Ausgabe 
(18.7.1934) Nr. 196
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Mittwoch, den 18. Juli 1934

Bremer Zeitung

Nr. 196 Jahrgang IgU

Rohstoffwirtschaft und eine neue Epoche des Güteraustausches aufzubauen.

Nur eine Machtgruppe bestand auf ihren Schein; nur ein Gremium kümmerte sich nicht um Billigkeit und Fairneß: die Treuhänder der D a w e s a n l e i h edie Gerichtsvollzieher des Großkapitals! Was wir schon seit Jahren vorausgesehen hatten, was wir schon prophezeit hatten, als die Unterschriften unter dem Dawes- pakt noch gar nicht vollzogen waren, daß ist soeben Tatsache geworden: die Treuhänder haben ihre Hand auf die Faustpfänder gelegt; die ihnen damals verschrieben wurden. Sie haben die gesamten Einkünfte Deutschlands aus den Tabak-, Vier- und Zuckerzöllen und aus dem Brannt­weinmonopol beschlagnahmt, weil am 15. Juli die Devisenzahlungen in Höhe von 4,22 Millionen Reichsmark nicht in ausländischen Währungen sondern nur in Reichsmark geleistet worden sind.

Die Einkünfte aus diesen verschiedenen Spar­ten betragen zurzeit etwa 200 Millionen Reichs­mark im Monat. Das ist öOfache Sicherheit für die Verpflichtungen. Darüber hinaus aber liegt der gesamte fällige Betrag in bar wenn auch in Reichsmark zur Stelle. Er braucht nur ab­gehoben zu werden. Ferner liegt die Hälfte des fälligen Betrages in Devisen bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel im

Depot. Trotzdem aber greift Shylock nach dem Herzen unserer Finanzgebarung, obwohl auch die beschlagnahmten Einkünfte nur Markbeträge, nicht aber Devisen darstellen.

Es ist festzustellen, daß dieser Schritt der Treu­händer keine schwerwiegenden Folgen haben wird! Die Reichsregierung hat bereits geeig­nete Maßnahmen ergriffen, um die Einkünfte des Reiches vor jedem Zugriff des internationalen Gerichtsvollziehers zu sichern! Der Aktion der Dawesgläubiger kommt nur formale Bedeutung zu. Aber er muß geweitet werden als eine unge­heure S ch i k a n e, als der Akt des Ver­suches einer weiteren Diffamie- rung des Reiches: als ein Fußtritt, den uns das internationale Großkapital zu versetzen versucht, weil wir es nicht dulden wollen, daß unsere Arbeiter und Angestellten auf die Straße fliegen, nur damit an uns die Methoden exem­plifiziert werden können, die von jeher das Leih­kapital am kleinen Mann hat vollziehen dürfen!

Die Lage ist durch das Auftreten des Gerichts­vollziehers nicht ernster geworden. Es gibt Mittel und Wege, uns vor Willkür und Schikane zu schützen! Aber wir wollen aus diesem Zwischenfall die eine Lehre ziehen: daß man einen Blick hat tun dürfen mitten hinein in die unver hüllte Fratze des Mam­mons. Das sei Warnung, Mahnung und Be­kenntnis in einem!

Was wird aus Deutsch-Güdwest?

(Von unserem Berliner H. W.-Vertreter.)

Nachdem der Friedensvertrag von Versailles dem Deutschen Reiche die Befähigung abgesprochen hat, Kolonien zu besitzen oder zu verwalten, hätte man eigentlich in den deutschen Schutzgebieten eine erheblicheKursänderung" erwarten können. Das ist aber nicht geschehen: es ist vielmehr überall ein nennenswerter Rückgang der wirtschaftlichen Verhältnisse und eine zunehmende Zuspitzung der innerpolitischen Lage festzustellen.

Das offenbart sich besonders deutlich in sehr interessanten Meldungen, die von zuständigen Verwaltungsstellen Deutsch-Siidwestafrikas ausge­geben worden sind. In einer großen Etatrede gab ver Verwalter wenn man so sagen will, der Statthalter zu, daß heute eine Verschul­dung von über 2X Millionen Pfund Sterling gegenüber der Südafrikanischen Union zu ver­zinsen und zu tilgen sei, während im Jahre 1826 überhaupt keine Schulden zu Buche gestanden haben. Ferner müsse bekannt werden, daß mit einer geringfügigen Ausnahme kein einziger der südwestafrikanischen Farmwirtschaftszweige als ge­sund zu bezeichnen sei.

Bekanntlich sind aber inzwischen auch die po­litischen Verhältnisse immer mehr einer völli­gen Zerrüttung zugetrieben, so daß sich die ver­schiedenen Bevölkerungsteile heute feindlich gegen­überstehen und in ihren Neigungen und Absichten auseinanderstreben- Wenn auch die Behörden immer wieder darauf hinweisen, daß die Union auf keinen Fall Schritte tun werde, die eine An­nexion des Mandatsgebietes bedeuten könnte, so ist man doch in großer Unruhe über das endgültige Schicksal des großen Landes.

Es stimmt schon, daß diese Dinge nicht in Afrika selbst entschieden werden; denn es haben darüber letzten Endes die Unterzeichner des Versailler Vertrages zu bestimmen. Es kann aber weder den deutschstämmigen Farmern noch uns in Deutschland gleichgültig sein, ob wir diese einst blühend« Kolonie zurückerhalten, ob sie in das englische Weltreich eingegliedert wird, oder ob sonst irgendwelche Verfügung darüber getroffen werden soll. Die Kolonialfrage ist für uns auch heute oder vielmehr gerade heute ein wichtiger' Bestandteil unserer Außenpolitik, dessen wir uns in nächster Zukunft allen Ernstes werden anneh­men müssen.

Brasiliens Verfassung verkündigt

Die neue brasilianische Bundesverfassung wurde am Montag in einer Festsitzung des Parlaments feierlich verkündet. Für die Sitzung waren nach Meldungen der Polizei Ruhestörungen geplant, die jedoch von der Polizei im letzten Augenblick vereitelt wurden. Die Polizei drang kurz vor der Festsitzung überraschend in die Geschäftsräume der Legion des 5. Juli" ein, beschlagnahmte zahl­reiche Handgranaten und Bomben und verhaftete eine Reihe von Mitgliedern dieser Organisation. Auch einige Mitglieder desOktober-Clubs" wur­den in diesem Zusammenhang verhaftet. Die Lei­tung des Clubs hat jedoch versichert, daß sie den Vorbereitungen zur Störung der Parlaments­sitzung fernstehe.

Ricarda Huch zu

Der Dichter Vörries Freiherr von Münch- hausen hat die Königsbergerin Agnes Miegel den größten Balladendichter unserer Zeit" ge­nannt. Ricardo Auch, ein Kind der Stadt Heinrichs des Löwen, Braun schweig, eine Niedersächsin also und unsere Landsmännin in solchem Sinn des Wortes, der uns mit Stolz erfüllt, Ricarda Huch hat als Dichterin nicht nur gleich Großes geleistet wie die viel öfter ge­nannte Schwester Agnes Miegel, sie ist auch der klügsten deutschen Frauen ein« und mit Gaben des Geistes wie wenige Menschen ausgezeichnet und gesegnet.

Ihre gelehrte Schrift vom Jahre 1882 über die Neutralität der Eidgenossenschaft während des spanischen Erbfolgekrieges" trug ihr die Doktor­würde der Universität Zürich ein, und seither hat sie eine Reihe umfassender wissenschaftlicher Werke über die Geschichte der Völker im Bereich der deutschen Sprache geschrieben, Werke, die nicht nur nüchterne und sachliche wissenschaftliche Kärr­nerarbeit voraussetzen, sondern die auch Bücher königlicher wissenschaftlicher Arbeit sind, Bücher lebendiger Wissenschaft, die sich nicht an einen kleinen Kreis gelehrter Leute wendet, sondern die jedermann mit Freuden und persönlichem Gewinn für sich immer wieder und wieder gerne ließt. Denn die Verfasserin dieser Bücher ist ia eine Dichterin, eine Frau, die kraft ihres Geistes und kraft ihres niedersächsisch, zähen, unbeug­samen Willens zur Gestaltung große Gewalt hat über das Wort, eine Frau, di« mit Worten Musik machen kann und das Wort Fleisch werden und mitten unter uns wohnen läßt- Da sind zum Beispiel die Bücher überDie Blütezeit der Romantik" (1888) und überAus-

Vom Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes

Gens, 17. Juli.

Der Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes ist am Dienstag zu seiner 41. Tagung zusammen­getreten. Neben einem allgemeinen Meinungs­austausch über die Entwicklung der internatio­nalen Wirtschaftspolitik soll eine Reihe von Ein­zelproblemen zur Behandlung kommen, so z. B. die internationale Seite des Fremdenverkehrs, internationale Zollfragen technischer Art, das Problem der technologischen Arbeitslosigkeit. Weiter ist es Aufgabe des Ausschusses, den Stand der verschiedenen Arbeiten zu prüfen, mit deren Fortführung ihn die Weltwirtschaftskonferenz be­traut hatte. Schließlich wird sich der Wirtschafts­ausschuß mit den wirtschaftlichen Beschlüssen der siebenten panamerikanischen Konferenz von Mon­tevideo zu befassen haben.

Auf der Montag in Genf eröffneten dritten internationalen Konferenz für Erziehungs­fragen erstattete der zum Vertreter Deutsch­lands bestellte Konsul in Genf einen eingehenden Bericht über die Entwicklung des Erziehungs­wesens in Deutschland feit der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Regierung.

Aegyptische Suden beschimpfen Hakenkreuzflagge

Mexandria, 17. Juli.

Zwei halbwüchsige jüdische Burschen ägyptischer Staatsangehörigkeit wurden hier am Dienstag wegen Beschimpfung der Hakenkreuzflagge festge­nommen und dem Jugendgericht zur Bestrafung übergeben. Die beiden hatten den Flaggenwimpel am Dienstwagen des deutschen Konsuls unter un­flätigen Beschimpfungen bespien. Auf Ersuchen des Konsuls schritt sofort ein Polizist ein, der einen Juden festnehmen konnte. Der andere wurde später in seiner Wohnung verhaftet.

Vorbereitung auf den Krieg

London, 17. Juli.

WieDaily Herald" meldet, soll die Belieferungsabteilung im englischen Kriegs­ministerium, die sich mit der Vorbereitung von Plänen für die Beschleunigung und Erhöhung der Lieferung von Kriegsvorräten im Falle der Mobilisierung befaßt, zur Zeit mit Hochdruck arbeiten. Sechs Sachverständige, nämlich drei Chemiker und drei Ingenieure, seien neu ein­gestellt. Die Kosten der Belieferungsabteilung seien in diesem Jahre annähernd auf das Drei­fache des Vorjahres, nämlich 22 200 Pfund erhöht worden. Diese Verstärkung der Abteilung sei auf einen Beschluß des englischen Armeerats zurück­zuführen. Man wünschefestzustellen, welche Fabriken im Kriegsfalle von ihrer normalen Tätigkeit umgeschaltet werden können."

Drei Deutsche der Hitze in China erlegen. Die außerordentliche Hitze in China hat allein in der deutschen katholischen Mission Penchoufu in der Provinz Slldschantung drei Todesopfer gefordert und zwar zwei Patres und einen Bruder.

n?0. Geburtstag

breitung und Verfall der Romantik" (1302), dann die große, wahrhaft dichterische und künstlerische Darstellung des Dreißigjährigen Krieges in drei dickleibigen Bänden (13121814), ein fesselndes Charakterbild Wallensteins (1315),Luthers Glaube" (1316), ein Buch über den Reichsfreiherrn vom Stein (1825) und viele andere mehr.

Indem man aber auf diese Bücher hinweist und die Daten ihrer Entstehung andeutet, zählt man nicht nur die Leistungen im Dienste wahrer Wissenschaft auf, einer Wissenschaft also, die nicht erstarrt und ledern, sondern lebendig und frucht­bar ist und echten nationalen Sinn hat, man er­zählt auch bereits von dem dichterischen Schaffen Ricarda Huchs. Denn sie, die Geschichte und Ver­gangenheit als Betrachterin leidenschaftslos, kühl und von der Höhe ihrer persönlichen Kultur und Kultiviertheit aus erlebt und darstellt, schreibt in ihrem ersten Roman, in denErinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren", veröffentlicht im Jahre 1302, die Worte nieder:Ich habe immer gefunden, daß das Beschauen das Schönste im Le­ben sei. Wer in einem prächtigen Umzüge mit­geht, schluckt den Staub ein und würgt hinter seiner Maske . . ." Von einer gewissen, selbst erarbeiteten und errungenen Höhe des Lebens aus aber hat der Betrachteralles vor seinen Augen, als wäre er der Herrgott und es würde ihm alles vorgeführt eigens zu seiner Lust." So sind auch die Romane Ricarda Huchs gewisser­maßen und in der äußeren Form historische Ro­mane, aber dennoch Bücher, welche die Gegenwart angehen. Eben die Erinnerungen von Ludolf Ursleu, dem Sproß einer Hamburger Patrizier­familie, der ein Weltmann werden wollte und ein Tor wurde, ein lebenslänglich Sterbender, dem das Leben unter den Händen verrann, weil er als Kind seiner Zeit zu verfeinert und zu individua-

Osi-Locarno-Gorgen in Paris

Paris, 17. Juli.

Deutschland und Polen sind nach Ansicht weiter französischer Kreise die beiden Mächte, die die französisch-russische Ost-Locarno-Politik zu durch­kreuzen versuchen. Bezeichnend ist, daß die diplo­matische Mitarbeiterin desOeuvre" in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Reise des polnischen Außenministers Beck nach Reval hinweist und behauptet, Beck wolle zwischen Lett­land und Litauen einen Keil treiben, um die Unterzeichnung des baltischen Paktes zu verhin­dern, der die Lage in Nordosteuropakristalli­sieren" würde. Der Ost-Locarno-Pakt würde in diesem Falle tatsächlich ernstlich gehandicapt sein. Daß England und Italien sich umstimmen lassen würden, glaube man in Paris umso weniger, als die Unterredung, die der französische Botschafter in Rom mit dem Duce gehabt habe, diesen in sei­ner Absicht bestärkt haben solle, bei der Reichs­regierung darauf zu dringen, daß sie den Pakt­entwurf prüfe und der Frage eines Beitritts nähertrete.

Nichtsdestoweniger wird in hiesigen politischen und journalistischen Kreisen die Frage erörtert, ob die Erwägungen, aus denen heraus sich Eng­land und Italien für den französischen Plan ausgesprochen hätten, nicht denen des französi­schen Außenministers zuwiderlaufen. Man weist erneut auf die Erklärungen Varthous in Vayonne hin, die der Außenpolitiker desEcho de Paris" wie folgt ergänzen will: 2n London habe Sir John Simon Barthou nach dem Preis für die wohlwollende Neutralität Englands ge­fragt, auf die sich die letzte Unterhausrede Sir John Simons bezog. Diese Neutralität habe man sich durch Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage bezahlen lassen wollen

und Frankreich wollte man veranlassen, seine in der Note vom 17. April gekennzeichnete Haltung aufzugeben. Barthou habe dies glatt abgelehnt. Wer zwischen den Zeilen der Vayonner Rede Varthous zu lesen verstehe, könne dort eine ver­steckte Anspielung auf diesen Zwischenfall lesen. Bei der Abrüstungsangelegenheit habe der Außenminister als Höchstes versprochen,das Rü­stungsproblem erneut zu prüfen, wenn sich die praktischen Wirkungen des Veistandspaktsystems klar erkennen lassen". DasEcho de Paris" hofft, daß sich die französische Regierung nicht von den Regierungen in London und Rom in Schlepptau nehmen lasse, denn diese versuchten, dem fran­zösischen Plan ein ganz anderes Gesicht zu geben. Sie machten sich anheischig, den Pakt der mili­tärischen Verpflichtungen und der politischen und territorialen Bürgschaften zu entkleiden.

London, 17. Juli.

Daily Mail" greift das geplante Paktsystem in einem Leitartikel mit großer Schärfe an und erklärt, es würde ernste Gefahren für England mit sich bringen. Es sei nicht klar, warum die englische Regierung diesen Vorschlägen ihre Unterstützung leihe. In vielen Kreisen erhebe man starke Einwendungen dagegen, daß Endland un­nötige Verantwortlichkeiten in Osteuropa über­nehme und damit von seiner historischen Politik der Nichteinmischung in Osteuropa abweiche. Das unvermeidliche Ergebnis der neuen Pakte sei, daß gewisse Länder diese diplomatische Waffe als gegen sich gerichtet betrachten. Sie würden sehr darüber aufgebracht sein, daß sie dadurch von Geg­nern umringt werden. Das Blatt ist der Ansicht, daß die neuen französisch-russischen Vorschläge wie viele ihrer Vorgänger in den diplomatischen Papierkorb gehörten.

Für Schmuggler gehalten

Die Beschießung englischer Marineoffiziere

London, 17. Juli.

Wie aus Athen berichtet wird, ist der engli>che KreuzerLondon" nach der Insel Samos abgegangen, bei der drei englische Marineoffiziere beschossen worden sind. Die türkische Regierung hat, wie Reuter meldet, nach Prüfung des Zwischenfalles den türkischen Botschafter in London angewiesen, der englischen Regierung ihr Bedauern auszusprechen. Nach der amtlichen türkischen Darstellung des Zwischenfalles hat ein türkischer Zollbeamter beobachtet, wie drei un­bekleidete Männer aus einem Segelboot an Land stiegen. Er forderte sie auf, stehen zu bleiben. Die Männer kamen jedoch dem Befehl nicht imch und kehrten zu ihrem Boot zurück. Der Beamte gab hierauf einen Warnungsschuß ab und, als dies keinen Erfolg hatte, schoß er scharf. Der Beamte hat erklärt, daß er die Männer für Schmuggler gehalten habe.

Englischer Kriegöschiffbesuch auf Samos

Athen, 17. Juli-

In Tigani auf der Insel Samos trafen ohne vorherige Anmeldung mehrere englische Kriegs­schiffe ein. Am Mittwoch wird noch das Schlacht­schiffSovoreign Elizabeth" mit Admiral Fishe an Bord erwartet. Das Einlaufen der Kriegs­schiffe dürfte vermutlich mit der Erschießung eines englischen Offiziers durch die Türken in Verbin­dung stehen.

Deutsches Werbebüro in Zürich

Berlin. 17. Juli.

Am Dienstag wurde im belebtesten Teil von Zürich, in der Bahnhofstraße, von der Reichs­bahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr (RDV.) ein neues deutsches Werbebüro eröffnet. Die RDV. setzt nach der Eröffnung der kürzlich in Amsterdam, Buenos Aires, in Belgrad ge­schaffenen Büros mit diesem neuen Repräsentativ- stützpunkt in der lebhaftesten und größten Stadt der Schweiz den zielbewußten Ausbau der deut­schen Verkehrswerbung im Ausland fort. Das neue Schweizer Büro war nötig geworden, weil die bisherige Vertretung den ständig wachsenden Strom von Anfragen aller Art nicht mehr be­wältigen konnte. Das Büro ist in einem Eckhaus untergebracht und besitzt zwei große mit wir­kungsvollem deutschen Werbematerial geschmack­voll dekorierte Schaufenster, die schon am ersten Tage von Neugierigen und Interessenten in großer Zahl umlagert wurden.

listisch war, der aus Sehnsucht nach einem geord­neten Leben ins Kloster ging und aus diesem Grab nicht den Weg zurück ins Leben fand, eben diese Erinnerungen sind Zeitgeschichte, die uns die ganze Tragik des Menschen im Zeitalter des In­dividualismus und des Liberalismus mahnend vor Augen stellen. Ach, und dieses Buch ist von einer Schwermlltigkeit und Melodik, die empfind­same Herzen müde machen kann. Freilich, die Sprache der Dichterin ist dermaßen durchdacht und kühl und beseelt und durchblutet, daß man über keinen Nebensatz Hinweghuschen darf und vor allem nicht stoff- und neugierig und nach Sensationen lüstern lesen darf.

Aehnlichhistorisch" und doch wieder zeitnahe ist Ricarda Huchs Erzählung nur um noch ein Beispiel hervorzuheben vom Leben des Wonne- bald Pück. Hier hat sich die Niedersächsin in Ricarda Huch durchgesetzt. Mit dem ganz großen Humor der Niedersachsen Wilhelm Busch und Wil­helm Raabe und Fritz Reuter gießt sie auf kirch­liche Institutionen lustige Lichtlein, aber nirgends gibt es eine Plattheit, nirgends verletzt diese feine herrliche Frau, deren Stärke die mütterliche Güte ist. In der Tat, vielfach hat Ricarda Huch die Meisterschaft ihres Erzählens bewiesen und ein­mal auch gezeigt, daß der Stoff der beliebten Krimiiialromane eines Dichters würdig ist, und daß also ein Kriminalroman nicht immer ein platter billiger Gelegenheitsschmöker zu sein braucht. Ihr RomanDer Fall Deruga" gehört zu den besten und wirklich guten Kriminal­romanen, bie, wie es scheint, so gut und literarisch wertvoll nur nordische Schriftsteller schreiben können: man denke an des Norwegers Johan VojerDer Gefangene, der sang", oder an des Kopenhageners Sven ElvestadDer Mann, der die Stadt plünderte",

Im modernen Leben wie in der modernen Kunst", hat Ricarda Huch einmal geschrieben,ist der Liebe zuviel Platz eingeräumt, und es gehört

Überschwemmungskatastrophe in Volen

Kattowitz, 17. Juli.

Bei den Ueberschwemmungen in der Woiwod­schaft Krakau handelt es sich, wie dieKattowitzer Zeitung" berichtet, um eine Katastrophe größten Ausmaßes. Am Donajec und am Poprad wurden die Städte und Dörfer von der Hochwasserwelle überrascht und in kürzester Zeit unter Wasser ge­setzt. Durch die Zerstörung der von Neuländer nach Tarnow und Lianowo führenden Eisenbahnlinie ist Neusandec von der Umwelt völlig abgeschnitten. Besonders hauste das Hochwasser an dem Fluß Kamieneca, dessen Fluten das Städtchen Zalu- bince und die umliegenden Dörfer in wenigen Mi­nuten unter Wasser setzte.

In Zalubince konnten die Einwohner ihre Habe nicht bergen, sondern mußten sich fluchtartig auf die Dächer der Häuser retten. Mehrere Kinder und alte Leute, deren Angehörige sich auf den Feldern befanden, sind ertrunken. Auch in der Ge­gend von Rzeszow hat der Fluß Wislok das Ge­biet zwischen Jaslo und Rzeszow überflutet. Die Eisenbahnverbindung zwischen den beiden Städten ist unterbrochen.

Inzwischen nähert sich der Stadt Rzeszow eine neue Hochwasserwelle. Bei Tarnow stieg der Spie­gel des kleinen Flusses Wontok innerhalb kurzer Zeit um über drei Meter. Von zahlreichen Aus­flügler-Autobussen, die am Sonntag von Krakau nach Zalubinco unterwegs waren, hat man noch keine Nachrichten.

3 Todesopfer eines Racheaktes

Selbstmord des Täters

Bayreuth, 17. Juli.

In Fenkensees bei Seqbothenreuth ereignete sich am Dienstagmittag eine entsetzliche Vluttat. Der 22jährige Fritz Gottfried überfiel den 54 Jahre alten Gastwirt Thomas Beringer, dessen 20jährige Tochter Lina und den früheren Kemeindediener von Seybothenreuth, Andreas Haber. Er stach alle drei mit einem Schlachter- messer nieder. Die Tochter des Gastwirts erhielt einen Riickenstich und war sofort tot, während sich Beringer selbst noch in den Hausflur schleppen konnte, wo er bewußtlos zusammenbrach und ver­schied. Allein Haber gelang es, sich bis zur Woh­nung des Bürgermeisters Werner zu schleppen. Dort brach er bewußtlos zusammen; er konnte nur noch einige unverständliche Worte stammeln und verschied dann ebenfalls.

2n Fenkensees war am letzten Sonntag Kirch- weih. Auch Gottfried befand sich mit auf dem Tanzboden. Er war ziemlich angetrunken und belästigte die Kirchweihgäste so sehr, daß der Gast­wirt ihn schließlich gewaltsam entfernen mußte. Aus Rache dafür hat Gottfried die furchtbare

das zu den bedeutendsten Ursachen und Kenn­zeichen der Kränklichkeit und Schwäche unserer Zeit". Und doch sind die Liebesgedichte, die Ricarda Huch geschrieben hat, die also nicht nur eine Historikerin ist von. Format, sondern auch eine blendend begabte Erzählerin und die größte Lyrikerin unserer Zeit, das Kostbarste und Keu­scheste, das wir auf diesem Gebiete heute haben. Mit königlicher Großartigkeit meistert sie das Edelerz der deutschen Sprache und schlägt auf der zartbesaiteten Harfe ihrer Frauenseele Akkorde an, die von berauschender Macht sind:

Wo hast du all die Schönheit hergenommen, Du liebes Angesicht, du Wohlgestalt!

Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen.

Weil du die Jugend hast, wird alles alt,

Weil du das Leben hast, muß alles sterben, Weil du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort, Weil du vollkommen bist, ist sie ein Scherben, Weil du der Himmel bist, gibt's keinen dort!"

Man hat gesagt, diese Lyrik sei zu gedanken­schwer, zu sehr überladen, oder sie sei bewußt kühl und kalt. Nun, kann man viele Gedichte nennen, die gleich unmittelbar ansprechen und von jedem Leser so verstanden und miterlebt

werden wie dieses hier:

Seit du mir ferne bist,

Hab' ich nur Leid,

Weiß ich, was Sehnsucht ist Und freudlose Zeit.

Ich hab' an dich gedacht Ohn' Unterlaß,

Und weine jede Nacht Nach dir meine Kissen naß.

. Und schließt mein Auge zu Des Schlafes Band,

So wähn' ich, das tust du Mit deiner weichen Hand."

Bluttat begangen. Als ihm bewußt wurde wa- er angerichtet hatte, stürzte er sich in einen am Rande der Ortschaft gelegenen Weiher. Ein ^ der Nähe arbeitender Ortsbewohner zog ihn an­dern Wasser, Gottfried lief jedoch in die Scheune seines Dienstherrn und erhängte sich dort.

Der Urheber des Warener Walöbranöes

zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

Waren (Miiritz), 17. Ju,z Vor dem hiesigen Schöffengericht unter den, Vorsitz des Amtsgerichtsrates Dr. Poll hatte sich am Dienstagmittag der Schäfer Wilhelm Ist« aus Charlottenhof wegen fahrlässiger Brand­stiftung zu verantworten. Jörß, der aus der llm tersuchungshaft vorgeführt wurde, ist geständia am Sonnabend, dem 7. Juli, vormittags, während er die zum Eutt Charlottenhof gehörigen Schaß hütete, sich eine Pfeife mit einem Streichholz an­gezündet und das brennende Streichholz in das Gras geworfen zu haben. Er will das Streich­holz ausgetreten haben und in der Meinung, dax es verlöscht sei, weitergegangen sein. Erst durch das mit rasender Geschwindigkeit um sich greifende Feuer, das er zu löschen versuchte, will er auf das von ihm angerichtete Unheil aufmerksam gewor­den sein. Der Angeklagte wurde wegen seiner groben Fahrlässigkeit, durch die Millionenschaden entstanden ist, zu der gesetzlichen Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis verurteilt.

. Auftreten des Kartoffelkäfers beseitigt

Stab-, 17. Juli.

Auf einem Acker im Stadtbezirk Stade hat sich der Kartoffelkäfer gezeigt. Es handelte sich im einen kleinen Befallsherd, der erst im Entstehe: begriffen war. Durch sofortiges Eingreifen des Bekämpfungsdienstes wurde nach der Anweisung der Biologischen Reichsanstalt unter Einsatz von SA, Freiwilligem Arbeitsdienst und Erwerbs­losen die Gefahr wieder vollkommen beseitigt. Nicht nur der kleine Acker, aus dem die Insekten aufgetreten waren und der noch nicht einen Morgen groß war, sondern auch die umliegenden Kartoffelschläge von insgesamt acht Morgen Größe wurden vorsichtshalber vernichtet. Der Boden wurde mit 30 000 Liter Rohbenzol und Schweröl getränkt. Die Umgebung ist un­verzüglich genau abgesucht und schädlingssrei befunden worden. Sicherheitshalber werden die Kartoffelfelder in einem Umkreis von zwei Kilo- meter mit Vleiarsenat bespritzt. Die ganze Gegend ist unter Ueberwachung gestellt. Die Tilgungsaktion war innerhalb von sechs Tagen beendet.

Ausschluß aus SA. kommt ins Führungszeugnis §

Berlin, 17. Juli./ Der preußisch« Innenminister hat, wie das Ndz. meldet, an alle Polizeibehörden einen Runderlaß gerichtet. Darin wird bestimmt, daß, soweit von SA.-Formationen den Ortspolizei­behörden Mitteilungen von dem Ausschluß eines SA.-Mannes aus der SA. gemacht wird,dies« Ausschluß in den zum Zwecke des Eintritts m die Reichswehr, Polizei und in die SA.- und SS.-Formationen sowie in den Arbeitsdienst auszustellenden Führungszeugnissen zu vermer­ken ist.

Drei von vier Kommunisten, die sich am Sonn­abend an dem Demonstrationsvevsuch vor der Londoner deutschen Botschaft beteiligt hatten, sind vom Polizeigericht wegen beleidigenden Benehmens und Ruhestörung zu 40 Schilling verurteilt worden.

Der litauische Außenminister nach Moskau ein­geladen. Aus Einladung des Außenkommissar; Litwinow wird sich der litauische Außenminister Losiraitis am 1. August nach Moskau begeben.

Druck uuä VcrlvL! H8.-6uuvsrIus tVcsci-Kws 6. m. b. U LvcisulsUsrlussuux Lreiueu, Vertun Uer Lremei Asltuuk. VerluAsätrektor: Or. klurtiu Ksbo,

Lrsureu. Asuptsckriktletter: I'ruue Luorr. vertroter: LuUolk IlüIIsr. ckck vom vienU; Iv u r t leese. Veruutrvortltcli kür NllüeiiMltN; RuckollklüIIsr; kür Innenpolitik: Lurt T ees«. kür IVlntscünktKpolitlk, Duuüet unci LcülkkLÜrt: Dr. U. Heturicti ttriukmullu; kür tiremisekcs, ^crnoines nno IteimutbeilsAe: N. K. bück mann- Nette; kür VrovlNL 1. V. 12. K. 8 o k m 1 ü t; ,'iir Kulturpolitik uuä tllltertiultuus: t. V.: I'rerr

Kuorr; kür 8pnrti Kurt Veexe; kür tZevexuüN; KIsnr. Knarr; sümtlted !ll Lremeu.

Vorunt-vortlieiier Lueetseulstter: Kurt L. Ksl»e. Rremsn. O.N.VI. 3k: 33 3S7. Kür unverlangt slusesaum« klauuekrlptv vircl keine üev/Lür üüeruomws».

Das Lebenswerk dieser Dichterin ist umfang­reich und groß. Und wenn die Unerschöpflich^ ein Merkmal künstlerischer Größe ist, dann Ricarda Huchs Werk unsterblich wie das Werk großer deutscher Dichter. Es ist ein Werk, in dein mau immer wieder Entdeckungen machen kann. Wer sich einmal den Zugang zu diesem Werks er­obert und erarbeitet hat, wird es lieben und die Dichterin verehren als eine Frau, die unserer Zeit geschenkt wurde, das heilige Herdfeucr des Schönen, Wahren und Guten, das heilige natio­nal: Herdfcuer der menschlichen Gesittung »» hüten, wie es Frauen zu tun geziemt. sse

Die älteste Fotografie gesunden?

In diesen Tagen fand mau in der engli­schen Grafschaft Wilt in einer Kirchen- sakristet die älteste bisher bekannte Fotografie. Sie stellt ein Kirchenfenster dar. Fox Talbot hat die Aufnahme im Jahre 1835 gemacht. Rund hundert Jahre ist also die älteste Foto­grafie der Welt alt. Diese Nachricht muß jedoch insofern mit einem gewissen Vorbehalt aufge­nommen wenden, als bisher das Erfiudungsjahr der Fotografie mit 1838 festgesetzt wurde, als Dagucrre seine ersten Aufnahmen machte.

Auszeichnungen

lkuiversitätsprofessor John Meier erhielt zu seinem 70. Geburtstage, seiner Verdienste um die deutsche Volkstumskunde wegen, dieGroße Goldene Goethe-Medaille" verliehen. Eeh. Rat Dr. phil., Dr jur. h. c. Ernst Korne- ma nn, der als Professor für alte Geschichte und Direktor des althistorischen Seminars der Universität Breslau vieles für die Verbindung der ungarischen und der deutschen Wissenschaften getan hat, ist von der Philosophischen Fakumtt der Universität Budapest zum Dr. h. c. ernann worden.

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