Ausgabe 
(21.12.1934) Nr. 352
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NS^saiweriag^veser-Em^E. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Eeeren 6-8 / Fernruf: Roland 625.

Nr. 322 / 4. Vierteljahr

Freitag, 21. Dezember

Anzeigen - Grundpreise: Die S2>nun.Zeile im Anzeigenteil 13 Rps.. die 70 .mn>.Zeile im Textteil 7b Rps- Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.» sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste l. (Nachlaßstastel 0.» Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschlutz 16 Uhr. Sprechzeit des Verlages werkt äglich von 12—13 Uhr, der Schristleitung werktäglich von 16—17 Uhr.

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Die Heldentat deutscher Seeleute

Funkentelephonlsches Gespräch des Reichsfenbers Hamburg mit der „New Bork" - Offizier Wiesen schildert die Rettung

Hamburg, 20. Dezember.

Die Zeitfunkabteilung des Reichssenders Ham­burg hat sich auf Welle 45 über Norddeichradio mit dem auf hoher See befindlichen Hapag- dampfer „New York" telephonisch in Verbindung gesetzt, um von der Schiffsleitung und dem Füh­rer des Rettungsbootes, dem zweiten und jetzt bereits zum ersten beförderten Offizier Wiesen, Näheres über die Rettung der Schiffbrüchigen des norwegischen Dampfers „Sisto" zu erfahren. Das Gespräch wurde auf Platten geschnitten und anschließend sofort auf die deutschen Reichssender und den Osloer Sender übertragen.

Veim Anruf des Schiffes meldete sich zunächst der zweite Funkoffizier Ast, der mitteilte, daß auf dem Atlantik (das Schiff befand sich etwa 180V Kilometer von Hamburg entfernt) noch immer starker Sturm herrsche. Weiter berichtete er kurz über den Empfang der SOS- Rufe des norwegischen Dampfers.

Darauf ließ er Kommodore Kruse an den Apparat rufen, der anschließend kurz die Rettungstat schilderte und erwähnte, daß außer der „New York" noch die „Europa" und der deutsche Dampfer „Eerolstein" sowie der englische Dampfer „Auronia" an dem Rettungswsrk beteiligt waren. Die Aussetzung des Rettungsbootes sei bei der groben See und dem schweren Wetter besonders schwierig gewesen. Die „Auronia" habe dadurch gute Hilfe geleistet, daß sie Oel auf das Wasser gegossen und dadurch die See etwas beruhigt

habe. Die „Europa" habe das Wrack des Dampfers „Sisto" mit ihren Scheinwerfern beleuchtet und dadurch die Bootsbesatzung in ihrem Rettungswerk wirksam unterstützt. Kommodore Kruse erwähnte abschließend, daß dies wohl die schwierigste Rettungstat gewesen sei, die er während seiner seemännischen Laufbahn erlebt habe.

Sodann erzählte der Führer des Rettungsboo­tes, der inzwischen zum ersten Offizier beförderte Alfred Wiesen, wie die Rettungstat entgegen allen Schwierigkeiten mit Erfolg durchgeführt werden konnte. Das mit 11 Mann besetzte Ret­tungsboot sei sehr schwer von der „New York" freigekommen und es habe der Anstrengung der ganzen Bootsbesatzung bedurft, um nach dem Wrack hiniiberzugelangen. Ein Anlegen an den Schiffsrumps der „Sisto" sei wegen des hohen Seeganges unmöglich gewesen. Man habe daher von dem Wrack zwei Leinen ins Rettungsboot ge­worfen. An einer dieser Leinen sei das Rettungs­boot befestigt worden, und mit der anderen habe man die Schiffbrüchigen einzeln ins Boot geholt. Dabei hätten die schon sehr ermatteten Vesatzungs- mitglieder teilweise zehn bis

4V Meter durch das Wasser schwimmen

müssen. Die Rettungstat selbst habe 21L Stunden gedauert, während dieser Zeit habe die Be­satzung des Rettungsbootes unermüdlich ange­strengt arbeiten müssen, um in der Nähe des Wracks zu bleiben und um zu verhüten, daß das

Boot nicht an den Wänden des Wracks zerschellte. Die Bergung der Schiffbrüchigen aus dem Ret­tungsboot und die Beförderung an Bord der New York gestaltete sich wiederum äußerst schwie­rig, da viele der Besatzungsmitglieder der „Sisto" so erschöpft waren, daß sie mit Leinen an Bord geholt werden mutzten.

Zum Schluß der Uebertragung sprach der Ka­pitän des norwegischen Dampfers „Sisto" einige Dankesworte in seiner Muttersprache. Die Ver­ständigung zwischen dem Reichssender Hamburg und dem Dampfer „New York" war sehr gut.

Berlin, 20. Dezember.

Aus Anlaß der heldenhaften Rettungstat der „New-York"-Besatzung hat der Reichs- und preu­ßische Minister des Innern Dr. Frick an das Ham­burgische Staatsamt folgendes Telegramm ge­richtet :

„Anläßlich heldenhafter Rettungstat der Be­satzung „New York" ersuche unverzüglich Ein- reichung von Vorschlägen zur Beantragung der Rettungsmedaille."

Der Reichsverkehrsminister hat an die Hapag folgendes Telegramm gerichtet:

„Für die glänzende seemännische Leistung ihres Dampfers „New York" bei der Rettung der Sisto- Besatzung spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus und Litte, dem Kapitän und der Besatzung meinen Dank und meine Anerkennung für ihre heldische Tat zu übermitteln."

Im Dienste des Friedens

Französische Frontkämpfer beim ReichskriegsopferMrer OberlinSober

Berlin, 20. Dezember

Die Besprechungen zwischen deutschen und fran­zösischen Frontkämpfern, die mit einer Unter­haltung des Präsidenten der Union Föderale der Frontkämpfer, Pichot, mit dem Reichskriegs­opferführer Oberlindober. am 2. August 1034 in Baden-Baden ihren Anfang genommen haben, wurden Donnerstag in Berlin fortgesetzt. In den Besprechungen kam der Wille zum Aus­druck, den die Frontkämpfer beider Länder haben, dem Frieden und damit ihren Völkern zu dienen. Herr Pichot, der zusammen mit dem General­sekretär der Union Föderale der Frontkämpfer, Randoux, in Berlin war, hat die Gelegenheit gehabt, sowohl den Führer wie den Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, zu sehen, die sich mit ihnen so freimütig unterhalten haben, wie Front­kämpfer untereinander zu sprechen gewohnt sind.

Die Besprechungen zwischen Herrn Pichot und dem Reichskriegsopferführer sollen, wie zum Aus­druck kam, keinerlei Probleme der großen Politik behandeln, sondern lediglich dem Willen Ausdruck verleihen, der in jenen lebendig ist, die im Kriege ihre Pflicht getan haben, nämlich dem Willen,

einen ehrenvollen Frieden und eine ebenso ehrenvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden großen Kultur- und Soldaten­nationen anzubahnen.

Die Gespräche zwischen den französischen und den deutschen Frontsoldaten werde» ihren Fortgang nehmen. Sie werden zwischen allen deutschen Frontkämpfern und allen französischen Verbänden in der nächsten Zeit fortgeführt, ohne daß des­halb in den Kreisen der Frontkämpfer die Absicht besteht, den offiziellen Vertretungen beider Länder in ihren Aufgaben vorzugreifen. Es treffen sich hier nicht die Träger großer Namen aus dem Kriege, sondern in allererster Linie die Soldaten aus den vordersten Gräben des Weltkrieges, die Träger einer aktiven Politik waren, ohne sich im Kriege besten bewußt zu sein.

Der Besuch am 2. August in Baden-Baden und der Besuch von zwei anderen Frontkämpfern, Jean Eoy und Robert Mennier, am 2. Novem­ber in Berlin sowie der heutige Besuch zeigen ebenso wie die bisher stattgefundenen Be­

sprechungen den Willen, daß die Frontkämpfer beider Länder zum Segen ihrer Völker bereit sind, weiter an der Annäherung beider Völker zu arbeiten.

Ztalienei- in Saarbrücken

Saarbrücken, 20. Dezember.

Die ersten italienischen Soldaten sind im Saar­gebiet eingetroffen. Es handelt sich jedoch heute nur um kleinere Kontingente, die Vorhut der in den nächsten Tagen erwarteten geschlossenen Truppenteile. Morgen wird der erste größere Truppenteil des ersten Erenadierbataillons un­ter Führung des Majors Ruggiero in Saar­brücken eintreffen. Am Sonnabend folgen zur gleichen Stunde die Karabinieri unter Oberst Reano. Sie führen eine größere Anzahl Pan­zerwagen mit. Sonntag werden die übrigen Grenadiere unter Major Silvestri hier er­wartet.

Paula Wessely

Bildnis einer berühmten Schauspielerin / Don Larl Heinrich Rückert

Soll es überhaupt Aufgabe der schreibenden Feder sein, schauspielerische Schöpfungen zu schil­dern, von Gesichtern zu berichten, von Liebe und Leid, die darin leben, von ^Sehnsüchtigen und Er- siillungen, die sie dem Beschauer erwecken?

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze... Die alte Klage über die Flüchtigkeit des Schau- spielerwerkes gilt heute noch trotz Filmstreifen und photographiertem Ton. Wir wollen Filme, die uns vor wenigen Jahren erschütterten, heute nicht mehr sehen, wir könnten sie nicht mehr sehen ohne ein spöttisches Lachen. Die Gesten und Mienen waren für damals geschaffen, wir fühlen anders, sehen anders seitdem, und hätten uns die Jahre auch nur um ein Weniges verändert, auf dieses Wenige spricht sofort die Darstellung des Schauspielers an. Seine Kunst ist dem wech­selnden Leben inniger verhaftet als jede andere, und sie ist darum leichter als die andern dem Tode verfallen... So mag es zuweilen eine Pflicht der Dankbarkeit werden, nieder zu schreiben, wie eines Mimen Kunst erblühte.

, Wir sehen den Salon einer alten Wiener Für­stin, die Küche eines ungarischen Eutshofes, Nach­mittagsschlaf einer grauhaarigen Exzellenz — Hauswirtschaftsarbeit, Kartoffelschäler: ... Und in der Ecke sitzt ein Mädel, sitzt ganz im Hinter­grund, nicht auffallend, nicht glänzend aufgemacht, ja nicht einmal schön im herkömmlichen Sinne. Die kleine Wiener Gesellschafterin liest getreulich ihre Zeitung vor, die Prinzessin in der Gutsküche läßt sich zwischen Schüsseln und Pfannen dre Karten legen . . . Kommt er, oder kommt er nicht? - Wir wissen schon, daß sich über dem friedlichen Winkel drohende Gewitterwolken zu­

sammenballen. Ein schweres Schicksal ist diesem Menschenkind bestimmt, im Mittelpunkt der Ge­schehnisse wird das Mädchen gleich stehen-

und sitzt da so klein, so staunend und unscheinbar? Vorleserinnen in fürstlichen Boudoirs, Kinder­fräulein, die soldatenspielend durch die Zimmer eilen — gibt es das nicht alle Tage? —

Aber plötzlich fahren die Mägde auf, und die Türen knallen . . . Wie ein Kobold, wie ein Wirbelwind fegt die Prinzessin über die Gänge. „Steck's ein, deine Karten, er kommt!" Und her­aus mit dem Staatsgewand — alle Spannung eines Menschenherzens in eine Minute zusammen­gedrängt — und zitternde Erwartung in jeder Handbewegung . .

Und die kleine Vorleserin, Fräulein Dur, kommt von ihrem ersten Rendezvous nach Hause, ganz be­nommen von Glück und Seligkeit, summt in der Haustür noch die verlockende Melodie dieses Abends, um mit einem nachsichtigen Lächeln über sich selbst aus dem Rausch zu erwachen und ur­plötzlich einen schläfrigen alten Diener mit ihrem Glück zu überfallen. Sie mutz zu jemand darüber sprechen, nein, sie braucht den gutmütigen alten Trottel schon gar nicht mehr, sie steht im Selbst­gespräch vor seinem blinden Spiegel: Sie, das be­scheidene Fräulein Dur, sollte der berühmte Maler lieben . . . „Warum gerade mich?" — — „Und warum nicht mich!?" — Jetzt schreitet sie nüchtern auf der harten Erde, und schon hat sie die Welle des Glückes wieder hoch emporgetragen — Selbst- vergessenheit und gebändigtes Verhalten in einer Minute . . . Noch nie sahen wir im Film so viel jubelndes und streng gezügeltes Leben in einer einzigen kurzen Szene. Und das gibt es nicht alle Tage, das ist Paula Wessely.

Einen ganzen Abend hat das Wiener Mädel mit dem Maler im Festsaal und im kleinen Tanz- lokal zugebracht, still und zurückhaltend bei seinem dringlichen Werben . . . Und die Prin­zessin Marie-Louise, die eben noch so ungeduldig ihre Zofen antrieb, tritt dem Jugendgeliebten gemessen entgegen. Nun, Grüß Gott — willst du mir nicht die Hand geben? Man steht doch nicht da und schaut — man ist doch soviel Herr über sich selbst vor den Leuten . . . Jetzt wissen wir es, daß diese Verhaltenheit gebändigte Kraft ist, nicht innere Leere. Jetzt hören wir den leisen Unter­ton der übermenschlichen Spannung heraus. — Wie wohltuend, zu wissen, daß äußere Ruhe Stärke sein kann, daß sich ein heißer Pulsschlag nicht in Toben und Kreischen zu äußern braucht! Und Liebe nicht in kokettem Augenverdrehen! Wie viele Küsse haben wir im Film schon ge­sehen, — noch keinen, in dem so das ganze Sich- verschcnken eines Menschenherzens lag. Wer schen­ken will, der muß erst selbst besitzen, und dieses kurze Selbstvergessen quillt aus einem unermeß­lichen Reichtum des Fllhlens . . Wie viele Liebeslieder haben wir aus der Bühne und im Tonfilm gehört, sentimentale, kecke, stürmische

und tränenreiche-noch keines, das mit so

wenigen versonnen gesummten Takten so viel Erflllltsein ahnen ließ.

Oesterreichische Frauen sind die beiden Ge­stalten, das Fräulein Dur und die Prinzessin Marie-Louise, und echt süddeutsch, oberdeutsch stellt uns Paula Wessely diese Menschen dar. Die Wärme, die zitternde Erregung hinter der gebän­digten, gemessenen Miene — es ist eine ganz an­dere Herbheit als die kühle, jungenhafte, wie sie uns etwa Marianne Hoppe in ihren Friesen- und Niedersachsentypen zeigt . . Zwei so verschiedene Gesichter, und ist es nicht doch e>,s nämliche deutsche Gefühl, auf das sie wirken? ' Man stelle sich da­neben eine italienische Opernsängerin vor, mit großen Gesten und überschwenglichem Pathos! — Braucht man noch Abhandlungen und historische

Loltrsi bringt äsm bubror oin gtuväoben. ilw 2vottsu Tags äsr Lamwslalrtion äsr Lolirst kür äas IViutsrbilksnwrk sang sivs'lüuncksrtsobakt äsr Imnässpoliewigrupps „Oansräl Oöring" vor äsr Iksiobslran^lst blarsobllsäsr. — Der l?übrsr bliebt 2um mittleren Fenster berans.

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Vor zehn Jahren: Landsberg

Der Führer wird feinem Volke wiedergegeben

Vor zehn Jahren, um die Mittagsstunde des 20, Dezember 1924, wurde Adolf Hitler nach 13monatiger Festungshaft aus Landsberg entlassen, nachdem ihm die damalige Systemregierung in Bayern nach langem Hin und Her die vom Gericht an­gekündigte Bewährungsfrist endlich doch zu­gestanden hatte.

Zehn Jahre sind für gewöhnlich eine Zeitspanne, in der ein Erlebnis die Bedeutung eines anderen überholt. Sitzt man jedoch jenen Männern ge­genüber, die mit dem heutigen Führer und Reichs­kanzler zusammen die langen Monate der durch ein sogenanntes bayerisches „Volksgericht" über sie verhängten Festungshaft hinter den Mauern der Strafanstalt Landsberg verbrachten, hat man bald die Gewißheit, daß es dennoch Geschehnisse im Leben gibt, deren Bedeutung durch kein noch so großes, späteres Erlebnis abgeschwächt werden können.

Ein solches Erlebnis ist für die Mitgefangenen Adolf Hitlers die Zeit in Landsberg. Monate­lang waren sie in engster persönlicher Fühlung­nahme mit dem Mann, der im Herbst 1914 als unbekannter Soldat hinauszog, um sein Volk ge­gen eine Welt von Feinden mitzuverteidigen und heute kraft seiner überragenden Persönlichkeit Führer eines zu sich selbst zurückgefundenen 65- Millionenvolkes ist.

Man könnte diese alten Kämpfer eigentlich trotz ihrer damaligen großen seelischen und materiellen Not um ihre Leidenszeit hinter den düsteren Festungsmauern beneiden, denn eine bessere Schulung im Geiste des Nationalsozialis­mus, als sie ihnen jene Monate boten, konnten sie nie erhalten. Bis zu den Salven, unter denen 16 freiheitsbegeisterte Kameraden an der Feld­herrnhalle zu München verbluteten, waren die Deutschen um Adolf Hitler nur Kämpfer im ureigensten Sinne des Wortes. Um Apostel des nationalsozialistischen Geistes

zu werden, hatten sie damals noch keine Zeit, auch noch nicht das notwendige Rüstzeug.

Die Monate in Landsberg dagegen gaben ihnen Gelegenheit unter der persönlichen Füh­rung Adolf Hitlers tief in den Geist der von ihm verkündeten neuen Weltanschauung einzudringen. Welcher Gedankenreichtum, welche Wahrheiten gingen ihnen in den Gesprächen mit ihrem Führer auf, wenn sie im gemeinschaftlichen Tagesaufent­haltsraum zusammensatzen und Adolf Hitler ihnen in seiner zwingenden Logik und fesselnden Sprache den tiefen ethischen Kern des Nationalsozialis­mus aufzeigte. — Noch heute geht ein seltsame^ Leuchten über ihre Eesichtszüge, wenn man'-im Laufe einer Unterhaltung, das Stichwort „Lands- berg" gibt, und man kann durchaus nichts weh­mütiges darin erkennen. Im Gegenteil: Es ist ein freudiges Erinnern an jene Stunden, die ihnen das geistige Rüstzeug gaben für ihren spä­teren zähen und siegreichen Kampf um die Seele des deutschen Menschen. Für sie war Landsberg kein Verlust, sondern ein Gewinn.

Aber auch das deutsche Volk muß jenen Mona­ten dankbar sein, gaben sie doch Adolf Hitler die Zeit und Gelegenheit, das Buch der Deutschen „Mein Kampf" zu beginnen. Hinter den Festungsmauern, in der Zelle Nr. 7, schrieb der Führer die Anfangskapitel seines Werkes. Und dennoch, welche Seelenqual muß Adolf Hitler, der Mann der Tat, ausgestanden haben, als sich Ende November 1923 die schweren Tore der Festung Landsberg hinter ihm schlössen. Ein Mensch von geringerer innerer Größe wäre am Schicksal verzweifelt, der Führer aber dachte keinen Augenblick daran, seinen Kampf um die Wiedergeburt des Deutschen Reiches aufzugeben. Jede Minute der langen, langen Zeit nutzte er, um seinem Volk zu helfen. — Sein Geist und seine Unbeugsamkeit vor einer harten Gegenwart wirkte ebenso belebend und aufmunternd aus seine vier Mitgefangenen, Rudolf Heß, Oberstleutnant Kriebel, den heutigen Mün­chener Stadtrat Maurice und Dr. Weber, die mit ihm den gemeinschaftlichen Aufenthalts-

Vergleiche, um zu wissen, wie sehr „österreichi­scher" und deutscher Mensch ein gleiches sind?

Marie-Louise muß sich bereiten, dem Korsen angetraut zu werden, und sie sieht den Jugend­geliebten noch einmal, der sie eine Weile ver­gessen, der selbst für Napoleon Propaganda ge­macht hatte. Er kommt gerade zurecht, wie sie vom Diktator einen Brief erhielt, diesen Brief soll er lesen. Ja . , . wirklich . . . „Lies nur! Hast ihm ja damals so das Wort g'redt . . ." Ohne Bitter­keit ermuntert sie ihn, überlegen, wie eine Mutter

ihr großes Kind, und sie läßt ihn die Liebesworte aussprechen, die sie von ihm so gerne hören will, die aber ein Fremder, ihr Aufgezwungener, ge­schrieben hat . . . Das Schicksal ist nicht mehr ab­zuändern. Aber sie ist ihm überlegen, sie hilft selber lächelnd nach, daß es sich abrunde und vollende. Sie ist bezwungen, aber ihr hat das Schicksal die Schlußpointe zu verdanken . . . Un- erschüttert vollenden, was uns vorgezeichnet ist, und lächelnd auch den bitteren Lebenstrank leeren bis zur Neige — kann die Weltenlenkung mehr von ihrem Geschöpfe fordern?

Emil Pirchan:

Uomödianten-LLuriosa

Ohne Text: .

Der große englische Schauspieler Earrick soll das Abc so deklamiert haben, daß die Zuhörer aus Rührung weinten. Und der Komponist I. Philipp Rameau hat beteuert: „Gebt mir eine holländische Zeitung, ich setze st« in Musik." Auch heute sagt man von einem Sänger, der durch seine schlechte Artikulation nicht zu verstehen ist: er singt das Adreßbuch.

Künstlerstolz

Die Sängerin Eabrieli forderte von der Kai­serin Katharina von Rußland siebentausend Rubel Gehalt, freie Wohnung und Equipage. „So viel haben nicht einmal meine Feldherren", meinte die Kaiserin. „So lassen Sie einen dieser Generale doch singen", entgegnete stolz die Künst­lerin.

Den „Gegenspieler" Napoleons, Talma, fragte man, ob er nicht Lampenfieber habe, wenn er vor einem Parterre von Königin spiele. „Hum- bug", versetzte er, „die Bühne ist mein Reich, und in diesem bin ich ein König."

„Wenn der König in der Loge sitzt", antwortet Kainz, als man ihn das gleiche fragte, „so bin ich nicht bei ihm, er ist bei mir zu Gast."

Komödie

Ludwig XIV: „Darf ein Christ in die Ko­mödie gehen?" Prälat Vossuet: „Es gibt starke Gründe dagegen — und große Beispiele dafür."

Lessings Antwort auf die Frage: „Darf ein Pfarrer Komödien schreiben?" lautete: „Warum nicht, wenn er kann!"

„Ein Komödiant könnt einen Pfarrer lehren" sogt zu diesem Thema Wagner in „Faust".

Eiserne Berufe

Alexander Girardi, der populärste Wiener Ko­miker, war in seiner Jugend Schlosserlehrling, daher zitierte er: „Jeder ist seines Glückes — Schlosser."

Auch der Sänger Leo Slezak erlernte das eiserne Handwerk, darum schmiedete er in „Siegfried" das Schwert Rötung so vollkommen richtig, daß die Kritik schreiben konnte: „Einen so echt und recht schmiedernden Siegfried sah die Opernbllhne noch nicht."