Ausgabe 
(28.7.1934) Nr. 206
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NS^EauverlagWeser-Ems G. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Eeeren 8-8 / Fernruf: ^Roland 825 .

Nr. 206 / z. Vierteljahr

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Sonnabend. 28. Äuli

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Neuordnung der SA. vor dem Abschluß

Alte Kämpfer an der Spitze der GA.-Gruppen / Lleberorganisation beseitigt EA.-Fllhrer und SA -Mann sollen Varteigenoffe sein

Berlin, 27. Juli.

Der Chef des Stabes der SA., Lutze, gewährte einem Mitglied der Reichspressestelle der NSDAP eine Unterredung, über die die NSK. folgendes mitteilt:

Frage: Mein Stabschef, die SA. hat die größte Erschütterung seit ihrem Bestehen hinter sich. Werden die Ereignisse des 30. Juni und 1. Juli für Geist und Haltung der Formationen von irgendwelchen Folgen sein?

Antwort: Nein! Ich bin im Gegenteil da­von überzeugt, daß die Qualität der SA.-Ein- heiten besser werden wird, weil ein Teil unzu­verlässiger Elemente wieder ausgeschieden wird, während auf die Dauer der alte erprobte Kern der SA. im alten Geiste stehen wird.

Frage: Die Ihnen vom Führer gestellte Auf­gabe ist außerordentlich umfangreich. Sie ist sowohl organisatorischer als auch personeller Art. Die Er­eignisse des 30. Juni haben eine Neubesetzung zahlreicher höherer Fllhrerstellen der SA. notwen­dig gemacht. Wird diese personelle Umbesetzung am 31. Juli bei Schluß des SA.-Urlaubs zum Ab­schluß gekommen sein? tz

Antwort: Zunächst sind nur Beauftragungen und keine endgültigen Ernennungen erfolgt. Allerdings sind diese so weit zum Abschluß gekom­men, daß bei Ende des Urlaubs alle Stellen wie­der Metzt. sind.

Frage: Der Führer hat darauf hingewiesen, daß in der letzten Zeit die alten Kämpfer bei Be-

NGDAlp. und Gesetzgebung

München, 27. Juli.

Die Reichspressestelle der NSDAP. gibt be­kannt: Der Führer hat in seiner Eigenschaft als Reichskanzler zur weiteren Vereinheitlichung von Partei und Staat angeordnet, daß die Partei mehr noch als bisher dadurch zur gesetzgeberischen Arbeit herangezogen wird, daß der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Hetz, oder von ihm bestellte Referenten das Recht erhalten, an der Bearbeitung von Gesetzentwürfen sämtlicher Reichsrefsorts teilzunehmen.

förderungen immer mehr zurücktraten und Neu­linge hohe Fllhrerstellen in der SA. einnahmen. Sind bei der Neubesetzung der Gruppen die alten Kämpfer in erster Linie berücksichtigt worden?

Antwort: Selbstverständlich stehen bei der Neubesetzung der Führerstellen die alten Kämpfer im Vordergründe. Es kann hierbei natürlich nicht auf einmal eine völlige Neubesetzung der Führer­stellen der SA. vorgenommen werden, da erst all­mählich die Beauftragung von alten SA.-Män- nern mit Führerstellen möglich ist.

Es wird jedenfalls interessieren, daß die meisten jetzt an der Spitze von SA.-Gruppen ste­henden SÄ.-Führer Mitgliedsnummern unter 180030 haben und im Besitze des goldenen Ehren­zeichens der NSDAP sind.

Frage: Welcher Art sind die organisato­

rischen Veränderungen, die in der SA. durchge­führt werden? p

Antwort: Ueber alle organisatorischen Maß­nahmen kann ich mich heute nicht äußern, jedoch sind die ersten Veränderungen ja bereits durch­geführt, wie z. B. die Auflösung der Obergrup­pen, der Inspektionen usw., und die Beseitigung der zum Teil aufgeblähten Stäbe bzw. ihre Zu- riickfllhrung auf ein gesundes Maß. Am wichtig­sten scheint mir die meistens vernächlässigte welt­anschauliche Schulung der SA. notwen­dig zu sein, um dem Führer in der SA. wieder ein Instrument zu schaffen, das wirklich als Ga­rant des Nationalsozialismus angesprochen wer­den kann.

Frage: Don den heutigen SA-Männern ge­hören schätzungsweise über die Hälfte der Partei nicht an, weil sie erst nach Schließung der Mit­gliederlisten der Partei in die SA eintraten. Wie

Danktelegmmm des österreichischen Vizekanzlers

Berlin, 27. Juli.

Der österreichische Vizekanzler Fürst Starhem- ierg hat an den Reichsaußenminister Freiherr» von Neurath auf dessen Beileidstelegramm anläß­lich des Todes des Bundeskanzlers Dollfuß das folgende Telegramm gerichtet:

„Für die Teilnahme, die Ew. Exzellenz im Namen der Reichsregierung und in Ihrem eige­nen Namen der österreichischen Bundesregierung anläßlich des schwersten Verlustes, den sie durch die feige Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß erlitten hat. auszusprechen die »reund- lichkeit hatten, bitte ich, meinen und der Bundes^ regierung aufrichtigsten Dank entgegenzunehmen.

soll künftig wieder die innere Verbindung zwi­schen Partei und SA gewährleistet werden?

Antwort: Ich halte es für selbstverständ­lich, daß zunächst einmal alle SA-Führer, aber mit der Zeit auch alle SA-Männer wieder Partei­genossen sind, Ich werde auf jeden Fall dafür sorgen, daß die SA wieder eine der festesten Säulen innerhalb der Partei wird.

Frage: Wie wird sich künftig das Verhältnis zwischen SA. und den anderen selbständigen Or­ganisationen der Partei (SS., PO., Arbeitsdienst, HJ.) gestalten?

Antwort: Das herrliche, absolut kamerad­schaftliche Verhältnis, das zwischen den Pfeilern der NSDAP. in der Kampfzeit herrschte, ist für mich wie für jeden alten Nationalsozialisten, SA.- Führer und SA.-Mann eine Selbstverständlichkeit. Dieses alte Verhältnis dort, wo es durch die Entwicklung der letzten Monate beeinträchtigt wor­den sein sollte, wieder herzustellen, wird mir umso leichter werden, als mich mit den Führern der anderen Säulen der Partei ein freundschaft­liches Verhältnis aus den früheren Kampfjahren verbindet.

Frage: Welche Aufgaben werden der SA. nach Wiederherstellung ihrer alten Zielsetzung gestellt werden?

Antwort: Ueber die einzelnen Aufgaben, die der SA. für die Zukunft im Rahmen der nationalsozialistischen Bewegung gestellt werden, möchte ich mich heute noch nicht äußern.

Ich sehe es aber als meine vornehmste und höchste Pflicht am, den alten SA.-Geist wiederher­zustellen, der die Bewegung groß gemacht hat und und die nationalsozialistische Revolution gewin­nen ließ.

von Papen Gondergesanöter in Wien

Em Schreiben des Führers an den Vizekanzler

Berlin, 27. Juli.

Reichskanzler Adolf Hitler hat an Vizekanzler von Papen nachstehendes Schreiben gerichtet:

Vayreuth, 28. Juli 31.

Sehr verehrter Herr von Papen!

Im Verfolg der Ereignisse in Wien habe ich mich gezwungen gesehen, dem Herrn Reichspräsi­denten die Enthebung des deutschen Gesandten in Wien, Dr. Rieth, von seinem Posten vorzuschlagen, weil er auf Aufforderung österreichischer Vundes- minister bzw. der österreichischen Aufständischen sich bereitfinden ließ, einer zwischen diesen beiden getroffenen Abmachung bezüglich freien Geleites und Abzugs der Aufständischen nach Deutschland ohne Rückfrage bei der deutschen Reichsregierung seine Zustimmung zu geben. Der Gesandte hat da­mit ohne jeden Grund das Deutsch« Reich in eine interne österreichische Angelegenheit hineingezogen.

Das Attentat gegen den österreichischen Bundeskanzler, das von der deutschen Reichsregierung aus das schärfste verurteilt und bedauert wird, hat die an sich schon labile politische Lage Europas ohne unsere Schuld noch weiter verschärft. Es ist daher mein Wunsch, wenn möglich zu einer Ent­spannung der Gesamtlage beizutragen und insbesondere das seit langem getrübte Ver­hältnis zu dem deutschösterreichischen Staat wieder in normale und freundschaftliche Bahnen geleitet zu sehen.

Aus diesem Grunde richte ich die Bitte an Sie, sehr verehrter Herr von Papen, sich dieser wich­tigen Ausgabe zu unterziehen, gerade «eil Sie seit unserer Zusammenarbeit im Kabinett mein vollstes und uneingeschränktes Vertrauen besaßen und besitzen.

Ich habe daher dem Herrn Reichspräsiden­

ten vorgeschlagen, daß Sie unter Ausscheiden aus dem Reichskabinett und Entbindung von dem Amt als Saarkommissar für eine be­fristete Zeit in Sondermission aus den Posten des deutschen Gesandten in Wien berufen werden. In dieser Stellung werden Sie mir unmittelbar unterstehen.

Indem ich Ihnen auch heute noch einmal danke für alles, was Sie einst für die Zu- sammenführung der Regierung der nationa­len Erhebung und seitdem gemeinsam mit uns für Deutschland getan haben, bin ich Ihr sehr ergebener

(gez.) Adolf Hitler.

Die Mission

öes Vizekanzlers von Vapen

Berlin, 27. Juli.

Amtlich wird mitgeteilt:

Im Anschluß an das von dem Herrn Reichs­kanzler an den Vizekanzler von Papen gerichtete Schreiben vom 26. Juli 1831 hat sich der Herr Reichspräsident einverstanden erklärt, den Vize­kanzler von seinem Amt als Stellvertreter des Reichskanzlers und als Saarbeaustragten zu entbinden, um ihn mit der vom Reichskanz­ler vorgeschlagenen wichtigen Ausgabe eines Ge­sandten in befristeter Sondermission in Wien zu betrauen. Das Agrement für Herrn v. Papen wurde heute in Wien nachgesucht.

Der Eindruck in Wien

Wien, 27. Juli.

Das halbamtliche Organ der österreichischen Re­gierung, die „Reichspost", läßt durch zahllose Ver­käufer ein Extrablatt mit dem Wortlaut des Schreibens des Führers an den Vizekanzler von Papen verteilen. Das Extrablatt trägt die Auf­schrift: „Reichskanzler Hitler macht

Frieden mitOe st erreich. Herr von Papen als Gesandter nach Wien entsandt."

Im österreichischen Rundfunk wird in regelmäßi­gen Abständen von einer halben Stunde der Wortlaut des Schreibens wiederholt. Dieser ent­scheidende Schritt des Führers zur Entspannung der Lage und zur Wiederherstellung normaler und freundschaftlicher Beziehungen hat in allen Bevölkerungskreisen das größte Aufsehen erregt. Nach der lähmenden Spannung und der maßlosen Erregung der letzten Tage geht es wie ein Auf­atmen durch das ganze österreichische Volk. Ueber- all hört man Stimmen laut werden: Frieden mit Deutschland, Frieden mit unseren Vrüdern jen­seits der Grenze.

Der Beschluß des Reichskanzlers wird in den leitenden diplomatischen Kreisen ausnahmslos als die entscheidende Tat von der größten Tragweite sowohl für die Be­ziehungen' zwischen Deutschland und Oesterreich als auch für die gesamte europäische Lage beur­teilt. Ueberall wird die Auffassung laut. daß da­mit eine entscheidende Wendung eingetreten ist und daß der Entschluß des Führers im wirklichen Interesse der beiden deutschen Staaten liegt.

Fliehende an der Grenze verhaftet

Passau. 27. Juli.

In der Gegend von Kellerschlag versuchten österreichische Flüchtlinge die deutsche Grenze zu erreichen. Hierbei entwickelte sich eine Schießerei mit schwer bewaffneten Heimwehr­hausen. Acht Flüchtlinge erreichten, teilweise verwundet, die deutsche Grenze, wobei sie drei österreichische Zollbeamte, die sich ihnen in den Weg stellten, überwältigten und über die Grenze schleppten.

Die deutsche Grenzpolizei erschien sofort an Ort und Stelle und verhaftete die öster­reichischen Flüchtlinge. Die österreichischen Beamten wurden den österreichischen Grenz- behörden übergeben.

Erklärungen des Gesandten Dr. Rieth

Der bisherige deutsche Vertreter zu den Vorgängen im Bundeskanzleramt

Berlin, 27. Juli.

Zu den Vorgängen in Wien gibt der nach Deutschland zurückgekehrte bisherige deutsche Ge­sandte in Wien, Dr. Rieth, folgende authentische Erklärung ab:

Es sind über meine Intentionen bei den Er­eignissen, die sich im Bundeskanzleramt in Wien abgespielt haben, in Oesterreich und im übrigen Ausland so verschiedenartige Meldungen sowie Vermutungen über meine diesbezüglichen Beweg­gründe geäußert worden, daß ich mich veranlaßt sehe, rein sachlich die Ereignisse darzustellen, wie sie sich tatsächlich abgespielt haben.

Wie bekannt, hatte die in das Bundeskanzler­amt eingedrungen« Truppe, nachdem Herr Doll- fuß verwundet worden war, und drei weitere Mitglieder der Regierung sowie etwa ISO Be­amte gefangen gehalten wurden, gedroht, daß diese Gefangenen erschossen würden, wenn die das Gebäude umlagernden Truppen und Schutzkorps­mannschaften dasselbe angreifen sollten.

Nach mehreren Stunden, während derer von Regierungsseite mit der eingedrungenen Truppe verhandelt worden war, stellte Minister Neu- städter-Stürmer, der den Befehl außerhalb des Gebäudes führte, ein kurzfristiges Ultimatum, nach dessen Ablauf der Angriff aus das Bundes­kanzleramt «folgen würde.

Knapp vor Ablauf dieser Frist wurde ich aus dem Bundeskanzleramt von dem Befehlshaber der eingedrungenen Truppe, der sich als Hauptmann Friedrich vorstellte, telephonisch angerufen. Er teilte mir mit,

daß eine Vereinbarung mit den Regierungs- oertretern abgeschlossen worden sei, laut der, um keine Menschenleben mehr zu opfern, die gesamte Truppe, der die österreichische Staats­angehörigkeit bereits aberkannt worden sei, mit zugesichertem freiem Geleit, unter mili­tärischer Bedeckung aus Oesterreich abtrans­portiert und an eine Grenze gebracht werden müsse, für die sie die deutsche gewählt hätte.

Friedrich fügte hinzu, daß die Ausführung des Abkommens noch deswegen unmöglich sei, weil seine Leute fürchteten, auf der Fahrt oder vor­her niedergemacht zu werden. Infolgedessen bat mich Friedrich, daß ich mir die Zusage des freien Geleits für den Abtransport von dem zuständigen Minister bestätigen ließe.

Ich habe das zunächst nicht zugesagt und er­klärt, daß ich mit den gesamten Vorfällen nicht das geringste zu tun habe und mich nicht damit befassen könne.

Daraufhin bestätigte Herr Fey, einer der im Bundeskanzleramt gefangenen Minister, mir tele­

fonisch die getroffene Abmachung und wiederholte seinerseits die bereits von Friedrich vorgebrachte Bitte, daß ich sofort vor das Bundeskanzleramt komme und mir die von dem dort Befehl führen­den Minister Neustädter-Stürmer getroffene Ab­machung bestätigen lasse, weil hiervon die Durch­führung derselben abhänge. Da bis zum Ablauf des gestellten Ultimatums nur noch wenige Mi­nuten übrig blieben und nach den mir überein­stimmend abgegebenen Erklärungen eine fried­liche Lösung nur möglich sei, wenn ich dem an mich gerichteten Ersuchen stattgebe, habe ich Mi­nister Neustädter-Stürmer aufgesucht. Zu Beginn dieser Unterredung teilte mir dieser mit, daß Herr Dollfuß tot sei. Sodann bestätigte der Minister mir den Inhalt der getroffenen Vereinbarung und das zugesicherte freie Geleit für die gesamte im Gebäude befindliche bewaffnete Truppe. Die gleiche Bestätigung erhielt ich von dem ebenfalls anwesenden Minister Fey.

Ich habe hierzu keinerlei Zustimmung oder sonstige Erklärung gegeben, jedoch betont, daß, wenn ich diese Mitteilung aus den erwähnten Gründen entgegennehme, ich dies nur persönlich tue. Der noch in dem belagerten Gebäude einge­schlossene Staatssekretär Karwinsky ließ mich dar-

(Fortsetzung 3. Seite Hauptblatt)

Die Mission v. Papens

b. U. Bremen, 28. Juli 1934.

Die Verhältnisse in Oesterreich erhalten durch die Berufung des deutschen Vizekanz­lers v. Papen als Sondergesandter nach Wien einen kleinen Lichtblick. Der Führer beabsichtigt, wie aus seinem Handschreiben an v. Papen hervorgeht, mit dieser Beru­fung wenn möglich zu einer Entspannung oer Gesamtlage beizutragen und insbeson­dere das seit langem getrübte Verhältnis zu dem deutschösterreichischen Staat wieder m normale und freundschaftliche Bahnen zu leiten. Der Wunsch des Führers dürfte nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oester­reich einen starken Widerhall finden. Es zeigt sich hier wieder die innere Größe des Führers, der in dem Augenblick, als eine neue Verleumdungswelle gegen Deutschland einzusetzen beginnt, dem österreichischen Staat die Hand zur Freundschaft anbietet. Niemand hat diese Freundschaft mit Deutsch­land heute nötiger als Oesterreich. Wenn auch Dollfuß geglaubt hatte, ohne diese deutsche Freundschaft auf die Dauer aus­kommen zu können, so haben die tatsäch­lichen Verhältnisse in Oesterreich doch das Gegenteil bewiesen. Die österreichische Re­gierung konnte wohl materielle und mora­lische Unterstützung von den anderen Län­dern bekommen, aber das reichte nicht aus, um zu stabilen wirtschaftlichen, geschweige denn geordneten innerpolitischen Verhält­nissen zu gelangen. Man konnte Geld in das Land hineinpumpen, soviel nur möglich war, geborgtes Geld kann allein die Wirtschaft nicht ankurbeln. Das wissen wir in Deutsch­land aus der Nachkriegszeit sehr gut. Wo die natürliche wirtschaftliche Entwicklung fehlt, wo sie unterbunden ist, wie in Oester­reich durch das getrübte Verhältnis mit Deutschland, reiht sich eine Krise an die andere. Oesterreichs natürliche wirtschaftliche und auch politische Entwicklung kann nur in Anlehnung an Deutschland eine gedeih­liche sein. Dabei spielt die Frage der Selb­ständigkeit Oesterreichs gar keine Rolle, und es kann bei dieser Gelegenheit ganz offen ausgesprochen werden, daß der deutsche Appetit auf Oesterreich sehr, sehr gering ist. Deutschland hat absolut nicht Las Verlangen, zu den eigenen Sorgen noch die des zerrüt­teten Oesterreichs zu tragen. Was das deutsche Volk wünscht, ist lediglich, daß der deutsche Mensch in Oesterreich politisch frei leben kann und den Hoheitszeichen des Teutschen Reiches genau so die gebührende Achtung in Oesterreich entgegengebracht wird wie dies gegenüber denjenigen der anderen Länder der Fall ist.

Das österreichische Volk hat unter den getrübten deutsch-österreichischen Verhält­nissen schwer gelitten. Wir in Deutschland haben mit den schmerzlichsten Gefühlen da­neben gestanden und beobachten müssen, wie dadurch Tausende von Existenzen vernichtet wurden. Aber es war nicht unsere Schuld, daß dies alles so kommen mußte. Was die deutsche Regierung angeordnet hat, waren Akte oer Notwehr und mußten zum Schutze der eigenen Volksgenossen geschaffen wer­den. Wir konnten und durften nicht nach­geben, auch wenn uns das Herz dabei blu­tete. Das österreichische Volk hat durch seine politischen und wirtschaftlichen Vertreter mehr als einmal seine Regierung gebetenj alles aufzubieten, um wieder zu normalen Verhältnissen mit Deutschland zu kommen. Die österreichische Regierung hat diese Bit­ten nicht berücksichtigt.

Nunmehr hat der Führer von sich aus Ge­legenheit genommen, die unerträgliche Lage zu bereinigen. Es scheint, nach 'den öster­reichischen Blätterstimmen zu urteilen, daß man auch in Oesterreich den Schritt des Führers als eine allgemeine Entspannung der Lage auffaßt und ihn lebhaft begrüßt. Deutschland kann vergessen, was in Oester­reich an Politik der Nadelstiche getrieben worden ist, aber es kann auch erwarten, daß die berufenen amtlichen Kreise in Oesterreich von dem gleichen Willen beseelt sind. nun­mehr normale Verhältnisse Zwischen den bei­den Ländern herbeizuführen.

Die Mission, die v. Papen in Wien zu er­füllen hat, ist eine recht delikate. Sie wird auch nicht so einfach sein. Aber bei dem diplo­matischen Geschick, das Herrn v. Papen aus­zeichnet, sind wir überzeugt, daß ihm der Auftrag des Führers im vollen Maße ge-

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