Ausgabe 
(19.12.1934) Nr. 350
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Üas amtliche llrgan -es Senats

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Nr. 350 / 4. Vierteljahr

Mittwoch. 19. Dezember

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Die letztes^ahrt -er Camper Speeldeel

Der Adjutant des Führers bet der Trauerfeter

Stade, 18. Dezember.

Tiefste Trauer liegt über ganz Niedersachsen. Ueberall wehen die Fahnen auf Halbmast, in den Straßen der Städte, auf den öffentlichen Gebäu­den und Privathäüsern, von den Gehöften der Lauern. Je mehr man sich Stade nähert, beste eindrucksvoller wird das Bild der Trauer. Aus allen Gebieten des Landes sind große Trauerab­ordnungen der Reichswehr, der SA., SS., des FAD. und der übrigen Parteigliederungen er­schienen. Man sieht zahlreiche führende Männer der NS.-Kulturgemeinde, der die Camper Speel- deel ganz besonders nahestand. Die Landstraßen der Umgebung waren den ganzen Morgen über mit endlosen Zügen von Vauernwagen überfüllt, deren Insassen nach Stade zogen, um den "Taten der Camper Speeldeel, die für Niedersachsen» Volk so viel bedeutet hat, das letzte Geleit zu geben.

In der altehrwürdigen Wilhadi-Kirche stehen vierzehn -Särge, überreich geschmückt mit unzähli­gen Kränzen und einem Meer von Blumen. SA.- miinnerchälten seit dem frühen Morgen die Ehren­wache. Zwei der Verunglückten sind zur Beisetzung in ihre Heimat übergeführt wordene Gegen Mittag sind die Bänke und die. Emporen bis auf den letzten Platz mit einer übergroßen Trauergemeinde besetzt. Fahnenabordnungen der PO., SA., SS., des Kyffhäuserbundes haben zu beiden Seiten.des Altars Ausstellung genommen. Schwarz umflort sind die Banner. Der Führer und Reichskanzler hat seinen Adjutanten, Obergruppenführer Brückn er, als Vertreter entsandt.

Ferner sieht man Vertreter des Reichsstatt- halters Gauleiter Kaufmann- Hamburg, sowie als Vertreter der Reichsamtsleitung der NS.- Kulturgemeinde Pg. Holzapfel-Berlin.

Vor der Kirche haben sich viele Tausende ein- gefunden, die der Trauerfeier am Lautsprecher beiwohnen. Mächtig braust ein Choral auf. Dann nimmt Superintendent Trust"' das Wort

Dar Vsrtrstor ckss üillirsrs, Odorgrapponkiikrsr Lrü ebner, bei cksr Drausrksisr in Ltaäs

zu seiner Gedenkpredigt. Rektor Holste, der Lei­ter der Camper Speeldeel, würdigte anschließend in plattdeutscher Sprache die Bedeutung und die Verdienste der Entschlafenen für Volkstum und Heimat Niedersachsens. Nach der Trauerfeier wurden die 11 Särge von SA.-Männern unter dem Geläute sämtlicher Kirchenglocken hinausge­tragen auf die vor der Kirche vorgefahrenen mit Tannengrün geschmückten Leiterwagen der Camper Bauernschaft. Ergriffen grüßten die Tausende mit erhobener Rechten.

Langsam geht der Trauerzug unter Vorantritt einer SA.-Kapelle durch die Stadt. Hinter den 14 Särgen tragen SS.-Männer einen riesigen Kranz des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Auf dem Friedhof sind zwei große Sam- melgräber entstanden, um die im weiten Viereck die Ehrenabordnungen Aufstellung nehmen. Mit sämtlichen Gauamtsleitern ist auch Gauleiter Staatsrat Telschow erschienen, der vorher in Bremen der Beisetzung der ebenfalls bei dem Langwedeler Unglück ums Leben gekommenen Lehrerin Hildegard Vartholomäi beigewohnt hatte. SA.-Männer tragen die Särge, während sich die Fahnen senken, langsam zu den Gräbern. Die Arme recken sich zum letzten Gruß für die Toten, die sodann in Niedersachsens Erde gebettet werden. „Ueber allen Gipfeln ist Ruh'" hallt es leise über die Gräber, gesungen vom Stader Männerchor. Nach einem letzten Eedenkwort des Superintendenten Crusius fällt dann die erste Handvoll Erde auf die Särge.

Saarbrücken, 18. Dezember.

Die urplötzliche Vertagung «s mit größtem Interesse erwarteten Prozesses gegen Pirro und die übrigen Unterzeichner der Denkschrift der Deutschen Front muß nach Lage der Dinge ebenso erstaunen wie enttäuschen, wenn man sich den Sachverhalt vor Augen hält, der es zu diesem Prozeß kommen lassen sollte. Bekanntlich hatten die Führer des Saardeutschtums vor einiger Zeit eine Denkschrift nach Genf gerichtet, um einige wohlbegründete und seit langer Zeit im Saar­gebiet viel erörterte Vorwürfe zur Sprache zu bringen, die im Zusammenhang mit der Haus­suchung bei der Deutschen Front vom Juli ds. Js. gegen gewisse Beamte der Regierungskommission erhoben werden mußten. An Hand konkreter Einzelbeweise hatten die Vertreter des Deutschtums an der Saar wieder einmal mahnend ihre Stimme gegen die schwerste Belastung der hiesigen Regierungspolitik durch die nichts gerechtfertigte Einstellung von Emi­granten in der Regierungskommission und gegen ihr dienst- und pflichtwidriges Verhalten erhoben. Der Präsident der Regierungs­kommission Knox sah sich, getreu seiner bisher verfolgten . Linie des Emigrantenschutzes und sogar der Bevorzugung dieser Elemente, veranlaßt, seine Autorität dazu herzugeben, Sinn und Absicht der Eingabe der Deutschen Front zu durchkreuzen, die in der Denkschrift schwer

2m Auftrage des Führers und Reichskanzlers legt Obergruppenführer Brückner einen großen Kranz nieder. Höher und höher türmen sich die Kranzspenden und bedecken die Gräber mit einer Fülle von Grün und Blumen. Langsam leert sich der Friedhof, die Ehrenabordnungen rücken ab. Währenddessen hat Obergruppenführer Brückner die Hinterbliebenen der 14 Opfer in das Regierungsgebäude in Stade gebeten, wo er ihnen im Auftrage des Führers und Reichskanz­lers Adolf Hitler dessen innigstes Beileid aus- spricht und ihnen eine größere Geldspende zur Linderung der unmittelbaren Notlage überreicht. Obergruppenführer Brückner kündigte ferner eine größere Stiftung des Führers zur Unterstützung der Hinterbliebenen an.

Die toten Mitglieder der Camper Speeldeel, die für Niedersachsens Volkstum- und Heimat­pflege so unendlich viel geleistet haben, sind zur letzten Ruhe bestattet. Ihr Werk aber wird fort­leben zum Ruhme niedersächsischer Volkskunst.

Am Dienstagmittag fand im Riensberger Krematorium die Trauerfeier für die bei dem Langwedeler Autobusunglück ums Leben gekom­mene Lehrerin Frl. Hildegard Vartholomäi aus Hemelingen statt. An der Trauerfeier nahm im Auftrage des Führers der Gauleiter für Ost­hannover, Staatsrat Telschow, teil, der einen großen Lorbeerkranz mit Schleife im Namen des Führers am Sarge niederlegte.

beschuldigten Beamten zu Klägern gegen die Führer des Saardeutschtums zu machen und die Unterzeichner der Denkschrift unter Anklage zu stellen. Statt einer Untersuchung über die auf­gezeigten Mißstände in der Regierungskommission sollte es unter Befürwortung des Caarpräsidenten zum Prozeß der „beleidigten" Emigranten gegen die Führer des Saardeutschtums kommen.

Das Saardeutschtum, voll bewußt der Unge­heuerlichkeit dieser regierungsamtltchcn Ver­drehungskünste, sah diesem Prozeß mit Ruhe und in der Zuversicht entgegen, daß er die not­wendige Klärung über gewisse unhaltbare Zustände an der Saar bringen und vor aller Welt beweisen würde, wie moralisch und rechtlich untragbar die hiesige Emigrantenpolitik geworden ist.

Mehrere Wochen wurde das Saargebiet in Spannung und Erwartung gehalten, wie dieser Prozeß auslaufen würde. Den Separatisten und der deutsch-feindlichen Auslandspresse war es gestattet, rein an die Tatsache, daß vor dem Abstimmungsgericht Anklage gegen die Führer des Saardeutschtums erhaben worden ist, ver­leumderische Ausführungen zu knüpfen. Wenn man schon ein Strafverfahren einleitet, so muß unbedingt den Angeklagten die Möglichkeit zur Rechtfertigung gegeben werden, um ihre völlige Schuldlosigkeit zu beweisen.

Angst vor der Wahrheit

Weshalb Verschiebung des Prozesses gegen die Gaardeuischen?

kvsmsrie Blume

theil und s>egen der Weihnachtszeit

Wer weiß heute noch, wie viele uralte natur- mythologische Vorstellungen unserer nordischer« Vorfahren das Christfest zu dem werden ließen, was es wurde? Zahllose Sinngebilde von jahr­tausendelanger Entstehungszeit erfüllt Denken und Tun des Menschen der Vorzeit mit buntem Eewirr, wenn er es unternahm, seinen heiligen Gedanken Ausdruck zu verleihen. In mannigfachste symbolhafte Darstellungen kleidete er das, was er als Wahrheit und innere Ueberzeugung an seine Nachfahren weitergab, ihr Heil und Segen den Himmlischen empfehlend.

Ohne mühsamen Ackerbau war ein Leben im Norden nicht möglich. Seit ungefähr 3000 vor Christi Geburt ist der Nordmensch ansässiger Haus- und Ackerbauer. Wenn des Menschen harte Arbeit an der Scholle vollendet ist und die langen Nachte seinem Tun und Denken andere Richtung weisen, lauscht man tiefer in Werden und Ver­gehen, in alle leisen Gebote der Mutter Erde. Die dunkle Jahreszeit gilt dem märchen- und sogenspinnenden Volk als Ruhezeit, erfüllt mit Verstellungen gütigen Mutterwaltens. Die ge­samte Winterhälfte des Jahres, die Jahresnacht, heißt auch das Mutterhakbjahr. Unsere Vorfahren rechneten nach Nächten — der Tag ist Erfüllung des Keimens und Werdens in dunklen Gründen.

Aus ältesten Vorstellungskreisen stammt das Vild. daß die Sonne in der dunklen Jahreszeit, der Zahrnacht, stirbt. Zwölf „Rauchnächte", die „Zwölften", liegen um Sonnenwende im Mitt­äter: heute zwischen dem 24. Dezember, dem eigentlichen Wendetage, und dem 6. Januar, dem ^age mit dem die Zunahme der Sonnenkraft wieder ersichtlich wird, also der scheinbare Son-

nenstillstand — das Solstitium — vorüber ist. Das neue Licht und Leben — zwar noch geborgen im mütterlichen Schoß — ist schon bereit, seinen Einzug in Haus und Herzen zu halten. Draußen in der Natur steigen die Säfte ins laubleere Ge­äst, unter Winterschnee keimt junge Saat.

In den Heimstätten der Menschen, die in ur­alter Schollenverbundenheit dem Rhythmus ihrer Mutter Erde folgen, beginnt die Vorbereitung auf neue Mühe und Arbeit in Haus, Stall und Scheuer. Tief wurzelnde Vorstellungen von le- bensfeindlichen Geistern veranlassen Wucherungen durch Haus und Hof. Bet- und,Zaubergänge durch Feld und Flur mit allerlei Handlungen von segnender oder „zauberischer" Bedeutung schlie­ßen sich bald an. Hierher gehört das Auf­stellen immergrüner Zweige, die symbolisch aller Lebenshoffnung die Mahnung zu

stetem Ausharren hinzufügen.,O Tanncn-

baum — o Tannenbaum" — singen wir auch heute noch allweihnachtlich, „dein Kleid will mich was lehren." Schon in der Urzeit wiesen grünes Reis und brennendes. Licht gemeinsam unseren Vorfahren den langen Weg durch die tiefe Win­ternacht des unwirtlichen Nordens, den erst des Menschen zähe Arbeitskraft zur Menschenheimat umschus.

So wurde in der Mutterzeit des Jahres im Hause und Hofe, den heiligen Ruhe- und Werde- bezirken, das Weihnachtssest der Winterszeit zu dem, was es heute ist. sofern wir in schöner Sammlung und andächtiger Besinnlichkeit uns in sein Heil und seinen Segen einzusinken verstehen.

Vergöttlichte Vorstellungen der unbesiegbaren Sonnenkraft hatte der antike Süden an die

Frühlingszeit geknüpft. Dem Norden ward es selbstverständlich, daß der Heiland „mitten im kalten Winter — wohl zu der halben Nacht" ge­boren sei! Der Aufgang des Lichts — der Stern von Bethlehem — wird in der Nacht der Mitt- winterwende die Geburt des Erlösers künden.

Seit alters her gehören zum Festschmuck der Winlerwende bedeutungsvolle Speisen, vielge­staltiges Gebäck. In ihm wird das Korn als Lebensbrot, als des nordischen Menschen Ret­tung durch winterliche Todeszeit gefeiert. Das Kindlein, das Herz, das Drehkreuz als Sinnbild des ewig bewegten Lebens, werden als Gebäck gestaltet. — Apfel und Nuß sind für Kern und Keim neuen Werdens tragender Mutterschoß; sie gehören dem Mütterlichen zu Ehren vor allem anderen zu den Festgenüssen. Auch bedeutet ja Rot, als Farbe des Lebens, das Gold der Sonne; vergoldete Nüsse sind lebenweckende, Auferstehung kündende Sinnbilder.

Seit Urzeiten sind Mittwinter-Weihnachtsgaben Sitte: es waren ursprünglich Heil und Segen übermittelnde Sinnbilder, die man sich schenkte als Angebinde aus der Verbundenheit des Blu­tes ugd der häuslichen Ordnung. Die wissen­schaftliche Forschung enthüllt viel altes Brauch­tum als jene früheste, einfachste Form des Dien­stes am Göttlichen, die man „Zauber" nennt. — Die FUrstenhös« Europas schickten sich noch etwa bis zur Jahrhundertwende den „üblichen" Schweinskopf. Das Glücksschwein, ein Abbild des „goldborstigen Ebers", des Schwurgottes Froh, der Sonne, ist uns heut« noch bedeutungs­volles Sinnbild und hängt auch am Weihnachts­baum. Das Julhorn, das an vielen Orten immer noch in der Wendezeit über dtm '"'mnnen geblasen wird um alle guten Erdgeiste- zu erwecken und die bösen zu vertreiben, hängt heute als Trom­pete daneben. Früchte, Wickelkindei und Engel, die das neuck Heil verkünden, die Brezeln, Sterne und Ringe, die Kette als Vild ewiger Lebensdauer —

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Der Weg Portugals

tt. ktü. Das Ergebnis der Wahlen in Por­tugal gewinnt über seine innenpolitische Be­deutung hinaus insofern ein europäisches Interesse, als sich im Lande des verdienst­vollen Ministerpräsidenten Salazar 80 Pro­zent der Wähler zum Gedanken der autori­tären Staatssührung bekannt haben. Der kleinere Staat der Pyrenäenhalbinsel, der bis zur Militärdiktatur des Jahres 1923 als das klassische Land der Finanzkrisen und der Putsche galt, hat unter der straffen Regie­rung Salazar eine früher kaum für möglich gehaltene innere Festigung erfahren. Schon als Finanzminister hat der jetzige portugie­sische Ministerpräsident bewiesen, daß beim Wiederaufbau eines Staates zerrüttete fi­nanzpolitische Verhältnisse nur nach Aus­richtung aller Einzelkräfte auf das Gesamt- interesse des Volkes gemeistert werden kön­nen. Die Resormarbeit auf diesem Gebiet verhinderte, daß die Regierung jemals wie­der, wie es vor dem Weltkrieg der Fall war, unter die Finanzkontrolle auswärtiger Gläubiger kommen kann. Auch aus dem Kampffeld der politischen Parteien wurde eine Entscheidung herbeigeführt, die das Ge­geneinander der Kräfte beseitigte und den Aufbau eines korporativen Systems einlei­tete. An die Stelle der Katholifchen Partei, der Wirtschaftlichen Vereinigung, der So- zialdemokraten, der Allgemeinen Arbeiter- vereinigung und wie die Splittergruppen sonst noch hießen, trat als einzige politische Organisation die „Partei der Nationalen Union", die nunmehr bei den Wahlen zur Nationalversammlung zur Willensträgerin der überwiegenden Mehrheit des portugiesi­schen Volkes geworden ist.

Die auf vier Jahre gewählte Nationalver­sammlung wird erstmalig am 10. Januar zu-

alles ist voller uralter, heil- und segenbriugender Bedeutung!

Wie kein anderes ist das Weihnachtsfest bis heute Mutters Bereich im Hause. In den segens- vollen Tagen des brennenden Lichterbaumes ist Muttertum die Seele, heute wie seit alters. Wenn wir aus der Mühsal des gehenden Jahres vor

sammentreten. Ihre Rechte sind allerdings, eben aus Gründen der antiparlamentarischen Staatssührung, erheblich begrenzt. Die Mi­nister sind nicht den Abgeordneten, sondern einzig und allein dem Staatspräsidenten verantwortlich. Wenn auch Gesetze, die von der Regierung eingebracht werden, von der Nationalversammlung abgelehnt werden können, so dürste doch bei der Zusammen­setzung dieses Gremiums und seinem Willen zu strenger Disziplin der Fall einer. Opposi­tion praktisch nie eintreten. Mit größerer Verantwortung ausgestattet, werden die 90 Abgeordneten rm April nächsten Jahres her­vortreten, wenn das Mandat des Staats­präsidenten General Carmona nach dessen siebenjähriger Amtstätigkeit abläuft. Es ist sehr wahrscheinlich, daß General Carmona, der nach dem Putsch Gomez da Costas die Zügel des Staates ergriff und auch in der Wahl seiner Minister eine glückliche Hand bewies, von der Wahlkörperschaft erneut in seinem Amte bestätigt wird. Jedenfalls wird es nicht uninteressant sein, die politische und wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung Portugals weiter zu verfolgen.

2» Seenot

D. „Europa" eilt norwegischem Dampfer zu Hilfe Bremen, 18. Dezember.

Schnelldampfer „Europa" des Norddeutschen Lloyd, aus der Reise nach Newyork, hat zwei Tagereisen westlich des Ausganges des Englischen Kanals in orkanartigem Sturm die Notrufe das norwegischen Dampfers „Sisto" aufgefangen und eilt dem Schiff, das 150 Seemeilen östlich von ihm steht, zu Hilfe. D. „Europa" wird durch diese Hilfsaktion voraussichtlich einen Tag später in Newyork eintreffen.

der Arbeit des kommenden stehen und Einkehr halten mitten in der rastlosen Gegenwart, empfin­den wir als kostbarste Heil- und Segensgabe den Frieden und die Geborgenheit der Heimstatt, die, im Wesen wahrer Muttergütigkeit gegründet, Herzensheimat gab und geben wird von fernster Vergangenheit bis in alle Zukunft!

Paul Ltpper

Vom Esel an der Weihnachtskrippe

Seit vielen Jahren gehe ich am Heiligen Abend, kurz vor der häuslichen Bescherung, durch den Zoo und bringe meinen Tierfreunden ein paar besondere Leckerbissen. Einmal habe ich sogar die ganzen Weihnachtstage in einem Tierdepot ver­bracht, in einer Tierhandlung abseits der großen Städt. Als die frühe Dämmerung das Anzünden der Stall-Laternen erforderte, fütterten wir die Löwen und Panther, die Kamele, Rhesusaffen, Flamingos und Elefanten, schlössen dann die Türen, weil ja auch die Wärter Weihnachten feiern wollten in ihrer Stube. Ich blieb allein bei den Heufressern zurück, in einem großen Schuppen, der nach Heu duftete und erfüllt war von animalischer Wärme. Vierzehn weiße Zebu- Ochsen ruhten im Stroh; sie waren wenige Tage zuvor aus Indien gekommen, friedvoll sanfte Ge­schöpfe. Neben ihnen, durch eine Hürde abge- ! trennt, stand ein Rudel silbergrauer Zwergesel i aus Sardinien. Ich habe nie versucht, die Schön- ! heit dieser Tiere, zu beschreiben, weder Lei der nächsten Tagebuch-Eintragung noch jemals später; ich will es auch heute nicht tun. Damals schob ich mir einen Ballen Preßheu dicht an die Hürde, setzte mich und erlebte den Zauber der Stunde.

Weihnachten im Stall! Stille Nacht im Stall! Ruhig atmete rings um mich Sie Kreatur, un­deutlich zu sehen im flackernden Schein des Wind-

lichts; zuweilen kam behagliches Brummen aus der Schattenwelt im Stroh, Hufe klopften gegen den Boden, eine Kette klirrte leis am Krippen- rand. Ochs und Esel im Stall; das habe ich früher schon einmal gesehen, als Kind, in der Weihnachtskrippe des Elternhauses, auf dem bunten Bilderbogen beim Großvater, und wenn auch in jener Stunde, da ich mich dessen erinnerte, kein Christbaum brannte; damals im Stall des Tierdepots ist ein Mann wieder zum Kind ge­worden und seine Hände haben beglückt Sie wei­chen, warmen Nasen der Eselzwerge gestreichelt.

Ich könnte nun erzählen, daß die Pharaonen schon im Jahre.4000 v. Chr. Esel gezähmt und als Lastträger benutzt haben, zum Dreschen des Korns verwendet und zum Reiten; denn die Wissen­schaft hat Abbildungen aus dieser Zeit gefunden, wo zwischen Schafen und Rindern auch Esel stehen.

Aber dies ist noch immer nicht der richtige Zu­sammenhang mit dem Eegenwartsbild. Stumpf­sinnig, ohne Temperament und Lebensmut, mit übergroßen Ohren und einer kümmerlichen Mähne steht der Esel da, die personifizierte Dummheit, ein Tier, dessen Leibspeise die Distel ist. Der Esel hat Mucken und Tücken; er beißt, bockt, schlägt, wirft sich zu Roden und verdient Prügel. — Meine gescheiten Mitmenschen, diese Jammer-