Ausgabe 
(27.12.1934) Nr. 357
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Nr. 35? / 4. Vierteljahr

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Donnerstag. 27. Dezember

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Weihnachtsbolschast der Heimat

Der Stellvertreter des Führers hielt eine Rundfunkrede an die Ausländsdeutschen

Endgültige Aufstellung der Listen

Die llngenauigkeiteu in den saarländischen Abstimmungslisten weitmöglichst behoben Saargebiet. 26. Dezember. Die Abftimmungskommisfion läßt der Presse -ine Mitteilung zugehen, in der sie den Ee- merndeausschüssen samt ihren Vorsitzenden und allen denjenigen, die zur Aufstellung der end­gültigen Listen der Stimmberechtigten beige­tragen haben, ihren Dank für die vorzügliche und objektive Arbeit ausspricht.

In der Mitteilung heißt es weiter, daß nach Veröffentlichung der vorläufigen Listen und im Verlaufe des Einspruchsverfahrens sich heraus­gestellt hatte, daß in Saarbrücken-Stadt und in einer kleinen Anzahl anderer Bürgermeistereien die vorläufigen Listen Ungenauigkeiten zeigten.

Die Kommission hat daher für Saarbrücken- Stadt eine besondere Maßnahme getroffen, um die Listen erneutzuüberprüfen. Diese Arbeit wurde ausschließlich von neutralen Beamten aus­geführt, wobei sich zeigte, daß nach erfolgter Be- reinigung der vorläufigen Listen durch das Ein­spruchsverfahren jetzt nur noch sehr wenige Fehler übrig geblieben find, so daß schließlich von dem von amtswegen eingetragenen Personen nicht mehr als ein Prozent Streichungen vorgenommen zu werden brauchten.

Eine weitere Untersuchung über die Gründe der Fehler in den vorläufigen Listen hat er­wiesen, daß diese durch die mangelhaften Unter­lagen Verursacht worden waren, die den Gemeinde- ausschüssen in Saarbrücken-Stadt und in anderen Bürgermeistereien zur Verfügung gestanden hat­ten. Es hat sich auch ergeben, daß diese Fehler rein technischer Art waren und daß den Esmeindeausschüssen wegen der Fehler keinerlei Vorwürfe gemacht werden konnten. Die für das gesamte Saargebiet eingerichtete Zentralkartei hat weiter erwiesen, daß nach dem Einspruchs- verfahren in den verschiedenen Bürgermeistereien weniger als 2006 Doppeleintragungen und an­der« Fehler vorgekommen sind, also für das ge­samte Saargebiet einschließlich Saarbrücken-Stadt weniger als 0,5 Prozent. Dieses Ergebnis der be­sonderen Kontrolle neben den Nachprüfungen, die in allen Abstimmungsbezirken stattgefunden haben, berechtige jetzt zu der Feststellung, daß die endgültigen Listen der Stimmberechtigten hohen Anforderungen entsprechen und daß eine Ge­nauigkeit erreicht ist, die über SS Prozent liegt.

pfui Teufel!

Separatistische Hetze während der Feiertage im Saargebiet

Saarbrücken, 26. Dezember Zn den Weihnachtsfelertage» wurden unter Bruch des Burgfriedens im Saar­gebiet im großen Umfang separatistische Hetz- erzeugnisse »erteilt, die in ihrer ganzen Auf­machung den der Deutschen Front angehörenden Zeitungen „Deutsche Front" und „Saardrücker Landeszeitung" nachgemacht waren.

Die Bevölkerung betrachtet die ganze Angele­genheit in erster Linie als kriminellen Fall und im übrigen als ein Zeichen dafür, daß die Sepa­ratisten sich und ihre Presse innerhalb der anstän­dige» Bevölkerungskreise bereits zu stark diskre­ditiert sehen, um noch unter eigener Flagge das Hetzmaterial an den Mann bringe» zu können.

München, 24. Dezember

Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hielt, wie im vergangenen Jahre, auch am dies­jährigen Heiligen Abend eine Weihnachts­ansprache, die insbesondere den auslandsdeutschen Volksgenossen galt.

Er. betonte einleitend, daß es für ihn das schönste Geschenk sei, die Herzen des deutschen Vaterlandes verbinden zu dürfen mit den Herzen all derer, die auf deutscher Erde das deutscheste all unserer Feste feiern können.

Ich möchte glauben, so sagte er, daß es für viele unserer Volksgenossen ebenso die schönste Weihnachtssreude ist, sich in diesem Augenblick mit den Deutschen im Reich, mit der Heimat, ver­bunden zu fühlen. Für uns Deutsche umschließt dieser Heilige Abend Heimat und Gott. So viel Heimat, Friede und Heimatliebe gehört zur deutschen Weihnacht, daß wir alle dieses Fest wahrhaft glücklich nur in der Heimat erleben. Wo^ur Heimat Deutschland fehlt, da ist Wehmut und Sehnsucht nach ihm stärker als Jubel und Festfreude. Wo aber immer auf der Welt Deutsche Weihnacht seiern, da ist Heimat in ihnen; ihres Volkstums Wesen wird ihnen bewußt, und es ist ihr höchstes Glück, als Deutsche deutsche Weih­nachten zu feiern."

Dann gab der Stellvertreter des Führers in großen Zügen den Auslandsdeutschen ein Bild dieser Heimat. In einigen Ziffern umriß er die Erfolge des Winterhilfswerkes, des Autobahnbaues, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der Maßnah­men zur Hebung der Volksgesund­heit und der Geburtenziffer und schilderte die schönen Erfolgs der nationalsoziali­stischen Organisation „Kraftdnrch Freud e".

In einem Gesamtbild übermittelte er den Aus­ländsdeutschen den Eindruck, den die Heimat heute auf sie machen würde. Ich wünsche nur, sagte Rudolf Hetz, daß alle Deutschen draußen das neue Deutschland sehen könnten im Sonntag und Alltag. Im Kleid der Bewegung, die Deutsch­lands Rettung wurde, marschieren die Forma­tionen des Wiederaufbaues im gleichen Schritt des gleichen Willens über die Straßen der Groß-

Verlin, 27. Dezember.

Der Berliner Chefkorrespondent der „Associa­ted Preß", P. Lochner, hatte eine Unterredung mit dem Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, über die er wie folgt berichtet:

Reichswehrminister Generaloberst von Vlom- berg empfing mich in seinem freundlichen Arbeits­zimmer am Tirpitz-Ufer zu einer etwa Inständi­gen freimütigen Unterhaltung.

Auf meine erste Frage über die deutsche Rüstungslage erklärte Reichswehrminister von Blomberg:

„Zu einer solchen Auskunft bin ich natürlich nicht befugt. Eine Antwort auf diese rein politi-

stadt, über die Anger der Dörfer. Bauer und Arbeiter, Student und Handwerker, sie arbeiten, den Spaten in der Hand, im Arbeitsdienst, um deutsches Neuland zu schaffen und als Werkzeuge eines neuen Willens der Erde neue Kräfte abzu­ringen, Kräfte, die wirksam wurden in einem kommenden Geschlecht. In ihren Lagern entwickeln die Mädchen der kommenden Generation sich zu einem neuen Typ der deutschen Frau und Mutter, der einem zarten Gleichen so entfernt ist wie dem mondänen Ideal des Zwischenreiches.

Und wie die Jungen im Arbeitsdienst, die Mädel in ihren Lagern, so wird der Arbeiter, so wird der junge und der alte Bauer von einem neuen Idealismus erfaßt, der sich gründet auf das Bewußtsein der Rechte und Pflichten, die jeder als gleichwertiger Teil des Ganzen für das neue deutsche Volkstum hat.

Was dieses neue Volkstum ist und will und was den Erwachsenen durch Dienst und Schulung ins Bewußtsein gehämmert wirv, das nimmt das junge Volk im Hitler-Reich unbewußt in sich auf als ein selbstverständliches Vermächtnis, das ihm eine Generation hinterläßt, der eine schwere Zeit es gelehrt hat, ein Volk zu sein. Am Widerhall, den der neue Idealismus in den Herzen der Jugend gefunden hat, kann die Welt lernen, daß der Nationalsozialismus nicht schlechthin die po­litische Macht in Deutschland erobert hat, sondern daß der Führer die Herzen gewann. Kein Sieg der Waffen kann so groß sein wie ihn der Führer errang, als er das werdende Deutschland für den Nationalsozialismus erkämpfte.

Rudolf Heß rief den Auslandsdeutschen zu, sie könnten auf ihr Vaterland stolz sein. „Und ich weiß, stolz seid Ihr, denn noch nie ist ein Volk aus so tiefem Sturz in so kurzer Zeit zu dem gemacht worden, was es heute ist."

„Heute wisse es die Welt und maßgebende Politiker anderer Völker hätten es anerkannt, daß es dem Führer allein zn verdanken sei, wen« im letzten Jahr der europäische Friede bewahrt wurde, als er mehrfach schwer bedroht war. Als wirklicher Staatsmann habe sich der Führer auch in seinem Verhalten Frankreich gegenüber ge­zeigt, bei seine« ehrliche« Bemühungen, zur Ent-

sche Frage kann ich Ihnen als Fachminister nicht geben. Das liegt allein in der Hand des Führers und Reichskanzlers."

„Gestatten Sie, Herr Reichsminister, daß ich Ihnen erkläre, wie ich zu dieser Frage kam," ent- gegnete ich. „Es vergeht wohl kaum eine Woche, ohne daß unser Berliner Büro eine Anfrage über die deutsche Rüstungslage aus unserer Zentrale in Nswyork erhält. Ich habe immer zurückge- drahtet, ich sei kein Spion,- ich könne nur über öffentliche bekannte Tatsachen auf militärischem Gebiet berichten. Mein Generaldirektor, Kent Looper, schrieb mir kürzlich, er billige meinen Standpunkt voll und ganz. Er und ich würden

spannung des deutsch-französischen Verhältnisses beizutragen. Unter einem Kanzler des Friedens sei es leicht, eine Rede in die Weihnacht hinein, in die Nacht des Friedens zu halten.

Namens der Heimat dankte Rudolf Heß un­seren auslandsdeutschen Volksgenossen für ihre Opfer und ihre Leistungen, die dem Wohle der Heimat gedient haben. Wir vergessen auch nicht, was jene opferten, die sich frühzeitig zum neuen Deutschland bekannten. Und in tiefstem Mitge­fühl gedenken wir der furchtbaren Leiden, welche die Deutschbewußten in Oesterreich tragen. In der Weihnacht sind unsere Herzen mehr denn je bei ihnen.

Die deutsche Frau und Mutter im Ausland könne versichert sein, daß die Heimat besonders zu schätzen wisse, wie wertvoll ihre Arbeit an ihren Kindern für die große Gemeinschaft aller Deutschen ist.

Durch die Auslandsorganisation der national­sozialistischen Bewegung, die das Bindeglied Deutschlands mit den Deutschen draußen ist, ken­nen wir die Beweise der Liebe und Treue der Auslandsdeutschen zur Heimat und wir kennen auch die Größe der Opfergaben für das Winter- hilfswerk und für andere Werke des nationalen deutschen Sozialismus. Die Heimat sei stolz auf ihre Auslandsdeutschen.

Rudolf Heß schloß seine Ansprache: Wir können dieser Stunde der Gemeinschaft der Deutschen auf der Welt keinen anderen Abschluß geben, als daß wir unsere Gedanken dem Manne zuwenden, den das Schicksal bestimmt hat, Schöpfer eines neuen deutschen Volkes zu sein, eines Volkes der Ehre.

Das Geschenk, das wir Deutschen auf der Welt Adolf Hitler erneut zur Weihnacht bringe», ist: Vertrauen. Wir legen ihm von neuem unser Schicksal in die Hände als Dank und Gelöbnis zugleich. Wir wissen, wenn abermals Weihnacht ist in Deutschland, können wir wiederum stolz, glücklich und dankbar sein, ihn zum Führer zu haben. Ihm werden wir danken, daß die Kin­der eines friedlichen Deutschland auch dann im Frieden singen werden von einer stillen, heilige»

uns natürlich sehr freuen, wenn wir autoritative Antworten erhalten könnten. Darf ich Ihnen "ein paar der an mich gedrahteten Fragen vorlesen?"

Generaloberst von Blomberg nickte mit dem Kopfe. Ich zog wahllos hervor: Jene Nachricht von der angeblichen Fabrikation eines neuen tödlichen Giftgases in Mißburg (Bayern): die Mutmaßung des Sonderausschusses des ameri­kanischen Senats, daß Militärflugzeuge im Ge­heimen von Amerika nach Deutschland geschmug­gelt werden; Lammst Duponts Behauptung, Deutschland fabriziere große Mengen hochexplo­siver Sprengstoffe entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages. (Forts. S. 2)

Die umstrittene Gtaatsreform

Bekanntgabe der Pläne durch Flandin am 12. Januar

Paris, 27. Dezember.

Ministerpräsident Flandin wird in seiner Rede, die er am 12. Januar auf einer Vezirkstagung der demokratischen Allianz zu halten gedenkt, das Arbeitsprogramm des Parlaments für die or­dentliche Session von 1935 behandeln.

An der Spitze dieses Programms steht die stark umstrittene Staatsresorm, die zum Rück­tritt des Kabinetts Doumergue geführt hatte. Mehr als einmal schon hat Flandin eine solche Reform als notwendig bezeichnet. Jedoch glaubt er, sie ohne die Einberufung der Nationalver­sammlung nach Versailles verwirklichen zu kön­nen.

Berlin hatte Weihnachtsfchnee

Nun war der große Tag des Festes der Liebe und der Freude angebrochen und er erfüllte zur freudigen lleberraschung für jung und alt auch die letzte stille Sehnsucht: er brachte den Weihnachtsschnee. Weiße Weihnacht über Berlin! — Noch einmal war die Großstadt zu kurzer aber schwerer Arbeit erwacht. Schwer für die aber tausend Verkäufer und Verkäuferinnen, die noch den letzten Ansturm des Publikums zu bestehen hatten.

Ueberfüllte Bahnen und heimwärtsstrebenden, paketbeladenen Menschen. Glückliche, strahlende Gesichter im Gefühl des Schenkenkönnens. Allmählich verlöschte Geschäft auf Geschäft seine Lichter. Auch der Weihnachtsmarkt im Lust­garten, das große Ereignis dieses Jahres, wechselte innerhalb kurzer Augenblicke sein Fest- bild. Nun hatte er seine Schuldigkeit getan: Hunderttausenden Besuchern Freude, unzähligen kleinen Händlern Verdienst und damit ein frohes Weihnachtsfest gebracht, und wer dann ein« Stunde später durch die gewichtigen Kaufstraßen der Großstadt schritt, der ging plötzlich als ein­samer Wanderer durch eine schlummerhafte märchenhafte Tornröschenwelt. Ueber allem lag die weiße Decke des ersten Weihnachtsschnees.

Max Grube gestorben

Der Wegbereiter deutscher Schauspielkunst Meiningen, 26. Dezember

In der Nacht zum 25. Dezember starb in Mei­ningen der ehemalige Hofschauspieler, Spielleiter und Intendant des Meininger Landestheaters, Geheimer Hofrat Max Grube, im 81. Le­bensjahr.

Mit seinem Tode verliert Meiningen den letzten großen Repräsentanten seines Landestheaters, das unter Herzog Georg II. zum Wegbereiter der deutschen und europäischen Schauspiel, und Jnsze- nierungskunst geworden war. Max Grube gehörte nacheinander an dem Hoftheater Meiningen, dem Hoftheater Detmold, dem Stadtheater Lübeck, den Stadttheatern Bremen und Leipzig sowie dem Hoftheater Dresden. 1886 kehrte er an das Hof­theater Meiningen zurück. 1888 erhielt er ein En, gagement an dem früheren Königlichen, jetzt Staatlichen Schauspielhaus in Berlin, dessen Oberspielleiter er von 1891 bis 1995 war. 1909 kehrte er abermals an das Hoftheater Meiningen zurück und war 1913 bis 1918 künstlerischer Leiter des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Grube war Ehrenmitglied des Meininger Landes­theaters und der Deutschen Vühnengenossenschaft.

Die Beisetzung findet am morgigen Freitag, 28. Dezember, in Meiningen statt.

Nacht.

von Blomberg beantwortet Kragen

Gine Unterredung des Reichswedrministers mit dem amerikanischen Journalisten Lochner

Smtl Sandt

Gorch Fock macht seinen Einjährigen

Im Januar 1916 Ringelte es an meiner Tür. Ich öffn«. Draußen steht Gorch Fock in Feldgrau. „Moin, Emmil Sandt!"

„Hurra! Gorch Fock! — Gott grüß Euch. Also herein!"

Kaum hatte er Platz genommen, die Mütze in eine Ecke gefeuert und das Koppel abgeschnallt, da dreht er seine Daumen umeinander, „Emmil Tandt, Sie müssen mir helfen!"

,-Los!" sage ich.

„Also-direkt vom Balkan. Aber ich will

doch auf die Kähne! Ich! Ich muß doch auf die Kähne! Was soll ich da unten auf dem Bai- kan. Was hat ein Mensch wie ich überhaupt an Land zu suchen! Ran und rauf auf die Kähne!

- Und man will doch auch sonst vorwärts.-

Aber da bin ich nicht „geduldet" genug," schloß ft mit seinem lustigen, listigen Lachen, wobei er die Augen halb zusammenkniff.

„Wieso-gebildet?" . „

„Tja-ich will nu meinen „Einjährigen

Machen."

„Einjährigen? — Wie alt sind Sie denn?" „Min Mudder meent, tzüßundörtig."

„Ja, wer verlangt denn den Unsinn von Ihnen?"

,Wi lewt in Dütschland- Dor mutt allens af- stempelt sin, hett Bismarck seggt. Dor lew he noch."

.Aber es gibt doch den Künstlerparagraphen !" Er fegte mil der Hand durch die Lust. „Heob wi afschafft. Ward woll nu ook Muniischon von mokt."

»Das ist doch unerhört. Und lächerlich ist es auch. Von Ihnen just Ihnen, den Nachweis der Tinjiihrigenbildvng zu verlange»."

„För wat is wat, Emmil Sandt. Ick will jo höher rupp! An Tirpitz hett min Hauptmann all sieben un an Prinz Heinrich. Ich muß doch weg vom Balkan. Ich muß auf die Kähne. Komm ich im auch. Is all in d« Reeg. Aber Duldung! — BLldung! — Relligi—on... will'ck »ich seggen. Tor will'ck se woll wat verteiln, lln Geschichte? Von Korln dem Großen bis Pipin den Kleinen — all'ns in de Reeg. Un Deutsch? Ha! — Freilich Ooorthv—graphie — aber dat ännern se jo sülm alle Vierteljahr; man »ich bange. — Denn kommt dor abers...", er zog die Augen­brauen hoch, „Schsmie und Physik"! Er lehnte sich zurück. „Da wissen Sie ja so'n biischen. Her damit! So'n Ahnung hab ich natürlich auch. Süh..." sein Finger tippte an drei verschiedenen Stellen an die Wand über dem Sofa. „Wenn dor dvee Hohns siind, fin indreiht, un achter den ersten is Sirop, un ick dreih em upp, so kommt dor Sirop rut, nich?"

„Schtimmt!" sagte ich.

,Un wenn achter de annern Köhm is un ick dreih em upp, denn so kommt dor Köhm rut, nich?"

„Zweifellos!"

„Un bi den drillten, wenn dor Schiet achter is, denn so kommt..."

„Nicht ausgeschlossen", lachte ich, ihn unter­brechend. „Wieviel Zeit haben wir denn über­haupt? — Wann ist denn dieses Examen?"

„Moin früh! — Klock neegen."

Ich riß die Augen auf. „Morgen früh? — Neun Uhr?"

Tjaah — Könnt uns nich lang uppholln. Hett all'ns Jl!"

Ich entschloß mich schnell. „Schön, — dann vor allen Dingen wird gar nichts mehr gelernt. Gar nichts! In den 24 Stunden werden Sie nur dösig davon. Da kann morgen nur Geistes­gegenwart helfen!"

„Gegenwart des Geistes?" — unterbrach er mich. „Emmil Sandt, hab' ich." Er sagte das Mit großen Augen und sehr bedeutsam. „Wie jenner ohl Großvadder! Klein Heini fragt: „Eroßvadder, wie ßreibt man Sohße?" „De Ohl het sin Lewdag ni Sohße ßreben; weil he überhaupt ni schriewen kunn un hett jümmers Tunke seggt. Aber: Gegen­wart des Geistes! — „Tja", seggt'he, „das wird ganz verhieben geßrieben. Wenn das Zippelsohße is, sodenn wird das mit einem „Z" geßrieben; un wenn das Senfsohße is, denn wird das mit einem „S" geßrieben. Wenn das aber natürlich Meerrettigsohße is, denn wird es nur mit einem „M" geßrieben." Man jo nich blameern; — Tja

-aber so'n bißchen möcht' ich doch noch hören.

Womit können sie einen denn da quälen?"

„Ach, da gibt es Spezifisches Gewicht — und Hebelgesetze und —"

„Hebbel?" Er lachte. „Gegenwart des Geistes, Emmil Sandt. Auf das drütte Ohr bün'ck man 'n büßchen ßweerhörig. Hebbel? Ist geborn am 18. März 1813 zu Wesselburn; war der größte Dramatiker seines Jahrhunderts. Und denn ver­teil ick von Judith und Eyges un von Maria Magdalena un Elise Lensing — bis ran an die Christine und-"

„Der Mann wird Sie sofort unterbrechen" schob ich sanft ein.

„Unterbrechen? — Mich? — Ick hebb doch den Hohn updreiht. Dor mutt he mi den Dumen int Mul steeken. Wissen Sie, wi« bei Kaufmann Kurzen. Bei Reutern. In de Stromtid. Daß die Sirupstonne nich ausläuft. Abeer das tut er nicht."

„Wieso? — Weshalb soll er Sie nicht unter­brechen?"

„Na, — er is doch geduldet!"

Wir überlegen. — Zuletzt sage ich: „Steigen Sie getrost in das Theater. Das ist auch von den Herren aus nur eine Formsache. Wieviele sind Sie denn?"

„In dütt Gefecht bünn'ck alleen ansett!"

„Um so besser. Nun lassen Sie uns von was Vernünftigem ßnacken!" Wir unterhielten uns noch wundervolle anderthalb Stunden. Er sicherte mir freudig zu, gleich nach der Prüfung wieder zu mir zu kommen.

Genau zur selben Zeit am nächsten Tage saß er wieder bei mir. Preis und Lob flössen aus seinem Munde und heißes Staunen lag in seinen Augen. Nicht über sich und das Gelingen, nein, über die Menschen, die einen Spruch gefällt hatten. Er war ihnen freilich nichts schuldig geblieben; aber das war nur daher gekommen, weil es Männer gewesen waren, die ihn nur da gesucht hatten, wo er zu finden sein mußte. Männer, die die wußtenchaß er ein tiefer Denker war, den das Studium der Geschichte der Menschheit reif ge­macht und aufgeschlossen hatte für alle Bildung; und die keine Nebensache für wichtig genug ge­halten hatten, um das Hauptbild zu stören.

„Tja", sagte er, „da hieß es: ,Herr Kandidat, gehen Sie auf einige Minuten hinaus. Wir werden uns beraten.' — Ich war ganz ruhig. Emil Saüdt, wonach man sich immer sehnt, nach der Güte im Menschengesicht, hier war es. Wir werden doch alle mal nackt und bloß einen Richter­spruch erwarten. Und wenn einer nun gar nur Mensch ist, der richten soll! Die Güte im Gesicht!" Er atmete tief. „Ich habe manchmal eine Viertel­stunde hintereinander geredet. Und sie haben pnnend mit den Köpfen genickt. Ich war keine fünf Minuten draußen, da ließen sie mich holen Und reichten mir die Hände. Ich hätte bestanden, und das Zeugnis würde mir in acht bis vierzehn Tagen zugeschickt." Er lachte plötzlich. „Damit war ich aber nicht einverstanden. Mein Urlaub

wäre abgelaufen, ich möchte doch gern-. Sie

sahen einander an. Die Güte!-Nach einer

Viertelstunde hatte ich mein seingeschriebenes Zeugnis!" Gorch Fock, der wahrlich nie für Zärt­lichkeiten war, legte mir die Arme um den Hals „Und jetzt bin ich gebiildet! Und nun gehts — rauf auf die Kähne! — Immer höjer rupp!"

Dann gabs noch einen mannhaften Druck von Hand zu Hand und ein Tauchen Auge in Auge. — Ich habe ihn nicht wieder gesehen. Seine letzte Karte kam aus Flandern. Er schrieb, er sehne sich nach meiner faustischen Klause; aber erst — „rauf auf die Kähne!-"

Der Kahn war die „Wiesbaden".

Es sind die großen Schwingungen des Alls. Er hockte im Mastkorb und sank in die Wellen. Und stieg zu den Sternen . . .

Uraufführung eines Werkes des Bremers Therstsppen tu Riet

In einem Konzert des oollsgiura musioum der Universität Kiel, das ausschließlich der neuen deutschen Musik gewidmet war, wurde die „Kam­mersonate für Oboe und Klavier in II-Moll, Werk 17", geschrieben 1933 von dem bremischen Komponisten Hans-Joachim Therstappen, urauf­geführt. Die Kieler Presse sagt unter anderem über diese Uraufführung, daß Therstappens So­nate das schönste Erlebnis des Abends sei, an dem übrigens Werke von dem immerhin schon be­kannteren Heinrich Kaminski sowie von Distler, Pepping und David gespielt wurden. „Diese So­nate", so-heißt es in den Kritiken, „ist musikan- tisch und voller zwangsloser Einfälle. Starke Musizierfreude pulst durch das Werk". Und an anderer Stelle: „Die Oboensonate ist zweifellos eine sehr wertvolle Bereicherung der Kammcr- musikliteratur. Mit der großartigen Gestaltung durch den Solisten und den Komponisten am Flügel war der Höhepunkt des Abends erreicht."