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Nr. 260 / 3. Vierteljahr
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Donnerstag, 20 . September
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Was Deutschland vom Ausland fordert
Der Reichsaußenminifter über bie Ziele der Außenpolitik des Dritten Reiches
Berlin, 18. September.
Der Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hielt anläßlich der Schlußsitzung des Internationalen Straßenkongreffes am Mittwochnachmittag in der Kroll-Oper eine große außenpolitische Rede, in der er u. a. ausführte: Niemand kann an der einfachen Tatsache drehen und deuteln, daß durch uns M Millionen Arbeitsloser nach jahrelanger Arbeitslosigkeit wieder an ihre Arbeitsplätze gebracht worden sind.
Die deutsche Landwirtschaft befindet sich auch ganz offensichtlich nach. schwerer Krisenzeit auf dem Wege der wirtschaftlichen Gesundung, die deutsche Industrie gleichfalls.
Mit anderen Worten: Unser Binnenmarkt, d. h. die deutsche Wirtschaft, soweit sie von uns selbst abhängt, ist jetzt in Ordnung. Nicht in Ordnung ist freilich unser Außenmarkt, d. h. die deutsche Wirtschaft, soweit sie nicht von uns allein, sondern mit vom Auslande abhängt. Wir sind überzeugt, wir werden auch die Schwierigkeiten schließlich überwinden. Gefährlich könnten solche Schwierigkeiten nur werden, wenn man die Dinge gehen läßt. Wir haben die Behandlung dieser Fragen aber planmäßig in die Hand genommen.
Wenn Volk und Regierung eines Landes ihre Kräfte in solchem Maße für die innere Neugestaltung einsetzen, wie das in Deutschland der Fall ist, dann wird dadurch die Verfolgung aller Ziele imperialistischer Art nach außen von selbst tzmmöglich. Der Boden, auf dem die deutsche Neuerung ruht, ist nicht so beschaffen, daß sie, um chre Macht im Innern zu stabilisieren, zu den Mitteln einer Erfolgspolitik nach außen hin grei- a müßte. Bei einem Volk, das, wie das deutsche, ^Wurzel seines Bestandes im tiefsten Innern ic/'Volkswillens hat und haben muß, steht ein iHer Weg völlig außer Betracht.
Auf diesem Programm stehen im Grunde nur zwei Punkte, in denen wir mit positiven Forderungen an die anderen Regierungen herantreten und aus deren Erfüllung wir bestehen müssen. 3ene beiden Punkte sind: Die Forderung, in der Frage der militärischen Rüstungen als gleichberechtigtes Land behandelt zu werden und sodann die Forderung, die bevorstehende Regelung der Saarfrage so durchgeführt zu sehen, wie das dem Gebot politischer Vernunft und den geltenden Vertragsbestimmungen entspricht. Zwei Forderungen, die das gemeinsam haben, daß sie nicht auf neuen äußeren Macht- und Vesitzerwerv, sondern lediglich aus die Schließung offener Wunden am deutschen Staats- und Volkskörper gerichtet sind.
Wenn diese oder jene Regierung die Gleichberechtigung Deutschlands noch glaubt in Zweifel stellen oder von besonderen Vorleistungen und Garantien abhängig machen zu können, ist das für uns ein »indiskutabler Standpunkt. Er läuft darauf hinaus, daß man Deutschland noch immer als einen Staat minderen Rechtes behandeln will und daß man ihm letzten Endes das Eingeständnis zumutet, durch seinen bloßen Willen zur Gleichberechtigung ein Herd der Unruhe und Kriegsgefahr zu sein. Genau umgekehrt: Ein Staat, der seine Grenzen nicht verteidigen kann, ist nicht nur kein selbständiger und unabhängiger Staat, sondern ist, wenn er mit ringsum »sienen Grenzen inmitten hochgerüsteter Staaten liegt, gerade dadurch ein Anreiz für eine gefährliche Politik anderer Länder.
Als die Reichsregierung vor einem Fahr den Entschluß zum Austritt aus dem Völkerbünde faßte, hat sie das, wie ich das gerade heute vor Ihnen noch einmal wiederholen möchte, nicht getan, weil sie sich größere politische Bewegungsfreiheit hätte verschaffen wollen oder weil sie an sich der politischen Zusammenarbeit mit anderen Äaaten abgeneigt wäre. Es ist lediglich geschehen, weil das unentbehrliche Fundament solcher Zusammenarbeit, die Gleichberechtigung, fehlte. Deutschland steht wohl nicht allein mit der Ansicht, daß die Institution des Völkerbundes durch ihr völliges Versagen in der Abrüstungsfrage in ihren Grundpfeilern erschüttert worden ist. Wir glauben, daß es einschneidender Reformen bedürfen würde, um den Völkerbund zu dem zu machen, was er nach seinem Statut sein sollte, zu einem wirklich brauch
Vrotest der Geschädigten
Paris, 19. September.
Der Verband der in der Sowjetunion geschädigten Franzosen hat sich an den Finanzminister mit einem Protestschreiben gewandt, in dem er darauf hinweist, daß der französische Staat den Staatsangehörigen der Sowjetunion ohne Rücklicht auf ihre politische Einstellung ihr Eigentum gelassen habe, während Franzosen durch die Nationalisierung in der Sowjetunion ruiniert worden seien. Der Verband der in der Sowjetunion geschädigten Franzosen könne nicht glauben, daß die Franzosen, die für die Achtung der Verträge und den Sieg von Recht und Gerechtigkeit Krieg geführt hätten, eine solche Behandlung ertragen müßten. Dieser Lage müsse ein Gnde gemacht werden.
baren Friedensinstrument. Durch die bloße Rückkehr früherer oder den bloßen Beitritt neuer Mitglieder werden sich seine schweren Mängel nicht heilen lassen. Das gilt auch von dem jetzt vollzogenen Eintritt der Sowjetunion, einem sicherlich höchst interessanten Akt der politischen Entwicklung, zu dessen Bewertung wir allerdings nach unserem Austritt aus dem Völkerbund kein Recht mehr in Anspruch nehmen, wenn wir es auch an sich als richtig ansehen, alle Staaten zur Mitarbeit an den internationalen Aufgaben heranzuziehen.
Der grundlegende Gesichtspunkt der Gleichberechtigung hat der Natur der Sache nach seinen Einfluß auch auf unsere Stellungnahme zu einem anderen Problem gehabt, das in den letzten Wochen viel erörtert worden ist. Das ist das französisch-sowjetrussische Projekt
des Ost Paktes, oder wie ihn manche zu nennen wünschen, des Nordostpaktes. Wenn auch in diesem Falle unsere Auffassung, die wir kürzlich in ausführlicher Begründung den beteiligten Regierungen mitgeteilt und in den Hauptpunkten bereits der Öffentlichkeit bekanntgegeben haben, als Anlaß zu Angriffen gegen Deutschland und zu Verdächtigungen seines Friedenswillens benutzt worden ist, so wird es uns schwer, das noch auf einigermaßen sachliche, geschweige denn objektive Erwägungen zurückzuführen. Man schlägt uns die Beteiligung an einem Paktsystem vor, durch das zehn Staaten verpflichtet werden sollen, sich im Kriegsfall sofort mit allen militärischen Kräften zu unterstützen. Gleichzeitig erklärt man in -:ller Offenheit und Bestimmtheit, daß unser Beitritt zu diesem Paktsystem natürlich nicht etwa die Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands
müsse das Recht haben, sich in technischer Beziehung jede Hilfe zu sichern und jede Auskunft einholen zu können. Es müsse versucht werden, einen Ausgleich zu finden zwischen den souveränen Rechten eines Staates und den Wünschen der Minderheit, die sich über ein« Diskriminierung beschwere. Bei dieser schwierigen Frage könne er als Berichterstatter nicht allein handeln. Er habe deshalb zwei Kollegen gebeten, mit ihm die Petition des Prinzen Pletz zu studieren. Die Vorschläge Ma- dariagas wurden ohne Aussprache angenommen. Der Vertreter Polens gab keine Erklärung ab.
Nun wird sich also ein vom Rat eingesetzter Ausschuß mit der Pleß-Frage beschäftigen. Allerdings erst, nachdem die Zwangsverwaltung schon in der Durchführung begriffen ist. Durch die Verschiebung der Pleß-Frage, die schon vor 18 Tagen auf der Tagesordnung des Völkerbundsrats stand, hat der Rat es vermieden, sofort ein Urteil über die Zulässigkeit der Zwangsverwaltung abzugeben und in die Vorgänge rechtzeitig einzugreifen.
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Aus dem Genfer Milieu und aus der Atmosphäre um den russischen Außenkommissar Litwinow werden, wie unser Berliner U. IV.-Mitarbeiter drahtet, noch einige interess-nte Einzelheiten bekannt.
Es wurde festgestellt, daß gleich nach seiner Aufnahme Litwinow aus der bisherigen Reserve herausgetreten ist, und daß er in einer Genfer Journalistenkneipe, der „Bavaria", sich als zukünftiger Stammgast eingefunden und breitgemacht hat. Hier war es auch, wo sich ein zwei-
tersuchung des WafsenschmugAels wurde die Verhaftung zweier portugiesischer Staatsangehöriger bekanntgegeben. Einer der beiden Verhafteten ist ein ehemaliger portugiesischer Minister, der dem heutigen Regime in Portugal feindlich gegenübersteht und angeblich umstllrzlerische Absichten hegt. Auch die in Verbindung mit diesen Verhaftungen aufgetauchten Pressevermutungen, wonach spanische Politiker der Linken die portugiesischen Revolutionspläne geför-
Zweibriicken, 19. Sept.
Zu der Mißhandlung des Bergarbeiters Schulz bei Münchwies durch saarländische Polizeibeamte wird ergänzend festgestellt, daß die Aktion unter dem persönlichen Kommando des kürzlich vom Präsidenten Knox mit der Leitung der Saarpolizei betrauten M. Hemsley stand. Wie weiter festgestellt wurde, befanden sich der Führer sowie ein Teil der Mannschaften in betrunkenem Zustande. Ferner ist sachlich festzustellen, daß an dem Tatort die Straße breit und übersichtlich ist, so daß jeglicher Schmuggel, unter dessen Verdacht Schulz gestanden haben soll, nicht in Frage kommt, zumal Zollbeamte Tag und Nacht dort eine scharfe Kontrolle ausüben.
Daß es sich bei den Mißhandlungen des überdies alsbald wieder freigelassenen Schulz nicht um eine „Brechung des Widerstandes" eines einzelnen durch neun Polizeibeamte handeln konnte, sondern, daß tatsächlich die schweren Mißhandlungen mit Körperverletzung vorliegen, geht aus dem ärztlichen Befund des Dr. Hild-Saarbrücken hervor, der feststellte, daß die linke Kopfhälfte des Schulz stark geschwollen ist, daß auf dem Kopf und an der linken Stirnseite zahlreiche blutunterlaufene Striemen zu sehen sind, daß die linke Backe, das Nasenbein, das linke Handgelenk Verletzungen und Striemen ausweisen und daß aus dem ganzen Rücken zahlreiche Hautwunden und blutunterlaufene Striemen sichtbar sind.
auf dem Rüstungsgebiet in sich schließe, sonoern daß man sich nach Inkrafttreten des Systems überlegen könne, ob und in welcher Weise es etwa möglich sei, die internationale Behandlung der Rüstungsfragen wieder aufzunehmen.
Man verlangt also von uns, unter Uebernahme weitgehender Verpflichtungen, in eine besondere politische Gemeinschaft mit anderen Mächten einzutreten, während man uns gleichzeitig in einer Frage, die mit dem Zweck dieser Gemeinschaft aufs engste zusammenhängt, nämlich in der Frage des militärischen Rüstungsstandes, den Anspruch aus Gleichberechtigung ausdrücklich bestreitet. Konnten die beteiligten Regierungen wirklich im Ernst annehmen, daß Deutschland in der Lage sei, sich aus eine solche Zumutung einzulassen?
(Fortsetzung auf Seite 2)
Für die Personalpolitik des Herrn Knox bei Neuanwerbung von Polizeibeamten sind ferner folgende Fälle bezeichnend, über die bereits an die Regierungskommission eine öffentliche Anfrage gerichtet worden ist.
Es wurden neu eingestellt in die Landespolizei:
1. der beim Giidinger Ueberfall auf die Hitler-Jugend verhaftete und zu 211 Jahren Gefängnis verurteilte Nikolaus Conrad, der nach Verbüßung eines Teiles seiner Strafe auf Grund der kiirzlichen Amnestieverordnung der Regierungskommission freigelassen wurde,'
2. der früher in Deutschland als Kommunisten- sührer tätige Bitter;
3. die bekannten Obervölklinger Antifaschisten Grün und Bräuning.
Diese Fälle sind um so schwerwiegender, als die Regierungskommission ausdrücklich politische Neutralität als Voraussetzung für Neueinftellungen in die Polizei bezeichnet hatte.
Es ist nicht verwunderlich, wenn nach solchem Vorfall das Vertrauen der Saarbevölkerung in die Objektivität und Neutralität der Saarregierung auf ein Minimum gesunken ist. Allgemein ist man der Ueberzeugung, daß nach den früheren bekannten Mißgriffen bei Einstellung von Polizeibeamten durch die neuen Zwischenfälle erst recht die Unfähigkeit der Saarregierung in der Polizeifrage irgendwie objektiv mitzuwirken unter Beweis gestellt ist.
Nationale LsActaeÜät
Wir haben die internationale Solidarität
des Proletariats zerschlagen-—, nun
muß sich die nationale deutsche Solidarität beweisen!
Der Führer hat das Wort geprägt: „Kein deutscher Volksgenosse darf im kommenden Winter hungern und frieren!" Vor einem Jahre, bei der Eröffnung des ersten Winter- hilfswerkes der deutschen Nation, des ersten Winterhilfswerkes des nationalsozialistischen Deutschland. Nun steht der zweite Winter im neuen Deutschland vor der Türe und wieder geht des Führers Wort an die Nation, wieder gilt das, was zum ersten Winterhilfs- werk gesagt wurde: „Kein Volksgenosse
darf im kommenden Winter hungern und frieren!"
Und da mag dann mancher, der schon immer „gut national" war, mit Gönnermiene in seinen vollen Beutel greifen, um ein Fünf- oder Zehnpfennigstück auf dem Altar der Volksgemeinschaft zu „opfern". Dieser Zeitgenosse kommt sich dann wie ein Wohltäter vor und meint, er habe Deutschland wieder einmal „gerettet". In Wirklich, keit bedeutet eine solche Tat gar nichts! Es ist leicht, aus vollem Beutel etwas zu geben und von seinem Ueberflutz anderen ein verhältnismäßig geringes Teilchen zukommen zu lassen. Nationalsozialistisch ist: So zu geben, daß die Gabe einem selbst Opfer auferlegt!
Als die Alte Garde der NSTAP. ihren Kampf um Deutschland begann, da sah sie in greifbarer Nähe kein lockendes Ziel, und im Verlaufe ihres Ringens um die Freiheit der Nation wurde nichts als Opfer von ihr verlangt. Sie brachte diese Opfer in jeder Form. Hunderte gaben ihr Leben. Tausende wanderten in die Gefängnisse, Zehn-, ja Hunderttausende verloren Arbeit und Brot, weil sie sich zum Nationalsozialismus, zUm deutschen Volke, rückhaltlos bekannten. Und so soll niemand, der bis zur Erringung des Sieges vielleicht gar abwartend beiseite stand, glauben, mit der Spende eines geringen Geldbetrages sich das Recht auf den Nationalsozialismus erwerben zu können. Man soll sich nicht täuschen. Der kämpferische Nationalsozialist verachtet solche Mildtätig- keit. Er, der bereit war, zu jeder Stunde sein Leben sür seine Volksgenossen — auch sür jene abwartenden — zu geben, will heute gerade von diesen alles oder gar nichts! Wir wollen hier wirklich einmal das echte Opfer sehen. Wir wollen, daß sie nicht nur leicht von ihrem Ueberfluß geben, sondern auch noch dann für ihre notleidenden Volksgenossen eintreten, wo dieses Eintreten vielleicht von ihnen Einschränkungen in ihren bisherigen Lebensgewohnheiten verlangt.'
Millionen deutscher Volksgenossen kannten aus den Jahren des Systems das Gefühl des Sattseins nicht mehr. Im letzten Winter haben sie verspürt, was tätige Nächstenliebe, im Zeichen des Nationalsozialismus, zu leisten vermag. Sie sollen auch in diesem Jahre nicht enttäuscht werden. Hunderttausende von Familienvätern haben im letzten Winter seit langen Jahren erstmalig wieder eine warme Stube für die Ihren haben können. Sie sollen auch in diesem Winter nicht frieren. Ganzes Schuhwerk, ausreichende Wäsche, die notwendigen täglichen Mahlzeiten waren ihnen unbekannte Begriffe geworden, während andere Hunderttausende immer noch, obwohl sie schon ein gutes Leben führen konnten, noch etwas zurückzulegen vermochten.
Wir sind die allerletzten, die dem strebsamen Volksgenossen, dem die Möglichkeit gegeben ist, sich und die Seinen auskömmlich zu versorgen, etwas vor sich zu bringen und sogar noch Rücklagen für Alter und vorkommende Notfälle anzulegen, dieses neiden oder gar das Recht dazu absprechen. Aber wir stehen anderseits auch aüf dem Standpunkt, daß in Notzeiten, wie sie die deutsche Nation, die sich endlich ihre Freiheit zu erringen vermochte, noch als Erbe des alten Systems zu überstehen hat, jeder eigennützige Gedanke, alle persönlichen Wünsche zurückzutreten haben vor den großen Aufgaben und Pflichten der Volksgemeinschaft gegenüber.
„Kein Volksgenosse darf auch im kommenden Winter hungern und frieren!" Das ist ein Wort, das ist das Programm des nationalsozialistischen Hilfswerkes, an dem wieder alle beteiligt sein müssen. Wer sich ehrlich zum neuen Deutschland, zu den Fahnen des National-
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Der Präsident des Volksgerichtshofes gestorben
Der Reichsbischof in Hannover Verteilung der Ehrenkreuze beginnt Tre SA.-Fahrer in Magdeburg
Streitfall pleß vor dem Völkerbundsrat
Litwinow nimmt feinen Natsfitz ein / Genfer Zwischenspiele
Genf, 19. September.
Der Völkerbundsrat versammelte sich am Mittwoch um 11.15 Uhr zu einer öffentlichen Sitzung, an der auch Litwinow teilnahm. Er hat seinen Platz rechts von Polen und links von dem leeren Stuhl Japans erhalten. Der Präsident des Völkerbundes, Benesch, begrüßte Litwinow und die anderen neuen Ratsmitglieder, den türkischen Außenminister Rüschtü Bei, den Thilenen Rivas Viougna und den Spanier Madariaga. Litwinow dankte dem Präsidenten des Völkerbundsrats in einer kurzen Rede, in der er es als ein günstiges Vorzeichen hinstellte, daß Sowjetrußland gleichzeitig mit der Türkei in den WIkerbundsrat eingetreten sei. Auch Rüschtü Bei gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er gemeinsam mit „seinem Freund Litwinow" hier arbeiten könne. Nachdem auch die Vertreter Chiles und Spaniens Dankesworte gesprochen hatten, trat der Rat in die praktische Arbeit ein.
Zuerst verlas Barthou als Berichterstatter einen Bericht über die Arbeit der Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit, wobei er besonders der verstorbenen Frau Curie gedachte.
Danach berichtete der Vertreter Spaniens, Madariaga. über die Beschwerden des Prinzen Pleß wegen der gegen ihn durchgeführten Zwangsmaßnahmen. Madariaga schlug dem Völkerbundsrat vor, einen Dreier-Ausschuß zzrr Untersuchung des Streitfalles zu bilden, an dem außer ihm noch die Vertretir Australiens und Mexikos teilnehmen sollten. Dieser Ausschuß
Spaniens Minister sollten ermordet werden
Madrid, 19. September.
Ueber den vor kurzem aufgedeckten Wassen- schmuggel der spanischen Marxisten und ihre Umsturzpläne bringt die Modriger Zeitung „Jnsormaciones" aufsehenerregende Nachrichten, die von anderen Rechtsblättern der Hauptstadt aufgegriffen werden. Dem „Znsormaciones" zufolge hatten die Marxisten einen völlig durchgearbeiteten Plan, wonach die Revolution am Tage der llebersührung der beiden zur Zeit der Monarchie im Zahre 1930 erschossenen revolutionären Ossiziere Galan und Hermandez nach Madrid ausbrechen sollte. Die Hauptaktion war festgesetzt sür den Augenblick der öffentlichen Trauerfeier, an der der Staatspräsident und sämtliche Kabinettsmitglieder teilnehmen sollten. Angesichts einer erhofften Teilnehmerzahl von 399 bis 199 099 Arbeitern, die zum größten Teil bewaffnet sein sollten, sollten der Staatspräsident und die gesamten Regierungsmitglieder ermordet werden. Dies wäre das Zeichen gewesen für die offene Erhebung der anwesenden Arbeitermassen, die den Leiter der „Allgemeinen Arbeiterunion", den ehemaligen sozialdemokratischen Minister Largo Caballero — auch „der spanische Lenin" genannt — zu ihrem Führer ausgerufen hätten.
Dieser war beauftragt, dann sofort die Errichtung der Diktatur des Proletarsiats in ganz Spanien zu erklären. Das genannte Blatt schreibt, diese Pläne seien der Regierung bekannt gewesen, weshalb sie die llebersührung der sterblichen Ueberreste der beiden „Märtyrer der Revolution" nach Madrid und ihre feierliche öffentliche Beisetzung in der Hauptstadt zunächst verschoben und dann endgültig verboten habe.
Zm Zusammenhang mit der gerichtlichen Un-
Gin merkwürdiger polizeikommandeui'
Der Leiter der Gaarpolizei Anführer eines Aebersalls
tes symptomatisches Zwischenspiel abwickelte. An einer Wand dieser Kneipe hängt eine Karikatur aus dem Jahre 1928, die Litwinow bei seiner Antrittsvisite in Genf darstellt. Der Zeichner hat ihn als winziges und scheu umherblickendes Wesen dargestellt, vor dem in übermenschlicher Größe Chamberlain sich aufgepflanzt hat, der ihn herablassend durch sein Monokel betrachtet. Unter dieses Bild schrieb nun Litwinow in französischer Sprache die halb ironischen, halb selbstbewußten Worte: „Fragen Sie ihn, ob er mich jetzt auch noch so ansieht!"
Schließlich gab es noch ein anderes Intermezzo, als Litwinow mit dem russischen Botschafter in Rom, Potemkin, dem neuen ständischen Delegierten in Genf, unerwartet und überraschend im Hotel „Angleterre" abstieg. Hier hatte der frühere Ministerpräsident der inzwischen von Sowjetrußland gewaltsam in Besitz genommenen Republik Georgien sowie eine Anzahl Minderheiten- Delegierter der ehemaligen, ebenfalls zerschlagenen ukrainischen Republik Wohnung genommen. Zu ihnen hatte sich noch ein mit knapper Not der GPU. entkommener Journalist gesellt, der vor kurzem ein sensationelles Buch über die russische Dscheka verfaßt hat. Ferner befand sich dort der Generalsekretär des Minderheitenkon- gresses, der bekannt geworden ist durch seine Hilfsaktion zugunsten der Hungernden in der Urkaine. Der ehemalige Ministerpräsident von Georgien empfing Litwinow mit nicht wiederzugebenden russischen Schimpfworten, ohne daß dieser imstande gewesen wäre, sich dagegen zur Wehr zu setzen.
dert und durch Waffenlieferungen unterstützt hätten, sind bisher ohne Dementi geblieben.
Die Regierung hat eine strenge Ueberwachung der Grenze angeordnet und zwei Torpedobootszerstörer an die Küste von Asturien beordert. Diese Kriegsschiffe haben den Auftrag, den an dem aufgedeckten Waffenschmuggel beteiligten spanischen Dampfer „Turquesa" aufzubringen, der sich angeblich noch in den nördlichen Gewässern aufhalten soll.