Ausgabe 
(12.12.1934) Nr. 343
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vremer

das amUiche Organ -es Senais

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Zeitung

-er Freien Landstadt vremen

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Nr. 343 / 4. Vierteljahr

Mittwoch, 12 . Dezember

Einzelpreis 15 Rps.

Bremen und die Neuordnung der Seeschiffahrt

Nvrdatlantikbienst wird selbständig / Die Levante-Fahrt vor der Ausgliederung

Berlin, 11. Dezember.

Aehnlich wie in anderen Ländern und Wirtschaftszweigen haben die Krisenjahre ergeben, daß Riesenbetriebe der See­schiffahrt den Schwierigkeiten weniger gewachsen sind als mittlere und kleine Unternehmungen. Die Auffassung, datz der Hapag-Lloyd-Konzern, der 1938 78 v. H. der gesamten deutschen Handelsflotte umfaßte, durch Ausgliederung der im Lause der Jahre mit ihm fusionierten Gesellschaften und Dienste wieder aus übersehbare Matze zurückgeführt werden müsse, setzte sich im neuen Reich durch. Aus ihr beruht ein Gedanke der hanseatischen Bürgermeister, die Grotzseeschiffahrt in eine Reihe von Einzeldiensten zu überführen, die von Hamburg und Bremen ihren Ausgang nähmen.

Auch die betriebliche Berselbstiindigung des Nordatlantik-Dienstes innerhalb der Hapag-Lloyd-Union ist aus dieses Streben zurückzuführen.

Verhandlungen, die innerhalb des Hapag-Lloyd-Konzerns über die Ausgliederung von Linien-Diensten geführt wurden, gingen nur langsam vorwärts. Um ihren Fortgang zu beschleunigen, beauftragte der Reichsverkehrsminister Anfang dieses Jahres im Benehmen mit den anderen Reichsressorts Staatsrat Etzberger als Treuhänder des Reiches für die Groh- schifsahrt mit der Umbildung ihrer Organisation. In monatelangen sorgfältigen Verhandlungen wurden mit den Vorsitzenden der Aussichtsräte von Hapag und Lloyd die Verträge über das Ausscheiden der Dienste nach Südamerika-Ostküste und Afrika vereinbart, die nun abgeschlossen sind und durchgeführt werden.

Verhandlungen wegen der Uebersührung des Levante-Dienstes in Privathand sind im Gange. In der gleichen Richtung geht das Bemühen, die europäischen Linien der Hapag-Lloyd-Union, die Hamburg-London-Linie, die Hamburg-Rhein- Linie, die Svenska-Linie und die Jppen-Linie zu verselbständigen oder aus andere Reedereien überzuleiten.

Für die Argo-Reederei AG. und die Mathies-Reederei AG. ist die Berselbstiindigung bereits durchgeführt.

Bei diesen Maßnahmen war es das leitende Bestreben, alle Sonderbedürfnisse der Wirtschaft und die berechtigten Inter­essen der beiden großen Hafenstädte Hamburg und Bremen gleichmäßig zu wahren. (Vergl. auch die Ausführungen von Staatsrat Eßberger im Handelsteil.)

Reichskommissar Geerdeter in Bremen

Der Beauftragte für Vreisüberwachung vor der Derwaltungöakademle

Japans Drang nach Nordchina

Sensationelle Erklärungen des Washingtoner Botschafters Saito

Peiping, 11. Dezember.

Der japanische Botschafter in Washington, Saito, gab einem Vertreter der Zeitung „Eve- «ing Bulletin" in Philadelphia ein Interview, in dem er erklärte, Japan sei bereit, die Verwal­tung von Nordchina zu übernehmen, wenn es dies zur Wahrung des Friedens in Ostasien als notwendig erachte. Diese Haltung würde sich auch bei einem eventuellen Protest oder einer Aktion anderer Mächte nicht ändern.

Diese japanische Erklärung findet hier aller­größte Beachtung. Die Befürchtungen hinsichtlich der zukünftigen japanischen Pläne, die in letzter Zeit schon abgeschwächt waren, werden dadurch aufs neue belebt. Die Erklärung erschwert die letzten Versuche der Nankinger Regierung, auf der fünften Vollversammlung des Zentralvoll- zugsausschusses der Kuomintang, die am Mon­tag eröffnet worden ist, eine Einigung Eesamt- chinas auf eine Japan gegenüber versöhnliche Politik herbeizuführen. Man erklärt in Regie­rungskreisen, die Tatsache, daß Saito gerade in diesem Moment seine Erklärungen abgebe, sei ein wohlüberlegtes Manöver, um eine auch außen­politisch wirksame Einigung des gesamten chine­sischen Reiches zu verhindern. Die erste Folge wird die sein, daß Nordchina seinen Widerstand gegen die Pläne der Zentralregierung über die Verlegung der Hauptstadt der Provinz Hopei von Tientfin nach Paotingfu versteifen wird. Ferner sind Widerstände gegen die Schaffung der selb­ständigen Eroßgemeinden Peiping und Tientsin sowie gegen die Umorganisierung der entmili­tarisierten Zone von Luatung und die Ausdeh­nung dieser Zone durch freiwillige Verlegung der chinesischen Garnisonen vom Nankau-Paß bis Tientsin zu erwarten. Die Wirkung von Saitos Erklärung auf die Haltung des südlichen Chinas ist noch unabsehbar.

England zahlt nicht

Washington, 11. Dez.

Der Erste Sekretär der britischen Botschaft über­reicht« am Montag im Staatsdepartement «ine Note über die britischen Kriegsschulden. In unerrichteten Kreisen glaubt man, daß Großbri­tannien darin erkläre, daß es die am 15. Dezember fällige Rat« nicht bezahlen werde.

In dem bis auf den letzten Platz besetzten gro­ßen Saal der „llnion"-Eaststätten sprach gestern abend im Rahmen einer Vortragsreihe 1934-35 der Verwaltungsakademie der neuernannte Reichs­kommissar für Preisüberwachung, Oberbürger­meister Dr. Eoerdeler (Leipzig) über das Thema „Mittel und Ziele der Preis­überwachung". Der Redner verstand es, sein Arbeitsgebiet mit den im Augenblick so ungeheuer bedeutungsvollen wirtschaftlichen Problemen vor der zahlreichen Zuhörerschaft in lebhaften und sicheren Ausführungen zu umreißen und eindring­lich zur Darstellung zu bringen. Dr. Eoerdeler schilderte eingangs an Hand einiger treffender Beispiele, daß in der praktischen Durchführung der Preisüberwachung oftmals die sich wider­sprechendsten Probleme aufeinanderstoßen. Nicht durch befehlsmäßiges Eingreifen, so betonte Dr. Eoerdeler, ist hier Klärung und Besserung zu ver­schaffen, sondern lediglich durch auf eingehendster Kenntnis der ineinandergreifenden wirtschaft­lichen Zusammenhänge basierende organische Maß­nahmen. Eine Preisüberwachung im national­sozialistischen Sinne ist nicht denkbar in Form einer Zwangswirtschaft, sondern ausschließlich durch organische Behandlung der zur Debatte stehenden Fragen und durch ihre Anpassung an

die Lebensbedürfnisse unseres Volkes. Die vor- nehmlichste Sorge einer organischen Preisüber­wachung hat darauf gerichtet zu sein, die Produk­tion auf'keinen Fall zu hemmen oder zu schädi­gen, sondern im Gegenteil die gerechtfertigte Pro­duktion zu beleben und zu stützen. Der Redner ging dann näher auf die Klärung der Begriffe „Volkswirtschaft", „Handel" und „Großhandel" ein und widerlegte dabei einige in der letzten Zeit aufgetauchte absurde Behauptungen. Dr. Goerdeler befaßte sich dann eingehend mit der Problematik des Gesetzes von Angebot und Nachfrage. Es gibt Zeiten, so betonte der Redner, in denen sich, wie im Augenblick, die Warenmenge in ihrem Volumen so wesentlich verändert, daß eine allzu freie Anwendung des genannten Gesetzes nicht mehr am Platze ist, da zu leicht gewinnsüchtige Elemente aus eigennützi­gen Motiven heraus schädigend in diesen Prozeß eingreifen könnten.

Man darf auch noch aus verschiedenen ande­ren Gründen heute das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage nicht hemmungslos ausschwingen lasten, sondern hat die Pflicht, bestimmend auf die Preisgestaltung einzuwirken. Der Redner führte als weitere Gründe vor allem die Notwendigkeit der Sicherung des eigenen Nähr-

standes und gewisser heimischer Rohstoffe an. Ein anderes Ziel der Preisüberwachung ist die Ga­rantie dem ehrlich schaffenden Kaufmann gegen­über, zu mindestens auf seine Selbstkosten zu kommen. — Die Achtung vor der Kaufkraft des anderen muß in Zukunft darin zum Ausdruck kommen, daß der notwendige Gewinn als Preis­anteil eines wirtschaftlichen Unternehmens nicht durch eigennützige Spekulationen ausgenutzt wird, sondern in ein gerechtes Verhältnis zur Arbeits­leistung des ehrlich schaffenden Menschen gebracht wird. Nachdem sich der Reichskommissar eingehend mit der Klärung der Zusammensetzung des Preis­begriffes befaßt hatte, erklärte er, datz die Preis­überwachung in ihrer organischen Abwicklung zum Ziele habe, die Preisanteile und Stufungen in ein gesundes Verhältnis zueinander zu brin­gen und darüber hinaus den zweckmäßig kürzesten Weg der Ware vom Produzenten zum Käufer zu garantieren, nicht ohne den Handel als organische Zwischenstufe mit einzuschalten. — Voraus­setzung für eine sachliche Kontrolle und Ueber- wachung der Preise ist, so betonte der Redner ausdrücklich, ein sachliches und uneigennütziges Denken und das Verantwortungsbewußtsein jedes Einzelnen. Fortsetzung auf Seite 2

Die Finanzierung der Gaartruppen

Nächste Sitzung des Völkerbundsrates am 11. Januar

Genf, 11. Dezember.

Der Völkerbundsrat hat am Dienstagnachmittag seine Schlußsitzung abgehalten. Nach einigen Be­schlüssen, die die internationale Macht für das Saargebiet betreffen, schlug Benesch zur all­gemeinen Ueberraschung vor, die nächste Tagung des Rates mit Rücksicht auf die am 13. Januar stattfindende Abstimmung im Saargebiet nicht, wie vorgesehen, am 21. Januar, sondern schon am 11. Januar stattfinden zu lassen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Der Völker­bundsrat hat sich damit den Standpunkt zu eigen gemacht, daß es notwendig sei, während der Ab­stimmung im Saargeüiet den Rat versammelt zu lassen, damit er gegebenenfalls eilige Beschlüsse fassen könne.

In der Entschließung, die der Rat hinsichtlich der internationalen Truppenabteilung annahm, wird zunächst den Regierungen Englands, Ita­liens, der Niederlande und Schwedens der Dank dafür ausgesprochen, daß sie sich an der inter­nationalen Truppenmacht beteiligen.

Die internationale Macht solle zur Ver­fügung der Saarregierung gestellt wer­den, die die volle Verantwortung für die Auf­rechterhaltung der Ordnung behalte. Die Beför­derungskosten und die Kosten für den Unterhalt sollen, soweit sie nicht durch den nationalen Haus­halt der einzelnen Staaten gedeckt seien, aus dem für die Abstimmung selbst bestimmten Fonds ent­nommen werden. Sollten diese Fonds nicht aus­reichen, so solle der Saarausschuß die Regierun­gen Deutschlands und Frankreichs zu zusätzlichen Zahlungen auffordern. Die Saarregierung hafte für alle Verluste und Schäden, die die inter­nationale Truppenmacht erleiden könnte.

Dann wird in der Entschließung festgestellt, daß die eigenen Mittel des Völkerbundes weder für verlorene Zahlungen noch für Vorschüsse heran­gezogen werden dürfen. Laut Paragraph 34 des Anhanges zum Artikel 60 des Versailler Vertra­ges habe die Regierungskommission das Recht, so heißt es in der Entschließung weiter, die not­wendige Gesetzgebung zu erlassen, um die inter­nationale Truppenmacht und ihre Mitglieder von jeder Verantwortung für eine Handlung zu be­freien, die in Ausführung der ihr übertragenen Aufgabe erfolgen sollte.

Vor der Annahme der Entschließung sicherte Magnioli-Frankreich freie Beförderung der Truppe durch Frankreich zu. Die Vertreter Hollands und Schwedens erklärten, daß sie gern dem Rufe des Rates gefolgt seien. Darauf wurde der Bericht Aloifis einstimmig angenommen. Sodann wurde, wie eingangs berichtet, die Ein­berufung des Rates zum 11. Januar beschlossen.

Srpickaal, nichts als ApickaaU

Gin fisch macht 6000 Lttometer Hochzeitsreise / Von «Dssip Hklgeland

Da hängen sie wieder in den Fischhandlungen und Delikatessen-Eeschäften: die schönen blank­braunen, fetten und appetitlichen Spickaale. Sie haben zierliche Silberpapiergürtel um den Hals und glänzen im Licht in ihrer meterlangen Schlankheit, unter deren Haut sich aber das leckere, nahrhafte, gesunde Fett der Anguillidae birgt, derer aus dem Hause der Aalfische . . .

Zu Papa Brehms Zeiten wußte man noch nicht viel vom Aal. Es war das geheimnisvollste Tier aller Meere, das plötzlich auftauchte, sogar in die Flüsse bis zu 1000 Meter Höhe hinaufwan- derte, über Wehre und Wiesen zu springen ver­mochte, dann aber wieder eines Tages spurlos verschwand. Man nahm eine Zeitlang sogar an, der Aal lebe zur Brutzeit in den Niederungen der Meereslandschaften und brüte Eier aus, wie seine kriechende Gevatterin, die Schlange. Erst dem dänischen Forscher Joh. Schmidt ist es ge­lungen, das Rätsel der Fortpflanzung des Aals zu lösen, indem er die Laichplätze der Fische im Atlantischen Ozean — in der sogenannten Sar- gasso-See, etwa bei den Bermudas-Inseln in Westindien — entdeckte. Und zwar in Tiefen von 4000 bis 6000 Metern. Die unheimlichsten Fa­beln vom Aal, die schon bei Aristoteles auftauch­ten (danach sollte er sich aus faulendem Schlamm entwickeln, wie die Fliegen aus verwesendem Fleisch!) waren mit einem Schlage geklärt, denn auch Brehm war schon gegen die Märchen auf­getreten und hatte den „Aal im Erbsenfeld" für ein Phantasiegebilde erklärt.

- Es klingt romanhaft, was der dänische For­scher vom Liebesleben des Aals berichtete, der eine Hochzeitsreise unternimmt, wie sie in der Tierwelt bisher für unmöglich gehalten wurde. Der Aal entwickelt erst dann eine Fortpflan- znngstätigkeit, nachdem er sich in Flüssen, Bächen

und Seen ein Eingeweide- und Hautfettpolster zugelegt hat, das ihn zu der weiten Reise ins Meer verproviantiert. Carl W. Neumann sagt darüber: „Eines Tages geht in den Aalen des Süßwasiers eine Veränderung vor: der Rücken wird dunkler, die Bauchseite Heller, und beide bekommen metallischen Glanz. Der .Eelbaal' wird ,Blank'- od^r .Silberaal'; er hat sein Hoch­zeitskleid angezogen . . ."

Jetzt, auf der Reise in die unheimlichen Meerestiefen der Laichheimat bei den Bermudas, wird der Aal gefangen. Er ist im denkbar besten Ernährungszustände; er vermag etwa ein halbes Jahr ohne jede Nahrung auszukommen, weil er aus Kleintieren, Kerbtieren, gelegentlichem Aas sich einen ansehnlichen Vorrat angemästet hat. Der männliche Aal ist für die Fischerei unbedeu­tend, da er nur etwa 45 Zentimeter lang wird, während das Weibchen im Alter von fünf bis sieben Jahren bis zu zehn Pfund schwer zu wer­den vermag.

Die Mutteraale verschwinden, soweit sie sich den raffinierten Fangmethoden der Fischerei zu entziehen vermögen, auf Nimmerwiedersehen ins Sargassomeer. Auf der Reise dorthin sind die Eier ausgereift und nehmen den größten Teil des Tierkörpers ein. Ohne Nahrungsauf­nahme saust der Hochzeitszug durch die deutschen Meere, in den Ozean hinein. Und weiter jagt der Aalstrom im 50-Kilometer-Tages-Tsmpo 6000 Kilometer um den halben Erdball herum. Gegen­seitiges Pressen der geblähten Leiber der Mutter­tiere (eine im Tierreich seltene gegenseitige Ge­burtshilfe, läßt die Eier dem Bauch entquellen. Sie fallen in die Tiefe Dämmerung der auf 7 Grad Celsius erwärmten Seegrllnde hinab. Aus den Eiern entwickeln sich weidenblattförmige Larven, die mit dem Golfstrom in die Gegend

der europäischen Küste wandern, nicht ohne sich inzwischen in wurmähnliche, runde und glasklare Fischchen verwandelt zu haben, die auf ihrer Einfahrt in die Flußmündungen der europäischen Küsten in ungeheuren Mengen gleich Herings- schwärmen gefangen werden. Früher wurden Millionen von ihnen in England und Frankreich als Delikatesse zubereitet. Da jedoch zu befürch­ten ist, datz der Aal durch diesen Raubbau all­mählich ausgerottet würde, so setzt man die Glas- aale (Montöes) zum größten Teil wieder aus.

Immer weiter ziehen die geschmeidigen und glasklaren Tiere die Flußläufe hinauf. Jahre dauert diese Fahrt. Aus dem Elasaal wird ein Steigaal, der die kleinsten Flüsse und Bäche, ja sogar Trainageröhren und Mühlenfeen be­völkert. In drei bis vier Jahren bei männ­lichen Aalen oder fünf bis sieben bei weiblichen Tieren entwickeln sich dann jene leckeren Fische, die wir als Brat-, Koch-, Gelee-, Spick- oder Räucher-Aale kennen. Entrinnt der Aal auf der Fahrt gen Süden dem Fang, so ist er für die Wirtschaft verloren, er stirbt nämlich nach dem Laichen den Erschöpfungstod. Durch die Fort­pflanzung freilich hat er dem Menschen genug genützt.

Mehr Aale aber enden in den Mägen der Menschen. Besonders zur Herbst- und Winters­zeit. Der Aal ist der „Vrotfisch" des Küsten- fischers; er bringt das meiste Geld. Man sollte sich aber daran gewöhnen, nicht nur eine „Deli­katesse" in ihm zu sehen, denn er ist durchaus nicht selten wie Forelle, Salm oder Lachs, die aussterben werden, wenn das nicht ganz ener­gische Schutz- und Hegebestimmungen verhindern.

In Reusen werden die meisten Aale der Ost­see gefangen. Und zwar an der Rügenschen Küste, weil diese in ihrer zerklüfteten Bodden-, Wieken- und Buchtengestall den beliebtesten Auf­enthaltsort des Fiiche? a,-st'1lt. Im Winter nämlich schläft der Aal. tief im Kraut und Schlick vergraben, und zehrt von seinem Fett. Im Herbst dagegen wandert er. Die Fischer haben längst

ihre Fanggeräte ausgestellt, die Aalreusen, die jeder Ostseebesucher kennt.

Von den großen Fischkonserven-Fabriken wer­den die Aale zur Hauptfangzeit in großen Aal- Liegers, die bis zu 1000 Zentner fassen, auf­bewahrt und dann je nach Bedarf ausgefischt, um zunächst in Salmiakgeist-Lösungen ihres Schleimes entledigt zu werden. Die Tierschutz­vereine sind verschiedentlich gegen diese Art vor­gegangen; allein, sie wissen kein gleich gutes

In der Tierkunde zählt die Frage der Mimikry und insbesondere der Schutzfärbung zu den am meisten umkämpften Problemen. Bände sind da­für und dawider geschrieben worden, dagegen fehlt es sehr an praktischen Versuchen.

Diesem Mangel hat nun wenigstens zum Teil neuerdings der amerikanische Zoologe Professor Summer abgeholfen, indem er höchst bemerkens­werte Beobachtungen an einem kleinen Fisch der Tropen aus der Familie Eambusia anstellte. Das Tier ist dafür bekannt, daß es seine Färbung der Umwelt anpaßt; zudem macht es sich durch das massenhafte Vertilgen von Malarialarven nützlich.

Der Forscher verteilte nun seine Fischchen in zwei Aquarien. Das eine davon war schwarz ge­strichen, das andere von hellerer Farbe. Nach mehrtägigem Aufenthalt in dem dunkleren Be­hälter hatten die darin befindlichen Eambusias eine Färbung angenommen, die sich vom Hinter­grund der Aquariumwände kaum abhob. Ebenso war es mit den Fischen in dem helleren Behälter.

Nun setzte Summer eine Anzahl der helleren Fische in das schwarze Aquarium, wo sie sich stark von der Umgebung abhoben. In das andere Ge­fäß kam gleichzeitig eine Reihe dunklerer Eam- busias, die ihrerseits natürlich auch stark auf­fielen. In beiden Behältern befand sich eine gleiche /

Mittel, um das Schuppenfett, den Hautschleim des Aales auf andere Weise zu entfernen, da Salmiak restlos verdampft und der Geschmack nicht leidet. Nach AbkZtung des Tieres durch die „Splitts", die durch den Kopf geführt werden, wird der Aal über Erlenholzspänen geräuchert, wodurch der feine Geschmack entsteht. Für über fünf Millionen Mark Aale werden jährlich in Deutschland gegessen; der Fisch stellt also ein Volksnahrungsmittel dar.

Anzahl Fische, bei jedem Versuch 50 helle und ebenso viel dunkle.

Schließlich setzte man in jedes der beiden Aqua­rien einen Pinguin, eine Vogelart, die den ge­nannten kleinen Fischen stark nachstellt. Das Tier blieb so lange darin, bis begründete Annahme bestand, daß etwa die Hälfte der Fische seiner Freßgier zum Opfer gefallen war. Nach der Ent. fernung der Pinguine ging Professor Summer daran, festzustellen, wieviel Eambusias in den beiden Behältern gefressen waren, dabei vor allem berücksichtigend, wie dieser Verlust sich auf die beiden Färbungen der Fische verteilte. Das Er­gebnis überraschte im höchsten Grade.

In dem helleren Behälter hatten die Pinguine bei vier Versuchen 166 dunkle und 103 hellere Fische verschlungen, mithin 62 v. H. von den ersteren und 38 von den anderen. 2n dem schwarz­gefärbten Aquarium war das Umgekehrte, aber in noch stärkerem Maße, zu beobachten. Bei gleich­falls vier Versuchen verschwanden hier 73 dunkle und 201 hell gefärbte Eambusias, oder 27 v. H. der ersteren und 73 v. H der anderen. Damit war ein überzeugender Beweis geliefert, daß die Schutzfärbung dieser Fische für sie von entscheiden­der Bedeutung in d,-n, harten Kampfe ums Da­sein Ut

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Schutzfärbung bei Fischen