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Nr. 351 / 4. Vierteljahr
Donnerstag, 20 . Dezember
Einzelpreis 15 Rpf.
Wir sind eine Gemeinschaft
Was das Winterhilsswerk erbrachte / Ziffern,
Jestitsch beauftragt
Vor der Neubildung der südslawischen Regierung
Belgrad, 19. Dezember.
Der Prinzregent hat den bisherigen Außenminister Jestitsch mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Jestitsch erklärte sich bereit, die ihm anvertraute Aufgabe durchzuführen. Er begab sich sogleich ins Auhenministerium und »erhandelte dort mit dem ehemaligen slowenischen Parteiführer Koroschetz und dem ehemaligen radikalen Minister Mile titsch.
Wie verlautet, gewährte der Prinzregent dem Außenminister bei der Neubildung des Kabinetts sreie Hand. Jestitsch hat die Absicht, eine sogenannte Konzentrationsregierung zu bilden; er ist daher bestrebt, seine Verhandlungen sowohl auf die parlamentarische als auch auf die außerparlamentarische Opposition zu erstrecken. Die Heranziehung von Kräften, die außerhalb des Parlamentes stehen, ist für ihn um so natürlicher, als er selbst weder der Skupschtina noch dem Senat angehört. Er kam seinerzeit als Vertrauensmann des Königs Alexander in die Regierung und scheint seine Vertrauensratsstellung auch gegenüber dem Regentschaftsrat beibehalten zu haben. Außerdem ist Jestitsch mit dem Kriegsminister, General Zivkowitsch, verwandt. Seine Aussichten bei der Neubildung der Regierung werden daher günstig beurteilt.
Dr. Frank Neichsminister
Berlin, 19. Dezember.
Der Führer und Reichskanzler hat den bayrischen Staatsminister der Justiz, Dr. Hans Frank, zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt. ..Aus diesem Anlaß hat der Führer und Reichskanzler folgendes Schreiben an Dr. Frank gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Minister! Nachdem die Justizministerien des Reiches und Preußens vereinigt sind und in den übrigen Ländern das Reich durch das Gesetz vom 5. Dezember 1984 die un- mittelbare Leitung der Justizverwaltung übernommen hat, ist die Aufgabe, die Justiz in den Ländern gleichzuschalten, gelöst. Für die Mitarbeit bei der Erneuerung der Rechtsordnung haben Sie sich in der Akademie des deutschen Rechts eine vorbildliche, dauernde Einrichtung geschaffen, die Sie in den Stand setzt, ohne Beschränkung auf die Justiz in engerem Sinne bei der Durchsetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung auf allen Erbieten der Neugestaltung des Rechtes mitzuwirken. Indem ich Ihnen für Ihre unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit als Reichskommissar für die Gleichschaltung der Justiz in den Ländern und für die Erneuerung der Rechtsordnung meinen wärmsten Dank und meine besondere Anerkennung ausspreche, erkläre ich hiermit den Auftrag für beendet, den Ihnen der verewigte Herr Reichspräsident von Hindenburg am 22. April 1933 erteilt hat. Gleichzeitig berufe ich Sie als Reichsminister ohne Geschäftsbereich in die Reichsregierung.
Mit deutschem Gruß
gez.: Adolf Hitler."
Im großen Memelprozeß wurde auch am Mittwoch die Verlesung der Anklageschrift fortgesetzt. Wahrscheinlich wird sie am Donnerstag abgeschlossen werden können.
Berlin, 19. Dezember.
Die gewaltigen Anstrengungen des deutschen Volkes, den arbeitslosen und bedürftigen Volksgenossen auch in diesem Jahre über die harte Wintersnot hinwegzuhelfen, wurden von allergrößtem Erfolg gekrönt. Im deutschen Winter- hilfswerk 1834 hat sich die Forderung Adolf Hitlers, sich im Kampfe gegen Hunger und Kälte nicht auf Almosenspcnden zu beschränken, sondern tatsächlich zu opfern, im idealen Sinne erfüllt. Innerhalb von zwei Monaten wurden an Bar- spenden sür das Winterhilsswerk fast 59 Millionen NM. aufgebracht. An den Sammlungen beteiligten sich alle guten Deutschen in geschlossener Einmütigkeit, nicht Kusgenommen die Seefahrer auf fernen Meeren und die Volksgenossen der deutschen Kolonien in China, Indien, Marokko, Mexiko, Afrika, Amerika und der Sowjetunion. Den Geldspenden sür das Winterhilsswerk stehen die Werte der Sachspenden nicht nach, die, soweit sie überhaupt zahlenmäßig erfaßt werden können, auf 43 Millionen RM. bezissert werden.
Im Reich kamen allein für 30 Millionen Reichsmark an Lebensmitteln und für 10 Millionen Reichsmark an Kleidungsstücken den hilfsbedürftigen Volksgenossen zugute. Insbesondere von der Landbevölkerung wurden 5'/- Millionen Zentner
Paris, 19. Dezember.
Der Senat schloß sich der außenpolitischen Erklärung Lavals mit einer Entschließung an, die «in« Anerkennung für England, Italien und alle anderen Mächte enthält, deren solidarische Haltung die versöhnlichen internationalen Lösungen ermöglicht habe. Durch die Entschließung stimmt der Senat ferner den glücklichen Ergebnissen der letzten Völkerbundsratssitzung zu und nimmt mit Befriedigung von den Erklärungen Lavals über den Ostpakt und die italienisch-französischen Verhandlungen Kenntnis und beglückwünscht den französischen Außenminister zu seiner Festigkeit und seinem Takt.
Ein Senator forderte anschließend die Festsetzung eines Zeitpunktes für seine Interpellation über die libysche Grenze. Italien wolle das ganze Gebiet bis zum Tschadsee haben, um bis in die Nähe von Kamerun zu gelangen und vom Völkerbund das bisherige französische Mandat überwiesen zu bekommen. Außerdem plane Italien den Bau einer Bahn nach dem Kongo, die die größte Eisenbahnstrecke der Welt werden und den französischen Plan einer Transsaharabahn durchkreuzen würde. Der Senat nahm darauf den Haushalt des Auhenministeriums an.
Die Erklärungen des Ministerpräsidenten Flandin in der Kammer über die Notwendigkeit der Landesverteidigung und der außen-
Kartoffeln, bisher 390 000 Zentner Getreide, 26 000 Zentner Gemüse, 74 000 Eier und aber taufende Zentner an Butter, lebendem Vieh, Fleisch, Fische und Fette an das Winterhilsswerk abgeführt. 253 000 Paar Schuhe, 157 000 Mantel und 41 000 Anzüge wurden aus allen Bevölkerungsschichten gespendet.
Auch in diesem Jahre schenkte das Winterhilfs- werk der Kartoffelversorgungsfrage größte Beachtung; es gelangten bisher 13,5 Millionen Zentner Kartoffeln zur Verteilung, demnach konnte prozentual jeder Hilfsbedürftige über einen Zentner Kartoffeln empfangen. Dazu kommen die überaus reichlichen Mehlspenden-und fast 19 Millionen Lebensmittelgutscheine im Gesamtwert von über 9 Millionen Reichsmark, die es den einzelnen Volksgenossen ermöglichen, nach freier Wahl in jedem einschlägigen Geschäft sich mit Lebensmitteln zu versorgen.
Kein notleidender Volksgenosse soll im neuen Deutschland hungern und frieren. Dafür sorgten 19 599 909 Zentner Kohlen im Werte von 15 759 999 Reichsmark, die bis zum 39. November zur Ausgabe gelangten, und 11 109 999 Zentner Kohlen im Werte von 18 659 999 Reichsmark, die bis zum 31. Dezember verteilt werden.
politische Bericht Lavals im Senat stehen im Mittelpunkt der allgemeinen Erörterungen. Beide werden als Ausdruck des Sicherheits- und gleichzeitigFriedenswillensFrank- reichs gswertet. Die Bewilligung der zusätzlichen Militärkredite in Höhe von 800 Millionen Franken durch die Kammer und die Glückwunschadresse des Senats an Laval gelten als einmütige Zustimmung der Nation zu den Grundsätzen, die beide am Dienstag vertreten haben.
Die Presse ist deshalb des Lobes voll. Sie hebt besonders hervor, daß der Anerkennung des Senats für Laval eine ganz besondere Bedeutung zukomme, weil seit dem Bestehen der dritten Republik bisher nur ein Mann, George Clemenceau im Jahre 1919, eine ähnliche Ehrung durch den Senat erfahren habe. Das beweise die hohe Achtung, die Laval im Parlament genieße, und das verleihe ihm am Vorabend wichtiger Verhandlungen, die die Regierung im Hinblick auf eine engere Zusammenarbeit mit Italien und für den Abschluß eines Ostpaktes zu führen habe, ein erhöhtes Ansehen und die notwendige Autorität, um im Namen ganz Frankreichs mit der wünschenswerten Energie aufzutreten. Die Italien- und Ostpakt- verhandlungen sind nach Auffassung der Presse die beiden Tragpfeiler, auf denen das französische Friedensgebäude errichtet werden müsse. Die Ausführungen Lavals über die Verhandlungen mit Deutschland in diesem inter-
die für sich sprechen!
In diesem Jahre wird das Winterhilsswerk doppelt so viel Weihnachtsbäupie wie im Vorjahre verschenken. 764 000 Tannenbäume sollen ein wenig Festfreude und Lichterglanz in die Häuser der notleidenden Familien bringen.
Der nationalsozialistische Staat hat alle verfügbaren Mittel eingesetzt, um das vom Opfergeist der Nation getragene Winterhilsswerk großzügig zu unterstützen. Allein die Reichsbahngesellschaft beförderte in 159 232 Waggons insgesamt 31 9000 000 Zentner Winterhilfssracht mit einem Kostenaufwand von fast 8 Millionen Reichsmark.
Besser als alles andere sprechen diese Ziffern von der eisernen Notgemeinschaft des deutschen Volkes, das auch in den Zeiten des schwersten Wirtschaftskampfes die nationale Solidarität mit seinen arbeitslosen Brüdern aufrecht erhält. Mögen draußen die Emigranten geifern und hetzen und vereinzelte Kritiker im eigenen Lande nörgeln. Wir halten ihnen die Ziffern des Winter- hilfswerkes vor Augen und strafen sie mit unbestechlichen Zahlen Lügen! Nirgends konnte ein Land eine großzügigere Hilfsaktion für seine Armen durchführen, als es das deutsche Volk vollbrachte; seiner nationalsozialistischen Staatsführung ist es gelungen, trotz Ibjähriger Volksverelendung ein Winterhilsswerk zu organisieren, wie es in der Welt einzig dasteht.
nationalen Rahmen finden die Zustimmung der Blätter allerdings nur deshalb, weil dabei die Annahme des Ost Paktes durch Deutschland zur Bedingung gemacht worden sei.
Vor der marxistischen Presse abgesehen, ist es eigentlich nur das „Echo de Paris", dessen Außen- politiker seine Bedenken gegen die Politik Lavals geltend macht. Laval werde zwischen zwei Dingen hin- und hergezogen. Einerseits fürchte er, durch die Organisierung der Friedensfreunde Deutschland den Eindruck der Einkreisung zu geben; andererseits wolle er gegen die deutsche Brutalität (!) die Sicherheit seines Landes gewährleisten. Zwischen beiden Gefühlen zögere er und schwanke wie der Esel Buridans.
Kommunistische Propaganda
unter den englischen Saartrnppe»
London, 19. Dezember.
Nach dem Truppenlager Eatterick in der Graf- schaft Park, wo sich noch die beiden für die Saar bestimmten Bataillone befinden, sind einer Vlät- termeldung zufolge vier Geheimpolizisten entsandt worden, weil Kommunisten den Versuch gemacht haben sollen, die Soldaten zu beeinflussen. Die Polizei wird bis nach dem Abtransport der Truppen nach Saarbrücken im Lager bleiben.
KörperlicheSrziehung
Das Ziel; Biologische Entfaltung der rassenmätzigen Qualität
Im Juli dieses Jahres wurde im Reichsministerium sür Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung das Amt für körperliche Erziehung gegründet, dessen zielklare und umfassende Arbeit der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt ist. Das Aufgabengebiet ist so unerhört groß und vielseitig, daß heute nur einmal die Hauptgefichts- punkte, die dort richtunggebend sind, beleuchtet werden sollen.
Der Nationalsozialismus steckt der körperlichen Erziehung und Ertüchtigung Ziele, die für die Gesamtnation und für jeden einzelnen Volksgenossen von größter Bedeutung sind. Jetzt und in Zukunft gilt es, den Gedanken der körperlichen Ertüchtigung mit dem Gedanken einer zielklaren völkischen Erziehung zu verbinden. Das Problem der neuen Aufgaben liegt in der Verwirklichung des Gleichgewichts der intellektuellen und geistigen mit der willensmäßigen und charak- terlichen Erziehung. Schulen und Hochschulen sollen nicht mehr Institute sein, aus denen eine in sitzender Haltung sich befindliche Jugend nur mit geistigen Dingen vollgepfropft wird, sondern sie sollen Erziehungsstätten werden, in denen über den Körper hinweg Wille und Charakter eine Stärkung erfahren, die letzten Endes die biologische Entfaltung der r a s senmäßigen Anlagen und Qualitäten ermöglicht. Das nationalsozialistische Bildungsideal besteht in einer glücklichen Synthese der körperlichen und geistigen Erziehung. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, ist die Grundlage einer wirklich erfolgreichen Auslese gegeben. Die Reformarbeit der körperlichen Erziehung kann sich daher nicht nur aus die Jugend beziehen, sondern sie muß auch logisch die Lehrkräfte erfassen.
Gerade jetzt ist die neue Hochschulsportordnung des Reichsministers Ruft der Öffentlichkeit unterbreitet worden. Sie ist ein entscheidendes Signal für den weiteren Weg, auf dem das Problem der körperlichen Erziehung seiner Lösung entgegengeführt werden wird. Es wird in Zukunft keinen geistigen Arbeiter mehr geben, der nicht den Wert und die Bedeutung der körperlichen Erziehung am eigenen Leibe verspürt hat. Statistische Untersuchungen haben ergeben, daß die besten Abschlußprüfungen an den Hochschulen diejenigen Studenten bestanden, die sich in ihrer Freizeit ^ ausgiebiger Weise sportlicher Betätigung gewidmet haben. Auch wenn der Nationalsozialismus den eigentlichen Rekordfimmel ablehnt, so erkennt er andererseits Höchst- und Spitzenleistungen an, die aus natürlichem Wege, das heißt als Ergebnis der Leistungen aller sich heraus- entwickeln. Mit anderen Worten: Einer Pyramide gleich sollen Höchstleistungen aus einer breiten Basis und einem zielklaren Aufbau des Gesamtwerkes entstehen. Hierin kommt auch wieder der nationalsozialistische Grundsatz des Gemeinnutzes zum Ausdruck. Durch die körperliche Erziehung aller wird eine Gemeinschaftsaktion erreicht, die in ihrer
Der Senat beglückwünscht Laval
Das Echo aus die Erklärung des französischen Außenministers
Äustus Ott feiert Jubiläum
fünfundzwanzig Jahre Dienst am Bremer Schauspielhaus / Von Larl Herds
Das gleiche Jahr, in dem das Bremer Schauspielhaus ein Vierteljahrhundert der Arbeit, des Kampfes und des Aufstiegs vollendet, bringt für Zustus Ott die Feier seiner 25jährigen Zugehörigkeit zur Schauspielbllhne seiner Heimatstadt. Vom ersten Tage an, seitdem Beginn im Schauspielhaus mn Neustadtswall, war er dabei- An dem rastlosen Schaffen, den schicksalhaften Wechsel fällen, den in unverdrossenem Auftriebs- willen immer wieder errungenen Erfolgen, der nie vom zielklaren Kurs abweichenden Lebens- sahrt des Theaters hat er tätig mitgewirkt. Er hat, ein rechter Hanseat, immer die Treue gehalten, ohne viel Wesens davon zu machen. Aber nun muß er sich wohl einmal gefallen lassen, daß man ihn feiert.
Ein Vierteljahrhundert künstlerischer Leistung am gleichen Theater: man muß sich einmal klar- machen, was das sagen will. Es bedeutet, als Tinn eines wahrhaften „Lebens für die Bühne", pflichttreue Einordnung in «ine immer wieder stch erneuernde Gemeinschaft, selbstoerleugnenden Dienst und zugleich unerschütterliche Selbstbehauptung einer ganz persönlichen Entwicklung. Es bedeutet künstlerische Selbstzucht, die sich nicht tur Bequemlichkeit, zur Schablone und zum behaglichen Plätschern in angenehmer Volkstümlichkeit verlocken läßt. Es bedeutet die Umsetzung eigener Lebenskraft in eine sich unendlich wandelnde Eestaltensllll«. Es bedeutet Auseinandersetzung mit dem kaum meßbaren Kreis von Aufgaben, den eine ganz in der Gegenwart wirkende Echauspielbühne zu erfüllen hat. Volkstllmlich- leit ist etwas Wunderschönes, aber sie birgt Ee- sahren, wenn iGer ihr nicht eine wache Gewissen
haftigkeit steht. Erringung und Behauptung einer Stellung ist aller Ehren wert, aber sie verliert ihren Sinn, wenn sie nicht zugleich künstlerische und menschliche Entwicklung bedeutet.
Endlos ist die Fülle der Gestalten, in denen Fustus Ott vor den Freunden des Schauspielhauses erschien. Wir alle wissen, daß sein Wirkungsgebiet weit über das des „Komikers" hinaus in die Bezirke charaktervoller Menschendarstellung reicht. Er hat uns unzählige Male befreiendes Lachen geschenkt, aber es ist immer das Lachen über jenen echten Humor gewesen, der alle billige Kulissenreitzerei verschmäht: weil er eben weiß, daß er etwas unendlich viel Besseres zu bieten hat, nämlich eine aus dem Menschlichen und der Lebensanfchauung quellende Heiterkeit. Deshalb sagte ich „charaktervolle Menschendarstellung": Weil sie oft unversehens in den Ernst tief erfaßten Schicksals umschlägt. Nur im Angesicht solcher Gaben ist der Humor echt, die Komik unwiderstehlich, das Lachen köstlich. Justus Ott wird es sich gern gefallen lassen, daß man ihn einen Charakterkomiker nennt. Es ist, so verstanden. ein Ehrentitel.
Aber wir wollen über den Darsteller den Spielleiter nicht vergessen, der durch seine präzise Beherrschung der szenischen Mittel eine lange Reihe heiterer Vühnenwerke zu herzhaft belachten Serienerfolgen geführt hat. Das ist eine sehr wichtige, dankbare und erfreuliche Arbeit im Dienste des Theaters.
Und schließlich: Wir feiern an seinem Ehrentage nicht nur den Künstler, sondern vor allem g auch den Menschen, der den Künstler geformt ^ hat. Wir feiern den selbstlosen, in der Gemein- >
schaft bewährten Kollegen und den getreuen Freund. Er steht jugendlich auf der Höhe seines Schaffens, und der Dank, der ihn an seinem Jubiläumstage, dem ersten Weihnachtstag, als Beifall umbrausen wird, soll ihm nicht nur das in der Vergangenheit Geleistete lohnen, sondern auch seine lebendige Verbundenheit mit der Gegenwart beweisen und ihm für die Zukunft reiche Erfüllung alles dessen wünschen, was er verdientermaßen von ihr erhoffen darf: für sich wie für uns.
MW
Äuf dem Voden der Tieflee
Ein technischer Rundblick über forscherarbeit
Großes Aufsehen erregte es in der ganzen Welt, als im Sommer 1934 der Tiefseeforscher Dr. William Beebe in der Nähe der Bermudas- Inseln zuerst auf 765 und bald darauf auf über 900 Meter in das Meer vordrang, also in Tiefen, die vorher noch niemals von einem Menschen erreicht worden waren. — So hoch dieser Erfolg auch geweitet werden muß, er ist vielleicht doch nur ein Anfang zu neuen bedeutenden Fortschritten. Bei vielen der bisher durchgeführten Tauch- versuche war der räumliche Umfang beschränkt, innerhalb dessen Bewegungen möglich waren. Das, was man erzielt hatte, ging in ureigenstem Sinn des Wortes
in die Tiefe, nicht aber in die Breite.
Der Taucher war mehr oder minder an den Ort gebannt. Freilich gibt das Schiff, mit dem er verbunden ist und geben mancherlei Einrichtungen, wie Schlitten, in die er sich setzen kann, oder Senkkästen die Möglichkeit einer Bewegung. Man konnte sich dahin und dorthin befördern, konnte sich ziehen lassen. Wie aber gestalten sich die Verhältnisse in großen Tiefen, in denen wegen des herrschenden Wasserdrucks der gewöhnliche Taucheranzug nicht mehr zureicht, in denen auch die Wirksamkeit anderer Vorrichtungen ihre Grenzen findet? Wenn in solchen Tiefen eine gewisse Unabhängigkeit und Freiheit erzielt werden sollen, muß die Technik ganz Neues schaffen, das den dort herrschenden Verhältnissen und insbesondere dem ungeheuren Wasserdruck angepaßt ist, der auf allen, und jedem lastet, was hinabversenkt ist. Der menschliche Körper muß sorgfältig gegen diesen Druck geschützt werden. Nachdem sich die von Beebe verwendete Taucherkugel als Schutzmittel vorzüglich bewährt hat, will dieier sie auch bei dem er-
im Meer / Don Dr. Helmut Thomasius
neuten Vorgehen beibehalten, das er plant und das dem Zweck dienen soll, weitgehende Beweglichkeit 'in Tiefen zu schaffen, die etwa einen Kilometer und vielleicht noch darüber hinaus unter der Wasseroberfläche liegen. Der Taucher soll imstande sein, dort unten auf dem Meeresboden ganz genau so umherzufahren wie auf der Erdoberfläche. Er soll über Hügel und Berge hinwegkommen, soll durch Unebenheiten nicht behindert werden, soll in den Stand gesetzt werden, längere Strecken ganz nach Belieben zurückzulegen. — Daraus ergibt sich die Aufgabe, einen
Kraftwagen für Fahrten auf dem Grunde der Tiessee
zu schaffen. Diese Aufgabe will Beebe in folgender Weise lösen: seine Taucherkugel behält er mit verschiedenen Abänderungen und Einrichtungen bei, die ihr eine -möglichst große Unabhängigkeit gewähren sollen. Die Wände der Kugel bestehen aus Stahl und haben eine Dicke von vier Zentimetern. Das Schwierigste war die Einrichtung der Fenster. Die Fensteröffnungen wurden mit Scheiben aus geschmolzenem Quarz verschlossen. Jede der drei Scheiben hatte einen Durchmesser von 20 Zentimetern und eine Dicke von 7,5 Zentimetern. Bei der Wahl dieses Stoffes ging man von Versuchen aus, die gezeigt hatten, daß man bestimmten Quarzarten eine starke Widerstandsfähigkeit gegen Druck verbunden mit guter Durchsichtigkeit geben kann. Drei Zylinder, die ausgehen wie Kanonenrohre, ragen dicht nebeneinander vorne aus der Stahlkugel heraus. In ihnen sitzen die Quarzfenster, von denen das mittlere zu photographischen Aufnahmen dient, während hinter den beiden anderen starke elektrische Lampen