Ausgabe 
(2.9.1934) Nr. 242
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das ariMche Vrgan -es Senats

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Nr.242/3.Merteljadr

Sonntag, 2 . September

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Wer muß den Arbeitsplatz tauschen?

Einzelheiten aus der neuen Verordnung / Bis 40 v. H. aller Beschäftigten Jugendliche

Berlin, 1. September.

Der „Angriff" ha: sich über einzelne Fragen der neuen Verordnung über die Verteilung und den Austausch von Arbeitskräften mit dem zu­ständigen Referenten der Reichsanstalt für Ar­beitslosenversicherung und Arbeitslosenvermitt­lung in Verbindung gesetzt. Bei einer Unterhal­tung mit Regierungsiat Dr. Timm ergaben sich folgende besondere Gesichtspunkte:

„Hat ein Berliner Shlosser, so fragten wir, der wegen Arbeitslosigkeit in die Provinz gegangen ist. die Möglichkeit, auf Grund der neuen Ver­ordnung wieder Arbei: in Berlin, wo seine Familie noch wohnt, zu finden?"

„Selbstverständlich, hat er lediglich zu Not­standsarbeiten Berlin wrlassen, wird er bei dem zuständigen Arbeitsamt sowieso weitergeführt. Seine Einreihung in dm Arbeitsprozeß erfolgt also automatisch."

„Und wenn er außerhalb Berlins andere Ar­beit gesunden hat und wieder arbeitslos geworden war?"

„Das ist natürlich etwis anderes. sEs wird ja bei seinem dortigen Arbeitsamt geführt und dann dort bei der Arbeitseinreihung berücksichtigt. Gegebenenfalls wäre ein Antrag an das Arbeits­amt des Bezirks, in dem seine Familie noch wohnt, zu versuchen."

„Wird sich das neue Ersetz auf die Gestaltung des Arbeitsmarktes dauernd auswirken?"

„Das Gesetz will die normale Gliederung wiöder herstellen. Durch die unorganische Miß­wirtschaft in den vergangenen Jahren sind die Verhältnisse 'völlig zerrüttet gewesen. Nach der Berufszählung imJahre 1925 gab es im Reich insgesamt 11 Millionen Beschäftigte. Davon waren sechs Millionen Jugendliche. Also rund 49 v. H. sämtlicher Beschäftigten waren unter 25 Jahren — ein unglaublich großer Prozentsatz."

„Dann ist die Dauer des Gesetzes also unbe­schränkt."

„Jawohl. Das Gesetz gliedert sich in zwei Teile, den Austausch von Arbeitsplätzen, der jetzt vor­genommen wird und zeitlich begrenzt ist: und die künftige Einstellung des Arbeiters oder Ange­stellten unter 25 Jahren, die durch das Gesetz endgültig geregelt wird, um die normale Gliederung des Arbeitsmarktes wieder herzustellen."

„Mit wem verhandelt das Arbeitsamt über die Durchführung?"

„Mit den Betrieben direkt. Zur Erleichterung der Durchführung werden zuerst die großen Be­triebe über 2g Arbeitskräfte erfaßt, während die kleineren Betriebe nur auf besondere Anforde­rung erfaßt werden."

„Werden von der Aktion sämtliche Ju­gendliche ersaht?"

„Es bestehen bestimmte Vorschriften über die Jugendlichen, die in die „Sonder aktion" einbegriffen find. Daneben werden natürlich die sozialpolitischen Voraussetzungen geprüft."

„Daneben gibt es auherdem noch eine Anzahl anderer Berufe, bei denen ein Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß der Vernichtung der Existenz gleichkommt. Ich denke an Künstler, Theaterange­stellte usw."

»In solchen Fällen mutz der Betriebssichrer die Einzelheiten auf dem Meldeblatt vermerken. Es erfolgt dann eine genaue Prüfung. Und es treten dieselben Vorschriften wie für die Beschäftigung Jugendlicher bei solchen Arbeiten, für die sie fachlich besonders geeignet sind, in Kraft."

„Zu welchem Termin erfolgt das Ausscheiden der Jugendlichen? Besteht nicht die Gefahr einer un­freiwilligen Arbeitslosigkeit während einer be­stimmten Zeitspanne zwischen Ausscheiden aus der Arbeit und Wiederunterbringung?"

„Rein, die Gefahr besteht nicht. Die Jugend­lichen werden zu dem Zeitpunkt entlassen, zu dem

sie vom Arbeitsdienst übernommen werden kön­nen. Natürlich hat der Vetriebsführer die Mög­lichkeit der versorglichen Kündigung, um den Jugendlichen an dem Tage, an dem er angefor­dert wird, sofort abgeben zu können."

„Was geschieht, wenn unsoziale oder staats­feindliche Betriebsführer versuchen, die Durch­führung der Verordnung zu sabotieren?"

„Mit dieser Möglichkeit beschäftigt sich die An­ordnung direkt nicht. Es tritt hier aber Para­graph 6 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit ein. Der Betriebssichrer ist danach ver­pflichtet, seine sozialpolitischen Maßnahmen im Vertrauensrat zu erörtern. Zu diesen sozialpoliti­schen Maßnahmen gehört die Durchführung der neuen Verordnung zweifelsohne."

„Gibt es sonst eine Kontrolle für den Betriebs­sichrer bei Durchführung der Maßnahmen?"

„Abschnitt II Paragraph 4 setzt eine derartige Möglichkeit, die noch von den zuständigen Stellen zu regeln ist, voraus."

„Werden von der Aktion auch die älteren Ar­beitslosen erfaßt."

„Ja, gerade um diese Kräfte wieder ^Zuschal­ten, ist in der Verordnung ein Leistungsausgleich eingeführt."

„Das ist ein außerordentlich wichtiger Punkt."

„Wie ist die Handhabung?"

„Der Betrieb, der männliche Angestellte über 40 Jahre anstellt, die länger als zwei Jahre Unterstützung erhalten haben, erhält pro Mann bis zu 60 RM. im Monat. Hat der Neueinge-. stellte Kinder, so erhöht sich der Satz um 5 RM. pro Kind."

„Abschließend noch eines. Wie treten die in den Schlußbestimmungen vorgesehenen Strafen in Kraft?"

„Wer Jugendliche ohne Zustimmung des Ar­beitsamts einstellt, wird automatisch, auf Mel­dung der Polizei hin, bestraft. In allen anderen Fällen erfolgt Anzeige vom Landesarbeitsamt."

ten eine militärische Ausbildung gegeben wer­den sollte. Die Zahl 10 000, die in jenem Brief genannt worden sei, scheine freilich längst über­schritten zu sein. Die Saarrregierung schätze die Zahl der in den Arbeitsdienstlagern in Deutsch­land ausgebildeten jungen Saarländer auf mehr als 16 000. Aus diesem Grunde habe sich die Re­gierungskommission gezwungen gesehen, als erste Gegenmaßnahme eine Verfügung zu erlassen, die im Saargebiet die Organisation des Freiwilligen Arbeitsdienstes verbiete und die jungen Leute, die daran teilgenommen haben, ebenso wie die­jenigen, die früher Mitglieder der SA. und SS. waren, veranlasse, sich bei der Polizei zu mel­den, wobei die Möglichkeit einer besonderen Ileberwachung ins Auge gefaßt sei.

Knox schließt mit dem Wunsch«, daß diese Dokumente genügen möchten, um den Rat von dem „Ernst der Lage im Saargebiet" zu über­zeugen, auf den die Regierungskommission in den letzten Monaten immer wieder hingewiesen habe. Unter diesen Umständen müsse die Regierungs- kommission um so mehr erwarten, daß der Völker­bundsrat nicht zögere, sich Lei seinen Mitglieder­

staaten für die Rekrutierung von Poli­zisten und Gendarmen einzusetzen, wie es in der Entschließung des Rates vom 4. Juni vor­gesehen sei.

*

Hierzu bemerkt das Deutsche Nachrichten-Büro:

Der Bericht des Herrn Knox, der übrigens von der Saarzeitungen als Auflage-Nachricht ver­öffentlicht werden mußte, bevor er noch in Genf bekannt war, enthält längst widerlegte Klagen über den Freiwillig... Arbeitsdienst. Noch vor wenigen Tagen war im saarländischen Landesrat von feiten der Deutschen Front auf den sozialen und ethischen Wert des Freiwilligen Arbeitsdien­stes hingewiesen und gleichzeitig die Regierungs­kommission ausdrücklich aufgefordert worden, die Arbeitslager zu besuchen, um sich ein eigenes Urteil über die wirklichen erzieherischen Auf­gaben dieser Institution bilden zu können. Bis­her ist nicht bekannt geworden, ob die Regie­rungskommission des Saargebiets von diesem Angebot — pflichtgemäß — Gebrauch gemacht hat. (Siehe auf Seite 2.)

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Die Märchen -es Herrn Knox

Aus dem Inhalt seines Arbeitsbienstbriefes an den Völkerbund

Gens, 1. September.

Der 58, Vierteljahresbericht der Regierungs- kommWoil des Saargebietes wird heute in Genf veröffentlicht. Er verbreitet sich wie immer über die wirtschaftliche, soziale, politische und ver- waltungstechnische Lage im Saargebiet. Gleich­zeitig veröffentlicht das Völkerbundssekretariat einen Brief des Präsidenten der Re­giern stgskommission an den General­sekretär des Völkerbundes vom 17. Aug. 1934, in dem Einzelheiten über das Ergebnis der Prüfung der im Büro des Freiwilligen Arbeits­dienstes gefundenen Akten mitgeteilt werden. Ver­schiedene! Schriftstücke, so behauptet Herr Knox, hätten lewiesen, daß Beamte der Regierungs­

kommission verführt worden seien, Handlungen zu begehen, oder von der Verfolgung bestimmter Handlungen Abstand zu nehmen, und zwar auf Grund einer Einflußnahme, die als Korruption oder Druckversuch bezeichnet weiden müßte.

Aus anderen Dokumenten gehe hervor, daß Organisation und Agenten der Deutschen Front ständig Verbindung mit den verschiedensten Be­hörden im Reich unterhielten und ihre Ein­mischung in die Saarfrage erleichterten. Es sei auch der Beweis für zahlreiche Verletzungen der Strafgesetze erbracht, die allerdings zum größten Teil durch die von der Regierungskommission am 11. Juni 1934 gewährte Amnestie erledigt seien. Die Kommission begnüge sich damit, die Auf­

merksamkeit des Völkerbundsrates vor allem auf die Tätigkeit des Freiwilligen Arbeits­dienstes zu lenken, die eine Abteilung der Deutschen Front bilde. Aus diesem Grunde fühle sich die Regierungskommission auch verpflichtet, Abschriften der wichtigsten Dokumente dem Völ­kerbundsrat gleichzeitig vorzulegen. Das wich­tigste sei hier ein Brief vom 6. Oktober 1933, aus dem hervorgehe, das 10 000 junge Saarländer in den Freiwilligen Arbeitsdienstlagern in Deutsch­land außerhalb des gewöhnlichen Dienstes eine besondere Ausbildung sür den Saarkampf erhal­ten sollten.

Herr Knox will dann weiter aus diesen Doku­menten schließen können, daß diesen jungen Leu-

K. ll. B r em e n, 2. September 1S34.

Sammeltag für das Hilsswerk „Mutter und Kind". Aus dem allgemeinen Sammel- verbot ist dieses Hilfswerk mit allem Bedacht und mit gi^em Rechte herausgenommen, worden, denn es handelt sich hier um eine nationale Angelegenheit, die uns, alle an­geht. Unsere Gegner haben den 'national­sozialistischen Staat gern und oft als frauen- feindlich hingestellt. Wenn dem so wäre, würde eS rätselhaft erscheinen, daß gerade unsere deutschen Frauen in ihrer überwiegen­den Mehrheit wahrhaft glühende Verehrerin­nen des Führers sino. Das Rätsel löst sich aber leicht. Niemand hat mehr ein feineres Gefühl dafür, wie man eine empfindsame Menschenseele behandeln soll, als die Frau selbst. Die Frau erkennt mit sicherem In­stinkt, ob jemand es wirklich ehrlich mit ihr meint. Sie weiß auch ganz genau, wenn man sie auf Wege oder in Verhältnisse treiben will, die ihrer Empfindung zuwider sind, daß sie sich dort auf fremdem Boden befindet. Das liberalistische Zeitalter hat die Frau auf einen fremden Boden geführt. Sie ist nie heimisch darauf geworden, nur wenige ihrer Geschlechtsgenossinnen konnten sich dort be­haupten und auch nur dadurch, daß sie ihre Weiblichkeit und ihr eigenes Ich opferten. Der Nationalsozialismus aber hat der Frau ihr Gesicht wiedergegeben. Genommen hat er ihr nur die kalte politische Seele, mit der die Parteien Geschäfte gemacht haben. Ge­nommen hat er ihr auch jene krankhafte Einbildung, daß sie sich über ihre Natur hin­wegsetzen könne, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen, daß ihr irdisches Glück nur darin bestände, in allem dem Mann gleichzukommen und ihn womöglich noch zu

übertreffen. Es soll nicht damit gesagt sein, daß es nicht aus allen Gebieten treffliche Frauen gibt, die dem Mann in jeder Be­ziehung gleichwertig sind. Es gibt solche Frauen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete, man trifft sie aber auch auf dem Gebiete des Verbrechens. Aber das sind immer nur Ausnahmen. Das Gemüt der

Ein Million Arbeiter streiken

Newyork, 1. September.

Die Arbeiter der Seidenwebereien und Spinnereien haben heute beschlossen, sich mit den streikenden Arbeitern der Baumwoll­industrie solidarisch zu erklären und ebenfalls in den Streik zu treten. Damit ist die gesamte Textilindustrie der Vereinigten Staaten vor­läufig durch den Streik lahmgelegt.

Frau sehnt sich nach einer Tätigkeit, die sich mit ihrer Natur vereinbaren läßt.

Es gibt gewiß auch Zeiten, in denen die Frau durch die Verhältnisse gezwungen wird, die Führerrolle des Mannes zu übernehmen. Wi denken an die Kriegszeit, wir denken an die harte Zeit nach dem Kriege, in der Millionen von Frauen zum Familienernährer geworden sind und ziehen in Ehrfurcht vor diesen gewaltigen Leistungen der Frau, in der sie unter Aufpeitschung ihrer Leiden­schaft und unter Verleugnung ihrer Natur geschaffen und gewirkt hat, den Hut. Wir sind auch überzeugt, daß die deutsche Frau, wenn ein zweites Mal das harte Leben und

urgemütlichen — ja, man sollte es nicht glauben — deutschen Hotel in Hoboken zum Empfangsdiner. Nachdem das Essen und die feierliche Begrüßung vorbei sind, kann ich die Frage, die auf allen Gesichtern brennt: „Wo sllht dat in Dütschland ut?" beantworten. AIs ich ihnen sage, daß Deutschland augenblicklich wohl das Land ist, wo am meisten Ruhe und Ordnung herrschen, bricht großer Beifall aus.

Es ist unglaublich, wie die Zeitungen hier gegen Deutschland gewühlt haben. Eine Frage tritt mir immer wieder entgegen: „Ist Hitler gegen die Religion?"

Man sieht, wie sich der unselige Kirchenstreit hier im Ausland auswirkt.

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Hinrich Eronau folgte kürzlich einer Ein- lchung der Plattdeutschen Freunde, um den Deutschen in den Staaten aus der Heimat zu berichten.

Ich wandle wie im Märchenland. Nachdem ich mich durch den Pfannkuchenberg des weiland Klas Armstaken — will sagen die fabelhaften Speisezettel der „Europa" — hindurchgegessen hatte, zeigten sich die ersten Umrisse der amerika­nischen Küste. Und nun kam das Fieber doch- Schauen und Staunen und immer wieder Schauen und Staunen. Man möchte seine Sinne verviel­fachen. „Europa" stoppt, der Zollkutter legt längsseits. Ihm entsteigen die ersten Abgesandten:

Claus Oetzen, Rudolf Schumacher und LharlesMeyer. Ein Reporter hat mich erwischt und versucht, mich auszuquetschen.

Von einem halben Dutzend Schleppern bugsiert, nähern wir uns dem Pier. Grüßen und Winken,

— du lieber Gott, da stehen ja über 30 Leute, die aus mich warten. Dazu kommt noch ein Dutzend aus meiner engeren Heimat. Mir bricht der Angstschweiß aus. Händeschütteln nach allen Seiten — zwei Stewards sind um mein Gepäck bemüht.

Ein Zöllner schließt sich würdevoll dem Gefolge an und redet einen Wasserfall Englisch auf mich ein. Ich sage ihm in unverfälschtem Platt: „Ick verstah keen Woord von Dien Jabbelee." Er:

„Tjä, Minsch, dat kannst jo man ornd- lich seggen!" „Schall ich de Kufferts denn nu open malen?" Er guckt mich grienend an:

„Hast jo'n Vogel!" Und schwapp, sitzen Kuckucks an meinem Gepäck.

Nun entbrennt ein edler Mettstrdit, wohin ich zuerst soll. Ehe ich mich entscheiden kann, haben kräftige Fäuste meine Sachen schon ins Auto gepackt, mich in ein zweites und nun geht die lange Reise los. Zuerst nach meinem „Haupt- auartier" zu einem Empfangsschoppen und dann der geschichtlichen Entwicklung folgend nach einem

Der Untergrund bei allen ist tiefstes Heimweh. Jeder möchte gern mal wieder die alte Heimat besuchen. Doch sind die Verhältnisse nicht mehr so, daß man einfach reisen könnte wie man möchte. Fast alle haben finanziell schwer gelitten. Dennoch hoffe ich es, fertig zu bringen, daß für 1936 eine Reisegesellschaft für Deutsch­land zusammenkommt.

Der Tod Hindenburgs hat alle tief erschüttert. Die „Freunde des neuen Deutschlands" haben eine gewaltige Trauerkundgebung veranstaltet, bei der über 30 000 Menschen anwesend waren. Und es vergeht keine Versammlung, bei der nicht seiner gedacht wird.

Ich habe schon viel gesehen, gehört und er­lebt. Amerika ist das Land, in welchem man vor lauter Staunen und Bewundern das Wundern verlernt.

steiler macht: „Geh durch die Welt und sprich mit jedem." Und so schrieb er in unzähligen Kurz­geschichten nieder, was er von seinen Landsleuten, von ihren Eigenarten und Eigentümlichkeiten,

^Ifvecl silsnn; geKovben

Wenige Tage nur nach Vollendung seines 57. Le­bensjahres ist der Bremer Schriftsteller Alfred Manns am Freitagabend einem alten Herzleiden erlegen. Er hat noch die Freude und Genugtuung erleben dürfen, daß sein letzter Roman, der „Moorbandit", der im Verlaufe des vergangenen Jahres von der „Bremer Zeitung" veröffentlicht worden ist, als Buch neue Leserkreise und Freunde sür sein Lebenswerk gewann.

Manns' Lebensarbeit galt Niedersachsen, denn er war Niedersachse mit Leib und Seele und seiner geliebten Heimat mit allen Fasern seines Herzens verbunden. In Bremen am 21. August 1877 ge­boren Bremer von Gemüt und Geblüt, bereitete er sich auf eine akademische Laufbahn vor. Er wollte Landmesser werden und studierte an der Technischen Hochschule Berlin, aber ein schweres Augenleiden verhinderte die Beendigung des Stu­diums. Manns kehrte in die Vaterstadt zurück und entschied sich für die kaufmännische Laufbahn.

Daß er sich nicht damit bescheiden konnte, in seinem neuen Wirkungskreis das Feld einer Tä­tigkeit zu sehen, die ihm den Lebensunterhalt sicherte, daß er Kaufmann nicht wurde, um einen Erwerb zu haben, entsprach nur seinen persön­lichen Gaben, seiner Begabung und jenem Hanse­atengeist, der die geliebte Vaterstadt groß und mächtig gemacht hat. Manns vertiefte sich in die wirtschafts- und sozialpolitischen Zusammenhänge seines Berufes. Die Frucht dieser ernsten, ar­beitsreichen Bemühungen war die „Deutsche Wirtschafts- und Sozialkorrespondenz", die Manns nach dem Weltkriege herausgab.

Schriftstellerische Arbeiten hatte Manns schon seit einem Jahrzehnt vordem geleistet. Er gehönc zu den Naturen, die sich nicht nur in schwärme rischer Begeisterung untätig den Schönheiten ihrer Heimat hingeben, er war nicht nur eifrigst be­müht, Land und Leute kenenzulernen. Sein Leben stand vielmehr unter der Losung des per­sischen Weltweisen Firdusi, die ja den Schrift-

kiioto: L. Lsnäer, Lrernso

von ihrem Wesen und von ihrer Verbundenheit mit der Scholle wußte.

In diesen Kurzgeschichten, Erzählungen und Novellen, die nicht etwa nur in den Heimatzei­tungen und in den Zeitschriften Niedersachsens er­schienen, sondern die in den Druckschriften aller Gaue des Reiches gern abgedruckt und viel ge­lesen wurden und — was von Bedeutung ist und dem Verstorbenen als Verdienst anzurechnen bleibt! — für Niedersachsens Land und Leute ge­worben zu haben, in diesen spannenden, stets den Leser fesselnden, gefällig und flüssig erzählten Ge­schichten phantasierte er nicht große und unwahre Problematik in den Alltag und den Lebensfeier­

tag seiner Landsleute hinein, er verstand es, die echt und natürlich gesehenen Menschen reden und handeln, lieben und leiden, werken und wirken zu lassen.

Aus dieser künstlerischen Haltung, aus dieser weltanschaulichen Einstellung, aus solcher per­sönlichen Disziplin heraus sind auch seine zahl­reichen Niedersachsen-Romane, seine Heimat- Romane entstanden: Rund ein Dutzend, die von den Lesern vieler deutscher Zeitungen in Ost und West und Nord und Süd immer wieder gern ge­lesen wurden. Am erfolgreichsten und bekannte­sten sind seine Romane der „Eichenkamp", ein Schwesterroman ves „Warphof", und schließlich der „Moorbandit" geworden. Sie werden das Werk des Schriftstellers, der hier auch Werke von nicht zu unterschätzender literarischer Bedeutung im Bereich der Heimatliteratur schuf, fortsetzen und über das Grab Manns' hinaus für die ge­liebte Heimat werben und von ihren Eigentüm­lichkeiten, von ihren Schönheiten und von ihren stolzen Menschen zeugen.

Daß ein Schriftsteller dieser Wesens- und Schaffensart die kulturellen Bestrebungen und Ziele des Nativnalsozialismus als die seinigen und auch für ihn gültigen und bindenden er­kannte, ist selbstverständlich. Alfred Manns be­kannte sich als Schriftsteller nicht aus Gründen der Konjunktur zum Nationalsozialismus, als b* ^ 1931 bereits — Mitglied der Partei wurde.

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Jubiläum im Staatstheater

Am 1. September wurde in einer schlichten Feier auf der Bühne, bei der Oberregierungsrat Dr. Seidler, Intendant Dr. Becker und Vertreter des Personals das Wort ergriffen, das 25jährige Dienstjubiläum des Bühnenmeisters Alex Flamman gefeiert. Alle Redner gaben dem Wunsch Ausdruck, daß Gesundheit, Arbeitskraft und Arbeitsfreude dem verdienten Bühnenmeister noch lange Gelegenheit geben würden, seiner ver­antwortungsvollen Aufgabe nachzugehen.