Ausgabe 
(18.9.1934) Nr. 258
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Nr. 2Z8 / 3. Vierteljahr

Dienstag, 18. September

Einzelpreis 15 Nps.

Lleberfall im Gaargebiet

Ein Mitglied d«r Deutsche« Freut entführt Saarbriicken, 17. September.

Die Blätter melden eine« unglaublichen Bor­sall, der sich Sonnabend um 22.-1 llhr auf dem Wege von der Grube Frankenholz «ach MLnch- wies abspielte. Dort wurde der Bergmann Anton Schulz, Mitglied der Deutschen Front, als er sich auf dem Nachhauseweg befand, durch zwei Un­bekannte, in schwarze Umhänge gehüllte Männer, zum Stehenbleiben aufgefordert, konnt« aber zu­nächst se.nsn Weg fortsetzen. Doch gleich daraus leuchtete man mit Scheinwerfer» hinter ihm her und forderte ihn wieder zum Stehenbleiben und zum Umkehren auf. Auf die Frag« von Schulz, ob die Männer Zollbeamte seien, wurde ihm ge­antwortet: „Kommen Sie nur mit!", worauf Schulz mit den Männern, die er für Zollbeamte hielt, bis zu einer anderen Abzweigung mitging, wo er seinen Weg auf einer anderen Straße fort­setzen wollte. In diesem Augenblick kamen zwei unbeleuchtete Autos. Schulz wurde hinterrücks ge­packt und man versuchte, ihn in einen Wagen zu bringen. Da er wiederum keine Antwort erhielt auf die Frage, wen er vor sich habe und an eine Verschleppung glaubte, setzte Schulz sich znr Wehr, wurde aber niedergeschlagen, mit Fußtritten und Schlogwerkzeugen erheblich mißhandelt und ins Auto geworfen mit den Worten: „Jetzt haben wir ihn!" Schulz aber konnte sich noch einmal befreien, wurde jedoch an der Flucht durch sieben bis acht Männer gehindert, die erneut aufs Unmensch­lichste auf ihn einschlugen und ihn jetzt aufforder­ten, mit zur Landjägerwache zu fahren. Dazu er- tlärte sich Schulz bereit, lehnte jedoch das Be­rgen eines der Autos ab. Man legte ihm dar- ns eine Handfessel an und brachte ihn nach isrankenholz, wo er dem Landjäger übergeben wurde. Dort erklärten die Männer, die blaue Polizeiuniform trugen, daß sie zu einem Ueber- Mkommando aus Saardrücken gehörte« und for­derten den Landjäger auf, Schulz solange festzu­halten, bis sie zurückkämen. Am anderen Morgen wurde Schulz wieder freigelassen.

*

Dieser Vorfall, der stark an Wildwest erinnert, erscheint so unglaublich, daß von den zuständigen Stellen eine umgehende Aufklärung erwartet werden muß. Nach der Aussage von Schulz waren die Täter offenbar Angestellte der saar- lkndischen Polizeiverwaltung. Der Präsident der Regierungskommission hat also hier die Möglichkeit und die Pflicht, durch rasche und einwandfreie Untersuchung dieses Terrorfalles zu beweisen, daß ihm der Schutz der Saarbevölke­rung vor Uebergriffen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, höher steht als seine längst be­kannten privaten Sympathien.

Knox Swht den Saarbeamten

Saarbrücken, 17. September

Die Regierungskommission veröffentlicht im Amtsblatt eine Bekanntmachung der Volksab­stimmungskommission, in der zwar mit Dank an­erkannt wird, daß die örtlichen Behörden des Saargebietes bei der Aufstellung der vorläufigen Listen der Stimmberechtigten eine vom technischen Standpunkt wertvolle Arbeit geleistet haben, bzw. noch legten; dagegen habe die Abstimmungskom- mission wiederholt feststellen müssen, daß Verbin­dungen Mischen örtlichen Behörden und einer politischen Organisation beständen, welche die­jenige Zurückhaltung verletzte, die man von den öffentlichen Beamten des Saargebietes in Sachen der Vobksabstrmmungskommission zu er- nmrten berechtigt sei. Die Bekanntmachung er­innert abermals daran, daß die Beamten sich jeder unmittelbaren und mittelbaren Beeinflussung der Stimmabgabe sorgfältig zu enthalten haben und ersucht sämtliche Behörden, jede Zusammen­arbeit mit politischen Organisatio­nen sofort einzustellen und in Zukunft alles sorgfältig zu vermeiden, was als eine behördliche Beeinflussung der Bevölkerung aufgefaßt werden könn«. Sie erinnert zum Schluß an die Neutra- litätsverpflichtung der Beamten und an die auf einer Verletzung dieser Pflicht stehenden Strafen.

Die Regiernngskommission muß schon klarer werden. Bei derartig schwerwiegenden Vorwür­fen, die sich offenbar auf Verleumdungen der separatistischen Presse gründen, hätte sie die Pslicht, konkrete Tatsachen unter Beweis -u kellen. In der saarländischen Oeff-ntlichkeit sind jedenfalls lediglich jene Fälle bekannt, bei denen Anregungen aus Kreisen der Emigranten und Separatisten bei den verantworti-ch-'n Stellen nur allzu geneigtes Gehör fanden.

Wirb die Schweiz aus dem Völkerbund austreten?

Dar Dealeam riee

Neue Genfer Gerüchte

Die Konsequenzen der bolfchewistenfreundlichen Volitik Frankreichs

(Dkabtbgrloirt niasrsr Lsrliüsr, Nodilktlsltuvg) tt. IV. Berlin, 17. September.

In Berliner politischen Kreisen hatte man sich — wie wir schon vor einigen Tagen meldeten — keinerlei Illusionen darüber hingegeben, daß trotz aller vermeintlichen Schwierigkeiten schließlich doch die Ausnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund erfolgen würde. Das knappe Abstimmungsergebnis von genau Zweidrittek der Wlkerbundstiinnren, in denen noch dazu Großbritannien mit nicht weniger als sechs selbständigen Dominions enthalten ist, beweist jedoch, wie schwer Herrn Barthon der End- erfolg geworden ist: Falls man überhaupt noch von einem Erfolg sprechen kann. Denn die Konsequen­zen der rücksichtslos vorgetriebenen bolschewisten- freundlichen Politik Frankreichs beginnen sich jetzt erst am politischen Horizont abzuzeichnen.

Wenn soeben aus privater Quelle gemeldet wird, daß »in deutscher Journalist verhaftet wor­

den sei, weil man deutsche Attentatgpläne auf Litwinow befürchtet, so handelt es sich dabei doch wohl nur um ein durchsichtiges Ab­lenkungsmanöver. Denn wir hätten doch wohl alle Ursache, die Entwicklung der Dinge in Genf mit einer tüchtigen Dosis von Schadenfreude zu beob­achten; nicht aber mit dem leisesten Funken von Wut. Um die Schwierigkeiten zu beleuchten, in die der Völkerbund durch Frankreich gebracht wor­den ist, erinnere man sich an Polens Hal­tung. Ferner achte man auf die immer stärker werdenden Strömungen in'der Schweiz, die auf ein Volksbegehren zusteuern, durch das der Austritt aus dem Völkerbünde und die Kündi­gung der Gastfreundschaft an die Gesellschaft der Nationen vorbereitet werden soll. Man hegt offen­bar noch die geheime Hoffnung, Polen werde sich zu einer Abschwächung seiner Minderheitenattacke bringen lassen. Aber selbst die offenbare Dro­

hung, unverzüglich eine halbe Million polni­scher Arbeiter aus Frankreich aus­weisen zu wollen, dürfte den Standpunkt des Obersten Beck kaum beeinflussen. Im Gegenteil: Durch Sanktionen dieser Art wird sich die pol­nisch-französische Entfremdung eher verstärken.

Man betont in Berliner politischen Kreisen, daß für uns Deutsche alle Ursache besteht, die weitere Entwicklung kalten Blutes abzuwarten. Es hat sich gezeigt, daß die sowjetrufstsche Freundschaft und das üble Genfer Kulissenspiel Frankreich einen sehr großen Prestigeverlust eingetragen hat; vor allem in der Schweiz und in Holland, kaum weniger aber auch in englischen und skandinavischen Kreisen. Außerdem ist man allgemein überrascht davon, mit wieviel Schwierigkeiten der Kuhhandel verbunden war, obwohl sich die drei Großmächte Frankreich, Großbritannien und Italien zu der gewagten Aktion brüderlich verbunden hatten.

Sensation im Völkerbundsausschuß

Die „Nein'-Gager bringen ihre schweren Bedenken gegen den Eintritt der

Sowjetunion in den Bund der Nationen vor

Senf, 17, September.

Nur selten hat man in Genf ein« Spannung erlebt wie am heutigen Montag, als die Sitzung des politischen Ausschusses durch den Präsidenten Kadariago eröffnet wurde. Auf der Tages­ordnung des Ausschusses steht bekanntlich die Prü­fung des Eintritts der Sowjetunion in den Völ­kerbund. Der Andrang aus allen Kreisen der in Genf zur Völkerbundstagung versammelten in­ternationalen Welt war ungeheuer. Die Treppen und die Gänge des großen Sitzungssaales waren voller Menschen.

Als erster Redner sprach der portugiesische Außenminister Da Mata. Er begründete mit deutlichen, aber vorsichtigen Worten die ableh­nende Haltung seines Landes. Da Mata erklärte, daß der Eintritt Sowjetrußlands im Gegensatz zu den Ideen der zivilisierten Welt und imEegen° satz zur Idee des Völkerbundes stehen würde.

Er sei überzeugt, daß die Sowjetunion nach ihrem Eintritt jene Propaganda noch wtrksamer gestalten könne, deren Ziel es sei, die Grundlagen der Staaten zu zerstören. Da Mata wies ferner daraus hin, daß Sowjetrußland von einer Reihe von Staaten heute »och nicht anerkannt worden sei.

Noch stärkere Beachtung als die Erklärung des portugiesischen Delegierten fand die anschließende große Rede des schweizerischen ersten Delegierten, Bundesrat Motta.

Die Schweiz, führte Motta aus, sei in einer be­sonderen Lage. Sie habe den Eintritt in den Völ­kerbund erst nach einer hart umstrittenen Volksbe­fragung vollzogen. Die Gründer des Völkerbundes hätten der Schweiz dann ihr Vertrauen bezeugt, indem sie Genf zum Sitz des Völkerbundes be­stimmten. Die Schweiz sei stets eine grundsätzliche Anhängen« der Universalität des Völkerbundes gewesen. Schon im Jahre 1920 habe er persönlich dem Wunsche Ausdruck verliehen, daß Rußland, einmal geheilt von seiner Besessenheit und befreit von seinem Unheil, mit dem Völkerbund zusam­menarbeiten würde.

Die Schweiz habe bei aller Freundschaft zum russischen Volk aber niemals das gegenwärtige Re­giment anerkennen wollen. Sie sei entschlossen, auf dieser Haltung der Ablehnung und des Abwartens zu beharren. Die Schweiz habe sich schon deshalb entschließen müssen, den Eintritt Rußlands ihrer­seits abzulehnen, als eine Ja-Stimme gleichbedeu­tend mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen sein müßte. Motta stellte dann die Frage, ob «ine Regierung, Leren Wesen der expan­sive und kämpferische Kommunismus sei, die not­wendigen Bedingungen erfülle, in den Kreis der Völkerbundsmächte aufgenommen zu werden. Man

Iapanüch-chinesischer Konflikt

Schanghai, 17. September.

Der japanische Konsul in Amoy hat im Zu­sammenhang mit der angeblichen Ermordung >ines Formosaners durch chinesische Polizisten den chinesischen Behörden die nachfolgenden Forde­rungen gestellt: 1. Todesstrafe für die Täter: 2. formelle Entschuldigung der chinesischen Behör­den; 3. Schmerzensgeld der chinesischen Regierung an die Familie des Toten. Die chinesischen Behör­den haben diese Forderungen abgelehnt.

müsse hierbei schon von dem eigentlichen Zweck des Mlkerbundspaktes und den ihm zugrunde liegen­den Ideen ausgehe^. Der russische Kommunismus, so stellte Motta fest, bedeutet — auf dem Gebiete der Religion, der Moral, der Gesellschaft, der Po­litik und der Wissenschaft — die gründlichste Ver­neinung aller Ideen, auf denen unser Wesen und unser Leben beruht. Die meisten Staaten verbieten ja die kommunistische Propaganda. Alle aber be­trachten sie als Staatsverbrechen, so.bald sie ihre Theorie rn die Tat umzusetzen versuche.

Motta entwarf dann ein Bild von der Reli­gionsfeindschaft des Sowjetregimes. Der Kommunismus löse die Familienbande auf, er­drücke das Privateigentum und organisiere die Ar­beit in Formen, die kaum von Zwangsarbeit zu unterscheiden sei. Rußland sei von der schweren Plage einer Hungersnot heimgesucht, die ihre Ursachen wahrscheinlich in einem völlig verfehlten wirtschaftlichen und sozialen System habe.

Der wichtigste Gesichtspunkt für die Schweiz sei aber Rußlands Anspruch auf Durchsetzung seiner Ziele in der ganzen Welt. Es versuche, dieWelt - revolution zu organisieren. Die Verbreitung seiner Lehren über die politischen Grenzen hinaus sei sein Lebensgesetz. Gewiß, so sagte Bundesrat Motta weiter, kann man einwenden, die kommu­nistische Partei kann nicht mit dem bolschewistischen Staat verwechselt werden. Aber dieser Einwand hat keine Kraft. Kommunistische Partei und 3. Internationale sind eine moralische Einheit.

Der Einwand, daß die Sowjetunion mit seinen 160 Millionen nicht einfach beiseitegelassen wer­den könne, klinge zwar einleuchtend. Die Re­gierungen Frankreichs, Grotzbritanniens und Italiens hätten in Berlin diesen Standpunkt vertreten, ohne aber irgendeinen Druck auf die Schweiz auszuüben.

Die Schweiz könne aber nun einmal an die Evolution des bolschewistischen Regiments, so sehr sie sie wünsche, nicht glauben. Sie könne auf die Idee nicht verzichte», daß wenigstens ei« Mini­mum von moralischer und politischer Verwandt­schaft zwischen den Völkervundsstaaten bestehen sollte, zugunsten des Grundsatzes der Universali­tät. Bei allen patriotischen und nationalen Schweizern bestehe heute der gemeinsame Ein­druck, daß der Völkerbund etwas Gefährliches un­ternimmt, wenn er Wasser und Feuer vereinigen will. Vertrauen könne die Schweiz der Sowjet­union nicht, und sie könne sich auch nicht an einem Akt beteiligen, der Sowjetrußland ein bisher nie besessenes Ansehen verschaffen werde.

Nun sind, fuhr Motta fort, die Würfel aller­dings gefallen. Wir haben die Rolle eines Wäch­ters und Werners vorgezogen, hoffen aber, daß die Zukunft unser Mißtrauen für übertrieben erweisen wird. Wir zählen darauf, daß alle an­deren Staaten uns helfen werden, zu verhindern, daß Genf ein Herd zersetzender Pro­paganda wird.

Zum Schluß erinnerte der Vertreter der Schweiz daran, daß auch nach Ausnahme der Sowjetunion Rat und Versammlung vor mehreren offen ge­bliebenen Fragen stehen werden. Er wies aus die Entschließung der Versammlung hin, die sich auf die Unabhängigkeit Georgiens beziehen. Er erinnerte dabei an Armenien, die Ukraine und andere Länder. Diese Probleme seien noch nicht aus der Welt geschafft. Er Hofs« besonders, daß gerade, wenn die Sowjetdelegierten hier weilen werden, in Genf Stimmen ertönen, die im Namen des menschlichen Gewissens Aufklärung von der russischen Regierung verlangen. — Die Rede Mottas wurde von einem großen Teil der Delegierten und der Tribüne mit starkem de­monstrativem Beifall ausgenommen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Neuregelung des Gesundheitswesens

Ministerialdirektor Dr. Guett über die Aufgaben der Erb- und

Nassenpflege

Bad Tölz, 17. September.

Auf der 21. Hauptversammlung des Vereins der deutschen Medizinalbeamten begrüßte Ministerial­direktor Dr. Guett im Auftrage d^s Reichsinnen­ministers Dr. Flick die Teilnehmer. Man sei dabei, die Vorbereitungen zu treffen, um zum 1. April 1935 die Gesundheitsämter einzurichten und die kommunalen und staatlichen Stellen zusammen­zufassen. Dr. Guett erklärte: „Daß unsere Regie­rung zielbewußt vorgeht, mögen Sie daraus er­sehen, Laß ein Reichsangehörigkeitsge- setz zu erwarten ist, das eine Umwandlung der Standesämter in Sippe nämter bringen wird, um eine genealogische Forschung und die Einrich­tung von Familienchroniken zu ermöglichen und so unsere Maßnahmen zu ergänzen. Ferner erinnere ich an die rassenpolitische Gesetzgebung und die po­sitiven bevölkerungspolitischen Maßnahmen, die leider nur zu einem Teil bisher durchgeführt wer­den konnten, z. B. die Gewährung von Ehe­standsdarlehen, dann die angekündigte be­völkerungspolitische Steuerreform, die Be­freiung der Familien von der Abgabe der Arbeits­losenhilfe usw.

All diese Forderungen hat sich Minister Dr. Flick zu eigen gemacht, wodurch sie zu einem

Teil der nationalsozialistischen Staatspolitik er­hoben wurden. Wir wissen auch, daß dem Führer und seinem Stellvertreter der gesundheitliche und rassische Wiederaufbau ganz besonders am Herzen liegt. Der Führer erwartet von uns, daß wir in diesem aufbauenden Geiste der nationalsozialisti­schen Bewegung mitarbeiten. Den Fürsorgeämtern liegt es ob, sowohl alle diejenigen Aufgaben zu erfüllen, die von den staatlichen Medizinalbeam- ten der Länder bisher verrichtet wurden, wie auch die Aufgaben der fürsorgeärztlichen Tätigkeit, Dazu kommen die neuen bedeutungsvollen Auf­gaben der Erb- und Rassenpflege, der Eheberatung, der Mitwirkung bei der Kör­perpflege und den Leibesübungen, Un­ter Zurückstellung unserer Person werden wir unserem Führer Adolf Hitler folgen und unseren Teil dazu beitragen, um das Dritte Reich nicht für uns, sondern für die kommenden Geschlechter aufzurichten und zu festigen.

Der Medizinalbsamte muß ein Kämpfer für das Dritte Reich und ein Mithelfer der natio­nalsozialistischen Bewegung werden. In ihr mutz wieder verankert werden der Gedanke der Sippe und der Wille zum Kinde.

Hottkosew

Im Augenblick, da sich der Völkerbund anschickt, den Vertreter des Bolschewis­mus' in Genf mit offenen Armen zu empfangen, können die folgenden Aus­führungen besonderes Interesse bean­spruchen.

Die Stellungnahme zur Kirche hat in der Entwicklung Sowjetrußlands verschiedene Entwicklungsstufen durchgemacht. Natürlich war in erster Linie das Hauptziel aller Be­strebungen der Gottlosenverbände, die Zer­schlagung der griechisch-orthodoxen Kirche herbeizuführen, da sie zur Zeit des Zarismus eine völlig politisierte Staatskirche war: der Zar war oberster Geistlicher, und die Kirchen- verwaltung gehörte zum Verwaltungsappa­rat des Staates. Die Trennung zwischen Kirche und Staat brachte erst die Revolution. Zwar gewährleistete die Verfassung noch die Freiheit religiöser Betätigung — aber prak­tisch konnte sie zu keiner Entfaltung kom­men, da ihr jegliche Unterstützung von Staats wegen entzogen worden war — und die Gottlosenbewegung mit allen freizumachenden Mitteln -er Partei und des Staates gefördert wurde. Trotzdem war die (Segenarbeit dieser Gruppe nicht so erfolg­reich, wie man erwartet hatte, da auch die zur Verfügung stehenden geistigen Kräfte, selbst mit naturwissenschaftlichen Elementar­kenntnissen und einem Wissen der Darwin­schen Lehre ausgerüstet, nicht ausreichend genug waren, um diesen Schlag durchzufüh­ren. Daraufhin griff der Staat ein, entzog den „Kult-renern" aller Bekenntnisse das Stimmrecht — und setzte sie heftigsten Der- solgungen aus.

nach der Abspaltung der „Lebendigen Kirche", die eine Reform der Orthodoxie darstellte und aus der gewaltsam bewirkten Trennung vom Staat hervorgegangen war. Diese Erscheinung gab der Regierung den Anlaß zu einer aktiven Kirchenpolitik. Sie überhäufte diese „Sowjet Kirche" mit weitestgehenden Protektionen, wahrscheinlich gewährte sie sogar eine direkte staatliche Unter st ützung. Noch 10 Jahre nach der Revolution konnte man in Massenversamm­lungen, zu denen staatliche Theater frei­gegeben waren, öffentliche Dispute zwischen Erzbischof Wwendenski, dem führenden Kops der „Lebendigen Kirche", und dem Volksbil­dungskommissar Lunatscharski erleben Den anderen großen Kirchen und Sekten gegen­über blieb die Behandlung vom Staat aus in den Methoden der ersten Periode stecken besonders den römisch-katholischen Geist­lichen polnischer Nationalität gegenüber da sich die außenpolitischen Beziehungen der UdSSR mit Polen stark verschlechtert hatten.

Eine grundlegende Veränderung des Ver­hältnisses von Kirche und Staat brachte das vjahr 1929, das die Epoche des „Nberalis- mus abschloß. In der Verfassung wurde das Recht religiöser Werbung gestrichen und nur noch das Recht antireligiö­ser Betätigung gewährleistet. Neue Ausführungsverordnungen über die Betätigung von Geistlichen bestimmten vor allem, daß jede Amtshandlung außerhalb ihres Wohnortes einer schriftlichen Genehmi­gung der GPU. bedurfte. Zugleich setzte ein ungeheuer verstärkter Druck in religions- femdlichem Sinne auf die Bevölkerung ein Jeder Mensch in Rätediensten mußte um seine Stellung hangen, da religiöse Betäti- Aung, die schon in häufigerem Besuch von Gottesdiensten erblickt wurde, unweigerlich zur Entlassung wegen politischer Unzuver- lasfigkeit führte. Der Staat wahrte nur schwach den Schein einer gewissen Unpartei­lichkeit. Die Kirchenglocken wurden requi­riert, da der Lärm des Glockenläutens die andersgesinnte Bevölkerung gestört hätte- m zahlreichen Prozessen wurden Geistliche der „Gegenrevolution" überführt; die Steu­erschraube wurde angesetzt, was in vielen Fallen den Ruin ärmerer Gemeinden her­beiführte; den Geistlichen wurde der Aufent­halt in den Städten untersagt. Den schlimm- st?n Stoß aber erhielten die christlichen Kirchen durch die Abschaffung des Sonntag-- und der hohen kirchlichen Festtage.

Unter allen Kirchen, sowohl den moham medanischen und israelitischen wie auch christ­lichen Kirchen, steht es besonders schlecht um die lutherisch-evangelische. Auck

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Die Türkei, Spanien und Chils im Völker! bundsrat s

Vor einer Kabinettsumbildung kn Eng'- nl :

Das Ergebnis der Wahlen in Schweden t

Parlamentarische Beiräte werden ausgelöst