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(19/09/1934) Nr. 259
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Mittwoch, den 19. September 1934

Bremer Zeitung

Nr. 289 Jahrgang M

bestens neutralen) russischen Historiker für die Wahrheit erheblich getrübt hat. Chwostow behauptet nämlich allen Ernstes, Deutschland habe den Krieg vorbereitet, um eine neue Teilung der Erde vorzunehmen; es sei die Anglieoerung von Luxemburg, Teilen von Belgien, Holland und der Schweiz an Deutsch­land vorgesehen gewesen; neben den Kolo­nien Englands und Belgiens habe sich der deutsche Imperialismus'^ auch die Kolonien Frankreichs aneignen wollen. Meint Chow- stow wirklich, daß ihm diesen Unsinn jemand glaubt? Die Absicht dieser von Paris aus über den Kremel bestellten Arbeit ist zu deutlich, als daß man die Schwenkung der Sowjetrussen in das Lager der Versailler Schuld-Politiker nicht mit der neuen Außen­politik der Räte-Regierung in ursächliche Verbindung zu bringen hat.Wissenschaft" im Schlepptau der bolschewistischen Agita­tion . . . Wir werden, nach der nun erfolgten Aufnahme Sowjetrußlands in das Versailler Staatensystem, noch ganz andere Moskauer Korrekturen" erleben . . .

»

Ulee Leeret Die vom Untersuchungsaus- schuh des amerikanischen Bundessenats durchgeführten Vernehmungen im Rüstungs-Industrie- Ekandal gewähren der staunenden Mitwelt wieder einmal einen Blick in die Werkstatt der wahren Kriegsmacher. Eigentlich sollte man mit Bezug auf die Rüstungsfirmen Vickers Armstrong ancl Sompanz-" und ii-ic bostr Sompsnv" wie überhaupt bei der Charakterisierung dieses Industriezweiges nicht so sehr von Enthüllungen als von Be­stätigungen sprechen, denn die Arbeitsme­thoden der Rüstungsgewinnler sind durchaus alt und bekannt: Unbegrenzte Steigerung der Millionenprofite durch Zusammenarbeit der Rüstungskonzerne mit dem Ziel des Preisdiktates, geheime, selbst nationale Grundrechte mißachtende Verabredungen für den Kriegsfall, geschicktes Eindringen in oie internationale Politik zur Verhinderung der Friedenssicherungen, überhaupt rücksichtslose Verschärfung der Kriegspsychose, Aufkauf von Zeitungen zurAufklärung" der öffent­lichen Meinung, vor Abstimmungen über Rü­stungskredite Bestechung geldgieriger Parla­

mentarier, bei besonders einträglichen Mu- nitionsgeschäften Verrat bereits vergebener Patente diese Wege ist, wie gesagt, jene Industrie schon seit Jahrzehnten gegangen. Der abenteuerliche Lebenslauf des englischen Rüstungskönigs Sir Zacharias Basileos Za- haroff, dessen Name bei den Washingtoner Untersuchungen mehrmals genannt wurde, bietet vielleicht die beste Illustration für das Kapitel:Wer treibt zum Krieg?" Die Spitzenleistung auf dem Gebiet der Ueber- vorteilung und Gewinyeinheimsung dürfte nach den jetzt bekanntgewordenen Einzel­heiten des amerikanischen Rüstungsskandals darin zu erblicken sein, daß Zaharoff in etwa zehn Jahren allein von einer Gesellschaft der Vereinigten Staaten nicht weniger als 766 099 Dollar bezogen hat. Der unheilvolle Krieg zwischen Paraguay und Bolivien ist, wie man jetzt erfährt, nicht zuletzt auf Be­treiben der Waffenfabrikanten, denen ein Friedensschluß das blühende Geschäft ver­dorben hätte, immer wieder neu geschürt worden. Ein Vertreter amerikanischer Rü­stungsfirmen soll sogar versucht haben, sich als Delegierter Perus Eingang in die Ab­rüstungskommission zu verschaffen, um dort positive Beschlüsse zu verhindern. Wenn die Regierung in Washington zwar auf den Protest ausländischer Staaten hin und um internationale Verwicklungen zu vermeiden, bemüht ist, die Untersuchung auf rein ame­rikanische Vorgänge zu konzentrieren, so darf doch der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß sich auch die anderen betroffenen und be­trogenen Staaten für die Querverbindungen jener Kriegshetzer interessieren und aus den Ermittlungen keine Geheimwissenschaft machen. Was hatte doch Adolf Hitler in seiner großen Proklamation auf dem Nürnberger Parteitag festgestellt?Wenn unsere ewigen Appelle so oft ohne eine Antwort blieben, dann wissen wir dennoch, daß es nicht die Völker sind, die Streit und Krieg wünschen, sondern kleine Cliquen internationaler Hetzer, deren Interesse es ist, Kriege zu machen, an Kriegen zu verdienen, aber nie­mals in Kriegen zu kämpfen!" Der neueste Rüstungsskandal zeigt eindringlich und un­widerlegbar, wie sehr der Führer wieder recht hatte . . .

Wird Oesterreichs Unabhängigkeit garantiert?

Die Frage der monarchistischen Restaurationin keiner Weise akut"

W«en, 18. Sept.

Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ist am Dienstagmittag aus Genf nach Wien zurück­gekehrt. Außenminister Berger-Waldenegg bleibt noch weiter in Gens, um die Regierung bei den noch lausenden diplomatischen Verhandlungen mit den Großmächten zu vertreten. Die Genfer Be­richte der Regierungspresse suchen den Eindruck zu erwecken, daß eine internationale Garan­tie der österreichischen Unabhängig­keit durch die Großmächte bevorstehe. Jedoch kommt in den Berichten trotz des betonten Opti­mismus deutlich zum Ausdruck, daß mit einem Abschluß der Verhandlungen und einem inter­nationalen Abkommen für Oesterreich vorläufig nicht zu rechnen sei. Es verstärkt sich vielmehr der Eindruck, daß gewisse Schwierigkeiten, die in den Verhandlungen aufgetaucht seien, noch nicht überwunden seien, und daß auch die Stellung der Kleinen Entente zu den in Genf erörterten Plänen noch keineswegs geklärt sei. Die Blätter melden, daß erst während des Be­suches von Barthou in Rom die Genfer Be­sprechungen über den Abschluß eines internationa­len Abkommens zur Sicherung der österreichischen Unabhängigkeit beendet werden sollen.

Die christlich-sozialeReichspost" läßt sich von einemneutralen Beobachter" aus Genf melden, daß die Großmächte die Notwendigkeit einer un­zweideutigen Sicherung der österreichischen Un­abhängigkeit durch einen Vertrag anerkannt hät­ten. Die Kerngedanken dieses Vertrages lägen bereits fest; sie bedürften nur der konkreten Aus­lösung. Jedoch wird in keiner Weise angegeben, welchen Inhalt das gewünschte Vertragsinstru­ment haben soll und ob und wann mit der Un­terzeichnung eines solchen Vertrages zu rechnen sei.

Dem Genfer Vertreter desTelegraf" wird aus Kreisen der österreichischen Abordnung zu der offensichtlich in Genfer diplomatischen Krei­sen viel erörterten Frage einer monarchi- fchen Restauration in Oesterreich fol­

gendes erklärt:Die Vertreter der österreichischen Regierung haben gerade in Genf nachdrücklich den Standpunkt vertreten, daß die Frage einer monarchischen Restauration für Oesterreich in kei­ner Weise akut ist.

Bundeskanzler Dr. Schuschnigg empfing nach seiner Ankunft aus Genf einen Vertreter der amtlichen Nachrichtenstelle, dem er u. a. folgendes erklärte:

Oesterreich vertritt nach wie vor den Stand­punkt, daß der Grundsatz einer absoluten Autarkie keiner nationalen Volkswirtschaft zum Vorteil gereichen kann, daß vielmehr durch den notwen­digen Ausbau der wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen den ein­zelnen Staaten dem Interesse aller am besten ge­dient ist. Es liegt auf der Hand, daß die beson­dere geographische Lage Oesterreichs und seine wirtschaftliche Entwicklung seit dem Friedens­vertrag mit zwingender Deutlichkeit auf das System der zweiseitigen Verträge weise.

Es versteht sich von selbst, daß diese wirtschaft­lichen Bemühungen von der politischen Gestal­tung der Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten mit bedingt sind.

Das ganze Deutschland ..."

Wien, 18. Sept.

Vor einem Wiener Schösfensenat stand am Dienstag der Gymnasiast Gottfried Weinrich, der eben erst fein Abitur abgelegt hatte, unter der Anklage unbefugten Waffen­besitzes. Es handelte sich hauptsächlich um Ge­wehrpatrone. Der junge Mann verantwortete sich sehr tapfer. Auf die Frage des Vorsitzenden: Was ist Ihr Vaterland?", antwortete er:Das ganze Deutschland!" Er wurde zu fünf Jah­ren schweren, verschärften Kerkers verur­teilt.

äandestheater Oldenburg

Die Stedinger" auf der Bühne

(üügsner Loriobtäo

Die feierliche Eröffnung der Spielzeit 1931/35 im Landestheater Oldenburg ist ein Ereignis von besonderer Bedeutung: in Anwesenheit des Dich­ters August Hinrichs, der ja nicht erst seit dem Krach um Jolanthe" als der erfolgreichste Vertre­ter des zeitgenössischen niedersächsischcn Schrifttums gilt, wurde die hochdeutsche Bühnenfassung des Spiels vom Untergang eines Volkes", des Dra­masDie Stedinger", uraufgeführt. Ministerialrat Dr. Heering und Oberbürgermeister Dr. Nabcling nahmen als führende Persönlichkeiten der Staats­und Kommunalbehörden Oldenburgs an der Feier teil.

Die Presse Niedersachsens und zahlreich besonders auch die Berliner Presse ist durch Sonderberichter­statter vertreten. Diese erhöhte Aufmerksamkeit ist leicht erklärlich. Die erste Fassung dieses BUHnen- werkes, die am 27. Mai d. I. auf historischem Ge­lände bei Alten esch, am 700. Jahrestag der Niedermctzelung der Stedinger, aufgeführt wurde, hat einen tiefen Eindruck gemacht, und dieser Ein­druck ist noch nicht verwischt. Im Gegenteil: das übereinstimmende Urteil der Presse damals und die daran geknüpfte Voraussage, daß dieStedin­ger" einmal Las historische Drama der nächsten Theaterspielzeiten werden würde, haben die Er­wartungen aufs höchste gespannt.

Unter den vielen Tausenden der Zuschauer, die an der denkwürdigen Kundgebung der Bauern Nie- dersachsens an jenem 27. Mai teilgenommen hoben, waren in Sonderzügen viele Brems: nach Alten- esch gekommen. Sie werden sichrer großen douern- und kulturpolitischen Reden der Reichsminister Darri und Rosenberg erinnern. Allen gegenwär­tig werden sein und bleiben d>e Freil-chtspiel- szenen, die August Hinrichs für diese Kundgebung geschrieben hatte: die ergreifenden Episoden, in denen die Stedinger ihre gestenlose schlichte und innige Liebe zur Scholle bekunden, die großen übcr-

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wältigenden Massenszenen, in denen sie für ihre Freiheit kämpfend niedergemacht werden. Dahinter leuchtete das schändlichste und niederträchtigste Ka­pitel Weltgeschichte auf, das uns erzählt, wie der Erzbischof Gerhard von Bremen als Lehnsherr des Stedinger Landes seine beschränkten aber verbrief­ten Rechte über das Land zu einer schäm- und skru­pellosen Zinsknechtschaft erweitert und wie er die Vcrkctzcrung betreibt gegen die Widerstand leisten­den Stedinger, sie werden vom Papst mit dem Bannfluch belegt und vom übertölpelten Kaiser in die Reichsacht getan. Es kommt zum Kreuzzug gegen Stcdingen, und am 27. Mai 1231 werden die Stedinger mit Weib und Kind und Mann und Greis von vertierten Söldncrhorden und habgieri­gen Junkern niedergemacht. Nur wenige Knaben, die von beherzten Greisen im letzten Augenblick auf die besten Gäule gesetzt werden, entkommen nrs Land der Butjadinger.

Dieser Erundzug der Geschehnisse ist in der Büh- nenbearbeitung gewahrt worden. Ja, er ist womög­lich noch schärfer herausgearbeitet als in der ersten, der plattdeutschen Fassung, die sich ja an uns Nle- dcrsachsen wandte, die wir die Geschichte unserer Heimat kennen. Wir kennen auch jenes Kapitel, das an Heroismus, Niedertracht und Tragik seines­gleichen suchtin der Geschichte des 12. und 13. Jahr­hunderts. Und diese schärfere Erhellung des histori­schen Hintergrundes wird Hinrichs als Verdienst anzurechnen sein. Denn die Geschichte Niedersach- sens und insbesondere die schonungslose Wahrheit des Dramas der Stedinger ist viel zu wenig be­kannt im Reiche: in seiner großen Rede über nie- dersächsisches Bauerntum im Lichte der deutschen Geschichte hat Reichsminister Darrö bereits auf ge­wisse Bemühungen in der bisherigen offiziellen Ge­schichtsschreibung, welche die Schande des Bremer Erzbischofs und der Dominikaner vermindern oder gar verschweigen möchten, hingewiesen. Allein, die

Europas Unruheherd

Lord Snowden über die Llngererhtigteiten des Versailler Vertrages

London, 18. September.

Lord Snowden beschäftigte sich in einem Auf­satz in derDaily Mail" mit der Zukunft Euro­pas. Er sagte u. a.: Es wird keine Anstrengung gemacht, die Beschwerden gewisser Länder zu be­rücksichtigen, die, solange ihnen'nicht abgeholfen ist, den Frieden Europas gefährden. Anstatt zu versuchen, diese Ungerechtigkeiten wiedergutzu­machen, beschäftigen sich die Mächte, die die Ur­heber dieser Ungerechtigkeiten sind, damit, Bünd­nisse zu schließen, um die Ungerechtigkeiten auf­rechtzuerhalten. Dieser Weg führt unmittelbar zu einem neuen Krieg. Die Hauptursache der europäischen Unruhe, der fieberhaften Bemühun­gen um Vermehrung der Rüstungen und um Ab­schluß von Verteidigungsbündnissen ist in dem Versailler Vertrag und in den Verträgen zu suchen, die zur Zerstückelung Oesterreich-Un­garns führten. Bevor diese Verträge nicht revi­diert sind, wird es in Europa keinen Frieden geben. Der Krieg wird nur solange aufgeschoben werden, bis die gekränkten Nationen sich stark genug zu dem Versuch fühlen, die Gerechtigkeit, die ihnen von den anderen Mächten verweigert wird, gewaltsam zu erringen. Dies ist der Kern der europäischen Lage.

Inzwischen verschlimmert die Politik Groß­britanniens, Frankreichs, Italiens und der Kleinen Entente, neuerdings anscheinend mit Unterstützung Rußlands die Lage. Sie gibt den gekränkten Nationen jeden Grund zu dem Glauben, daß ein vereinbarter und entschlossener Wille besteht, sie mit Gewalt in Unterwür­figkeit zu halten. Deutschland verließ den Völkerbund, da es mit Recht glaubte, daß die anderen Mächte entschlossen seien, ihm die- stungsgleichheit zu versagen. Deutschland hat das noch nicht dagewesene Angebot gemacht, jedes, auch das bescheidenste Matz von Rüstungen anzu­nehmen, wenn die anderen Mächt« es sich selbst auferlegen. Dies war der Prüfstein der Ehrlich­keit der anderen Mächte. Wie sehr wir auch einige der Kundgebungen der jetzigen Stimmung des deutschen Volkes bedauern, so müssen wir doch zugeben, daß sie zum großen Teil das Er­gebnis langer Jahre der Demüti­gung und des Leidens ist. Eine Nation von 60 Millionen stolzen und vaterlandsliebenden Menschen kann nicht ewig in einer Stellung der Unterlegenheit gehalten werden.

Am Schluß des Artikels sagt Snowden: Wenn Deutschland zu dem Versuch schreiten würde, seine Rechte mit Waffengewalt zu gewinnen (eine An­nahme Snowdens, die in den Tatsachen der deut­schen Politik keine Stütze findet die Schriftlci- tung des Od16.), so würde die Schuld nicht aus­schließlich bei Deutschland, sondern in der Haupt­sache bei den Mächten liegen, die durch Versagung der Gleichheit Deutschland den Glauben und die

Haag, 18. September.

In der üblichen feierlichen Weise fand am Dienstagmittag die Eröffnung der neuen Sitzungsperiode der Niederländischen General- staaten statt. Königin Wilbelmina begab sich hierzu zusammen mit der Thronfolgerin, Prin­zessin Juli ana, und in Begleitung des Hof­staates von ihrem Palais Noordeinde in der mit acht Pferden bespannten traditionellen Hofkutsche, der Kavallerieabteilungen vorherritten und folg­ten, durch die von Militürabteilungen abgesperr­ten Straßenzüge zum Rittersaal. Die Königin traf dort um 12.15 Uhr ein und wurde von den Vertretern beider Kammern zu dem inmitten des Saales aufgestellten Thron geleitet.

Nach kurzer Begrüßung der im Saal versam­melten Mitglieder der Regierung, des Diplomati­schen Korps und des Parlamentes schritt die Königin zur Verlesung der Thronrede, wobei sie zunächst ihren tief empfundenen Dank für das ihr aus allen Kreisen der Bevölkerung anläßlich des Hinscheidens der Königin-Mutter und des Prinzgemahls zuteil gewordene Mitgefühl zum Ausdruck brachte.

In der Thronrede wird sodann einleitend be­tont, daß auch Holland dieFolgendcrpoli- tischen und wirtschaftlichen Krise, von der die ganze Welt ergriffen wurde, schwerer

Hoffnung auf etwas anderes als seine eigenen Waffen beraubt haben. Wenn es zum Kriege kom­men würde, sollte Großbritannien dann kämpfen» um die schlechten Bestimmungen des Versailler Vertrages aufrechtzuerhalten? Diese Frage würde vielleicht das britische Volk beantworten müssen. Wenn eine uritische Regierung den Mut und die staatsmännische Fähigkeit hätte, zu erklären, daß sie an keinem Kriege gegen Deutschland teilnehmen würde, solange die Deutschland durch den Vertrag zugefügten Beschwerlichkeiten nicht behoben seien, würde diese Handlungsweise entweder zu einer Revision des Vertrages führen oder sie würde die Verantwortung jür den Krieg den Mächten auf­bürden, die diese Ungerechtigkeiten verewigen wollten.

Berlin, 18. September.

Ein Vertreter derNachtausgabe" hatte am Montag in Nauheim eine Unterredung mjt dem amerikanischen Zeitungskönig William Randolph Hearst. Bei der Erörterung der weltwirtschaft­lichen Fragen äußerte sich Hearst in den Aus­drücken unzweideutigster Ablehnung über den Versailler Vertrag.Ich betrachte," erklärte er u. a.,den Versailler Vertrag als eines der übelsten Instrumente, die je geschaffen wurden. Er ist gerade die Ursache der Verwir­rung und der Demoralisierung, die heute Europa beherrschen. Ueberdies machen die Klauseln des Vertrages einen neuen Krieg fast unver­meidlich, es sei denn, daß eine Methode gefunden werden kann, durch die man die Widervechtlich- keiten des Vertrages beseitigt. Die Erkenntnis, daß unser eigenes Land in irgendeiner Form für den unerhört ungerechten und unklugen Vertrag von Versailles verantwortlich ist, ist für den Amerikaner peinlich und schmerzvoll. Es ist kläg­lich, zu wissen, daß unser damaliger Präsident seine hohen Prinzipien und schönen Phrasen, seine Garantien für eine Autonomie der Rassen, seine Zusicherung der Selbstbestimmung vergessen und das Volk verraten hat, das ihm vertraute." Es sei wenigstens ein kleiner Trost, daß der Senat der Vereinigten Staaten sich geweigert habe, die­sen unerhörten Versailler Vertrag zu ratifizieren Aber der Schaden war schon geschehen. Der ganze Bau Europas war erschüttert. Es sei unmöglich, einen halben Kontinent an den Bettelstab zu bringen, ohne daß man zugleich die Handels­und Jndustriebezichungen so aus dem Gleich­gewicht bringt, daß die andere Hälft« beinahe ebenso ausgepowert wird, ungeachtet der Anhäu­fung bedeutungsloser Eoldsymbole, die innerlich wertlos seien. Uebsrall treffe man auf Blindheit gegenüber dem allgemeinen Wohlergehen, Blind­heit gegenüber dem eigenen Vorteil, Blindheit gegenüber dem Vorteil des Friedens und der Einheit. Es sei Zeit, die Ungerechtigkeit des Versailler Vertrages in Vernunft und in Frieden zu beseitigen.

zu spüren bekomme. Die Entwicklung des Wirt­schaftslebens in Holland wie in Niederländisch- Jvdien gebe zu großen Besorgnissen Anlaß, die um so schwerer werden müßten, als im Hinblick auf die Verhältnisse in denjenigen Ländern, mit denen Holland wirtschaftlich am engsten verbun­den sei, noch weitere Schwierigkeiten zu befürch­ten seien Weiter wird in der Thronrede mit großer Besorgnis festgestellt, daß beinahe überall die Tendenz zur Verstärkung der mili­tärischen Rüstungen wieder aufgetaucht sei. Obwohl die niederländische Regierung ihr möglichstes zur Einschränkung dieser Bestrebungen tue, halte sie sich doch andererseits für verpflich­tet, bei ihren aus die Landesverteidigung gerich­teten Maßnahmen dieser Tendenz Rechnung zu tragen.

Weg mit dee Königin"

Aufsehenerregender Zwischenfall im holländischen Parlament

Haag, 18. Sept.

Bei der Eröffnung des neuen Sitzungs­abschnittes des Parlaments ereignete sich ein aufsehenerregender Zwischenfall. Als die Königin im Rittersaal die Verlesung ihrer Thronrede be­endet hatte, erhob sich einer der ältesten Abge­

ordneten, um die Monarchin mit dem gebräuL- lichen Ruf:Es lebe die Königin!" zu ehren. Cz, noch die übrigen Anwesenden in diesen Ruf ein. stimmen konnten, hatte der aus Niederländisch. Indien stammende kommunistische Abgeordnet der 2. Kammer, Rustan Effendi, die Wort«:Ne­nnt der Königin!" in den Saal gerufen. Anwesenden bemächtigte sich eine große Erregung Mehrere Kriminalbeamte stürzten sich sofort den Kommunisten und warfen ihn zum hinaus. Auch die beiden anderen kommunistisch,, Abgeordneten der zweiten Kammer wurden schsi,, nigst aus dem Saal geführt. Die übrigen An. wesenden stimmten begeistert in den Ruf:x- lebe die Königin!" ein und sangen daraus "ds, Nationalhymne. Auch aus den Straßen mußte die Polizei an mehreren Stellen kommunistische An­sammlungen zerstreuen.

Forderung des Garagenbaues

Berlin, 18. September

Die von der Reichsregierung angestrebte weit Verbreitung billiger Kraftwagen bedingt die vermehrte Herstellung von Unterstellräumcn mst einem möglichst geringen Aufwand an Kosten. In einem Runderlaß des preußischen Finanz. Ministers wird nun erklärt, daß bei Schaffung neuer Siedlungen und Wohnhausgruppen die Anlage von Garagen bei der Planung der Ee- bäude zu berücksichtigen sei. Dagegen werd« Lei der nachträglichen Einrichtung von Unterstell, räumen in vorhandenen Gebäuden, soweit mög­lich, auf verfügbarem Raum in den Unterge- schössen zurückzugreifen sein. Das setze in du Regel eine Einsenkung im Vorgarten voraus, die nach den geltenden Baupolizei-Bestimmungen nicht ohne weiteres zulässig wäre. Angesichts der Bestrebungen der Reichsregierung werde aber bei der Einrichtung von Garagen weitgehendes Eni- gegenkommen zu zeigen sein. Auch an sich berech­tigte Bedenken ästhetischer Art würden hier und da zurücktreten müssen.' Von einer entsprechenden Aenderung der Musterbauordnung sei zunächst abgesehen worden, weil erst Erfahrungen ge­wonnen werden mästen. Das gelt« auch für eine etwaige Aenderung des Vorgartenrechts.

Eine Anordnung Dr. Leos

Berlin, 18. Sept.

DieNationalsozialistische Pressekorrespondenz" veröffentlicht folgende Anordnung Dr. Leys: Hiermit enthebe ich den Pg Karl Busch seines Amtes als Amtsleiter der Presse und Propa- ganda in der Deutschen Arbeitsfront und in der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", sowie als Hauptschriftleitcr der TageszeitungDer Deut­sche" Als Nachfolger für das Amt der Presse und Propaganda ernenne ich den Pg. Geiger, als Hauptschriftleiter der ZeitungDer Deutsche" den Pg. Corbach. gez. Dr. Ley,

Stabsleiter der PO. und Führ« der Deutschen Arbeitsfront."

Neuer GchneMgkeitsrekord

im Lustpostdienst von Südamerika nach Curog« Berlin, 18. September.

Die für Europa bestimmte Südamerikapost du Transozean-Luftpostdienstes Deutschland Eil amerika der Deutschen Lufthansa, die Natal <m Freitag, 11. September, morgens 9.15 Uhr «i- lassen hat und planmäßig erst. .Dienstag nachmit­tag in Deutschland eintreffen sollte, erreicht« Stuttgart schon Montag abend um 19.22 Uhr und konnte den europäischen Empfängern bereits Dienstag bei der ersten Bestellung zugestellt werden.

30000 Arbeiter im Streik

Rio de Janeiro, 18. September.

Ein in der Hauptstadt des brasilianischen Staa­tes Para, Velem, ausgcbrochener Streik der Stra­ßenbahner hat sich jetzt zu einem Generalstreik ent­wickelt. Insgesamt nehmen daran 27 Arbeiterorga­nisationen mit rund 30 000 Mitgliedern teil.

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Thronrede der niederländischen Königin

Ehre mindestens dieses Erzbischofs ist nicht zu ret­ten, und es ist nicht ein billiger Theaterknifs des Dichters dieses traurigen Kapitels Weltgeschichte, wenn er den herrlichen Stedingern nicht den Erz­bischof gegenüberstellt, sondern es ist mindestens Takt, und so hat es seinen tiefen Sinn, daß der Gegenspieler der Stedinger nicht auf die Bühne gebracht wird, weder im Freilichtspiel noch aus dem Theater.

Die Wirkung Lei der neuen Fassung beruht auf der Macht des dichterischen Wortes. Im Verlauf des Sommers hat Hinrichs umfassende Akten- und Archivstudicn getrieben, um der hochdeutschen Ucbersotzung" seiner Dichtung sprachlich die histo­rische Glaubwürdigkeit und Wahrscheinlichkeit zu geben. Die Gefahr für solche Ucbcrsetzungen besteht ja darin, daß der Realismus, mit dem die Hand­lung entwickelt wird, leicht zu beeinträchtigen ist durch jene billigen Mittel der Historienmalerei, in der sich die Romanschriftsteller des vorigen Jahr­hunderts, die heute längst vergessen sind, gefielen. Solche Historienmalerei, das nachahmende Alter­tümern in der Sprache, das man auch Archaismus nennt, wirkt immer unecht, weil die Dichtersprache ein Wortkunstwerk ist und keine Verniedlichung der Geschichte. Ein Dichter von dem "ormat August Hinrichs' kann auf derartige Mittel verzichten. Er übersetzt" einfach aus dem Plattdeutschen und überträgt die Sprachgesetze unseres geliebten Platt ins Hochdeutsche. Zum Beispiel: als Träger der Handlung lassen die sprechenden Personen dns per­sönliche Fürwort wegfallen ganz im Geiste der alltäglich ehrlichen niedersächsischcn Anspruchslosig­keit und Ehrlichkeit. Ebenso vermeiden die handeln­den Personen das Geschlechtswort. Ohne im Zuhö­rer das Gefühl der Sprachvergcwaltigung auszu­lösen, sagt ein anderes Beispiel ein Sprecher: Gott hat halfen Gott wird helfen " (Also nicht: Gott hat geholfen!) Das ist weder Archaismus noch Historienmalerei, das ist einfach Geist vom Nieder- sachsengeist. Der Niedersachse sagt ja:Gott hett hulpen . . .". Und Hinrichs hält sich an den herr­lichen Muttcrlaut, dessen Gesetzmäßigkeit so alt ist wie das heute nach lebendige Brauchtum unserer

Heimat und wie die heilige Scholle der Stedinger, er brauchte keine Altertümeleien und billigen Mit- telchen.

Solche Sprache ist alt, sie soll man nicht mehr ins Altertümliche zerren. Sie ist Trägerin jenes wahrhaftigen und gesunden Konservativismus, deren Echtheit sich auch die wildestenFortschritt- ler" vergangener Jahrzehnte nicht verschließen konnten. Zudem verfügte der Dichter gerade auch bei der Bearbeitung über eine nachtwandlerische Sicherheit, den Sachverhalt zu treffen, so daß die Handlung im Viihnendrama noch konzentrierter ist als im Freilichtspiel. Und einen dritten Vor­zug hat das neu geformte Werk: im engeren Rah­men der Bühne kann und muß man auf Massen verzichten, die einem Freilichtspiel wohl die Weihe des Thingspicls geben können, die es aber auch zu einer bloßen Kostiimparade machen kön­nen. Wenn dennoch von den neuen Massenszenen wieder eine unwiderstehliche Wirkung ausgeht, so deshalb, weil auch bei der Bearbeitung der Dich­ter auf sie das Hauptgewicht gelegt hat. Und so wundervoll scharf auch die einzelnen Gestalten der Stedinger Bauern umrissen sein mögen, so charak­teristisch und lebendig die Helden Bolko von Var- denfleth und Thammo von Huntorp und Detmar tom Dick sind, so typisch sind sie. Sie sind Per­sönlichkeiten, die ihr Volk vorstellen. Ja, im enge­ren Rahmen der Bühne sieht und erlebt man die Stedinger einprägsamer, unmittelbarer und er­barmungslos wuchtiger. Die Vorgänge !m Licht der Bühne erschüttern uns und stoßen gegen das Herz. Man fühlt etwas in sich aufsteigen, das man mit dem WortRührung" nicht erschöpfend be­zeichnen kann.

Ein anderes ist es, wenn man die Eindrücke von der Aufführung an jenem unvergeßlichen 27. Mai in Altenesch zum Vergleich heranzieht. Jenes Fleckchen Erde an der Weser ist ja schon für jeden Nicdersachsen ein Erlebnis. Und diese Atmosphäre ins Bühnenbild zu bringen, ist eine bühnenbildnerische Aufgabe, die kaum zu lösen ist.Das Land stinkt ja zum Himmel vom Blut der Erschlagenen", und wer solchen Geist in die Inszenierung bringen will, der muß mit einem

Wort des Milieudichters Eerhart Hauptmaim- schon so geartet sein", also Niedersachse fein. Gustav Rudolf Sellner, der die Urauf­führung der Bühnenfassung für das Oldenburg« Landestheater inszenierte, hat sein Bestes getan: er ist dem Dichter eng gefolgt und hat sich dar­über hinaus an seine Inszenierung damals in Altenesch gehalten. Auch Erich Döhlerhat sich in seinen szenischen Entwürfen Altenesch zum Vorbild genommen. Er hat den uralten Bruch­steinbau der Dorfkirche Altenesch und einen Pro­spekt der Weserniederung zum Hintergrund ge­macht. Das Aufgebot der Kräfte für die tragen­den Partien war ein Musterbeispiel: mit Otto Nißl als-Bolko von Bardenfleth an der SM mit Walter Nohne als Thammo, mit K a r > Kayser als Detmar tom Dick, Friedrich Kalander als Heiko, Jmmanuel Me­tz e n w a l d t als Vogt, Rolf Eerth als Jun­ker. Berti Slemer als Meile, Elfe Grün als Siefke und Ilse Daun als Thalke iegk die Besetzung Ehre ein für das Landesthcater, das diese Aufführung als einen großen Erfolg vornehmlich deshalb buchen darf, weil ein 3»- sammenspiel von erdenklicher Geschlossenheit er­reicht wurde. Das Publikum war von den erste» Szenen o» sichtlich ergriffen. Es stand im Ba»>u einer großen Dichtung und eines großen Theater- ereignisses. Stürmisch hat es den Dichter ge­feiert. der viele Male an die Rampe gcrufc» wurde. -cse-

Uraufführung im Staatstheater

In der heutigen UraufführungAnna Kron- thaler" in Anwesenheit des Dichters Fred A. Angermayer spielt die Titelrolle Inge WnckM borfs, den Eänswürger: Heinz Lorscheidt bc» Krämer Senser: Josef Müller, dessen Frau: Senta Esser von Levetzov, den Metzgermeister Wes- Hans Gerlach und den Eumpp: Gert Keller. Die Spielleitung liegt in Händen von Carl Nehder-

Motette im Dom: Donnerstag, 20. September, >9.15 Uhr. Bremer Domchor, Orgel. Eintritt ste>-

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