Ausgabe 
(9.12.1934) Nr. 340
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Nr. 340 / 4. Vierteljahr

Sonntag, s. Dezember

Einzelpreis is Rpf.

Gozialpoütische Rede Franz Geldtes

Der Arbettsmlnlfter in Bremen

„Volk und Reichsrrgierung solidarisch mit der Hansestadt" / Negierender Bürgermeister Herder über

die Berufung der Frontsoldaten

Bremen, 8. Dezember.

Der Rcichsarbeitsminister und Bundesführer des NS.-Deutschen Frontkämpferbundes, Franz Seldte, sprach am Sonnabendabend in Hill- manns Hotel vor Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, der Partei, der SA., SS. und einer Reihe von führenden Persönlichkeiten des Handels und der Wirtschaft aus Bremen. Unter den zahlreichen Gästen sah man u. a. den Regie­renden Bürgermeister Heider, Kreisleiter Blanke, den bremischen Senat.

Der Landesführer des Landesverbands Nordsee des NSDFB. hieß in der Begrüßungsansprache den Reichsarbeitsminister und Bundessührer des NSDFB. -in der Hansestadt herzlich willkommen. Der Besuch des Arbeitsministsrs sei ein besonderes Zeichen dafür, daß der Minister für Bremens Arbeits- und Wirtschaftsfragen ein besonderes Interesse habe. Wir bitten Sie, so schloß Lan­desführer Volkmann, das Gefühl mit nach Ber­lin zu nehmen, daß die Männer an der Wasser­kante fest und treu zu Ihnen stehen. Und wir bitten Sie, dem Führer zu melden, daß wir als Frontsoldaten treu hinter ihm stehen, allen Schwierigkeiten zum Trotz.

Dann ergriff der Reichsarbeitsminister und Bundessührer des NSDFB., Franz Seldte, das Wort. Nach Dankesworten für den herzlichen Willkommensgruß ging er auf sein persönliches Verhältnis zu Adolf Hitler ein. Weil er die Größe Adolf Hitlers erkannt habe, habe er sich mit Bewußtsein dem Größeren untergeordnet und so die Zersplitterung vermieden, die sonst zur Freude unserer Gegner das Erbübel des deutschen Volkes war.

Der Reichsarbeitsminister gab sodann einen umfassenden Ueberblick über die gegenwärtig aus der Tagesordnung stehenden Fragen der deutschen Sozialpolitik. Er stellte fest, daß sich dem Geiste dieses Tages entsprechend die Reichsregierung und das ganze deutsche Volk mit den Hansestädten solidarisch sühlen und nach Krästen an der Ueberwindung der schweren Sorgen der deutschen Welthandelsplätze mitarbeiten werden.

Die Idee der nationalen Solidarität in die Wirklichkeit zu überführen, sei ganz besonders Aufgabe des Reichsarbeitsministeriums. Seit dem 30. Januar 1933 sei auf diesem Gebiete bereits Gewaltiges geleistet. Durch die Arbeitsbeschaf- sund sind rund 4 Millionen Volksgenossen wieder in Arbeit und Brot gebracht worden. Auf den erzielten Erfolgen wird aber, so führte der Mini­ster weiter aus, nicht ausgeruht. Das Ziel i st, jedem arbeitsfähigenVolksgenossen einen Arbeitsplatz zu verschaffen, ihn nicht mehr auf Unterstützung im Falle der Ar­beitslosigkeit, sondern auf Arbeit zu versichern. Im Frühjahr soll in dieser Richtung weiter vor­gestoßen werden. Das arbeitspolitische Ziel für den Winter ist die Aufrechterhaltung des Be­schäftigungsstandes.

Die Entwicklung des Steueraufkommens, des Volkseinkommens und aller anderen Wirtschafts­zahlen berechtige zu der Ueberzeugung, daß das in den Arbeitsbeschaffungsprogrammen liegende Wagnis gelingen werde und die übernommenen Vorbelastungen künftiger Haushaltsjahre durch die Mehreinnahmen der öffentlichen Haushalte abgedeckt werden könnten. Unbedingte Voraus­setzung dafür sei allerdings, daß die durch die Ar- beitsbeschafsungsprogramme erzeugte Konjunktur Mengenkonjunktur bleibe und nicht Preiskonjunk­tur werde. Das bedinge auch Aufrechterhaltung des Lohnniveaus. Es würden also Opfer sowohl

Em gutes Ekgehm's

Der gestrige Tag der nationalen Solida­rität erbrachte an Spenden im Bremer Stadtgebiet die stattliche Summe von rund 2V vü» Mark.

vom Unternehmer wie vom Gefolgsmann verlangt und „nationale Solidarität" müsse sich auch hier­bei bewähren. Eewinnstreben dürfe nicht alleini­ger Motor wirtschaftlicher Betätigung sein. „Arbeitsbeschasfungs - Eewinnler" können unter keinen Umständen ge­duldet werden. Nur bei solcher Haltung der Unternehmerschaft könne es der Arbeiterschaft um des höheren Zieles Willen zugemutet werden, bet vielfach recht kargen Löhnen ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.

Der Ausrottung des Klassenkampfdenkens müsse auch das deutsche Siedlungswerk nutz­bar gemacht werden. Siedlung mache den Arbeiter nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch kri­senfest. Es erfülle ihn daher mit besonderer Ge­nugtuung, daß der Führer ihm die Durchführung des deutschen Siedlungswerkes — mit Ausnahme der bäuerlichen Siedlung — wieder anvertraut habe, zusammen mit den bedeutsamen Aufgaben der Reichs- und Landesplanung. Eine dankbare, aber auch sehr Verantwortungsschwere Aufgabe sei die hiermit verbundene Wohnungsfür­sorge. Infolge der Zunahme der Eheschließun­gen steige der Bedarf an Kleinwohnungen. Um diese Aufgabe erfolgreich lösen zu können, sei die Klärung der Frage des nachstelligen Realkredits besonders dringlich. Er hoffe aus diesem Grunde ganz besonders, daß die von der Reichsregierung neuerdings eingeleiteten Maßnahmen zur Stärkung des Kapitalmarktes von Er­folg begleitet sein würden.

Der Reichsarbeitsministers wies sodann auf die soziale Großtat der Reichsregierung hin, die in der Sicherung der vorher schwer gefährdeten Invaliden-, Alters- und Hinterbliebenenfürsorge zu erblicken sei. Nach menschlichem Ermessen sei durch das Gesetz vom 7. Dezember 1933 die Inva­liden- und Angestelltenversicherung saniert. Es

sei zu hoffen, daß die getroffenen Maßnahmen ebenso wie die noch geplanten sich auf die Dauer gesehen auch in einer Verbesserung der Leistungen auswirken könnten. Die Säuberungsaktion bei den Krankenkassen habe vielfach bereits Beitrags- herabsetzungen ermöglicht.

Besonders am Herzen liege ihm, dem Minister, die Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, denen auch die ersten sozialen Verbesserungen gegolten haben. Mit den bereits erreichten wesentlichen Erleichte­rungen will sich die Reichsregierung nicht be­gnügen. Sie erklärt in dem Gesetz vom 3. Juli 1931, daß sie die Versorgung der Kriegsbeschädig­ten und Kriegerhinterbliebenen neu ordnen wolle.

Am Schluß seiner Rede gab Minister Seldte der Hoffnung Ausdruck, daß sich auch im Ausland die Erkenntnis des Aufeinanderangewiesenseins der einzelnen Nationen und ihrer Volkswirtschaf­ten immer mehr Bahn breche und die Auf­richtigkeit des Friedenswillens Adolf Hitlers Anerkennung finde. Das große Ziel könne nur erreicht werden, wenn das ganze Volk hinter dem Führer stehe. Und zwar nicht gezwungen, sondern aus freiem Willen und innerster Ueberzeugung. Der Reichsarbeitsminister und Bundessührer schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler, das von den Anwesenden begeistert aufgenommen wurde.

Nach dem Minister sprach der Regierende Bürgermeister von Bremen, Otto Heider, der seiner besonderen Freude über den Besuch des Ministers in Bremen Ausdruck gab, des Mannes, der als erster nicht den Egoismus auf seine Fahne geschrieben, sondern in dem Au­genblick, als es daraus ankam, sich dem Führe; untergeordnet habe. Immer wieder habe das deutsche Volk Bruderkämpfe erlebt. Aus diesen Bruderkämpfen habe der Feind den Nutzen gezo­gen und das deutsche Volk zu Boden zu schmettern gesucht. Die Generation der Frontsoldaten habe Opfer über Opfer bringen müssen. Wenn über­haupt die Möglichkeit bestand, Deutschland wieder hochzubringen, dann mußten die, die die größten Opfer gebracht hatten, auch die Führung erhalten. Das waren die Frontsoldaten. So seien wir stolz darauf, daß unsere Generation, die Frontgene­ration, berufen ist, die Not in Deutschland zu wenden! Der Regierende Bürgermeister schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichs­arbeitsminister Franz Seldte.

Als letzter Redner ergriff Admiral Scholz als ältester Angehöriger der Wehrmacht das Wort und versicherte, daß die junge Wehrmacht im Sinne der alten Frontgeneration erzogen werden soll. Bei einem Zapfenstreich vor Hillmanns Hotel wurden dem Minister begeisterte Kund­gebungen dargebracht.

Frankreichs Ostpolitik

Deutschland oder die Sowjet-Union?

Von nussrin skäväigon Larlssr D.-ck.-HIitarbsitsy

Paris,?. Dezember.

Der vor einem halben Jahr verstorbene französische Marschall Lyautey, der im gan­zen Lande ein außergewöhnliches Ansehen genoß und vor allem von der nationalen Jugend als Held verehrt und geliebt wurde, hatte kurz vor seinem Tode geäußert, daß er, vor die Wahl gestellt, sich mit Deutsch­land oder der Sowjet-Union zu verbünden, unbedenklich das erste vorziehen würde. Die Russen waren für ihn die „widerlichen Sow­jets", mit denen er nichts gemein haben wollte.

Nachdem jetzt die Erörterungen über die zukünftige Gestaltung der deutsch­französischen Beziehungen durch das Hitler-Interview mit Jean Goy und die Besuche von Ribbentrops in London und Paris in Gang gekommen sind, spitzt sich der lebhafte Meinungskampf in Frankreich auf die Fragestellung zu: Sollen wir es mit Sowjet-Rußland oder mit dem neuen Deutschland halten? Und dann werden die unzähligen Gründe und Gegengründe von den beiden streitenden Parteien angeführt. Tatsächlich stehen sich heute in Frankreich eine Deutschlandpartei und eine Sowjetruß land partei in erbitterter Fehde gegenüber. Zu der ersteren halten die nationalen Verbände, die Jugend rechtspar- teilicher wie radikalsozialer Richtung, ein­zelne Abgeordnete der Rechten, der Radikal- sozialen und der Neusozialisten, vor allem der größte Teil der Frontkämpfer von der äußersten Rechten bis zur Linken unter der Führung von Jean Goy, Henri Pichot und dem Kriegsblinden Scapini. Auf der anderen Seite stehen die Kommunisten, die Sozia­listen, das Parlament in seiner großen Mehrheit, der Klerus (!) und die zumeist jüdischen Finanzgewaltigen der Rüstungs­industrie, der Banken und der Presse.

Doch im Volk, soweit es sich nicht von dem täglichen Hetzbombardement der Boulevard- presse gegen das neue Deutschland beein­flussen läßt, ist die Partei der Sowjetfeinde erheblich stärker, als die der Sowjetfreunde. Das kann man täglich feststellen, sei es in der Luftfahrt-Ausstellung vor den deutschen und russischen Ständen, sei es in den Wochen­schau-Kinos oder bei Sportveranstaltungen. Und wenn die Boulevardpresse von den Un­ruhen und Erschießungen in der Sowjet­union nur an versteckter Stelle berichtet, um die guten Beziehungen zu dem neuen Freunde und Bundesgenossen nicht zu stören, so wird darüber im Volk um so ausgiebiger gesprochen.

Gerade in diesen Tagen ist die Mißstim­mung gegen die Sowjet-Union in sehr be­zeichnender Weise zum Ausdruck gekommen. In der außenpolitischen Kommission der Kammer wurde über die französisch-russischen Beziehungen gesprochen. Der radikalsoziale Abgeordnete Bastid, derselbe, der am 1. Mai 1933 mit Franpois-Poncet auf dem Tempel- hofer Feld war und unter dem gewaltigen Eindruck dieses Festes der Arbeit damals in mehreren Zeitungsartikeln für eine offene deutsch-französische Aussprache eintrat, be-

„Ich glaube an keine Kriegsgefahr"

NeichsmmUer Rudvff Hetz in Bochum

Bochum, 8. Dezember.

- Am Sonnabendabend sprach vor 10 000 Personen im festlich geschmückten Depot der Bochumer Straßenbahn der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß. Er führte ein­leitend aus, daß der Tag der nationalen Soli­darität an die Pflicht des Einstehens jedes ein­zelnen im deutschen Volke für alle, die der Hilfe bedürfen, erinnert. Die außenpolitische Lage streifend, sagte Rudolf Hetz: „Wir Deutsche können mit Ruhe der außenpolitischen Entwicklung ent­gegensehen. Wir tun alles, um eine ruhige europäische Entwicklung mit herbeiführen zu helfen."

Zur Frage des Kriegsgeredes äußerte sich Rudolf Heß: „Ich kann mir denken, daß viele un­serer Volksgenossen sich fragen, woher kommt denn eigentlich neuerdings das viele Gerede von Krieg und Kriegsgefahr? Daß sie sich sagen, wer in aller Welt hat denn nur die Absicht, Krieg zu führen? Oder wer hat ein Interesse daran, von Kriegsgefahr zu reden? Dazu möchte ich sagen: Ich glaube an keine akute

Kriegsgefahr, ich glaube auch nicht, daß es verantwortungsbewußte Politiker, die wahre Be­

auftragte ihrer Völker sind, gibt, die zu einem Kriege treiben. Aber esgibtJnteressen- ten am Mißtrauen der Völker. Den Frieden auf der Welt erhalten die anständigen Soldaten viel eher als böswillige Leitartikler.

Ich halte es für richtig, öffentlich den Wert einer anständigen Berichterstattung für die Be­ruhigung der Völker festzustellen.

Bezüglich der deutsch-französischen Situation stellte Rudolf Heß fest: Wir Deut­schen sind heute nicht mehr der Meinung, daß Frankreich — wie wir es besonders zurzeit des Ruhreinbruchs glauben mußten — die Vernich­tung unseres Landes mit allen Mitteln betreibt. Eine veränderte Stellung Frankreichs zu Deutsch­land hat natürlich auch eine erfreuliche Aende­rung der Einstellung Deutschlands zu dem Problem „Frankreich" mit sich bringen können. Heute glauben wir, daß eine Verständigung mit Frankreich tatsächlich möglich ist und wir werden durch die Reden und Besuche französischer Frontkämpfer und durch die Ant­worten von Frontkämpfern anderer Länder auf unsere Friedensparole bestärkt.

Weihnachtssitten in aller Welt

Es gibt kein Land, in dem die Geburt Christi nicht gefeiert wird, und es ist unendlich seltsam, daß man in Regionen, die von einander Tausende von Kilometern entfernt sind, die gleichen Ge­bräuche findet. Dennoch hat jede Bevölkerung ihre eigenen Legenden, die dieser Tag der mysti­schen Evokationen in ihrem naiven Charme und ihren rührenden Symbolen wieder aufleben läßt.

Während in den nördlichen Ländern die Weih­nachtsfeste sich auf einen reinen Familiencharakter beschränken, so sind es in südlichen Gegenden, wahrscheinlich wegen der milden Temperatur, wahre Volksfeste.

Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland sind ebenso wie Frankreich dem Weihnachtsbaum treu. Die Familien sind selten, die nicht am heiligen Abend in ihrem Heim die traditionelle, lichtgeschmückte Tanne haben, die Spielwaren und Naschwerk trägt.

England, das keine Tannenwälder besitzt, be­gnügt sich im allgemeinen mit Mistelzweigen, Stechpalmen, Lorbeer, Epheu und Blumen. In manchen skandinavischen Ländern sind Spielzeug und Geschenke nicht am Baum befestigt. Der Brauch heißt „Julklap", und die Gegenstände find sorgfältig in einem Bündel von Heu oder Stroh verborgen oder in einer Unzahl Umhüllungen aus Papier, Stoff oder, Laubwerk, auf welchem die Namen der Empfänger in großen Buchstaben ge­schrieben stehen.

Das wertvolle Paket wird einem Voten anver­traut, der zur bestimmten Stunde an die Türe klopfen kommt. Sobald diese geöffnet ist, wird das „Julklap" ins Zimmer geworfen. Sogleich beginnt das Suchen! Papier, Laubwerk, Heu, Stroh, Stoii alles wird auseinandergenommen, durchstöbert schließlich findet der Beschenkte ein Schmuckst . >ie wen solle Vase, irgend einen

Gegenstand, oder — nichts! Heiterkeit bricht in so einem Falle, wo es sich um einen Scherz handelt, in der Gesellschaft aus. Eine zu elegante Frau erhält zum Beispiel eine grotesk gekleidete Puppe, während einem Schwätzer eine Schere verliehen wird.

In den meisten Ländern, die Weihnachten feiern, hat das Fest einen gastronomischen Charakter an­genommen. Je nach den Gegenden sind die Speise­zettel verschieden. Die skandinavische Tradition verlangt, daß er aus Schinken und warmem mit frischer Milch begossenem Reis besteht, 'aus „Vort- brod", einer Art Weizenbrot, welches in nicht ge­gärtem Bier gerührt wird, und aus „liistsfisk", entsalzenem Kabeljaus, der in einem Aschenwasser, gemischt mit ungelöschtem Kalk, gekocht und hier­auf mit Pfeffer und Senf gefüllt wird. Es ist not­wendig, ja unerläßlich, um diese scharfgewürzte Mixtur zu schlucken, sie reichlich zu begießen.

Die Engländer lieben Gans und Jndian, die stets vom unvermeidlichen Nationalgericht, dem „Plumpudding", begleitet werden. Eine auf sehr lang zurückführende Sitte verlangt, daß jedes Fa- milienmitglied den Teig des Kuchens rührt. In früheren Zeiten ersetzte der englische Adel die Gans und den Jndian durch den edleren Schwan.

Der deutsche Bauer ißt am Weihnachtsabend einen Schweinskopf, Würste und Grünkohl, an besten Stelle zuweilen Sauerkraut tritt. Bier fließt natürlich in reichen Strömen.

In sehr frommen Familien werden die Reste der Mahlzeit die ganze Nacht über in ein beleuch­tetes Zimmer gestellt, es ist der Teil für die Engel.

In Belgien ißt das Volk Palatschinken, nachdem es der Mitternachtsmesse beigewohnt und im

Theater der Marionetten die Vorstellung der „Geburt des Menschenkönigs" oder irgend eines anderen religiösen Werkes angesehen hat. Spa­nien delektiert sich ebenfalls an Jndian und Gans, die von gebackenem Kabeljau und Kastanien be­gleitet werden.

Muß man den kindlichen Charakter betonen, den alle Länder dem Weihnachtsfest bewahren? Fast überall sind Jahrmarktsbuden in den Straßen, in denen Spielwaren und Naschwerk feilgeboten wer­den, die die Kinder entzücken.

In manchen italienischen Städten gilt noch die Sitte der Krippen. Vor der Kirche ist die Krippe des „Sän Vambino" ausgestellt. Vor der Kirche in Rom finden die Predigten des „Aracorli" statt. Die kleinen Kinder, in einer kurzen Predigt, die am Vorabend fromm eingelernt wurde, kom­men, die Tugenden des „kleinen Jesus" zu feiern.

Ehe wir Italien verlassen, müssen wir noch die Sitte der „Piffari" erwähnen. Querpfeife spie­lende Hirten, die von ihren Bergen herunter­kommen und in Gruppen von je drei ihr Reper- toir vor den Madonnen spielen und die Wieder­kehr des Weihnachtsfestes verkünden. Manchmal werden die Querpfeifen durch Sackpfeifen ersetzt und die Oboen durch Posaunen oder Klarinetten. Diese Tradition geht bis in das Altertum zurück.

In Rumänien und in gewissen Gebieten Deutschlands durchschreiten Sänger die Dörfer, den Stern von Bethlehem, ganz weiß von Misteln und mit religiösen Motiven geschmückt, tragend. Man findet diese Sänger auch in England, vor allen Türen ihre „Lkristmas Larols" (Weih­nachtsgesänge) anstimmend.

In manchen Ländern wie die Schweiz, Deutsch­land, Spanien, durchlaufen Züge in malerischen Kostümen, an Heilige, Tiere, Gestalten der Lo­kalgegenden erinnernd, die Dörfer, singend, Sa­

lutschüsse abgebend, auf verschiedenen Instrumen­ten spielend.

In Spanien, wo man ebenfalls Krippen findet, werden überall große Freudenfeuer, angezündet und die Jugend gibt sich Tänzen hin, die nichts Heiliges an sich haben.

Dies ist nur eine kurze Aufzählung von Weih­nachtsgebräuchen, deren Varianten man fast 'überall findet. Wir müssen bedauern, daß sie all­mählich verschwinden und in Vergessenheit ge­raten, durch unser heftig bewegtes Leben.

illax Misst (vsutsob von Knna Drains).

Weihnachtsausstellung der ILunftschsu

Auch die Kunstschau veranstaltet wieder eine Weihnachtsausstellung und zeigt vorwiegend Bil­der, die als Schmuck an die Wand gehören und mit denen es sich gut zusammen leben läßt. Von H. Drechsler steht man eine klare, kräftige Sommerlandschaft, von August Fricke ein weiches, zartes Frühlingsbild. Fokken-Esens schildert in einem gut geglückten Bild die Weser im Winter. E. Eibler zeigt sich in ihrem Schnee­bild wieder von ihrer herben, kräftigen Art Lichtenford hat eine südliche Landschaft, schön aufgebaut und reich gestuft, beigesteuert. H. Eck- stein, einer der Jungen, gibt sich in seinem Flußbild wieder kühn und temperamentvoll und sehr sympathisch, Henry Garde, gleichfalls ein Neuer, zeigt eine strenge, zeichnerisch durch­gearbeitete, beachtliche Industrielandschaft. Lore Uphoff ist wieder mit einer ihrer graubraunen, altmeisterlichen Landschaften vertreten, Otto Moder söhn mit einer Winterlandschaft und einem Blumenstrauß, Bildern, die die imponie­rende Höhe des Gesamtwerts halten. Otto Bruno zeigt eine farblich fein empfundene Meeresansicht, H. Westhoff tieftonige, form­schöne Stilleben. Auf Anna Feldhusens Abendlandschaft sei besonders hingewiesen, wir haben lange kein so gut abgestimmtes, eindrucks­volles Bild der Künstlerin gesehen. H. Haff­in an n wirkt in seiner Landschaft diesmal her­ber, härter, ohne die farbliche Kultur, die wir an ihm schätzen.

Der kleine Raum zeigt einige Sammelausstel- lungen, die vorzugsweise Bremensien enthalten. Pros. MllIler- Scheeßel stellt Aquarelle aus, und wieder wirkt der Altmeister jugendlich und liebenswürdig. O. Fissers Zeichnungen sind an dieser Stelle schon wiederholt hervorgehoben worden, von ihnen ist eine besonders gute Aus­wahl getroffen. AdolfKlemanns feine stille Art kommt in einigen Landschaftsausschnitten gut zum Ausdruck.. Käthe Bruns-Wüstefeld zeigt Landschaften in ihrer breit dahinströmen- den Art.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet die Schneelandschaft von H. Hauser-Weisbach, ein Bild, das vor der Natur erarbeitet und zeich­nerisch bewältigt ist, das gleichwohl mit innerem Auge geschaut und innerlich erlebt ist. Ein paar gute Plastiken von Kurt Lettow und Pros. Lüdecke sind der Ausstellung beigegeben -

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Aus Bremens Musikpiidagogtk

Die Bremer Cesangslehrerinnen Marie Valentin-Gärtner und Eva Preuß sind von den Professoren Franzisk« Martienssen- Lvhmann und Paul Lohmann zu deren autori­sierten Mitarbeitern für Bremen ernannt worden.

Hohentorskirche. Sonntag, 9 Dezember, 18.30 llhr, Kirchenkonzert. Das Bremer Domquartett, an der Orgel Günther Ecks. Eintritt frei.