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„Deutschlands Stolz und Zukunft" huldigt Adolf Hitler
Nürnberg, 8. September.
Der Reichsparteitag in Nürnberg stand am 8^Uüied»,r.^ Sonnabendvormittag traditionell wieder im Zei- ° °im. chen der
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zagend, im Zeichen des jungen Geschlechts. Als der Führer kurz nach 16 Uhr bei strahlendem Sonnenschein den „Deutschen Hof" verließ, war der etwa 1v Kilometer lange Weg zum Stadion wieder umsäumt von dichten Menschenmassen, die schon seit 5 und 6 Uhr morgens sich hinter den Spalieren der SA., SS. und PO. aufgestellt hatten. Und wiederum war die ganze Fahrt erfüllt von dem Brausen der Stimmen, von den Hsilrufen und'von dieser sieghaften Begeisterung, die das Kennzeichen des ganzen Reichsparteitages ist. Kurz vor dem Stadion säumte Hitler-Jugend den Weg, und nun schwoll Las Brausen zu einem Orkan jugendlicher Begeisterung, die keine Grenzen kennt, an.
Im Stadion hatten auf der Tribüne hinter dem Führer die Vertreter des Diplomatischen Korps Platz genommen, die am Morgen in Nürnberg eingetroffen waren. Das ganze weite Rund des Stadions war ein einziges brodelndes und wogendes Heer von Jugend, von Jugend, die fiebernd diese Stunde herbeigesehnt hatte, in der sie Auge in Auge dem Führer entgegensehen und als Abordnung der Millionenorganisation der Hitler-Jugend dem Mann huldigen durfte, dessen Name sie trägt und dessen Name sie in ihre jungen Herzen - eingegraben haben. Es war eine flammende Lohe schönster Begeisterung, die wie ein heiliges Feuer aus diesem Stadionrund em- porschlug und in alle Herzen glühende Begeisterung senkte.
Wir erlebten auch vor einem Jahre' an der gleichen Stelle eine Jugendkundgebung. Damals war diese Jugend noch nicht durch die Erziehungsschule gegangen, die die Hitlerjugend heute darstellt. Damals war es eine Jugendorganisation, die nach dem Siege der nationalsozialistischen Revolution plötzlich angeschwollen war — eine Summe von jungen Menschen, denen noch die Disziplin des Körpers fehlte. Damals konnte der Führer wohl eine Viertelstunde lang nicht zu Worte kommen, weil trotz aller Fanfarenstöße der brausende Jubel nicht abebben wollte.
In diesem Jahre konnten wir allein daraus, daß auf Kommando eine lautlose Stille im Stadion herrschte, ersehen, was an Erziehungsarbeit in dem verflossenen Jahre auch bei der Hitler-Jugend geleistet worden ist. In eiserner Selbstzucht standen jetzt die braunen Reihen der jungen Kämpfer, und ihre Augen hatten nur eine Blickrichtung auf den Mann, dem sie Leib und Leben verschrieben haben.
Gegenüber der Führsrtribüne war aus VDM.- Mädeln in weißen Blusen das Wort Saar gebildet worden, das nun aus dem braunen Untergrund der Hitler-Jugend hell leuchtend hervorstach, als eine Mahnung daran, daß immer noch ein Teil deutschen Gebietes nicht frei ist, als eine Mahnung, daß immer noch Hunderttausende von Volksgenossen unter einer Fremdherrschaft stehen, bis ihnen zu Beginn des kommenden Jahres die Freiheitsstunde schlagen wird.
Ein neues Lied der Hitler-Jugend, komponiert von einem Hitler-Jungen klingt auf in der Art eines mittelalterlichen Landsknechtsliedes mit wuchtiger, schwerer Moll-Melodie. Unter Fanfaren- und Trommel-Klängen verebbt langsam das Lied und nun tritt
Baldur von Schirach,
der Jugendführer des Deutschen Reiches, vor die Jugend und hält folgende Ansprache:
Mein Führer! Exzellenzen! Meine Kameraden! Es ist nun ein Jahr vergangen, und wieder er-
SA. und SS. treffen ein
Nürnberg. 8. September.
Die Eindrücke, die der Besucher des Reichsparteitages in der alten Noris in diesen Tagen empfängt, wechseln mit einer Schnelligkeit in der Buntheit der Bilder und der Eindringlichkeit der Eindrücke, daß man fast meinen möchte, eben Gesehenes und Erlebtes könne nicht mehr überboten werden. Und doch bringt jeder Tag dieser gigantischsten aller Veranstaltungen des letzten Jahres immer wieder neue Höhepunkte, neue Bilder von unerhörter Wucht und Einprägsamkeit.
Standen die abgelaufenen Tage an den Bahnhöfen im Zeichen der an- und wieder abrollenden Transporte des Arbeitsdienstes, der PO. und der Hitler-Jugend, so beherrscht heute seit den Mitternachtsstunden SA. und SS das Feld, die in 114 Sonderzügen zu dem gewaltigen Appell vor dem Führer am Sonntagvormütag schon jetzt in die Stadt des Reichsparteitages eintreffen. Bon ihren Vorkommandos auf den Ankunfisbahnhöfen empfangen, setzt sich Kolonne auf Kolonne in ununterbrochener Folge in Bewegung, um mit klingendem Spiel den Lagern und Quartieren zuzustreben, überall mit Jubel und Begeisterung begrüßt und gefeiert.
loben wir diese Stunde, die uns stolz und glücklich macht. Ein Jahr gewaltiger Arbeit liegt hinter uns Ein Jahr, in dem aus der Millionen- masse des jungen Deutschlands die geschlossene Organisation der Hitler-Jugend wurde. Die Arbeit dieses Jahres, Kameraden, das war der Marsch zur Disziplin. Vieles bleibt uns noch zu tun übrig, aber das Herrlichste ist Wirklichkeit geworden.
Nach Ihrem Befehl, mein Führer, steht hier eine Jugend mit 60 000 angetreten, steht in ganz Deutschland eine Millionengefolgschaft der Hitler- Jugend, die nichts weiß von Standesdünkel und Standesbewußtsein, eine Jugend, die keine Klasse und keine Kaste kennt. Diese unsere Einigkeit, Einmütigkeit und Geschlossenheit haben Sie, mein Führer, uns befohlen. Nach Ihnen formt sich die junge Generation unseres Volkes. Weil Sie die
höchste Selbstlosigkeit dieser Nation ooranleben, will auch diese Jugend selbstlos sein, weil Sie die Treue für uns verkörpern, darum wollen auch wir treu sein, will jeder einzelne von uns in dieser Jugend versuchen, sich nach dem Bild zu vollenden, das Sie für uns und für die Zukunft bedeuten. Adolf Hitler, der Führer der deutschen Jugend, hat das Wort.
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„Alles muß erkämpft werden
Mols HMer: „ZU ?eiö zur größten ZugerrösrgamWwn der Wett gewachsen
Baldur von Schirach hat geendet. — Noch einmal schlägt die Flamme der Begeisterung empor, dann tritt der Führer hervor, um mit packenden und zündenden Worten zu seiner Jugend zu sprechen.
Meine deutsche Jugend!
Nach einem Jahre kann ich euch wieb-r hier begrüßen. Ungeheures hat sich seitdem in Deutschland vollzogen. Vor zwölf Monaten hat der Kampf um die Macht uns schon den Erfolg geschenkt. Seitdem hat unsere Bewegung, deren junge Garde ihr seid und deren Träger ihr einst sein werb-t, eine Position nach der anderen in diesem Staate in Besitz genommen und damit wieder dem deutschen Volke gegeben. Ihr selbst seid in der gleichen Zeit von einer schon damals großen Organisation zur größten Jugendbewegung, zur größten Jugendorganisation der Welt gewachsen. Das ist das Verdienst zahlreicher Arbeiter, an deren Spitze der euch von mir gegebene Führer, Pg. von Schirach. (Heil- Rufe.)
Ihr seid hier in diesem weiten Rund nur ein Ausschnitt dessen, was heute in ganz Deutschland steht. Ihr müßt nun das in eurer Jugend aufnehmen und lernen, was wir dereinst in ganz Deutschland sehen möchten. Wir wissen, es wird nichts im Vülkerleben geschenkt. Alles muß erkämpft und erobert werden. Man wird dereinst nichts beherrschen, was man nicht vorher gelernt und sich selbst anerzogen hat. Und wir möchten nun, daß ihr, deutsche Jungen und deutsche Mädchen, alles das aufnehmt in euch, was wir dereinst von Deutschland erhoffen, was wir in Deutschland sehen möchten.
Wir wollen ein Volk sein, und ihr, meine Jugend, sollt dieses Volk nun werden. (Brausender Jubel.) Wir wollen einst keine Klassen und Stände mehr sehen und ihr dürst schon in euch diesen Klas- sendünkel nicht groß werden lassen!
Wir wollen einst ein Reich sehen, und Ihr müßt Euch dasiir schon erziehen in einer Organisation! Wir wollen einst, daß dieses Volk treu ist, und Ihr müßt diese Treue lernen! Wir
wollen, daß dieses Volk einst gehorsam ist, und Ihr müßt Euch in Gehorsam üben! Wir wollen, daß das Volk friedliebend und aber auch tapfer ist, und Ihr müßt deshalb friedfertig sein und mutig zugleich! (Jubel springt aus und das Feld der 80 806 erzittert minutenlang in tosender Zustimmung). Wir wollen, daß dieses Volk einst nicht verweichlicht wird, sondern daß es hart sei, daß es den Unbilden des menschlichen Lebens Widerstand zu leisten vermag, und Ihr «lügt Euch in der Jugend dafür stählen! Ihr müßt lernen, hart zu sein, Entbehrungen aus Euch zu nehmen, ohne jemals zusammenzubrechen! Wir wollen» daß dieses Volk dereinst wieder ehr- liebend wird, und Ihr müßt Euch schon in den jüngsten Jahren zu diesem Vcgriss der Ehre bekennen!
Wir wollen aber, daß wir einst auch wieder ein stolzes Volk werden, und ihr müßt in eurer Jugend in einem wahrhaften Stolz leben, müßt stolz sein als Junggenossen eines stolzen Volkes, auf daß dereinst euer Jugendstolz der Stolz der Generation wird. Alles, was wir vom Deutschland der Zukunft fordern, das, Jungens und Mädchen, verlangen wir von euch! (Jeder dieser Sätze wird von der begeisterten Jugend mit ungeheurem Jubel aufgenommen, in den sich das Dröhnen der Landknechttrommeln mischt.) Das müßt ihr üben und das müßt ihr damit der Zukunft geben: denn, was immer wir auch heute schaffen und was wir tun, wir werden vergehen, aber in euch wird Deutschland weiterleben, und wenn von uns nichts mehr übrig sein wird, dann werdet ihr die Fahne, die wir einst aus dem Nichts hochgezogen haben, in euren Fäusten halten müssen. (Unter dem dröhnenden Beifallsstürmen ist das weite Rund in wogender Bewegung.)
Und ihr müßt daher feststehen auf dem Boden eurer Erde und müßt hart sein, auf daß euch diese Fahne nie entfällt, und dann mag nach euch wieder Generation um Generation kommen, und ihr könnt von ihnen dasselbe fordern und verlangen, daß sie so sind, wie ihr gewesen seid. Und dann blickt auf euch auch Deutschland mit Stolz. Uns allen geht das Herz über vor Freude, wenn wir euch sehen
und wenn wir in euch das Unterpfand erblicken können, daß unsere Arbeit nicht umsonst gewesen ist, sondern daß sie Frucht bringen wird für unser Volk. Dann erfaßt uns alle das stolze Glück, in euch die Vollendung unserer Arbeit sehen zu können und damit das Bewußtsein, daß die Millionen des großen Krieges, die zahlreichen Kameraden unter uns nicht umsonst ihr Opfer für Deutschland gebracht haben, daß uns in allem am Ende doch ersteht wieder ein einiges, freies, stolzes ehrlicben- Les Volk. (Die Luft ist erfüllt von dem brausenden Jnbelrufen der jugendlichen Stimmen. )
Und ich weih, das kann nicht anders sein, denn ihr seid Fleisch von unserm Fleisch und Blut von unserm Blut, und in euren Gehirnen brennt derselbe Geist, der uns beherrscht. (Die Hxilruse steigern sich zum Orkan.) Ihr könnt nicht anders sein als mit uns verbunden, und wenn die großen Kolonnen unserer Bewegung heute siegend durch Deutschland marschieren, dann weiß ich, ihr schließt euch den Kolonnen an, und wir wissen alle: Vor uns liegt Deutschland, in uns marschiert Deutschland, und hinter uns kommt Deutschland! (Eine flammende Lohe unbeschreiblicher Begeisterung aus 60 000 Herzen umgibt den Führer, als er endet.j Die Sprache ist zu arm an Worten, uns die Aus- drucksform zu schwer, um zu schildern, wie dann diese von gläubiger Begeisterung gepackte Jugend verschmolz zu einem Ring um den Führer, den keine Macht der Welt zerbrechen kann.
Das Lied der Hitler-Jugend erklingt:
„Jugend, Fugend, wir sind der Zukunft Soldaten,
Jugend, Jugend, Träger der kommenden Taten!", und als Schwur:
Unser? Fahne führt uns in die Ewigkeit, unsereFahne ist mehr als der Tod!"
Nun trat der Führer herunter, mitten hinein in die braune Schar der jungen Menschen, schritt die einzelnen gebietsweise angetretenen Formationen ab und fuhr dann im Wagen noch ein-
New Jersey, 8. Sept.
Der amerikanische 11 520 - To. - Dampfer „Morro Castle" steht in Flammen. Er befindet sich 20 Meilen südlich vom Leuchtturm von Neuschottland und sendet SOS.-Rufe. Die „Nyradio Corporation", die die SOS.-Rufe auffing, meldet, daß die Verbindung mit dem Dampfer unterbrochen sei. „Morrocastle" hat eine Besatzung von 240 Mann und 318 Passagiere. Alle Küstenwachschifse von Nord- Jersey sind zur Hilfe unterwegs. Auf Grund der Berichte von Ueberlebenden muß mit Bestimmtheit damit gerechnet werden, daß der größere Teil der Fahrgäste und der Mannschaft, schätzungsweise also 300 Menschen, auf dem brennenden Schiff umgekommen sind.
Der Da pfer „Morro Castle" konnte vom Badeort Asbury Park in hellen Flammen stehend gesehen werden. Sämtliche Küstenwachtboote sowie zwei in der Nähe befindliche Dampfer, darunter das englische Schiff „Monarch of Bermuda", befinden sich gegenüber Sandyhock 15 Meilen vom Dampfer „Morro Castle" entfernt, der vom Bug bis zum Heck in Flammen gehüllt ist. Der Dampfer „Luckenbach" hat das brennende Schiff erreicht und die Ueberlebenden an Bord genommen. Zwei in der Nähe befindliche Dampfer, „City of Savannah" und „President Clevcland", haben auch den „Morro Castle" erreicht.
Bis 8.30 Uhr vormittags sind nach letzten Meldungen 150 bis 200 Ueberlebende der „Morro Castle" in Rettungsbooten an der Küste von New Jersey an Land gebracht worden. Der englische Dampfer „Monarch of Bermuda" meldet, daß er 65 Personen in Sicherheit bringen konnte.
Um 10 Uhr vormittags umkreiste ein Flugzeug das brennende Schiff und funkte, daß weitere zwei Rettungsboote abgelassen worden sind.
Das Feuer ist in der Nacht offenbar durch Blitzschlag in einem mittschiffs befindlichen Oel- tank entstanden und hat sich so rasch ausgebreitet, daß es unmöglich war, wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen und alle Fahrgäste zu wecken. Die Matrosen halfen sich, soweit es ging, durch Einschlagen der Fenster der Fahrgastkabinen. Nach den Mitteilungen der Geretteten sind mindestens 6 Rettungsboote in aller Eile herabgelassen worden.
Das Hauptquartier der Küstenwache erhielt am Sonnabendnachmittag einen Funkspruch des Küstenwachschisses „Tampa", wonach bisher von den 563 Personen, die sich an Bord der „Morro Castle" befanden, 386 gerettet wurden.
Die „Tampa" hat dem brennenden Schiff beigestanden und Schlepper aus Newyork angefordert.
Wie jetzt bekannt wird, befand sich an Bord des Schiffes auch der deutsche Wahlvizekonful in Matan- zas (Kuba), Clemens Landmann, mit Gattin und Tochter, über deren Schicksal noch nichts bekannt geworden ist.
Mitglieder der Besatzung schilderten die vergeblichen fieberhaften Bemühungen der Deckwache, die Flammen zu bekämpfen, bevor die alarmierte Mannschaft noch zur Stelle war. Das Feuer fand an den Vorhängen, Teppichen usw. reiche Nahrung. Der gesamte Oberbau der „Morro Castle" bildete bald ein einziges Flammenmeer, ehe noch die Fahrgäste das Deck erreichen konnten. Bon den 24 Rettungsbooten konn-
mal rund um das Stadion, um allen die Gelegenheit zu geben und um seine Jugend zu grüßen, die in so unerschütterlicher Treue und Begeisterung sich ihm hingibt.
Dann verließ üer Führer unter brausenden Marschklängen das Stadion, um zur Kongreßhalle zu fahren.
Gchiffskatästrophe an Amerikas Ostküste
Ein Dampfer in Flammen /143 Tote / Äst auch der deutsche Vizekonsul in Maianzas umgekommen?
ten infolge des Sturmes und der starken Rauchentwicklung nur 12 ausgesetzt werden, und auch diese waren nicht voll beladen. So befanden sich auf einem in Sicherheit gebrachten Rettungsboot nur 4 Seeleute. Unter den in Spring Lake an Land gesetzten 85 Ueberlebenden befinden sich etwa 86 Mitglieder der Besatzung, die davon berichteten, wie sie fast zwei Stunden lang im Funkenregen um das brennende Schiff herum- ruderten, um von Bord gesprungene Fahrgäste noch aufnehmen zu können.
Der Eouverneu von New Jersey, Moore, hat in einem Flugzeug einen Erkundungsflug über dem brennenden Dampfer „Morro Castle" gemacht, um sich von dem Stand der Rettungsarbeiten persönlich zu überzeugen. Er erklärte, er habe in der Umgebung des Schiffes winde- stens 166 Personen im Wasser treibe» sehen, von denen einige anscheinend noch lebten und sich mit verzweifelter Kraft über Wasser zu halten versuchten.
In Manasquam (New Jersey) landeten Kllsten- wachboote 28 Ueberlebende und 31 Leichen. Der Dampfer „President Cleveland", der der „Morro Castle" zu Hilfe geeilt war, traf in Newyork ein. Er hatte jedoch keine Ueberlebenden an Bord. Bon den 85 Ueberlebenden, die sich an Bord der bereits in Ncwyrrk eingetroffenen „Monarch of Bermuda" befanden, sind einige verletzt. Auch der Dampfer „Luckenbach", der 22 Schiffbrüchige an Bord hatte, forderte ärztliche Hilfe für einige der Schiffbrüchigen an.
Inzwischen haben Schlepper begonnen, die „Morro Castle" nach Newyork abzuschleppen, jedoch geht dies nur mit einer Geschwindigkeit von 1—2 Knoten vor sich
Faust : lind was soll i ch dagegen Dir erfüllen?
Mephistoi Dazu hast Tu noch eine lange Frist.
Faust: Nein, nein! Ter Teusel ist ein Egoist Und tut nicht leicht um Gottes Willen,
Was einem andern nützlich ist Sprich die Bedingung deutlich aus!
Ein solcher Diener bringt Gefahr ins Haus.
R. blü. Würde man für den Pakt zwischen Faust und Mephistopheles ein Beispiel in der aktuellen Außenpolitik suchen, so dürfte man den von Faust gefllrchteten egoistischen „Diener" mühelos im sowsetrussischen Außenkom- missar Litwinow, dem Abgesandten Stalins, wiedererkennen. Das Haus, dem Gefahr droht, ist das Genfer Völkerbundsgebäude, in das der Rätebund nach Frankreichs heißem Wunsch in den nächsten Tagen als „gleichwertiges Gesellschaftsmitglied der Nationen" einziehen soll. Um auch an Fausts Forderung nach Klarheit anzuknüpfen: der auf bürgerlichen Rechtsnormen errichtete Völkerbund kann gleichfalls voller Unruhe nach der Bedingung für seinen Pakt mit dem ordnungsseindlichen Bolschewismus fragen. Nun, wer hinter die Kulissen der Diplomatie Moskaus zu sehen vermag, ist davon überzeugt, daß die selbstverständliche Bedingung Sowjetruhlands für seinen Einzug in Genf die stillschweigende Zustimmung zur Beibehaltung seiner welt revolutionären Tendenzen sein wird.
Als „Treffpunkt geschäftemachender Imperialisten" bezeichnete Stalin den Genfer Bund auf einem Moskauer Parteikongretz. Wenn sich der Machthaber des Kreml jetzt zwar der Satzung dieser „verhaßten bürgerlichen Gesellschaft" formell unterwerfen will, so ist doch die Ansicht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet", man könne von Genf aus Moskaus Politik kontrollieren, reichlich naiv. Nein, der Bundesgenosse Frankreichs, der neue Freund des Versailler Systems, wird die umstrittene Schöpfung Wilsons lediglich in s e i n e m Sinne „auffrischen". Erst im Januar erklärte Stalin in Moskau vor den Parteivertretern, das Ziel sei der „Völkerbund der Proletarier aller Länder", die Verschmelzung der Nationen zu einer „einigen und gleichen proletarischen Menschheit". Es gehe darum, die Massen „im Geist des Internationalismus" zu erziehen und die „Zurückgebliebenheit der verschiedenen Nationen" in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht auszugleichen. Auch an die grundsätzliche Verneinung des Privateigentums, die Religionsfeindlichkeit und die Ablehnung der kulturellen Pflege artbewuß- ten Volkstums seitens der Komintern sei in diesem Zusammenhang erinnert. Nicht zuletzt aber im Hinblick auf die erneuten Gewaltandrohungen bolschewistischer Agenten in London, auf die verstärkte kommunistische Streikpropaganda in USA. und die revolutionären Umtriebe in China müssen wir die Frage „Stalin wird bürgerlich?" mit einem glatten Nein beantworten und statt ihrer die Frage auswerfen: „Der Völkerbund wird ein Werkzeug des Bolschewismus?"
In Genf sind zurzeit, kurz vor Beginn der Völkerbundstagung, die- Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens eifrig am Werk, die Widerstände der kleineren Staaten gegen den Einzug des Sowjets in Genf zu beseitigen. Schon dieses Bestreben, die Schweiz, Belgien, Holland, Polen, Südslawien, Griechenland, Portugal und einige außereuropäische Länder zu be- schwichtiben, kann Litwinow als einen Erfolg seiner Diplomatie verbuchen. An einer Zweidrittelmehrheit für Moskau ist nicht zu zweifeln. Sollte es bereits im Verlaufe der September-Tagung zur Aufnahme des Rätebundes kommen, womit jedenfalls immer mehr zu rechnen ist, so wird der Beauftragte der russischen Außenpolitik in Zukunft gleich zwei politische Rollen zu spielen haben: die des Moskauer Weltrevolutionärs und die des .bürgerlichen' Völkerbund-Vertreters. In einem seiner Tagebücher rühmt Karl Jm- mermann, der Dichter und Regisseur, die Verwandlungskllnste des vor 100 Jahren gefeierten Schauspielers Ierrmann, der in Schillers „Räuber" während einer Aufführung mit vollendeter Meisterschaft Karl und Franz Moor, also abwechselnd den Held und den Intriganten, spielte. Eine ähnliche Doppelbesetzung wird vermutlich bald auch auf der Genfer Bühne das Publikum ergötzen — vorausgesetzt, daß Manuilski, der Chef der Komintern, Litwinow nicht sogar