Ausgabe 
(22.9.1934) Nr. 262
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NS.-Sauoerlag Weser-Ems G. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Teeren 6-8 / Fernruf: Roland 625

Nr. 262 / z. Vierteljahr

Sonnabend, 22. September

Einzelpreis 12 Rpf.

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Schwerer Taifun über Zentraljapan

SVOOO Wohngebäude zerstört

Fast 1000 Tote / 200 Schulkinder unter den Trümmern begraben

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Tokio, »1. September.

Nn von schweren Regenfiillen begleiteter Tai­fun rast« am Freitagnormittag mit einer Stun» drngefchwindigkeit von 15 Meilen quer durch. Zentraljapan. Er nahm seinen Anfang bei Osaka und ging über Kioto in das japanische Meer. Es entstand eine Springflut, durch die auf einer der »«gelagerten Inseln etwa 2666 Häuser überschwemmt wurden. Man befürchtet groß« Verluste an Menschenleben.

Der Weg, den der Taifun genommen hat, bietet den Anblick eines Trümmerfeldes. Ausgerissene Bäume und Telegraphenmaste sowie die Trümmer von zerstörten Häusern liegen wirr durcheinander. In Osaka find zahlreiche Häuser, darunter mehr als 4V Schulen, eingestürzt. Militär wurde sofort angefordert, um sich an dem Rettungswerk zu beteiligen. Die Zahl der Toten beläust sich bisher auf etwa M. In Osaka ist ser.

1 Teuf, 21. September.

Freitag vormittag wurde in der Politischen tmmtsfion des Völkerbundes die Aussprache Wer den polnischen Vorschlag auf Derall« gemeinerung der Minderheiten- sihiltzverträge von neuem eröffnet. Zuerst wandte sich je ein Vertreter Bulgariens und Australiens gegen die von Polen vorgeschlagene internationale Konferenz. Beide Redner erklär­ten, es sei nicht angängig, sich einseitig von einer Minderheitenschutzverpflichtung loszusagen.

Darauf ergriff für Erohbritannien Erotzsiegel- bewahrer Eden das Wort. Es handle sich, so sagte er, bei der Frage der Schutzverträge, wie auch Briand seinerzeit festgestellt habe, um eine in^jeder Hinsicht begrenzte Frage. Einige Staa­ten, deren Gebiet außerordentlich vergrößert wor­den sei, hätten auch bestimmte Bürgschaften auf sich nehmen müssen.

Der begrenzte Charakter dieser Frage sei auch im Jahre 1929 vom Völkerbundsrat auf Grund eines Berichtes des Dreier-Komitees ausdrücklich bestätigt worden.

Man müsse sich daran erinnern, daß die Min­derheitenfrage allein aus der Tatsache entstanden sei, daß bei dem territorialen Wechsel aus Grund der Friedensverträge diejenigen Staaten, die

Streik von 40000 Seeleuten

in Nordamerika am 8. Oktober

Newyork, 21. September.

Der Verband der Seeleute kündigt für den 8. Oktober den Streik in allen Atlantikstädten und den Häfen des Golfs von Mexiko an. Mit Aus­nahme der Eastern- und Black Diamondlines wer­den alle amerikanischen Schiffslinien von dem Ausstand betroffen werden. Der Verband rechnet mit einem Streik von 19 009 Seeleuten.

große, neue Gebiete erhalten hätten, gleichzeitig große Mengen einer Bevölkerung übernommen hätten, die rassenmäßig nicht mit dem neuen Etaat verwandt gewesen sei, sondern mit den be­nachbarten Staaten, mit denen das neue Land in den meisten Fällen soeben noch im Kriege ge­standen hatte.

Eden nannte als Hauptziele des geltenden Minderheitensystems: 1. Europa Ruhe zu ver­schaffen durch dieEleichberechtigungder Minderheiten und 2. zu erreichen, daß Streitfragen, die aus der Zuteilung dieser Minderheiten zu einem Lande entstehen könnten, nicht zu Streitfragen zwischen den zwei benach­barten Ländern würden, sondern in einer unper­sönlichen Weise durch eine neue internationale Organisation innerhalb des Völkerbundes gelöst würden.

Daraus geh« hervor, daß auf uns allen hin­sichtlich dieser Minderheiten, die infolge der Friedensverträge einem anderen Lande zugeteilt worden seien, eine besondere Verantwor­tung ruhe. Eden fuhr dann fort: Es gibt kein ähnliches Weltproblem, das die Ausdehnung dieses ganz besonderen Problems auf die ganze rechtfertigen würde, schon deshalb nicht, va anderswo keine derartig« Verpflanzung einer Bevölkerung von einem Staat in den anderen stattgefunden hat oder in Aussicht genommen ist. Wenn der Mechanismus, der sür diesen ganz besonderen Zweck geschaffen

per ein berühmter Tempel zerstört worden. Dabei find is Personen verletzt worden.

In Kioto wurden ein Gebäude und mehr als 19 Schulhäuser vernichtet. Nach den ersten Berichte« sollen hier etwa 19S9Schulkinder unter den Trümmern begraben wor­den sein. Etwa 199 konnten sofort nach dem Unglück wieder befreit werden. Der Eisenbahnver­kehr zwischen Tokio, Osaka und Schimonoseki ist unterbrochen. Zahlreiche Züge find verunglückt. Einzelheiten über diese Unglücke stehen noch aus. Auch der Telegraphen- und Tslefonverkehr im Unglücksgebiet ist unterbrochen.

Man ist der Ansicht, daß es sich bei dem Taifun um den schwersten handelt, der während der letzten 29 Jahre Japan heimgesucht hat.

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Wie zu dem Taifununglück in Zentraljapan er­gänzend gemeldet wird, konnten nach angestrengter Tätigkeit der Rettungsmannschaften in Kioto von den mehr als 1999 unter den Trümmern der

worden ist, in anderen Ländern angewandt werden müßte, wo zwar Minderheiten vorhanden find, wo aber nicht das gleiche internationale Problem besteht, so würd« eine wirkliche Gefahr entstehen.

Die Absicht der Schöpfer der Minderheitenschutz- bestimmung war, ein System zu schaffen, das so­lange dauern soll, als das Problem selbst besteht. Man war nicht der Meinung, daß dieses Problem für alle Zeiten bestehen bleiben würde. Tat­sächlich enthalten alle Minderheitenverträge eins Bestimmung, durch welche sie mit einer einfachen Mehrheit im Rate des Völkerbundes abgeändert werden können. Die Absicht der Minderheitrn- verträge war nicht, eine Frage zu verewigen, son­dern sie zu lösen. Ideal wäre es ohne Zweifel, wenn die Kontrolle aufgehoben würde, da sie nicht mehr nötig sei. Aber ist eine derartige Lage tatsächlich in den betreffenden Staaten schon vor­handen?

Eden betonte dann nochmals, auch er halte das bestehende System nicht für vollkommen, Ab­änderungsvorschläge könnten durchaus geprüft werden. I« dieser Beziehung sei er mit dem Redner Kanadas durchaus einverstanden, aber es müsse erst noch bewiesen werden, daß die Verallgemeinerung der Verträge bessere Er­gsbnisse zeitigen würde. Der Redner ging dann auf die fraglichen Schwierigkeiten ein, die einer Verallgemeinerung der Verträge entgegenstehen dürften. In einigen Ländern seien Rasse, Reli­gion und Sprache so vermischt, daß es gar nicht möglich sei, Mehrheiten und Minderheiten fest­zustellen. Das sei übrigens auch in Eroß-Britan- nien nicht möglich. Es sei berechtigt, in bestimm-

Ein famoser Missionar

Das Geschäftsgebaren der amerikanischen Rüstungsindustrie

Washington, 21. September.

Bei dem am Donnerstag vom Senatsausschuß zur Untersuchung des Geschäftsgebarens der amerikanischen Rüstungsindustrie fortgesetzten Verhör sagte der Vorsitzende der Federal Labo­ratories Company, Poung, aus, die Japaner unterhielten in den Bereinigten Staaten von Amerika einen wirksamen Handelsinfor­mationsdienst, um sich über die neuesten amerikanischen Erfindungen laufend zu unterrich­ten. Die Japaner bekämen die Patentnummern durch japanische Handelshäuser und schrieben die Patente dann im Patentamts ab. Aus dem Schriftwechsel zwischen Hornig und der Makler­firma Okura-Company ergab sich, daß die Mak­ler-Firma die Patentnummern der Erzeugnisse der Federal Laboratories Eompany unter dem Vorwande zu erfahren versuchte, die japanische Marine wünsche einige Erzeugnisse zu kaufen. Houng erklärte bei seiner Vernehmung, er habe der Makler-Firma die gewünschten Nummern nicht mitgeteilt, sondern ein Abkommen über den Ver­kauf der Herstellungsrechte an die Japaner vor­geschlagen.

Im weiteren Verlaufe des Verhörs wurde fest­gestellt, daß Oberst P. M. Smoot Eeneraladju- tant in Hawai, im Rechnungsjahre 1933/34 Agent für die Tbomson-Machinegun-Gesellschaft und die Federal Laboratories war Weiter ergab sich, vaß Young im Dezember 1932 Schritte unternahm um das vorgeschlaqene Waffenaus­fuhrverbot im Kongreß zu bekämp­fen, daß die Federal Laboratories im ersten

Schulhäuser begrabenen Schulkindern 899 ge­rettet werden. Das Schicksal der übrigen Kin­der ist ungewiß. Durch die Springflut sind an der Küste des Isländischen Meeres mehrere Städte verwüstet worden. Etwa SO 000 Wohngebäude sind zerstört worden. Bei den Zugunfällen sind nach den bisherigen Nachrichten etwa 100 Todesopfer zu beklagen. Die Ausläufer des Orkans haben sogar noch Tokio erreicht, jedoch wurde nur ge­ringer Schaden verursacht.

Das japanische Innenministerium hat unter Borsitz des Innenministers Goto einen besonde­re« Ausschuß zur Feststellung der Toten und Opfer des Taifuu» uud der Springflutkatastrophe eiu- gesetzt.

Die Polizeibehörde vo« Schimonoseki teilt mit, daß ei« Ausflugsdampfrr mit 359 Personen au Bord, der vor mehreren Stunde« den Hafen ver­lasse« hatte, bisher noch nicht zurückgekehrt sei. Man befürchtet, daß der Dampfer von der Spring­flut ereilt und gesunken ist.

ten Staaten den Juden Minderheitenrechte zu gewähren, aber in der Mehrheit der Staaten sei diese Frage unbekannt. Natürlich trage jede Re­gierung, auch da, wo die internationale Frage nicht bestehe, die Verantwortung für die Bevölke­rung aller Rassen, Sprachen oder Religionen. Tatsächlich müsse jede Regierung auch nach der Behandlung beurteilt werden, die sie jedem Teil ihrer Untertanen zuteil werden lasse. Das sei ein Element der Zivilisation und darauf gründe sich der gute Name eines Staates.

Dann wandte sich Eden noch gegen den Vor­schlag, «ine internationale Konferenz mit dem Ziele einer Verallgemeinerung des Min­derheitenschutzes einzuberufen. Dazu fehlten alle Voraussetzungen. Eine Konferenz dieser Art müßte mit einem völligen Fehlschlag enden.

Baron Aloisi wandte sich kurz gegen eine Ausdehnung der Minderheitenschutzverträge. Diese Frage habe sich historisch entwickelt und müsse auch so betrachtet werden. Die Lage in den verschie­denen Ländern sei völlig unterschiedlich. Hierauf gab Massigli für Frankreich eine Erklärung ab. Er behauptete, daß in seinem Lande die Minderheitenfrage nicht bestehe. Die Frage der Einberufung einer Konferenz zur Verallgemeine­rung der Minderheitenschutzverträge könne vom praktischen Gesichtspunkt aus kaum ernstlich er­örtert werden.

Gewiß seien die Minderheitenschutzverträge nicht ewig. Die Unterzeichnermiichte des Versailler Ver­trages und der Völkerbund könnten sie nach einer entsprechenden Prüfung auch abändern. Zm gan­ze« sprach Massigli aber etwas vorsichtiger als

Halbjahr 1934 der kubanischen Regierung Trä­nengas und andere Materialien im Werte von über 499 099 Dollar verkaufte und daß Houngs Bruder Paul, der Missionar der Christian-Missio- nary-Alliance in Ekuador war, dem Kriegsmini­ster und den Generalen des Heeres von Ekuador die Wirkung des Tränengases zeigte.

Deutschfeindliche Hetzschrift in der Schweiz be­schlagnahmt. Der schweizerische Bundesrat hat am Freitag den Beschluß der Vundesanwaltschaft gut­geheißen, wonach die aus der Tschechoslowakei ein­geführte Broschüre „Das Dritte Reich in der Karikatur" zu beschlagnahmen sei.

Berlin, 21. September.

Der Sachreferent in der Reichsanstalt sür Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Oberregierungsrat Dr. Handrick, macht in der „Arbeitslosenhilfe" die erfreuliche Mitteilung, daß es den Bemühungen aller beteiligten Stellen ge­lungen sei, das Problem der Unterbringung der schulentlassenen Jugendlichen in der Wirtschaft sür den so stark überfüllten Entlassungsjahrgang Ostern 1934 zu lösen.

Gegenüber 600 090 Jugendlichen im Vorjahre waren diesmal 1,2 Millionen aus der Schule ent­lassen worden. Trotz der schon aus diesen Zah­len ersichtlichen Schwierigkeit gelang es sehr ba.o rund 70 Prozent der schulentlassenen männlichen und etwa 50 Prozent der weiblichen Jugend in einer Lehr-, Arbeits- oder Ausbildungsstätte

der Engländer Eden. Mail hat den Eindruck, daß er immer noch nicht die Brücke gegenüber Polen abbrechen wallte.

Im weiteren Verlaus der Aussprache zog der polnische Vertreter Raezynski den An­trag Polens aus Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverträge überraschend zu­rück. Der Präsident Madariaga hatte den polnischen Vertreter gebeten, sich nochmals zu der ganzen Frage zu äußern. Raezynski erklärte daraus, Polen halte seinen Stand- unkt grundsätzlich durchaus ausrecht. Es abe bei einigen Staaten Unterstützung ge­linden, bei anderen jedoch, und nicht den Kleinsten, sei es aus Ablehnung gestoßen. Er hab« Gegengründe zum Teil schon wider­legt, und es würde ihm nicht schwerfallen, die übrigen jetzt noch zu widerlegen. M ver­zichte aber daraüs, da Einstimmigkeit not­wendig sei und keine Aussicht aus eine Ent­schließung im Sinne des polnischen Antrages bestehe. Aus diesem Grunde werde Polen den Antrag nicht zur Abstimmung bringen.

Diese Haltung Polens ist, wie man allge­mein annimmt, gleichbedeutend mit einer Zurückziehung des polnischen Antrages auf Einberufung einer Konferenz mit dem Ziele einer Verallgemeinerung der Minderheiten­schutzverträge.

Nach Abschluß der Aussprache über den pol­nischen Antrag hatte der Vertreter Ungarns, Tibor von Eckhard, eine scharfe Anklagerede gegen die Minderheitenpolitik Rumäniens ge­halten.

Zu der Erklärung des polnischen Vertreters vor dem. Politischen Ausschutz wird von politischer Seite noch folgendes gesagt: Polen behalte sich vor, die Frage, die ihre Aktualität behalten habe, im gegebenen Augenblick auf andere Weise weiter vorwärts zu treiben. Im übrigen behalte die Er­klärung des polnischen Außenministers Beck vor der Völkerbundsversammlung ihre volle Gültig­keit, also auch die Ankündigung, daß Polen seine Mitarbeit bei der Kontrolle der Polen betreffen­den Minderheitenschutzoerträge durch den Völker­bund einstellen werde, wenn eine Verallgemeine­rung der Minderheitenschutzverträge sich nicht durchführen lasse.

Herr Knox läßt sich Zeit

Der mißhandelte Bergmann Schulz wurde erst jetzt untersucht

Saarbrücken, 21. September.

Die Regierungskommission hat gestern eine amt­liche Untersuchung des bei dem Ueb-rfall bei Mllnchwies von Polizeibeamten schwer mißhan­delten Bergmanns Anton Schulz vornehmen lassen. Es ist als außerordentlich auffällig zu be­zeichnen, daß diese Selbstverständlichkeit erst am fünften Tage nach der Tat angeordnet wurde.

unterzubringen. Von den Abiturienten, die nicht zum Hochschulstudium zugelassen worden waren, nahm der FAD. die meisten auf. Landjahr und hauswirtschaftliches Jahr für Mädchen bewirkten zusammen mit den übrigen Vildungsmaßnahmen der Reichsanstalt und anderer Stellen eine wei­tere fühlbare Entlastung.

Oberregierungsrat Dr. Handrick kommt zu der abschließenden Feststellung, daß kein Jugendlicher, der Ostern 1934 die Schule verlassen hat. im Augenblick beschäftigungslos sei. Angesichts die­ser günstigen Situation sind keinerlei Schwierig­keiten aus der Tausche zu erwarten, daß zum Oktober wiederum Schulentlassungen erfolgen Die Oktoberentlassungen spielen erfahrungsgemäß zis fernmäßig gegenüber den Osterentlassüngen so gur wie gar keine Rolle.

ArAkELinre

8. Klü. Der Genfer Vorstoß Polens in der Minderheitenschutzfrage hatte das Ostpakt­projekt des französischen Außenministers Barthou einige Tage in den Hintergrund gedrängt. Die letzten Meldungen aus der Völkerbundsstadt lassen aber daraus schlie­ßen, daß an den Plänen des Quai d'Orsay und des Kreml hinter den Kulissen um so eifriger weitergeschmiedet worden ist. Da» ursprünglich als Nordostpakt in Aussicht ge­nommene Abkommen soll jetzt, indem man die ganze Kleine Entente mit eittbeziehett will, mehr und mehr auf einen Südüst- pakt hinauslaufen, zunial auch mit der Teilnähme der Türkei Und ^Griechenlands gerechnet.wirk Die Pläne zeigen wieder ein­mal, daß Frankreich' nach der Absage Deutschlands bei aller Anpassung an die gegebenen Tatsachen im Grunde gar nicht daran denkt, in seiner Paktpolitik einen wesentlich anderen Kurs einzuschlagen. Im Gegenteil: je unübersichtlicher das „Sicher- Heits"-System des Außenministeriums an der Seine wird, um so intensiver wird an seinem weiteren Ausbau gearbeitet. Um übersehen zu können, wie weit das Netz der O st. und Südo st-Verträge schon gesponnen ist, ist es nötig, ein­mal wenigstens einen flüchtigen Blick in die Werkstatt der Pariser Diplomatie und ihrer Schule zu werfen:

Von der Völkerbundssatzung, den Statu­ten des Ständigen Internationalen Gerichts­hofes und dem Kellogg-Pakt ganz abgesehen, hat, um mit dem äußersten Siidosten anzu­fangen, die Türkei bereits-1925 einen Neu» tralitäts- und Nichtangriffspakt mit Sow- jetrutzland geschlossen, 1930 einen Freund­schafts- und Schiedsgerichtsvertrag mit Frankreich sowie im Vorjahre ähnliche Ver­träge mit Rumänien und Südslawien. Mit Griechenland hat die Türkei 1933 ein Ententeabkommen getroffen. Sowie trutz- land wiederum hat 1933 mit der Kleinen Entente sowie mit Finnland, Estland, Lett- land und Volen Verträge über die „Defini­tion des Angriffs" in Kraft gesetzt. Durch den Balkanpakt sind Griechenland, Rumä­nien, Südftawien und die Türkei einander nähergerückt. Zwischen Sowsetrußland und Polen besteht seit Anfanq 1932 ein Nicht­angriffspakt, zwischen Polen und der Tschechoslowakei eine Miiitärkonvention. Sowsetrußland und Finnland haben gleich­falls 1932 einen Nichtangriffspakt vereinbart, wie der Rätebund einen solchen Vertrag auch einzeln mit Litauen, Estland und Lett­land abgeschlossen hat. Unzählige Sicherkeits- vertröge sind weiterhin zwischen Frankreich einerseits und Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei. Südslawien und Finnland andererseits ratifiziert worden, von den Sonderabkommen der Vnlkansiaaten ganz zu schweigen. „Mir wird von alledem lo dumm. als ging mir ein Mühlrad im Ko"l herum", kann man angesichts dieles sinn­verwirrenden Nakffnftems mit Goethe io-en Und nun soll der Oftvaht noch noch Süb-N verlängert und dem Mütelmeernokt on->e- vakt werden. Wenn sich nur . dabei der Friede, den alle diel- sichern sollen

nicht allzusehr verflüchtigt!

Bauvorhaben der Reichsbahn

Berlins größte Einbrecherbande aus- gehoben k

K'ärimg der Entführung des Linb-'^ ok Kindes

Rooseoelt greift im Textilarbeiterstreik ein

polen zieht Minderheitenantrag zurück

Rede Svens im Volttischen Vvlkerbundsausschuß / Keine internationale Konferenz

Kein Schulentlassener arbeitslos

Ein neuer Erfolg der Arbeilspolitik des Dritten Reiches