Ausgabe 
(26.9.1934) Nr. 266
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RS.-Eauvertag Iveser-Ems G. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Geeren 8 8 / Fernruf: Roland 828.

Nr. 266 / 3. Vierteljahr

Zeitung

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Anzeigen-Grundpreise: Die LL-ww-Zeile im Anz-igent-N 1S Rps.. die 70 -ww.Zeile im Trktteil ?b Rps. Ermäßigte Ernndpreise Wr kleine Anzeigen. Samilienanzeigen u. a.> i°wie sonstige B^tMngen Umt Preisliste t. (Nachlaßstassel 0» Für Anzeigen durch Fervjpr^er keine EewShr. Annahmeschluß l« Uhr.

Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr. der Schristleitung werktäglich von 16—17 Uhr.

Mittwoch. 26. September

Einzelpreis 15 Rps.

Line für Frankreich recht nüchtern ausfallende Betrachtung

Die Frage der Gaargruben

Deutschland kann dem Rückkauf der Schächte in Ruhe entgegensehen

(Vrabtbeiivlit unserer Berliner SeliriktlsitunK)

Der deutsche Student

(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung) N. V. Berlin, 28. September.

Bei der Besprechung der neuen Aufgaben, di-r dem deutschen Studenten aus der Neuregelung seines Universitätslebens erwachsen sind, ist wie­derholt die Frage aufgetaucht, ob nicht nunmehr eine „kalte Beseitigung" des Korporations­wesens eingeleitet werde. In politischen Kreisen der Reichshauptstadt ist man demgegenüber der Ansicht, daß zwar die zweifellos vorhandene Uebersetzung des Verbindungswesens dazu füh­ren werde, daß zahlreiche schwache Bünde in der nächsten Zeit würden liquidieren müssen, daß aber eben durch diese gesunde Auslese der Kern des Verbindungsstudententums gesund erhalten bleiben und in den Stand gesetzt würde, seine hohe Aufgabe als Wahrer und Mehrer der jahrhundertealten Tradition zu erfüllen. Es sei weder beabsichtigt noch auch tragbar, daß das wertvolle Brauchtum des im Mittelalter wurzelnden Korporationswesens zer­stört würde. Die schlagenden Verbindungen vor allem seien als Träger des Wehrgedan- ke n s gar nicht aus der deutschen Geschichte weg­zudenken. Langemarck und Horst Weisel: Diese beiden Begriffe kennzeichnen symbolisch den Wert und die Bedeutung des Waffenstudenten- tums.

Funksendung aus dem Flugzeug

Berlin, 26. September.

Der Deutschlandsender bereitet für Sonnabend, den 6. Oktober, 20.16 Uhr, eine in ihrer Form völlig neuartige Sendung vor. Hier wird nicht, wie bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt wurde, von der Erde aus mit einem Flugzeug ge­sprochen; die Sendung geht vielmehr vomFlug- zeug selbst aus, das zu Beginn der Sendung in KöljN startet und am Schluß im Flughafen Tempelhof landet. Der Funkberichte^ der sich in der Maschine befindet und mit dem Kopfhörer aus dem Funkhaus neben seinem eigenen Bericht auch len Sprecher im Sendesaal hört, so daß die Mög­lichkeit eines Gegensprechens besteht, ist während des Fluges durch eine Kurzwellenstation mit vier Punkten auf der Flugstrecke in Lüdenscheid, Mar­burg, auf dem Brocken und in Brandenburg und von dort weiter über Kabel mit dem Funkhaus in Verbindung.

Der Hörer wird also ein'lebendiges Bild vom Verlauf des Fluges erhalten, diesen unmittelbar miterleben, ja, sich selbst als Fluggast fühlen. Die Pausen zwischen den Funkberichten werden durch Szenen ausgefüllt, die aus dem Funkhaus in die Sendung eingeschaltet werden und einen Quer­schnitt durch die- Geschichte der Luftfahrt geben. Ein Fallschirmpilot wird während eines Absprunges mit Hilfe eines kleinen für diesen Zweck besonders konstruierten Kurzwellensenders zu den Hörern sprechen. Zm Rahmen der Sendung sollen auch die Stimmen unserer toten Flieger, die auf Schall­platten festgehalten sind, ertönen. Die Gesamt- leitung hat Intendant Eötz Otto Stofsregen, für die Organisation zeichnet die Funkabteilung des Deutschlandsenders verantwortlich.

„Heil - mein Führer!"

Berlin, 25. September

Der Befehlshaber der deutschen Polizei, Ge­neral Daluege, hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß er seine große Erziehungsarbeit an der deutschen Schutzpolizei völlig auf die national­sozialistische Basis gestellt habe und daß bereits jetzt sich der nationalsozialistische Geist in der deutschen Polizei sehr deutlich spürbar mache. Eine soeben ergangene Verfügung über die Erußbe- stimmungen für die Polizei, die vom preußischen Ministerpräsidenten im Einvernehmen mit dem preußischen Innenminister erlassen worden ist, ist als weiterer Schritt auf dem wichtigen Gebiet der Schaffung einer volksverbundenen Polizei im nationalsozialistischen Staat zu werten. Danach haben die Abteilungen der Polizei dem Führer und Reichskanzler gegenüber mit: „Heil — mein Führer!" zu grüßen.

„Ti-iumph des Willens!"

Der Titel für den Reichsparteitag-Film 1931

Berlin, 25. September.

Soeben ist der Titel für den Eroßfilm vom Reichsparteitag 1934 bekanntgegeben worden. Der Führer selbst hat nach eingehenden Besprechungen mit Leni Riesenstahl für das monumentale Ton- filmdoknment der Bewegung den Titel geprägt: »Triumph des Willens!" So hat nun dieser gigantische Film, der auf des Führers persönliche Veranlassung hin gedreht wurde, seinen ver­heißungsvollen Namen bekommen. 2m Dezember werden wir Zeugen der Uraufführung sein.

Ehrenkreuze find kostenfrei

Berlin, 25. September.

Um Irrtümern entgegenzutreten, weist das Reichsministerium des Innern darauf hin, daß die Verleihung des Ehrenkreuzes des Weltkrieges für den Antragssteller mit keinerlei Kosten ver­bunden ist. Sowohl die Antragsvordrucke wie die Ehrenkreuze und Befitzzeugnisse werden unent­geltlich ausgehändigt. Auch etwaige mit der Verleihung zusammenhängende Verhandlungen, Urkunden und Bescheinigungen sind gebühren- und stempelfrei.

II. IV. Berlin, 25. September.

In maßgebenden politischen und wirtschafts- politischen Kreisen der Reichshauptstadt werden soeben höchst bemerkenswerte Ueberlegungen be­kannt, die dem von Frankreich angeschnittenen Problem des Rückkaufs der Saargruben ein sehr nüchternes und für Frankreich nicht eben erfreu­liches Bild geben.

Man geht von der leicht beweisbaren Tatsache aus, daß Frankreich nicht imstande ist, die er­heblichen, bei der Kohlenwäsche entstehenden Rückstände nutzbringend zu verwerten, so daß daraus eine Belastung des Saarkohlengeschäftes eintritt, die dieses für die französische Regie un­rentabel macht. Demgegenüber kann Deutschland sagen, daß der Verband der deutschen Eesamt- wirtschaft ohne weiteres in der Lage ist, die Rück­stände über die Umwandlung in elektrischen Strom restlos aufzunehmen.

Wenn andererseits Frankreich im Fall« der Rückgliederung der Saargruben an Deutschland

die von dort bezogenen vier Millionen Tonnen Kohlen nicht mehr abnehmen würde, so wäre nach der Ueberzeugung der maßgebenden deutschen Wirtschaftskreise die viel planmäßiger arbeitende deutsche Wirtschaft in der angenehmen Lage, auch diesen Ueberschutz glatt aufzunehmen, um sich dadurch neue überraschende Möglichkeiten zu eröffnen. Ja, die deutsche Wirt­schaft würde nach einer gründlichen Restaurierung und Modernisierung der Saargruben, die unter französischer Leitung nicht eben hochwertige Arbeit leisten, ganz anderes herausholen können und unter Berücksichtigung der günstigen geographi­schen Lage des Saargebiets eine neue Blüte der saarländischen Wirtschaft herbeiführen können.

Bei diesem Anlaß wird auch die Frage des Preises angeschnitten, den Deutschland im Falle der Uebernahme zu zahlen hätte. Ganz ab­gesehen davon, daß Frankreich durch rücksichtslosen Raubbau den Rückkaufpreis bereits mehrmals

ausgesprochen erregten Stimmung. Auch er lehnte wie England jede Anerkennung des schweizerischen Anspruches ab, aber er tat es in vielfach leidenschaftlich erregter Weise, die in keinem Verhältnis zu der Be­deutung der Frage stand.

Gleichzeitig gebrauchte er Schärfen gegen Mottn, die im Zuschauerraum Bewegung aus­löste. Varthou wurde schließlich so erregt, daß er mehrmals mit der Hand aus den Tisch fug. Er bestritt der Schweiz jedes Recht, diese Forderung auch nur hier vorzubringen. Der Streitfall zwischen der Schweiz und Frankreich besiehe überhaupt nicht. Wie sei es möglich, sich aus Artikel 11 des Völkerbundsvertrages zu be- ruien, der eine Kriegsgefahr vorsehe? Ebenso unmöglich fei es, Artikel 13 anzuführen, was Eden schon unwiderleglich nachgewiesen habe. Entweder gebe es einen Streitfall oder nicht, entweder gebe es einen Vertrag, der anzuwenden sei oder nicht.

Motta habe juristische Gutachten zu Gunsten der Schweiz angeführt, aber er sei hier nicht vollstän­dig gewesen. Auch schweizerische Juristen selbst hätten anerkannt, daß für die Schweiz keine Rechtsgrundlage bestehe. Wenn Motta sich auf einen französischen Juristen beziehe, so müsse er sagen, daß er diesem Juristen, der früher Rechts­berater für das französische Ministerium gewesen sei, die Autorität Lestreite. Er habe als Franzose nicht das Recht gehabt, die öffentliche Meinung in einem anderen Lande erst aufzustacheln. Aber Frankreich habe auch eine öffentliche Meinung, auf die es Rücksicht nehmen müsse. Im übrigen müsse er Motta sagen, daß die öffentliche Meinung nicht immer ein guter Berater sei. (Sehr deutlich war hier die Spitze gegen dieHaltung der Schweiz in der Frage der Auf-

Freude im Hause Gavouen

Prinzessin Maria Pia geboren

Neapel, 26. September.

Die italienische Kronprinzessin Maria von Savoyen schenkte am Montag, 24. September, einem Mädchen das Leben, das den Namen Maria Pia führen wird. Jubel und Freude herrscht in den Straßen Neapels, das als besonders königstreu gilt, und die gespannte Erwartung der letzten Wochen löste sich in Kundgebungen vor dem

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Königspalast und in Dankgottesdiensten. Die Stadt hatte in einer Sammlung, an der sich alle Schichten der Bevölkerung beteiligten, nach altem Brauch die Wiege für das Königskind gestiftet. In Rom verkündeten 50 Salutschüsse dem in froher Erwartung harrenden Volk das Eintreffen des freudigen Ereignisses im Hause Savoyen.

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Der König von Italien hat anläßlich der Ge­burt der Prinzessin eine Amnestie erlassen, die alle Geldstrafen und die Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren erfaßt. Höhere Gefängnisstrafen werden um zwei Jahre gekürzt. Einige Ver­brechen sind von der Amnestie ausgeschlossen.

vorweggenommen hat, kann es Deutschland nicht einfallen, einen Phantasiepreis zu zahlen. Die Saargruben wurden im Januar 1920 Deutschland mit 300 Millionen Eoldfranken gutgeschrieben. Davon abzusetzen wären zunächst diejenigen Schä­den, die durch Unterlassung notwen­diger Reparatur- und Erneuerungs­arbeiten entstanden sind. Dann wäre der all­gemeine Rückgang der Anlagewerte, der in ganz Europa zu verzeichnen ist, zu berücksichtigen. Und schließlich wären diejenigen Neuinvestierungen in Rechnung zu stellen, die vorgenommen werden müßten, um die Konkurrenzfähigkeit der Gruben sicherzustellen.

Aus all diesen Ueberlegungen zieht man an maßgebender Stelle den Schluß, daß die Aus­kolkung der französischen Forderungen sich als ein empfindlicher Schlag für Frankreich selbst heraus­stellt. Die Bereinigung der Saargrubenfrage dürfte also zu einem erheblichen deutschen Plus führen.

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K. blü. „Nur der erste Schritt kostet Ueberwindung", sagte vor 200 Jahren die Pariser Schriftstellerin Du Tefsaud zum französischen Kardinal Polignac, als er ihr gegenüber die großen Leistungen des Bischofs Dionysius rühmte. Die französische Regierung Doumergue hat sich dieses ge­flügelte Wort nicht zu Herzen genommen. Sie hätte sonst, als ihr der Führer und Reichskanzler eine unmittelbare, die Volks­abstimmung überflüssig machende Verein­barung in der Saarfrage anbot, nicht schon eine Aussprache über diesen großzügigen Vorschlag abgelehnt. Man sollte nun mei­nen, daß von dem Augenblick an, da der Ahstimmungstermin endgültig festgesetzt wurde, die Lösung des Gesamtproblems durchaus unkompliziert ist, hat sich doch die Saarbevölkerung lediglich für eine von drei staatsrechtlichen Möglichkeiten zu ent­scheiden. Denn so widersinnig und ungerecht das gegenwärtige Regierungssystem an der Saar ist, so eindeutig ist die im Versailler Diktat vorgeschriebene Frage an die Abstimmungsberechtigten: „Wollt ihr die Rückgliederung an düs deutsche Reich, den Anschluß an Frankreich oder die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes (den ststus aus)?" Diese jedermann ver­ständliche Kardinalfrage bedarf jedenfalls keiner besonderen Auslegung oder Ergän­zung. Der Präsident der Saarregierungs­kommission, Knox, sowie der französische Außenminister Barthou sind anderer Auf­fassung. In umfangreichen Denkschriften an den Bölkerbundsrat sprechen sie von an­geblichen Schwierigkeiten, die zu lösen seien. In unzähligen Vorschlägen versuchen sie, einfache Rechtslage, zum Teil durch um­ständliche Darlegung rein technischer Ab­stimmungsfragen, zu verschleiern. Bei den Saarländern, die über ihre Zukunft allein zu entscheiden haben und auf die es schließ­lich ankommt, werden die Gegner Deutsch­lands mit jener Methode jedoch nichts er­reichen: Der Saardeutsche sieht die Wirk­lichkeit viel zu klar, als daß er auch nur einen Augenblick zu täuschen wäre.

Zunächst einige Feststellungen zum „Problem" der Saarpolizei. Herr Knox erklärt aus durchsichtigen Gründen, er komme mit den vorhandenen Polizei­beamten nicht aus, es müßten außerhalb des Saargebietes auf neutralem Boden weitere Kräfte angeworben werden. Wir begrüßen es, daß der Bundesrat der Schweiz soeben zum Ausdruck gebracht hat, die An­werbung von Schweizer Bürgern für die Schutzmannschaft des Saarlandes sei sowohl aus allgemeinen politischen Gründen wie angesichts der Schweizer Neutralität un­erwünscht. Die amtliche Deiner Erklärung trägt der einzig richtigen Auffassung Rech­nung. Der reibungslose Verlauf der Riesen­kundgebungen, mit denen die Teutsche Front am letzten Sonntag den Abstimmungskampf eröffnete, hat den besten Beweis für die ausgezeichnete Disziplin der Caarbevölke- rung und das Sinnlose einer Polizeiver­stärkung erbracht. Mit den paar hetzenden Emigranten und Separatisten wird die er­drückende Mehrheit der Abstimmungsberech­tigten schon allein fertig, und zwar mit der Waffe der Nichtachtung. Die Putschgefahr, die Herr Knox vom freiwilligen Arbeits­dienst her zu wittern meinte, hat sich in­zwischen nach den Protesten des Auswärti­gen Amtes und der (noch immer nicht be­antworteten) Einladung zur Besichtigung der Arbeitslager als ein Hirngespinst er­wiesen. Diejenigen, die an einer Störung der Abstimmung Interesse haben, sitzen je­denfalls in ganz anderen, nicht deutschen Lagern! Es ist von allen Einsichtigen wie­derholt die Säuberung der Saarpolizei von Spionage treibenden Elementen gefordert worden. Selbst für den sehr unwahrschein­lichen Fall, daß der Chef der Regierungs- kommission wirklich durchgreifen sollte und die Reihen der Postzeikommissare sich lich­ten müßten, würde der beste Garant -für die Ordnung in der kerndeutschen Westmark weiterhin die Besonnenheit der Bevölke­rung sein. Schließlich sei darauf hingewiesen, daß die Einsetzung ausländischer Polizei, in welcher Form sie auch erfolgen mag, dem Saarstatut widersprechen würde. Auf Grund

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Neubau der Agrarwlrtschaft

Erbkrankheit bedeutet nicht Minder­wertigkeit

Barthous Genfer Verhandlungen Todesurteile in Sowjetrußland

Barthou schlägt mit -er Kaust aus -en Tisch...

Einseitig nervöse Auseinandersetzung zwischen Frankreich und der Schweiz vor dem Völkerbundsrat

Genf, 26. September.

In der gestrigen Sitzung des Völkerbundsrates behandelte u. a. Bundesrat Motta den An­spruch der Schweiz auf Entschädi­gung für die im Weltkrieg erlitte­nen Verluste. Es handele sich erstens um Schäden, die schweizerische Bürger unmittelbar im Zusammenhang mit militärischen Operatio­nen erlitten hätten, zweitens um Schäden, die durch Requisitionen in besetzten Gebieten ent­standen seien und drittens um Schäden durch Beschlagnahmen der kriegführenden Staaten. Ge­wiß sei es eine Frage, die den Frieden berühre, aber es sei eine Frage des Rechtes und der Ge­rechtigkeit. Die Entschädigungsansprüche richteten sich, wie Motta erklärte, gegen Groß­britannien, Frankreich, Italien und das Deutsch« Reich. Im ganzen habe die Schweiz einen Verlust von rund stO Millio­nen Eoldfranken erlitten. Motta schlug vor, ein Gutachten des Haager Gerichtshofes über die Forderung«^ der Schweiz einzuholen und gleich­zeitig durch den Völkerbundsrat einen Be­richterstatter zu ernennen, der sich mit den ganzen Fragen befasse und sie später zur Entscheidung vor den Rat bringe.

Als erster antwortete der Engländer Eden dem schweizerischen Vertreter. In langen juristischen Ausführungen bestritt er, daß die Schweiz An­spruch auf die von ihr geltend gemachten Ent­schädigungen habe. Zum Schluß gab er der Mei- mAusdruck, daß die ganze Frage nicht vor dem Bölkerbundsrat gehöre. Eden hatte zwar den Standpunkt Englands in entschiedener Weise dargelegt, aber doch zugleich sehr ruhig und höflich gesprochen.

Im Gegensatz zu ihm begann der französische Außenminister Barthou seine Rede in einer

Goslar rüstet

zum Empfang des Führers

Goslar, 25. September.

Der 30. September, an dem Goslar zum ersten Male als Hauptstadt des Reichsnährstandes in Erscheinung tritt, ist für die alte Kaiserstadt von historischer Bedeutung. Di^ bereits seit einigen Tagen in Gang befindlichen Vorbereitungen lassen erkennen, daß sich die Einwohner der Be­deutung dieses Tages voll bewußt sind. Es wird nichts unterlassen, was dazu beitragen kann, dem Führer einen feierlichen Empfang zu bereiten und die ganze Stadt festlich zu schmücken.

Die organisatorischen und künstlerischen Vor­bereitungen unter der Oberaufsicht von Regie­rungsrat Cutter er und der örtlichen verant­wortlichen Leitung von Landesstellenleiter Hux- Hagen sind im Gange. Bereits im Laufe der vergangenen Woche fanden mehrere Besprechun­gen zur Vorbereitung des Empfanges der Bauernabordnungen durch den Führer statt. So weilten der Architekt Speer, Referent Weide­mann, der stellvertretende Reichssendeleiter Boese, Regierupgsrat Gutterer hier und besich­tigten die in Frage kommenden Plätze und Stra­ßen, insbesondere das Kaiserhaus, in dem der Empfang der Bauernabordnungen stattfindet, verhandelten mit der Stadtbehörde, der politi­schen Leitung, der SS. und SA., der Reichswehr usw. über die zweckmäßigsten Maßnahmen zur Vorbereitung für den Führercmpfang.

Goslar, die Stadt des Reichsnährstandes, die so viele Kunstschätze birgt, wird am 30. Septem­ber ein der Bedeutung des Tages würdiges Fest­gewand tragen und zeigen, daß es würdig ist, den Ehrentitel Reichsbauern-Hauptstadt zu tragen.

nähme Eowjetrußlands in den Völ­kerbund zu erkennen!)

In großer Erregung rief Varthou dann aus: Mein Land hat eine Invasion erduldet, es hat mehr als anderthalb Millionen Tote gehabt. Die Verluste, die es erlitten hat, sind überhaupt nicht abzuschätzen. Lassen sich die Schweizer An­sprüche damit überhaupt irgendwie vergleichen? Der Angreifer hätte unsere Schäden bezahlen müssen, aber wir haben aus Großmut auf unsere Rechte Verzicht geleistet und selbst «bezahlt.

Es bestand Lei allen Zuhörern der Eindruck, daß der französische Außenminister diese Gelegenheit benutzte, um Motta wegen seiner Haltung in der Frage des russischen Eintritts in den Völkerbund sehr viel schärfer anzugreifen, als es sonst der Fall gewesen wäre:

Bundesrat Motta ging in seiner Replik nicht aus den Ton Barthous ein, sondern beschäftigte sich nochmals sachlich mit der ganzen Frage.

Varthou sprach dann nochmals, diesmal in einem versöhnlicheren Tone. In der Sache hielt er seinen Standpunkt aufrecht: Er schlug die Ernennung eines unparteiischen Be­richterstatters durch den Völkerbundsrat vor, der zunächst einmal feststellen solle, ob der vorliegende Fall für ein Gutachten des Haager Gerichtshofes geeignet sei.

Der Präsident des Völkerbundsrates Venesch schlug dann den Argentinier Cantilo als Be­richterstatter vor, was vom Rat einstimmig ange­nommen wurde.

Die Sitzung des Völkerbundsrates endigte also sehr viel ruhiger, als es noch kurz vorher den Anschein gehabt hatte.

Japan und die Ostchinabahn

Der Staatsrat billigt Hlrotas Politik Tokio, 25. September.

Der japanische Staatsrat hat am Dienstag die Politik des Außenministers Hirotain der Frage der chinesischen Ost bahn gebilligt. 2n po­litischen Kreisen und in der Presse glaubt man zu wissen, daß der Kauf der chinesischen Ostbahn Mitte Oktober endgültig abgeschlossen werden wird. Außenminister Hirota hatte am Dienstag eine längere Besprechung mit dem sowjetrusstschen Botschafter Iurenew über Einzelfragen der zustand« gekommenen Vereinbarung. Zu den end­gültigen Abschlußverhandlungen werden der mandschurische Vizeminister Ohaschi und Direk­tor Hoschino aus Hsinking nach Tokio berufen. Die Sowjetunion wird bei den Verhandlungen durch den Botschafter Iurenew und den Direktor der Ostbahnverwaltung Konzurowski ver­treten sein.

Die japanische Öffentlichkeit feiert die Lösung der Frage der chinesischen Ostbahn als großen Er­folg Hirotas. Die japanische Presse stellt fest, daß die Verhandlungen nach dem 13. August ds. Js. in Hsinking unter Beteiligung der japanischen Bot­schafter aus Paris und Washington und in An­wesenheit des französischen und amerikanischen Botschafters in Tokio fortgesetzt worden seien. Die Blätter heben ferner hervor, daß die chinesische Ostbahn ursprünglich mit französischem Kapital er­baut worden sei und daß Frankreich die Zustim­mung zum Verkauf gegeben habe. weil es eine weitere Bindung der Sowjetunion im Osten nicht wünsche. An zuständiger Stelle glaubt man, daß Mandschukuos Selbständigkeit nun gesichert sei, .