Ausgabe 
(26.7.1934) Nr. 204
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das amMche Drgan Ses Senats

NL-Sauoertag Weser-Ems E. m. b. H., Zweigniederlassung Bremen, Eeeren 8-8 / Fernruf-. Roland 625.

Nr. 204 / 3. Vierteljahr

Zeitung

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Donnerstag. 26 . Zuli

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Nevolution in Sekemeich

Dollfuß und die Sichecheltsminister in den Händen der Volksmenge / Mittelalterliche Folterung von Nationalsozialisten durch die Polizei / Der Bundeskanzler tot

Das Volk erwacht

önb. Berlin, 25. Juli.

Eine Zusammenstellung der bisher aus Oesterreich gelangten amtlichen und privaten Meldungen ergibt folgendes Bild der Lage:

Kurz nach 13 Uhr fuhr vor dem Gebäude der Rawag, der österreichischen Sendegesell- schast, in der Johannis-Gasse in Wien ein Trupp Bewaffneter in Bundesheeruniform vor und besetzte das Gebäude. Einer der Teilnehmer an dieser Unternehmung gab eine Rundfunkmeldung des Inhalts durch, datz die Regierung Dollfutz zurückgetreten fei. Unmittelbar danach wurden die Sen­dungen unterbrochen.

Etwa zur gleichen Zeit besetzte eine mit Bundesheer stark untermischte Volksmenge das Bundeskanzler-Amt, schlaf; die Tore und sicherte r-as Gebende durch Aufstellung von Maschinengewehren. In dem Gebäude selbst befanden sich zur Zeit des Uebersalls nach sicheren Meldungen Bundeskanzler Dr. Dollfutz, Bundesminister Fey, der Staatssekretär für das Sicherheitswesen, Hofrat Karwinsky, die von den Auf­ständischen gefangengenommen wur­den. Um das Gebäude der Rawag entspann sich ein Kamps, der nach dreistündiger Dauer mit der Kapitulation und Gefangennahme der Aufständischen endigte.

Das Bundeskanzleramt selbst, ebenso der Bundeskanzler und die beiden genannten Minister, befinden sich nach wie vor in den Händen der Aufständischen. Ueber das Schick­sal der übrigen Regierungsmktglieder ist zur Stunde noch nichts zu erfahren. In den Bor­orten Wiens, ebenso wie in verschiedenen Teilen der Provinz, sollen sich starke An­sammlungen regierungsfeindlicher Massen zusammenziehen.

Ueber die Hintergründe des Aufstandes verlautet bis setzt, datz in der Bevölkerung «ine unerhörte Erregung darüber ent­standen sei, datz die vor das Standgericht gebrachten Nationalsozialisten in geradezu mittelalterlicher Weife gefoltert würden, um aus ihnen Geständnisse oder Selbstbe­

schuldigungen herauszupressen. Die Erregung im Bundesheer und dessen Beteiligung an dem Aufstand soll in erster Linie ausgelöst worden sein durch die am Montag in Nie- derösterreich stattgefundene Erschießung eines Offiziersanwärters durch einen Schutzkorps­verteidiger.

cknd. Wi e n^ 25. Juli.

Auf dem Balkon des Bundeskanzleramtes erschien im Laufe des Nachmittags mehrmals Minister Fey, bewacht von einem Mann in Kaiser-Jäger-Unisorm und anderen Soldaten. Er forderte den Höchstkommandierenden der auf dem Platz stehenden Sicherheitsformatio­nen auf, hinaufzukommen. Dann zog er die­sen Auftrag wieder zurück und erteilte später wieder denselben Befehl, in das Bundeskanz­leramt zu kommen. Darauf begaben sich der Stabschef der Heimwehr, Bodenstedt, Sicher- heitsinspektor Eibl und ein Heimwehrmann namens Prinsr in das Bundeskanzleramt.

Nach Meldungen von Personen, die ein Tele- fongespriich des Sicherheitsinspektors Eibl mit an­gehört haben wollen, soll Minister Fey mitgeteilt haben, Bundeskanzler Dr. Dollfutz sei sehr schwer verletzt. Er sei zurückgetreten. Gleichzeitig bat der bisherige Minister Fey «m einen Priester, der Dr. Dollfutz die Sterbesakra­mente geben soll.

Die Haltung der um das Regierungsviertel zu­sammengeballte» Volksmassen wird immer drohen­der gegen die Heimwehr; man befürchtet bei an­brechender Dunkelheit schwere Zusammenstöße.

Ännöbrucker polizeileiler erschossen

Innsbruck, 25. Juli

Der Leiter der staatlichen Polizei in Innsbruck, Polizeistaatshauptmann Hickl, der gegen verhaf­tete Nationalsozialisten mittelalterliche Folter in Anwendung brachte, wurde heute kurz vor 3 Uhr von einer erbitterten Volksmenge aus dem Statthaltereigebäude gezerri und erschossen. Aus private« Quelle» kommen aus anderen Städten ähnliche Meldungen, die darauf schliehe« lasten, datz die Volksbewegung gegen Dollfutz sich auf das ganze Land Oesterreich ausdehnt.

Der Wiener Rundfunk gibt amtlich be­kannt, datz der österreichische Bundeskanz­ler, Dr. Dollfutz, seinen Verletzungen erlegen ist-

GG. selbständige Organisation

Eine Verfügung des Führers

München, 25. Juli.

Die Reichspressestelle der NSDAP. gibt durch die NSK. folgende Verfügung des Führers be­kannt:

Im Hinblick aus die grotzen Verdienste der SS., besonders im Zusammenhang mit den Ereignisse» des 3V. Juni 1931, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der NSDAP. Der Reichssührer der SS. untersteht daher gleich dem Chef des Stabes dem Obersten SA.-FLHrer direkt. Der Ehe? des Stabes und der Reichssührer der SS. bekleide» beide den partei­mäßigen Rang eines Reichsleiters.

München, den 20. Juli 1831.

gez.: AdolfHitler.

Grenzsperre nach Oesterreich

Wie», 25. Juli.

Amtlich wird mitgeteilt: Die deutsche Reichs­regierung hat bei Bekanntwerden der Un­ruhen in Oesterreich die deutschen Grenzen nach dorthin gesperrt, um zu verhindern, datz Reichs­deutsche oder in Deutschland weilende österrei­chische Flüchtlinge die Grenze überschreiten, um während der Unruhen dorthin zurückzukehren.

Gtandrecht verhängt

Wien, 25. Juli.

Der Polizeipräsident hat für Wien das autzer- ordentliche Standrecht verhängt. Ab 28 Uhr abends müssen alle Haustore und Gasthäuser ge­schlossen sein. Ansammlungen und Ernppenbil- dungen sind verboten. (Siehe auch Seite 2.)

»

In der Nacht zum Mittwoch wurde aus das Transformatorenhaus in Vggenberg bei Eraz ein Sprengstoffanschlag ausgeführt.

Das Bundesheer tritt zum Volk über

Gin Ausruf des Justizministers / Großsender durch Dynamit zerstört

Wie», 25. Juli.

Nach Abschluß der Kampfhandlungen bei der Rawag richtet sich das ganze Interesse auf die Lage im Bundeskanzleramt. Die amtliche Nach­richtenstelle erklärt auf Anfrage, datz sie mit dem Bundeskanzleramt keine Verbindung habe. Neuer­dings wird mitgeteilt, datz im Bundeskanzleramt Dr. Dollfutz, der Eeneralstaatskommissar für die Sicherheit, Fey, und Staatssekretär Karwinsky »on der in das Bundeskanzleramt gedrungenen Volksmenge eingeschlossen gehalten werden.

Bor dem Bundeskanzleramt ist Polizei und Heimwehr in großer Stärke aufmarschiert. Sie verhält sich jedoch untätig. Man erklärt diese merkwürdige Lage damit, datz Teile des Vundes- h«r«s bereits zum Volk übergegangen sind und die Besatzung des Bundeskanzleramts verstärkt haben. Auch sonst hat das Bundesheer allen An­forderungen seitens einiger noch nicht gefangener Minister nirgends Folge geleistet.

Der militärische Leiter der Wiener Heim- wehr, Major Baar, teilt mit, datz die um- üegenden Häuser des Bundeskanzleramts von Heimwehrleuten besetzt und in Verteidi- Sungszustand gebracht worden sind. Im Hch das Bundeskanzleramts sind etwa 15V vom

Volk verhaftete Beamte versammelt und be­finden sich in strengem Gewahrsam.

Wie soeben bekannt wird, find im Bun­deskanzleramt neben dem schwer verletzten Dr. Dollfutz, dem Sicherheitsminister Fey, Staatssekretär Karwinsky auch eine Anzahl höherer Heimwehrfunktionäre festgehalten, die beim Volk im Rufe besonderer Brutali­tät stehen.

Um 17,3» Uhr sendet Rawag-Wien einen Aufruf des Justizministers Berger-Walden- egg, aus dem hervorzugehen scheint, datz er der einzige noch in Freiheit be­findliche Minister des ehemaligen Kabi­netts Dollfutz ist. Eine zentrale Regierungs­gewalt scheint in Oesterreich zurzeit nicht mehr zu existieren. Bisher ist noch kein An­zeichen erkennbar, datz irgendein Teil des Bundesheeres den von der Volksmenge ergriffenen Mini­stern zu Hilfe eilt. Der Aufruf des Justizministers Berger-Waldenegg nimmt bemerkenswerterweise nur auf die Besetzung des Rawag-Gebäudes Bezug, unterschlägt jedoch die Tatsache der Besetzung des Bun­deskanzleramtes durch das Volk und unter­

schlägt ebenso die Verhaftung der bisherigen österreichischen Regierung.

Wien, 26. Juli.

2m Laufe des Nachmittags wurde der Wiener Großsender Bisamberg besetzt und mit Dynamit gesprengt. Radio Wien sendet zurzeit über den kleineren, bisher stillgelegten Rosenhügelsender.

Nlntelen vechandelt

Wien. 25. Juli.

Der in der ersten Sendung des Radio Wien um 13 Uhr als neuer Bundeskanzler genannte österreichische Gesandte in Rom, Dr. Rintelen, ist bereits in Wien ein­getroffen. Er hat sich sofort in das Heeres- ministerium begeben, wo er mit dem bisheri­gen Unterrichtsminister Schuschnigg und den Vertretern des Bundesheeres sowie Abge­sandten des Volkes über die Neubildung der österreichischen Regierung verhandelt. Es steht nicht fest, ob Dr. Dollfutz nur für seine Person oder für das Gesamtkabinett den Rücktritt erklärt hat.

Der Kamps um die Rawag ist nach einer Dauer von drei Stunden beendet worden. Ein Polizei­beamter ist tot, mehrere wurden verletzt.

An „Diktatse AM

§.L. Bremen. 26. Juli 1S31.

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher! Wie oft in all' den schweren Monaten, da ein größenwahnsinniger Dollfutz mit seinen Genossen das arme österreichische Volk zur Verzweiflung trieb und quälte, mag sich die deutsche Faust in den österreichischen Landen geballt haben. Wie oft mag der Name Dollfuß von deutscher Zunge verflucht worden sein, aber immer hielt man sich vor dem Aeußersten zurück, weil das deutsche Ele­ment in Oesterreich den felsenfesten Glauben hatte, daß eines Tages die Abrechnung mit den Ver­rätern an der deutschen Sache kommen mußte.

Und dieser Tag mutzte kommen, ob ihn auch Dollfuß und seine Gesinnungsgenossen noch so sehr hinauszuschieben versuchten. Dollfuß sah eine An­erkennung darin, daß man ihn den „Miniatur- Napoleon" nannte. Irgendwer hatte diesen Bei­namen für Dollfuß im Scherz aufgebracht. Dollfuß aber nahm ihn sehr ernst und er benahm sich, wie er glaubte, wie ein Napoleon. Aber an diesem „Napoleon von Oesterreich" fehlte allerhand: Vor allem der scharfe Feldherrnblick und die politische Weisheit.

Was er nachahmen konnte, war die Brutalität, mit der er seine eigennützigen Pläne verfolgte, und die Großmannssucht, die schließlich jedem Politiker zum Verhängnis wird, wenn er über seine Kreise, die ihm das Schicksal gezogen hat, hinaustritt. Brutal war er — das muß man ihm schon lasten. Mit Kanonen ließ er die Arbeiter­viertel zusammenschießen und mit Blei und Hand­granaten das Volk niedermetzeln.

In den Konzentrationslägern starben unter unmenschlichen Verhältnissen zu Hunderten die Treuesten von Oesterreich und auf die nationale Jugend ließ er schießen wie auf räudige Hunde. Im Blut der vielen Tausenden wusch er sich die Hände und träumte sich bereits als Diktator von einem Eroßösterreich, das auch Deutschland umfassen sollte. Wir wissen heute nicht, wie ihn einst die Geschichte beurteilen wird. Wir urteilen heute nach seinen Taten und uns erscheint er als politischer Verbrecher, der vielleicht weniger dem Drang seines Herzens folgte, als mehr seiner krankhaften Phantasie. Man hat sich oft ge­wundert, wie dieser schmächtige Mensch derartige Macht ausüben konnte. Aber man vergißt dabei, daß dieser Größenwahnsinnige gerade das rich­tige Objekt für alle jene dunklen Mächte gewesen war, die ebenfalls in Oesterreich zur Macht kommen wollten.

Da waren die Klerikalen und die Juden, die Habsburger und die Starhemberger — sie alle benutzten diesen kleinen Gernegroß als Aushänge­schild für ihre eigene Politik. Sie wußten zwar genau, daß sie sich nicht für Zeit und Ewigkeit in diesem armen Lande behaupten konnten — aber sie vertrauten dem alten österreichischen Grundsatz, daß man getrost immer weiter wur­steln kann. Einmal, nach Kriegsende, hatte diese Rechnung schon nicht mehr gestimmt, und nun kommt der zweite Beleg dafür, daß man auch im neuen Oesterreich nicht ungestraft weiter wursteln kann.

Dollfuß und Genosten faseln nun über ein Jahr von der „Selbständigkeit" Oesterreichs. Sie haben aber in dieser Zeit auch nicht den geringsten Be­weis erbracht, daß sie diese „Selbständigkeit" Oesterreichs verwirklichen wollen. Das gerade Gegenteil ist eingetreten. Sie haben das Land in Grund und Boden gewirtschaftet und es ab­hängiger vom Ausland als je gemacht. Und die­jenigen, die für die wahre Freiheit des Landes eingetreten sind, die Nationalsozialisten, wurden als Staatsseinde erklärt und verfolgt.

So kam es, datz Oesterreich eine Regierng ohne Volk hatte. Auch in dieser Tatsache spiegelt sich die politische Unfähigkeit Dollfuß'. Wenn man regieren will, braucht man nicht nur Kanonen und Militär, sondern in erster Linie das Volk und dessen Vertrauen. Hätte Dollfuß ein klein wenig politisches Verständnis für sein Amt und ein wenig Seelenkunde aufgebracht, hätte er nur einen Blick nach Deutschland zu werfen brauchen und hätte statt Napoleon zu einem Bruchteil Hit­ler nachahmen sollen. Aber Hitler scheint er wie den Teufel gefürchtet zu haben, weil ihm dieser an Wollen und Verstand tausendfach überlegen war. Weil nun das österreichische Volk immer wieder zu Hitler aufschaute, nahm er Rache an diesem Volke und quälte es bis aufs Blut. Und bei dieser Vlutarbeit spitzte sich sein Größenwahn bis zur Unerträglichkeit zu: Er wollte nicht nur Diktator, nein, er wollte auch ein Nero, ein Tyrann sein!

So ließ er hängen und foltern nach Herzens­lust — bis sich sein Schicksal erfüllte. Denn stärker als der Tyrann kann die Wut des Volkes sein. In wenigen Stunden hat die vierte Revolution, die über Oesterreich hinwegging, diesen sonder­baren Machthaber beseitigt. Gründlich beseitigt! Er lebt nicht mehr! Und mit ihm werden hoffent­lich all' die anderen Elemente in die Wolfsgrube fahren, die sich an seine Rockschöße hingen.

Der 25. Juli ist für Oesterreich der Tag des Volksgerichtes über seine volksfeindliche Regie­rung geworden. Gewiß wird es genug ausländische Kreise geben, inneren Presse ein großes Wehkla­gen und Jammern über Oesterreich sich erheben wird. Darüber wird sich das österreichische Volk hinwegsetzen. Man hat ihm nicht geglaubt, wenn es über Dollfuß gemurrt hat — jetzt wird man ihm glauben müssen und keine jüdische Verdrehung wird in der Lage sein, diese Wahrheit umzu- deuteln.

Deutschland hat sich nie in österreichische Ver­hältnisse eingemischt. Es hat sogar heute sämt­liche Grenzen gesperrt, damit niemand aus Deutschland sich aktiv an den weiteren Ereignissen in Oesterreich beteiligen kann. Die deutsche Re­gierung und der Führer haben immer und öffent­lich den Standpunkt vertreten, daß das öster­reichische Volk stark und reif genug ist, sich seine Zukunft selbst zu gestalten. Der Zeitpunkt ist heute gekommen. Was wir dem österreichischen Volke in diesem Augenblick nur wünschen können, ist, daß es von weiterem Blutvergießen verschont bleiben möge.

Die DecstMcAnA Tles AonMAtes TOien-AeLgea^ AttAantis Acieg / Der Aatastcopäe entgegen

ii.*)

«. k-lü. Bremen, 25. Juli 1934.

Als am Morgen des 26. Juli 1914 die Zei­tungen berichteten, daß die serbische Regie­rung am Abend des vorangegangenen Tages in ihrer Antwort auf das Wiener Ultimatum nicht alle Forderungen der Doppelmonar­chie vorbehaltlos angenommen und daß Oesterreich-Ungarn deshalb die diploma­tischen Beziehungen zu Serbien abgebrochen habe, waren in der Frage „Krieg oder Frie­den" die Würfel bereits gefallen. Die fol­genschwere Entscheidung des Kabinetts Pa- sitsch war jedoch nicht aus eigenem Willen heraus erfolgt. Wenn die von Deutschland erstrebte Lokalisierung des Konflikts Wien- Belgrad gelungen, Serbien bei der Antwort auf die Wiener „Begehrnote" also ganz auf sich selbst gestellt gewesen wäre, so hätte man sich zweifellos für eine restlose Annahme des Ultimatums entschieden. Denn die krie-

*1 Siehe auch unseren Leitartikel in Nr. 206 der „B.Z." vom 22. Juli.

kam der Belgrader Regierung zu dem denk­bar ungünstigsten Zeitpunkt. Für die dem Krieg abgeneigte Haltung des serbischen Kabinetts ist ein Bericht des Belgrader russischen Geschäftsträgers Strandtmann vom 23. Juli an den russischen Außenminister Sasanow recht aufschlußreich. Auf Grund der amtlichen Auffassung in Ser­bien stellt Strandtmann fest.

„daß der Eintritt von Ereignissen in der Ge­genwart und der nahen Zukunft, die imstande wären, die österreichisch-serbischen Beziehungen bis zum Aeußersten zu verschärfen, in Belgrad nicht nur als unerwünscht, sondern auch'als direkt bedrohlich für die Existenz des König­reiches betrachtet werden würde".

oavon daß sich der serbische Regent „der Mangel der serbischen Armee" voll bewußt gewesen ist.

Welche Gründe veranlaßten Serbien, es trotzdem durch Ablehnung der Wiener For­derung, bei der Untersuchung des Attentats