Ausgabe 
(16.11.1934) Nr. 317
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Nr. 317 / 4. Vierteljahr

Freitag, iü. November

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Heute nimmt der Parteitag 1934 des Krei­ses Bremen der NSDAP. in den Mauern unserer Stadt seinen Anfang. Auf dem Um­schlag der aus diesem Anlaß von der Kreis­leitung herausgegebenen Festschrift finden wir die Worte: „Unser Bekenntnis: Wir glauben — Unser Schwur: Wir kämpfen!" Und unter dem Gedanken dieses wahrhaft stolzen Leitsatzes werden sämtliche Veranstal­tungen des Kreisparteitages stehen. Die große Heerschau der Nationalsozialisten un­seres Kreises wird Zeugnis ablegen von der Stärke und Geschlossenheit der national­sozialistischen Bewegung und dazu beitragen, das Band der Gemeinschaft, das uns alle um­schließt, für die Zukunft noch fester denn je zu spannen.

Der Kreisparteitag 1934 steht im Zeichen der Einheit. Zum ersten Mal halten in seinem Rahmen die anderen Organisationen der Bewegung ihre Sondertagungen ab und haben ihre Mitwirkung an dem festlichen Teil der Kundgebung zugesagt. Dadurch wird rein äußerlich dokumentiert, daß nunmehr aber auch in unserem Gebiet zwischen den einzelnen Teilen der Bewegung das nur ' denkbar beste Einvernehmen besteht und daß außerdem Partei und Staat Hand in Hand für das Wohl unseres Volkes und den Wie­deraufstieg des Deutschen Reiches arbeiten.

Die große Bedeutung des diesjährigen Kreisparteitages wird jedoch in der Aktivi- rung aller weltanschaulichen Kräfte un­seres Kreises zum vollen Einsatz in der eben begonnenen großen Winterschlacht gegen Not und Elend, Hunger und Kälte zu suchen sein.

Unser Schwur: Wir kämpfen! Die NSDAP. ist eine Organisation, die im Kampfe groß geworden ist. Und darum kann sie auch nur im Kampfe bestehen, mögen Taktik und Me­thodik des Kampfes sich auch mit den Zei­ten ändern. Der alte Kampfgeist der Be­wegung wird aus allen Berichten der Amts­walter reden, die in den verschiedensten Sondertagungen Rechenschaft über die Arbeit in ihren Ortsgruppen erstatten; alter Kampf­geist wird aber auch bestimmend sein für die neuen Richtlinien über den in der kommen­den Zeit einzuschlagenden Weg. Die Achtung vor dem alten Kämpfer kommt schon dadurch zum Ausdruck, daß in einer feierlichen Kund­gebung gestern abend im Rathaus den älte­sten Parteigenossen das goldene Ehrenzeichen überreicht wurde und mit dieser Veranstal­tung gleichzeitig der Parteitag eingeleitet worden ist.

Heute nachmittag werden im Rathaus die auswärtigen Gäste durch den Kreisleiter und Senat begrüßt und am Abend findet ein Festkonzert im Staatstheater Bremen statt, in dem Beethovens „Neunte Symphonie" zur Aufführung gelangt. Der Sonnabend wird im Zeichen der verschiedensten Sonder­tagungen stehen und abends seinen Höhe­punkt in der Kreisparteitagung in der „Glocke" mit der Rede des Gauleiters fin­den. Ein Appell sämtlicher Formationen der Bewegung auf dem Domshof mit anschlie­ßendem Propagandamarsch durch die Stadt leitet den Sonntag ein, der in einem großen Kameradschaftsabend aller am Parteitag Beteiligten ausklingt.

Der Kreisparteitag 1934 in Bremen wird Zeigen, daß die bisher im Reich überall be­tonte Einheit der Bewegung bei uns im Kreis Bremen ebenfalls durch die Tat be­wiesen worden ist. Wir wissen, daß die Ent­scheidungen, die auf innen- und außenpoli­tischem Gebiet sowie in der Wirtschaft vor uns liegen, einen einzigen starken Volks­willen erfordern, und daß der Weg zur Frei­heit nur über die Einheit des Volkes geführt werden kann. Diese Einheit herbeizuführen, ist die besondere Ausgabe all derer, die sich m diesen Tagen zum Appell in Bremen stellen.

Die Zusammenarbeit aller verfügbaren Kräfte innerhalb der NSDAP. mit all ihren Gliederungen und Formationen ist die Voraussetzung für den Erfolg aller kommenden Arbeit.

Dieser Parteitag, der im Zeichen gemeinsamen Wollens steht, soll dazu beitragen, dieses Zusammenwirken zu fördern und alle Mitarbeiter am großen Ausbauwerk einander näherzubringen. Aus der Fülle der Gedanken, die in den Arbeits­tagungen an uns herangetragen werden, wollen wir alle das entnehmen, was der Bewegung und damit dem deutschen Volke dienen kann. gez. CarlRöver,

Gauleiter des Gaues Weser-Ems.

„Wir glauben — wir kämpfen!"

Zwei starke Worte haben wir für diesen Parteitag als Leitgedanken gewählt und legen damit emeut ein Bekenntnis ab zu Führer und Volk. Aus dem unerschütterlichen Glauben an den Führer und sein Werk erwächst uns die Kraft für den Kampf, den wir auch heute noch zu führen haben; denn all die Arbeit, die innerhalb der NSDAP. geleistet wird, ist Kampf, ist ein Ringen um die Seele des deutschen Menschen. Wir begnügen uns nicht mit der Erlangung der äußeren Macht, uns genügt nicht das Lippenbekenntnis zum Nationalsozialismus, wir wollen den ganzen Menschen.

Viele Kräfte sind daher am Werk, täglich für die Zdee des Führers zu arbeiten. Alle Gebiete werden betreut und be einflußt. Diese Gedanken, die uns bewegen, werden an diesem Parteitag zur Aussprache kommen, aus ihr heraus sollen uns neue und fruchtbare Anregungen erwachsen, die der zukünftigen Arbeit zugute kommen. So begehen wir diesen Kreis­parteitag mit dem Willen zu harter Selbstprüfung. Das Ergebnis aber soll uns Richtschnur sein für unser weiteres Schaffen.

Heil Hitler!

. gez. Blanke, Kreisleiter.

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(Oralitkerivlit unseres uuetl Köln entsandten K. - >1 ü. - keäsklivnsinitzlieäes)

Köln, 15. November.

In der Aula der neuen Kölner Universi­tät hielt am Donnerstagabend der Reichs­pressechef der NSDAP., Dr. Otto Diet­rich, einen außerordentlich bedeutsamen Vortraa über „Die philosophischen Grundlagen des Nationalsozia­lismus". Nicht nur das ganze geistige Rheinland, auch die wissenschaftliche Welt der anderen deutschen Gaue und des Aus- landes war auf dieser wichtigen, im fest­lichen akademischen Rahmen erfolgenden Kundgebung vertreten. Die Rede des Leiters der deutschen Presse (die wir im Innern des Blattes veröffentlichen) wird in Deutschland und im Ausland besonders deshalb große Beachtung finden, weil mit ihr die hohe wissenschaftliche Mission der Bewegung in streng wissenschaftlicher Form proklamiert wurde.

Schon der Ausgangspunkt der Darlegun­gen des Reichspressechefs ließ darauf schlie­ßen, daß im Rahmen der Geisteswissenfchaft eine Synthese des Neuen und des Alten gewagt werden sollte: Kants Erkenntnis­

theorie, in ihrer historischen und in ihrer überzeitlichen Bedeutung gewürdigt, wurde gewissermaßen als erste Stufe zur Mani­festation der nationalsozialistischen Idee be­nutzt. Wir können nur wünschen, daß vor allem die deutsche Jugend sich die Auf­fassung Dr. Dietrichs von der Geistestat Kants zu eigen macht: Das Problem des Ge­gensatzes von Geist und Materie habe der Königsberger Philosoph in der Weise ge­löst, daß nicht logisch-begriffliches Denken oder sinnliche Wahrnehmung allein, sondern erst der gesamte Intellekt, die „Einheit des Bewußtseins", wahre Erkenntnis möglich macht. Aber nicht auf dem Feld der er- kenntniskritischen Auseinandersetzung, son­dern auf dem Gebiet der prak­tischen Philosophie, der Lehre des sitt­lichen Handelns, hat Dr. Dietrich Immanuel Kant vom Nationalsozialismus aus der deut­schen Nation neu erobert.

Jene Eroberung ist um so bedeutsamer, als der Versuch unternommen wurde, Kant aus der geistigen Situation seiner Zeit heraus zu begreifen. Diese geistige Situation, die übrigens auch den philosophischen Syste­men nach Kant das Gepräge gab, war be­herrscht von der individualistischen Weltanschauung. Der Einzel- mensch war es, dessen Erkenntnisformen man die Schaffung der Einheit von Geist und Materie, von Subjekt und Objekt zu­mutete. Mit einer Klarheit, die nichts zu wünschen übrigließ, deckte Dr. Dietrich die Denkfehler des Individualismus auf: Nicht als Einzelwesen tritt uns der Mensch ent­gegen, sondern stets nur alsGlied einer Gemeinschaft. Die tatsächlichen Gege­benheiten sind, was wir hier kürzlich auch bei der Darlegung programmatischer Aus­führungen Ernst Kriecks hervorhoben, nicht egozentrisch gruppiert, sondern umfassen Rassen, Völker, Nationen. Es ist das Ver­dienst des Reichspressechefs, auf Grund die­ser Realität der erkenntnis-theoretischen Grundlegung der Philosophie neue Wege gewiesen zu haben. Die nationalsozialistische Weltanschauung ist nunmehr berufen, im Be­reich der Geisteswissenschaften das gemein- schastsbewußte Denken endlich auf den „Thron wahrer Erkenntnis" zu heben. Kei­nen besseren Ort als die neue Kölner Uni­versität konnte Dr. Dietrich wählen, um allen Kämpfern und Mittlern des deutschen Geistes zuzurufen: „Wie sich das Leben zur Gemeinschaft hin orientiert, so muß es auch vom geistigen Leben im allgemeinen und von der Philosophie im besonderen erwartet werden."

Die Brücke von der nationalsozialistischen Idee zu Kants Philosophie ist einmalig und endgültig mit folgender Feststellung Dr. Dietrichs geschlagen: Kants Lehre endet mit dem Postulat der praktischen Vernunft im Gesetz der Gemeinschaft; sein Sitten- gesetz: „Handle so, daß die Maxime deines Handelns jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann" ist die geradezu klassische Formulie­rung nationalsozialistischer Ethik.

Die Rede hat in zweierlei Hinsicht auch eine besondere außenpolitische Bedeutung. Zunächst ist das skizzierte erkenntnistheo- retische Prinzip, wie es sich aus der natio­nalsozialistischen Idee ergibt, allgemein gültig, findet also zwangsläufig auf alle Gemeinschaften, auf alle Nationen Anwen-