Ausgabe 
(14.7.1934) Nr. 192
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Nr. 192 / 3. Vierteljahr

Sonnabend, 14. Juli

Einzelpreis 12 Rps.

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Der Führer über die Verschwömng

Selbst der Mörder war schon gedungen, der Hitler beseitigen sollte / 77 Verräter starben des schimpflichsten Todes

Die Schande getilgt

bl L. Vremeir, 13. Juli

Klopfenden Herzens hat gestern das deutsche Volk in der Reichstagssitzung vom 13. 2uli die Rede des Führers über die Ereignisse des 30. Juni entgegengenommen. Gewiß, man war aus manch' ungeheuerliche Tatsache vorbereitet, aber die Geschichte der Verschwörung in ihren Ein­zelheiten war so erschütternd, daß den. ehrlichen Deutschen Scham und Entsetzen packten. Soviel sittliche Verwahrlosung von Männern, die die po­litische Laufbahn in höchste Aemter gesetzt hatte, und die nicht einen blassen Schimmer von Treu und Glauben in ihren verworfenen, selbstsüchtigen Herzen verwahrt hatten, hätte man wirklich nicht für möglich gehalten. Waren es Narren gewesen, die wie Spieler mit dem Knobelbecher um das Schicksal des Volkes gewürfelt hatten? Narren, ja — soweit es sich um die Durchsetzung von Ideen gehandelt hat, die sich nie erfüllt hätten. Aber die Narrheit war durchsetzt vom Verbrechertum, das einmal nach dem Muster der Hochstapler den an­ständigsten Menschen markierte und das auf der anderen Seite kühl rechnend Tausende von Men­schenleben verbluten lassen wollte, um zur Macht zu kommen.

Was frugen diese Kreaturen danach, ob eine in 1/4 Jahren mühsam aufgebaute deutsche Wirt­schaft mit einem Schlage zerstört werde? Was frugen sie nach dem Schicksal der Bewegung, mit dem dasjenige des deutschen Volkes auf Gedeih und Verderben verbunden war? Macht wollten sie haben. Herrschen wollten sie. Nationalsozialisten gaben sie an zu sein — Bolschewisten waren es, Menschen, die die nationalsozialistischen Grund­sätze längst vergessen hatten. Ihr Machthunger hatte keine Grenzen mehr gekannt. Um ihn zu befriedigen, verrieten sie nicht nur ihren Führer, sie verrieten auch das Volk, ihr Land an das Ausland. Da gab es zwischen ihnen und den roten Novemberlingen von 1918 keinen Unter­schied mehr. Sie waren zu jedem Verbrechen be­reit. Ja, was man nie für möglich gehalten hatte: sie waren entschlossen, selbst den Führer zu er­morden! Der Mordbube war bereits gedungen! Tiefer können Menschen wirklich nicht sinken.

Man kann die innere Erregung verstehen, die den Führer in seiner Re-de ergriffen hat und die aus seinen Worten klang, als er auf diese Einzel­heiten zu sprechen kam. Er, der Mann, der jahre­lang einem Röhm vertraute und ihn in seinen Schwächen deckte, der immer wieder versuchte, die­sen Verräter von seinem Irrweg abzuhalten, mußte schließlich erkennen, welch' Unwürdiger sein Vertrauen schändlichst mißbraucht hatte. Aber wenn diese Elemente geglaubt hatten, gestützt auf dieses Vertrauen, das ein deutscher Mann seinem Freunde entgegenbringen kann, den Führer zum Werkzeug ihrer schändlichen Handlung mißbrauchen zu können, hatten sie die Ehrenhaftigkeit und die eiserne Entschlußkraft des Führers nicht in ihre Rechnung gestellt. Da mußten sie schon aus ganz anderem Holze geschnitzt sein, um den Führer über­rumpeln zu können. Hitler läßt sich nicht von Lum­pen besiegen. Dafür sorgt eine gütige Vorsehung, die auch diesmal wieder rechtzeitig gewaltet hat. So sind denn über 70 dieser Hallunken des schimpf­lichsten Todes gestorben! Mit ihrem Tod ist der Spuk der zweiten Revolution verflogen. Irgendwo eingescharrt als Ehrlose, können nur Verbrecher ihnen noch nachträglich Mitleid entgegenbringen.

Das Volk aber dankt dem Führer für diese Tat und heute, nach der Reichstagsreds, wird es nur wenige noch geben, die von dem ehrlichen Wollen und Wirken des Führers noch nicht überzeugt sind Diese wenigen stellen sich eben außerhalb des Staates. Der Führer hat allen Verirrten die Hand geboten. Seine Liebe zum Volke überwindet selbst die schmerzlichsten und schwärzesten Erinnerungen, überwindet auch Undankbarkeit. Man suche in der Welt einen Mann von gleicher innerer Größe —

man wird ihn nicht finden. Jenes Gelichter, das die Hand gegen den Staat erhob, wollte die „Nacht der langen Messer" im Vlutrausch genießen. Der Führer aber kennt nicht Rache, denn wenn er sich hätte rächen wollen an den Verrätern, dann wä­ren der Opfer bestimmt mehr als über 70 gewesen. »

Ueber die Reichstagssitzung drahtet uns unsere Berliner Schriftleitung folgendes Stimmungs­bild:

Eine einzige uirbewegliche Mauer schwarzer SS.-Uniformen und dahinter eine freudig er­regte, vielgliederige Menge von Volksgenossen aller Altersklassen, aller Berufe und Stände flankieren die Straßen bis zur Krolloper. Man merkt es, daß alle ein einziger Wille beseelt: Den Führer der Treue seines Volkes zu versichern, wenn er hinfährt zu jenem Podium im Reichs­tagssaale, der das Forum sein soll für seine An­sprache an die Nationen der Erde.

KrÄl-Oper! Noch taucht im Sitzungssaal der Kroll-Oper erst vereinzelt das braune Ehrenkleid oder die schwarze Tracht der Volksvertreter auf. Aber von Minute zu Minute füllen sich die Gänge. Auch die Zuschauerplätze werden belegt; langsam schwillt das Gewirr einzelner Stimmen zu jenem tiefen Summen und Brausen an, das erwartungsvolle Spannung anzeigt.

Da sieht man zunächst Pg. Dr. Ley den Saal betreten. Da kommen Pros. Schulze- Naumburg, Reichsstatthalter Rö v e r-Oldenburg: man er­

kennt Alfred Rosenberg. Eben vor draußen jubelnde Rufe, die die Lautsprechermusik über­tönen: Es ist Dr. Frick, der erscheint und seinen Platz in der ersten Reihe der Regierungsbänke ein­nimmt. Man erkennt sie alle, die Kämpfer Adolf Hitlers aus tausend Wahlschlachten, aber auch aus der rastlosen Aufbauarbeit des ersten Jahres nach der Machtergreifung. Sie sind alle da, die Richtung

Frankreichs Vorherrschaft

(Drahtmeldung unserer Berliner Schriftleitung)

Die englischen Botschafter haben soeben namens ihrer Regierung in Berlin, Rom und Warschau die französischen Paktoor- schläge überreicht. Wie wir aus matzgebenden politischen Kreisen erfahren, mißt man die­sem programmatischen Schritt eine außer­ordentliche Bedeutung zu; denn die Zustim­mung Englands zu dem Pakt-System Barthous bedeutet nichts mehr und nichts weniger als die bedingungslose Auslieferung Europas an den französischen Generalstab und einen völligen Bruch mit der bisherigen Methode der englischen Kontinent-Politik, die vor einigen Tagen Lordsiegelbewahrer Eden in seiner großen Rede als unabänder­lich hingestellt hatte.

Drei Verträge sind es, über deren Richt­linien Frankreich, England und Sowjetrutz- land handelseinig geworden sind:

1. der Ost-Locarno-Pakt,

2. das russisch-französische Bündnis,

3. ein Dach-Vertrag, der alle Verträge seit dem Völkerbundspakt mit der franzö­sischen Politik der Zukunft in Einklang bringt.

Zieht man das Faszit aus den verschiedenen Paragraphen, so schält sich folgende Situation heraus: England löst sich völlig vom europäischen Kontinent los, und was Frankreich dafür bezahlt hat, bleibt ein großes Fragezeichen. Die Aner­kennung seiner Hegemonie in Europa ist jedoch eine Tatsache, an der nicht zu deuteln ist. Ruß­land deckt sich durch die Verträge den Rücken in Europa, es kann sich mit aller Kraft dem Fer­nen Osten zuwenden. Auch die Sowjets erkennen die Vorherrschaft Frankreichs an. Frankreich schließlich erhält durch die verschiedenen Pakte das Recht, sich überall in Europa, wo es seine Interessen irgendwie gefährdet sieht, einzumischen und, gestützt aus seine Vertragspartner, mit ge­panzerter Faust auf den Tisch zu schlagen.

Der Eintritt Rußlands in den Völkerbund wird über den Kopf aller übrigen Völkerbundsmitglie­der „beschlossen". Die .Reform" des Völkerbundes wird in der Weise verstanden, daß es zu dem ausschließlichen Instrument der französischen Poli­tik umgestaltet wird. Die Abschnitte 10 und 18

und Programm der Bewegung und damit des Vol­kes bedeuten.

Auch die Tische des Reichstagspräsidiums und der Regierung füllen sich allmählich. Bis auf ein­zelne Mitglieder des Kabinetts sind jetzt alle schon anwesend.

Ein Brausen, ein immer stärker anschwellendes Tosen: Adolf Hitler betritt den Raum, ernst wie immer in großen Augenblicken, aber sicher und überlegen.

Gleich darauf eröffnet Eöring die Sitzung und erteilt dem Führer das Wort. Ueber eineinhalb Stunden spricht der Führer, oft von Beifallsstür­men unterbrochen.

Dieser schlichte Mann, dem das Eiserne Kreuz des Weltkrieges einziger Schmuck bedeutet, der höchsten persönlichen Mut mit unsagbarer Milde, der aber auch stählerne Härte mit unbeugsamer Energie verbindet, dieser schlichte Mann aus dem Volke verkündet die Grundsätze seines Handelns während der schwersten Stunden seines Lebens, als die Existenz des Dritten Reiches auf dem Spiele stand. Jedes seiner Worte, unterstrichen vom Jubel und von der Zustimmung aller vom Schicksal aufs engste zusammengeschweißten Ge­folgschaft, bedeutet Rechtfertigung, bedeutet Er­füllung des großen Führergedankens. Erst jetzt sehen wir, in welch ungeheurer Gefahr Deutsch­land an jenem 30. Juni geschwebt hat und was wir ihm, dem Führer, zu danken haben.

Die Führerrede ist zu Ende. Die Beifallsstürme dauern noch minutenlang an.

Und dann ergreift einer der Treuesten des Führers, Hermann Eöring, als Reichstagspräsi­dent das Schlußwort. Auch er unterstreicht die Bedeutung der Tat des Führers und gibt der denkwürdigen Sitzung mit einem Treugelöbnis den wuchtigen Abschluß. Spontan setzt das Horst- Wessel-Lied ein: SA. marschiert...

des Völkerbundsstatuts, die sich mit der Garantie der Grenzen und der Möglichkeit von Sank­tionen befassen, werden zugunsten der neuen Paktverträge abgeändert bzw. durch diese ersetzt. Das West-Locarno, über dessen Grenzen hinaus England jede Bindung am kontinentalen Zu­stande bisher ablehnte, wird durch die Einschal­tung Rußlands erweitert. Der Ost-Locarno-Ent- wurf sieht keinerlei schiedliche Regelungen im Falle von Streitigkeiten vor, sondern bestimmt schlechthin gegenseitige Unterstützung im Kriegs­falle.

Das ganze System ist aufgebaut nach militä­rischen Gesichtspunkten und konsolidiert die Vor­macht des französischen Grneralstabes und damit der stärksten europäischen Militärmacht.

Es wird sich fragen, was — von Deutschland einmal ganz abgesehen — Italien und Polen dazu sagen werden; Staaten, die ihrerseits in dem „Einmarschrecht in den Völkerbund" eine Brüskierung ihrer Interessen erblicken, anderer­seits eine Vormachtstellung Frankreichs in Europa und im Mittelmeer nicht dulden können. Es wird sich ferner fragen, inwieweit die Zukunfts­Vertragspartner ihren Standpunkt moralisch ver­treten wollen, der sich gründet auf scharfes Miß­trauen aller gegen alle. Man hatte gehofft, auf dem Wege friedlicher Verständigung von Nation zu Nation allmählich eine Befriedung Europas zu erblicken, so wie es etwa in dem vorbildlichen Verhalten Deutschlands zu Polen vorgezeichnet wurde.

Deutschland hat bisher den Weg zum Frieden in der Schaffung einer Atmosphäre des Ver­trauens und der gegenseitigen Achtung gesehen; es besteht aus den rechtlichen und moralischen Bindungen des Versailler Vertrages, auf Ab­rüstung der hochgerüsteten Staaten und auf Her­stellung der Gleichberechtigung. Das Prinzip Barthous würde alle Grundsätze der politischen und historischen Entwicklung auf den Kopf stellen: es würde Mißtrauen säen und Haß ernten.

Deutschland hat kein Interesse daran, sich neuer­dings wieder zum willenlosen Objekt der franzö­sischen Völkerbundspolitik zu machen. Es will vielmehr die Gewißheit haben, daß Recht und Gerechtigkeit in Europa wieder einkehren. Es will imstande sein, seine eigene Sicherheit zu organi-

Die Rede des Kanzlers

Abgeordnete! Männer des Deutschen Reichstages!

Im Auftrage der Reichsregierung hat Sie der Reichstagspräsident Hermann Göring heute zu­sammengerufen, um mir die Möglichkeit zu geben, vor diesem berufensten Forum der Nation das Volk über Vorgänge aufzuklären, die als eine ebenso traurige wie warnende Erinnerung in unserer Geschichte für alle Zeiten fortleben mögen. Aus einer Summe sachlicher Ursachen und per­sönlicher Schuld, aus menschlicher Unzulänglich­keit und menschlichen Schwächen entstand für unser junges Reich eine Krise, die nur zu leicht von wahrhaft vernichtenden Folgen für eine absehbare Zukunft hätte werden können. Ihre Entstehung und Ueberwindung vor Ihnen und damit vor der Nation klarzulegen, ist der Zweck meiner Aus­führungen. Ihr Inhalt wird ein rückhaltslos offener sein. Nur im Umfange muß ich mir Be­schränkungen auferlegen, die bedingt sind einer­seits durch die Grenzen, die durch das Gefühl der Schande gezogen werden.

Als mich am 30. Januar Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg mit der Führung der neugebildeten deutschen Regierung beauftragte, übernahm die nationalsozialistische Partei einen Staat, der politisch und wirtschaft­lich im vollen Zerfall begriffen war.

Alle politischen Kämpfe des überwundenen frü­heren Zustandes hatten an diesem Zerfall ihren Anteil und damit ihre Schuld. Seit der Abdan­kung des Kaisers und der deutschen Fürsten war das deutsche Volk den Männern ausgeliefert, die als Repräsentanten unserer vergangenen Par- teienwelt diesen Verfall bewußt herbeigeführt oder schwächlich geduldet hatten. Angefangen bei den marxistischen Revolutionären, über das Zen­trum hinweg bis zum bürgerlichen Nationalis­mus konnten alle Parteien und ihre Führer die

sieren und seine Souveränität aufrechtzuerhalten. Es will nicht zum Ausmarsch- und Durchmarsch­gebiet französischer, russischer oder tschechoslowaki­scher Heere im Falle irgendeines Konfliktes in Europa werden. Es will frei sein und sich nicht an einer Paktomanie beteiligen, in der Unsicher­heit, Unfrieden und Gewalttätigkeit beschlossen liegen.

Welchen Nutzen haben sich die drei Großmächte bei ihren Unterhandlungen aus den Pakten für Deutschland versprochen? Wie denkt man die Forderungen, die wir aus dem Versailler Diktat, aus den Völkerbundssatzungen sowie aus der Anerkennung unserer Gleichberechtigung durch die Mächteerklärung herauszustellen berechtigt sind, abzugelten? Was geschieht, um uns Ehre, Freiheit, Sicherheit wiederzugeben? Nichts, gar nichts! Die Politik der Pakt-Systeme aber trägt den Keim des Verfalls, der Zerstörung in sich.

In Berliner politischen Kreisen und in der Berliner Presse, soweit sie schon zu dem eng­lischen Schritt in Berlin Stellung zu nehmen in der Lage sind, ist man nur einer einzigen Ansicht: Daß Deutschlands Politik klar auf dem bisheri­gen Wege geradeaus führt und daß Frank­reichs Paktsystem nicht die Gewähr für den Frieden bietet.

Wie der „Nachtausgabe" aus London gedrahtet wird, gilt es als sicher, daß England den Ein­tritt Deutschlands und Polens zum geplanten „Sieben-Mächte-Pakt" dringend empfohlen hat, während es in Rom für eine wohlwollende Hal­tung Italiens gegenüber dem französisch-russischen Paktplan eintrat. Die Schnelligkeit, mit der diese englischen Vorstellungen erfolgt sind, wird in London besonders vermerkt, und man glaubt an­nehmen zu dürfen, daß die englische Regierung Wert darauf legte, noch vor der Reichstagsrede des deutschen Reichskanzlers ihre Auffassung in Berlin darlegen zu lassen.

Man hat in Paris und wohl auch in London keine allzu großen Hoffnungen auf einen Erfolg dieses Beginnens gesetzt. Das Pariser Blatt „Ouevre" erklärte beispielsweise daß Deutschland das Angebot ablehnen werde. Das zeigt deutlich, wie klar man sich darüber war, daß die von Frankreich vorgeschlagenen Wege der Außenpoli­tik typische Früchte der bisherigen französischen Machtpolitik sind.

Fähigkeit, Deutschland zu regieren, unter Beweis stellen. Endlose Koalitionen gestatteten ihnen, sowohl ihre politischen Künste, wie ihr wirtschaft­liches Können zu erproben. Sie alle haben schmählich versagt. Der 30. Januar war daher auch nicht der Akt der Uebernahme einer Regie­rung aus den Händen einer anderen Regierung, sondern die von der Nation ersehnte endgül­tige Liquidierung eines unerträg­lichen Zustandes.

Diese Feststellung zu treffen ist notwendig, weil, wie die Entwicklung gezeigt hat, in einzelnen Köpfen vergessen worden zu sein scheint, daß sie ja selbst einst die Möglichkeit, ihre politischen Fähig­keiten zu beweisen, in reichlichem Umfange hat­ten. Es ist niemand in Deutschland, der der natio­nalsozialistischen Bewegung vielleicht den Vor- wurf machen könnte, daß sie hoffnungsvollen poli­tischen Kräften den Weg versperrt »der auch nur abgeschnitten hätte. Das Schicksal hat unser Volk aus unerforschlichen Gründen verdammt, 1S Jahre lang als Cxperimentierfeld und zugleich Versuchs­kaninchen für Liese Politiker zu dienen.

Es mag für die Umwelt — in Sonderheit für die uns übelwollende — interessant und erfreulich gewesen sein, diese Experimente zu verfolgen, für das deutsche Volk waren sie aber ebenso schmerzlich wie demütigend. Man blicke doch zurück in diese Zeit und lasse an seinem Auge alle jenen Erschei­nungen vorbeiziehen, die sich als Kanzler des Rei­ches nacheinander ablösten. In welchem Lande wurde die Waage der Vorsehung öfter bemüht, und das Zuleichtbefunden häufiger festgestellt? Nein!

Wir Nationalsozialisten haben ein Recht, es uns zu verbitten, in diese Linie eingereiht zn werden. Am 30. Januar 1933 ist nicht zum soundsovielten Male eine neue Regierung gebildet worden, son­dern ein neues Regiment hat ein altes und kran­kes Zeitalter beseitigt.

Dieser geschichtliche Akt der Liquidierung des hinter uns liegenden traurigsten Lebensabschnittes unserer Nation wurde vom deutschen Volke selbst legalisiert. Denn wir haben nicht als Usurpa­toren, so wie die Männer des 9. November 1918, von der Macht Besitz' ergriffen, sondern nach Rechst und Gesetz die Macht erhalten. Wir haben nicht als wurzellose Anarchisten eine Re­volution gemacht, sondern als Vollstrecker des Willens der Nation das Regime einer Revolte beseitigt. Und wir haben die Aufgabe nicht darin gesehen, uns die Macht durch die Bajonette zu sichern, sondern sie im Herzen unseres Volkes zu gründen und zu verankern.

Wenn ich heute in einer bestimmten ausländi­schen Zeitung lese, daß ich zur Zeit von schweren Sorgen, und zwar augenblicklich von wirtschaft­lichen Sorgen, erfüllt sei, so vermag ich diesem Skribenten nur eine Antwort zu geben: Jawohl, aber Sorge quält mich nicht etwa heute, sondern seit ieher. Wenn es früher die Sorge um unser Volk war, die uns in dem ihm schuldlos aufge- zwungenen Krieg es verteidigen ließ, dann war es nach dem Zusammenbrach, die noch viel größere Sorge um die Zukunft, die uns zu Re­volutionären machte.

Und als wir nach löjährigem Ringen endlich die Führung der Nation erhielten, da ließ uns diese quälende Sorge nicht nur nicht los, sondern im Gegenteil, sie nahm uns bloß noch stärker in ihre Arme.

Man darf mir glauben, wenn ich versichere, daß ich mir in meinem Leben um mein eigenes Schicksal noch niemals Sorgen aufkommen ließ. Allein ich bekenne, daß ich, seit mich das Ver­trauen des Eeneralfeldmarschalls auf meinen Platz gestellt hat, schwer unter der Last der Sorge trage, die Gegenwart und Zukunft unseres Vol­kes uns allen aufbürden. Denn wir haben am 30. Januar nicht einen politisch in Ordnung be­findlichen und wirtschaftlich sanierten Staat über­nommen, sondern ein politisches und ein wirt­schaftliches Chaos, das damals gerade von meinen heutigen Kritikern überhaupt als un- reparabel angesehen und bezeichnet wurde.

Wir aber haben es gewagt, den Kampf gegen diese Erscheinungen des Verfalls auf allen Ge­bieten aufzunehmen. Aus sorgenschweren Tagen und Nächten fanden wir immer wieder die Kraft zu neuen Entschlüssen.

Denn, was auch immer unsere Gegner im ein­zelnen herumnörgeln mögen, selbst sie können nicht bestreiten, daß wir vor den Problemen nicht kapituliert haben, sondern daß wir sie stets mutig zu lösen versuchten und in zabllosen Fällen gelöst haben. Das Ergebnis der anderthalb Jahre nationalsozialistischer Regierung liegt eindeutig und klar vor uns. Es kann in seiner Bedeutung gar nicht gemessen werden durch Vergleiche mit den Zuständen, welche wir am 30. Januar 1933 vorfanden. Nein, wer gerecht sein will, muß unse-

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aus dem Kontinent / Der Standpunkt Deutschlands