschaft­lichen Aufgaben ziehen wird". Das rheinische Blatt unterlegt aber dem Begriff des Individua­lismus einen zu engen Sinn, wenn es Zweifel äußert, ob die gesamte Philosophie bisher in-

Vergeblich sucht man in dieser Schrift nach einem Wort des Selbstlobes. Ihr Schöpfer ver­schweigt die riesenhaften Vorarbeiten und deren grundgebende Gedankenleistung, mit einem berech­tigten Stolz gibt er nur an, mit wie wenigen Helfern diese höchst wichtige Leistung ihrer Schwie­rigkeiten beraubt wurde, und beschreibt die orga­nisatorische Arbeit offensichtlich nur deshalb, da­mit Nacheifere! sich an schon bewährte Möglichkei­ten halten und sie ausbauen können. Durch die ganze Schrift geht der warme Atem der Mensch­lichkeit, und nirgends findet sich jenes rechthabe­rische Auftrumpfen. Die Schrift zeigt, wie unser Staat die Menschen nach seinem Bilde heraus­sucht und welche wunderbare Bemühung er daran­setzt, die Theorien in lebendige Wirklichkeit zu verwandeln. Dank dafür! Man muß dies Werk kennen und es den Gegnern unseres Staates vor die Augen bringen — als ein üocument bumsin aus dem Dritten Reich.

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Manches liebe Jahr ist nun dahingegangen, seitdem wir das letzte Mal zusammen musiziert!

Martha hieß sie, von mir jedoch nur Marthel genannt in scheuer Zärtlichkeit. Sie war ein Mädel von vierzehn Jahren, entzückend schön das Gesicht, groß und blau die Augen, lichtblond das Jahr, von ebenmäßigem Wuchs die Glieder. Ich hätte nicht die Gnade soviel wundersamer Mäd­chenjugend für mich begehrt zu einer Zeit, da noch die Zaghaftigkeit des in seinem Erwachen gegen­über dem anderen Geschlecht befangenen Knaben auf mir lag, wenn diese Knospe von Menschen­kind nicht meine Base gewesen wäre. Die glückliche Nähe ihres elterlichen Wohnsitzes be­günstigte die feine, heimliche Beziehung, die in Scherz und Neckerei zwischen uns bestand. Ich

verlebte oft Ferien dort, Marthel weilte bei uns zu Besuch. Immer umgab uns der große Kreis der Geschwister, hier wie dort. Der erste Kuß geschah auf den Raub. Wenn er dann freilich auch schimmernd in den Augen blühte, sooft die Blicke sich begegneten, so blieb er doch den Gespie­len verborgen und unsere stille Freude an der stligen Errungenschaft wuchs ms Grenzenlose.

Um diese Zeit war es, daß Marthel das Kla- merspiel erlernte. Sie zeigte leichte Auffaßung, machte rasch Fortschritte und beherrschte bald eine Reihe von Volksliedern, die mir auf der Geige gut lagen. So war es natürlich, daß wir uns im Zusammenspiel versuchten, und je besser es ging, um so öfter wiederholten.

Ich sehe sie heute noch auf dem kleinen, gepolster-

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