Ausgabe 
(11.12.1934) Nr. 342
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Nr. 342 / 4 . Vierteljahr

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Dienstag, ii. Dezember

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3500 Mann Saar-Polizei

Schweden jagt seine Beteiligung zu / Holländische Marine-Infanterie?

Das Nein der Schweiz

Emigranten-Vleite

Verräter machen sich aus dem Staube!

k. Mü. Den Separatisten, Emigranten und 8tstr,8-guo-Leuten des Saargebietes wird der Boden unter den Füßen plötzlich doch zu heiß. Noch bis in die letzten Tage glaubten sie ihre antideutsche Propaganda mit dem ebenso durchsichtigen wie absurden Gedan­ken einer zweiten Abstimmung bestreiten zu können — und nun packen sie bereits einen Monat vor der Entscheidung die Koffer. Es heißt, daß an den Bahnhofsschaltern von Saarbrücken besonders lebhaft Fahrkarten nach Luxemburg verlangt werden. Was hat die ehrlosesten aller Volksverbrecher ver­anlaßt, ihr schamloses Spiel mit der Maske — anders kann man ihr Treiben nicht be­zeichnen — aufzugeben und sich nach einem anderen Objekt für ihre völkerverhetzende Tätigkeit umzusehen? Zunächst hat ihnen das in Rom Zwischen Deutschland und Frank­reich vereinbarte Saar-Abkommen, das nicht einmal die Möglichkeit einer zweiten Abstimmung erwähnt, zum Bewußtsein ge­bracht, daß die Tage der separatistischen Lü­genpropaganda an der Saar im wahrsten Sinne des Wortes gezählt sind. Und da ein „Unglück" selten allein zu kommen pflegt, haben soeben die Enthüllungen im Fall des Propagandachefs der französischen Berg­werksdirektion, Rossenbeck, auch die Geld­leute der Separatisten und ihre Spitzel gründlich kompromittiert.

Es hat Herrn Rossenbeck nichts geholfen, daß er bei den Vorbereitungen zur Grün­dung der „Katholischen Partei" sowie bei der getarnten Finanzierung der Separatisten nach der Maxime Wallensteins handelte: „Ich gebe nichts Schriftliches von mir"; sein unbestechlicher Sekretär, Josef Hilt, hat sich, im Dienst für sein Vaterland keine Gefahr scheuend, genug Beweisstücke für das schänd­liche Treiben dieses Drahtziehers gesichert. Der in der „Teutschen Front" veröffentlichte Offene Brief an den Propagandaches der Bergwerksdirektion ist sicherlich nicht nur für den Adressaten höchst peinlich. Wir möchten indes annehmen, daß Frankreich, nachdem es nunmehr einen Blick hinter die Kulissen der nicht abstimmungsberechtigten Emigranten-Clique werfen konnte, keinen Wert mehr auf eine Gesinnungsgemeinfchaft mit jenen Hetzern legen wird. Es wäre zu wünschen, daß auch die Regierungskommissi­on des Saarlandes endlich ihre schützende Hand von den marxistischen Verrätern weg­zieht und im besonderen die provozie­renden Emigranten-Beamten aus der Saar-Polizei entfernt. Die letzteren haben, was wir aus dem Verständigungsgeist der erfolgreichen Verhandlungen des Dreier­ausschusses heraus betonen wollen, in einer neutralen Polizeitruppe nichts zu suchen. Wenn der Saarbevollmächtigte des Führers, Bürckel, durch das bekannte Saar-Ein­reise verbot für SA. und SS. erneut die Korrektheit Deutschlands vor aller Welt be­kundet hat, so sollte die Regierungskommissi­on ihrer Pflicht zur Neutralität dadurch Ge­nüge leisten, daß sie den unruhestiftenden Volksverrätern in den Reihen ihrer Behör­den rechtzeitig — die Ausreise nahelegt.

Genf, 10. Dezember

Wie von italienische» Seite verlautet, ist der Vorschlag gemacht worden, die Zahl der siir das Saargebiet bestimmten Truppcnabteilungen aus 3560 Mann festzusetzen, nämlich je 1866 Eng­länder und Italiener und je 286 Holländer und Schweden.

Stockholm, 16. Dezember Die schwedisch« Regierung hat am Montag be­schlossen, die Anfrage aus Genf über die Entsen­dung einer schwedischen Polizeitruppe nach dem Saargebiet bejahend zu beantworten. Die schwe­dische Truppe wird aus Freiwilligen zusammen­gestellt. Sie wird nicht zum gewöhnlichen Poli-

Eenf, 10. Dezember

Kurz vor 4 Ayr trat der Rat zu einer neuen Tagung über die südslawisch-ungarische Streit­frage zusammen. Das Wort erhielt zunächst der rumänische Außenminister Titulescu.

Nach der ganzen Art und dem Temperament dieses Redners war mit scharfen Angriffen gegen Ungarn zu rechnen. Tatsächlich hat Titulescu diese Erwartungen verschiedentlich durch die Schärfe seiner Worte und Gesten noch übertroffen. Mit großer Leidenschaftlichkeit wandte sich der rumänische Außenminister z. V. gegen den Vor- wurf der ungarischen Denkschrift, daß es sich um ein Propagandamanöver der Kleinen Entente handele. Ungarn hätte besser getan, wenn es die Mißgriffe seiner Verwaltung freimütig ein­geräumt und die Bestrafung der Schuldigen zu­gesagt hätte. „Vergessen Sie nicht, daß morgen schwierig sein kann, was heute noch leicht ist", so rief der rumäni­sche Außenminister dem Rat zu, um diesen zum Handeln im Sinne der Kleinen Entente , zu be­wegen. Zuletzt sprach Titulescu über die un­garische Revisionsforderung. Damit rufe man dem südslawischen Volk zu: „Nach eurem König werdet ihr auch noch eure Grenzen ver­lieren!" Es sei keine friedliche Politik, bei der Revisionsforderung zu verharren, sondern ein Werk des Krieges.

Nach Titulescu sprach der tschechische Außen­minister Benesch. Wie vor ihm Titulescu machte auch er Front gegen den Revisionismus. 2m ganzen machte aber Benesch's Rede den Ein­druck, als ob die Kleine Entente nicht mehr auf ihren schärfsten Forderungen bestehe. Auch er beschuldigte nicht mehr die ungarische Regierung der Mitwisserschaft, sondern sprach nur von „ge­wissen ungarischen Behörden, die zur Verantwor­tung gezogen werden müßten."

Als dritter Redner nahm der südslawische Außenminister 2 eftisch das Wort. Er erklärte,

zeidienst verwendet, sondern soll nur im Falle von Unruhen eingesetzt werden.

Die Agence Economique et Financier« gibt aus Amsterdam Gerüchte wieder, wonach die Nie­derlande sich grundsätzlich für die Beteiligung an der internationalen Saartruppe aussprechen würden. Man denke an die Entsendung von Marineinfanterie.

Bern, 10. Dezember

Der schweizerische Bundesrat veröffentlicht über seinen Beschluß, sich nicht an der Entsen­dung von Truppen ins Saargebiet zu beteiligen, folgende Mitteilung: „Die britische Gesandtschaft in Bern hat am 6. Dezember beim politischen Departement einen Schritt unternommen, damtt

die Verteidigung durch die ungarische Delegation entbehre aller Beweise und Argumente.

2n seinen weiteren Ausführungen wandte sich 2eftisch mit einigen Sätzen, die einen ver­steckten Angriff enthielten, gegen 2talien. Der Vertreter Italiens habe er­klärt, der Rat habe mit Abscheu erfahren, daß in Belgien gegen König Alexander ein Todes­urteil ausgesprochen worden sei. Es treffe zu, daß dieses Urteil in einigen Sammelpunkten der südslawischen Emigration verlesen worden sei, aber auf den unmittelbaren Befehl Antepawo- litschs, des Chefs der terroristischen Organisation Mascha. Diese Entschließung beauftragt auch Pawelitsch, das ausgesprochene Todesurteil zu vollziehen, aber nicht allein gegen den König, sondern gegen die Mitglieder der Regierung von Belgrad.

Er müsse hinzufügen, daß das Todesurteil gegen die Mitglieder der südslawischen Regierung noch nicht vollzogen wurde, und daß sich der Chef der terroristischen Organisation, der mit seiner Aus­führung beauftragt sei, „außerhalb des Bereiches der Justiz befinde".

Jestitsch schloß damit, daß er die Anschul­digungen seiner Regierung über die Verantwortung der ungarischen Be­hörden aufrechterhalten müsse, zu­mal das ungarische Memorandum keine dieser Tatsachen habe ent­kräften können. Die südslawische Regierung habe sich bemüht, alles zu vermeiden, was die De­batte erweitern und sie auf ein politisches Feld tragen könne. Sie verlange aber gleichwohl die Verurteilung der Handlungen, deren sich die un­garischen Behörden schuldig gemacht hätten.

Die südslawische Regierung habe selbst ihre Pflicht zur Aufrechterhaltung des Friedens er­füllt und erwarte, daß der Rat auch die seine erfülle. Eine Verleugnung der Gerechtigkeit in einer Frage von dieser Schwere würde der siid-

sich die Schweiz durch die Entsendung eines Kon­tingents an der in Genf beschlossenen Bildung einer internationalen Truppe zur Unterstützung der Saar-Polizei während der Volksbefragung beteilige. Der Bundesrat hat diese Frage in einer Sitzung vom 7. Dezember geprüft. Obwohl er die erzielte Verständigung begrüßt, konnte er aus Erwägungen, die sich aus den verfas­sungsmäßigen Grundsätzen des Lan­des ergeben, auf den Gedanken der Entsendung eines Militärkontingents in das Saargebiet nicht eingehen. Was die Hinzuziehung von Polizei- kräften anlangt, so wäre eine solche Lösung in einem Lande wie der Schweiz, wo das Polizei- wesen der Zuständigkeit von 28 Kantonen unter­liegt, praktisch undurchführbar.

slawischen Regierung als Bedrohung des Frie­dens erscheinen.

Nachdem nach der Rede 2eftitsch noch ein kur­zes Geplänkel zwischen den Vertretern Polens und der Tschechoslowakei stattgefunden hatte, er­griff der Vertreter Ungarns, Tibor v. Eck­hardt, das Wort. Er begnügte sich mit einer kurzen und deutlichen Zurückweisung einiger der wesentlichsten Anschuldigungen, die teils früher, teils in der heutigen Sitzung gegen Ungarn er­hoben worden waren.

Unabhängig von dem ins Auge gefaßten Abkommen sei Ungarn bereit, mit seinen Nach­barn zu verhandeln, um bestimmte Polizeiabkom­men abzuschließen, die in Zukunft eine Tätigkeit der politischen Flüchtlinge verhindern. Ungarn folge hier gern dem Beispiel, das in dieser Hin­sicht von dem Vertreter Argentiniens angeführt worden sei.

Der Völkerbundsrat trat kurz nach 23 Uhr zu seiner Nachtsitzung zusammen. Da aber die Antwort der ungarischen Regierung noch nicht eingetroffen war, benutzte man die Wartezeit, um die bisher noch nicht vorgenommene Übersetzung der Rede Eckhardts ins Englische nachzuholen. Aber auch danach war die Antwort noch nicht eingetroffen.

Der Präsident Vasconcellos verlas nun in seinem Namen und im Namen der portugiesi­schen Regierung eineErklärungz »Ehren des ermordeten Königs Alexander und Barthous. Er fühle sich hierzu ver­pflichtet, da alle anderen Redner sich schon in die­sem Sinne geäußert hätten.

Vasconcellos erklärte daraufhin die Aussprache ausdrücklich für geschlossen und vertagte den Rat für eine Viertelstunde.

Um 23.30 Uhr traf der ungarische Außenminister mit der zu st immend en Äntw o r t d e r un­garischen Regierung im Völkerbundshaus ein. Die Sitzung des Rates begann unmittelbar darauf.

Lamtsch hatte Glück

Bei 32V Kilometer Stundengeschwindigkeit platzte ein Reifen!

Berlin, 10. Dezember.

Das gute Wetter hatte am Montag Rudolf Carraciola veranlaß!, seine kürzlich abgebroche­nen Weltrekordversuche auf der Avus erneut auf­zunehmen. Diesmal hatte Carraciola mit seinem Mercedes-Benz etwas mehr Glück. Ueber fünf Kilometer mit fliegendem Start konnte er mit seiner Renn-Limoustne den bisherigen Rekord des Amerikaners Harry Hartz von 234,816 auf 311,96 Stunden-Kilometer schrauben. Es handelt sich hierbei natürlich nur um internationalen Klassenrekord; den absoluten Eeschwindigkeits- rekord hält noch immer der Engländer Malcolm Campbell mit 414,079 Stunden-Kilometer.

Caracciola unternahm dann noch einen weiteren Rekordversuch über die längeren Strecken, ange­fangen mit 160 Meilen. Hierbei hatte er das vielleicht größte Glück seines Lebens, tzdnn bei einer Geschwindigkeit von 326 Stundenkilo­metern platzte ein Reifen am Hinterrad, die Gummistücke flogen den Mechanikern am Ersatz­teillager um die Ohren. Mit größter Mühe konnte der Meisterfahrer den Wagen auf der Strecke hal­ten und etwa zwei Kilometer weiter zum Stehe» bringen.

Glücklicherweise war es der rechte Hinterrad­reifen, denn im anderen Falle, daß ein Reifen der Vorderräder geplatzt wäre, hätten die Folgen katastrophal sein müssen.

Die beiden ersten Runden wurden mit 4:39,1 und 4:43,9 gestoppt, ergaben also einen Durch­schnitt von 320 Stundenkilometer. Schon vorher war Caracciola mit seinem offenen Wagen ge­startet, aber der Benzintank war schadhaft ge­worden und mußte erst gelötet werden.

Die Spende des Führers

München, 10. Dezember.

Der Reichspressechef der N2DAP., CS.-Grup- penführer Dietrich, sagt dem „Völkischen Beobach­ter" auf die Frage nach seinen Eindrücken über seine Sammeltätigkeit am Tage der nationalen Solidarität: Diese fünf Stunden mit der Sammel­büchse mitten im Volk waren mehr wert als fünf Jahre sozialer Erziehung in der Theorie. Niemals vielleicht ist mir der grundlegende Wandel, der sich in den letzten zwei Jahren in Deutschland voll­zogen hat, stärker und unmittelbarer zum Bewußt­sein gekommen als am Sonnabend Unter den Lin­den Welch' ein Wandel der Zeiten. Früher feind­selige Blicke, sozialer Haß und unaufhörliche Hetze — heute gebefreudige Gesichter, lebendige Gemein­schaft von Führung und Gefolgschaft, nationalsozia­listische Solidarität im besten Sinne des Wortes. Fünf Stunden praktischer Anschauungsunterricht für alle, die noch nicht begriffen haben, was Na­tionalsozialismus ist.

Wieviel seelisches Erleben in diesen wenigen Stunden. Eben noch gab mir ein altes Mütterchen einen Sechser für die Armen. Als wir zehn Mi­nuten später schwer beladen zur Reichskanzlei zurückkehrten, steckte uns der Führer eine über­raschend große Spende in unsere Büchse und krönte damit unser Tagewerk.

Es war ein schöner und fruchtbarer Tag. Noch fester und unlösbarer als bisher wurde das see­lische Band geknüpft zwischen denen, die sammel­ten, hinüber über die Gebenden bis zu den ärm­sten Volksgenossen, für die gesammelt wurde. Eine gewonnene Schlacht für unseren Führer.

Spitze Worte vom Genfer Rednerpult

Güdslawien behartt auf feinem Standpunkt / Titulescu und Benefch gegen Llngam

Goethe als s>pion in Italien

An einem schönen Septembermorgen — man schrieb das Jahr 1786 — betritt ein Fremder den Echloßhof in Malsefine, einem kleinen italienischen Küstenort an der österreichisch-venizianischen Grenze. In malerischem Faltenwurf umgibt eine weite blaue Pelerine die ebenmäßig gewachsenen? Gestalt des Mannes, der mit unwillkürlicher Ge­bärde den breitrandigen Kalabreser abnimmt, als grüße er in den verwitterten Mauerresten die Zeugen vergangener Jahrhunderte Das geistvolle, vom Seewind gebräunte Antlitz ist erfüllt von einer festlichen Freude und erscheint bereit sich dem Einstrom schwermütiger Schönheit wie eine Opferschale zu öffnen Unter der hohen, edel­gewölbten Stirn leuchten sonnenhaft große, dunkle Augen, als trügen sie in sich noch die freie Weite des Meeres, das der Fremdling nach dem Gebot uralter Sehnsucht mit flüchtigem K>el durch­pflügte. Man sieht es ihm an. daß e- in unae- duldiger Erwartung am Bug des Schisses ge- standen haben mag, um als Erster diesen geseg­neten Strand zu erblicken, dessen Wunder er sich nun mit Entdeckerfreude erobert.

Einige Stufen rn dem verschlossenen Portal des Gebäudes hinaufschreitend, erspäht der Wanderer ein steinernes Bänkctzen und läßt sich im Schutz der Mauernische ausruhend nieder. Er breitet sein Skizzenbuch auf seinen Knien aus und be­ginnt den alten Schloßturm zu zeichnen, der sich vom Efeu dicht umsponnen, romantisch gegen das makellose Blau der gewaltigen Himmelskuppel abhebt. Im Augenblick ist alles andere vergessen und unwichtig. — mit der Ausschliesssichkeit, die seltenen und starken Naturen eigen ist, vertieft sich der junge Mensch in das kleine Kunstwerk, das da in zanen aber bestimmten Kohle-Strichen auf dem weißen Blatt entsteht. —

„Was machen Sie da?" fragt eine barsche Stimme den Ueberraschten, der sich plötzlich von einer Schar gestikulierender Menschen umgeben sieht. Der Fragende ist an dem gewichtigen Schlüsselbund als Kastellan des Schlosses zu er­kennen — sein ganzes Wesen drückt Empörung aus, die förmlich in den weißen Haarbüscheln des gut gemeißelten Kopfes zittert. Kichernd und neugierig stehen junge Dirnen dabei — gute lom- bardische Rasse, wie der Malersmann mit sach­lichem Interesse feststellt. Eine rundliche, ver­blühte Frau erzählt mit lebhaften Gesten, wie sie gleich anfangs Verdacht geschöpft habe, als der Fremde sich so verstohlen umsah; und als er dann zu zeichnen begann, sei ihr alles klar geworden.

„Nun — da sieht man es ja!" keift sie, und tippt ungeniert mit fleischigem Zeigefinger aus das Skizzenblatt, dessen Urheber nichts von alledem begreift.

„Da sieht man es ja, daß der noble Herr es aus die Zitadelle abgesehen hat —, wird ihm gut bezahlt werden in Oesterreich!"

Der Kastellan nimmt mit raschem Griff die Zeichnung an sich und zerreißt sie in viele kleine Stücke, die er dem völlig Verblüfften vor die Füße wirft. Dem wird es nun doch zu bunt. — ent­rüstet springt er auf und überragt nun um Haupteslänge den Alten, von dem er in wohl- gesetztem Italienisch Aufklärung fordert Ge­lassen erwioert jener' Der Herr möge feine Frage nur an den Podeste den Amtmann, richten, der schon gerufen sei uns soeben herbeikomme Wirk­lich erscheint oieser mit der Wllroe eines Gran­den, begleitet von einem verhutzelten Männlein. dem Aktuarius, gefolgt von einer weiteren Gruppe Neugieriger, die den Vorgang dankbar als un­verhofftes Schauspiel genießen, an dem sie sich mit

südlicher Lebhaftigkeit debattierend beteiligen. Die Szene wird zum Tribunal und auch dem jungen Maler wird es nun etwas schwül, als er in regelrechtem Verhör erkennen mutz, daß er im Verdacht stehe, Spionage zu treiben

Vergeblich die Beteuerungen, er fei auf einer Kunstreise begriffen und schätze die alten, kriege­risch doch bedeutungslosen Mauerwerke nur nach ihrem malerischen Wert. Man glaubt weder seinem Reden noch der gefüllten Skizzenmappe, mit den Bildern des Kolosseums und anderer antiker Bauwerke. Die Verhaftung scheint unver­meidlich, — da sälli bei Angabe der Personalien der Name der fürstlichen Residenz Weimar.

„Signor Podesta", drängt sich ein junges Weib vor, das eben in schöner Unbefangenheit seinem Bambino die dralle Brust reicht, — "ruft doch den Gregorio, der hat in Weimar konditioniert und wird am besten in der Sache entscheiden können!"

Erleichtert atmet der Deutsche auf. als der Amt­mann beipflichtet. Gregorio wird herbeizitiert — ein weitgereister Mann. von wohlwollendem, klugen Wesen, dem Stand nach ein W r der sich

aber in jungen Jahren in der Welt umgetan und wirklich längere Zeit in Diensten einer Weimarer Familie gestanden hatte Rasch ergibt sich aus Rede uns Wechselrede. aus der Frage nach diesem und jenem Handelsherrn, daß' der junge Maler trefflich die Menschen und Verhältnisse seiner Heimatstadt kennt

So löst sich alles in Wohlgefallen - mit höf­licher Entschuldigung entläßt man den Fremden, der die Einladung seines Ne'ters dankbar an­nimmt, ihn in seinen Weinberg zu begleiten. Der Podesta fühlt sich bewogen, .il.- Entschädigung für die vernichtete Zeichnung eine schriftliche Erlaub­nis zu weiterer, ungebind-r-cr Kunstforschung auszufertigen und man aeb- im besten Einver­nehmen auseinander. Ein ichöner, sonuendurch- leuchteter Tag vergeht in Gesellschaft des biederen Gregorio, der seinen Gast nach reichlicher Bewir­

tung mit herrlichen Trauben erquickt und ihm schließlich am Abend durch seinen Knaben einen wohlgefllllten Fruchtkorb zur Barke tragen läßt, die ihn mit günstigem Wind entführt. Heute noch bewahren die Urenkel des Gregorio in Ehr-

Jn der zweiten Aufführung der neu einstu­dierten „Walküre" sang die Partie des Sieg­mund als Gast Carl Hartmann von der Kölner Oper. Das Gastspiel war für alle Freunde unseres Opernhauses ein Ereignis, für dessen Vermittlung man der Intendanz des Hauses nur dankbar sein kann. Die hier ausführlich bespro­chene Inszenierung von Dr. Willy Becker und die musikalische Leitung der Aufführung von Gene­ralmusikdirektor Walter Beck standen der Pre­miere in nichts nach. so daß der Gast in einem künstlerischen Rahmen und in einem würdigen Ensemble sang. vor allem auch in den Szenen mit Käthe Teuwens Sieglinde Käthe Teuwen übertraf ihre besten Leistungen bisher und entfaltete eine bewunderungswürdige kön- nerische Kultur, die auf der ganzen Linie der Partie gleich, ausgeglichen und überzeugend blieb.

Carl Hartmann hat den Glanz und die echte heldische Pracht in der vorbildlich geschulten und versierten Stimme, die ihn zum Wagner-Sänger großen Stils befähigt. Von gemessener Feierlich­keit in der Haltung und Geste, ist sein Siegmund umwittert von der Tragik seiner Sendung in der Ring-Dramntik. Dabei verzichtet Hartmann aui mediokre theatralische Mittel und macht die my­thische Figur lebensecht und packend wahr. Nicht miicker fesselnd war dre gesangliche Gestaltung der Partie. Kein Wort ging verloren bei der echt Bayreuther Phrasisrung, die, ganz auf die

furchr eine Zeichnung, die der junge Künstler jenem als Dank hinterließ. Sie zeigt den dama­ligen Schlotzturm, der heute längst verfallen ist, und trägt das Signum:

„Johann Wolfgang Goethe, Sept 1786."

feierliche Einmaligkeit jeder Szene in Wagners Werk eingestellt, packte und erschütterte.

Das Publikum war begeistert und dankbar. Es überschüttete den Gast mit Beifallsbezeugungen. Aber es dankte auch den heimischen Kräften, die ja ihren Anteil hatten an diesem Gastspiel, das auch ihr Erfolg geworden ist. —es«.—

Gedok-Ausftellung

In den Räumen der Eedok verdient eine Ausstellung Beachtung, zu der heimische und einige auswärtige Kräfte der Kunst und des Kunstgewerbes beigetragen haben. In vorzüglicher Anordnung und mit liebe­vollem Verständnis daiür. diese vielen größeren und kleinen Gegenstände, die alle einen gebührenden Platz aus weihnachtlichen Geschenktischcn haben wollen ins rechte Licht zu stellen, ist diese Ausstellung ausgebaut. Da sind handgewebte Teppiche an den Wänden. Aqua­relle, Graphiken, Photos, aus den Tischen herrliche Ke­ramiken, Gäste- und Familienbücher. Mappen, Bunt­papier, Kästen, Lederarbeiten Webereien, Gläser und dergleichen mehr, lauter gediegene und sorgfältige Ar­beiten des Kunstgewerbes. Künstlerische Blätter von Magda Koll Elfe Wiegandt, Elisabeth Hausmann, Zsa Haste, Emma Ritter. Dora Wittig, Anna Feldhasen bereichern das Bild,

Mit dieser Ausstellung legt die Geduk Ehre ein sür ihre Ausgabe der Förderung persönlicher Leistungen gerade auch auf dem Gebiete des Kunstgewerbes. Teiln unter den ausgestellten Stücken ist wohl kaum eins zu finden das nicht mit ausaeb,äai'»> Geschmack und spürbarer Hingabe an die Ausgabe hergestellt wäre. Aus jedem Ding sprich! Verständnis sür das Material, seien es nun Ledermappen, Kalender Buntpapier oder Handarbeiten — „am laufenden Band" und als „Massenartikel" ist kein Stück hergestellt. Hier kann leder, der schenken will, persönlich etwas Persönliches wählen.

Carl ihartmann im sttsatstheater Vremm