Ausgabe 
(16.7.1934) Nr. 194
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Nr. 194 / 3 . Metteljahr

19 3 4

Montag, 16 . Juli

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Wten ohne Lieht

Eine kommunistische. „Jubiläumsfeier"

Wien, 15. Juli

Von einem geheimnisvollen Vorgang, der noch der restlosen Aufklärung harrt, wurde in der Nacht zum Sonntag die Stadt Wien betroffen. II Minuten vor Mitternacht setzte plötzlich im ganzen Wiener Stragenetz der elektrische Strom aus. Die Wagen der Straßenbahn blieben auf den Schienen stehen und allenthalben bildeten sich Menfchengruppen, die sich über die möglichen Ursachen dieser Betriebsstillegung unterhielten, gleichzeitig setzte der Wiener Sender aus und in nicht weniger als sechs Wiener Gemeinde- bczirlen, und zwar in den Bezirken 2, 6, 9. 10, 13 und 18 erlosch jede Beleuchtung.

Während zunächst der Verdacht eines schweren Anschlages auf das Wiener Elektrizitätswerk auf­tauchte, sprach man später von einem großen Sabotageakt. Im Verlaufe der Nacht wurde von amtlicher Seite erklärt, daß es sich um die Unterbrechung einer Starkstromleitung nach Wien handele. Es liegt die Vermutung nahe, daß eine der Starkstromleitungen nach Wien durch einen Spreng st osfanschlag beschädigt wurde. Der Wiener Sender konnte nach verhältnismäßig lurzer Zeit wieder in Betrieb genommen wer­den, während die Straßenbahnen vorerst stromlos blieben.

Des Rätsel Lösung ist möglicherweise in einem „Jubiläum" zu suchen, das die Kommunisten am Sonnabend feiern konnten. Am 14. Juli jährte sich nämlich zum siebenten Male der Tag, an dem die Kommunisten den Wiener Justiz­palast in Brand steckten. Man glaubt daher in maßgebenden Kreisen, daß die Kommunisten aus diesem Anlaß den Sabotageakt an der Stark­stromleitung ausgeführt haben. Die notwendigen Arbeiten, die Stromstörungen durch Umschaltung zu beseitigen, sich umgehend in Angriff genom­men worden. Die Wiener Polizeidirektion war übrigens ebenfalls eine Zeitlang ohne Strom.

FahnenwePe der Langemarü- GMrmer in Berlin

Berlin, 15. Juli.

Im Lichthof des Zeughauses wurde am Sonn- iagvormittag eine Fahne der Ortsgruppe Berlin des ehemaligen 26. Reservekorps, des sogenannten Erünen Korps, geweiht. Kaum 100 Mann um­faßt diese Ortsgruppe, es sind die letzten Ueber- lebenden jener todesmutigen blutjungen Kämp- ser, die am 21. Oktober 1914 zum ersten Sturm auf Langemarck antraten.

Exz. Freiherr von Matter, der letzte Kommandierende General des 26. Reservekorps, hielt vor den überlebenden Langemarck-Stürmern und Vertretern der Behörden, der Partei und der nahestehenden Verbände inmitten der Fahnen- abordnungen der Studentenschaft, der NS.- Kriegsopferversorgung und des Kyffhäuserbundes die Weiherede.

Dr Ortsgruppenführer, Pg. Viergutz, ge­lobte, daß die Fahne immerdar beim Führer stehen würde. Anschließend fand ein Helden­gedenken am Ehrenmal statt.

Wieder auf der Heimfahr»

London, 15. Juli.

Mit klingendem Spiel liefen die beiden deut­schen Kreuzer „Leipzig" und „Königsberg" nach ihrem viertägigen Besuch im Hafen von Ports- mouth wieder zur Rückkehr nach Deutschland aus. 500 Mitglieder der deutschen Kolonie Englands Pilgerten bereits am Sonntagmorgen nach Ports- mouth, wo sie auf den deutschen Schiffen empfan­gen und bewirtet wurden. Viele von ihnen wohnten einem deutschen Gottesdienst an Bord der „Leipzig" bei. Auch der deutsche Marine- llttachs in London, Kapitän z. S. Waßner, sowie der Landesgruppenführer der NSDAP. in Eng­land, Pg. Vene, waren bei der Abfahrt anwesend. Als die Schiffe den Hafen verließen, wurde ihnen von den vielen Deutschen sowie von Hunderten am Ilfer versammelter Engländer ein begeisterter Abschied zuteil.

Kopenhagen, 15. Juli

Der deutsche Flottentender „Heia" ist am Sonn­tag in Kopenhagen eingetroffen und hat um b Uhr an der Langelinie unweit der Liegestelle der deutschen Torpedoboote festgemacht.

Tempelbrand in Güdinöien

L9 Tote, 49 Schwerverletzte

Simla, 15. Juli.

2n- einem Tempel in Südindien kam es wäh­rend des Gottesdienstes zu einer furchtbaren Brandkatastrophe. Ein Teil der gottesdienstlichen Handlung bestand in dem Werfen brennender Stossbiille. Hierdurch sing das Tempelgebäude Feuer und brannte so schnell nieder, daß sich nur wenige der Eottesdienstbesucher unversehrt in Sicherheit bringen konnten. 39 Personen ver­brannten, während 49 schwere Verletzungen er­litten.

Sven Sedin in Sicherheit? Der schwedische Forscher Dr. Sven Hedin befindet sich nach ,n ?ei ping eingelaufenen Meldungen in Sicherheit. Er hält sich zurzeit in Urumtschi auf.

Generalstreik in Gan Franzisko

Lebensmittelrufuhr bedroht / sooo Nationalgardisten in Alarmbereitschaft

Sän Franzrsko, 15. Juli Nachdem der von Präsident Roosevelt eingesetzte Schlichtungsausschuß vergebliche Vermittlungsver­suche gemacht hatte, beschloß der Streikausschuß in Sän Franzisko in einer am Sonnabendabend ab­gehaltenen Sitzung den Generalstreik, der am Montag beginnen soll. 83 stimmberechtigte Ge­werkschaftsvertreter sprachen sich für den General­streik aus und nur drei dagegen. Der Streikbeschluß besagt, daß diejenigen Gewerkschaften, deren Mit­glieder bereits für den Streik stimmten, am Mon­tag mit dem Streik beginnen sollen und daß die übrigen Gewerkschaften schnellstens eine Streik­abstimmung herbeiführen sollen. Es ist anzuneh­men, daß auch die wenigen Verbände, deren Ver­treter zunächst gegen den Streikbeschluß stimmten, sich für die Beteiligung am Generalstreik aus- sprechen würden. Damit würden in Sän Franzisko 65 899 organisierte Arbeiter und in den benachbar­

ten Hasenstädten 35 999 Arbeiter von dem Streik­beschluß betroffen werden.

Die Gesamtlage in Sau Franzisko muß nach diesem Beschluß als sehr gespannt bezeichnet wer­den. Die Hafengegend wird von 2666 National- gardisten scharf bewacht. 4606 weitere National­gardisten werden in Reserve gehalten, um sie im Falle von Ausschreitungen oder ernsteren Er­eignissen sofort einsetzen zu können. Mehrere Restaurants haben ihre Betriebe bereits ge­schlossen. Die Hotels sind nur für zwei Tage mit Lebensmitteln eingedeckt. Die Lebensmittel­geschäfte haben den Verkauf eingeschränkt. Tau­sende von Kraftfahrzeugen liegen wegen Mangel an Benzin still. Für die Polizei, die Feuerwehr und die lebenswichtigen Betriebe ist behördlicher­seits ein Benzindepot eingerichtet worden.

Noch am Sonnabendabend wurden 599 Hilss-

Anzeigen-tSrundpreist: Die W-ww.Z-iie im Anzeigenteil ,2 Rp,.. die TV-ww.Zeile im Terttei 7L Np,. Ermäßigte Grundpreise stur kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen taut Preisliste I (Aachlaßstnsiel Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß I« Uyr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich >

Einzelpreis 15 Kpf. MichSfeflspiele eröffnet

Heidelberg, 15. Juli.

In Anwesenheit des Gauleiters und Reichs­statthalters Wagner wurden am Sonntagvormit­tag im Hof des Heidelberger Schlosses die Reichs fest spiele 1934 feierlich eröffnet. Der Leiter der Landesstelle für Volksaufklärung und Propaganda, Pg. Moraller, eröffnete die Kundgebung unter dem Hinweis, daß hier in ganz großem Rahmen gezeigt werden solle, was der Nationalsozialismus auf kulturellem Gebiete will. Nach der Egmont-Ouvertüre sprach der Präsident der Reichstheaterkammer, Ministerial- ratOttoLaubinger. Er stellte an die Spitze seiner Ausführungen die Worte des Führers — die dieser auf dem letzten Parteitag gesprochen hat —, daß es gerade in einer Zeit wirtschaft­licher Nöte und Sorgen wichtig sei, allen Men­schen klarzumachen, daß es auch noch höhere Werte gibt. Laubinger wies u. a. darauf hin, daß die

Polizisten eingestellt. Der Gouverneur hat die Staatspolizei beauftragt, besondere Vorsichts­maßnahmen zu treffen, um die Lebensmittel­transporte auf den Zufahrtstraßen nach Sän Franzisko vor den Streikenden zu schützen. Der Bürgermeister der Stadt, Rossi, erklärte, daß er von den Rechten, die ihm der Notstand gebe, un­umschränkt Gebrauch machen werde. Uebrigens haben auch die 4999 Angestellten einer der bei­den hiesigen Straßenbahngesellschasten, die Mar- ketstreet-Railway, die etwa 59 Zweiglinien hat, den sofortigen Ausstand beschlossen.

In Sän Rasael, das etwa 49 Kilometer nörd­lich von Sän Franzisko liegt, hat die Polizei ein in einem Privathaus verstecktes Dynamit­lager, das 125 Stangen Sprengstoff und 290 Sprengkapseln enthielt, ausgehoben. Eine Per­son wurde verhaftet.

Leder soll Kleinsiedier werden!

Werbekundgebung der deutschen Kleingärtner und Kleinsieöler auf dem Lempelhofer Feld

Berlin, 15. Juli

Im Rahmen des Festes der deutschen Rose fand am Sonntagnachmittag auf dem Tempsl- hoser Feld eine Werbekundgebung des.R.eichs- bund es der Kleingärtner und Klein- siedler Deutschlands statt. In allen Städten Deutschlands marschierten zur gleichen Zeit die Kleingärtner und Kleinsiedier aus, um die Rundfunkübertragung vom Tempelhofer Feld zu hören. Vor der für die Kundgebung aufge­bauten Fahnentribüne strömten in acht Zügen die zu einer einheitlichen Organisation zusam­mengefaßten Kleingärtner und Kleinsiedlsr zusam­men. Die Teiluehmerzahl betrug rund 150 600. Der Führer des Reichsbuudes der Kleingärtner und Kleinsiedier Deutschlands, Dr. Kammler, sprach seine Freude darüber aus, Vertreter des Reiches, der Länder, der Stadt, der SA., SS., des Reichsnährstandes, des Reichsheimstätten- amtes, der NSV. sowie der befreundeten Ver­bände und Organisationen begrüßen zu können. Er sehe darin eine Anerkennung der deutschen Kleingärtner- und Kleinsiedlerbewegung und der vom Reichsbund geleisteten Arbeit. Der Redner gab dann einen Ileberblick über die dem Reichs- Lund im Jahre 1933 gestellten Ausgaben.

Reichskommissar Staatssekretär Feder, der dann das Wort ergriff, erklärte einleitend, die Werbekundgebung betrachte er als spontanen Ausdruck des Willens, der Öffentlichkeit zu zei­gen, wie weite Kreise des Volkes von der Klein­gartenbewegung schon ergriffen sind. In der un­ermüdlichen Sorgfalt, die die Kleingärtner ihren

Gärten widmen, bekunde sich die Liebe zur Heimaterde, der Wille zur Ordnung und das Erwachen der deutschen Rassen- seele ip ihrer Blut- und Erdverbundenheit. Es liege darin zugleich ein Protest gegen Marxis­mus und Bolschewismus, gegen Chaos und Un­ordnung und gegen das Hausen in Mietskasernen und Hinterhäusern, Dieses Streben sei für den Staatsmann von ganz besonderer Bedeutung. Er brauche diesen richtigen Instinkt nur richtig zu lenken, um die Eroßstadtbevölkerung wieder seß­haft zu machen und ihr das Hsimatgefühl zurück­zugeben.

Der Redner wies auf seinen eigenen Garten am Fuße der Zugspitze hin, der ihm oft genug in den zermürbenden Kampfesjahren mit seinen Nutzpflanzen und seinem Blumenschmuck Ruhe und Erholung gewährt habe. Die Kleingarten­bewegung reiche mit ihren Bestrebungen dem großen Siedlungswerk die Hand, die ein­mal als eine der entscheidenden Großtaten der Regierung unseres Führers geweitet werden dürfte und dessen Endziel die Wied-erver- wurzelung der deutschen Bevölke­rung in der Heimaterde ist. Neue Garten­städte sollen in Deutschland dort erstehen, wo es nach allgemeinpolitischen Gesichtspunkten notwen­dig und erwünscht ist und wo eine dauernde Existenzgrundlage gegeben ist. Die Zahl der Kleinsiedier beträgt zurzeit etwa 1 Million Volks­genossen. „Dies ist," so fuhr der Staatssekretär fort, „in meinen Augen noch viel zu wenig. Erst wenn jeder deutsche Volksgenosse Kleingarten- und

Eigenheimbesitzer ist, wird unser höchstes Ziel erreicht sein." Der Redner schloß:

„Unser Ziel soll sein, aus Deutschland einen blühenden Garten z» machen mit einem sn Frie­den und Eintracht verbundenen Volk, das sroh und freudig seiner Arbeit nachgeht, aber ebenso gewillt ist, die deutsche Scholle zu verteidigen gegen jeden Eingriff von außen. Heil Hitler!"

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Am Sonntag, der dem Hilfswerk „Mutter und Kind" als Tag der deutschen Rose gewidmet war, zog ein großer farbenprächtiger Festzug durch die Straßen der Reichshauptstadt, von Tausenden freudig begrüßt. Sinn dieses Festzuges war, die Rose im deutschen Kulturleben darzustellen. An der Spitze und am Schluß des Zuges marschierten SA.-Kapellen. Gegen 1900 Männer, Frauen und Kinder wirkten mit, vorwiegend Junggärtner und Blumenbinderinnen. Den Festzug eröffnete eine Gruppe von Germanen. Prunkwagen mit Sinn­bildern der verschiedenen Jahrhunderte folgten. Die „Minneburg" umgaben Damen vom Ballett der Staatsoper, die vor dem Schloß und vor der Reichskanzlei eine Tanzpantomime aufführten. Den Glanzpunkt des Zuges bildet« wohl der Wa­gen von „Mutter und Kind". Bor und hinter ihm schritten kleine Mädchen, mit Rosen geschmückt. Auf dem Wagen saß unter einem Thronhimmel von Rosen die glückliche Mutter mit einer Schar von lieblichen Kindern. Die Veranstaltung war von schönstem Sommerwetter begünstigt.

Lm Zeichen der „paktomanie"

Wettere Glimmen gegen Barihouö Ostlocarno

Paris, 15. Juli

Außenminister Barthou begab sich am Sonntag in Begleitung des polnischen und des portugiesi­schen Botschafters und des portugiesischen Militär­attaches nach Bayonne, um bei der Einweihung von Gedenktafeln für die auf französischer Seite gefallenen polnischen und portugiesischen Kriegs­freiwilligen am Kriegerdenkmal in Va- yonne die Regierung zu vertreten. Bei der Feier erklärte er u. a., er habe bei einer Reise nach der Front im Jahre 1917 die Disziplin der portugiesischen Armee feststellen können, die ihr Blut vergossen habe einzig und allein deshalb, um für die Freiheit, Gerechtigkeit und Zivilisation zu kämpfen (!), Begriffe, die in Schande unter­gegangen wären (!!), wenn Frankreich und seine Verbündeten bei diesem großen Kampf« besiegt worden wären.

Frankreich und seine Verbündeten hätten für die Sicherheit und im absolutesten Sinne für die Ehre der Welt (!) gekämpst. Der Friedensbegriff lasse sich für den Franzosen nicht von der Würde Frankreichs und von der Sicherheit trennen. (Diese agressiven, völlig abwegigen Redewendun­gen sind um so unverständlicher, als sie im auf­fallenden Gegensatz zur Politik freundschaftlicher Zusammenarbeit aller europäischer Staaten steht, die der französische Außenminister angeblich seinen Paktvorschlägen zugrunde legt. Die Schrift!.)

Der französische Außenminister warf dann die Frage auf, was eintreten würde, wenn der fran- zösischerseits angeregte Ostpakt nich°t Zustande­kommen würde Mögen doch alle Länder auf die Stimme Englands und aus die Stimme Frank­reichs hören, so rief er aus. Er könne dem pol­nischen Botschafter die Versicherung geben, daß

der in Aussicht genommene Pakt keinesfalls Freundschastsbeziehungen mindern oder den Geist, die Bedingungen und die Folgen des polnisch- sranzösischen Bündnisses verändern könne.

Paris, 15. Juli.

Nach der Stellungnahme Englands und Italiens zugunsten einer weiteren Verfolgung der Ostlocarno-Pläne fragt man sich in Pariser politischen und journalistischen Kreisen immer mehr, welche Haltung Deutschland und P o - l e n einnehmen werden. Das Oeuvre bringt als einziges französisches Morgenblatt die „Enthül­lung, daß der Quai d'Orsay mit der Warschauer Außenpolitik gar nicht zufrieden sei. In Paris sei es übel vermerkt worden, daß die polnische Regierung gegenüber dem Ostlocarno-Plan eine kritisch abwartende Haltung einnehmen wolle. In einem langen außenpolitischen Artikel glaubt Oeuvre annehmen zu können, daß Deutschland die Ostlocarno-Pläne ablehnen werde, da es der fran­zösisch-russischen Annäherung in Osteuropa keine neuen Entwicklungsausstchten erschließen wolle. Polen weiche dem Ostpakt aus; das habe der pol­nische Botschafter in Paris dieser Tage dem fran­zösischen Außenminister mitgeteilt. Zum ersten Male habe daraufhin Barthou zu dem polnischen Botschafter in ziemlich bestimmten Wendungen gesprochen.

Trotz aller französischen Zuneigung zu Polen müsse man leider feststellen, daß die Franzosen in allen Hauptstädten der Welt — mit Ausnahme Londons — ein polnisches Gegenspiel vorfänden, so in Prag, Bukarest, Belgrad, Budapest und Rom. Die polnische Haltung habe aus die unterrichtete» Kreise in Paris tiesen Eindruck gemacht. In diesen Kreisen stehe man aus dem Standpunkt, daß Frankreich, wenn Polen an seiner Auffassung

festhalte, sich eines Tages fragen müsse, ob es an­gebracht sei, gewisse 1921 mit Polen abgeschlossene Verträge in einer für Frankreich so Verantwor­tungsschweren Form beizubehalten.

Der „Figaro" zweifelt an dem Wert der Ost­locarno-Pläne und sagt, daß die Heranziehung Rußlands das System nur schwäche. Vielleicht ar­beite man dadurch nur den Leuten in England und Italien in die Hände, die sich von den ihrer Ansicht nach allzu bestimmten Verpflichtungen des alten Locarno-Vertrages dadurch freimachen woll­ten, daß sie gern die Gelegenheit benutzten, diese Verpflichtungen in einem erweiterten und weni­ger- bestimmt gehaltenen Ostlocarno-Vertrag zu verwässern. Auch der „Quotidien" ist skeptisch, weil London die französischen Bestrebungen ledig­lich ermutige, aber keine Verantwortung über­nehme,

„Die alte Kombination von 1914"

London, 15. Juli

In der englischen Sonntagspresse werden nach der ursprünglich einmütigen Zustimmung bereits erhebliche Zweifel an dem französisch-russischen Ostlocarno-Plan geäußert

Der englische Zeitungsmagnat Lord Veaver- brook greift im Sunday Expreß den Paktplan, der von den Mächten der Dunkelheit ausgeheckt worden sei, scharf an, „Er bedeutet nichts an­deres," so sagt er, „als die alte Kombination von 1914. Der einzige Zweck des französisch-russischen Bündnisses ist der, Deutschland zur Einhaltung des Versailler Vertrages zu zwingen. Aber die Aufrechterhaltung des Versailler Vertrages geht England nichts an. England glaubt, daß die gebietsmäßigen Klauseln des Ver­sailler Vertrages ungerecht und unhaltbar sind und sicher geändert werden. Trotzdem verpflichten wir uns erneut, für einen Vertrag zu kämpfen, der ein ungeheuerlicher und unerträglicher Akt der Unterdrückung ist."

Gauleiterbesprechung in Berlin

d48X, An Anwesenheit des Führers, seines Stellvertreters Nudols Heß, des Reichsbauern- sührers Darre sowie zahlreicher anderer Reichslei­ter der Partei fand gestern in Berlin eine Be- spechung der Gauleiter der NSDAP. statt, die sich mit agrarpolitischen und organisatorischen Fragen befaßte.

Reichsfestspiele ein sichtbarer Ausdruck des künst­lerischen, schauspielerischen Schaffens des deut­schen Volkes, für alle Deutschen und über die Grenzen Deutschlands hinaus sein sollen. Sie bildeten die Fortsetzung der im letzten Jahr so tatkräftig betriebenen Pflege des deut­schen Theaters. Im neuen Aufbau sei der Grundstock für ein neues deutsches Theater ge­schaffen worden. Nicht die Höchstleistung einzelner werde unterstützt, sondern aus der Fülle der rei­chen Begabungen solle sich das deutsche Genie entwickeln. Der Sinn der Reichsfestspiele sei: Dem großen Genie schauspielerischer Gestaltung Gelegenheit zum Zusammenwirken mit den noch jungen Berufskollegen zu bieten.

Im Namen der badischen Staatsregierung sprach Staatsminister Dr. Schmidthenn.er den herzlichen Dank dafür aus, daß eine Stadt des badischen Landes für die Reichsfestspiele aus­erkoren wurde. Die Reichsfestspiele seien eine An­gelegenheit des ganzen deutschen Volkes. Der Ausdruck der neuen Volkskultur, der neuen Volkskunst, der hier zur Gestaltung komme, müsse zurückstrahlen auf das ganze deutsche Volk und bei den fremden Gästen einen Eindruck von dem Ringen des neugeborenen Volkes hinterlassen. Nach einer Ansprache des Heidelberger Ober­bürgermeisters gab Pg. Moraller ein Telegramm an den Führer und an den Schirmherr» der Reichsfestspiele, Reichsminister Dr. Goebbels, be­kannt und erklärte mit einem Sieg-Heil auf unsere Kunst, unser deutsches Volk und unseren Führer Adolf Hitler die Reichsfestspiele für er­öffnet.

Dr. Leu in Güöwestdeutfchland

Lörrach, 15. Juli.

Der Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiter der PO., Dr. Ley, sprach am Sonn­abend in Lörrach auf einer Massenkundgebung der Deutschen Arbeitsfront, zu der wohl mehr als 30 009 Menschen aus dem ganzen Erenzland zu­sammengekommen waren. Bon besonderem Ein­druck war die Begrüßung Dr. Leys auf dem Schauplatz der Veranstaltung durch Trachten­abordnungen aus den Heimatgauen des Landes, Rebland, Webland und Schwarzwald sowie durch Vertreter der fünf Hauptberufe.

Dr. Ley rechnete in der etwa zweistündigen Rede scharf mit den Parteien und dem vergange­nen System ab, das statt eine Volksgemeinschaft herbeizuführen, nur Parteihaß gepredigt habe. Die heutigen Führer des Volkes seien bestrebt, die Volksgemeinschoft zu sch-affen, und vie­les sei schon erreicht. Der Nationalsozialismus unterscheide sich eben von dem früheren System auch dadurch, daß er nicht Versprechungen mache, sondern sich um das Volk und sein Wohl und Wehe kümmere. Die Arbeit der Führer aber sei umsonst, wenn nicht das Volk selbst in Glauben und Vertrauen zu seinem Führer helfe, bessere Lebensbedingungen in einem freien Deutschland für alle zu schaffen. Das Volk habe aber auch das Recht auf die Forderung, daß seine Führer

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