Ausgabe 
(10.12.1934) Nr. 341
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Nr. 341 / 4 . Vierteljahr

geile im Textteil 7b Rps.

laut

Sprechz^t des Vttlages werktäglich von 12^13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 18—17 Uhr.

Montag, io. Dezember

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Beispielloser Erfolg des Tages der nationalen Solidarität

Gammelergebnis: 3,S Millionen Mark

Dr. Goebbels erstattet dem Führer Bericht / Kundgebung an die Gammler und Spender

Berlin, 9. Dezember.

Reichsminister Dr. Goebbels erstattete Sonntagmittag dem Führer Bericht über den Verlaus des „Tages der nationalen Soli­darität". Er konnte dabei mitteilen, datz die Aktion im ganzen Reich reibungslos und ohne Störung verlaufen ist. Die Anteil­nahme der Bevölkerung übertraf alle bisher bei ähnlichen Anlässen dagewesenen Aus­matze.

Das vorläufige Gesamtergebnis beträgt rund 314 Millionen Reichsmark. Es lätzt die Ergebnisse aller früheren Sammlungen für das Winterhilfswerk weit hinter sich zurück und stellt mehr als die Hälfte des Ergebnisses der Zeppelinspende des deutschen Volkes dar, für die im reichen und mächtigen Vorkriegs- deutschand ein Jahr gesammelt werden mutzte, während die Sammelzeit am Tage der nationalen Solidarität knapp 5 Stunden betrug. Der Führer drückte Dr. Goebbels seine besondere Befriedigung über Verlauf

und Ergebnis der Aktion aus und beauf­tragte ihn, allen daran beteiligten Sammlern und Spendern seinen herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen.

Im einzelnen wurden gesammelt: 2n Baden 146 000 Mark, Berlin 225 000, Bayrische Ostmark 83107 (36 Kreise von 43), Düsseldorf 98 000, Essen 41468, Halle-Merseburg 72 526, Hamburg 50 000, Hannover-Ost 128 756, Hannover-Süd 70 000, Aachen 80 000, Hessen-Nassau 230 503, Koblenz-Trier 45 000, Kurhessen 77 000, Kur­mark 183 296, München-Oberbayern 114 000, Mag­deburg-Anhalt 163 782,44, Mecklenburg-Lübeck 97 000 (es fehlen 3 Kreise von 16), Ostpreußen 35 000 (16 Kreise von 40), Pommern 90 753,15, Rheinpfalz 55 000, Sachsen 258 320, Schlesien 211000 (5 Kreise fehlen), Schleswig-Holstein 220 340,95 (Durchschnitt 15 Pfg. pro Kopf), Unterfranken 49 000 (es fehlen 4 Kreise von 24), Mittelfranken 47 800, Thüringen 130 947,50 Weser-Ems 72000, Westfalen-Nord 100000, Westfalen-Süd 99 887,63, Württemberg 82 650 (50 v. H. der Kreise), Schwaben 70 000 (50 v. H. der Kreise). Zusammen 3 420 972,67 Reichsmark. Reichsminister Dr. Goebbels dankt den Samm­

lern und Spendern des Tages der nationalen Solidarität mit sagendem Aufruf:

„Im Auftrage des Führers danke ich allen, die als Sammler oder Spender am Tage der natio­nalen Solidarität mitgewirkt haben und damit halfen, ihn zu einem wirklichen Akt tatgewor- dener Volksgemeinschaft zu gestalten. Die un­zähligen Männer und Frauen des öffentlichen Lebens, die sich durch ihr persönliches Beispiel in die Front des Heeres der unbekannten Sammler stellten, haben damit bewiesen, daß ihnen der Be­griff der nationalen Solidarität keine leere Phrase ist. Sie haben dabei aber auch ausnahms­los und mit tiefer Befriedigung die innere Ver­bundenheit des deutschen Volkes mit seine» sozialistischen Ausgaben feststellen können und ge­wiß auch neue höchste Achtung und größte Liebe gerade zum armen und vielfach notleidenden Teil der Nation empfunden, der sich am Sonnabend in Begeisterung für das neue Reich und in Hilfs­bereitschaft für die sozial Bedrängten geradezu übertraf. Der Welt aber haben wir alle, Samm­ler und Spender, ein leuchtendes Beispiel unserer inneren Geschlossenheit und nationalen Solidari­tät gegeben, und damit einen bloßen Sammeltag zu einem wahren Fest- und Freudentag des gan­zen deutschen Volkes gemacht."

Treueschwur der Gaar-eutschen

Großer Amtöwalterappell der Deutschen Front

Gruppenführer Lunker tödlich verunglückt

Weimar, g. Dezember

Der Gauleiter von Thüringen teilt mit: Sonn­abend abend verschied der SA.-Gruppenfiihrer und thüringische Staatsrat Dr. Gustav Zunkel an den Folgen eines schweren Auto-Unsalles. Er beabsichtigte, mit seinem Kraftwagen zur Aus­übung seiner Sammeltätigkeit anläßlich des Tages der nationalen Solidarität nach Apolda zu fahren. Sein Wagen geriet am Ausgang der Stadt Weimar, am Flughafen, infolge der Glätte der Straße ins Schleudern und schlug mit der rechten Hinterseite, wo gerade unglücklicherweise der Gruppenführer saß, gegen einen starke» Baum. Dr. Zunkel wurde aus dem Wagen her­ausgeschleudert und siel so unglücklich, datz er einen schweren Schädelbasisbruch erlitt. Es trat im Gehirn eine innere Blutung ein, dazu kam Atemlähmung und Herzschwäche, die dann den Tod herbeiführte.

Gruppenführer Dr. Zunkel ist 48 Jahre alt geworden. Besonders tragisch ist, datz er erst kurz vor dem Reichsparteitag geheiratet hat. Er war während des Weltkrieges als Leutnant der Re­serve an der Front und Inhaber hoher Auszeich­nungen, so der beiden E. K. I. und II. Klasse, des Ritterkreuzes II. Klasse mit Schwertern, des Ordens der Wachsamkeit oom Weißen Falken sowie des Berwundeten-Abzeichens. Er war einer der markantesten Nationalsozialisten Mit­teldeutschlands und bereits im Jahre 1928 Gau­sturmführer der SA. Thüringens geworden. Zäh kämpfte er für den Ausbau der thüringischen SA. Zu allen Formationen der Bewegung, insbeson­dere zur Politischen Leitung und zum Gauleiter stand er in einem herzlichen und allerbesten Ver­hältnis. Aus diesem Grunde gerade wurde er im Herbst 1933 von dem ehemaligen verräte­rischen Stabschef Rohm von seiner Stellung als Gruppenführer Thüringens abberufen. Der Reichserziehungsminister Ruft berief ihn damals in seiner Eigenschaft als preußischer Kultus­minister in das preußische Kultusministerium. Nach Erledigung Röhms wurde er aus Wunsch des Gauleiters und aller thüringischen Partei­dienststellen wieder als Gruppenführer zur Füh­rung der thüringischen SA. nach Weimar berufen.

Die thüringische Landesregierung hat für den SA.-Gruppensührer Staatsrat Dr. Zunkel ein Staatsbegräbnis angeordnet. Alle Glie­derungen und Formationen des Gaues Thüringen werden daran teilnehmen.

Grauenvoller Mord

auf einem jütländischen Bauernhof

Kopenhagen, 9. Dezember.

Ein grauenvolles Verbrechen hat sich in der Nacht zum Sonntag auf einem Bauernhof in dem Dorfe Handest in Jütland abgespielt. Dort hat ein 31jähriger Eutsknecht seinen früheren Arbeitgeber, dessen 70 Jahre alte Schwiegermut­ter und dessen etwa 4 Jahre altes Kind mit dem Beil ermordet. Außerdem hat er die Frau sei­nes Arbeitgebers so schwer verletzt, datz an ihrem Aufkommen gezweifelt wird

Saarbrücken, 9. Dezember.

Vor den Toren Saarbrückens war vor einiger Zeit das große Zelt oom Nürnberger Parteitag aufgestellt worden, um angesichts des Verbots jeder öffentlichen Kundgebung im Saargebiet zu einer geschlossenen Versammlung größten Stils aufrufen zu können. Am Sonntagvormittag wurde dieses Zelt nunmehr seiner Bestimmung übergeben. 40 000 Amtswalter aus allen Orten des Saargebietes füllten das Riesenzelt bis auf den letzten Platz. Der Kreisleiter von Saar- brücken-Land, Weiter, gedachte zunächst der Gefallenen des Weltkrieges und der Blutopfer der Bewegung. Unter den Klängen des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" erwies die Ver­sammlung stehend den Toten die Ehre.

LandesorganisationslMer Brück gab in seiner Ansprache ein Bild von der Verantwortung und den schweren Aufgaben jedes einzelnen saardeut- schen Amtswalters. Unter tosendem Beifall stellte er fest, daß das Saarvolk in einmütiger E e - schl ossenheit zum deutschen Reich und seinem Führer Adolf Hitler stehe. Ein­dringlich warnte Brück vor Provokateuren, die

sich in die Deutsche Front einschleichen könnten und erzählte von einem ihm bekanntgewordenen geheimen Befehl der Kommunistischen Partei im Saargebiet, die ihre sämtlichen Ortsgruppen an­gewiesen habe, 10 Mann in die Deutsche Front übertreten zu lassen, um dort Zersetzungsarbeit zu leisten. Alle diese Machenschaften zerschellten je­doch an der inneren Geschlossenheit und Disziplin der Deutschen Front..

Der Propagandaleiter und Führer der Deutschen Eewerkschaftsfront an der Saar, PeterKiefer, richtete einen eindringlichen Appell an alle, am 13. Januar das Unrecht von Versailles auszu­löschen. Ehrliche Anerkennung und warmen Dank zollte er dem Dreier-Ausschuß und seinem Präsi­denten Baron Aloisi für die geleistete gute Arbeit. Eine klare Lage sei nunmehr geschaffen. Mit stür­mischer Begeisterung dankte die Versammlung, als der Redner die Auffassung des gesamten Saar- deutschtums dahin zusammenfaßte.

Am 13. Januar werden wir die Ehre wieder erobern, die man uns in Versailles gegen unse­ren Willen raubte. Es geht nicht um kirchliche,

Gotthold Ephraim Lessing, den seine Zeit so arm sterben ließ, datz nicht einmal die Kosten zum Begräbnis da waren, liegt auf dem St. Magni-Friedhof in Braunschweig begraben. Heinrich von Kleist ruht an dem kleinen Wannsee bei Berlin, wo er freiwillig in den Tod ging. Die kleine efeuumrankte Sterbetafel trägt die Inschrift:

„Er lebte, sang und litt In trüber, schwerer Zeit,

Er suchte hier den Tod,

Und fand Unsterblichkeit."

Hoffmann von Fallerslsben, der Dichter des Deutschland-Liedes, fand seine letzte Ruhestätte in Coroey Lei Höxter an der Weser. Ueber sein efeuumranktes Grab ragt ein Gedenkstein, der die Miste des Dichters trägt und über einer Leier die Worte zeigt: „Nie könnt ich dein vergessen". Matthias Claudius „der allen Dichtern das Mondlied wegnahm", ruht an der Seite seiner Frau auf dem Wanidsbeker Friedhof bei Hamburg. Aus seinem ganz mit Efeu bewachsenen Grab­hügel ragt ein schlichtes Kreuz aus. In Ottensen bei Hamburg liegt Klopstock, der Dichter des Mes­sias, neben seinen beiden Frauen begraben, und in Altrahlstedt bei Hamburg Detlev von Lilien- cron. Klaus Groth, des Dichters des Quickborns, Ruhestätte befindet sich auf dem Südfriedhof in Kiel und wird von der Stadtverwaltung gepflegt.

Die größte deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff liegt auf dem alten Fried­hof in Meersburg mit dem Ausblick aus den Bodense« begraben. Sie hat eine schlichte Ruhe­stätte gefunden, deren weißer, von Efeu umwu- cherter Marmorstein als einzigen Schmuck nur das Hülshoffsche Wappen mit dem fliegenden Fisch trägt.

Als das schönste deutsche Dichtcrgrab wird all­gemein die letzte Ruhestätte Theodor Körners in Wöbbelin bei Ludwigslust in Mecklenburg be­zeichnet. Unter zwei starken mrschlungenen Eick>en liegt dort der Freiheitsdickt.'r begraben, wo er einige Tag« vor seinem Heldentode noch sein Schwertlied schrieb. Ein Denkmal mit Leier und Schwert, von knorrigen Lichenästen beschirmt, eine

religiöse oder sozialpolitische Fragen. Dem deut­schen Volk an der Saar geht es nur darum, ob es bei seinem angestammten Volk und Vaterland bleibt oder ewig von ihm getrennt werden wird. Mit scharfen Worten geißelte Peter Kiefer so­dann das Treiben der neugegründeten sogenann­ten katholischen Parteigruppe. Dan­kenswerterweise habe Herr Rossenbeck schon offen­bart, um was es diesem „christlichen Volksbund" letztlich gehe. Unter Empörungsrufen der Ver­sammlung verwies der Redner auf die verab- scheuungswürdige Tatsache, daß sich die neue Par­tei ihre politischen Geschäfte von einer Presse be­sorgen lasse, deren Anhänger und Leser zu den erbittersten Feinden des Christentums gehören. Unsere Pflicht ist es jetzt, so schloß der Redner, Deutschland wieder zu gewinnen, um das Un­recht von Versailles zu beseitigen. Die Menge stimmte darauf begeistert das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied an.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Gau-Vropaganda-Tagung in Oldenburg

Oldenburg, 9. Dezember

Am Sonntag fand in Oldenburg eine Tagung der Propagandisten der Bewegung im Gau Weser- Ems statt, in der der Eaupropagandaleiter Pg. Schulze einen Tätigkeitsbericht über die Ar­beit des Propagandaapparates im Jahre 1934 gab. Im übrigen war die Tagung ausgezeichnet durch einen grundlegenden u^> tiefschürfenden Vortrug des Reichsamtsleiters der NS.-Gemeiw- schaft „Kraft durch Freude", Pg. Horst Dreß» ler-Andrees über die großen und verant­wortungsvollen Aufgaben der nationalsoziali­stischen Kulturpropaganda und durch Darlegungen des Gauleiter-Stellvertreters, Ministerpräsident Ioel über das Verhältnis zwischen Staat und Bewegung. Die Eemeinschaftstagung aller Pro­pagandisten war erweitert durch anwesende Ver­treter der SA., SS., HJ., der NS.-Frauenschaft, weiter der Schulungsleiter der PO. und der Presse.

Am Vormittag wurden eine Reihe von Son- dertagungen abgehalten. Die Tagung der aktiven Propagandisten der PO. wurde verbunden mit der Tagung der NSV.-Propagandawalter. Die Tagung stand unter der Leitung von Gau­propagandaleiter Schulze, der einen Bericht über« die letzte Tagung der Landesstellenleiter in Berlin gab, wo Reichspropagandaminister und Reichs­propagandaleiter Dr. Goebbels die künftigen pro­pagandistischen Aufgaben der Partei herausstellte unter besonderer Betonung der Einheitlichkeit der Propaganda und ihrer Führung durch die Pro­pagandaleiter der Partei.

Besprochen wurde dann das Ergebnis der Vüchsensammlung am Tage der nationalen Solidarität im Gau und in den einzelnen Krei­sen, wobei Erfahrungen über besondere Erfolge mitgeteilt wurden. Das Gesamtergebnis im Gau ist rund 72 000 RM. Von den einzelnen Kreisen lagen folgende Einzelergebnisse, die zum Teil noch ergänzt werden, vor:

In Bremen 20000 RM., Oldenburg-Stadt 4700, Oldenburg-Land 1700, Ammerland 1430, Friesland 2000, Wilhelmshaven 4447, Butja- dingen 1300, Wesermarsch 2700, Delmenhorst 5000, Vechta 2600. Cloppenburg 1700, Emden 2500, Aurich 3300, Wittmund 2400, Osnabrück 3200, Wittlage 2000, Meile 1300, Lingen-Stadt 900, Bentheim 1800 RM.

Kreisleiter Pape, zurzeit Gaubeauftragter des Winterhilfswerkes, berichtete über interne Ange­legenheiten der NSV. und ihre Aufgabengebiete.

In der P r e s f e t a gu n g, die zusammen mit den Presse- und Propagandawarten der DAF. abgehalten wurde nahmen Gauamtsleiter Aß- ling, Gauabteilungsleiter Athen und Gau- presse- und Propagandawart der DAF., Hub er, das Wort. In den Referaten und in der Aus­sprache kam die enge Verbundenheit zwischen PO. und DAF. zum Ausdruck, wobei hervorgehoben wurde, daß die PO. mit ihren führenden und um­fassenderen Aufgaben die führende Stellung ein­nimmt.

In der Rundfunktagung erstattete Eaufunk- abteilungsleiter Anthöfer Bericht über schwe­bende Angelegenheiten der Funkwerbung und machte insbesondere von dem Erfolg der noch im Gange befindlichen Werbung Mitteilung. Die

Hermann Nlbrich-Hannibal

Wo unsere Dichter ruhen

Wenn die letzten Blätter von den Bäumen ge­fallen sind und die Natur in den grauen Novem- bertagen sich zur Ruhe legt, gehen einer alten Sitte zufolge unsere Gedanken nach den letzten Ruhestätten der Menschen, die uns im Leben nahe­standen. Mancher geht dann auch wohl an das Grab eines großen Dichters, dessen Worte und Werke ihm Freude gespendet oder Trost in trüben Stunden gegeben haben.

Ueberall im deutschen Land schlummern auf den stillen Friedhöfen die Großen der Menschheit, und manches einsame Grab, manche letzte Stätte der Dichter ist zu einem Wallfahrtsort der Teutschen geworden.

Wieviele Menschen zieht der unsterbliche Minne­sänger Walther von der Vogelweide noch über siebenhundert Jahre nach seinem Tode an seine Ruhestätte! Im Münster zu Wllrzburg wurde er begraben. In dem idyllischen Lusam- gärtlein an der Ostseite der Neumünsterkirche steht der schlicht«, kantige Grabstein des größten deut­schen Lyrikers aus dem Mittelalter. Und in der Nische der Kirchenwand erhebt sich der im Jahre 1843 errichtete Gedenkstein für ihn. Eine alte Sage erzählt, daß der Dichter in seinem letzten Willen zur Rechtfertigung seines Namens be­stimmt hatte, datz man auf seinen Grabstein den Vögeln zur Weide Weizenkörner streuen und Löcher für Master einmeißeln sollte. Diese Sage versucht der Gedenkstein darzustellen, er zeigt eine flache Schale mit fressenden Vögeln.

Einen ähnlichen Ruheplatz hat der Parsifal- Dichter Wolfram von Eschenbach. Er wurde im Liebfrauenmünster in Wolframs- Eschenbach zur ewigen Ruhe gebettet. Jahrhun­dertelang bekundete es ein Grabstein mit der In­schrift: „Hie ligt der streng Ritter her Wolffram von Eschenbach ein Meister Singer." Bei einem Umbau der Kirche im 17. Jahrhundert wurde diese Tafel entfernt, und so hat man heutzutage die ganze Kirche mit ihrer reichen romanischen

Pracht als die letzte Ruhestätte des Sängers oom Gral anzusehen. Vor einigen Jahren erhielt die Kirche eine neue Grabvafel.

Das Grabmal des Meistersängers Frauenlob blieb erhalten. Er ruht, so wie man ihn im Jahre 1318 beigesetzt hatte, im Kreuzgange des Mainzer Doms. Auf dem Grabstein tragen acht Frauen den mit drei Kronen geschmückten Sarg zu Grabe. Auch das Grab des im Jahre 1576 verstorbenen Hans Sachs ist erhalten geblieben. Es be­findet sich auf dem Johanniskirchhof in Nürnberg und ist durch die verschlungenen Anfangsbuch­staben H. S. auf einer kleinen mit einem ruhenden Cherub verzierten Tafel kenntlich.

In der Fürstengruft zu Weimar ruhen die bei­den großen Dichter, die dieser Stadt ihre unsterb­liche Bedeutung gegeben haben, Goethe und Schiller. Schleifenverzierte Kränze bedecken gemeinsam die beiden eichenen Särge, — ein Sinnbild für die Ilnzertrennbarkeir der beiden. Schiller ruhte erst zwei Jahrzehnte auf dem Iako- bikirchhof zu Weimar und wurde dann hierher überführt. Schlicht stehen ihre Namen an den Sarkophagen: „Goethe" — „Schiller".

Soviel man zu diesen Gräbern pilgert, so sehr ist zu wünschen, daß man die anderen Dichter- gräber Weimars nicht ganz vergißt. In der Stadr- kirche deckt eine Eisenplatte die Gebeine Her­ders. Sie zeigt neben den üblichen Personal- angaben eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt — sie bedeutet die Ewigkeit. Auf dem Oß- mannstedver Gut bei Weimar, das Wie land einst gehörte, ruht dieser Dichter neben seiner Frau und seiner Freundin. Unter rauschenden Blättern verkündet ein Obelisk den Vers: „Liebe und Freundschaft umschlangen die verwandten Seelen im Leben. — Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Siein." In der Nähe Goethes und Schillers, auf dem Friedhof um die Fürsten­gruft fand Ernst von Wildenbruch seine letzte Ruhestätte.

Bronzebüste des Dichters, die in das Aestegswirr der Eichen schaut und eine Gedenkhalle für den Toten, die unter anderen Sachen auch seine Sol- datenausrllstung vom Lützowschen Freikorps birgt, haben diesen Platz zu einer Dichterbegräbnisstätte gemacht, wie sie weihevoller nicht sein kann. Unter den Klängen seines Liedes „Das ist Lützows wilde verwegene Jagd" wurde er hier in das

kühle Grab gesenkt. „Hier wurde", so besagt die Vorderseite des Grabsteines, „Carl Theodor Körner von seinen Waffenbrudern mit Achtung und Liebe zur Erde bestattet", während auf der andern Seite Worte aus dem Dichtermund des Helden in Goldbuchstaben stehen:

„Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen, Wachse empor über unsere Leichen."

Der Maler der deutschen Geschichte

Eine Würdigung Llfred Uethels von Pros. Dr. Ernst Friedrichs

Die Romantik weist in der Dichtung wie in der bildenden Kunst sehr bedeutende Namen auf. Und die Romantik hat große Verdienste um unser deutsches Vaterland, hat sie doch unsere Voreltern, ihr Denken und Trachten erst wieder in uns lebendig gemacht.

In der Malerei hat uns die romantische Rich­tung eine Reihe geradezu großartiger Künstler geschenkt, Ludwig Richter, der in seinen Bildern das deutsche Familienleben erschloß, Moritz von Schwind, der in die deutsche Märchenwelt zurück­führte, und den genialsten und kraftvollsten von allen, den Düsseldorfer Historienmaler Alfred Rethel, der machtvolle Ereignisse aus unserer deutschen Geschichte durch seine Bilder ver­herrlichte. Die Düsseldorfer Akademie genoß als Schule unter Wilhelm von Schadow einen sehr bedeutenden Ruf, und Schadows bester Schüler ist Rethel gewesen. Er stammte aus Aachen, wo er am 15. Mai 1816 geboren war. Seine Aus­bildung erhielt er in Düsseldorf; Rethel hat auch in Italien gearbeitet, ist aber immer wieder nach Düsseldorf zurückgekehrt. Hier ist er auch im Alter von 43 Jahren gestorben, nachdem er schon einige Jahre lang in geistiger Umnachtung zugebracht hatte.

Nachdem er schon sehr beachtenswerte Kaiser­bilder für den Römer in Frankfurt a. M. ge­schaffen, wurde sein Name weiteren Kreisen be­kannt durch seinen „Zug Hannibals über die Alpen" im Jahre 1844. Es sind das sechs Wasser- farbenblätter, in denen der Kampf des Menschen mit den Naturgewalten äußerst dramatisch dar­

gestellt wird. Am meisten reproduziert und daher bekannt ist das Bild, auf dem Hannibal an der Spitze seiner Krieger die Höhe der Alpen erstiegen hat und ihnen nun die winkende lachende lom- bardische Ebene zeigt. Die Blätter befinden sich im Dresdener Kupferstichkabinett. Berühmt wurde sein Name durch seine zweite sehr große Leistung, das sind die acht Bilder aus der Ge­schichte Karls des Großen im Kaisersaal des Rathauses von Aachen. Die Entwürfe machten schon auf alle, auch auf die mit ihm konkurrieren­den Künstler einen so gewaltigen Eindruck, daß diese sich von der Konkurrenz zurückzogen. Rethel hat dann vier davon in den Jahren von 1847 bis 1851 mit Anspannung aller Energie geschaffen, als hätte er sein frühzeitiges Ende schon damals erkannt.

Sehr beachtenswert sind noch aus dieser Zeit (1848) seine Totentanzholzschnitte, die an den blutigen Maiaufstand in Dresden im Jahre 1848 anknüpften: sie sprechen eine eindringlichere,

wuchtigere Sprache als Holbeins Totentanz.

Die Berliner Nationalgalerie verfügt über eine ganze Reihe von Bildern aus seiner deut­schen Periode: wir nennen nur Kartons zu den Aachener Wandgemälden aus dem Leben Karls des Großen, die Zerstörung der Jrmensäule (Jrminsul) bei Paderborn im Jahre 772, Kaiser Otto III in der Gruft Kaiser Karls des Großen im Jahre 1000, Kaiser Karl V. tritt ins Kloster ein. Daß Rethel so früh gestorben ist, war einer der schwersten Verluste für die romantische und Historienmalerei großen Stils.