Ausgabe 
(30.9.1934) Nr. 270
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Üas amtliche Organ öes Senats

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Nr. 270 / 3. Vierteljahr

Sonntag, 36. September

Einzelpreis 15 Rps.

krnleSanksest -er Nation

Symbol für die kmigkeil aller Oeuischen / Ser heutige Slaalsakt auf dem vückeberg

Nun danket alle Sott!

ll. k. Bremen, 30. Sept. 1934.

Ein geeintes Volk dankt heute dem All­mächtigen für die große Gnade, daß ihm wieder das tägliche Brot gegeben ist. Wohl kein Volk der Erde weiß so aus eigener trü­ber Erfahrung zu schätzen, was so ein Stück­chen tägliches Brot bedeutet, wie das deutsche. Wer jahrelang in den Zeiten des Weltkrie­ges in kümmerlichster Weise von Steckrüben und manch zweifelhaften Ersatzmitteln gelebt hat, wer in schier endlosen Schlangen vor den Läden gestanden hat, um seine zugeteilte Ra­tion auf Karten zu empfangen, wer an die aufregenden Hamsterfahrten zurückdenkt, an die trüben Winter der Nachkriegszeit, in denen Arbeitslosigkeit und fehlendes Or­ganisationstalent der Behörden diesen Kamps ums tägliche Stückchen Brot ins Riesenhafte steigern ließ, wird heute mit besonderer Inbrunst Gott danken, daß diese Zeiten der Vergangenheit für immer angehören. Es ist heute eure große tiefe innerliche Wandlung mit unserem Volke vor sich gegangen. Wäh­rend noch vor zwei Jahren, wenn draußen aus dem Lande das Erntedankfest gefeiert rpurde, Millionen Menschen in den Städten mit Angst und Grauen den Winter erwarte­ten, wenn die Eltern ihre unterernährten Kinder mit dem Blick stummer Verzweiflung betrachteten und nicht wußten, wie sie das karge.Stückchen Brot für die hungrigen^ Mäuler aufbringen sollten, ist heute diese Sorge von der Schwelle des Hauses gebannt. Der Winter hat seine häßliche Fratze ver­loren, er ist feines Schreckens beraubt. Das deutsche Volk weiß, daß im vorigen Jahre der Führer zu feinem Worte, kein Volksge­nosse soll im Winter hungern und frieren, mit der Tat gestanden hat und daß es mit derselben Ruhe auch diesem Winter in die Augen schauen kann.

Es ist etwas Wunderbares um diese Ge­wißheit. Sicher hat in all' den Jahren vor­her der Allmächtige die deutschen Felder ge­segnet, manchmal reich, manchmal etwas minder, und doch war alles unzureichend. Es gehörte also zum himmlischen Segen noch ein anderer großer Faktor, den man vergessen hatte: Die richtige Arbeit! Wo himmlischer Segen lediglich nach Krämerart verwaltet wird und dieser Segen sich ausschließlich in Mark und Pfennig als eigener Verdienst im Buche erscheint, kann er beim besten Willen nicht der Allgemeinheit, für die er bestimmt ist, dienen. Denn der liebe Gott läßt seine Sonne nicht nur scheinen und spendet den Regen, um des Geldbeutels willen des ein­zelnen, sondern er segnet das Land, damit alle daran Anteil haben. Das ist der tiefe Sinn, der dem heutigen Erntedankfest zu- grundeliegt. In der richtigen Erkenntnis dieser Dinge hat deshalb auch der Führer den deutschen Bauern herausgestellt und ihn mit einer besonderen Mission betraut. Nicht etwa deswegen, weil es ihm besser gehen soll als den anderen Berufsständen, sondern weil er mehr leisten soll für die Allgemeinheit als die anderen. Er soll dem Volke durch seine Arbeit die körperliche Kraft geben, über­haupt Großes zu schaffen. Wenn wir auch wissen, daß unser deutscher Bauer auch heute noch nicht ganz den Gipfel der äußersten Leistungsfähigkeit erklommen hat, — dazu ist die Zeit noch zu kurz gewesen — so haben wir doch die Gewißheit, daß unter national­sozialistischer Führung bei richtiger Arbeit

das Ziel einmal erreicht werden wird, das ganze Volk aus eigener deutscher Scholle zu ernähren. Es ist schon vieles besser und an­ders geworden in diesen knappen zwei Jah­ren und wenn man hier und da immer noch nicht das richtige Verständnis für die Maß­nahmen der Regierung auf dem Agrargebiet aufbringen kann, fo spielt das schließlich nur eine untergeordnete Rolle, denn die Re­form wird durchgeführt, weil das Leben des gesamten Volkes über den eigennützigen Interessen eines einzelnen steht.

Tausend mannigfache Gedanken drängen sich heute zum Erntedankfest der deutschen Seele auf. Aber alle Gedenken bewegen sich in einer Linie: Wir wollen ein Volk sein, wir wollen einander dienen wie Bruder und Schwestern. So ruft denn heute der Führer zum großen deutschen Erntedankfest auf, das seinen lebendigsten Ausdruck bei der Feier am Bückeberg findet. In den Straßen der Städte wehen die Fahnen, die Fenster schmücken sich mit den Früchten des Feldes, in den Kirchen feiert man in Dankgottes­diensten den bedeutungsvollen Tag und auf dein Lande finden die üblichen Erntefeiern statt. Stadt und Land sind wieder ein Be­griff der Einheit geworden. Wie schmerzlich war das noch vor Jahren, als zur gleichen Zeit der aufgehetzte Städter den Bauer ver­höhnte, ihn als raffgierig beschimpfte — alles im Kampf um das Stückchen Brot. Und die Bauern, verbittert über die Verständnis- losigkeit, die ihnen von unten bis oben zur Regierung immer wieder begegnete, schlössen sich zu Kampforganisationen zusammen, um sich gegen die unberechtigten Angriffe zu wehren. Wie kleinlich, sinn- und nutzlos er­scheint uns heute dieser Kampf! Aber man muß wissen, daß die Drahtzieher dieses Kampfes persönliche und politische Geschäfte dabei gemacht haben. Ihnen war der Haß wischen Stadt und Land Bedürfnis, um elbst den Geldbeutel füllen zu können. Der Führer hat diesem irregeleiteten Volke die Augen geöffnet und heute erkennt man in Stadt und Land, wie sehr man auf Gedeih' und Verderben auf einander angewiesen ist — um des Stückchen Brotes willen.

So hat das deutsche Volk in zweifacher Beziehung Anlaß, heute dem Allmächtigen zu danken. Einmal, daß er ihm eine gute Ernte geschenkt hat und das andere Mal, daß er ihm einen Führer geschenkt hat, der der richtige Verwalter und Treuhänder des himmlischen Segens ist. Mit gläubigem Herzen stehen nur heute vor unserem Gott und wissen, daß er uns, unsere gemeinsame Arbeit und unser Land segnet. Aber wir tragen auch die ernste Mahnung in unserem Herzen, für alle Zeiten Haß und Mißgunst zu verbannen und wenn einmal der Neid in uns aufsteigen sollte, dann wollen wir uns an jene furchtbaren Jahre erinnern, die hinter uns liegen und wir wissen dann, wie schwer uns der Herr" geschlagen hat, weil wir uns und unserem Volke untreu geworden sind.

Heute aber, am National-Erntedankfest, das das deutsche Volk im hellen Sonnen­schein, in ungebändiger Kraft und im zähen Tatwillen erblickt, falten wir in Ehrfurcht vor dem Großen im Himmel die Hände und singen das alte deutsche Kirchenlied aus vollem Herzen: Nun danket alle

Gott!

H.M.

MK.

öeneralprobe

Sud. Aus dem Bückeberg, 29. September Die Arbeiten auf dem Festplatz find beendet und für den großen Staatsakt des Deutschen Erntedankfestes steht alles bereit. Die Tribünen sind mit Tuch und Grün bekleidet. Tausend Fahnen wehen von den hohen weißen Masten herab. Das große Arbeitsdienstlager zu Füßen des Berges, dessen 600 Zelte ein Hakenkreuz bilden, wartet auf den Besuch des Reichsarbeits- führers, Staatssekretär Hierl, der für Sonn­abend nachmittag angekündigt ist. Auch am Sonn­abend spendet die Sonne sommerliche Wärme.

Der ganze Sonnabend ist einer Art General probe gewidmet. Alle technischen Anlagen werden einer letzten Prüfung unterzogen. Unten im Tal rückt die Reichswehr an: Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Eine schneidige Attacke des Rei­terregiments lenkt alle Blicke auf sich. Dann rücken die Männer vom Arbeitsdienst heran, be­ziehen die für morgen vorgesehenen Stellungen und führen Freiübungen auf. Oberführer Fritsch,

der Kommandeur des Feldjägerkorps, das, wie bei allen großen Veranstaltungen, einen Teil des Ordnungsdienstes zu übernehmen hat, bespricht mit seinen Bereitschaftsführern die noch zu tref­fenden Anordnungen. Vom Tal her klingt Marsch­musik auf. In dem Arbeitsraum der Organisa­tionsleitung hat die Tätigkeit ihren Höhepunkt erreicht. Die Fernsprecher stehen hier nicht einen Augenblick mehr still.

Auf dem großen Bahnhof Hameln sind die ersten Sonderzllge eingetroffen. Die festlich ge­schmückten Straßen sind von Menschen angefüllt In dem prächtigen Vorort Bad Pyrmont hat ein großer Teil der Ehrengäste bereits Wohnung ge nommen. Im Kurhaushotel wohnen u. a. der SS.-Obergruppensührer Joseph Dietrich, de: die Polizsiodcrleitung lür das Erntedankfest inne hat, und der Reichsscndeleiter Hadamowski Reichsminister Dr. Goebbels wird Sonnabcndnach- mittag erwartet, ebenso der Reichsführer der SS. Himmler. Auch die Vertreter der in- und aus­ländischen Presse sind bereits in großer Zahl in Pyrmont eingetroffen. Auch Bad Pyrmont zeigt

in allen Straßen und an allen Häusern Fest­schmuck. Ueberall sieht man die Symbole des Erntedankfestes. Alle Landstraßen zwischen Pyr­mont und Hameln zeigen in dichter Aufeinander­folge Transparente. Ausnahmslos sind alle Häu­ser und Gärten mit Fahnen und Girlanden ge­schmückt. Der Verkehr auf den Landstraßen ist außerordentlich groß. Die Reichswehr hat in der Nacht die Vrückenbauarbeiten erledigt; die von ihr errichteten vier Pontonbrücken werden den Riesenverkehr am Sonntag außerordentlich er­leichtern. Die Quartierzelte in der Umgebung des JUckeber^es sind vielfach schon belegt.

An dem Festakt am Sonntag werden alle Mit -lieber der Reichsregicrung mi> Ausnahme de lleiihsaußenministeis Freiberr von Reurath, de-, leichsjustizministers Dr Gürlner und des stell ertretenden Reichswirtschaftsministers Dr Schach eilnehmen.

Am Sonnabend, gegen 1ö Uhr, trafen Dr Goebbels und Reichsarbeitsfllhrer, Staatssekretär Hierl, auf dem Bückeberg ein. Dr. Goebbels hatte noch eine kurze Besprechung mit den Mitgliedern

der Organisationsleitung, während Staatssekre­tär Hierl in das große Arbeitsdienstlager des Arbeitsdienstgaües 18 fuhr, in dem 8000 Ärbeits- männer untergebracht sind. Reichsminister Dr. Goebbels fuhr dann kurze Zeit später mit seiner Begleitung ebenfalls in das Arbeitsdienstlager, wo die ganze Belegschaft angetreten war. Er und Reichsarbeitsführer Hierl bestiegen den Kom­mandoturm, von dem aus letzterer eine Ansprache an die Arbeitsmänner hielt, die mit einem freudig aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer sowie mit dem Gesang des Deutschland-Liedes und ves Arbeitsdienstliedes endete. Die Arbeits- nänner brachten dann auf Reichsminister Dr Goebbels ein Sieg-Heil aus Kauarbeitsfiihrer Rogner hielt eine kurze Ansprache, oie mit einem neg-Heil au, den Reichsarbeitsführer Hierl en­dete.

Im Kurhaus von Bad Pyrmont sind inzwischen der Reichsführer der SS., Himmler, und der Führer der NSKK., Oberguppenfllhrer Hähn­le in, eingetroffen.

Winterhilfswerk 19Z4/Z5

Beginn am 9. Oktober

Berlin, 29. September.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wird am 9. Oktober durch den Führer eröffnet.

Erst an diesem Tage beginnen die Sammlungen für das Winterhilfswerk. Die Sammlungen der landwirtschaftlichen Spenden für das Winter­hilfswerk werden diesmal durch die Organisation des Reichsnährstandes unter der Leitung des Landesbauernführers vorgenommen.

Spenden, die zu anderen Sammlungen vor dem 9. Oktober gegeben werden, kommen also dem „Winterhilfswerk des deutschen Volkes" nicht zu­gute.