Ausgabe 
(17.11.1934) Nr. 318
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Nr. 318 / 4. Vierteljahr L

Sonnabend, 17. Novembe

r Einzelpreis 12 Npf.

Eröffnung des Kreisparteltaaes

Zahnenträger -es Nationalsozialismus

Kreiöleiler Blanke und Regierender Bürgermeister Heider begrüßen die auswärtigen

Teilnehmer des Kreisparteitages

Bremen, 16. November.

Am Freitagnachmittag wurden in feierlicher Veranstaltung im oberen Saal des alten Rathau­ses die auswärtigen Teilnehmer zum Kreispartei­tag vom Kreisleiter Blanke und Reg. Bürger­meister Heider offiziell begrüßt und empfangen. Zahlreiche Vertreter der Behörden und Organisa­tionen Bremens hatten sich zu dieser schlichten Feier eingefunden; so sah man u. a. neben den Vertretern der PO., SA., SS., der Landespolizei und der Reichswehr den bremischen Senat. Die Kreiskapelle unter Leitung von Pg. Burge- meister umrahmte die Veranstaltung mit musi­kalischen Darbietungen in würdiger Weise und gab ihr derart den feierlichen Rahmen.

Zunächst nahm Kreisleiter Blanke zu seiner Begrüßungsansprache das Wort:

Meine lieben Gäste, Parteigenossen und Partei­genossinnen! Die bremischen Parteigenossen freuen sich, daß Sie gekommen sind, um mit uns gemein­sam den Kreisparteitag zu begehen. Es wird Ihnen bekannt sein, daß Bremen eine Stadt ist mit einer großen, stolzen Vergangenheit. Wage­mut und Hanseatengeist haben aus dem kleinen Fischerdorf das gemacht, was Bremen heute ist. Zu einer Zeit, als Deutschland ohnmächtig war, brachte es der Hansebund fertig, Königreiche zu bekriegen und sie auch zu besiegen. Bremen wurde stark in dem Wahlspruch „Buten undbinnen — Wagen und winnen". Aber es folgten Jahre des Niederganges. Vremen wurde ohnmäch­tig, bis dann wieder das Erwachen kam. Leider ist auch heut« — wie das Ergebnis der Volksabstim­mung es gezeigt hat — dieses Bekenntnis zum Nationalsozialismus noch nicht restlos. Aber ge­mäß dem Spruch „Bremen was bedächtig . . ." wird man von Bremen erwarten können, daß es, wenn es einmal erwacht ist, auch eine der treuesten ist in dem Bekennen zu Adolf Hitler. Der Waren- boykott des Auslandes trifft gerade die Hafen­städte in besonderem Maße, aber es wird noch ein­mal wieder die Zeit kommen, wo auch Bremens Kaufleute wieder mit kühnem Wagemut und Han­seatengeist hinausziehen können.

In kurzen Ausführungen kennzeichnete Kreis­leiter Blanke darauf die Schönheiten bre­mischer Landschaft. Er streifte die Sehenswürdig- i leiten der Stadt Vremen und schloß seine An­

sprache mit dem Wunsch, daß jeder auswärtige Teilnehmer am Kreisparteitag Gelegenheit haben möge, die Schönheiten, die Bremen und seine Umgebung zu bieten vermöge, kennenzulernen und in dem Parteitag eine Stärkung zu finden für den Kampf um Deutschland.

Nach einem Musikstück richtet« Reg. Bürger­meister Heider an die versammelten Gäste und Vertreter der Organisationen das Wort:

Meine lieben Parteigenossen,, liebe Gäste! Auch der Senat heißt Sie in den Mauern unserer Stadt herzlich willkommen, in der Stadt, die schon in uralter Zeit von den Urvätern, den Nieder- sachsen, gegründet wurde. Eine uralte Tradi­tion weht um unsere Mauern. Tort, wo der Tom steht, floß eine der uralten Quellen, zu denen unsere Altvordern wallfahrten. Ausge­rottet und vertilgt ist alles, was mit unserer alten Tradition zusammenhängt, ausgerot­tet und vertilgt von volksfremden Fanatikern. Von hier aus zogen Germanen hinaus zum Kriege und zu Handelsfahrten. Jahrhunderte und Jahrtausende nahmen sie von dieser Stätte ihren Weg. Tausende verbluteten in fremden Ländern, an Palästinas Küsten für Ideale, die niemals ihre Ideale sein konnten. Dann gründeten Kaufleute den Ritterorden, der hinauszog gen Osten. Aber auch diese Lstraum- politik zerbrach und es kam jener unglückselige Krieg, der das deutsche Volk zerriß, wie nie ein Krieg zuvor.

Dreißig Jahre schlugen sich deutsche Volks­genossen die Köpfe blutig und kämpften einer gegen den anderen. Alle haben sie in diesem Ringen Opfer bringen müssen.

Vremen kam in Schwedens Hände. So war für die Hansestadt der Krieg noch nicht beendet und erneut mußte die Kriegsfahne aufgezogen werden. Erst im Jahre 1686 wurde die Unab­hängigkeit Bremens von den Schweden anerkannt. Wie überall in Deutschland kam in der Folgezeit dann auch für Bremen die Epoche des ungeheuren Aufschwunges und des Reichtums. Wir müssen uns aber darüber Aar sein, daß dieser Aufstieg schon den Keim der Zerstörung in sich trug. Denn nicht Geld und Reichtum haben jemals ein Volk groß gemacht, sondern einzig und allein der Wille zur Erhaltung.

Vremen war bis 1848 die einzige Stadt, die keine Juden in ihren Mauern duldete. Man hat den bremischen Kaufmann häufig als hochmütig bezeichnet, aber wäre er das nicht gewesen, so hätte er sich niemals lange Zeit derart rasserein erhalten können. — Dem Aufschwung folgten Jahre des Niederganges. Es kamen die Zeiten des Kampfes einer gegen den andern. Zersplittert und zerrissen war unser Volk. Groß dünkten sich alle die kleinen Geister, die den Zusammenhang mit dem Volk verloren hatten und nur an ihr eigenes Wohl dachten. Wir sind hindurchgegangen durch die Not des Krieges und der Nachkriegszeit und wir sind zu der Erkenntnis gekommen, daß wir hart und unerbittlich den Weg zu gehen haben, der zur Rettung Deutschlands nötig ist. Wir müssen zurückkommen zu der harten Ethik unserer Vorfahren. Das Schlechte und Faule mutz ausgetilgt werden, denn wenn das Volk erst. einmal vergiftet ist, wird es zur Rettung zu spät sein. Wehe uns, wenn wir un­sere Aufgabe, die uns von der Geschichte gestellt wurde, nicht erfüllen!

Wir müssen unser Volk erfassen bis zum letzten Mann, Apostel unserer Weltanschauung können aber nur diejenigen sei», die auch mit uns Schul­ter an Schulter gekämpst haben.

Generationen der Zukunft schauen auf unsere Taten. Wir müssen uns deshalb wieder ins Ge­dächtnis zurückrufen, daß wir die Fahnen­träger des Nationalsozialismus sein wollen. Als solche haben wir Vorbilder zu sein, denn wer das Braunhemd trägt, trägt da­mit auch höhere Verpflichtungen unseren Nach­kommen gegenüber. Wir sind uns einig in un­serem Glauben und Handeln. Wir wollen, daß der deutsch« Boden wieder von einem deutschen Volk bewohnt wird, das einig ist in sich und seiner Tat. Unser Führer wird uns den Weg hierzu zeigen. Seien Sie sich bewußt, daß Sie als natio­nalsozialistische Kämpfer Pflichten haben. Seien Sie Fahnenträger! Nur dann, webn sich der Füh­rer auf seine Gefolgschaft vorlassen kann, ist der Sieg unser.

Freudig stimmten die Versammelten in das Sieg-Keil auf den Führer ein, und mit dem ge­meinsamen Gesang des Horst-Wesselliedes wurde die Begrüßungsfeier beendet.

„Aus zum Gtraßenkampf!"

Gaarmarxisten hetzen, die Regierung schweigt

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Saark>rSck«r, 1«. November.

Die Regierungskommisfion hat den saardeutschen Zeitungen eine Auflagenachricht zugehen lasten, die zu der jüngst veröffentlichten Denkschrift der Deutschen Front Stellung nimmt. Es wird darin glattweg bestritten, daß Beamte der Regierungs­kommission das beschlagnahmte Aktenmaterial der Deutschen Front unter Bruch des Amts­geheimnisses und unter Verletzung der ihnen auferlegten Neutralitätspflicht dritten Per­sonen, insbesondere Pressevertretern, zu­gänglich gemacht hätten. Alle diesbezüglichen Be­hauptungen, die sich auf die Beamten Heim-

Lurger, Ritzel, Lehnert und Laurolle

bezögen, seien falsch. Dagegen hat die Regre- rungskommisfion gegen eine frühere Stenotypistin der Direktion des Innern, Maria Earsonius, Strafantrag wegen Verletzung des Amtsgeheim­nisses gestellt. Gegen sie sowie gegen die Unter­zeichner der in den Tageszeitungen veröffentlich­ten Eingabe der Deutschen Front vom 13. Novem­ber 1934 wurde außerdem bei dem Obersten Ab­stimmungsgericht Strafantrag wegen B e l e i d i« gung, Verleumdung und übler Nach­rede gestellt! Bestritten wird ferner unter ande­rem, daß in einer den zuständigen Behörden nicht bekannten Weise der „Generalanzeiger" bzw. besten Geschäftsführer Max Waltz mit Schuß­waffen versorgt worden sei. Waltz habe für drei Geschäftsstellen des „Generalanzeigers" drei Re- voloer gekauft und ste ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldet.

Auf die völlig einseitige Stellungnahme der Regierungskommisfion, die sich sofort veranlaßt gesehen hat, Untersuchungen anzustellen, um den saarländischen Separatismus zu decken, wird noch zurückzukommen sein. Neue Beweise dafür, daß auf feiten der Statusquoer tat­sächlich illegale Handlungen begangen werden, lasten sich sofort beibringen. So konnte man gestern am Hause der Kreisleitung der Deut- scheu Front in St. Jngbert eine Aufschrift „Aul zum Straßenkamps" mit kommunistischen Zeichen lesen. Kürzlich hat ferner eine Versamm­lung von Funktionären des berüchtigten „Masten- selbstschutzes" von Saarlouis und Umgebung statt­gefunden, die die dunkln und lichtscheuen Machen­schaften dieser Elemente wieder grell beleuchtet Unter der Devise „Gewaltsame Fernst al- tung des Faschismus aus dem Saarge - biet" wu..'e veu dem Vcisammlungsleiter ein

Schlachtenplan aufgestellt, wonach in der nächsten Zeit umfangreiche Schmierkolonnen in Aktion tre­ten sollen. Jede Woche sollen im Kreise Saarlouis zwei Demonstrationszüge in Szene gesetzt werden.

Den kommunistischen Rednern wurde für die letz­ten Wochen des Abstimmungskampfes als Richt- linie an die Hand gegeben, daß, „um einen Putsch der Deutschen Front abzuwehren" (!), Barrikaden errichtet, die Straßen aufgerissen, Dachrinnen und Fensterbänke mit mit Steinen gefüllten Eimer« versehe« werden müssen «. a. m.

Nach all diesen neuen Beweisen für den Terror der „Einheitsfront" und ihres lichtscheuen und landfremden Esfindels wird sich zejgen müssen, ob die Regierungskommission jetzt endlich gewillt ist, von ihrer voreingenommenen Hal­tung abzurücken, oder ob wiederum nach be­währtem Muster die Emigrantenpolizei nichts Belastendes hat finden können.

«Ane Derfügung der Bischöfe

Die Bischöfe Franz Rudolf von Trier und Ludwig von Speyer haben folgende Verfügung zum politischen Auftreten der Geist­lichen im Saargebiet erlassen:

„Wir sehen uns veranlaßt, im Interesse einer gedeihlichen Seelsorge für alle katholischen Saar­länder, im Interesse des Friedens in den Ge­meinden sowohl als im Hinblick auf die kommende Wertung des Abstimmungsergebnisses folgendes zu verfügen:

„Alle Geistlichen der Diözesen Trier und Speyer werden angewiesen, im Geiste des Reichskonkordats sich jedes öffent­lichen Auftretens in politischen Versammlungen im Saargebiet zu enthalten. Auch auf der Kanzel und in der katholisch-kirchlichen Vereinstätigkeit ist die gleiche Zurückhaltung geboten. Diese Anweisung gilt auch für alle fremden im Saargebiet sich aufhal­tenden Priester. Diese Priester sollen es ver­meiden, auf der Kanzel politische Zeitungen oder Zeitschriften oder Bücher zu empfehlen. Was ihre Mitarbeit an Zeitungen oder Zeitschriften angeht, so bedarf es der Genehmigung ihres Ordinarius.

Was wir durch diese Anweisung vermeiden wollen und wüsten, ist die Hineintragung der

Politik in die Kirche und Seelsorge. Unsere Anweisung berührt nicht die sitt­liche Pflicht der Liebe zumauze­st ammten Volkstum und der Treu« zum Vaterland«. Diese Liebe und Treue sind vielmehr nach der katholischen Lehre sittliche Tugenden. Die Priester wie auch die Laien mögen nicht vergessen, die ernste und wichtige Frage der Abstimmung im Gebet und Opfer dem allgütigen und allgerechten Gott zu empfehlen."

Lind dennoch. . .

Unter schärfster Mißbilligung der katholischen Saarbevölkerung erregte in den letzten Monaten häufig der Pater Hugolin Doerr unlieb­sames Aufsehen dadurch, daß er zusammen mit Kommunisten und Separatisten auf Kundgebungen der sogenannten Einheitsfront auftrat und sich besonders auf der Sulzbacher Kundgebung der separatistischen Kreise als übler Hetzer hervortat. Das Missionshaus St. Wendel gibt nunmehr folgende authentische Erklärung über den früheren Angehörigen ihrer Misstonsgesellschaft ab:

„Wir erklären, daß Pater Hugolin Doerr unsere Missionsgesellschaft verlassen und in eine außerdeutsche Diözese eingetreten ist. Somit un­tersteht er nicht mehr dem Gehorsam seiner bis­herigen Oberen. Ferner erklären wir, daß dem früheren Pater Doerr von seinen damaligen Oberen jede politische Betätigung ausdrücklich untersagt war. Ebenso erklären wir, daß weder das Missionshaus St. Wendel noch die Gesell­schaft des Göttlichen Wortes je etwas zu tun ge­habt hat mit seiner politischen Tätigkeit."

Der Führer an Horchn

Berlin, 16. November.

Der Führer und Reichskanzler hat an den Reichsverweser des Königreiches Ungarn, Niko­laus Horthy, folgendes Telegramm gerichtet: „Zu dem Tage, an dem Sie vor 15 Jahren an der Spitze der nationalen Armee in Budapest als Befreier einzogen und damit den Grundstein zum Wiederaufbau Ungarns legten, bitte ich Euer Durchlaucht, meine und des deutschen Volkes warm empfundene Glückwünsche und den Ausdruck aufrichtiger Freundschaft entgegennehmen zu wollen."

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Von vr. L.nton Asntsoüsl

Wenn man in den vergangenen Jahren des Novemberstaatlichen Regimes auf marxistischer Seite von einer politischen Schulung der Arbeiterschaft sprach und ihre Notwendigkeit besonders zu begründen ver­suchte,, so geschah das. hauptsächlich unter eindmdoppeltet! Gesichtspunkte: .Erstens kam es bei einer solchen Schulung vor allem därauf 'an, die breiten Schichten der werk­tätigen Bevölkerung mit gewissen Lehren, Grundgedanken, aus massenpsychologische Wirkung geschickt abgestellten Parolen der marxistischen „Weltanschauung" so vertraut zu machen, daß sie jederzeit im Sinne der klassenkämpferischen Ziele , des Marxismus aktionsbereit gewesen wären. Insofern, als es sich hierbei nahezu ausschließlich um sozialpolitische oder innenpolitische Fragen handelte — die marxistische Lehre vom Klassenkampf stützt sich völlig auf innen­politische, Wirtschafts- oder sozialpolitische Motive — müßte zweitens die Auswahl des Schulungsstoffes danach getroffen werden.

Die unmittelbare Folge dessen war» wenn wir in diesem Zusammenhange von der grundsätzlichen Verkennung des wahren Wesens aller politischen Bildung und Er­ziehung absehen, daß der Begriff „Politik" selbst, indem man ihn — bewußt oder unbe­wußt — immer mehr mit „Innenpolitik" und „Sozialpolitik" gleichsetzte, eine in ihren Folgen geradezu unheilvolle Verengung er­fuhr. Die Wirkung dieser Begriffsverengung war zumindestens ebenso katastrophal, wie das, was der.Marxismus einschließlich des von ihm getragenen und bestimmten poli­tischen Systems als sogenanntes Erbe hin­terließ. Es bedurfte erst der ebenso plan­mäßig wie tatkräftig begonnenen Aufklä­rungsarbeit seitens der nationalsozialistischen Bewegung, um nicht nur der Arbeiterschaft, sondern darüber hinaus unserem, ganzen Volke eine neue, vertiefte Auffassung vom Wesen politischer Erziehung wiederzugeben.

Jene ungeheuerliche Blickverengung, die die Sozialdemokratie in den Massen der Jndustriearbeiterschast, die bürgerliche Linke einschließlich des Zentrums in einem großen Teile des Bürgertums nicht nur nicht besei­tigte, sondern aus ihren engen, partei- egoistischen Interessen heraus sogar förderte, indem sie Innenpolitik, Sozialpolitik und schließlich Lohnpolitik zum Hauptinhalt aller Politik machten, damit große Teile des Vol­kes von der Beschäftigung mit unseren eigentlichen Lebensfragen, die auf außen­politischem und weltpolitischem Gebiete lagen, bewußt fernhielten, hat sich in chren deutlichen Folgen nicht erst nach dem Welt­kriege, sondern schon lange vor seinem Aus­bruch gezeigt. Jahrzehntelang haben Sozial­demokratie und bürgerliche Linke das poli­tische Denken der breiten Massen in dieser Weise planmäßig beeinflußt. Dies ging so­gar so weit, daß in marxistischen Kreisen jede Erörterung außenpolitischer Fragen ge­radezu peinlich vermieden wurde. Anstatt ihre Anhängerschaft von der Wichtigkeit außenpolitischen Denkens zu überzeugen, wie es die sozialdemokratischen Parteien in anderen Staaten bereits seit längerem taten, klammerte sich die deutsche Sozial­demokratie an ihr einziges außenpolitisches „Dogma", den Gedanken von der „Solidari­tät des internationalen Proletariats".

Es war so kein Wunder, daß unser Volk, aus dieser verengten Blickrichtung heraus, immer mehr und ausschließlich innen­politischer denken begann, aus derselben Perspektive heraus die zahlreichen bestehen- ie alleinigen und selbst­

verständlichen Träger alles politischen Le­bens betrachtete und schließlich, da es hier­bei die äußere Orientieruny immer mehr verlor, in den schweren rnnenpolitischen Auseinandersetzungen, die die Nachkriegs- jahre erfüllten, sich immer mehr zerrieb — als ob wir außenpolitisch auf einer Insel der Seligen, lebten und. der weitaus größte Teil allev unserer . politischen Händlüngen, auch der rein innenpolitisch erscheinenden, auf Grund unserer räumlichen Lage nicht von außenpolitischer Tragweite wäre!

Das kennzeichnende Merkmal unserer gegenwärtigen politischen Geschichte, soweit sie im Kriegsausgang ihren Anfang genom­men hat, ist aber unsere Auseinander­setzung mitden Mächtenvon Ver­sailles. Freilich war es gerade für den deutschen Arbeiter,. der das Bedürfnis emp­fand, über das hinaus, was ihm von feiten seiner Gewerkschaft oder Partei als soge­nannte politische Bildung vermittelt wurde, kein Leichtes, in Fragen der auswärtigen Politik selbst ein einigermaßen richtiges Ur­teil sich zu bilden. Und noch viel weniger waren die zahlreichen, nach dem Kriegsaus­gange entstandenen sozialen Spannungen mit der von ihnen ausgehenden äußeren und inneren Unruhe,- die zahlreichen Lohn­kämpfe, Streiks und Aussperrungen, die damit Hand in Hand gehenden materiellen Nöte, die in dem entsetzlichen Ausmaße der Erwerbslosigkeit ihren äußeren Höhepunkt fanden, nicht zuletzt die schweren innenpoli­tischen Auseinandersetzungen, geeignet, das -Interesse breiterer Schichten der werktätigen Bevölkerung für andere als die zunächst- liegenden, unmittelbaren und augenblick­lichen Tagesfragen und Alltagssorgen zu er­wecken. Wenn man von einer gemeinschafts- mäßigen Interessenbildung bereits sprechen konnte, so erweiterte sich das Einzel-Ich

Marseille vor dem Völkerbund

Paris, 18. November.

Der ständige Vertreter Siidslawiens beim Völkerbund, Potitsch, und der hiesige süd­slawische Gesandte haben den französischen Außenminister davon in Kenntnis gesetzt, daß Südslawien beim Völkerbund eine Untersuchung über die Ermordung König Alexanders beantragen werde.

den Parteien als die

höchstens noch zum Berufsstande, zr „Klasse". Das „Volk" als höchster Geniest schaftsbegriff und Gemeinschaftsfaktor, a eigentlicher Kern und Träger des politische Willens, fehlte so gut wie ganz.

Erst durch die Beseitigung der innenpolii schen Unruhe durch die Vernichtung des bi herigen Parteiensystems, die Ueberwindur sozialer Spannungen und Kämpfe durch d organische Eingliederung aller Berufsstänl in eine neue, im Werden begriffene Volk ordnung, die Ausschaltung partikularistisch! Bestrebungen durch die Aufrichtung ein, straffen, nach zentralen Gesichtspunkten g leiteten Staatsmacht und endlich die Ein gung von Nation und Volk auf der Grün! läge der nationalsozialistischen Bewegur haben auch . den Weg freigemacht für eir politische Erziehung der deutschen Arbeite schafft die der Beschäftigung mit Fragen tu außenpolitischen Lebensbereiches niö mehr interesselos gegenübersteht, sondern ii Gegenteil in ihnen gerade Schicksalsfrage der gesamten Nation, der sie sich ebenso ve antwortlich fühlt wie irgendein anderer P rufsstand, erblickt.