Ausgabe 
(13.12.1934) Nr. 344
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das amtliche Organ Ses Senais

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Nr. 344 / 4. Vierteljahr :

Donnerstag, 13. Dezember

Einzelpreis is Rps.

Reich - Preußen

Einheitliche Zusammenfassung von Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung

Berlin, 12. Dezember.

Die durch Ministerpräsident Göring Mitte März dieses Jahres eingeleitete Aktion zur Vereinheitä lichung des Reiches und Preußens hat durch die von Herrn Reichsminister Rüst mit Zustimmung des preußischen Ministerpräsidenten Göring er­folgte Aufstellung eines einheitlichen Eeschäfts- verteilungsplanes für das Reichserziehungsmini­sterium und preußische Kultusministerium eine weitere entscheidende Förderung erfahren. Ihren sichtbaren Ausdruck finden die grundlegenden Maßnahmen in der neuen Behördenbezeichnung. Nunmehr gibt es nur noch den Reichs- und'preu­ßischen Minister für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung, unter dem die beiden Ministerien einheitlich zusammengefaßt sind, ohne daß frei­lich der Bestand des preußischen Kultusminister, riutns dadurch berührt wird.

Zur Personalunion ist die Realunion getreten, und damit kommen auch auf dem Gebiete des Er­ziehungswesens die jahrzehntelangen Verwal­tungserfahrungen Preußens uneingeschränkt dem Reiche zugute. Das Reichs- und preußische Mi­nisterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbil­dung gliedert sich unter Herrn Reichsminister Rüst und einem Staatssekretär nach dem neuen Ecschäftsverteilungsplan folgendermaßen:

1. Zentralamt (Verwaltung, Gesetzgebung, Ausland); 2. Ministeramt: 3. Amt für Wissen­schaft (mit der Hochschul- und Forschungsabtei­lung): 4- Amt für Erziehung (Schulen sowie be­rufliches, bäuerliches und soziales Ausbildungs­wesen).: 5. Amt für Volksbildung-(Akademie der Künste, Volkshochschulen, Volksbüchereien, Mu­seen und Schlösser, Denkmalspflege, Naturschutz usw., Musikhochschulen, bildende Künste, Litera­tur und Theater, Film und Funk); 6. Amt für körperliche Erziehung (mit den Abteilungen für Leibesübungen und für Jugendpflege); 7. Ab­teilung Landjahr; 8. Geistliche Abteilungen-

pg. Heiöek endgültig ernannt

Staatssekretär Haltermann wieder Senator / Wechsel in der bremischen Vertretung beim Reich

Bremen, 12. Dez.

Der Reichsstatthalter in Oldenburg und Bremen, Carl Rover, hat den bisher kom­missarischen Reg. Bürgermeister Otto Hei­de r mit dem heutigen Tags endgültig zum Reg. Bürgermeister der Freien Hanse­stadt Bremen ernannt. Damit ist das Ver­trauensverhältnis zwischen dem Reichsstatt- haltsr und dem bremischen Senat voll und ganz wiederhergestellt. Die bremische Be­völkerung und somit auch der bremische Se­nat stehen rückhaltlos hinter ihrem Reichs­statthalter, der nicht nur durch Worte, son­dern auch durch Taten stets bewiesen hat, daß

er die bremischen Interessen im Rahmen der Gesamtheit der Interessen des deutschen Vol­kes und des Deutschen Reiches aufs beste ver­tritt. Durch die vom Reichsstatthalter er­folgte Ernennung Pg. Heiders zum Regieren­den Bürgermeister wird auch ein gutes Verhältnis und Zusammenarbeiten zwischen Partei und Staat gewähr­leistet. was früher ebenfalls zu wünschen übrig ließ.

Senator Rodenberg scheidet mit dem 1. Januar aus dem Senat aus und über­nimmt einstweilen wieder seinen früheren Posten in Berlin. Zu seinem Nachfolger als

Senator für Arbeit, Technik und Wohlfahrt wird Staatssekretär Halter mann er­nannt werden, der gleichzeitig beauftragt wird, die von Senator Rodenberg begonnene Verwaltungsreform mit dem Ziele einer Ver- billigung der Verwaltung fortzusetzen.

Dem bisherigen bremischen Vertreter in Berlin. Staatsrat Buran.dt. wird mit Wirkung vom 1. Januar 1S35 ein neues Auf­gabengebiet in Bremen übertragen. An seiner Stelle übernimmt Senator Vogts vom gleichen Tage ab die Geschäfts der bremischen Vertretung in Berlin.

Nationalsozialismus und Wehrmacht

Major Foertsch über „Die Wehrmacht im neuen Reich

„Moskau oder BerUn"

Warschau, 12. Dezember

In einem Bericht aus Paris hebt „Gazeta Polska" hervor, daß Laval zu einer Zeit, als man bereits einen deutsch-französischen Vertrag zu zweien herannahen fühlte, von Litwinow vor die Alternative gestellt worden sei, entweder die Verpflichtung einzugehen, vor Abschluß des Ostvertrages keinerlei zweiseitige Verträge zu schließen oder vollständig auf Sowjetrußland zu verzichten, das dann ebenfalls das Recht hätte, an eine gewisse zweiseitige Annäherung zu denken. Auf diese Weise sei ein gewisser Stillstand wäh­rend der vielleicht langen Zeit bis zur Klärung der Ostpaktfrage für die französische Diplomatie eingetreten: die beiden politischen Richtungen

— Moskau oder Berlin — höben sich gegenseitig auf.

Ausnahmezustand auf Kuba. In den Gebieten von Havanna, Santa Clara und Eamagucy auf Kuba wurde der Ausnahmezustand verhängt. Diese Maßnahme wurde von der Regierung er­griffen, um der erhöhten Aktivität der Kommu­nisten wirksam vorzubeugen.

Berlin, 12. Dezember

Im Ofsizierstastno des Wachregiments in Ber­lin sprach der Leiter der Abteilung Inland des Reichswehrministeriums, Major Foertsch. vor zahlreichen Pressevertretern und Führern der SA. und SS., des Arbeitsdienstes und der Hitler- Jugend über das Thema „Die Wehrmacht' im neuen Reich". Major Foertsch ging insbesondere davon aus, daß trotz aller Erklärungen eine ge­wisse Auslandspresse sich immer wieder mit dem Verhältnis der Wehrmacht zum Nationalsozialis­mus befasse und zum einen Mal behaupte, daß der größte Gegner des Nationalsozialismus in Deutschland die Wehrmacht und ihre führenden Generale seien, zum anderen Male wiederum die Meinung ausdrücke, die Wehrmacht sei restlos im nationalsozialistischen Sinne politisiert und da­durch ihrer Schlagkraft verlustig gegangen Nicht allein aus Böswilligkeit und Sensationslust wür­den derartige Meinungen kolportiert, sondern auch aus dem Unvermögen heraus, die Wehrmacht und ihre Stellung im neuen Staat zu verstehen. Man versuche, wie im alten Staat die Wehrmacht zu einer Sphinx zu stempeln, zu einer unbestimm­baren Größe, von der man nicht wisse, wo sie eigentlich stehe.

Major Foertsch gab dann einen Abriß der Ent­wicklung und der Grundlage der Wehrmacht, wies darauf hin, daß nach 1918 im Weimarer Staat in­folge des Mangels an Autorität durch den Par- teienstreit und infolge des Fehlens eines klaren Bekenntnisses zur Wehrhaftigkeit die Wehrmacht eine überparteiliche Haltung sich geschaffen, die oft angegriffen und mißverstanden worden sei. Sie sei aber im Interesse der Selbsterhaltung der Wehr- macht notwendig gewesen. Die Reichswehr habe, weil ihr der Weimarer Staat nicht die innere Le­bensgrundlage gegeben habe, sich einen eigenen Staatsbegriff geschaffen, der mit der Weimarer Verfassung sich nicht ge-

Und dann spielt Cortot...

Lin Lonzert in Dalldemofa / Don Sigrid Peschken

Auf breiten schönen Straßen zwischen steilen Felsen fahren wir hinauf nach dem kleinen Ee- birgsort Valldemosa. Bei einer Biegung um schroffe, rote Felsen sehen wir'zuerst auf einer An­höhe die mächtigen weißen Türme und Mauern eines langgestreckten, ehrwürdigen Karthänser- Klosters. Dann tauchen allmählich die alten wink­ligen, malerischen Häuser und Kätzchen von Vall­demosa auf, die uns an ein kleines Eebirgsdorf im Engadin erinnern; wie eine Vision des Sü­dens stehen die Palmen und Eypressen in dieser Landschaft.

Wir setzen uns etwas oberhalb des Dorfes in den Schatten hellgrüner Feigenbäume, sehen in die flimmernde, heiße Luft und hören das ferne Läuten ziehender Herden auf den abschüssigen Wiesen. Hinter immer neuen Tälern und Fels­öffnungen schimmert wie ein lichtblauer Hauch das Meer. Unsere Gedanken kreisen um das unter uns liegende, im Jahre 1311 gegründete Kloster, in dem vor fast hundert Jahren der schwerkranke Chopip mit George Sand eine Zuflucht fand, und in dem nun heute der große Pianist Alfred Cortot Chopin's herrliche F-moll-Ballade und 24 Prä­ludien spielen wird.

Wir haben den sehnlichsten Wunsch, vorher noch in die Zellen, in denen Chopin - hat. hin­

einzukommen, und wir haben Glück. Ein alter Mann führt uns durch dir vian uns öffne: uns eine Tür' wir sind in Chopin'-- einfachen Räu­men, die jo viel Geschmack und Kultur atmen, sehen die hellen schmucklosen Wände, die bunten Vasen und die schön geformten alten Meßing- Oellampen auf den dunklen Holztischen. Dann stehen wir vor dem armseligen, bescheidenen Kla­vier, dem Chopin einst eine Welt von Glanz,

Schmerz und Schönheit entlockte. Hinter hellen Glastüren träumt vor einer wilden Felsenland­schaft ein kleiner Garten mit unzähligen, betäu­bend duftenden Rosen in allen Farben

Langsam füllt sich der Kreuzgang mit andäch­tigen Menschen. Durch die runden, mit Bambus­zweigen vergitterten Fensteröffnungen, hinter denen ein weiterer alter Klostergarten liegt, fällt ein magisches Licht mit zitternden Sonnenkrin- geln auf die weißen Wände.

Das Knistern uns Flüstern im Kreuzgang er­stirbt, und das Konzert beginnt. Zuerst werden alte mallorquiner Volkslieder gesungen; klar und weich steigen die schönen Stimmen zu dem Ge­wölbe empor. Die Frauen tragen, während sie die Lieder ihrer Heimat singen, die malerische Tracht ihres Volkes; bunte weite Röcke und enge schwarze Blusen. Durchsichtige weiße Spitzen- schleier und -kragen, durch die die Eoldknöpfe und Ohrringe blitzen, rahmen rassige schmale Gesichter ein mit strahlenden dunklen Augen, tiefschwarzen Haaren und glänzendweißen Zähnen. In ihren fremdartigen Liedern liegt viel von der grandiosen Einsamkeit dieser Insel.

Dann spielt Cortot. — Kein Laut stört die wei­hevolle Stimmung; weltentrückt ist jeder in seine Gedanken versunken. Ist es nicht Chopin selbst, der aus dem Schattenreiche zu uns spricht, während die warme, rauschende Flut seiner hinreißenden Musik die stillen Kreuzgänge ersüllt und uns ein­hüllt? Dieselben Klänge, die vor so langen, langen Jahren in seiner Seele geboren und von seiner Meisterhand gespielt wurden, hallen nun wider durch die Gänge und Räume, in denen er gelebt hat.

deckt habe und der dar Nei-erzeitliche und Dauernde des Staates und der Nation zur Grund­lage hatte. Im „Leitfaden sür Erziehung und Un­terricht" in der Zeit der Weimarer Republik sei nur das Verhältnis von Staat und Wehrmacht festgelegt worden. Der Soldat wurde als Diener des Staates bezeichnet'und die Wehrmacht als ein Instrument, das die Staatsautorität nach außen und nach innen zu wahren, hätte. In den „Pflich­ten' des Soldaten 1931" wird im Gegensatz dazu die Wehrmacht wieder zum Volksheer gebrächt -

Ggailanö m der Aebergangszett

Basel. 12. Dez.

Wie verlautet, hat der Vankrat der BJZ. dem Vorschlsg des Völkerbundsratss zuge­stimmt, nach der Volksabstimmung im Saar­gebiet während der Uebergangszeit die Fi- nanzverwaltung des Saarlandss auszuüben. Voraussetzung sei, dost die politische Ruhe im Saargsbiet aufrechterhalten bleibe.

„Die Wehrmacht ist der Waffenträger des deut­schen Volkes. Sie schützt das Deutsche Reich und Vaterland, das im Nationalsozialismus greinte Volk und seinen Lebensraum." Von einer Ver­wendung nach innen ist hier nicht mehr die Rede und an die Stelle des Begriffes Staat ist der Begriff Volk getreten.

Der Redner wies dann auf eine Reihe von an­erkennenden Worten des Führers für die Wehr­macht hin und machte darauf aufmerksam, daß als die größten Leistungen im Nachkrisgs-Deutsch- land der Führer einmal den Aufbau der national­sozialistischen Bewegung und den Aufbau der Wehrmacht bezeichnet habe.

Die Haltung der Wehrmacht in der national­sozialistischen Revolution sei in jeder Weise folge-

Jn den leidenschaftlichen Tönen erklingt sein Herz, das heiter sein könnte wie der blaue mallor­quiner Himmel und dunkel wie das Meer in einer Sturmnacht an den roten Klippen. Dumpfe Trommeln an einem Grabe, rauschende Seiden­schlappen in lichterfüllten Sälen, schwermütige Lieder einsamer Hirten zwischen den Felsen — Bilder funkelnd und schillernd und Bilder voll Todesahnungensie fließen, perlen, strömen dahin und verrauschen.

Der traurige, herbe Duft fallender Rosen- blätter und vergilbter Pergamente weht zu uns herüber. In dem verschlafenen Klostergarten beginnen ein paar Vögel in die Musik, die zu ihnen dringt, einzufallen mit ihrem jubelnden

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richtig gewesen Zwar hätten in der Welt oft Armeen Revolutionen gemacht, in Revolutionen eingegriffen oder Revolutionen beendet. Für die deutsche Wehrmacht sei eine solche Haltung nicht in Frage gekommen, denn das was sie ersehnte, habe die nationalsozialistische Bewegung er­kämpft. Aus dieser Gleichheit der Anschauung nun zu folgern, daß dann die Armee die Revolution ja schon viel früher hätte machen können, sei falsch, denn Nur von Armeen gemachte Revolutionen zer­störten meist das, Eefüge dieser Armeen und-seien nicqi von langer Dauer.

Im letzten Teil seiner Ausführungen behandelte Major Foertsch die Beziehungen zwischen den ein­zelnen Säulen der NSDAP und der Wehrmacht, die eng und herzlich seien. Der Führer habe die Wehrmacht aus einer gewissen Vereinsamung herausgehoben und wieder mitten ins Volk ge­stellt; er habe weiter die deutsche Wehrmacht zu einer der Säulen bestimmt, die neben der Partei als dem politischen Willensträger, als einziger Waffenträger der Nation den Staat trage. Reichs­wehrminister Generaloberst von Vlomberg habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß der Na­tionalsozialismus als die Grundlage des neuen Staates auch für die Wehrmacht unantastbar sein müsse, und die Wehrmacht habe bewiesen, daß es ihr mit dieser Grundlage ernst ist. Es führe eine Linie von der Einführung des kameradschaft­lichen Grußes zwischen Wehrmacht und national­sozialistischen Verbänden über die Teilnahme an den neuen staatlichen und parteilichen Veranstal­tungen des 1. Mai, des Erntedankfestes bis zum Auftreten der Wehrmacht auf dem Reichspartei­tag, und von der Einführung des Hoheits­zeichens der nationalsozialistischen Bewegung bis zur Eidesleistung des Soldaten aus den Führer, der von der Wehrmacht als der ersten Einrichtung des Reiches diesen Treueid habe entgegennehmen können.

(Fortsetzung auf Seite 2) . .

Morgendämmerung?

Englands Wendung zur Kontinentalpolitik

(Von unserem ständigen Londoner 'M. Lr.-Mitarbeiter)

London, 12. Dezember.

England schreibt sich ein gut Teil des Ver­dienstes um die Entspannung in der Saar, frage zu. Die Entsendung fremder Truppen an die Saar ist Edens eigener Gedanke, und die gefährlich glimmende Zündschnur am jugoslawischen Pulverfaß ist nicht zuletzt durch seine deutlichen Warnungen ausgetre­ten worden. Die Beteiligung Englands an der Truppenentsenduna aber, die noch vor zwei Wochen Zu einer Volkserhebung an der Themse und zum sofortigen Sturz der Re­gierung geführt hätte, ist von der gesamten Presse ohne Unterschied der Partei mit Bei­fall aufgenommen worden. Und Beifalls­kundgebungen, wie sie ein amtierender eng­lischer Staatsmann wohl noch niemals in einer so verzwickten Frage geerntet hat, wurden dem Außenminister Sir John Simon im Unterhaus zuteil.

Bis Ende November war es ein gerade­zu zur Selbstverständlichkeit gewordener Grundsatz, daß England nichts auf dem Kontinent zu suchen habe. Bis in die Reihen der Labour Party hinein war die Forderung vorherrschend, daß Downing Street feine Hände von allen europäischen Verwicklun­gen lassen und sein ganzes Augenmerk dem britischen Weltreich, den Fragen von Ueber- see und vor allem der Vorbereitung der Flottenkonferenz zuwenden müsse. Das war auch noch Mitte November das Ziel der eng­lischen Politik. Drei Fragen waren es in erster Linie, die Englands angespannte Auf­merksamkeit erforderten: Die Flotten-

besprechungen, die Verfassung für Indien und die Festigung der sehr locker gewor­denen Klammern um sein Weltreich. Diese drei Fragen sind im wesentlichen beantwortet. Negativ die Flotten- b e f p r e chu n g e n, die als vorläufig ge­scheitert betrachtet werden müssen. Günstiger lief die indische Frage aus. Baldwin hat den größeren Teil der konservativen Opposition gebändigt — die Annahme der Weißbuch-Verfassung durch das Parlament ist gesichert, die drohende Regierungskrise vermieden. Das britische Weltreich aber soll näher an sein Nervenzentrum herangebracht, seine einzelnen Teile werden fester mitein­ander verbunden werden durch die Aus­wirkungen, die das Mildenhall-Melbourne- Rennen gezeitigt haben. Der sportliche Sieg der Engländer und der technisch-organisato­rische Erfolg der Holländer haben die Pro­bleme in hellstes Licht gesetzt, zu deren Stu­dium augenblicklich noch der britische Kabi­nettssekretär Sir Maurice Hankey auf sei­ner Weltreise weilt. In einem doppelten Fllnf-Iahresplan will Großbritannien eine Luftbrücke bis zu seinen entferntesten Domi­nien schlagen, und Bombenflugboote sollen in allen Weltteilen die Aufgaben der einsti­gen riesigen Flotte Albions ersetzen.

So bekam man an der Themse die Hände frei von Ueberseegeschäften in einem Augen­blick, als die Gefahr in Europa brennend zu werden schien. Als die Flotten- besprechungen trotz aller Bemühungen mit einem Fiasko endeten, legte man mit ent-

Lied^ und zwischen wilden Ranken plätschert und raunt unaufhörlich ein uralter Brunnen, als wollte er noch viel erzählen von Ehopin's und George Sand's „selig-elenden" Tagen in diesen Mauern.

Der letzte. Ton und die Vergangenheit verklingt und versinkt. —

Wir gehen zu unseren Wagen, die bald durch weiße Staubnebel talwärts fahren, während am bloßgrünen Himmel, hoch über dem Kloster und den scharfen, zackigen Umrissen der dunklen Berge, in Klarheit und Ruhe die Abendwolken dahin­ziehen, wie kleine goldene Schiffe aus anderen Welten.

Histörchen aus Dänemark

Eine bekannte Exportfirma in Kopenhagen er­hielt von einem ihrer schwarzen Kunden in Afrika folgenden Brief:

Njambve Nogogo, Ostafrika.

Massa! Warum hast Du die Seife, die ich be­stellt habe, nicht gesandt? Glaubst Du, daß mein Geld schlecht ist?

Verflucht seiest Du, Sörensen, Hansen L Co.! Mögen die Heuschrecken Deine Maisfelder kahl­fressen und die Tsetsefliegen Deine Kühe stechen, weil Du mir keine Seife sendest! Schick mir die Seife sofort, und Dein »nt-stäniger Diener wird Dir danken.

Hassa ben Oman.

Nachschrift: Entschuldige den Brief, me>ne Frau hat eben die Seife unterm Bett gefunoen. Allah segne Dich!

-r-

Es war schon spät — erzählt ein dänisches Blatt — als der Pfarrer und Jens Kusk auf­

brachen. Der Gutsbesitzer, bei dem sie den Abend verbrachten, nötigte ihnen immer noch -inen Grog auf, und man hatte nicht fertig werden können. Nun war es Mitternacht und caben- finster. Der Wagen polterte über den unebenen Weg, so daß sich der Pfarrer mit beiden Händen festklammern mußte. Allmählich wurde er un­ruhig. Er klopfte dem Wagenlenker auf den Rücken.

„Jens, kannst du auch den Weg finden?", fragre der Pfarrer.

Jens Kusk drehte den Kopf, soweit seine steife Halsbinde das zuließ, und sagte: „Op miene Oogen kann ick mi verlaten."

Der Pfarrer seufzte: „Na ja!", und lehnte

sich zurück. Sie fuhren. Aber die Straße wurde immer schlechter Bald schon fühlt:- V, Vfarrer den Drang, sich von neuem zu beruhigen.

„Jens", fragte er, „sind wir auch wirklich auf dem richtigen Weg?"

Jens drehte sich abermals um und antworte«:: „Ick verlat mi op de Gäule."

Und sie fuhren weiter. Es war schauderhaft. In tiefe Löcher sackten die Räder, dann krachten sie gegen Baumstümpfe, und die Pferde waren unsicher auf den Beinen. Der Pfarrer wurde immer nervöser.

„Jens, Jens", rief er, „wir sind doch auch be­stimmt noch auf dem richtigen Weg?"

„Ick vertrau op uns Herrgott", antwortete Jens.

„Augenblick!", sagte der Pfarrer. „Ich gl-r.-be, es ist besser, ich steige ab." IValäsivar Uslisr.

Ein Strafmandat für den Duce

Mussolini ist ein begeisterter Autofahrer. Er pflogt seinen Wagen selbst zu steuern und fährt gern schnell. Als er vor kurzem von Riccicne nach Rom zu einer sehr eiligen Ministerbespre­chung fuhx und pünktlich sein wollte raste er ,m wahnsinnigen Tempo über die Chausseen ->->n bekanntes Hupensignal gestattete ihm le Durchfahrt durch alle Dörfer, die am Wege lagen. Alles ging nach Wunsch, nur einige Tage später war der italienische Regierungschef peinlich überrascht, als er auf seinem Schreibtisch ein Strafmandat von 109 Lire wegen zu schnellen Autofahrens vorfand. Ein diensteifriger Polizist hatte sich die Nummer des rasenden Wagens no­tiert. und der Besitzer mußte, ganz gleich wer es war, dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Noch am gleichen Tage wurden die fälligen 199 Lire überwiesen und ein persönlicher Briei M öo- linis an die Polizei beigefügt, in oem er - z. seine Straffälligkeil wegen dringender Sla rs- geschäfte zu entschuldigen. Sowohl das Verhalten des Polizisten wie des straffälligen Duce lassen eine nachahmenswerte Einstellung zu den Ge­setzen, die für die Sicherheit aller da sind, er­kennen.