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Nr. 198 / 3. Vierteljahr
Freitag, 20 . Juli
Einzelpreis 1Z Npf.
Englands Lustrüstungsprogramm
Baldwins Llntechausrede über die Landesverteidigung
London, 18. Juli.
Valdwin gab am Donnerstag im Unterhaus seine mit der größten Spannung erwartete Erklärung über die Politik der britischen Regierung in der Frage der Luftriistung ab. Er erklärte u. a.: Seit dem Kriege haben aufeinander folgende Regierungen Englands aktiv eine Politik internationaler Abrüstung verfolgt. In unseren Bemühungen, diese Politik sowohl durch unser Beispiel als auch durch die von uns gegebenen Richtlinien zu fördern, haben wir unsere eigenen Rüstungen bis zu einem gefährlich niedrigen Stand herabgesetzt in der Hoffnung, daß die anderen unserer Führung folgen würden. Aber die Abrüstungsverhandlungen sind mehr in die Länge gezogen worden, als irgend jemand erwartete. Der Vorbereitende Ausschuß arbeitete von 1926 bis Dezember 1930. Die Abrüstungskonferenz wurde am 2. 2. 32 eröffnet und hat ihre Arbeiten seit dieser Zeit fortgeführt. Während dieser 814 Jahre sind von Zeit zu Zeit in vielen Kreisen Befürchtungen über die zunehmende Häufung von Mängeln in unserer Verteidigung entstanden, insbefoiÄere angesichts der erhöhten Ausgaben für Rüstungen in vielen anderen Ländern.
Die Politik der Regierung ist weiterhin eine Politik internationaler Abrüstung und wir haben keineswegs die Hoffnung auf Rüstungsbeschränkung aufgegeben. Wie in der Debatte vom 13. Juli erwähnt, unternehmen wir sogar jetzt neue Anstrengungen, um über den toten Punkt, der tatsächlich in Eenf besteht, hinwegzukommen. Leider können wir jedoch, angesichts der gemachten Erfahrungen, nicht mit einem belangreichen Erlebnis rechnen, und wir haben daher angesichts unserer Verpflichtungen auf Grund der Völkerbundssatzung und des Locarnovertrages, der zahlreichen Anzeichen von Unruhe in Europa und anderswo sowie der Tatsache, daß andere Regierungen nicht unserem Beispiel durch entsprechende Herabsetzungen gefolgt sind, seit einiger Zeit empfunden, daß die Zeit gekommen ist, wo die Möglichkeit, unsere Rüstungen auf ihren augenblicklichen tiefen Stand zu halten, mangels entsprechender Verminderungen von selten anderer Mächte neu- geprüft werden muß. Dies ist eine Lage, die meiner Ansicht nach die Führer aller Parteien vorausgesehen haben und die früher oder später kommen mußte.
Fm Licht« dieser Erwägungen hat die Regierung seit einigen Monaten die gesamte Frage der Reichsverteidigung und die Rolle, die die drei Verteidigungsdienste dabei spielen müssen, geprüft. Es ist heute nicht nötig, eine vollständige Darstellung unserer Nachforschungen oder der ins einzelne gehenden Schlüsse, zu denen wir gelangt sind, zu geben. Die Mängel, die behoben werden müssen, sind zum großen Teil Mängel in der Ausrüstung und den Vorräten. In dieser Hinsicht werden sich die Ergebnisse unserer Nachforschungen in den Voranschlägen für die künftigen Jahre widerspiegeln.
Soweit die königlichen Luftstreitkräste in Betracht kommen, ist die Lage jedoch ziemlich an-
Großer Moor- und Walöbranö bei Hannover
Hannover, 19. Juli.
Nach den zahlreichen Moorbränden, die in der letzten Zeit die Umgebung Hannovers heimsuchten, wird jetzt aus dem Kreis Neustadt am Rübenberge ein Riesenbrand gemeldet. Dort sind in der Gegend von Wun - storf an mehreren Stellen Moorbränds ausgebrochen, die auch aus den Hochwald zwischen Wunstorf und Neustadt übergriffen. Es brennt zurzeit in einer Ausdehnung von etwa drei Kilometern. Außer 2L0 Mann Reichswehr wurden Kräfte des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehr und der Technischen Nothilfe aus Hannover eingesetzt. Insgesamt sind rund 1099 Mann bei der Löscharbeit tätig. Der Brand erstreckt sich aus ein Gelände von über 1999 Morgen.
In dem im Eottleubatal gelegenen Zweigwerk der Osthushcrichwerke in Heidenau, in dem in erster Linie Pappen hergestellt werden, brach am Donnerstagfrüh ein Brand aus, der mit rasender Schnelligkeit um sich griff und stch in kurzer Zeit auf die ganze Fabrik ausbreitete. In der zweiten Nachmittagsstunde waren sämtliche Fabrikgebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt.
dersartig. Hier handelt es sich um die Notwendigkeit der Weiterentwicklung, die immer wieder verschoben worden ist, und außerdem um die Notwendigkeit, Mängel auszumerzen. Wir find zum Schluß gekommen, daß wir nicht länger Maßnahmen verzögern können, die im Laufe der nächsten Jahre unsere Luftstreitkräfte auf einen Stand bringen werden, der näher an den unserer nächsten Nachbarn heranreicht.
Bevor ich zu dem Programm komme, das wir anzunehmen beschloßen haben, möchte ich betonen, daß zahlreiche Tatsachen, die unseren Beschluß veranlaßt haben, sich weiterhin in Fluß befinden und Veränderungen unterworfen sind. Jnfolge-
(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung) Berlin, 19. Juli.
In Berliner politischen Kreisen verweist man auf den bemerkenswerten Umschwung, der sich in der Behandlung des Ost Pakt-Entwurfs nach der Sonntagsrede Varthous und der Rundfunkansprache Doumergues vollzogen hat. Es werden besonders die italienischen Stimmen hervorgehoben, die dem Zweifel darüber Ausdruck geben, ob nun die bisherigen Friedensbeteuerungen oder die neuen Kriegsfanfaren den wirklichen Sinn der französischen Politik wiedergeben.
Hierzu erfährt unsere Berliner Schriftleitung aus Kreisen, die dem Auswärtigen Amt nahestehen, daß bisher absichtlich oder unabsichtlich der Standpunkt Mussolinis zum französischen Paktsystem oberflächlich und summarisch als wohlwollend gekennzeichnet worden sei, während sich in Wirklichkeit der italienische Regierungschef nach wie vor von dem Gesichtspunkt leiten läßt, daß die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung und die Durchführung der Abrüstung nicht als eine mögliche Folge des Veitritts zum Pakt eintreten könne, sondern eine Voraussetzung dafür sei. Das ist ein wesentlicher Unterschied; ja,
Wachsende Etemrerträge
Berlin, 19. Juli.
Je mehr die Aufwärtsbewegung in allen Teilen oer Wirtschaft an Breite und Intensität gewinnt, desto stärker nehmen die Erträge der Steuern zu. Die Reichssteuern haben in den Monaten Januar bis März 1934 nach Mitteilung des Instituts für Konjunkturforschung um 8,1 Prozent, im April und Mai zusammen um 15,9 Prozent mehr erbracht als im Vorjahre. Diese Steigerung hat sich vollzogen, obwohl seit dem Friihiahr 1933 eine Reihe wichtiger Steuern aus konjunkturpolitischen Gründen ermäßigt worden sind. Der Aufschwung den die Wirtschaft seit dem Frühjahr
1933 genommen hat, ist in erster Linie ein Erfolg der öffentlichen Arbeitsbeschaffungspolitik. Die Arbeitsbeschaffung beeinflußt das Steuerein- kommen in doppelter Weise: Dem Einsatz der Mittel und dem Fortgang der Arbeiten mitsprechend, steigen die Erträge aller der Steuern, die mit den Hauptwirkungen der Arbeitsbechaf- sung im Zusammenhang stehen, so die Umsatz, die Güterbeförderung?- und die Wechselsteuer.
Je mehr sich im Verlauf der Arbeitsbeschaffung dann auch die Nebenwirkungen einstellen. desto mehr müssen auch die mit der Erzeugung zusammenhängenden Steuern aus den Teilen der Wirtschaft, die nicht unmittelbar von der Arbeitsbeschaffung betroffen werden, und besonders die Steuern vom Einkommensbezug und vom Verbrauch steigen. Trotz einer mehr oder weniger langen Anlaufsfrist haben die steigenden Mehrerträg« bei den von der Arbeitsbeschaffung zunächst beeinflußten Steuern als Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr 1933 schon so weit bessern können, daß das gesamte Steueraufkommen gegenüber 1932 u m 200 Millionen RM. d. s. 3 Prozent zugenommen hat.
Im April und Mai des neuen Haushaltsjahres
1934 haben sich die Erträge der mit der Erzeugung und dem Umschlag der Güter und Geldkapitalien in Verbindung stehenden Steuern weiter stark erhöht.
Gegenüber dem entsprechenden Zeitabschnitt des Vorjahres hat z. B. die Umsatzsteuer 25,998 mehr erbracht, die Wechselsteuer 81,498 und die Ellter-
dessen werde unsere Verteidigungslage ständig geprüft werden müßen und wir behalten uns das Recht vor, das Programm im Lichte neuer Tatsachen, die entstehen können, abzuändern oder anzupassen.
Vorbehaltlich dieser Bedingung haben wir ein Programm beschloßen, das das augenblickliche Jahr und die darauffolgenden vier Jahre umfaßt und bei den englischen Luftstreiftkräften bestehe» wird aus 41 neuen Geschwader» einschließlich der, die bereits im Programm von 1934 mitgeteilt worden find. Von diesen 41 Geschwadern werden 33 dem Heimatschuß zugewiesen werde». Dadurch werden die vorhandenen 42 Geschwader
das ist eine Umkehrung derjenigen Lesart, die man bisher aus naheliegenden Gründen bevorzugt hat.
Gleichzeitig hat man mit großem Interesse vermerkt, daß auch die innerpolitischeLage des Kabinetts Doumergue nicht mehr als rosig anzusehen ist, wie man es bisher getan hat. Der Vorstoß Tardieus im Stavisky-Skandal deutet — gleichgültig, wie er weiter verlaufen wird — darauf hin, daß starke Kräfte am Werke sind, um die derzeitige Regierung zu stürzen und Neuwahlen herbeizuführen.
Von maßgebender Stelle wird weiter darauf hiegewiesen, daß das kategorische Ersuchen an Deutschland, nach Genf zurückzukehren, nach wie vor von vier völlig gerechtfertigten und an sich bereits bekannten Voraussetzungen abhängig sei. Deutschland verlangt
1. tie unumschränkte Anerkennung seiner Gleichberechtigung;
2. die Abrüstung aller anderen Staaten aus den Stand Deutschlands;
3. die völlige Reform des Völkerbundes und
4. Gleichberechtigung Deutschlands innerhalb des Völkerbundes.
beförderungssteuer 21,198. Anzeichen der allmählichen Ausdehnung der Nebenwirkung der Arbeitsbeschaffung und der Verbreiterung des Kon- junkturaufschwunges sind die für die letzten Leiden Monate festzustellenden Ertragssteigerungen der Steuern vom Einkommensbezug und vom Verbrauch. So ist die Lohnsteuer im April und Mai zusammen um 8,8 Mill. RM., d. s. 7,298 gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten gestiegen. Das Aufkommen an veranlagter Einkommensteuer beginnt sich ebenfalls allmählich aber stetig zu bessern. Es zeigt im April und Mai gegenüber den gleichen Vorjahrsmonaten eine Erhöhung um 3,998. Typische Verbrauchssteuern wie die Tabak- und Biersteuer sind fastZm ganzen Verlauf des Rechnungsjahres 1933 noch hinter den Vorjahreserträgen zurückgeblieben. Umso bemerkenswerter ist das Ansteigen auch dieser Steuern in den letzten beiden Monaten. Im April und Mai 1934 hat die Biersteuer 12,698 und die Tabaksteuer 5,198 mehr erbracht als 1933.
Das evangelische Mmgungswerk
Der Reichskanzler empfängt Ncichsbischof Dr. Müller
Berlin, 19. Juli.
Reichskanzler Adolf Hitler empfing am Mittwoch den Reichsbischos Ludwig Müller und den Rechtswaltcr der evangelischen Kirche Jäger.
Der Reichsbischof berichtete über die Lage der Deutschen Evangelischen Kirche und das stetige Vorwärtsschreiten des großen evangelischen Einigungswerkes. Von den 28 zersplitterten Landeskirchen, die in Deutschland zurzeit der Machtübernahme vorhanden waren, sind bisher bereits 22 in der evangelischen Reichskirche aufgegangen, bei drei weiteren Kirchen ist die Eingliederung in vollem Gange, während nur ein Rest von drei Kirchen verbleibt, bei denen die Schwierigkeiten als noch nicht überwunden angesehen werden können. Das stete Vorwärtsschreiten des großen evangelischen Einigungswerkes wird. wie der Reichsbischos auf eindrucksvolle Weise belegen konnte, gerade von den breiten Maßen des Kirchenvolkes getragen.
Reichskanzler Adolf Hitler erklärte seine Befriedigung über den Fortschritt des Einigungswerkes und der zeitgemäßen Neuordnung, zumal hiermit die zunehmende Befriedigung des kirchlichen Lebens marschiere.
im Innern auf eine Gesamtzahl von 75 Geschwader» erhöht werden. Die übrigen Geschwader sind für den Dienst im Marineflugwesen im Ausland bestimmt. Die Schnelligkeit, in der dieses Programm innerhalb der fünf Jahre durchgeführt werden kann, muß von verschiedenen Erwägungen einschließlich solcher finanzieller Art abhängen. Wir hoffen jedoch, daß in keinem der jeweiligen Jahre eine erhebliche Erhöhung der Voranschläge erfolgt.
2m Oberhaus gab der Staatssekretär für Flugwesen, Lord Londonderry, eine entsprechende Erklärung ab.
Im Zusammenhang mit diesen Fragen ist die soeben erfolgte Veröffentlichung der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Völkerbundsfragen von erhöhtem Interesse, die eine groß angelegte statistische Darstellung des Labyrinths des französischen Sicherheitssystems bringt. Es wird darin nachgewiesen, daß mit Einschluß der Völkerbundssatzungen und der großen, allgemein bekannten Pakte nicht weniger als 39 Vertragsgruppen bestehen, an denen Frankreich mittelbar oder unmittelbar beteiligt ist. Diese gliedern sich in insgesamt 65 verschiedene Verträge, ckn denen 15 europäische und halbeuropäische Staaten beteiligt sind. Es sind darunter Neutralitätsund Nichtangriffspakte, Bündnis- und Freund- schaftsverträge, politische Abkommen und Militärkonventionen, Schiedsverträge, Verständigungsabkommen und Kriegsächtungspakte, Fakultativ- und Konsulativabkommen, Kriegsverhütungs- und Gewaltverzichtserklärungen und dergleichen fragliche Neuschöpfungen mehr. die alles in allem „einen heute herrschenden völkerrechtlichen Wirrwarr zeigen, wo regionale Abkommen neben und teilweise im Widerspruch zu den universellen Pakten gemeinsam in Kraft sind, während gleichzeitig nebenher eine Reihe von Bündnisverträgen läuft, deren Zweck die Verewigung der machtpolitischen, 1919 geschaffenen Verhältnisse ist."
Die SprengstoffanschlSge
Wien, 19. Juli.
Trotz des Inkrafttretens des strengen Spreng- stossgesctzes haben sich in allen Teilen Oesterreichs wieder zahlreiche Sprengstossanjchläge ereignet. Donnerstag früh um 3 Uhr wurde in der Vcrgstation Haselekar der Nordstetten-Vahn bei Innsbruck ein Sprengkörper entzündet, wodurch das Hallendach beschädigt wurde. Der Verkehr aus der Bahn ist jedoch nicht unterbrochen. Die Explosion war so heftig, daß die Bewohner Innsbrucks aus dem Schlafe geweckt wurden. Bekanntlich sind der Leiter und Erbauer der Nordketten- bahn, Ingenieur Turner, und mehrere Angestellte der Nordkcttenbahn vor kurzem weg>-n Verdachts nationaler Gesinnung entlassen worden. Turner wurde auch seinerzeit von Heimwehrleuten überfallen und verprügelt.
In Lustcnau (Vorarlberg) wurde um Mitternacht ein Sprengkörper in der Turnhalle des Vaterländischen Turnerbundes zur Explosion gebracht. Es wurde ein Sachschaden von etwa 6000 Schillingen verursacht.
In Wien wurde im zweiten Bezirk eine öffentliche Fernsprechzelle in Brand gesetzt. Auf der Südbahnstrecke bei Edlach (Steiermark) wurde in der Nacht ein Sprengstoffanschlag verübt, der einigen Sachschaden verursachte. Ferner ist im Laufe der Nacht in der Nähe von Bregsnz ein Sprcng- stoffanschlag auf die Bahn verübt worden.
Bei dem am Mitwoch verübten Sprengstoff- anschlag auf die Reitschule im dritten Wiener Bezirk. in der Sicherheitsmannschafken untergebracht sind. wurde eine Person schwer, eine anders leicht verletzt.
In der sensationellen Mordangelegenheit des Nationalsozialisten Zimmer, ist es jetzt der Polizei gelungen, m der Ajpernstraße einen Mann zu verhaften, dessen Name jedoch von der Polizei streng geheim gehalten wird. Die Polizei vertritt die Lesart eines politischen Mordes, weil Zimmer als Polizeispitzel angeiehen worden sei. Im Zusammenhang mit den Nachforschungen hat die Polizei zahlreiche National- 'ozialisien verhaftet Die Ermittlungen richten s>» hauptsächlich auf die Feststellung, ob der allgemein als Mittäter genannte lOjährige Student Neumöller an dem Morden tatsächlich bereiligt war.
VeeltNA LL-eck DEkat
Von Profeßor Dr. Carl Bilsinger, Halle
Dem Organ der Reichssachgruppe Hochschul, lchrer des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, der „Deutschen Juristen- steitung", die vom Neichssachgruppenleitcr Staatsrat Pros. Dr. Carl Schmitt-Berlin, herausgegeben wird, entnehmen wir nachstehenden Artikel:
Spätere Geschlechter werden den dämonischen Eifer, mit welchem die alliierten Mächte in den Pariser Verträgen von 1919 an der Zerstörung der Grundlagen der Ordnung und Wohlfahrt der Welt gearbeitet haben, noch weniger verstehen als wir. Denn Uns war wenigstens das Erlebnis des Leitgedankens, der treibenden Kraft von Versailles beschieden, nämlich des blinden, sinnlosen Haßes gegen Deutschland.
Es ist, ganz anders als nach der zu Unrecht verlästerten Aera des Wiener Kongreßes und der Heiligen Allianz, bis auf diesen Tag nicht gelun- gen, die Welt auf den Stand verhältnismäßiger Befriedung zurückzuführen, der die Daseinsforderung aller Nationen ist. Wenn dennoch, ein Fortschritt behauptet werden kann, so ist es dieser:
Deutschlands Erwachen hat der Welt darüber endgültig Klarheit verschafft, daß es nun nicht länger möglich ist, unter dem Titel des Rechts, in Wahrheit mittels der Lüge des Rechts, einem großen Volk sein Daseinsrecht vorzuenthalten. Oder, anders ausgedrückt: die Epoche eines völkerrechtlichen Nominalismus zum Nachteil der „Besiegten" ist zu Ende.
Dies ist mehr, als manchem vielleicht dünken mag. Wer vermeinen sollte, die völkerrechtliche Lage bedeute nichts gegenüber der Macht der Tatsachen und der Ohnmacht des Entwaffneten, der hätte fürwahr keinen Hauch des Geistes verspürt, der sich gegen die Unnatur der „Auseinander- reißung" von Recht und Wirklichkeit, von Recht und Politik, von Recht und Moral wendet.
Es ist nicht möglich, die rechtliche Existenz eines unabhängigen Deutschland zu bejahen und ihm zugleich den Stand tatsächlicher Unabhängigkeit abzusprechen. Vieles spricht dafür, daß das Diktat von Versailles im Zeichen eines solchen inneren Widerspruchs steht. Deutschland sollte zunächst weiterleben, um an seinem Leibe die Operation vollenden zu laßen, die Bismarck einst in seiner Rede vom 11. Januar 1887 im Deutschen Reichstag als das suigvor L blaue für den Fall einer deutschen Niederlage prophezeit hatte. Schon die heute allgemein zugänglichen Dokumente, die Urkunde von Versailles selbst und etwa das, was in den Wilson-Memoiren von Baker überliefert ist, zeugen hierfür. Von Aeußerungen des Wahnsinns oder der exaltierten Demagogie, wie z. B. der Reparationsforderung Loucheurs in Höhe von 200 Milliarden Dollars soll hier nicht die Rede sein. Vielmehr kommt es auf die Forderungen an, die schon im Kreise der Verbündeten als Antastung des Status der deutschen Souveränität empfunden wurden, wie etwa der Plan, für alle Zeiten eine Militärkontrolle einseitig über Deutschland zu verhängen. Macher Versuch solcher Art ist halb gelungen, in Gestalt zweideutiger und verschwommener Stipulationen. Hier kann der deutsche Rechtsstandpunkt durch eine Auslegung gewahrt werden, die sich auf die allgemein anerkannten Grundsätze des Völkerrechts beruft. In anderen Fällen aber ist die Verletzung des souveränen Status Deutschlands eindeutig; vielleicht das bezeichnendste Beispiel bietet hier Art. 279, der Deutschland verpflichtet, die Ernennung der Generalkonsuln usw. der alliierten und assoziierten Mächte gutzuheißen. Diese Bestimmung ist nichtig, da sie keinen einmaligen oder kurz befristeten Charakter hat sowie eine fortwährende absichtliche Beleidigung und einen offenlmren Eingriff in die Souveränität Deutschlands darstellt.
Die neuere Praxis des Völkerrechts bezieht sich immer und immer wieder auf den Satz von der Gleichberechtigung der unabhängigen Staaten als solcher. Der Völkerbund erklärt die Staaten- gleichhsit, die gleiche Rechte und Pflichten der Staaten nach sich ziehe, als sein oberstes Prinzip. Er hat Irak in diesen seinen Kreis gleichgestellter Mitglieder aufgenommen, nachdem die Ständige Mandatskommission erklärt hatte, die Emanzipation aus dem Mandatsnerhältnis setze voraus, daß der neue Staat fähig sein müsse, seine territoriale Unversehrtheit und
TcuLschr Kriegsschiffe in Oefel und Riga
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