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Nr. lyo / 3. Vierteljahr
Donnerstag, 12 . Juli
Einzelpreis 15 Nps.
Regierungsumbildung in Wien
Vier Vortefeuilleö für Dollfuß / Heimwchrkabinett
Der Führer der Wirtschaft, Keßler, abgesetzt
Berlin. 11. Juli.
Der Reichswirtschaftsminister hat den bisherigen Führer der Wirtschaft, Generaldirektor Philipp Keßler, von seinem Posten als Führer der Wirtschaft mit sofortiger Wirkung abberufen. Bis zur endgültigen Regelung ist der stellvertretende Führer der Wirtschaft, Gras von der Goltz, mit der alleinigen Wahrnehmung der Führung der Geschäfte beauftragt worden.
Wie unsere Berliner Schriftleitung dazu erfährt, ist die Amtsenthebung erfolgt, weil Keßler das Vertrauen des Reichswirt- fchaftsministers nicht mehr besaß. Die uneingeschränkten Vollmachten, die Reichswirtschaftsminister Schmitt übertragen erhielt, haben Hn in die Lage versetzt, diesen bedeutungsvollen Schritt zu tun und damit einen neuen Abschnitt der Entwicklung anzubahnen. In Wirtschafts- kreisen der Reichshauptstadt ist man der Auffassung, daß Keßler der Größe seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Man muß von einer Führerpersönlichkeit in so verantwor- tungsreicher Stellung über den Rahmen rein organisatorischer Maßnahmen hinaus wegweisende Planungsarbeit aus allenden Gebieten erwarten, aus denen die Reichsregierung die intensive Mitwirkung der Wirtschaft voraussetzen kann und will.
Gerade in einer Zeit, in der das Devisen- und das Rohstosfproblem — um nur ein Teilgebiet herauszugreifen — hohe Ansprüche an die schöpferisch« Kraft des Wirtschaftsfiihrers stellt, kann die Reichsregierung eines Treuhänders nicht entraten, der über den Dingen steht und der doch zugleich so innig mit den täglichen Aufgaben verwachsen ist, daß von seiner Seite aus nach oben wie nach unten lebendige Impulse gegeben werden können.
In Memel
muß eingegriffen werden!
Die Botschafter der Großmächte beim Reichsaußenminister
Berlin, 11. Juli.
Der Reichsaußenminister hat Dienstagmittag die Botschafter Frankreichs, Englands, Italiens und Japans empfangen, um sie nachdrücklich auf die Verhältnisse im Memel-Gebiet und die Notwendigkeit eines unmittelbaren Eingreifens der Signatarmächte hinzuweisen.
Dr. Goebbels' Auslandsecho
^ London, 11. Juli.
Die Rundfunkansprache des Propaganda- Ministers Dr. Goebbels findet in der englischen Presse große Beachtung. Die Blätter bringen die Verurteilung der ausländischen Pressebericht- erstattung durch Dr. Goebbels stark im Vordergrund und veröffentlichen längere Auszüge aus der Rede. Irgendein sachlicher Versuch, die Feststellungen des Propagandaministers über die auswärtigen Presselügen zu widerlegen, wird be- merkenswerterwelse nirgends gemacht. Soweit eine Stellungnahme vorliegt, läßt sich kaum der gute Wille feststellen, in Zukunft deutschen Angelegenheiten gegenüber mehr Verständnis zu zeigen.
Kreuzei-besuch in Vortsmoulh
Die deutschen Kreuzer „Königsberg" und .Leipzig" sind am Mittwochvormittag zu einem viertägigen Besuch im Hafen von Poitsmouth eingetroffen. Es handelt sich um eine Erwiderung des Besuches der'britischen Kreuzer „Dorsetshire" und „Norfolk" in Kiel im Juli 1931.
Tausende von Zuschauern hatten sich eingesunken, um dem eindrucksvollen Schauspiel beizuwohnen. Auf der „Königsberg" hatte Konteradmiral Kolbe seine Flagge gesetzt. Die „Königsberg" feuerte einen Salut von 21 Schuß für England und einen Salut von 17 Schuß für den Oberbefehlshaber von Portsmouth. Die britischen Land- und Seebatterien erwiderten die Salute. Während die britische Seebatterie auf den Salut für den Oberbefehlshaber für Portsmouth antwortete, wurde auf Fort Blockhouse die deutsche Flagge gehißt. Zufällig lief zu gleicher Zeit die „Bremen" auf der Fahrt nach Southampton in den Solent ein. Kurz nachdem die beiden Kreuzer festgemacht hatten, wurden beim Oberbefehlshaber des Hafens und beim Bürgermeister von Portsmouth Besuche abgestattet.
Die „Königsberg" steht unter dem Befehl von Fregattenkapitän von Schröder, die „Leipzig" unter dem Befehl von Fregattenkapitän Hormel.
Der Zentralvollzugsausschuß der Sowjet-Union beschloß die Bildung eines Volkskommissariats für innere Angelegenheiten unter Einverleibung der OGPU.
Wien, 11. Juli.
Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat am Dienstag namens der Gesamtregiernng dem Bundespräsidenten die Demission der Bundesregierung angeboten. Der Buudespriisident lehnte die Gesa m t demisfion ab, beauftragte aber Dr. Doll- fuß, Vorschlage für die neue Regierung zu machen. Der Bundeskanzler wird folgende Ministerlifte unterbreiten: Regierungschef: Dollfuß mit
Bundeskanzleramt, auswärtige Angelegenheiten, Sicherheitswesen sowie Landwirtschaft und Landesverteidigung; Vizekanzler Starhemberg, Bun- desminister Fey, llnterrichtsminister Schuschnigg, Sozialminister Neustaedter-Stürmer, Finanzminister Bnresch, Handelsminister Stockinger, Justizminister Berger-Waldenegg, Staatssekretär für Sicherheitswesen Karwinsky, Staatssekretär für Aeußeres der bisherige Berliner Gesandte Ingenieur Tauschitz.
Für die Angelegenheiten der inneren Verwaltung wird ein Bundesminister in Vorschlag kommen. Für die Landesverteidigung wird an Stelle
des bisherigen Ministers Schönburg-Hartenstein, der aus privaten Gründen ersuchte, von einer Wiederbetreuung abzusehen, ein Staatssekretär bestellt. Ebenso wird ein Staatssekretär für die Landwirtschaft bestellt werden.
Bundeskanzler Dr. Dollfuß nahm die Rekonstruktion der Regierung vor, um auf diese Weise eine konzentrierte Zusammenfassung der wichtigsten auf die Sicherung von Ruhe und Ordnung bezüglichen Ressorts in seiner Hand durchzuführen. Es soll ohne Verzug eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt werden, die im besonderen eine Erweiterung der auf Sprengstoffanschläge bezüglichen Gesetze und Vorschriften betreffen. Aus den Besitz von Sprengstoffen wird die Todesstrafe gesetzt, sofern nicht innerhalb einer kurz bemessenen Frist die restlose Ablieferung der noch vorhandenen Sprengstoffvorräte erfolgt. Die Bedeutung der Ministerratsbeschlüsse wird durch die Einsetzung eines Generalstaatskommissars für außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen in der Person des Ministers Fey unterstrichen. Es wird bekannt, daß Mussolini den österreichischen Vizekanzler Starhemberg zu einem Besuch nach Rom eingeladen hat. Dieser Besuch soll am 14. Juli, also vor dem Zusammentreffen mit Bundeskanzler
äss natioas" werden, vorausgesetzt, daß auch dessen übrige Mitglieder sich dem französischen Kommando beugen.
Frankreich selbst hat sich nunmehr in aller Form zu dem Standpunkt „Sicherheit durch Aufrüstung" bekannt. Das Militärbündnis mit den Sowjets dürste bereits perfekt sein, die Verhandlungen mit dem russischen Generalstab nähern sich dem Abschluß.
Ueber all dem schwebt das verwirrende Herüber «nd Hinüber der verschiedensten Paktpläne auf allen Fronten. Ostlocarno: das heißt Sicherung der russischen Westgrenze durch Frankreich; Westlocarno: das heißt Garantie der französischen Ostgrenze durch Rußland. Alles andere ist Beiwerk. England löst sich aus dem europäischen Ver- tragsgeschiist und wird durch Moskau ersetzt.
Deutschlands Standpunkt bleibt der gleiche wie bisher: freundschaftliche Verständigung von Volk zu Volk; Abrüstung bis zur äußersten Grenze; Gleichberechtigung Deutschlands gegenüber allen
schauer Reise seien unbedeutend. Dann seien die Reisen nach Prag, Bukarest und Belgrad gekommen. Die Bündnisse, die die Politik Dala- diers und Paul-Boncours in Gefahr gebracht hätten, seien erneuert worden. Zu,den Plänen einest Ost-Locarno und eines Mittelmeerpaktes schreibt das Blatt, es sei zwar gar keine Wahrscheinlichkeit, daß irgendeins dieser unnatürlichen Gebilde wirklich vereinbart werde, aber sie dienten eben inzwischen als taktische Manöver zur Isolierung und zum Druck auf Deutschland sowie zur Schwächung der Stellung Italiens. Barthou bilde sich ein, durch Lancieren die Initiative wiedergewonnen zu haben. Es sei notwendig, daß die gegenwärtigen Führer der französischen Politik endlich begriffen, daß man Pakte nicht mißbrauchen dürfe. Wenn internationale Abkommen überhaupt leben sollten, müßten sie auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit und der gegenseitigen Achtung basieren. Diesen Anforderungen entspreche der Vierer-Pakt, den man ignorieren wolle, der aber sei die einzige Rettung aus dem Chaos.
Frankreichs Ausgaben
Paris, 11 . Juli.
Auf einem Essen, das die Akademie für moralische und politische Wissenschaften gemeinsam mit dem französisch-amerikanischen Komitee zu Ehren des Ministerpräsidenten gab, ergriff Dou- mergue das Wort, um über die Aufgaben Frankreichs in der Welt zu sprechen. Frankreich, erklärte er, lebe in einer umgestürzten Welt, in der die Wohltaten einer langsam gewonnenen Zivilisation von allen Seiten bedroht würden. Seine überlieferungsmäßige Rolle sei daher die, ein allmählich gebildetes Erbe gut zu verteidigen. Das Wichtigste und Notwendigste aber sei für ihn, den Friedenswillen kund zu tun und die I Widerstandskräfte gegen gewagte Unternehmen I zu sammeln.
Dr. Dollfuß, der für Ende Juli in Riccione in Aussicht genommen ist, stattfinden.
Aus der Ministerliste geht, wie weiter aus Wien gemeldet wird, hervor, daß auch die beiden dem Landbund nahestehenden Kabinettsmitglieder, der Innenminister Koerber und der Staatssekretär für Justiz, Elaas, aus dem Kabinett ausgeschieden sind. Der Rücktritt der Bundesminister Ender und Schmitz ist auf die neue Bundesverfassung zurückzuführen, nach der die Funktionen eines Landeshauptmanns mit denen eines aktiven Bundesministers unvereinbar sind. Das neue Kabinett trägt mit dem Ausscheiden der beiden Landbundmitglieder einen ausschließlich christlich-sozialen Heimwehrcharakter. Der neue Justizminister Berger-Waldenegg steht den Heimwehren nah«. Besonders bemerkenswert erscheint die Ernennung dos österreichischen Gesandten Tauschitz zum Staatssekretär für das Aeußere; über die Ernennung seines Nachfolgers auf dem Berliner Posten ist bisher noch keine Entscheidung getroffen. Die Umbildung des Kabinetts in der Richtung einer Verstärkung des christlichsozialen und des Heimwehreinflusses wird allgemein auf bestimmte Gegensätze zurückgeführt, die in der letzten Zeit innerhalb des Kabinetts zutage getreten waren.
Zoumaille...
Gedanken zur Goebbels-Rede am 10. Juli I'. L. Bremen, 12. Juli.
Das Wort „Journaille" ist häßlich. In den Kampfjahren oer nationalsozialistischen Bewegung ist es oft gebraucht worden, um diejenigen Elemente m der deutschen Presse zu kennzeichnen, deren Geistesprodukte sich aus Lügen und übelster Verleumdung zusammensetzten. Heute haben wir es in Deutschland nach der Säuberung des Iournalistenstandes Gott sei Dank nicht mehr nötig, dem deutschen Journalisten gegenüber eine solche Bezeichnung zu gebrauchen. Aber ausgestorben ist die Journaille noch nicht; sie hat sich desto tiefer in der ausländischen Presse festgefressen und ist dabei dick und rund geworden.
Wie diese „Journaille" heute arbeitet, dafür hat in seiner Rundfunkrede am Dienstagabend Dr. Goebbels eine kleine Blüten- lese gegeben. Der ehrliche Deutsche wird, wenn er die Einzelheiten dieser Rede verfolgt hat, sich an den Kopf fassen und sich fragen, wie das eigentlich überhaupt möglich sein kann, daß ein hochintelligenter Mensch, der doch als Journalist mit besonderen klaren Augen und scharfen Ohren die Dinge beurteilen soll, gerade das Gegenteil schreiben kann von dem, was er hört und sieht. Die Frage ist ziemlich einfach zu beantworten: Diese ausländische Journaille schreibt ja nicht das, was sie tatsächlich sieht, sondern nur das, was sie eigentlich in ihrer Phantasie zu sehen wünscht. Jede Ordnung und Sicherheit in Deutschland ist ihr ein Greuel. Das Volk draußen hinter den Grenz- pfählen soll Deutschland nur als eine Stätte des Chaos kennen. So wünschen es die Auftraggeber, von denen sie bezahlt wird.
Der Verleumdungsfeldzug der ausländischen Journaille geht ganz systemvoll vor sich. Man kann drei solche „Feldzüge" gegen Deutschland genau feststellen. Der erste Feldzug war die Greuelpropaganda und Difsa- mierung des deutschen Heeres und Volkes während des Weltkrieges. Dieser Feldzug hat uns vollkommen unvorbereitet getroffen und ist seinen Vätern auch in allen Teilen gelungen. Der zweite Feldzug gegen Deutschland begann mit dem Antritt der Hitler- Regierung, er ist zu einem großen Teil gelungen. Was an diesem Erfolge noch gefehlt hat, sollte der dritte LUgenpropaganda-Feld- zug nach dem 30. Juni bringen. Dieser dritte Angriff ist abgeschlagen worden. Einmal waren die Propagandisten elende Stümper in ihrem Fach, weil ihre Phantasie den harten Tatsachen der Wirklichkeit unterlag, und zweitens stießen sie bei uns auf Gegner, denen sie in keiner Form gewachsen waren. Dr. Goebbels tötete diese Journaille vor aller Welt am Dienstagabend mit den Waffen des Spottes und des Hohns. Noch nie hat sich die internationale Journaille so unsterblich lächerlich gemacht, wie nach dem 30. Juni. Wenn die Schreiberlinge dieser Presse Männer von Ehre wären, würden sie ihren Beruf an den Nagel hängen; wenn die Verleger dieser Presse um ihr internationales Ansehen besorgt wären, würden sie diese Schreiberlinge zum Tempel hinausjagen.
Aber es wird nichts von alledem passieren. Man wird in dieser Presse weder berichtigen, noch wird man die Lügner zur Verantwortung ziehen. Vielleicht wird man hier und da noch die Stirn besitzen, zu behaupten, was berichtet worden wäre, sei doch wahr. Denn hinter ihnen steht ja die Rüstungsindustrie und das jüdische Großkapital, das machthungernd die ganze Welt in seine Ketten schlagen will. Aber sie alle sollen sich nicht täuschen: Auch der dümmste und naivste Mensch im Ausland wird in absehbarer Zeit erkennen, wie ihn seine Presse an der Nase herumführt.
Vom allgemeinen journalistischen Standpunkt aus kann man diese Entwicklung, die die ausländische Presse in dieser Hinsicht nimmt, nur aufrichtig bedauern, denn der ehrbare Stand der Journalisten in der ganzen Welt wird dadurch degradiert. Es gibt auch in Deutschland noch genug Leute, die alles für bare Münze nehmen, was die ausländische Presse über Deutschland schreibt. Je dicker dort die Lügen aufgetragen werden, desto mehr finden sie bei manchen Leuten m Deutschland Glauben, und dann haben dieselben Kreise nur ein mitleidiges Lächeln für die eigene deutsche Presse übrig, weil sie bei der Wahrheit geblieben ist und ihr . eigenes Nest nicht beschmutzt hat. Es küm-.
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Der Reichsinnenminister über Fragen der Reichsresorm
Gegen unberechtigte Preissteigerungen
Der Zeitungskrieg mit der Schweiz
Oesterreichs Berliner Gelandtenposten soll vorläufig nicht besetzt werden
Reue Wege der europäischen Politik
Zur Gnglandrerfe des französischen Außenministers
(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)
Berlin, 11. Juli.
Zu den Londoner Verhandlungen des französischen Außenministers erfährt unsere Berliner Schriftleitung von bestinformierter politischer Seite folgende interessante Einzelheiten:
Es ist als sicher anzusehen, daß Barthou sowohl England wie auch Rußland zu einem grundsätzlichen Wandel ihres bisherigen außenpolitischen Standpunktes beeinflußt hat. Offenbar hat England auf jede französische Abrüstung verzichtet und sein Ja und Amen zu dem französischen Paktsystem gegeben, um auf dem Kontinent von allen Bindungen entlastet zu werden, und um sich seiner Uebersee-Sorgen besser widmen zu können. Damit hat Großbritannien die französische Hegemonie in Europa anerkannt und den Vertrag von Versailles auch weiterhin als Grundlage der europäischen Politik angenommen, obschon er durch den Abrüstungsverzicht ein sehr gefährliches Loch bekommen hat.
Rußland seinerseits hat seine Abscheu vor dem „bourgeoisen Gehabe" des Völkerbundes und seiner Schiedsgerichtsbarkeit zu den Akten gelegt und dürfte in aller Kürze Mitglied der „Sooistö
Barthou wieder in Varis
Die französische Presse zum Ergebnis der Londoner Reise
Paris, 11. Juli.
Außenminister Barthou ist am Dienstagabend von seiner Londoner Reise nach Paris zurückgekehrt. Aus den Ausführungen der Pariser Presse geht einwandfrei hervor, daß die englische Regierung sich mit dem Abschluß eines Ostlocarno nur für den Fall einverstanden erklärt, daß die natürlich? Folge davon eine allgemeine Rüstungsbeschränkung und die Aufgabe der starren Haltung Frankreichs ist, die in der Note vom 17. April zum Ausdruck kommt. Man befürchtete englischerseits, Rußland könnte in den Locarnovertrag hineingezogen werden. Baldwin habe Barthou zu verstehen gegeben, daß England um keinen Preis Rußland als Partner in einem Abkommen haben wolle, in dem seine eigenen Interessen auf dem Spiel stünden. Erst nachdem der französische Außenminister versichert hatte, daß Rußland in keiner Form am Locarnovertrag beteiligt würde, daß für England aus dem Ostlocarno keine neuen Verpflichtungen erwachsen, und daß dieser auf Gegenseitigkeit beruhe, habe man englischerseits sich dazu bereiterklärt, den französischen Bemühungen wohlwollend gegenüberzustehen. Das Versprechen der englischen Regierung, in Berlin vorstellig zu werden, um auf die angeblichen Vorteile dieses Paktes hinzuweisen, scheine ohne besondere Ueberzeugung von dem Erfolg eines solchen Schrittes gemacht worden zu sein.
Mailand, 11. Juli.
In den italienischen Blättern wird nach Abschluß der Besprechungen Barthous in London in allen Ueberschriften die Reise als ein Fehlschlag bezeichnet. „Stampa" erklärt, daß man jetzt nach Barthous Londoner Reise eine erste Bilanz über die Lage ziehen könne. Der Besuch Barthous in Brüssel habe keine für Frankreich günstigen Ergebnisse gezeitigt. Auch die Resultate der War-
anderen Nationen. Dieser Grundsatz ist genau so einfach, wie die Absichten Barthous verwickelt sind. Ein Ostlocarno unter Einschluß Deutschlands, Rußlands, Frankreichs, Polens, der Tschechoslowakei und der baltischen Länder würde bedeuten, daß im Falle irgendeiner kriegerischen Verwicklung die Leidtragenden immer zuerst Deutschland und Polen sein würden, sei es als Aufmarschgebiet russischer oder französischer Heere zum Schutze irgendwelcher Grenzen der Vertragspartner, sei es als Operaiionsbasis fremder Armeen oder als Angegriffener. Ob Frankreich Deutschland angreift oder die Tschechoslowakei Polen, oder ob Rußland ins Baltikum einmarschieren würde, immer hätten gerade wir unter den Kriegswirren unmittelbar zu leiden.
Aus diesem Grunde scheint uns das ganze Flechtwerk von Verträgen und Pakten, das Frankreich erstrebt, keine greifbare Lösung der europäischen Krise zu sein. Frankreich würde aus seinem innerpolttischen Dilemma und aus seiner zwiespältigen Auslegung der Rüstungsfrage besser und anständiger herauskommen, wenn es in die Friedenshand einschlagen würde, die ihm das deutsche Volk entgegenstreckt.
Die Todeöftrahlen
Mit Sl> Millionen Volt gegen 10 000 Flugzeuge Newyork, 11 . Juli.
Die Blätter veröffentlichen in sensationeller Aufmachung eine längere Unterredung mit Dr. Nikola Tesla, der weiteren Kreisen durch die nach ihm benannten Strahlen und durch seine Erfindungen zur besseren Auswertung des elektrischen Stroms bekanntgeworden ist.
In der Unterredung behauptet Dr. Tesla, es sei ihm gelungen, sogenannte „Todesstrahlen durch eine Art elektrischen Geschützes in wirkungsvolle Form zu bringen, so daß 10 000 Flugzeuge auf eine Entfernung von 250 Meilen und ganze Armeen vernichtet werden können". Nur die aller- stärksten Stahlpanzer, behauptet Tesla weiter, seien imstande, den Strahlen Widerstand zu leisten, mit denen nach jedem im Fernrohr sichtbaren Gegenstand gezielt werden könnte. Zur Erzeugung der „Todesstrahlen" sei eine Spannung von 50 Millionen Volt nötig. Es handele sich im wesentlichen darum, einen Apparat herzustellen, durch den Strahlen in freier Luft statt in dem bisher benötigten Vakuum ausgesendet werden. Ferner sei die Erzeugung von ganz enormen elektrischen Energien notwendig. Dr. Tesla, der bereits 77 Jahre alt ist, beabsichtigt, seine Erfindung der Genfer Abrüstungskonferenz vorzulegen.
London, 11 . Juli.
Das englische Luftfahrtministerium hat eine Anzahl moderner Nachtbomber in Auftrag gegeben. Es handelt sich um die ersten Eindeckertypen, die die englischen Luftstreitkräfte verwenden. Die neuen Flugzeuge sollen eine große Geschwindigkeit und einen beträchtlichen Aktionsradius haben.
Der rumänische Ministerpräsident Tatarescu ist in Begleitung des rumänischen Finanzministers am Mittwochvormittag in Paris eingetroffen.