Ausgabe 
(1.9.1934) Nr. 241
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Nr. 241 / 3. Vierteljahr

Sonnabend, i. September

Einzelpreis 13 Npf.

Die Vorbereitungen zum Neichöparteitag

Einzelheiten der Organisation / Schiffsmodelle des Norddeutschen Lloyd in Nürnberg

Nürnberg, zi. August.

In einer von der Organisationsleitung des Reichsparteitages einberufenen Besprechung wurde die Presse mit interessanten und aufschluß­reichen Einzelheiten der Organisation des dies­jährigen Reichsparteitages Lekanntgemacht, die ein Bild davon geben, was an Vorarbeiten geleistet worden ist und wie sich der gigantische Verlauf des Parteitages gestalten wird.

Der stellvertretende Stabsleiter der PO.,

Reichsinspektor Pg. Schmeer, gab in kurzen Zügen eine Schilderung, wie man zu den Partei­tagen von heute im Gegensatz zu früheren Jahren nicht mehr den letzten Mann heranholen könne, sondern daß immer nur Abordnungen daran teil­nehmen könnten. Aber wie 1933, so bedeute auch diesmal der Parteitag für die ältesten und

treuesten Kämpfer der Bewegung eine will­

kommene Gelegenheit zu einem Wiedersehen. Die für die Abhaltung des Parteitages wünschens­

werte und notwendige Umgestaltung der Stadt Nürnberg sei zum größten Teil vollendet. Hier sei durch wenige ausgezeichnete Männer Vorbild­liches geleistet worden.

Der für den Aufmarsch der SA. verantwort­liche Leiter, Vrigadeführer Illttner, konnte mit Freude feststellen, daß der Aufmarschstab in bestem Einvernehmen mit der Organisationsleitung zu­sammengearbeitet habe. Die SA. sehe es bei dem Parteitag als ihre Aufgabe an, erneut unter Beweis zu stellen, daß sie sich mit allen Gliede­rungen der Bewegung verbunden fühle und daß ihre. Leistungen dem Führer die Gewißheit gäben, daß er sich immer auf sie verlassen könne. Zur Durchführung der der SA. für den Parteitag ge­stellten Arbeiten habe der Chef des Stabes einen nur wenige Köpfe zählenden Aufmarschstab ein­gesetzt, zu dessen Aufgabe es vor allem gehöre, die in rascher Folge einlaufenden 11V Eisenbahn­transporte rasch in das gewaltige Zeltlager auf den Langmssser-Wiesen abfließen zu lassen. Be­sonders schwierig werde sein, die 110 OVO SA.- Männer zur Luitpold-Arena in Marsch zu brin­gen, wo vormittags der Führer zu seiner SA. sprechen werde. Der Aufmarschstab habe alle

Für die Hinterbliebenen der Gefallenen der Bewegung

Die Pressestelle des Reichsparteitages teilt mit: Da es unmöglich war, alle Hinterbliebenen der gefallenen Kameraden zu dem diesjährigen Partei­tag durch den Führer einzuladen, haben nur die Hälfte der Hinterbliebenen Einladungen erhalten; die übrigen sollen beim nächsten Reichsparteitag berücksichtigt werden.

Vorbereitungen getroffen, um den Parteitag für die SA.-Männer und SA.-Führer zu einem ein­zigartigen Erlebnis zu gestalten.

Ueber die Beteiligung der politischen Leiter, deren Aufmarsch und Appell sprach Kreisleiter Volgmann aus Rostock. Rund 180 000 politische Leiter werden aufmarschieren, die sich auf 32 Plätzen in Nürnberg und Fiirth sammeln, um in Zwölfer-Reihen durch Nürnberg zu marschieren. Die einzelnen Züge werden sich hier schließlich zu zwei gewaltigen Marschsäulen ver­einigen und so in die Zeppelin-Wiese ein­marschieren.

Eines der eindrucksvollsten Bilder des Parter- tages wird der Fahneneinmarsch auf der Zeppelin­wiese sein. Rund 21 »00 Fahnen nehmen am Ein­marsch teil. Sobald der Führer die Tribüne aus der Zeppelin-Wiese betreten hat, werden die Teil­nehmer in 36er-Reihen in das Zelt strömen. Dem Appell folgt der Fackelzug.

Interessante Zahlen gab Kreisleiter Pape- Oldenburg über die Massenquartiere. Es mußten Unterbringungsmöglichkeiten für etwa 520 000 Mann geschaffen werden. Die größten Schwierigkeiten machte die Unterbringung in den Fabriken, da infolge der Wirtschaftsbelebung innerhalb zweier Monate rund 30 000 Quartiere ausfielen, für die Ersatz beschafft werden mutzte. Von den Privatquartieren entfallen auf die Stadt Nürnberg 41 000. Es werden 600 Eroß- zälte und 2400 Kleinzelte errichtet; die hier in Anspruch genommene Bodenfläche beträgt 290 000 Quadratmeter. Für die Massenquartiere mußten 80 000 Zentner Stroh beschafft werden.

Gauinspokteur Kropp berichtete, daß die Deutsche Reichsbahn 525 Sonderziige zum Trans­port der Teilnehmer am Parteitag abfertigen wird. Der Antransport beginnt am Mittwoch, 5. September, mit dem Arbeitsdienst und endet am Sonnabend, 8. September, abends, mit der SA. Für die Reichsbahn bilden aber nicht die 525 Sonderziige in ihrer Anfahrt und Abfahrt die Hauptschwierigkeit, sondern die Leerzugbewegung. Die Leerzüge müssen teilweise bis zu 400 Kilo- meter von Nürnberg weggefahren und für den Rücktransport wieder herangeholt werden, wozu der gesamte Lokomotivdienst und das entsprechende Personal erforderlich ist.

SS-Gruppenführer Schmauser sprach über den Absperrungsdienst und über die Bildung des

polizeilichen Einsatzstabes sowie über die Ver- kehrsbeschränkungen, über die bereits in der Presse berichtet wurde.

Wie Reichsinspektor Schmeer noch erläuternd bemerkte, habe sich eine starke Verkehrsregelung angesichts der Riesenzahl von 600 000 Menschen nicht vermeiden lassen.

Eine Aenderung im Programm ist insofern eingetreten, als am Montagabend als Abschluß des gesamten Parteitages eine Huldigung der Wehrmacht vor dem Führer stattfindet und zwar durch den Großen Zapfenstreich vor dem „Tsutichen

Hof".

Das Volksfest der Hunderttausend

Nürnberg, 31. August.

Bei einer Pressebesprcchung am Freitagvormit­tag gaben der Abteilungsleiter des Presse- und Propagandaamtes der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Pg. Geiger, und seine Mit­arbeiter nähere Einzelheiten über das am Sonn­abend, 8. September, nachmittags und abends anläßlich des Reichsparteitages im gesamten

, Brüssel, 31. August.

Die bevorstehende Reise des Außenministers Jaspar nach Paris findet in der Öffentlichkeit großes Interesse. Es wird allgemein angenommen, daß in erster Linie Wirtschaftsfragen besprochen werden. Außenminister Jaspar gilt als Befürwor­ter eines engeren wirtschaftlichen Zusammengehens der Eoldblockländer, und es ist ihm in diesen Ta­gen in der französischen Presse die Einberufung einer Wirtschaftskonferenz der Eoldblockländer zu­geschrieben worden. In unterrichteten Kreisen wird es aber als unwahrscheinlich angesehen, daß die Pariser Reise Jaspars mit solchen bisher nur theoretisch erörterten Zielen etwas zu tun hat. Seine Reise scheint lediglich der Regelung rein belgisch-französischer Wirt­schaftsangelegenheiten zu dienen.

Verschiedentlich wird die Vermutung ausgespro­chen, daß zwischen Jaspar und Barthou auch die internationale politische Lage besprochen werde. Für diesen Fall erhält Jaspar heute von einigen Blättern Ratschläge mit auf den Weg. Am in­teressantesten ist in dieser Hinsicht ein Leitartikel der „Nation Belge", die trotz ihrer französischen Neigungen scharf gegen den augenblick­lich rußlandfreundlichen Kurs des Quai d'Orsay Stellung nimmt und diese Po-

Französische Gacssdenkfchrist

Paris, 31. August.

Wie von gut unterrichteter französischer Seite verlautet, befaßt sich die im Ministerrat gebilligte Denkschrift Varthous an den VMerbundsrat mit den verschiedenen mit der technischen Seite der Volksabstimmung im Saargebiet zusammen­hängenden Fragen. Die Denkschrift richte u. a. an den Völkerbundsrat das Ersuchen, bereits jetzt für den Fall, daß die Wähler für die Rück­gliederung ins Reich stimmen sollten, die Fragen der Dominialgruben, des Währungssystems usw. zu regeln. Es handele sich nach Ansicht der fran­zösischen Regierung darum, die Uebergangszeit, die einen Hoheitswechsel im Saargebiet gemäß dem Ergebnis der Abstimmung erforderlich machen könnte, möglichst kurz zu gestalten. Der Völkerbundsrat müsse beispielsweise für alle diese Fragen Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland anregen, entweder eine direkte Aussprache oder eine indirekte durch Vermittlung des Dreierausschusses unter dem Vorsitz Aloisis.

Die Luftmanöver über Paris

Paris, 31. August.

Die infolge der schlechten Witterung in der Nacht zum Freitag unterbrochenen Luftmonöver sind im Laufe des heutigen Vormittags wieder aufgenommen worden. Die angreifende „blaue Partei" konnte wiederum die Verteidigungs­linien durchstoßen und ohne große Mühe den Flughafen Le Vourget mit Bomben belegen. Auch andere um Paris gelegene Abwehrzentren kamen nicht bester weg. Luftfahrtgeneral de Goys, der die Manöver leitete, erklärte in einer Vorkritik, die „blaue Partei" habe auf der ganzen Linie einen unbestrittenen Erfolg errungen.

Stadion stattfindende große Volksfest, das mit einem noch nie dagewesenen gemischten Programm alle Arbeitsgebiete der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zeigen soll. Zuerst wird ein Mastenchorspiel veranstaltet „Deutschland gestern, heute und morgen", an dem 3500 deutsche Volks­genossen teilnehmen werden und das in drama­tischer Steigerung Kriegs- und Nachkriegszeit, den Kampf des Nationalsozialismus um das Volk und seinen Sieg symbolisch darstellen wird.

Die NS.-Kulturgemeinds, die die künstlerischen und kulturellen Belange innerhalb der NSE. „Kraft durch Freude" vertritt, bringt im Wald- theater ein buntes Programm, ausgeführt von einer Münchener Truppe, mit Hans-Sachs- Spielen, Kabarettvorführungen, mittelalterlicher Musik, Reigentänze, Solotänze, Ballett-Vor­führungen, Bandonium-Virtuosen «sw., auf der Hauptfestwiese das berühmte Marionettentheater Puhonny aus Baden-Baden, in Freizelten die Puppenspiele „Die Hohensteiner" und die Truppe „Jwoski" aus Röntgental bei Berlin, schließlich in der Hauptkampfbahn des Stadions vier Männerchöre der Nürnberger Sängerschaft unter Leitung von Professor Binder.

litik Frankreichs als eine Gefahr für die belgisch­französische Freundschaft bezeichnet.

Zum Ostpakt macht das Blatt folgende Fest­stellung:

Im Laufe der nächsten Ereignisse werden wir erkennen, daß sich hinter dem Ostpakt nichts an­deres verbirgt als der Wille, mit den Sowjets das frühere russisch-französische Bündnis wieder zu knüpfen. Das Blatt warnt Frankreich vor dieser Politik, die eine Lockerung der französisch­polnischen Bande, eine Verstimmung Japans und die Ausbreitung der kommunistischen Propaganda in Frankreich zur Folge haben werde. Frankreich betreibe eine Selbstmordpolitik.

„Nation Belge" spricht offen aus, daß diese Haltung Frankreichs von der öffentlichen Mei­nung in Belgien nicht gebilligt werde und er­innert daran, daß der jetzige Außenminister Jaspar stets ein Gegner der Anerkennung Rußlands gewesen sei. (Belgien unterhält bekanntlich keine diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland). Jaspar werde, so heißt es in dem Artikel weiter, am Sonnabend Gelegenheit haben, die Augen der französischen Regierung auf die Gefahren zu lenken, die der französisch-russische Flirt für die notwendige französisch-belgische Freundschaft mit sich bringe.

Politik am Telefon

Freundschaftserklärung Varthous an Moskau Paris, 31. August.

Bei der Eröffnung der Telefonverbindung zwi­schen Paris und Moskau am Freitag hat der französische Außenminister Barthou folgende Botschaft an die sowjetrussische Regierung durch das Telefon abgegeben: „Es ist dies das erste Mal, daß ein Telefonkabel die Stimme eines französischen Außenministers direkt nach Moskau trägt. Ich lege Wert darauf, daß diese erste Bot­schaft die Herzlichkeit der Beziehungen unter­streicht, die die beiden Länder verbinden. Ich wünsche auch, daß diese erste Botschaft den Willen Frankreichs zum Ausdruck bringt, mit seiner ganzen Kraft für die Aufrechterhaltung und die Festigung des Friedens zu arbeiten. Frankreich ist höchst befriedigt, daß Sowjetrußland mit ihm an dieser Aufgabe zusammenarbeiten will, die von beiden Ländern, die mit dem gleichen Ideal ver­bunden sind, eine dauernde, aufrichtige und ent­schlossene Zusammenarbeit erfordert. Möge diese telefonische Verbindung, von der man soviel glück­liche Erlebnisse erwarten kann, auf allen Gebie­ten zu einer fruchtbaren Entwicklung der fran­zösisch-russischen Beziehungen beitragen."

polizeilich versiegelt

Wien, 31. August.

Im Deutschen Klub erschien heute eine Abtei­lung Kriminalbeamte und versiegelte die Räum­lichkeiten. Der Deutsche Klub, der im Schweizer Trakt der Wiener Hofburg seinen Sitz hatte, war seit vielen Jahren der Treffpunkt aller führenden nationalen Kreise Oesterreichs. Der jetzige Prä­sident des Deutschen Klubs ist Feldmarschall- Leutnant Bardolsf, der einstige Kabinettsches der Militärkanzlei des Thronfolgers Franz Fer­dinand.

Das Amt „Reisen und Wandern" zeigt die Originalmodelle der „Brems n" u. „Europ a", des „Columbus" und des neuen Panzerkreuzers „Königsberg". Die Modelle werden auf dem Dutzendteich kreuzen. Das Amt „Schönheit der Arbeit" wird auf einem Ausstellungsstand über den Sinn und die bisher geleistete Arbeit seines Aufgabengebietes - orientieren.

Das Presse- und Propagandaamt wird mit 15 Eroßtonfilmwagen aus Berlin Freilicht-Film- vorfiihrungen bieten und bringt u. a. den größ­ten Freilichtprojektionsapparat des Kontinents mit 12mal12 Meter Projektionsweite sowie ein neu gebildetes Wanderkabinett auf geschlossener Bühne. Das Sportamt zeigt in Vorführungen von etwa 1000 bis 1500 Männern und Frauen Massengymnastik und Körperschule. Die Krönung des ganzen bildet schließlich das Riesen­feuerwerk, das auf drei großen Kreuzen in der Hauptkampfbahn, der Zeppelinwiese und dem Dutzendteich, abgebrannt wird.

So wird dieses Bolksfest allen Genossen, die daran teilhaben dürfen, jene Freude bringen, die dem deutschen Menschen gebührt, von der ein­fachsten bis zur höchsten, die die Kunst gibt.

Mit dieser Auffassung macht sich die „Nation Beige" zweifellos zum gewissenhaften Interpreten des weitaus größten Teiles der öffentlichen Mei­nung in Belgien. Das Blatt drückt in seinen weiteren Ausführungen die Hoffnung aus, daß die Reise Jaspars zu einer Lösung der akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zwischen Belgien und Frankreich führen werde. Er weist darauf hin, daß Jaspar vor einigen Jahren vom bel­gischen Parlament wegen eines für Belgien recht ungünstigen Wirtschaftsabkommens mit Frank­reich gestürzt worden ist. Der heutige Zustand in den französisch-belgischen Wirtschaftsbeziehungen ist nach Ansicht des Blattes für Belgien noch schlimmer als damals. Hoffentlich werde es Jaspar gelingen, Frankreich zu zeigen, daß es alles zu gewinnen und nichts zu verlieren habe, wenn es darauf verzichte, die belgische Ausfuhr noch weiterhin durch lächerliche Schikanen zu er­schweren.

Die „Jndependance Belge", die Wirtschafts­und Jndustriekreisen nahesteht, beklagt sich eben­falls über die schlechte Behandlung der belgischen Ausfuhr durch Frankreich. Das Blatt stellt fest, daß im ersten Halbjahr 1934 die belgische Einfuhr nach Frankreich um 19 v. H., diejenige Frankreichs nach Belgien nur um 6 v. H. zurückgegangen sei.

Eifenbahnanschlag bei Lharbin

Schanghai, 31. August.

Ein schwerer Eisenbahnanschlag ist etwa 4V Kilo- meter südlich von Charbin verübt worden. Die Berluste an Menschenleben lassen sich noch nicht übersehen. Nach den letzten Meldungen sollen 13 Japaner getötet und etwa 20 verwundet worden sein. Die Banditen hatten die Schienen aufgerissen und brachten einen Personenzug zur Entgleisung. Darauf eröffneten sie ein wildes Eewehrseuer auf die umgestürzten Eisenbahnwagen. Die Banditen entführten sechs japanische Reisende und, wie ver­lautet, zwei Amerikaner und einen Dänen. Ja­panische Bahnwachen lieferten den Banditen ein zweistündiges Gefecht, konnten jedoch nicht verhin­dern, daß die Räuber mit ihrer Beute entkamen. An die Stelle des Verbrechens ist ein Lazarett­zug entsandt worden. Die Rettungsarbeiten und die Bergung der zum Teil entstellten Leichen wur­den durch wolkenbruchartigen Regen stark beein­trächtigt.

Transferabkommen mit Holland

Berlin, 31. August.

Zwischen der deutschen und der niederländischen Regierung ist am Freitag ein Abkommen unter­zeichnet worden, das die Transferierung von Zinsen auf die privaten deutschen Anleihe- und sonstigen Schuldverpflichtungen nach Holland regelt. Die für die Zinstransserierung im Rahmen dieses Abkommens erforderlichen Devisen wurden in voller Höhe aus der Bezahlung für zusätzliche Warenlieferungen in Holland zur Versügung gestellt, die von der niederländischen Rez.erung nach Deutschland vergeben werden. Die hollän­dischen Gläubiger, die auf Grund des Abkommens befriedigt werde», verzichten auf einen erheblichen Teil ihrer Zinsanjprüche. Die so frei werdenden Beträge dienen teilweise der Amortisation der Schuldverhältniste und zum »deren Teil der Förderung der deutschen Ausfuhr.

Bemerkungen zum neuen Strasrecht

„Aus der Gesinnung wächst die Schuld." (Angeld in Shakespeares: „Zweierlei Maß.")

K. klü. Nichts beleuchtet schärfer den vom Nationalsozialismus eingeleiteten geistigen Umformungsprozeß als der gründliche Wan­del der Auffassungen auf dem Gebiet des deutschen Strafrechts. Stand im Mittelpunkt der bisherigen Strafrechtspraxis, die im wesentlichen nur auf eine (unvollkommene) Technik der Bekämpfung von Verbrechen hinauslief, die angeblich unverletzbare Rechtsperson, das vom liberalistisch-demo- kratischen Staat verhätschelte Individuum, so ist jetzt die völkische Gemein­schaft mit allen ihren Lebenskräften höch­stes zu schützendes Rechtsgut. Bei der vor­bereiteten Resorm des Strafgesetzbuches handelt es sich im Gegensatz zu den jahre­langen Arbeiten des früheren Reichstags­ausschusses nicht eigentlich um die „Moderni­sierung" dieser oder jener Gesetzespara­graphen, auch nicht um eine bloße Lockerung der Strafgewalt des Staates, sondern um eine weltanschaulich bedingte Neuschöp- sung des Rechts, um eine revolutionäre geistesgeschichtliche Tat, die das Fundament des nationalen Seins festigen hilft.

Aus dem kürzlich veröffentlichten Bericht über die Tätigkeit der amtlichen Strafrechts- kommission sowie aus ergänzenden Erklä­rungen des Reichsjustizministers geht hervor, daß die Vorbereitung des neuen Strafgesetz­buches bereits bedeutsame Ergebnisse ge­zeitigt hat. Im folgenden seien einige Grundfragen jener Reformarbeit beurteilt. Zunächst: im nationalsozialisti­

schen StaaterhältdieStrafevor allem einen anderen Sinn und Zweck als bisher. Dient nach einem Erlaß des Reichsjustizministers vom Juli dieses" Jahres die Rechtspflege allein dem Wohle des Volkes und der Gerechtigkeit, so wird die Strafe ein Mittel des Kamp­fes gegen solche Elemente sein, die das Volksganze in seiner Lebenskraft stören oder bedrohen. „Das Strafurteil stellt klar", wie es Professor Dr. Georg Dahin, Kiel, kürzlich in einem ausgezeichneten Aufsatz in der Teutschen Iuristenzeitung formulierte „ob der Täter noch zur Gemeinschaft gehört oder nicht, und allgemein, wer überhaupt dazu gehören kann—" Zurück geht diese Auffassung, wie wir hervorheben möchten, auf die verdienstvollen Ueberlegungen Alfred Rosenbergs, der im „Mythos des 2V. Jahr­hunderts" sagt: „Die Strafe ist nicht Er­ziehungsmittel... Strafe ist auch keine Rache... Strafe für ehrlose Vergehen ist einfach Aussonderung fremder Typen und artfremden Wesens."

Worauf es also dem Strafenden ankommt, ist nicht nur der Ausgleich für eine Tat, ist nicht nur ihre Sühne, sondern das Urteil über den Wert des Täters für die auf Treue und Ehre errichtete Volksgemeinschaft. Hier geht der Begriff der Ehre in seiner ursprünglichen Bedeutung ins neue Stras­recht ein. Nicht nur ist eine besondere Ehren- strafe vorgesehen — die Aechtung, die den Ehrentod bedeutet —; die Einteilung der Strafen überhaupt soll erfolgen nach dem Grad ihrer entehrenden Wirkung. L .s bisher gegen die Ehrenstrafe, die sich allerdings fast nur in der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erschöpfte, vorge­bracht wurde, war getragen oder beeinflußt von der liberalistischen Denkweise und gip­felte in dem Irrtum, daß der Staat grund­sätzlich zwar Rechte aber nicht Ehrengüter nehmen könne. Die Mißachtung des ger­manisch-nordischen Rechtsempfindens ging sogar so weit, daß die Verhängung der Ehrenstrafe, vom Richter aus gesehen, als Ausdruck pharisäerhafter Ueberheblichkeit „gebrandmarkt" wurde. Diese an Kultur­schande grenzende Verteidigung des ehrlosen Verbrechers auf Kosten der richterlichen Autorität ist nun auch geistig überwunden. Wir bekennen uns wieder zu dem jedem Verbrecher geltenden Wort Schopenhauers: „Wer Treu und Glauben bricht, hat Treu und Glauben verloren, auf immer, was er auch sein und was er auch tun mag." Und mrt Alfred Rosenberg sehen wir bei Fällen der Verletzung nationaler Pflichten im be-

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