Ausgabe 
(4.8.1934) Nr. 213
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llas amUiche Organ -es Senats

Icitung

-er §men Hansestadt vremen

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Nr. 213 / 3 . Vierteljahr

Sonnabend, 4 . August

Einzelpreis 12 Npf.

Vorbereitungen sür die Beisetzung

Neudeck, 3. August.

Langsam verrinnen die Stunden um das stille Eutshaus von Neudeck. Es ist wie eine letzte Spanne der Einkehr und des Abschied nehmen? von dem heroischen Schlußakt, der sich am nächsten Dienstag auf dem Schlachtfelde von Tannenberg vollziehen wird.

Im Haus Neudeck haben bereits am Freitag früh die für die Vorbereitung der feierlichen Ueberführung nach dem Tannenbergdenkmal not­wendigen Besprechungen begonnen. Soweit bis­her verlautet, wird die Ueberführung des toten Feldmarschalls von Neudeck nach dem Tannen- üergdenkmal in der Nacht vom Montag zum Dienstag erfolgen. Um Mitternacht soll der Trauerzug unter militärischem Geleit und mit Fackelträgern Haus Neudeck verlassen. In den Morgenstunden des Dienstag wird der Zug am Tannenbergdenkmal bei Hohenstein eintreffen. Die Leiche Hindenburgs dürft« dann zunächst im sogenannten Feldherrnturm des Tannenberg- denkmals aufgebahrt werden.

In Freystadt hat im Zusammenhang mit diesen Vorbereitungen der Verkehr der verschiedenen Dienstwagen zugenommen. Daneben sieht man Persönlichkeiten durchführen, die dem Haus Neu­deck besonders eng verbunden waren und daher von dem toten Feldmarschall in seinem Haus Ab­schied nehmen wollen. Zu diesen zählt u. a. der deutsche Kronprin z, der sich Freitag früh in Begleitung des greisen Kammerherrn von Olden- burg-Januschau nach Haus Neudeck begab.

Inmitten dieses Verkehrs sieht man gelegentlich eine Gruppe von vier Reichswehrosfizieren, deren Züge von tiefem, ernstem Erleben gezeichnet sind: Es sind Offizier«, die von der Totenwacht an der Bahre des Feldmarschalls zurückkehren, Hauptleute aus den verschiedenen ostpreußischen Standorten läsen sich in diesem letzten Ehrendienst für den größten deutschen Soldaten ab.

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Feierliche Xrauergottesöienste am Sonntag

Berlin, 3. August.

Der Reichsbischos hat folgende Anordnung er­lassen: Zum Gedächtnis des in die Ewigkeit Heimgegangenen Reichspräsidenten Ecneralfeld- marschall von Hindenburg ordne ich einen feier­lichen Gottesdienst der Trauer in allen evangeli­schen Kirchen Deutschlands an. Der Gottesdienst findet Sonntag, 8. August, zu ortsüblicher Zeit statt.

Der offizielle Trauergottesdienst der Deutschen Evangelischen Kirche für den Heimgegangenen Reichspräsidenten und Eoneralfeldmarschall findet am kommenden Sonntag, dem 8. August, im Ber­liner Dom statt. Die Mitglieder der Reichs-, Staats- und Städtischen Behörden sind zu diesem Gottesdienst eingeladen worden. Der Reichs­bischof wird diesen Gottesdienst persönlich halten.

Am Dienstag eine Minute DerkehsSMe und Aebeitsmde

Berlin, S. August.

Zu Ehren unseres toten Reichspräsidenten Generalseldmarschalls von Hindenburg wer­den am Dienstag, 7. August, um 11.45 Uhr, der gesamte Verkehr und alle Arbeitsstätten im deutschen Reiche eine Minute ruhen. Die Kirchenglocken läuten von 11.45 bis 12 Uhr Trauergeläut.

Die Durchführung der Volksabstimmung

Auslegung der Stimmlisten am 11. und 12. August Berlin, 3. August.

Für die Durchführung der Volksabstimmung finden die genannten Bestimmungen Anwendung, die schon bei der Volksabstimmung vom 12. No­vember 1833 galten, insbesondere auch die be­kannten Bestimmungen über das Abstimmungs­recht der in Deutschland sich aufhaltenden Aus­ländsdeutschen, über die Wahl auf hoher See, über die Stimmabgabe auf Bahnhöfen und die Beteiligung der Insassen von Arbeitsdienst­lagern.

Nachdem der Termin für die Volksabstimmung auf Sonntag, den 1S. August 1934 festgesetzt ist, hat der Reichsminister des Innern angeordnet, daß die Stimmlisten und Stimmdaten am 11. und 12. August 1934 auszulegen sind. Die Landes­regierungen sind durch Funkspruch ersucht wor­den, sofort alle Vorbereitungen zu treffen und die Gemeinde- und Verwaltungsbehörden auf schnellstem Wege mit Weisung zu versehen.

Jedem deutschen Volksgenossen soll die Teil­nahme an der bevorstehenden Abstimmung erleichtert wecken.

Wer sich am Abstimmungstag (19. August) auf Reisen befindet, kann sich einen Stimmschein besorgen. Der Antrag ist alsbald an die Eemeindebehöcke (Wahlamt) des ständigen Wohn­sitzes zu richten, wo der Stimmberechtigte in der Stimmliste geführt wird.

Sang durch das SterbelMis

in Neudeck

Neudeck, 3. August.

Am Freitagnachmittag wurde den in Freystadt anwesenden Vertretern der deutschen und aus­ländischen Presse Gelegenheit gegeben, Haus Neu­deck und das Sterbezimmer Hindenburgs zu be­sichtige«. Die Führung durch das Haus hatte der zweite Adjutant des Reichspräsidenten, Ritt­meister von der Schulenburg, über­nommen.

I Das schöne und doch so schlichte Eutshaus von I Neudeck atmet in allen Räumen den Geist des 8 großen Toten. Wir Deutsche durchschreiten diese I Räume im Banne einer Ergriffenheit, die uns » das, was um uns ist, weniger beobachten als I fühlen läßt. Hindenburg ist die schon mythische 8 Verkörperung von alter deutscher Geschichte und damit unseres Schicksals und des unserer Eltern und Kinder. In diesem Hause aber ist fast jeder Gegenstand ein lebendiges Zeugnis dieses ge­waltigen Lebens.! Die Ausländer sehen das alles aus größerem Mstand. Aber auch sie empfinden im Sterbehaus Hindenburgs vielleicht zum ersten Male in ihren4 Leben eine Ahnung von dem deutschen Schicks l und seiner ganzen stolzen und tragischen Eröß

Da steht ne^en dem Schreibtisch des Feld­marschalls unte< einer Glasglocke der Helm von Königgrätz mii den Spuren der Schrappnell- kugeln, die den jungen Leutnant von Benecken- dorff und von Hindenburg verwundeten. Eine dieser Schrappiellkugeln liegt jetzt auf dem Totenbett des ftldmarschalls. In der Bibliothek sieht man u. a.j wertvollen und inhaltsreichen Andenken einen Ehrensäbel, den die japanische Regierung kurznach Beendigung des Weltkrieges dem Feldmarsaall zum Dank für seine ritterliche

Kampfesweise überreichen ließ. Im gleichen Raum« liegt ein Teppich, der in anderer Weise Zeugnis ablegt für Hindenburgs tapfere solda­tische Haltung: Im Jahre 1922 wurde dieser Teppich von den Kugeln eines Einbrechers ge­troffen. Der damals schon 72jährige Feldmarschall war dem Einbrecher unerschrocken entgegengetre­ten und hatte ihm die Pistole aus der Hand ge­schlagen.

Daneben sieht man u. a. militärische Erinne­rungsstücke und zahlreiche kostbare Ehrenbürger- briefe. Der Ehrenbürgerbrief der Stadt Königs­berg befindet sich in einer wundervollen Rolle, die aus dem Gold der ostpreußischen Küste, aus Bernstein, kunstvoll gearbeitet ist.

An den Wänden hängen Bilder von Preußen- Deutschlands großer Geschichte, Ahnenbilder künden von der Geschlechterfolge dieser Familie, die aus Ostpreußens heiliger Erde den Feldmarschall der Deutschen gebar. In der Halle ein Bild aus dem großen Krieg: Im Trichterfeld vorstürmende Infanterie. Dieses Bild ist das Geschenk des ost­preußischen Infanterie-Regiments Nr. 147, dessen Inhaber der Feldmarschall war.

Ueber all dem liegt aber nichts von der Toten­stimmung eines Museums, So lebendig ersteht hier von dem Feldmarschall das deutsche Schick­sal, als müsse eine Tür aufgehen und der Feld- marschall, der diese Gegenstände mit dem leben­digen Erleben erfüllt, müsse wieder durch die Räume schreiten. Nur die Eichenkränze auf den hohen Lehnstühlen, die der Feldmarschall im Arbeitszimmer und in der Halle regelmäßig be­nutzte, erinnern daran, daß der greise Held nebenan auf der Bahre liegt — wenn auch seine Gestalt als Mythos schon heute lebendig ward für alle Zeiten,

Wir stehen im Vorzimmer des Sterbe­zimmers, Es ist «in ziemlich kleiner Raum, in dem wir einzeln an Hindenburgs Totenbett vor­übergehen. Ein Bild von so monumentaler Größe erschüttert uns, daß der Eindruck dieser kurzen Se­kunden bis aus Lebensende unvergeßlich vor un­serem geistigen Auge bleiben wird, Menschliche Trauer tritt an diesem Sterbebett hinter immer größerem zurück: Der Feldmarschall liegt noch so auf seinem Bett, wie er ent­schlief, Der Oberkörper ist hochgebettet. Ueber den weißen Laken erhebt sich das von unsäglichen Frieden verklärte Antlitz. Keinen Zerfall zeigen die Züge des fast 87jährigen Helden, sondern eine Größe, die im Tode noch monumentaler wirkt als im Leben. Am Kopf- und Fußende des Toten­bettes halten unbeweglich zwei Offiziere des Reichsheeres 'die Totenwacht.

Ein Gang durch den Park von Neudeck an dem Lieblingsplätzchen des Gutsherrn vorbei führt zu dem kleinen Friedhof, der die Ahnen des großen Feldmarschalls mit den verstorbenen Bewohnern des Dorfes Neudeck vereint. Hier schlafen auch Hindenburgs Eltern den ewigen Schlaf. Es ist Ostpreußens heilige Bauernerde, aus der sie alle ihre Kraft für Deutschland gewannen, vom Feld­marschall bis zum Knecht hinterm Pflug. Es ist die gleiche Erde, auf der Hindenburg seine sieg­reichen Schlachten schlug, auf der er als Reichs­präsident und Gutsherr für Deutschland und seine engere Heimat wirkte. Es ist die gleiche Erde, in der der Feldmarschall zur Erdenruhe gebettet wecken wird, damit sein Geist über diesem Lande und über Deutschland wache.

Die Anteilnahme des Auslandes

Oestsrre

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Wien, 3. August.

Die gesamt Wiener Presse bringt in großer Aufmachung >ie Beileidskundgebung des Bun­deskanzlers sr. Schuschnigg zum Ableben des Reichspräsidenten von Hindenburg. Die Presse widmet dem verstorbenen Eeneralfeldmarschall ausnahmslosWorte höchster Anerkennung. Sämt­liche Blattet bringen eingehende Darstellungen des Lebenslafs des Reichspräsidenten, sowie die bei der beuchen Regierung eingegangenen Bei- leidskundgebjngen. Die amtliche „Wiener Zei­tung" schreit, ein hohes Symbol des deutschen Volkes sei g allen. Hindenburg habe das wohl­verdiente Arecht, der Stolz des deutschen Volkes zu sein. Oterreich schließe sich der Trauer an, denn auch fi Oesterreich sei der Eeneralfeldmar­schall und Reichspräsident eine Jdealerscheinung gewesen, di Liebe, Zuneigung und Bewunde­rung im höchsten Grade hervorgerufen habe. Die „Reichüost" schreibt, mit Hindenburg sei ein Mann dayrgegangen, dem auch die einstigen Gegner Diltschlands vorbehaltlos Hochschätzung entgegenbvchten. Oesterreich betrauere in dem Verewigtes den Waffengefährten der schweren Kriegszeit eine der kraftvollsten Persönlichkeiten der jüngstes deutschen Vergangenheit, einen Mann besten altteußischen Schlages, der sich in Zeiten härtester Prüfungen als ein aufrichtiger Freund OesterreiS erwiesen habe. Die „Neue Freie Presse" seeibt, der Tod Hindenburgs habe in der ganzes Welt ehrfurchtsvolle Trauer ausgelöst. In ihm vfkörperte sich das Preußentum in seiner besten Fckn.

Lpsnin

Madrid, 8. August.

Die Ztung „Sol" schreibt zum Hinscheiden Hindenbchs, er war der Fels und der Mittels­mann, indem das ewige Deutschland wiederge­boren w;de, um sein eigenes Wesen zurück zu erobern. - Die Zeitung „ABC" schreibt: Deutsch­land vevert seinen großen Soldaten wenige Tage nasem Frankreich einen als Kolonisator ebenfallssehr Tüchtigen verlor. Hindenburg geht jetzt in L Geschichte ein. Sein strahlender Name stützt sickpus die begeisterte Bewunderung der Masse dj deutschen Nation. Ihm folgt ein lan­ger Zugion Erinnerungen an große, heroische Taten u» an große Opfer im Dienst am Vater­land. —pie Zeitung „Debate" schreibt: Hinden­burg waein unparteiischer Reichspräsident, aber keine pö.ve Figur. In die Politik hat er mit Erfolg sd mit sicherem Blick eingegriffen.

Ungsn

Budapest, 3. August

Nach Bekanntwerden des Hinscheide«? des Reichsp>sidenten von Hindenburg widmet die ge­samte (esse der ungarischen Hauptstadt dem Verstorlnen seitenlange Nachrufe, in denen mit besonder Wärme der großen deutschen Schiach»

tenlenkers und späteren Lenkers des deutschen Schicksals gedacht wird. Die Presse befaßt sich gleichzeitig mit der Vereinigung der beiden höch­sten Staatsämter in der Hand des Führers Adolf Hitler. Vornehmlich die der ungarischen Regierung nahestehenden Blätter stellen fest, daß diese Lösung nicht nur vorauszusehen war, sondern auch unzweifelhaft die einzige richtige ist. Das Regierungsblatt „Flüggetlenseg" gibt der Ueber­zeugung Ausdruck, daß die Friedenspolitik des verstorbenen Reichspräsidenten dadurch, daß die Führung des Deutschen Reiches nun gänzlich in den Händen Adolf Hitlers liegt, nicht nur ihre Fortsetzung finden wird, sondern sür die ganze Welt eine über jeden Zweifel erhabene Garantie des deutschen Friedenswillens bedeutet. In den ungarischen Regierungskreisen ist dt« Lösung der Reichsprästdentschaftsfrage mit ganz besonderer Genugtuung ausgenommen worden.

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Kopenhagen, 3. August.

Die Morgenblätter füllen Spalten Wer Spalten mit Berichten über die letzten Stunden des Reichspräsidenten, den Eindruck der Trauer­botschaft in Deutschland, die Uebernahme des Reichspräsidiums durch den Führer und Reichs­kanzler usw. In ausführlichen Betrachtungen wird die Person des Verstorbenen gewürdigt und be­sonders auf Hindenburg als das Symbol von Pflichttreue und Charakterstärke hingewiesen. In der „Politiken" wird in diesem Zusammenhang u. a. festgestellt, daß wohl niemals einem ver­storbenen Monarchen größere Ehren erwiesen worden seien wie jetzt Deutschlands altem Präsi­denten. Die Leitartikel der Blätter beschäftigen sich in erster Linie mit der Uebernahme des Re-ichspräsidiums durch den Führer und Reichs­kanzler. Die konservative „Dagens Nyheder"

Gedenkfeiern i

Berlin, 3. August.

Reichserziehungsminister Ruft gibt infolge der Kürze der Zeit folgenden Erlaß an die Unter- richtsoerwaltungen der Landesregierungen und die Nachgeordneten Behörden nur auf diesem Wege bekannt:

Ich bitte, für das gesamte Reichsgebiet fol­gendes anzuordnen:

, Am Montag, dem 6. August, fällt der Unter­richt in sämtlichen Schulen des Reichsgebiets ab 12 Uhr aus. Die Schulkinder sind zu sammeln, um die Uebertragung der Trauerfeier des Reichs­tages, die um 12 Uhr im Reichstag beginnt, mit anzuhören. Auf dieser Trauerkundgebung spricht der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Seine Rede wird von Trauermusik umrahmt.

Am Tage der Beifttzrurr de» -err» Reichsprä-

steht voraus, daß am 19. August eine über­wältigende Mehrheit Hitlers Beschluß gutheißen werde. Die ebenfalls konservative „Berlingske Tidende" führt u. a. aus, daß man kaum eine Aenderung der deutschen Politik, weder nach außen noch nach innen, zu erwarten habe. In wirtschaftlicher Hinsicht solle die Leitung nun anscheinend in der Hand des Reichsbankpräsi­denten Schacht gesammelt werden.

polen

Warschau, 3. August.

Zum Ableben des Reichspräsidenten von Hinden­burg äußert sich die polnisch« Presse in zahlreichen Leitartikeln. Die halbamtliche „Gazeta Polska" schreibt, der verstorbene Generalfeldmarschall habe seit zwanzig Jahren das Schicksal des deutschen Volkes wie der getreue Ekkehard gelenkt. Niemals habe er den Glauben an sein Volk verloren. Der regierungsfreundliche „Kurjer Poranny" sagt, das L-ben Hindenburgs war hart und soldatisch bis zum letzten Augenblick. Er blieb seinem Wort immer treu. Der regierungsfreundlich« „Expreß Poranny" bezeichnet Hindenburg als die größte Gestalt und den Führern des Deutschlands von gestern, dessen Name mit der deutschen Geschichte immer aufs engste verbunden bleibe. Auch die übrigen Blätter widmen dem Feldmarschall als Heerführer und Staatsmann sehr viel Raum.

Italien

Der Oberzeremonienmeister des königlichen Hoses, Graf Santelia, begab sich am Freitag vor­mittag in die deutsche Botschaft, um Botschafter von Hassell das Beileid des Königs von Italien zum Tode des Reichspräsidenten von Hindenburg auszusprechen.

>1 den Schulen

sidenten, Eeneralfeldmarschall von Hindenburg, (7. August 1834) fällt der Unterricht in sämtlichen Schulen Deutschlands aus.

An diesem Tage ist in jeder Schule eine würde­volle Trauerfeier zu veranstalten, die so einzu­richten ist, daß die Kinder die Uebertragung der großen nationalen Trauerfeier am Tannenberg- Nationaldenkmal am 7. August um 11 Uhr hören können. Die Trauerfeier hat folgendes Pro­gramm: Trauermarsch aus der Eroica von Lud­wig van Beethoven, Ansprache des evangelischen Feldbischofs der Reichswehr, Choral: Ein' feste Burg ist unser Gott, Traueransprache des Führers, gemeinsames Lied: Ich hatt' einen Kameraden, Ueberführung des Sarges in den Feldherrnturm des Tannenberg-Denkmals unter dem Spiel der beiden Nationalhymnen.

Wo Hindenburg ruhen wird

Hohenstein (Ostpreußen), 3. August.

Das Städtchen Hohenstein, in dessen Nahe sich das Tannenbergdenkmal befindet, steht bereits ganz im Zeichen der Ueberführung und Beisetzung des toten Feldmarschalls im Tannenbergdenkmal. In Hohenstein selbst sind bereits Beamte der Ministerien eingetroffen, die die Vorbereitungen für die große Trauerseier im Tannenbergdenkmal treffen. Telefonleitungen wecken gezogen, An- und Abmarschstraßen festgelegt. Die Gesichter der Menschen sind ernst. Gerade die Einwohner der Orte des Schlachtfeldes von Tannenberg fühlen sich dem Eeneralfeldmarschall besonders ver­bunden, denn auf ihrem unmittelbaren Heimat­boden hat er die entscheidende Schlacht an der Ostfront geschlagen und Deutschland damals vor der russischen Invasion bewahrt.

Wuchtig ragen die acht Türme des Tannen- bergdenkmals in den Himmel. Von seinen Zinnen übersieht man fast das ganze weite Schlachtfeld. Fern im Süden sieht man den großen Friedhof von Waplitz, wohl den größten Heldenfriedhof Ostpreußens, wo zehntausend Soldaten die letzt« Ruhe gefunden haben. Man sieht bis zu den Kernsdorfer Höhen, fleht bis zum Orte Tannen­berg, wo ein Gedenkstein an die erste Tannen- bergschlacht von 1410 erinnert.

An den Straßen hier und da noch Einzelgräber und Massengräber, Soldaten, die man an der Stätte ihres Todes begrub. Auf den Kreuzen verwitterte Helme, in schwarzer Schrift schmucklos Name und Truppenteil. Rechts vor dem Tannenbergdenkmal wiederum Einzelgräber, dann das Denkmal des ostpreutzischen Infanterie- Regiments 147, des Hindenbnrg-Regiments: Ein aus Granit gehauener Löwe. Wenn man in der Einfahrt zum Denkmal in diesem Herbergsturm steht, dann hat man vor sich den weiten Jnnenhof mit den sieben anderen Türmen.

In dem Turm gegenüber befinden sich ebenfalls Räume der Jugendherberge, in der Mitte aber ragt steil und schlank ein riesiges Kreuz empor zum Gedenken an die Gefallenen der Tannenberg- schlacht. Im Sockel des Kreuzes ruht ein unbe­kannter deutscher Soldat, der vorher an der Straße begraben war und den man hierher brachte und in die geweihte Ecke des Denkmal­hofes bettete: Ein Symbol für alle gefallenen Helden des Weltkrieges.

In dem riesigen Ahnenturm kündigen die Fahnen ostpreußischer Regimenter von unver­gleichlichen Heldentaten. Zerschlissen, zerfetzt, pul- vergeschwärzt sind diese Fahnen, goldgestickte Reichsadler, eiserne Kreuze, rot und blau, so schimmert es von oben herab. Der Ostpreußen­turm ist ein gewaltiges Heimatmuseum, und dann der Feldherrnturm, der ursprünglich eine Ko- lossalstatue des Generalseldmarschalls enthalten sollte, und in dem nun die sterblichen Ueberreste des Siegers von Tannenberg beigesetzt werden.

Eeneralfeldmarschall von Hindenburg war es, der diesem Denkmal am 18. September 1927 die Weihe gegeben hat. „Den Gefallenen zum ehren­den Gedächtnis, den Ueberlebenden zur ernsten Mahnung, den kommenden Geschlechtern znr Nacheiferung." Das war der Spruch, mit dem er die Weihe vornahm. Er hat Geltung behal­ten auch für diese Tage und hat doppelt Inhalt in der künftigen Zeit, denn eine ernste Mahnung und eine Verpflichtung zur Nacheiferung wird uns immer das Gedenken an den größten Führer seines Volkes, Paul von Hindenburg, sein.

Hier am Tannenbergdenkmal war es auch, wo bei der Einweihung Eeneralfeldmarschall von Hindenburg als Reichspräsident eine offizielle Erklärung gegen die Kriegsschuldlüge abgab, die geradezu sensationell in der Welt wirkte.

„Die Anklage, daß Deutschland schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück! Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg ist viel- mehr das äußerste, mit den schwersten Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbst- behauptung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen, und mit reinem Herzen hat das deutsche Heer das Schwert geführt. Deutsch, land ist jederzeit bereit, dies vor unparteiischen Richtern nachzuweisen."

Wir denken noch an jenen 27. August 1933, als Eeneralfeldmarschall von Hindenburg zum letzten Male im Tannenbergdenkmal weilte. Damals stattete der preußische Staat, vertreten durch seinen Ministerpräsidenten Hermann Eöring, dem Sieger von Tannenberg, dem Vater des Vater­landes seinen Dank dadurch ab, daß er ihm das einst aus hindenburgischem Besitz an den «preu­ßischen Staat übergegangene Gut Langenau in dem Preutzenwalde, einem der schönsten Wälder Ostpreußens, wieder übereignete. „Der Alte vom Preußenwald", so nannte der ostpreußische Gau­leiter und Oberpräsident Erich Koch den Feld- marschall. „Der Alte vom Preußenwald", unter dieser Bezeichnung wird er in der ostpreußischen Landschaft immer lebendig bleiben.

Die Totenmaske

Berlin, 3. August.

Der bekannte Berliner Bildhauer Professor Joseph Thorak, der Schöpfer der letzten nach dem Leben geschaffenen Büste des Herrn Reichs­präsidenten, hat am Donnerstagabend die Toten- masks des Verewigten abgenommen.