Ausgabe 
(19.7.1934) Nr. 197
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Nr. 197 / 3 . Vierteljahr

Donnerstag, 19. Juli

Emzeiprew is Nps.

Betriebsführer

gehören in die Deutsche Arbeitsfront

Aufruf des stellvertretenden WirtschaftSMrers Graf von der Goltz

Vor Streikende in LISA.

Aktionen gegen die Kommunisten

Sän Franzisko, 18. Juli.

Die Streikleitung hat das Anerbieten gemacht, den Streik durch einen Schiedsspruch beizulegen. Dieser Beschluß wird als Beweis dafür aufgefaßt, daß die besonneneren Elemente wieder die Ober­hand erhalten haben. Diese Wendung ist haupt­sächlich dadurch herbeigeführt worden, daß mehrere hundert Mitglieder des vom Vürgerausschuß or­ganisierten Selbstschutzes, der anscheinend auch von den weniger radikalen Arbeiterkreisen unterstützt wird, am Dienstag eine Reihe von kommunisti­schen Altionszentren zerstörten. Bis zum Diens­tag abend waren bereits über 390 Kommunisten von der Polizei in Haft genommen. Einige Kom­munisten wurden von der Menge so verprügelt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Die Behörden kündigen an, daß sie die Staats- zugehörigleit aller Verhafteten untersuchen und sämtliche Ausländer, die an der Streikhetze teil­nahmen, der Bundesbehörde zur Ausweisung übergeben werden. Diese Säuberungsaktion, so­wie die ständig wachsende Einsicht, daß weder die unmittelbar betroffene Vevöllerung noch die öffentliche Meinung des ganzen Landes den Ge­neralstreik als gerechtfertigt ansieht, haben das Einlenken des Streikausschusses herbeigeführt.

Im Hinblick auf das Anerbieten der Streik­leitung, die Differenzen zwischen den Reedern und den Hafenarbeitern auf schiedsgerichtlichem Weg« beizulegen, wird vielfach ungeachtet des Wider­standes des linken Flügels das baldige Ende des Streiks erwartet. Der Präsident der Nira, Johnson, nannte in einer Rede in Berkeley den Generalstreik einen blutigen Aufruhr. William Ereen, der Präsident des amerikanischen Eewerk- schaftsvorbandes, erklärte in Chtkago, sein Ver­band habe den Generalstreik in Sän Franzisko weder angeordnet noch ihn gutgeheißen; der Streik sei rein örtlichen Charakters und habe keinerlei allgemeine Bedeutung.

Nach hier vorliegenden Meldungen aus Hono­lulu hat Präsident Roosevelt nicht die Absicht, nach Sän Franzisko zu kommen und in den Gene­ralstreik einzugreifen. Inzwischen hat der Präsi­dent der Nira General Johnson mit Vertretern der Streikenden und der Arbeiter die ganze Nacht zum Mittwoch verhandelt, um baldmöglichst zu einer Einigung zu kommen. Die Nahrungsmittel­versorgung der Stadtss hat sich bereits gebessert. Am Mittwochmorgen waren frische Früchte und Gemüse wieder erhältlich.

Englands Luftausrüstung

London, 18. Juli.

Das englische Kabinett hat in seiner Sitzung am Mittwoch das Programm für die Verstärkung der militärischen Luftfahrt endgültig gebilligt. Der stellvertretende Ministerpräsident Baldwin wird dieses Programm in Kürze öffentlich be­kanntgegeben und man erwartet bereits in der kommenden Woche eine Aussprache über die Luft­fahrtkredite im Unterhaus. Wie verlautet, hat die Regierung die Absicht, die englische Luftflotte um etwa 50 Geschwader zu verstärken. Der Bau wird sich auf mehrere Jahre verteilen. Einzelheiten über diese Pläne werden noch streng geheimge­halten.

Der Ehef des Stabes gegen Denunziantentum

änb. Berlin, 18. Juli.

Die NSK. teilt folgende Bekanntmachung des Chefs des Stabes mit:

Ich sehe mich veranlaßt, der Oefsentlichkeit mit aller Deutlichkeit folgendes zur Kennt­nis zu bringen:

Die SA.-Führer und -Männer, die im Zuge der Säuberungsaktion innerhalb der SA. be­lastet sind oder waren, sind zu einem Teil be­seitigt, zu einem anderen Teil schweben gegen sie Disziplinarverfahren.

Aus zahllosen Zuschriften von Denunzian­ten habe ich ersehen, daß innerhalb des deut­schen Volkes eine ganze Reihe von Menschen sich bemüßigt fühlt, die Ehre der anständigen SA.-Führer und -Männer anzugreifen. Als Chef des Stabes der SA. ist es meine Pflicht, mich schützend vor die Ehre der mir anver­trauten Führer und Männer zu stellen. Ganz abgesehen davon, daß mir als Soldat jegliches Verständnis für Denunziantentum abgeht, bin ich nicht gewillt, das Werkzeug klein­licher, rachsüchtiger Menschen zu sein.

Ich ersuche deshalb hiermit auf diesem Wege über die Presse alle diejenigen, die es angeht, haltlose Denunziationen zu unter­lassen. Sollte dieser mein Hinweis nicht ge­nügen, so werde ich weitere Denunzianten der Staatsanwaltschaft übergeben.

München, 18. Juli 1934.

Der Chef des Stabes: Lutze

Berlin, 18. Juli.

Der Stellvertreter des Führers der Wirtschaft, Graf von der Eoltz, erläßt an die Betriebssichrer folgenden Aufruf zum Eintritt in die Deutsche Arbeitsfront:

Es ist Ehrensache jedes deutschen Unternehmers, Mitglied der Deutschen Arbeitsfront zu sein und damit den Willen zu nationalsozialistischer Volks­gemeinschaft aller schaffenden Deutschen zu be- tätigen. Die Zugehörigkeit zur Organisation der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung macht die Mitgliedschaft zur Arbeitsfront nicht über­flüssig. Beide haben nach dem Gesetz und dem Willen des Führers völlig verschiedene Aufgaben zum gleichen nationalsozialistischen Endziel.

„Das hohe Ziel der Arbeitsfront", so heißt es im Aufruf vom 27. November 1933, „ist die Er­ziehung aller im Arbeitsleben stehenden Deutschen zum nationalsozialistischen Staat und zur natio­nalsozialistischen Gesinnung." Hier werden die schaffenden Menschen — gleichviel ob Betriebs­sichrer oder Gefolgschaft — zusammengeführt und menschlich nahegebracht.

Die nationalsozialistische Organisation der Wirtschaftsführung sorgt, daß die Führung der Betriebe als solche dem Volke dient. Damit die Arbeit auch des Geringsten Dienst an der Volks­gemeinschaft sein und werden kann, wird hier fachlich vernünftig und gestnnungsgemäß ein­wandfrei auch die Führung der Arbeitsstellen in die gleiche Richtung gebracht.

In beiden Organisationen der Gemeinschafts­arbeit aus ganz verschiedenen Lebensgebieien ist

Um den in Oesterreich kämpfenden Volks­genossen eine wirksame Hilfe geben zu können, hat Ende April die „Reichsführung des Kampfringes der Deutsch-Oe st er­reiche!" einen Aufruf erlassen, mit dem sie sich an alle in Deutschland lebenden Oesterreichs! wendet. Es galt, in großherzigster Weise eine Ferienaktion durchzuführen,

Ende Juni begannen in Deutsch-Oesterreich die Hauptferien des Schuljahres, die bis Mitte Sep­tember dauern. Es war nun geplant, daß die Kinder von besonders bedürftigen Streitern für die Deutscherhaltung Oesterreichs ihre Ferien bei den Kampfringmitgliedern' in Deutschland ver­bringen sollen. 2n ganz kurzer Zeit wurde fest­gestellt, welches Mitglied der Organisation in der Lage war, ein Kind kostenlos bei sich aufzuneh­men und für eine wirkliche Erholung zu sorgen. Die Reisekosten sollten von der Organisation selbst aufgebracht werden.

Unter den Schwierigkeiten, die bereits beim Erlaß dieser Anordnung bezüglich der Durch­führung dieser Aktion gesehen wurden, nahm auch die fragliche Einstellung der Dollfuß- Regierung zu der Ausreise der Kin­der ihren Platz ein. Doch wer hätte geglaubt, daß Dollfuß diesem Liebeswerk, welches aus rei­nem Empfinden für wahre Volksgemeinschaft entsprang, ernstlich entgegenstehen würde und es durch Verweigerung der Ausreiseerlaubnis un­möglich machte.

Damals nahm man an, daß Kinder, deutsche Kinder, auch in den Augen des Herrn Dollfuß ein viel zu kostbares Gut sind, um in den Tagss- streit hineingezogen zu werden.

Diesen Glauben an einfachste Menschlichkeit auch bei den heutigen Machthabern Deutsch- Oesterreichs hatte man vor zwei Monaten. Alle Dienststellen der Organisation entfalteten eine eifrige Tätigkeit mit dem Ziele, möglichst viele Kinder ärmster Volksgenossen aus Deutsch-Oester­reich bei sich aufzunehmen. Es war nicht geplant, nur Kindern von Parteigenossen einige kräfti­gende Wochen Landaufenthalts gänzlich kostenlos zu verschaffen.

Politische Gesichtspunkte waren in diesem Falle, wo es sich um die wertvollsten Güter des Volkes handelt, nicht maßgebend. Es war sogar daran gedacht, die Waisen der bei den Februarunruhen erschossenen Väter hier im Reich unterzubringen.

Heute liegen bei der Reichsführung des Kampfringes als Beweis der erfolgreichen Arbeit seiner Mitglieder und ihrer Anteilnahme an dem Geschick der Volksgenossen in Deutsch-Oesterreich Meldungen vor, auf Grund deren bereits 9 8 00 Kinder untergebracht werden könn­ten. Die Meldungen laufen noch weiter ein, so daß für den zweiten Ferienmonat mit einer viel höheren Zahl von Freistellen hätte gerechnet werden können.

Tausenden von armen, hungrigen und freudlosen Kindern hätten kräftige und frohe Ferien ge­schaffen werden können — wenn nicht Herr Doll­fuß ein .,christlich"-sozialer Parteipolitiker und

der Platz für jeden schaffenden Unternehmer. In keiner ist Platz für Auseinandersetzungen zwischen Betriebssichrer und Gefolgschaft. Hier hat das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit beide, Führer und Gefolgschaft, ohn« Mittler aufein­ander angewiesen. Hier hat der nationalsozia­listische Staat den Treuhänder und seine Sach­verständigenbeiräte bereitgestellt zur national­sozialistischen Betreuung einzelner und allgemei­ner Fragen der Sozialpolitik — nicht als Sach­walter von Parteien, die sich selbst auseinander­setzen und hören wollen, sondern als ent­scheidende Vertreter in letzter Ge­rechtigkeit.

Sozialpolitische Betreuung oder Vertretung in der Wirtschaftsorganisation ist gesetzwidrig und verboten. Ebenso ist „nach dem Willen unseres Führers Adolf Hitler die Deutsche Arbeitsfront nicht die Stätte, wo die materiellen Fragen des täglichen Arbeitslebens entschieden, die natürlichen Unterschiede der Interessen der einzelnen Arbeits­menschen aufeinander abgestimmt werden." (Auf­ruf vom 27. November 1933.) Niemand kann wollen, daß die reine Atmosphäre gegenseitigen Verstehenwollens, wie die Erziehung der Arbeits­front sie fördert, entwertet wird durch den Hin­tergedanken materieller Interessenvertretung. Und bei aller naturgegebenen und notwendigen Unterhaltung auch über gegenseitige Lebensver­hältnisse im geselligen Beisammensein der Ar­beitsfront macht niemand aus solchem Beisammen­sein ein Geschäft, ohne den höheren menschlichen Sinn solcher Gemeinschaft zu zerstören.

Die Arbeitsfront führt die Menschen zusammen; ihre Interessen auseinanderzusetzen ist deren eigene Sache, betreut vom Treuhänder des nationalsozialistischen Staates und seiner Beiräte. Jnteresssnmittler dieser oder jener Richtung kennt das Gesetz freier nationalsozialistischer Men­schen nicht.

Sache des Unternehmertums ist es in erster Linie, dem Gesetz des Führers Geltung zu ver­schaffen. Wer ohne zum Betrieb zugehörend, für den Betriebsführer mit der Gefolgschaft über Jn- teressenfragen verhandelt, handelt gesetzwidrig. Wer statt mit der Gefolgschaft mit betriebsfremden Vertretern verhandelt, handelt gesetzwidrig. Wie soll der Arbeiter das Gesetz achten, wenn es sein Betriebsführer selbst nicht tut!

Demgemäß weise ich daraus hin:

Jeder Verband, der sozialpolitische Jnteressen- vermittlung für Arbeitgeber betreibt, wird als gesetzwidrig aufgelöst und der Schuldige verfolgt.

Jeder Betriebsführer, der die Gesetze unseres Führers nicht achtet, erscheint unfähig, im natio­nalsozialistischen Staat einen Betrieb zu sühren und setzt sich ehrengerichtlicher Verfolgung aus.

Und jeder Betriebsführer sorge durch Mitarbeit in der Arbeitsfront, daß die hohen erzieherischen Gedanken ihrer Schöpfung — und durch Mitarbeit in der Wirtschaftsführung — die hohen Eemein- schastsausgaben deutscher Volkswirtschaft ihre Ver­wirklichung finden. Beide Wege gemeinsam süh­ren zur Vollendung des Nationalsozialismus als des Willens unseres Führers.

Ein Beitrag zum Devisen- und Jmportproblem (Von unserem Berliner ti.-VV.-Vertreter)

Dem Zuge der Zeit folgend, befaßt sich das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit geradx in jüngster Zeit in erhöhtem Maße mit dem Grund­satz einer sparsamen Rohstoffwirtschaft und stellt darüber sehr bemerkenswerte Untersuchungen an. Das Reichskuratorium kommt dabei etwa zu fol­gendem Ergebnis:

Die grundsätzlichen Erörterungen über die Frage, ob Deutschland sich wirtschaftlich selbst ge­nügen (Autarkie), oder sich am Welthandel be­teiligen soll, haben im wesentlichen das Ergebnis gebracht, daß die deutsche Wirtschaft sich in erster Linie aus einem starken eigenwirtschaftlichen Kern aufbauen muß, daß aber um diesen Kern herum Warenstrome zwischen In- und Ausland fließen müssen. Solche Eüterkreisläufe sind als notwendig erkannt worden, um das deutsche Volk mit den Gütern zu versorgen, auf die es gemäß dem Stande seiner Wirtschaft und seiner Technik Anspruch hat, weiter um eine große An­zahl bester Fachkräfte in Industrie, Handel und Verkehr zu beschäftigen, und schließlich, um die dafür bestehenden Anlagen vor einer sprunghaf­ten Entwertung zu schützen.

Gerade in dem Augenblick, wo diese Erkennt­nis sich gefestigt hat, und bestimmte Folgerungen aus ihr gezogen werden sollen, hat die Entwick­lung der deutschen Zahlungsbilanz und die Transferfrage einen Einfluß auf die Außenhan­delsgestaltung gewonnen, die über alle grund­sätzlichen Erörterungen hinaus schnelle praktische Entscheidungen auf dem Gebiet des Waren- und Kapitalverkehrs mit dem Ausland erforderlich macht.

Es muß vor allem verhindert werden, daß etwa ein Mangel an wichtigen Rohstoffen den wirtschaftlichen Aufstieg hemmt, den wir in den vergangenen Monaten in zähem Kampf gegen Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit zuwege ge­bracht haben. Dabei läßt sich die Rohstoff­wirtschaft, die wir zu betreiben haben, mit der Kriegswirtschaft nicht vergleichen. Während wir z. B. im Krieg gezwungen waren, Rohstoffe und Arbeitskräfte einem unproduktiven Konsum zuzuführen, d. h. buchstäblich zu „verpulvern", sind wir heute in der Lage, unsere Rohstoffe und unsere Arbeitskraft dort einzusetzen, wo der Ein­satz besonders wirtschaftlich ist. Weiter steht einem ausgesprochenen Arbeitermangel im Kriege zur­zeit noch ein ganzes Heer von unbeschäftigten Händen und Hirnen gegenüber.

Während im Kriege die Blockade und die Wirtschaftspolitik unserer Gegner uns von Roh­stoffen und Waren um jeden Preis abschnürte, darf man erwarten, daß die großen Rohstoff­lieferanten bestimmt auch etwas dazu tun wer­den, daß Deutschland nicht allzulange als Käufer ihrer Waren aus dem Markte ausscheidet. Schließlich ist ja die Sachlage so, daß nicht die gesamte Einfuhr gefährdet ist, sondern nnr eins mehr oder minder große Spitze, die über die entsprechende Ausfuhr und bestimmte Posten des unsichtbaren Exports hinausragt. Es wird also darum gehen, die uns durch unsere Ausfuhr gesicherte Einfuhr möglichst wirtschaftlich, d. h. letzten Endes entsprechend der Rangordnung un­serer volkswirtschaftlichen Bedürfnisse auszu­nutzen, wobei natürlich immer die Reihenfolge der Länder eine besondere Rolle spielt, die unsern Export aufnehmen.

Wenden wir uns den Lei uns vorhandenen Roh­stoffen zu. so ist hier natürlich das Nächstliegende ein Ausbau der Eigenerzeugung. Wenn dieser auch mengenmäßig in den meisten Fällen keinen vollständigen Ersatz schaffen kann für die fehlende Einfuhr, z. V. Lei Kupfer-, Zinkerzen usw., so müssen doch alle Wege beschritten werven, die «in« Entlastung bringen und dem Rohstoff­mangel entgegenarbeiten. Der Ausbau der Ei­genproduktion kann dabei in der Weise erfolgen, daß er sich unmittelbar auf die eingeführten Roh­stoffe erstreckt (z. V. Steigerung des Abbaues von deutschen Eisenerzen). Mindestens von gleicher Wichtigkeit ist der Ausbau der Produktion, die bereits ohnehin auslandsunabhängiger ist. (Etwa Förderung der Aluminiumproduktion.) Bei den textilen Rohstoffen sehen wir bereits «in Vordringen des Leinens und ein Anwachsen der Anbauflächen für Flachs.

Auch für eine Steigerung der deutschen Woll » Produktion wird es an Möglichkeiten nicht fehlen. Besondere Aussicht bietet natürlich von vornherein die Kunstseidenindustrie, die freilich ihrerseits wieder gewisse Mengen ausländischen

>es sonst Neues

Weitere 8VV Memel-Beamte sollen ent­lassen werden

Die Welthandelsslotte nimmt ab

Ernster Zwischenfall im Stavisky-Aus- schutz

Internationaler Europa-Rundflug

Edel sei der Mensch, hilfreich ...

Dollfuß verweigert Kindern die Erholung in Deutschland

Deutschenfeind wäre! Vor uns liegt eine Anord­nung des Herrn Dollfuß an die Sicherheitsdi- rektoren mit folgendem Wortlaut:

„Das Bundeskanzleramt (Een.-Dion. f. d. ösfentl. Sicherheit) hat mit Erl. vom 21. 6. 1834, Zl. G. D. 179 883 St.-B. die in der Anlage bei­liegende Abschrift eines in -er Nr. 5 der „Dienst­lichen Mitteilungen" der Reichssiihrung des „Kampfringes der Deutsch-Oesterreicher" ver­öffentlichten, von dem bekannten nationalsoziali­stischen Parteigänger Jng. Rauter gezeichneten Ausrufes, der eine vom Kampfring geplante Kinderferienaktion betrifft, zur Kenntnis über­mittelt. Es ergeht die Einladung, dieser rein parteipolitischen Aktion ein Augenmerk zuzu­wenden und aus jeden Fall zu verhindern, daß Kinder österreichischer Staatsbürger im Zuge die­ser Aktion nach Deutschland gelangen. Ueber ab­fällige einlangende Ansuchen um Erteilung der Ausreisebewilligung und sonstige Wahrnehmun­gen, die in diesen Gegenstände gemacht werden, ist dem Bundeskanzleramt im Wege der Sicher- heitsdirektion sofort zu berichten."

All« Welt weiß, daß heute in Neuösterreich ein namenloses Elend herrscht. Alle Maßnahmen der Dollfuß-Regierung dagegen haben sich in ihrer Wirkung als ein Tropfen auf einen heißen Stein erwiesen. Der Aufschrei gequälter Menschen in ärgster Not ertönt täglich aus allen Schichten der Bevölkerung. Die Bettlerplage, immer ein guter Maßstab für den Wohlstand eines Landes, ist heute in Neuösterreich derart, daß Bettler beider-

Ein dramatischer Aufruf

Wien, 18. Juli.

Die amtliche „Wiener Zeitung" bringt heute unter Hinweis auf die am Donnerstag für alle Sprengstoffoergehen ausnahmslos eingeführte Todesstrafe einen Aufruf an die Bevölkerung, in dem zur Ruhe, Besonnenheit und Rückkehr zur Vernunft gemahnt wird. In dem dramatischen Aufruf heißt es:

„Am heutigen Mittwoch mit dem letzten Glockenschlag der Mitternachtsstunde geht die Frist zu Ende, innerhalb derer sich unbefugte Besitzer und Verwahrer von Sprengstoffen durch Ablieferung dieser Gegenstände an die Behörden gegen die Auswirkung des am 14. Juli in Kraft gesetzten Bundesgesetzes zur Abwehr politischer Eewaltaten sichern können. Dieses Gesetz kennt nur eine Strafe für seine Verletzung: die Todesstrafe. Die Kundmachung der Regierung über die Ver- hängung der Todesstrafe ist volle sechs Tage in Tausenden von Exemplaren überall angeschlagen, oft durch die ganze Presse zum Abdruck gebracht und täglich im Rundfunk verlautbart worden. Unkenntnis des Gesetzes kann somit nicht mehr vorgetäuscht werden."

lei Geschlechts, vom schulpflichtigen Kinde ange­fangen bis zum gebrechlichen Greis, das Stratzen- bild Wiens und der anderen österreichischen Städte bestimmen.

Wer spürt dieses Elend, für das Herr Dollfuß verantwortlich ist, am ärgsten, und wer, so fragen wir, leidet am empfindlichsten darunter? Wer in erster Linie? Die Kinder mit ihrem zarten jugendlichen Organismus sind es, die von der Arbeitslosigkeit ihrer Ernährer und dem gänz­lichen Fehlen einer ausreichenden staatlichen Hilfe für sie schwersten Schaden an Geist und Gesundheit für ihr ganzes künftiges Leben davontragen! Dollfuß rührt dieses namen­lose Elend nicht!

Man fragt sich, wenn man diesen Erlaß Doll­fuß' liest, entsetzt: Sind die Dollfuß-Oesterreicher bereits so tief gesunken und bar jeder primitiv­sten Menschlichkeit, daß sie armen Kindern die Kosten ihrer verfehlten und undeutschen Politik aufbürden wollen?

Aus blindwütigem Haß gegen alles Deutsche und engstirniger Parteipolitik gegen den Natio­nalsozialismus ist Dollfuß kein Mittel zu schlecht, diesen Haß immer aufs neue zu dokumentieren und zur Freude aller Feinde des Deutschtums vor aller Welt erneut unter Beweis zu stellen. Aber keiner der unzähligen Beweise wiegt so schwer und zeigt so die Verworfenheit des neuösterrcichi- schen Regimes wie dieser. Erbringt ihn Dollfuß doch aus Kosten der Kinder, der ärmsten seiner Staatsbürger.

Nationalsozialist erschossen

Wien, 18. Juli.

Veim Wiener Nordbahnhof wurde ein Natio­nalsozialist, der auf den Anruf einer Schutzkorps­patrouille nicht stehenblieb, durch einen Schutz in den Rücken getötet. Desgleichen wurde ein Kommunist, der an einem geheimen marxistischen Meeting im Prater teilnahm, von der Polizei er­schossen. Aus Wolfsburg in Körnten, aus Inns­bruck und aus St. Kathrein in Körnten werden Spreng st osfanschläge gemeldet. Wolfs­berg hat damit seinen SO. Sprengstoffanschlag innerhalb kürzester Frist zu verzeichnen.

Abschied der deutschen Torpedoboote von Wi- borg. Die deutsche Torpedobootsflottille hat am Dienstagabend ihren mehrtägigen Besuch in Wi- borg abgeschlossen und ist nach Swinemünde ab­gedampft. Neben Ausflügen in die Umgebung und Empfängen durch die Wiborger deutsche Ko­lonie und die finnische Behörden erfolgte vor der Abfahrt eine feierliche Kranzniederlegung an den Wiborger finnischen und deutschen Heldengräbern von 1918. Deutsche und finnische Mannschaftsab­ordnungen nahmen zusammen mit dem Musik­korps des finnischen karelischen Earderegiments an der erhebenden Feier teil.