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der Freien Hansestadt Vremen
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Nr. 259 / 3. Vierteljahr
Mittwoch, 19 . September
Einzelpreis 15 Rps.
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Einzug der Bolschewiften in Genf
Sowjetunion mit 39 von 49 Stimmen in den Völkerbund aufgenommen
- Genf, 18. Sept.
Die Abstimmung über die Ausnahme in den Völkerbund war nach kurzer Debatte Punkt 7 Uhr beendet. Die Sowjetunion erhielt 39 Za-Stimmen von 49 im Saal anwesenden Völkerbundsmitglisdern. Sieben Mitglieder enthielten sich der Stimme und drei stimmten mit Nein. Einige Völkerbundsstaaten blieben der Abstimmung fern.
Der Präsident erklärte Sowjetrutzland als in den Völkerbund aufgenommen. Daraufhin begann die zweite Abstimmung über den ständigen Ratssitz Sowjetrutzlands, während bis russische Delegation noch autzerhalb des Saales blieb.
Bei der zweiten Abstimmung wurden für die Sowjetunion 49 Stimmen bei 59 anwesenden Staaten abgegeben bei 19 Stimmenthaltungen. Nein-Stimmen wurden nicht abgegeben. Der Präsident stellte daraufhin sest, daß die Sowjetunion einen ständigen Naissitz erhalten habe.
Kurz daraus, um 7.15 Uhr, betrat die Sowjetdelegation unter Führung von Lit- Vinow den Saal und nahm unter sehr schwachem Beisall den für sie vor- ysehenen Platz ein. Einige Delegierte, Variier Titulescu, begaben sich zu den Plätzen
k, Russen, um sie zu begrüßen und zu be- Mwünschen.
Ls stellte sich im übrigen heraus, daß die Lassen schon lange vorher durch einen Lebeneingang in das Gebäude gelangt waren, während eine sich allmählich verstärkende Menge aus der Straße noch aus ihre Anfahrt wartete.
Eleich zu Beginn der VMerLundsversammkung nteilte der Präsident dem Vorsitzenden des 6. (polnischen) Ausschusses, dem Spanier Madariaga das Wort zur Berichterstattung über die gestrigen Beschlüsse. Madariaga verlas die Entschließung, in der die Versammlung aufgefordert wird, die Sowjetunion in Gens aufzunehmen. Er fügte den Wunsch hinzu, daß auch die Vereinigten Staaten von Amerika bald den Weg nach Genf finden möchten.
Dann wurde die Aussprache über den Beschluß des 6. Ausschusses eröfsnet. Unter großer Span- anaz gab Bundesrat Motta die kurze Erklärung
ab, daß er bereits gestern alles Grundsätzliche vorspracht habe, was sein Land zu sagen habe. Die Sowjetunion erfülle als Großmacht zweifellos die Bedingungen für einen ständigen Ratssitz. Trotzdem habe er hier zu erklären, daß die Schweiz sich "ur- grundsätzlichen Erwägungen heraus der -tiwnie enthalten werde.
Hieraus hielt der irische Delegierte de Valera eine vielbeachtete Rede, in der er zunächst feststellte, daß Motta gestern im Namen der gesamten Christenheit gesprochen habe, die über die Entwicklung in Sowjetrußland schwer beunruhigt sei.
AuWMg von Freimaurerlogen
Berlin, 18. September, lll'-'f Grund des Erlasses des preußischen Innenministers vcm 8. Januar d. I. ist nunmehr die Auslösung folgender Freimaurerlogen genehmigt worden:
„Zum Preußische» Adler" in Jnsterburg; „Hermann zur Bruderliebe" in Soldin;
„>Zus> Leoparden" in Luckau;
--Wilhelm zur Wahrheit und Brudertrene" in Liibben;
„Carl zu den drei Greisen" in Greisswald; „Franz zum treuen Herzen" in Ereifenhagen; „Julius zu den drei empfindsamen Herzen" in Anllam;
„Zur Eintracht" in Treptow (Reg.-Bcz. Stettin): „Zu: heißen Quelle" in Hirschberg:
„Zu den drei Degen" in Halle an der Saale: „Friedcrikc zur Unsterblichkeit" in Stäbe; »Georg zur wahren Brudertrene" in Leer (Reg.- Vez. Aurich):
»Aurora" in Minden.
Außerdem ist, da die Logenmitgliederzahl unter urbcu gesunken ist, die Auslösung der Freimaurer- „Bruno zum Doppelkreuz" in Braunsberg Ostpreußen) erfolgt.
Barthous gestrige Erklärung, daß es bei Rußlands Ausnahme nur um eine politische Frage gehe, sei durchaus nicht überzeugend.
Wenn die Christen der Welt ihr Vertrauen in den Völkerbund als Werkzeug der Friedenssicherung verlöre, dann könne der Völkerbund auch seine Aufgabe nicht erfüllen. Die Sowjetunion habe erklärt, daß es sich den Frieden als Ziel seiner Politik setze. Er bitte deshalb die Sowjetregie- rung, daß sie die Garantien, die sie amerikanischen Bürgern vor einiger Zeit hinsichtlich ihrer Freiheit und der Sicherung ihrer persönlichen und menschlichen Rechte gewährt habe, auch auf die Bürger aller auderen Staaten und auf das russische Volk selbst ausdehne. De Valera fand großen Beifall.
Nach ihm sprachen noch ganz kurz die Vertreter Delgiens, Hollands und Portugals. Daran schloß sich dann die Abstimmung, über die wir weiter oben berichteten.
Auf dem Platz und auf den Straßen vor dem Versammlungsgebäude des Völkerbundes hatte sich am Dienstagnachmittag ein etwas zahlreiche
res Publikum als sonst eingefundcn. Es handelte sich aber meist um internationale Besucher Genfs und nur in geringem Maße um Genfer Bürger, Von der Polizei waren weitgehende Absperrungs- maßnahmen getroffen. Das Hauptinteresse galt natürlich der Anfahrt der Sowjetdelegation, die heute ihren Einzug in den Völkerbundssaal halten sollte. 2m Versammlungslokal selbst waren diesmal alle Plätze vergriffen, die dem Publikum zur Verfügung stehen.
Als Bundesrat Motta Punkt 6 Uhr vorsuhr, brach das Publikum, ganz entgegen dem, was man sonst hier gewohnt ist, in lebhaftes Beifallklatschen und Hochrufe aus.
Nachdem die Sowjetdelegation nach der Abstimmung die ihr zugewiesenen Plätze eingenommen hatte, wurde sie vom Präsidenten Sand- ler mit einer kurzen Rede begrüßt. Er bat sie, ihre Plätze in der Versammlung einzunehmen, was aber. wie mit einiger Heiterkeit bemerkt wurde, die Russen inzwischen schon selbst getan hatten. Sandler betonte, daß die Sowjet
union nunmehr alle Rechte und Pflichten eines Vülkerbuudsmitgliedes erworben habe. Er begrüßte die Russen aufrichtig und herzlich. Der Völkerbund habe sich durch Sowjetrußlands Eintritt sehr wesentlich vergrößert. Der heutig« Tag bedeute eine entscheidende Wendung inder Geschichte des Völkerbundes. Er eröffne neue Möglichkeiten und sei eine Bestätigung dafür, daß der Völkerbund der Vervollständigung zustrebe, die stets sein wichtiges Ziel bleiben müsse. Er bitte die Russen, an diesem Werk des Völkerbundes mitzuarbeiten.
Daraufhin bestieg der erste russische Delegierte, Volkskommissar Litwinow, die Rednertribüne. Er wurde mit kräftigem Beifall begrüßt. Die Jupiterlampen wurden für die Photographen eingeschaltet. und Litwinow stand, als er seine Rede begann, in grellstem Lichtkegel.
Litwinow war in einem hellgrauen Anzug erschienen. Er sprach, wie immer, schnell und überstürzt, in vielfach unverständlichem Englisch Schon deshalb konnten seine Worte keine rechte rednerische Wirkung haben.
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Rußland verzichtet aus keine seiner Besonderheiten
Der Beifall für Litwinow erheblich unter dem Durchschnitt
einer Besonder-
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Litwinow dankte zunächst den Mächten, die sich um die Zulassung der Sowjetunion bemüht hatten, vor allem Frankreich, England und Italien. Litwinow machte den Versuch, der kritischen Stimmung der Verhandlung durch eine Darstellung der Lage in Sowjetrußland entgegenzutreten, die aber zweifellos scharfem Widerspruch begegnen wird. So behauptete er, daß sich die Rassen und Völker in der Räteunion frei entwickeln und ihrer Kultur gemäß leben könnten. Es gäbe in der Sowjetunion kein Vorurteil gegen Rassen oder Nationen, und es gäbe auch keine Mehrheit und keine Minderheit, da Gleichberechtigung herrsche. Die Sowjetunion habe sogar Nationen, die im Verschwinden waren, wieder zum Leben erweckt. Ein Zeichen für die russische Toleranz und für die Vielseitigkeit des russischen Völkerlebens sei die Tatsache, daß die russische Presse in fünfzig Sprachen erscheine.
Der russische Außenkommissar betonte, daß die Voraussetzungen für Rußlands Mitarbeit und Zusammenarbeit mit den anderen Staaten in Gens der Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates sein müssen. Jeder Staat müsse das Recht haben, sich nach seinen Bedürfnissen zu entwickeln. Rußland sei hier der Vertreter eines neuen Systems, vor allem auf dem Gebiete der Wirtschaft. Sowjetrußland werde auch. in Zu
kunft auf keine heilen verzichten.
Litwinow suchte dann der Versammlung klar zu machen, daß Rußland schon seit Jahren mitten in der internationalen Zusammenarbeit stehe und in Eenf keineswegs ein Neuling sei. Er erinnerte vor allem an Rußlands Beteiligung bei den verschiedenen internationalen Konferenzen, die zum Teil vom Völkerbund selbst organisiert worden waren, und vor allem an seine Tätigkeit in der Abrüstungskonferenz. Rußland Habs sich bekanntlich mit jeder brauchbaren Abrllstungsmaßnahms einverstanden erklärt. Durch die Definition des Angreifers habe es wesentlich an der Klärung der Abrüstungs- und Sicherheitsfrage mitgearbeitet.
Auch im weiteren Verlauf seiner Rede sprach Litwinow von Rußlands Arbeit für den Frieden und den Möglichkeiten, die die Mitwirkung der Sowjetunion im Völkerbund seiner Meinung nach eröffneten.
Dann fiel das Wort „Krie g". Vor 13 Jahren, als der Völkerbund gegründet wurde, führte Litwinow aus, habe man sich die gegenwärtige Lage noch nicht vorstellen können. Jetzt aber sei der Krieg die Gefahr von heute. Der Völkerbund müsse sich der Organisation des Krieges entgegenstellen. Jeder Staat müsse wissen, daß ein
Krieg nicht mehr örtlich begrenzt werden könne und daß auch die neutralen Staaten schwer unter ihm leiden würden. Noch immer seien die furchtbaren Wirkungen des Weltkrieges nicht überwunden. Deshalb müßten verstärkte Sicherheitsgarantien verlangt werden.
Freilich könne niemand so gut wie er die Grenzen, die der Friedenssicherung des Völkerbundes gesteckt seien. Aber bei gutem Willen lasse sich unter Mitwirkung der Sowjetunion zweifellos auch hier ein Erfolg erreichen.
Als Litwinow seine Rede geendet hatte, war der Beisall etwas stärker als am Ansang, aber immer noch erheblich unter dem Durchschnitt. Obgleich die meisten Delegationen und die Tribünen- besncher zweifellos nur zum geringen Teil die Rede verstanden hatten, verließ doch alles den Saal, als die Uebersetzung der Litwinow-Rede begann. Nur ganz wenige Delegationen hielten bis zum Schluß auf ihren Plätzen aus, so daß die russische Delegation schließlich fast allein zwischen leeren Bänken saß. Sobald die Uebersetzung beendet war, schloß der Präsident die Sitzung. Die russische Delegation fuhr diesmal im Auto auf dem normalen Wege ab, wobei einige Anhänger d»s Sswjetsystems, meist junge Burschen, klatschten. Auch einige Eegenrufe waren zu hören. Die Ordnung wurde aber nicht gestört.
Reichsdeutsche in Eger verhaftet
Vorstellungen des deutschen Gesandten in Prag
Prag, 18. Sept.
Auf der Rückreise vom Nürnberger Parteitag wurden am 12. September die deutschen Reichsangehörigen Geschwister Eugen und Gertruds S e i ffe rt-Reihenberger, die Kinder eines Budapester reichsdeutschen Journalisten, auf dem Bahnhof in Eger verhaftet und in Polizeiarrest gebracht. Gertrud Seiffert ist 13 Jahre alt, Eugen Seiffert 17 Jahre alt. Das Mädchen wurde, nachdem es eine Nacht im Polizeiarrest verbracht hatte, ohne überhaupt vernommen zu werden, wieder aus der Haft entlassen. 2n demselben Polizeiarrest, in dem sich das Kind über Nacht befand, waren auch Zuhälter und Prostituierte untergebracht. Eugen Seiffert wurde dem Reichsgericht in Eger vorgeführt. Er befindet sich heute noch im Gefängnis. Als Erun-z, für die Verhaftung wurde angegeben, daß in dem Besitz der Geschwister Seiffert zwei Uniformen der Hitlerjugend, einige Zeitungen, Briefe, Drucksachen und Aufnahmen vom Nürnberger Parteitag vorgefunden wurden.
Der deutsche Gesandte in Prag, Dr. Koch, hat wegen der Freilassung des noch in Haft befindlichen Eugen Seiffert sofort die nötigen Schritte im Präger Auswärtigen Amt unternommen.
Sofioter Bahnhofsdepot in Flammen
Sofia, 18. Sept.
In den großen Materialdepots der bulgarischen Eisenbahn, die sich in unmittelbarer Nähe des Sofioter Hauptbahnhofs befinden, brach in den Abendstunden des Dienstags Feuer aus, das sich in kürzester Zeit über das ganze Gebäude ausdehnte, in dem riesige Mengen Oele, Lacke, Benzin, Petroleum und andere leicht brennbare Stösse eingelagert sind. Da das Feuer auch die anliegenden Güterschuppen bedrohte, wurde die gesamte hauptstädtische Feuerwehr eingesetzt, die indessen dem Riescnbrand machtlos gegenüber
steht und sich darauf beschränken muß, ein Uebcr- greifen des Feuers aus die angrenzenden Gebäude zu verhindern. Zur Unterstützung der Feuerwehren sind auch die beiden Pionierabteilungen der Sosioter Garnison alarmiert worden.
Die Brandstätte, deren Feuerschein das ganze Bahnhofsviertel taghell erleuchtet, ist von den Truppen abgesperrt, da wegen der großen Benzin- und Petroleummengen in der Nähe des Brandherdes Explosionsgefahr besteht. Das Feuer hält zur Stunde noch mit elementarer Gewalt an. Menschenleben sollen nach den bisher vorliegenden Meldungen nicht zu beklagen sein. Hingegen wird der Schaden als außerordentlich groß bezeichnet. Soweit bisher festgestellt werden konnte, ist das Feuer an mehreren Stellen zugleich ausgebrochen, so daß mau Brandstiftung vermutet. Einige Depotarbeiter. die in den letzten Tagen entlassen worden waren, wurden als der Brandstiftung verdächtig festgenommen.
Hüll verwirft den Boykott
Bedeutsame Erklärungen des Außenministers der Vereinigten Staaten
Washington, 18. September.
Außenminister Hüll hat am Dienstag sehr bedeutsame Erläuterungen zu seinen bisherigen Erklärungen über die gegenwärtige Handelspolitik der Vereinigten Staaten gegeben. Er betonte in einer Pressekonferenz, daß er grundsätzlich für jede Förderung des Außenhandels mitDcutschland oder irgendeinem anderen fremden Lande eintrete und vaß man zu diesem Zweck neben anderen Mitteln auch den Austausch von Ware gegen Ware sehr wohl benutzen könne. Nur dürfe sich der Handel darau, nicht beschränken, weil ein ausschließlicher Warenaustausch den Welthandel verkleinern würde an statt zu vergrößern. Es könne sich beim Warenaustausch immer nur um wenige, bestimmte Erzeugnisse und um eine Tilgung handeln, der — wie die Vereinigten Staaten das auch in den jetzt laufenden Handelsoertragsvcrhandlungen täten —
ein freier Warenverkehr bezüglich der übrigen Güter, und zwar unter Abbau von Handelsschranken sowie der Grundsatz der Meistbegünstigung zur Seite treten müßten. Außenminister Hüll machte in diesem Zusammenhange ganz spontan die wichtige Feststellung, daß er als eine dieser abzubauenden Handelsschranken auch den Roykott ansehe.
LtceMcktee
ir. Mir. BrLme n, 19. September.
Wir haben bereits an dieser
^ile in zwei grundsätzlicken a«t L-tek Artikeln den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund einer eingehenden kritischen Betrachtung unterzogen. Gestern nun ist, nach zahlreichen nichtöffentlichen Proben, die von Barthou und Litwinow verfaßte Tragikomödie vor vollbesetztem Hause über die Genfer Bretter gegangen. Die Hauptdarsteller hatten sich allerdings auf den Wink oes unsichtbaren Moskauer Regisseurs bei ihren schauspielerischen Leistungen etwas zurückhalten müssen, doch die Zeugen des „historischen Augenblicks" sind voll und ganz auf ihre Kosten gekommen. Die kluge und mutige, unter dem Fähnlein der sieben Aufrechten gehaltene Rede des Schweizer Bundesrates Motta vom Tage zuvor mag zwar dem einen und deni anderen Zuschauer noch in den Ohren geklungen haben — aber gerade der technische Knalleffekt der Genfer Drehbühne, die in kürzester Zeit selbst den schwierigsten Szenenwechsel vornehmen kann, ließ die Stimme der warnenden Vernunft nicht mehr zur Geltung kommen. „Die Isolierung ist der Krieg" — so hatte der französische Außenminister dem Schweizer Vertreter geantwortet. Er dachte dabei an Sowjetrutzland. Seltsam, daß er bei seiner Absicht, Deutschland zu isolieren, von der entgegengesetzten Auffassung ausgeht! — Die Trauung zwischen dem ordnungsfeind- lichen Bolschewismus und dem auf bürgerlicher Weltanschauung beruhenden Völkerrecht ist jedenfalls vollzogen. Auf das Ende der Flitterwochen und den ersten Ehezwist darf man gespannt sein . . ,
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Actess«/jttU-Was von der Wissenschaft . «im allgemeinen gilt, trifft . auf die Kriegsschuldforschung im besonderen zu: sie hat die Wahrheit vorurteilsfrei und ohne Nebenabsichten zu suchen. Die deutschen Kriegsschuldforscher haben in jahrelanger mühevoller Arbeit alle irgendwie zugänglichen Dokumente zum Kriegsausbruch bearbeitet, die über die Entstehung des Weltbrandes und die Absichten der 1914 das Schicksal Europas bestimmenden Politiker Aufschluß geben können. Die Widerlegung der Versailler Schuldthese kann so auf Tatsachen fußen und sich von jeder nur gefühlsmäßigen Einstellung und Schönfärberei freihalten. Wir haben hier mehrmals mit Genugtuung auch die Stimmen ausländischer Historiker verzeichnet, die vor allem die Schuld des zaristischen Rußlands und die Mitschuld Frankreichs am Ausbruch des Weltkrieges ins rechte Licht rücken. In diesem Zusammenhang ist der in der September-Ausgabe der „Berliner Monatshefte" enthaltene Pressebericht zur Kriegsschuld- trage insofern besonders beachtenswert, als die zitierten Aeußerungen einiger Londoner Blätter auf eine mehr und mehr sachliche Behandlung des Schuldproblems in England schließen lassen. Andere Wege scheinen dagegen plötzlich die Sowjethistoriker gehen zu wollen. Die Ausführungen des Moskauer „Geschlchtsschreibers" Chwostow in der „Is- westija", die auf die Kriegsereignisse vor 20 Jahren Bezug nehmen, lassen erkennen, daß die politisch-militärische Annäherung Moskaus as Paris den Blick der (bisher min-
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