Ausgabe 
(6.9.1934) Nr. 246
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

L° ^°° ssL^

Ft°S!-.'S

'S"M^

b

mäe

illkii

> Äill. ^ ' i-Se8Lll>r

? 12.47

> 12.52 ! II.«

> 15.21

> 15.57

! 16.28 ^ 17.W

1>71

ULMolv

o.gg

o.gz

o.gz

0.R

o.SZ

o.gz

V.87

Ui°k,

1 .«

Ul

I.R

I.«

I.«

I.«

I.«

ll.. S

'S Z«. ! 1^18 1 1- or( l Assi >2 8te>

s L<

apksclllkk >re llseli OotttzrtZL ic> 1. vor lllo» uacl 1smbnr§. ess»vt n, 1s Z. Ou

m. d. , 3 ksn Nbs Zi i'srpovl 6oa - 518 518 !

51 sriIiL 8sn1n1

vdsk Ssr zi >1 Sodultr

> -nr rs!I»»di er x.

! g. Mlkslmsll I«. bis 21. Lis IwsLavM. 8ts 21. ^isodersisc ildsIwsLavsll. sack. ksilbooj imsssobist. Q >ae iisoL Lisl.

tz-i

v rcmcr

öas amüiche Organ Ses Senats

6°—

Zeitung

Ser Zreien Lanfeflaöt vremen

MonatS-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2,38 einschließlich 30 Rps. ZustellungSgobühr; durch die Pest RM. 2,38 einschließlich Ueberweisungsgebiihr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich­ten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

NS.-Eauverlag Weser-Ems G. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Teeren 8-8 / Fernruf: Roland 823.

19 3 4

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps.. die 70-mm.Zeile im T-xttetl 7b Rpi. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen, Famtlienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste I. (Nachlaßstassel 0.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 1« Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schristleitung werktäglich von 18—17 Uhr.

Nr. 246 / 3. Vierteljahr

Donnerstag, 6. September

Einzelpreis is Rps.

Proklamation -es Führers

„Der Nationalsozialismus kennt keine Kapitulation" / „Än den nächsten laufend Äahren findet

in Deutschland keine Nevolution mehr statt"

Reichsparteitag

Nürnberg, 5. September.

Bei der Eröffnung des Parteikongresies verlas Gauleiter Wagner die Proklamation des Führers, die folgenden Wortlaut hat:

Parteigenossen und Parteigenossinnen!

Nationalsozialisten!

Seit sich aus den Generalmitgliederversamm­lungen der nationalsozialistischen Partei der erste Parteitag in München entwickelte, sind nur etwas über elf Fahre vergangen. Welch eine kurze Spanne Zeit und welch gewaltige Wandlung! Der sechste Parteitag der Bewegung, der vierte in Nürnberg, ist eine Heerschau, die selbst den uns nicht Nahestehenden einen Eindruck vermitteln wird von der Macht der Bewegung und der besonderen Art ihres Wesens sowohl als ihrer Organisation, die beide in der deutschen Geschichte kein Vorbild besitzen, sondern einzig sind. Es gibt überhaupt kaum eine Demonstration politischer Art in der Welt, die so sehr wie diese charakteristisch und eigenartig die herrschende politisch« Idee und die in ihr fundierte Staats­gewalt zum Ausdruck bringt. ,

Erfüllt von der Selbstficherheit und Disziplin der nationalsozialistischen Lehre und ihrer Orga­nisation ist die eine ebenso klastische Demonstration wie umgekehrt die Parteitagungen der bürgerlich-

parifei- Stimmen

Paris, s. September.

Eine ganze Reihe von Pariser Blättern hat zum Nürnberger Parteitag Sonderberichterstatter ent­sandt, die den Eindruck der Ordnung, der Disziplin und des Organisationsgeistes hervorheben und die Bedeutung der Tagung in der Desiegelung des Bundes zwischen Nationalsozialismus und Wehr­macht erblicken wollen. — Der Sonderberichterstat­ter des „Figaro" zieht folgenden Schluß: Der Par- teitag ist eine allgemeine Mobilmachung fast sämt­licher kämpferischen Kräfte und regt sehr zum Nach­denken an. Der Sonderberichterstatter des „Petit Journal" hebt die Liebenswürdigkeit hervor, mit der die ausländischen Journalisten behandelt wer­den. — „Oeuvre" ergeht sich in zynischen und ab­fälligen Bemerkungen.

parlamentarischen Demokratie symbolisch waren für deren geistig-unsicheres Ideenkonglomerat und ihre turbulenten Auswirkungen.

Der Entschluß, diese Manifestationen des natio­nalsozialistischen Kampfes Heuer schon wieder stattfinden zu lasten, entstand aus der Erkenntnis des Empfanges und der Bedeutung des Ge­schehens in dem hinter uns zurückliegenden Zeit­raum von 12 Monaten. Wir haben wahrlich ein Recht, auf 50 Wochen zurückzublicken, in denen mehr und größeres geschah als man­chesmal in 50 Jahren früherer deutscher Geschichte.

Zwei Erkenntnisse wollen wir als geschichtliche Tatsachen werten:

1. Das Jahr vom September 1933 bis zum September 1931 brachte die endgültige Festigung der nationalsozialisti­schen Macht in Deutschland. Der Kongreß des Sieges war der Beginn eines Bersolgungs- kampses, in besten Verlauf von uns eine feind­liche Stellung nach der anderen aufgebrochen und eingenommen wurde.

2. Dieser selbe Zeitraum war aber sür die nationalsozialistische Staatssiihrung zugleich ein Jahr gewaltiger konstruktiver und produktiver Arbeit. Daraus ergibt sich eine «otwendige und unzweiselhaste Feststellung:

Die «ationalsozialisti»sche Revolu­tion ist als revolutionärer, »acht- mätziger Borgang abgeschlossen! Sie hat als Revolution restlos erfüllt, was von ihr erhofft «erden konnte.

Diese Feststellung ist wichtig, weil bei jeder Revolution nur zu leicht von Phantasten oder Interessenten die Grenzen des Möglichen verkannt oder bewußt übersehen werden.

Es gibt keine Revolutionals Dauer­erscheinung, die nicht zur vollkommenen Anarchie führen müßte. Der Sinn einer Revo­lution kann nur sein, Widerstände, die von der allgemeinen Trägheit einer Zeit, von traditions­gebundenen Jnteresten oder vom bösen Willen gegen ein« zweckmäßige und damit natürliche und notwendige Entwicklung aufgerichtet werden, durch '-inen Akt voll! er Selbsthilfe und damit Notwehr ',» tiieiiigen. Dort, wo sich solche Vor­gänge ut.'r m ew'gen Wechsel wiederholen, er­

scheinen nicht beherrschend« Ideen oder zwingende Lebensnotwendigkeiien als Auftrag­geber der revolutionären Erhebungen, sondern der verbrecherische Ehrgeiz einzelner, nach Macht stre­bender Usurpatoren.

Dies« Revolutionen in Permanenz führen zur Zerrüttung jeglichen völkischen, staatlichen und wirtschaftlichen Lebens. Sie sind nicht Explosionen eines vergewaltigten Selbsterhaltungstriebes einer Nation, sondern einfach Machtkämpfe beute­gieriger Politiker! Wahrhafte Revolutionen sind nur denkbar als Vollzug einer neuen Berufung, der der Volkswille auf diese Art einen geschicht­lichen Auftrag erteilt.

Daher kann eine Revolution an sich auch nie­mals ein Programm verwirklichen. Sie kann nur den Kräften freie Bahn geben, die sich einem be­stimmten Programm verschrieben und seine Ver­wirklichung zugesichert haben.

Revolutionen beseitigen nur Machtzustände! Die Evolution allein verändert Sachzustiinde!

Denn das Entscheidende ist nicht die Ueber­windung, Beseitigung oder gar Vernichtung be­stimmter Lebensauffassungen, Einrichtungen, Funktionen usw., als vielmehr ihr Ersatz durch bessere. So wie die Welt nicht von Kriegen lebt, so leben die Völker nicht von Revolutionen. In beiden Fällen können höchstens Voraussetzungen für ein neues Leben geschaffen werden. Wehe aber, wenn der Akt der Zerstörung nicht im Dienste einer besseren und damit höheren Idee erfolgt, sondern ausschließlich nur den nihilisti­schen Trieben der Vernichtung gehorcht und da­mit an Stelle eines besseren Neuaufbaues ewigen Haß zur Folge hat.

Eine Revolution, die in der Niederwersung eines politischen Gegners oder in der Vernichtung früherer Leistungen, der Beseitigung vorhandener Zustände ihre einzige Aufgabe sieht, führt zu nichts Besserem als ein Weltkrieg, der in einem wahnsinnigen Diktat seine grauenhafte Erfüllung, d. h. Fortsetzung, findet.

Wenn daher der Revolution nur ein sekun­därer Charakter beigemessen werden kaun, so liegt die primäre Bedeutung in der Idee und dem programmatisch niedergelegten Wollen, die als Auftraggeber eines solchen Vorganges anzu­sehen sind. Diese Zielsetzung aber ist allein ver­pflichtend für den Ablauf einer solchen Erhebung. Indem diese Zielsetzung ursprünglich niemals aus der Gesamtheit einer revolutionären Masse, son­dern stets aus der intuitiven Erkenntnis und Ein­sicht eines einzelnen oder einzelner Weniger stammt, können auch nur diese durch die Revo­lution den geschichtlichen Auftrag für die Er­füllung ihres Programms erhalten haben. Denn indem Hunderttausende bereit sind, kämpfend für ein Ideal die dem sich entgegensetzenden Wider­stände zu beseitigen, erwarten sie um so mehr, daß die Schöpfer dieses Ideals für dessen Ver­wirklichung sorgen.

Ein Wort a

Es ist eine ewige Erfahrung, daß der Schwäch­ling ebenso gern bereit ist, seine zögernde Un­fähigkeit mit dem Wort Taktik zu entschuldigen,, wie er umgekehrt, einmal wild geworden, jede Taktik als Zeichen der Schwäche verfemt. Es tritt dann nur zu leicht der komische Zustand ein, daß solche

politischen Spießer

in allen grundsätzlichen Dingen der Taktik er­liegen, umgekehrt aber im taktischen Vorgehen über lauter Grundsätze stolpern. Eine Bewe­gung, die auf dem festen Fundament einer Welt­anschauung gegründet ist gibt ihrer Führung die Möglichkeit, in eisiger lleberlegung ein Ziel ins Auge zu fasten, das durch die Idee fixiert er­scheint und nach allen Regeln der Kunst des Mög­lichen zu erreichen versucht wird.

Wehe, wenn sich eine Staatsführung in der Be­folgung des ihr gegebenen Auftrages von Besser­wissern oder Kritikastern beirren läßt, jene Wege zu suchen und zu gehen, die nach menschlichem Er­messen bei geringsten Opfern und mit der größten Wahrscheinlichkeit am Ende doch das gesehene Ziel erreichen lasten. Eine wirklich souveräne Voll­streckung des Volkswillens darf gerade deshalb am wenigsten sich vor denen beugen oder denen nachgeben, die in der stets leichten Kritik des taktischen Vorgehens die Möglichkeit einer Erschütterung eines Regiments an sich erblicken und darin die alleinigen Chancen einer sonst wirk­lich nicht berechtigten eigenen Berufung heraus- wittern. Stabilität und Selbstsicherheit eines führenden Regiments bedingen einander gegen­seitig. Ohne dem sind überhaupt keine Erfolge zu erzielen.

Denn jene Besserwisser, die durch die Kritik der Taktik die Notwendigkeit ihrer eigenen Be«Unng beweisen möchten, find zu allen Zeiten

Denn die Kämpfer einer solchen Erhebung sind nicht gefallen, damit dann wahnsinnige oder Nichtskönner einen an sich schlechten Zustand der Vergangenheit in ein noch schlechteres Ehaos der Gegenwart verwandeln, sondern damit nach einem kurzen, wenn auch chaotischen Uebergang eine neue dauernde und bessere Ordnung entsteht. Sie wollen nichts anderes als daß durch ihr Opfer jene Willensträger, die mit ihrer Idee auch ihnen den Glauben und Befehl zum Handeln gaben, die Möglichkeit der Verwirklichung ihrer Ideen er­halten. Und je mehr diese Ideen im Unterbewußt­sein einer Nation als instinktiv gefühlte, wenn auch nicht verstandesmäßig erkannte Lebensgesetze empfunden werden, um so mehr Verantwortung fällt auf jene, die als Erklärer und Aussprecher dieser inneren Sehnsucht zugleich deren offene Ver- künder und damit die Führer eines Volkes ge­worden sind.

Die Bewegung Heer des Nelches

Und dies« Führung des Volkes hat heute in Deutschland die Macht zu allem! Wer will be­streuen, daß die nationalsozialistisch« Bewegung nicht unumschränkter und unbeschränkter Herr des Deutschen Reiches geworden ist? Wer aber will weiter behaupten, daß etwa die Repräsentanz die­ser Bewegung, die heute die Staatsführung inne- hat» nicht das Best« dieser Bewegung sei, sondern daß sich das Bessere in jenem Teil befindet, der zumindest in der Zeit des Kampses um die Macht nicht der sichtbare Willens- und Kampsträger der Bewegung war? Es gehört zur Anständigkeit eines wirklichen Mannes, den Mut einer gerech­ten Selbsteinschätzung zu besitzen.

Ob daher das, was heute in Deutschland die nationalsozialistische Macht sührungsmägig reprä­sentiert, dem einen oder anderen paßt, ist neben­sächlich. Ob es diesen oder jenen Fehler besitzt, ist belanglos. Allein nicht bestritten werden kann, daß es das Beste ist, was der Nationalsozialismus an geistiger und schöpferischer Kraft, an Fähigkeit der Organisation und Führung sein eigen nennt. Und das ist entscheidend!

Diese Führung der Nation, die Elite unserer Partei, hat alle Möglichkeiten des Handelns durch die nationalsozialistische Revolution erhalten. Ihr Wille, das Programm der nationalsozialistischen Bewegung zu verwirklichen, kann von niemandem bestritten werden. In der Partei und gar in der übrigen Nation befindet sich niemand, der mehr geeignet wäre, dieses Programm zu vertreten. Denn er müßte dies schon in der Zeit des Kampfes um die Macht bei den taufenden sich bietenden Gelegenheiten unter Beweis gestellt haben. Es kann daher das Handeln dieser Führung der Voll­streckung des nationalsozialistischen Auftrages durch nichts gehemmt werden außer durch Momente tak­tischer, persönlicher und damit zeitlicher Natur.

l die Nörgler

so zahlreich gewesen, daß die Völker selbst bei schnellstem Regierungsverbrauch sie nie hätten verdauen können. Es ist daher nötig, daß man solchen Versuchen gegenüber hart und entschlossen bleibt. Wer damit eine Revolution zu motivieren versucht, handelt stets gewissenlos.

Auch die nationalsozialistische Bewegung hat ihren revolutionären Kampf nicht begonnen, weil sie etwa die taktische Eeschicklichkeit ihrer Vor­gänger als nicht zulänglich angesehen hat, sondern weil die weltanschauliche Basis dieses Re­giments von Gründ auf falsch und irrig war. So schlecht, daß auch die besten Taktiker daran nichts mehr zugunsten der Nation hätten ändern kön­nen! Und so war es auch.

Wenn Rücksichten taktischer Natur das Handeln der nationalsozialistischen Staatsführung auf zahl­reichen Gebieten beeinflussen, dann ebenso auch Hemmungen, die sich aus dem Mangel fachlich ge­eigneter Qualität ergeben. Und auch die muß eine wahrhaft souveräne Bewegung großzügig sehen und selbstsicher in Kauf nehmen.

Der Nationalsozialismus ist eine Weltanschauung.

Ihre Verwirklichung steht meilenweit über je­dem Akt einer reinen Inbesitznahme der Staats­gewalt. Die Regierungsgewalt in einem Volke von 88 Millionen Menschen zu stürzen und zu überneh­men, ist schwer. Allein aus diesen 68 Millionen Einzelwesen einer zerfahrenen Welt Seelenkämpfer einer neuen Idee Ai machen, ist tausendmal schwe­rer. Ich zweisle nicht, daß sich für jedes ausgeschrie­bene Amt Hunderte an Bewerbern melden. Allein es gilt auch hier die sternenweise Erkenntnis: „Viele sind berufen, doch wenige auserwähl t".

(Absetzung auf Seite 2)

Der Viilirer bei äer vor seinem dMrnberAer tzuartior. Hinter ibm äer §ranlrsnknbrsr

Streieber, revbts im Lücke, neben äem ILruktvaxen, äio ^.äzntanten ckes Viikrers, 88.-Ober- kiibrer 8 vbanb nnä 8^.-6rnppenkübrer 8 riivirnor.

MM

Frankreichs Gaar-Noie

— und was vom deutschen Standpunkt aus zu ihr zu sagen ist

(Orabtboriobt äussrer Berliner 8ebriktlsituvg) 8. V. Berlin, 5. September

In politischen Kreisen der Reichshauptstadt stellt man eindeutig fest, daß Frankreich in seiner jetzt in Wortlaut bekannt werdenden Note über die Saarabstimmung versucht, die juristische Plattform, die durch das Saarstatut geschaffen worden ist, zu verschieben. Man hat offenbar end­gültig darauf verzichtet, an die französische Lö­sung zu glauben, zu deren Gunsten man vor Jahren 150 000 Saar-Franzosen erfunden hatte. Insofern gibt Frankreich die Schlacht an der Saar verloren.

Für Deutschland ist der Abstimmungster - min der Kardinalpunkt, auf den es ankommt. Alle anderen Fragen haben damit nichts zu tun. Sie eilen nicht so und werden erst nach der Ent­scheidung aktuell werden.

Die französische Saarnote beschränkt sich darauf, die Schwierigkeiten hervorzukehren, die etwa durch die Rückgliederung an Deutschland entstehen könnten. Der Ton der Note ist ver­söhnlich, er kann aber nicht darüber hinweg­täuschen, daß Frankreich den status guo als ein Paradies zu schildern bemüht ist. Es lohnt sich nicht, auf die Einzelfragen einzugehen, die in die Debatte geworfen werden. Die Bedingungen des Friedensvertrages bzw. des Saarstatuts sind so eindeutig, daß darüber gar nicht verhandelt zu werden braucht. Es geht klar daraus hervor, daß die Saargruben ohne alles Für und Wider an Deutschland zurückfallen und daß dann erst alles Weitere zu vereinbaren wäre. Die fran­zösische Forderung, daß diese und verschiedene an­dere Fragen sofort geregelt werden sollten, ist auf keinerlei Rechtsansprüchen begründet. Es ist auch nicht so, daß über verschiedene Punkte etwa falsche Vereinbarungen bestünden. Frankreich stellt sich, als habe der Völkerbund über mancherlei Even­tualitäten zu verfügen. Das ist nicht der Fall.

Der Bölkerbundsrat ist nicht in der Lage, ir­gendwelche Zusätze oder Abänderungen zum Saar- statut zu beschließen. Er hat sich an den Wort­laut der bestehenden Bestimmungen zu halten. Ueber die Sachlage des status >>nn besteht eben­falls keinerlei Unklarheit. Er ist eindeutig fest­gelegt und in 15jiihriger Praxis genügend er­härtet. Es kann an seine Stelle kein willkür­liches neues Gebilde gesetzt werden. Desgleichen muß der Versuch zurückgewiesen werden, Deutsch­land politisch Hypotheken aufzuerlegen. Das kommt gar nicht in Frage. Weder der Völker- bundsrat noch Frankreich ist dazu autorisiert.

Das Gerede von einer zweiten Abstimmung ergibt sich nur aus französischen Pressestimmen. Die amtliche französische Denkschrift hütet sich, einen solchen Bruch der bestehenden Bestimmungen zu propagieren.

Die Hinausschiebung einer endgültigen Rege­lung durch Zwischenschaltuna von Kontroll­

organen .oder dergleichen würde die Bereini­gung.des deutsch-französischen Verhältnisses auf un­beschränkte Zeit vertagen. Was von der Bereitwil­ligkeit Frankreichs zur Gewährung von Krediten zu halten ist, das ist am Beispiel Oesterreichs, zur Genüge demonstriert. Was den Schutz der „sprach­lichen Rechte" angeht, so haben wir dafür in Elsaß- Lothringen ganz eindeutige Beweise erlebt. Das gleiche gilt für die angebliche Bereitwilligkeit, einen großen Teil der Gruben freiwillig zurückzu­geben.

Alles in allem ergibt sich die feststehende Tat- . fache, daß es sich auch bei dieser Denkschrift durch­aus nicht um das „geschickteste Dokument" han­delt, das jemals dem Völkerbund eingereicht wurde, sondern daß die Denkschrift derartig große Blößen besitzt, daß man in aller Ruhe nun erst recht die Entwicklung der Dinge abwarten kann.

Durch ein solches Dokument, wie es die fran­zösische Regierung einreichte, brauchen wir uns wahrhaftig nicht einschüchtern zu lassen. Deutsch­land und das Saargebiet wissen genau, was sie von den französischen Quertreibereien zu halten haben.

Das Deutsche Nachrichten-Büro schreibt zur französischen Denkschrift:

Die französische Denkschrift bringt keine Ueber- raschungen. Der Gedanke, gewisse nach der Ab­stimmung zu regelnde technische Fragen des Saargebiets möglichst frühzeitig zu klären, hat vielleicht manches für sich. Eine unbedingte Not­wendigkeit dafür liegt allerdings nicht vor, da schon der Versailler Vertrag genügend klare Richt­linien enthält, die nach der Abstimmung eine schnelle Erledigung dieser Fragen ermöglichen.

Selbstverständliche Voraussetzung für die als- baldige Behandlung der in Rede stehenden Fragen ist aber, daß dabei keinerlei Versuch gemacht wird, die Abstimmung in dem einen oder anderen Sinne zu beeinflussen. In dieser Hinsicht können manche Teile der französischen Denkschrift zu Zweifeln An­laß geben, man könnte darin den Versuch sehen, der Bevölkerung des Saargebietes durch besondere Vorschläge und Maßnahmen die Beibehaltung des gegenwärtigen Regimes schmackhaft zu machen. Ebenso müssen natürlich alle Gedanken als ver­tragswidrig und unzulässig zurückgewiesen werden, die etwa darauf abzielen sollten, dem Saargebiet nach seiner Rückgliederung an Deutschland noch irgendwie den Charakter eines Gebietes mit einem besonderen internationalen Regime zu geben

Wenn Maßnahmen dieser oder jener Art mit dem Hinweis auf die Interessen der Bevölker'nq begründet werden, so braucht sich hierüber im Grunde weder der Völkerbund noch eine fremde Regierung den Kops zu zerbrechen. Die Bevölke­rung weiß genau und hat es aus der Koblenzer Kundgebung noch einmal deutlich gehört, daß ihre Interessen nl. ends besser aufgehoben sein kön­nen, oe, h,er ebenen nationalen .legierung.