Ausgabe 
(10.7.1934) Nr. 188
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Nr. 188 / 3. Vierteljahr

Dienstag, 10 . Äuli

Einzelpreis 15 Npf.

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Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, hat den Gauinspekteur und Kreisleiter für Bremen, Pg. Paul Wegen er, in seinen engeren Stab nach München berufen. Wenn wir hier an dieser Stelle dem ver­dienten Organisator der nationalsozialisti­schen Bewegung in Bremen und dem alten Kämpfer einige Abschiedsworte widmen, so hat das in keiner Form irgend etwas mit Personenkult zu tun. Paul Wegener wäre der Letzte, der sich verhimmeln lassen würde. Er hatte nie den Ehrgeiz in sich, nach außen hin als „der große Mann" zu erscheinen, im Gegensatz zu mancher „Größe", die in­zwischen gefallen ist. Mehr als einmal sind ihm andere Führerposten im Reiche ange­boten worden; er hat abgelehnt, weil er der „kleine" Kreisleiter, in Bremen bleiben wollte. Er war mit Bremen verwachsen wie kein anderer, er liebte dieses Bremen, weil er hier eine politische Mission zu erfüllen hatte. Und so ist es ihm auch in der letzten Woche schwer geworden, sein Amt hier auf­zugeben und in einen neuen Wirkungskreis, der hohe Verantwortung fordert, einzu­treten. Aber Pflichtgefühl und Disziplin, die Pg. Wegener besonders auszeichnen, muß­ten persönliche Wünsche zurückstellen lassen

Pg. Wegener gehört zu den wenig Aus- erwählten des Schicksals, die das Zeug zu einem wirklichen Führer des Volkes in sich haben. Wir haben selten einen Menschen getroffen, wie Pg. Wegener, dem nicht nur die Treue im Kleinen wie im Großen das höchste sittliche Gebot des Lebens ist, der auch konsequent und hart in seinem Han­deln ist — hart gegen sich und andere, wenn es notwendig erscheint — und der mit einem beneidenswerten Scharfblick die Dinge be­urteilt. Wir haben ihn in den kritischsten Situationen nie unruhig und nervös ge­sehen, aber hinter dieser unerschütterlichen Ruhe steckte glühender Fanatismus im Kampfe für die Idee. Er blieb auch ruhig, wenn Neid und Mißgunst ihn anspringen wollten, und das war oft genug der Fall. Mochten die kleinen Geister auch wüten, wie es ihnen beliebte, einen Paul Wegener konnten sie nicht stürzen. An der Ehrlichkeit seines Charakters und der Offenheit seines ganzen Wesens scheiterten alle Angriffe. Pg. Wegener hat darin einen guten Schulmeister gehabt: seinen Pater, der eine Arztpraxis in einem kleinen Städtchen in Oldenburg ausübt. Auch sein Vater ist Nationalsozialist aus der frühesten Kampfzeit der Bewegung,

und all' die guten Eigenschaften, die man in der Öffentlichkeit an dem Vater schätzt, finden wir beim Sohne wieder.

Wir haben persönlich die Arbeit Pg. We- geners für die Bewegung in all' den Jahren verfolgen können. Vom einfachen Unter­führer bis zu seiner heutigen Stellung. Mit besonderer Freude erinnern mit uns seiner Ausführungen in einem Kreise von Bürgern, als er das Recht der Jugend auf politische Willensbildung verteidigte, und mit welcher Schärfe er damals — es liegt viele Jahre schon zurück — das kommende Dritte Reich und die Aufgabe der jungen heranwachsen­den Generation in diesem Reiche zeichnete. Wir haben ihn in unendlich vielen Ver­sammlungen, auch dort, wo die Gegner an Zahl überlegen waren, als Redner gehört, und überall war der tiefe Eindruck seiner Worte unverkennbar. Was Pg. Wegener für Bremen, das für die Bewegung in den Kampfjahren ein besonders heißer Boden gewesen ist, geleistet hat, werden die Bre­mer am besten zu würdigen wissen; denn er hat sein Tätigkeitsfeld in Bremen nicht nur auf rein parteimäßige Dinge beschränkt, er hat mit seinen Freunden im Bremer Se­nat tatkräftigst für den wirtschaftlichen Auf­bau der alten Hansestadt gearbeitet. Daß seine Arbeit in der Bevölkerung anerkannt worden ist, beweist die große Sympathie, die sich Pg. Wegener in allen Kreisen er­worben hat; daß diese Arbeit auch die Wür­digung bei der obersten Führung gesunden hat, zeigt am besten seine Berufung zum Stab des Stellvertreters des Fühlers. Auch die Tatsache, daß Pg. Wegener oer jüngste Reichstagsabgeordnete ist, zeugt von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Bremen sieht Pg. Wegener nicht leichten Herzens scheiden. Sein Name ist mit der Geschichte der Revolution in Bremen auf immer verbunden. So schmerzlich das Schei­den Pg. Wegeners für Bremen und für die hiesige nationalsozialistische Bewegung auch ist, wird dieser Verlust doch damit ausge­glichen, daß in den engeren Stab des Stell­vertreters des Führers ein Mann eintritt, der die Nöten und Schmerzen Bremens kennt und der im gegebenen Augenblick auch sein Wort für Bremen in die Waagschale werfen wird.

Auch die „Bremer Zeitung" verliert in Pg. Wegener einen treuen Freund und För­derer, der immer Verständnis für die Schwie­rigkeiten eines jungen Zeitungsunterneh­mens aufgebracht hat. So begleiten Pg. We- ener unsere und der gesamten Bevölkerung esten Wünsche für die Zukunft, die wir

zusammenfassen wollen in einem aufrichti­gen und herzlichen „Sieg-Heil!"

Paul Wegener wurde am 1. Oktober 1908 in Varel in Oldenburg geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wilhelmshaven und Ballen- stedt am Harz studierte er auf der Deutschen

Kolonial-Hochschule in Witzenhausen. Später war er in Bremen kaufmännisch tätig. Schon früh trat er der SA. bei und wurde als Standar­tenführer der Standarte Varel ein­gesetzt. Nach Leitung der SA.-Führer- schule Dornum wurde er am 16. Juni 1932 als Führer der SA -Standarte 75 nach Bremen versetzt. Am 6. März 1933 wurde Pg. Wegener zum Kreisleiter des Krei­

ses Bremen der NSDAP. bestimmt. Auf dem Parteitag 1933 konnte er vom Führer das Feldzeichen der Standarte 75 empfangen. Am 12. November wurde er Mitglied des Reichstages, Mitglied der Bremischen Bür­gerschaft und Staatsrat. Anfang Mai dieses Jahres erfuhr Pg. Wegener eine weitere Be­förderung in der Einsetzung als Eauinspek- teur.

Sowjet-Strategie im Fernen Osten

Russische Giftgasfabriken, Flughäfen und Oellager / Die Transfibirienbuhn zweigleisig?

Genf, 9. Juli.

Nach den hier vorliegenden, ausführlichen Be­richten englischer und amerikanischer Beobachter, die zurzeit noch im Fernen Osten weilen und als heimliche Anspasser auch dort bleiben werden, hat Rußland es fertig gebracht, die militärische Lage zu stabilisieren. Das bedeutet, daß gegenüber einem eventuellen japanischen Vorstoß eine Kräste- balance vorhanden ist, die den Schlag nicht mehr wie in früheren Jahren zu einem glatten Ge­winn für Japan werden läßt. Gerade die letzten zwei Monate haben Vorbereitungen gebracht, die sich aus der russischen Seite genau verfolgen lassen. - Die FIugbasisinJrkutsl.die für Japan eines Tages sehr peinlich werden kann, ist voll­endet und in vollem Umfange betriebsfähig. Im westlichen Sibirien sind drei große chemische

Fabriken mit der ständigen Fabrikation aller Stoffe beschäftigt, die man eines Tages zur Her­stellung von Giftgasen im großen braucht. Im östlichen Sibirien sind mächtige Oellager errichtet worden.

In der Mongolei steht ferner, wie wir zu­verlässig erfahren, eine Kavallerie-Division be­reit. An der Mandschukuo-Grenze liegt eine ganze Division der G^ll -Spezialtruppen.

Die russische räste am Baikal-See sind seit 1932 genau ve . ppelt. Im ganzen rechnet man mit 150 090 Mann, 50 schweren Geschützen, 800 Feldgeschützen, ebensovielen fliegenden Batterien, 400 leichten Tanks, 5090 Maschinengewehren und 400 Flugzeugen. Die russischen Strategen ver­sichern, daß damit das Gleichgewicht genau her­gestellt sei gegenüber den Japanern.

Aber nicht nur das augenblickliche Gleichgewicht ist hergestellt: man hat auch die Zufuhr gesichert.

Mit Hilfe von 115 000 „Klassenfeinden", die zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, hat man die gesamte Transstbirien-Vahn zweigleisig gemacht. Das letzte Stück wurde in diesen Tagen voll­endet. Aber man verschweigt, daß einige Tun­nels und mehrere Brücken z. B. auch bei Chita nach wie vor eingleisig sind, unter gewissen Um­ständen also eine Sackgasse darstellen.

Die Sowjets sind sich über die möglichen Stö­rungen in der Fernost-Versorgung vollkommen im klaren, deshalb haben sie auch die Zwangssied­lungen angeordnet, an denen jene Bauern be­teiligt sind, die man aus anderen Teilen, vor allem des europäischen Rußlands, auswies. Sie sollen mit ihren Erzeugnissen den Truppen den Rücken decken. Aber man baut keine sibirische Lebensmittelversorgung über Nacht aus. Es kommt mithin hier noch immer alles auf den Zeitpunkt einer Krise an, auch wenn die mili­tärische Lage im Augenblick stabilisiert ist.

Debatte über Möglichketten der deutsch-sranzösifchen Verständigung

Die Pariser Presse widmet der großen Rede des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, breite­sten Raum und unterstreicht dabei in erster Linie die Ausführungen, die direkt an die Adresse Frankreichs gerichtet sind.

Der „Mattn" stellt einleitend fest, daß Rudolf Heß zu den Lberlegendsten Führern des neuen Deutschland gehöre, der sich stets sehr zurückgehal­ten habe. Wenn man ihn auch nicht als neuen Mann hinstellen könne, so könne man ihn doch zum mindesten als einen Mann bezeichnen, der geeignet sei, das Zeichen für die neue Ehre des Nationalsozialismus zu geben. Seine Ausführungen seien bedeutsam, weil sie viele Gedanken enthielten, von denen man an­nehmen könne, daß sie vorher gründlichst mit dem Führer durchgesprochen worden seien. Die fran­zösische Oefsentlichkeit werde sicherlich überrascht sein, nach den Ereignissen vom 30. Juni plötzlich den Bemühungen eines so vernünftigen außenpoli­tischen Aufbaues gegenüberzustehen.

„Echo de Paris" behauptet, daß sich an den außenpolitischen Forderungen des Reichskanzlers nichts geändert habe, unterstreicht aber auch den Aufruf an alle ehemaligen Front­kämpfer und die besondere Hervorhebung der französischen Kriegsteilnehmer.

Der rechtsstehende „Jour" führt aus: „Kein Franzose weigere sich, diese bewegten Worte anzu­hören. Man erkenne auch in Frankreich den moralischen Wert und die geschichtliche Bedeu­tung an, die eine deutsch-französische Verständi­gung haben würde. In Deutschland werde aber immer wieder vergessen, daß man Frankreich nicht von den Vorteilen einer Verständigung überzeu­gen müsse, sondern davon, daß eine solche Ver­ständigung möglich sei. Deutschland müsse das Vertrauen Frankreichs gewinnen, Heß sei das noch nicht ganz gelungen. — „Excelsior" vertritt die Ansicht, daß die Rede als Vorbote einer Aenderung der Außenpolitik des Reiches ange­

sehen weroeu Magie. Nuau habe den Eindruck, als ob dieser erste Schritt, der im krassen Gegen­satz zu den letzten Angriffen gegen Frankreich stehe, als Auftakt für genauere Vorschläge anzu­sehen sei.

Der „Jntransigeant" schreibt: „Es ist kein Zu­fall, wenn Herr Heß eine von Versöhnlichkeit und friedfertigster Beteuerung strotzende Rede gerade an dem Tag gehalten hat, an dem Barthou nach London abreist. Er wollte, daß unsere englischen Freunde eine Antwort bereit hätten, wenn wir auf die berechtigte (?) Befürchtung hinwiesen, die die Haltung Deutschlands uns eingeflößt hat." Nichtsdestoweniger gibt das Blatt zu, daß dieser Rede eine besondere Bedeutung zukomme.

Der „Paris-Midi" meint, wenn Heß sich auf den sogenannten Friedensappell beschränkt hätte, würde man ihm nur haben Beifall zollen können, aus dem einfachen Grunde, weil wir ehemaligen französischen Frontkämpfer unaufhörlich danach trachten, das Unheil zu verhindern. Jedoch kön­nen wir nicht umhin, unsererseits zu fragen, ob die Drohung wirklich unerläßlich ist. Zweifellos kennen wir alle den kämpferischen Wert des deut­schen Soldaten, und daß das deutsche Volk sich nach Frieden sehnt, daran zu zweifeln, haben wir kein Recht."

London, 9. Juli

Die Rede des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, findet in der englischen Presse aller­größte Beachtung. „Nationalsozialistische Auffor­derung an die Frontsoldaten der Welt" und „Friedensangebot an Frankreich" lauten die Ueberschriften des „Daily Telegraph". Die „Daily Mail" meldet: „Herr Heß setzte sich ener­gisch für eine Einigung mit Frankreich ein, in­dem er sich auf die Tatsache berief, daß die Front­soldaten aller Länder den Frieden wünschen". Besonders beachtet werden die Aeußerungen des Stellvertreters des Führers über Deutschlands Berteidigungswillen gegen einen feindlichen Ein­fall, die als „Warnung an Frankreich" gedeutet

werden. Die Blätter heben oen ungeheuren Bei­fall hervor, mit dem diese Worte wie auch ande­rerseits die Friedensaufforderung an Frankreich aufgenommen wurden. Die „Times" sagt, die Rede von Hetz sei das Ereignis des Tages und widmet ihr zwei Spalten des Mittelblattes unter der Ueberschrift „Die Soldaten und der Frieden".

Brüssel, 9. Juli.

Der Friedensappell des Stellvertreters des Füh­rers an die Welt wird in der öffentlichen Mei­nung Belgiens sehr' beachtet. Die gesamte Presse bringt lange Auszüge aus der Rede. Aus den gro­ßen Schlagzeilen der Blätter, in denen der Haupt­inhalt der Rede kurz und meist objektiv charakte­risiert wird, und aus den zahlreichen Zwischenüber- schriften ist zu ersehen, daß die Rede eine starke Wirkung ausgeübt hat. Verschiedene Blätter un­terstreichen die politische Bedeutung der Ausfüh­rungen des Reichsministers Heß durch einen Hin­weis auf die besondere Vertrauensstellung, deren er sich beim Führer erfreut. Besonderen Eindruck hat die offene Art gemacht, mit der das deutsch­französische Verhältnis in der Rede behandelt wird. Es ist unverkennbar, daß die Rede eine er­folgreiche Gegenwirkung gegen die Hetzkampagne der letzten Tage ausgelöst hat.

Die Vermutungen einiger französischer Blätter, daß Rudolf Heß mit seiner Rede den Londoner Verhandlungen Barthous eine für Frankreich ungünstige Wendung habe geben wollen, werden den über den Tagesereignissen stehenden grundlegenden Ausführungen nicht im entferntesten gerecht. Es hilft alles nichts, Frankreich steht mehr als je vor der Entscheidung, ob es in die ausgestreckte Hand Adolf Hitlers einschlagen will oder nicht, für rein taktische Ueberlegungen und Ablenkungsmanöver ist die Frage der deutsch-französischen Verständigung zu ernst.

Erneuter Rückgang der Arbeitslosigkeit

Berlin, 9. Juli.

Die Entlastung der Arbeitslosigkeit hat im Juni, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung berichtet, wei­tere Fortschritte gemacht. Nach einem Rückgang um rund 47 009 betrug die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen rund 2 482 000. Die Abnahme wurde getragen von den lonjunkturabhängigen Wirtschaftszweigen.

In den Außenberufen hat dagegen die Arbeits­losigkeit etwas zugenommen. Bedeutsam bleibt, daß auch im Verichtsmonat wieder einige mit Großstädten durchsetzte industrielle Bezirke einen weiteren überdurchschnittlichen Rückgang der Ar- beitsloscnziffer zu verzeichnen haben, so vor allem Eroß-Berlin. Mit Rücksicht aus die bisherige günstige Entwicklung der Außenberufe und zur Deckung des Kräftebedarfs in der Landwirtschaft mußten die von der Reichsanstalt geförderten Notstandsarbeiten etwas eingeschränkt werden.

Die Zahl der Notstandsarbeiter ist daher im Juni um rund 110 000 aus 392 000 gesunken. Die Veschäftigungsschwankung bei den öffentlichen zusätzlichen Arbeiten konnte indes in der Gesamt­zahl der Arbeitslosen mehr als ausgeglichen werden. Demnach konnte die freie Wirtschaft nicht nur den bereits erreichten Beschäftigungsstand be­haupten, sondern darüber hinaus im Laufe des Monats Juni eine beachtliche Zahl weiterer Ar­beitskräfte — zum Teil infolge der mittelbaren Wirkung der Arbeitsbeschaffung — aufnehmen.

Bon der Gesamtzahl der unterstützten Arbeits­losen befanden sich 1 078 000 in den Unter­stützungseinrichtungen der Reichsanstalt und rund 797 090 als anerkannte Wohlfahrtserwerbslose in der gemeindlichen Unterstützung, deren Be­lastung damit gegenüber Ende Mai weiter um rund 35 009 Arbeitslose abgenommen hat. Unter den von der Reichsanstalt betreuten Arbeitslosen waren rund 265 090 Hauptunterstützungsempfän­ger in der Arbeitslosenversicherung und rund 813 000 Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenunterstützung.

Deutscher Memel-GchrM

Berlin, S. Juli.

Die Neichsregierung hat im Hinblick aus die Vorkommnisse im Memelgebiet und die immer stärker hervorgetretenen rechtlosen Zustände eine Note an die Signatarmächte des Memel-Statuts gerichtet.

Das vor zehn Jahren in Paris abgeschlos­sene Memelabkommen sieht bekanntlich die Wahrung der Autonomie des Memellandes vor. Dem Staat Litauen ist zwar die Ober­hoheit über den Gebietsstreifen an der Ost­see zuerkannt, gleichzeitig aber ausdrücklich jedes Recht zu Entdeutschungsmaßnahmen abgesprochen worden. Die Signatarmüchi. des Memel-Statuts England. Fränkisch. Italien und Japan werden nam dm Amtsenthebung des deutschen Präsidenten Dr. Schreiber und den za.i reichen Beamten-Entlassungen der letzten Tage über eine ganze Serie von Hebel­griffen seitens Litauens zu verhatttzeln haben.